Patti Smith gilt gemeinhin als Miterfinderin des US-amerikanischen “Punk”, der u.a. im New Yorker CBGB Mitte der Siebziger entstanden war. Als weitere Vorläufer gelten u.a. aber auch Velvet Underground, MC 5, The Stooges und natürlich die Ramones.
Godmother of Punk und für immer jung
Dennoch sind die Sex Pistols immer noch diejenigen, die die Bewegung in Großbritannien so richtig medienwirksam lostraten und in ihrem legendären Interview für’s britische Fernsehen mit der Anklage “You dirty old man!” dem TV Moderator Bill Grundy, der die junge Siouxie Sioux – während der Sendung – sexistisch belästigete, Sexismus für die Bewegung ausschlossen. Punk war nämlich von Anfang an gegen Geschlechterstereotype und sozusagen non-binär. Kersty Grether und Sandra Grether, die erst geboren wurden als Punk entstand, gehören nun wiederum zu den Erfinderinnen des Pop-Feminismus in Deutschland, einerseits als Journalistinnen, andererseits als deutschsprachige Riot-Grrrl-Band oder als Noise-Pop-Band The Doctorella. Dass die beiden Schwester, in ihrer hier vorliegendem Patti Smith Hommage, ihr ausgerechnet ihre vermeintlich anti-feministische Haltung zum Vorwurf machen, mag verwundern. Aber es handelt sich eben um unterschiedliche Wellen des Feminismus. Während Patti Smith in ihrer ganzen Existenz wohl dem Feminismus der Tat und weniger dem der Theorie zuzurechnen ist, ist diese Haarspalterei und Kritik an Patti Smith als “Godmother des Punk” doch eher belustigend zu lesen. Denn gerade in ihrem androgynen Auftreten brach Patti Smith klassische Geschlechterrollen auf und entwarf die Vision einer Musik, die losgelöst von Zuschreibungen einfach nur lauten Rock machte. Bis dahin eine Domäne der Männer, ja, aber keinesfalls für Frauen unzugänglich. Ganz im Gegenteil, wie die Geschichte der Rockmusik ja beweist. Das war eben “Punk”.
Drei große Karrierephasen der Ausnahmekünstlerin im Rückblick
Auf den Vorwurf Patti Smith hätte Debbie Harry (Blondie) damals geghostet oder kompetitiv abgefertigt folgen einige Bemerkungen zu einzelnen Songs des Debütalbums, “Horses” und viele Zitate aus den von Patti Smith selbst verfassten autobiographischen Texten, ihren Büchern, die vor allem beim KIWI-Verlag auf Deutsch erschienen. Eine nicht ganz ausgegorene Erwähnung, dass der Punk in New York eine “jüdische Schlagseite” gehabt hätte, wird nur noch von einigen selbstreferentiellen Ergänzungen übertroffen, etwa wie die beiden Schwestern den Tod Kurt Cobains verarbeitet hätten oder welche Rolle eine gewisse Mitschülerin im Leben der beiden gespielt hatte, die inzwischen eine millionenschwere Künstlerin sei. Eine Gesangskunstanleitung, sein eigenes singendes Inneres zu entdecken, macht Lust auf lautes Gekreische und Aufschreien, aber dann geht es doch munter weiter mit bio- und discographischen Fakten zu der ersten Phase von Smith’s Schaffen vor ihrem Rücktritt ins Private. Auch hier folgt prompt der feministische Vorwurf, sie hätte sich in ihrem Privatleben auf ihre Mutterrolle zurückgezogen. Aber nicht von den Grether Schwestern, sondern von anderen Zeitgenossen. Anscheinend soll Fred Sonic Smith, ihre Ehemann, ehemals bei MC5, Patti Smith sogar dazu gezwungen haben. Als das Album “Dream of Life”, die zweite Phase ihrer gemeinsamen Karriere eröffnen sollte, leider aber kläglich floppte, war Smith 2 ohnehin nur mehr ein Schatten seiner selbst.
Patti Smith: Musikerin, Rebellin, Literatin, Poetin
1994 starb dann nicht nur Kurt Cobain, sondern auch Fred Sonic Smith und der Bruder von Patti. Dank Bob Dylan hätte sich Patti aber zu einer zweiten und dritten Karriere aufgerafft. Inzwischen ist sie fast schon 80 Jahre und brachte in ihrer dritten Karrierephase zwar weniger Alben als vielmehr Bücher hervor, zählt aber immer noch zu den einflußreichsten Musikerinnen der Punk Ära. Auf ihren Tournee covert sie auch gerne junge Künstlerinnen wie Lana del Rey oder eben Nirvana (die Ewigjunggebliebenen).
Zuletzt erschien von den Grethers auch bei Reclam “Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik”. Seit 2025 betreiben die Schwestern außerdem die Sommerhaus KaffeeBar in Prenzlauer Berg.
