Mehr (gutes) Essen essen

Suppen, Kuchen, Fish und Fleisch sowie ein “Vegetarisches Festessen” bietet die Fortsetzung des XX erschienen “Essen essen”, also “mehr Essen essen”. Denn was echtes Essen ist, das zeigen nicht nur die bunten Illustrationen von Kat Menschik, sondern auch ein “paar Albernheiten”, die das Leben und die Lust erheitern.

Rezepte ohne Tabus

Ab und zu trinkt die Autorin schon noch was, mittags eine kleine Mahlzeit, tagsüber Yoga und kalte Duschen. Wo bliebe da sonst der Spaß? Ihre Reise durch das bunte Gemüse lässt sie am Silvester beginnen, darauf folgt die Fastenzeit, die zeigt wie reichhaltig und abwechslungsreich man sich ernähren kann – ganz ohne Fisch und Fleisch. Rotkrautsalat, Spiegelei in Stulle, Eintopf mit Kichererbsen und Berglinsen und Ras El Hanout oder eine Tasse Goldenen Milch? Was das genau ist, erklärt die Illustratorin in knalligen Farben und großzügigen Schriftzügen, die über die ganze Doppelseite federn. Kurkuma, Ingwer und Muskat machen aus jeder x-beliebigen Hafermilch einen goldenen Genuss, der von innen wärmt. Ebenso das Rezept für das selbstgemachte Sauerteigbrot, das besonders gesund ist, wenn man Roggenmehl verwendet. Bald ist dann schon Ostern und man findet sogar ein Kuchenrezept mit Frischkäse und Mascarpone, also eine Schlemmerei, die die Fastenzeit beendet. Auch ein Schokoladekuchen darf es mal sein, Hauptsache selbstgemacht und nicht aus der Retorte. Dazwischen auch mal ein Gin Tonic mit gefrorenen Himbeeren? Die Farben mit denen Kat Menschik sind so bestechend, dass man am liebsten gleich loslegen möchte, wäre da nicht der lästige Weg zum Garten hinaus, wo selbstverständlich alles schon wächst. Wir haben wieder Frühling!

Ein Familienfest der Lebensfreude

Inspirierend und auf die schöne Zeit vorbereitend, gerade jetzt, wo sich die Natur verabschiedet, sind aber auch die Herbstrezepte von Kat Menschik oder “Kochen mit der Lieblingsfarbe”. Gefüllte Paprika geht aus Liebe zu den Tieren übrigens auch ohne Fleisch, wie das köstliche Rezept von Menschik zeigt. Die von ihr gezeichneten Paprika sind so knackig, dass sie auf der Seite frisch zu glänzen scheinen, als wären sie gerade geerntet und gewaschen worden. Das Weihnachtsessen-Rezept am Ende des wohl buntesten Kochbuches der Geschichte der Kulinarik führt die ganze Familie wieder an einem Tisch zusammen und es lässt sich dabei gut beraten, was dieses Jahr an Silvester wohl passieren wird oder am Tisch steht: Red Velvet Cake, knallpinke Rote-Bete-Suppe, Mama Olgas Blaumohnkuchen oder der legendäre Ketchup-Nudel-Auflauf von Schwiegermutter Christl?. Kat Menschiks Reihe Lieblingsbücher gilt als eine der schönsten Buchreihen der Welt. Zahlreiche von ihr ausgestattete Bücher wurden schon prämiert. Zuletzt erschienen: Lieblingsmärchen, Westend und Wer bist du?

Kat Menschik
Mehr Essen essen
Illustrierte Lieblingsbücher, Band 22
2026, Hardcover, 112 Seiten
ISBN: 978-3-86971-339-7
Galiani-Berlin
Euro 23,00


Genre: Illustration, Kochen, Lebenskunst
Illustrated by Galiani

Junge aus West-Berlin

Junge aus West-Berlin. Der Mauerfall ist auch schon wieder 35 Jahre her. Die Politik feierte sich selbst, aber wie war das damals eigentlich für die Menschen? Maxim Leo hat eine Liebesgeschichte geschrieben, die vor dem Systemwechsel beginnt und mit demselben endet. Marc und Nele erzählen abwechselnd
Was sie damals erlebten und die Illustratorin gibt ihren Gedanken Gestalt in inspirierenden Bildern.

