100 Jahre Marilyn Monroe. Die Journalistin und Schriftstellerin Jenni Zylka huldigt den Filmen der Filmikone Marilyn Monroe zu deren 100. Geburtstag am 1. Juni 2026. Ihre “Marilyn Monroe. 100 Seiten” sind keine Biographie, sondern Filmjournalismus, eine Analyse ihrer Rollen hinter und vor der Leinwand.
Marilyn zwischen Femme Fatale und Fragile
Bereits 1946, gerade einmal 20 Jahre alt, war Norma Jean Baker – so ihr bürgerlicher Name – auf 33 Magazincovern abgebildet. Sie nahm in diesem Alter aber auch schon Schauspielunterricht im Actor’s Lab, einer Schule, die politisch links stand und sich gegen Rassentrennung aussprach. Einiger ihrer Mitglieder kamen später auch auf Hollywoods Schwarze Liste, weiß die Autorin. Ihre inzestuös-missbräuchlich klingenden Daddy-Lieder bekommen ebenfalls einen anderen Beigeschmack, wenn man ihre Peggy Martin Interpretationen in “Ladies of the Chorus” (1948) mit starkem Blues-Timbre vernimmt, was später leider nie mehr zu hören war. Während sie in “Dont bother to Knock” noch gleichzeitig als Femme Fatale und Fragile zu sehen war, wird sie später auf ein doch eher klassisches weibliches Rollenbild festgeschrieben. Wogegen sich MM aber auch zu wehren wusste, wie ihre spätere Karriere zeigt, in der sie eine eigene Produktionsfirma, Marilyn Monroe Productions Incorporated, gründete. Eine weitere Anekdote zeigt, dass Marilyn durchaus fortschrittlich war: bei einem Konzert von Ella Fitzgerald im segregierten Colorado habe sich MM erfolgreich gegen die übliche rassistische Praxis, Schwarze Künstler:innen über den Seiteneingang in den Club zu schicken, gewehrt. So erzählt von Ella herself in ihrer Autobiographie, schreibt Jenni Zylka.
MM und ihre Rollen im Film
“Blondinen bevorzugt”, “Manche mögen’s heiß”, “Das verflixte 7. Jahr” oder “The Misfits” u.v.a.m. Der naive Filmcharakter, in der Theatersprache “ingénue” bezeichnet, das blonde Dummchen, ihre Rollen als “the girl” waren wohl die Rollen, die das männliche Publikum sich für eine Frau ihrer Träume damals wünschte. Aber zeitlebens tanzte Marilyn auch aus der Reihe, etwa in der köstlichen Komödie von Billy Wilder “Some like it hot”, in der klassische Genderrollen scharf an der Filmzensur vorbei neu interpretiert wurden. Marilyn in ihrer Rolle als “Sugar” (schon das eine eher klassische Rollenzuschreibung) habe ihren Mann allein durch Liebe zu dem Mann gemacht, den sie wolle, schreibt Zylka. “Sie ist bei genauer Betrachtung keine echte Hauptrolle, aber bildet das körperlich-emotionale Zentrum des Films, dessen Integrität, Naivität und Weichheit dazu dienen, die handelnden Männer zu veredeln, bei ihnen eine Entwicklung in Ganz zu setzen”, so Zylka über Sugar. “Für mich spiegeln Marilyn Monroes Charaktere die Rollen, die Frauen in der Gesellschaft zugestanden wurden und werden. Marilyn ist eine Kämpferin in einem starren System”, meint die Autorin abschließend und hat doch gerade in ihren 100 Seiten bewiesen, wie sehr sich Marilyn Monroe selbst zu einer emanzipierten Frau entwickelte. Immerhin war sie ja erst 36 als sie unglücklicherweise an einer Überdosis Barbiturate am 4.8.1962 verstarb. Von Jenni Zylka ist bei Reclam zuletzt auch “Tina Turner. 100 Seiten.” erschienen.
Jenni Zylka
Marilyn Monroe. 100 Seiten
Die Ikone des 20. Jahrhunderts
2026, 100 Seiten – 12 farbige Abbildungen, 1 Schaubilder. Mit 4-farbigen Abbildungen und Infografiken.
ISBN: 978-3-15-020793-2
Reclam Verlag
12,00 €


100 Jahre Marilyn Monroe: Meine Woche mit Marilyn. Auch nach mehr als 60 Jahren ist Marilyn Monroe immer noch ein Mythos. Aber aus Anlass ihres Geburtstages am 1.6.1926 erscheint eine Vielzahl von Publikationen, die mehr Licht in das Rätsel um die eigentliche Norma Jean Baker bringt




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