Romeo/Julia zwischen West/ Ost

Das zudem Besondere an diesem 18. Band der Lieblingsbuch-reihe von Kat Menschik sind nicht nur die vierfarbigen Illustrationen, die Hoch- und Tiefprägung, der Farbschnitt und das Lesebändchen, sondern auch der alte, imprägnierte DDR-Stempel am Pappcover. Da werden Erinnerungen sogar haptisch wach, ein unglaubliches Erlebnis. Marc, der Junge aus West-Berlin, fährt an den Wochenenden gerne in den Osten. Dort ist er jemand, er fällt auf, weil er Geschenke wie Bücher, Platten, Musikzeitungen mitbringt und Dinge weiß, von denen keiner je etwas gehört hat. So lernt er auch Nele kennen mit der er Sartre liest, Weinbergschnecken isst und von Paris träumt. Eines versichert ihm Nele, dass “wir nie von München oder Hamburg geträumt haben. Dafür umso mehr von Montmartre, Picasso, der Provence und Alain Delon“. Auch wenn die Westdeutschen später etwas anderes behaupten würden. Nele zeigt Marc wie man in Ostberlin ganze Straßenzüge von Dach zu Dach springen konnte, über Flachdächer, auf denen man geradezu flanieren konnte, wie sie französisch betont. Über die Liebe zu Nele sagt Marc, dass er sehr schnell begann Vertrauen zu entwickeln, “In uns. Das mag vielen banal erscheinen, für mich war es revolutionär“. Aber als sich das Ende der Mauer abzeichnet, befürchtet er, dass sie ihn nicht mehr lieben wird, wenn sie herausfindet, dass er eigentlich ein Niemand ist. Denn er ist gar kein erfolgreicher Tourmanager, sondern ein einfacher Roadie. “Ich hatte das Gefühl, ohne meine Legenden, ohne diese Mauer, ein Niemand zu sein.” Also hofft er, dass alles so bleibt wie es ist. Doch dann kommt die Nacht der Nächte. Der Mauerfall. Nele bemerkt, dass sie schwanger ist, aber Marc ist verschwunden. Werden sie sich in den Wirren der politischen Ereignisse wiederfinden?

Junge aus West-Berlin in Not

Die herzzerreißende Liebes-geschichte zwischen Marc aus Westberlin und Nele aus Ostberlin wird voller Liebe und Hingabe erzählt und zeigt, dass es oft nicht die Worte sind, die einen verbinden, sondern das, was man spürt. “Möglicherweise hätten wir dieses tiefe Verständnis, das wir füreinander hatten, sogar aufs Spiel gesetzt, wenn wir versucht hätten, es mit Worten zu ergründen.” Der Sommer 1989 war auch der Sommer der Liebe zwischen Marc und Nele. Rebellion und Aufbruch überall, fröhlich-bunte Anarchie im grauen Schattenland diesseits der Mauer. Autor Maxim Leo und Kat Menschik verarbeiten in ihrem gemeinsamen Buch auch ähnliche Erfahrugen, die sie damals gemacht hatten. Maxim Leo ist 1970 in Ostberlin geboren und dort aufgewachsen. Er ist Journalist und Autor. Er hat zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter seine autobiografischen Romane. Kat Menschik hat ihre Jugend wie Maxim Leo in Ostberlin verbracht und den Sommer 1989 in der Ostberliner Künstler- und Punkszene miterlebt. Heute ist sie namhafte Illustratorin. Verblüffend, dass sich die beiden damals gar nicht kennengelernt haben, meint Menschik, denn sie verkehrten in denselben Freundeskreisen und hatten ähnliche Interessen. PS: Das Mauergrau ist Absicht!

Maxim Leo, Kat Menschik
Junge aus West-Berlin. Mit Illustrationen von Kat Menschik
2024, 77 Seiten, vierfarbige Illustrationen, Hoch- und Tiefprägung, Farbschnitt, Lesebändchen
ISBN 978-3-86971-304-5
Galiani Berlin
23 € (D) / 23,70 € (A)


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by Galiani

Das Haus verlassen

Das Haus verlassen. Die Regisseurin Jacqueline Kornmüller brachte gemeinsam mit Peter Wolf u. a. die preisgekrönte Ganymed-Serie im Kunsthistorischen Museum auf die Beine. Zuletzt inszenierte sie Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami im Wiener Odeon Theater und und brachte damit Kat Menschiks Illustrationen auf die Bühne (2022). In vorliegendem bibliophil gestalteten “Pappband” erzählt sie vom Zauber der Dinge und der Freundschaft mit einem alten Haus, das mit ihr spricht. Oder nur sie mit ihm?

Illustrationen wie ein Garten

Band 17 von Kat Menschiks illustrierten Lieblingsbüchern wird verziert von Skarabäen, Fröschen, Blumen oder Puppen und ist eine wahrlich poetische Geschichte über Besitz und das Loslassen davon. Es geht um das alte Feldsteinhaus, das sich nicht so ohne weiteres von seiner Besitzerin trennen möchte. Sie bemüht sich zwar allerhand illustre Gestalten zur Besichtigung in ihr Anwesen zu laden, aber irgendwie will sie selbst nicht so richtig fortgehen. Zehn Jahre lebt sie nun schon in diesem Haus und will sich nun endlich vom Besitz trennen, denn es warten schließlich noch andere Abenteuer auf sie. Aber denkste! Das Haus hat Krallen und hält sie fest, wie ein von Kafka abgeleitetes Zitat über Prag lauten könnte (“Dieses Mütterchen hat Krallen”). Schließlich gibt es auch nicht viele Häuser, die mit einem sprechen. Aber viele Häuser mit denen sprechen kann, ohne dass diese antworten.

Das Haus verlassen: Oder doch nicht?

Die raubeinige Dorfgemeinschaft ist einerseits neidisch, andererseits belächelt sie ihre Bruchbude, die immerhin Jahre auf dem Buckel hat. Aber vom Dachboden bis zum Kellergewölbe, wo sich das Bad befindet, bis zum verwilderten oder den uralten Obstbäumen: es ist ihrs. Die Bewerber und Bewerberinnen, allesamt Immobilientourist:innen, geben die Klinke in die Hand geben. Da gibt es die Belgier, das Ehepaar Salz, oder die Frau aus dem 19. Bezirk, der Herr der Innenminister-Mann, der Samstag-Mann und die Samstagsfrau, die Schwangere, die Suchende u.v.a.m. Bald dämmert es nur dem Haus, dass die Immobilientourist:innen den Wert des Hauses gar nicht wirklich erkennen und ihn auch nicht zu. Aber da draußen wartet das Leben auf die Erzählerin und sie muss einfach mal wieder weg. Aus diesem Dorf vor allem. Diesem Haus. Doch dann stirbt plötzlich die Queen im fernen England und alles wird ganz anders.

Eine hinreißende kleine Erzählung, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig durch ansprechende Illustrationen von Kat Menschik und Liebhaber:innen von Geschichten wie damals.

Kat Menschik, Jacqueline Kornmüller
Das Haus verlassen
Mit Illustrationen von Kat Menschik
2024, bezogener Pappband, Kupferfarbene Prägefolie, Farbschniþ,Lesebändchenca. 96 Seiten
ISBN 978-3-86971-286-4
Galiani Berlin
22 € (D) / 22,70 € (A)

 


Genre: Erzählungen, Illustrationen
Illustrated by Galiani