Kersty Grether, Sandra Grether
Patti Smith. 100 Seiten
Biografie der Punk-Ikone
2026, Taschenbuch, Reihe 100 Seiten, 100 Seiten, 11 farbige Abbildungen, 1 Schaubild
ISBN: 978-3-15-020820-5
Reclam Verlag
12,00 €


Nach “Mendelsohn auf dem Dach” und “Leben mit dem Stern” veröffentlicht Wagenbach nun auch Jiři Weils umstrittensten Roman, sein Debüt, das im Moskau der dreißiger Jahre spielt. Die Hauptfiguren: Ri und Jan Fischer.
Schon Lilith sei eine Femme fatale gewesen, schreibt die Wienerin Samra Kljajic in ihrem in die 4. Auflagen gehenden Bestseller über die weiblichen Akteurinnen in der Geschichte der Menschheit. Denn Frauen waren nicht nur die Mütter von Herrschern, sondern legten auch selbst Hand an.
“Pookie, ich weiß nicht mehr wie ich mein Buch schreiben soll. Kannst du es mir nicht schreiben?” Lisa Marie Presley, die einzige Tochter von Elvis Presley, verstarb 2023 im Alter von nur 54 Jahren. Ihre Tochter Riley “Pookie” Keough stellte anhand von Tonbandaufnahmen ihrer Mutter die vorliegende Autobiographie zusammen, die auch für andere Trauerende eine Botschaft enthält.
Truman Capote war es, der Marilyn Monroe Mitte der 1950er Jahre an die Schauspiellehrerin Constance Collier vermittelte. Das erklärt auch die Vertrautheit der beiden, die in dem den Fotografien vorangestellten Text zu Tag tritt und der im Jahre 1955 spielt.
Das neueste Notizbuch kommt aus dem Hause Reclam und orientiert sich an der erfolgreichen Reihe “100 Seiten” zu Themen der Popkultur, Philosophie etc. Natürlich hat es
Das Notizbuch des Diogenes Verlags ist in Zusammenarbeit mit Hieronymus, einem der exklusivsten Schreibwarenhersteller der Schweiz, entstanden. Das Diogenes Notizbuch gibt es in drei Größen – small, medium, large und lässt in Sachen Beweglichkeit, Schlankheit, Papierqualität und einfachem Heraustrennen der Seiten keine Wünsche offen. Diogenes Notes sind fadengeheftet, in Leinen gebunden.
einem Song der deutschen Band Element of Crime. Am Anfang steht damit also die Überlegung, ob man lieber blanko oder kariert wählt. Das
Notizbuch des Suhrkamp Verlages daher, dafür trägt es aber den hochtrabenden Titel eines Literaturklassikers, der bei Suhrkamp 1988 erschienen ist, darauf. „Chronik der laufenden Ereignisse“, das Buch von Peter Handke wird hier zitiert und das Notizbuch sieht genauso aus wie ein Taschenbuch von Suhrkamp, denn in glänzenden Lettern steht der Titel groß auf der Vorderseite. „Schreiben geht nicht ohne Glanz“, ein Zitat von Peter Handke schmückt wiederum den Buchrücken in schillernden blauen Lettern auf schwarzem Grund. Es gibt aber auch andere Ausführungen, etwa “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” von Marcel Proust. Das Notizbuch des Suhrkamp Verlages ist vom Format her etwas größer als das Universal-Notizbuch von Reclam, aber immer noch handlich genug, dass es im Notfall in einer Gesäßtasche einer Jeans Platz hat. Das Notizbuch von Suhrkamp bietet genug Platz für Eintragungen, die durch nichts eingeengt werden, einzelne Seiten ließen sich auch herausreißen ohne Spuren zu hinterlassen, sollte man einmal einem Kollegen ein Blatt Papier borgen müssen. Aber würde das gerne tun? Zu schön ist der Anblick dieser hohen Literatur, die noch geschrieben werden muss.
Als Verbesserungsvorschlag könnte man noch anführen, dass es cool wäre, wenn die Umschlagseiten einklappbar wären, um schneller zu der jeweiligen aktuellen Seite zu gelangen. Es sei dann man schreibt immer auf der ersten Seite, weil man an die Kollegen zu viele leere Seiten verteilt hat. Ist das so gedacht? Egal, auf jeden Fall ein Schmuckstück in jeder Handtasche oder Hosentasche.
Das altmodische Design macht es zu einem wirklichen Designklassiker, dessen Schönheit an ein altes Schulheft erinnert, einer Zeit also, in der man selbst noch Schultüten bekam und die Süßigkeiten noch nicht so bitter schmeckten, sondern einen mit ihrem orientalischen Zauber aus Zucker und Honig einlullten, bereit für die Welt da draußen. Einen schönen Schul- resp. Unibeginn wünscht die Redaktion.
Eine kritische Reflexion auf Autorin und Mensch Bachmann wird in dieser ganz anderen Biographie auf interessante und sehr lesenswerte Art von Ina Hartwig aufbereitet. Zu Wort kommen auch Zeitgenossen und natürlich die Schriftstellerin und ihr Werk.
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Fotograf und Yale-Absolvent Peter Beard (1938–2020) gilt als Afrika-Fan der ersten Stunde. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete Beard im Tsavo-Nationalpark, im Aberdare-Gebirge und am Rudolfsee in Kenia. Einige der dabei entstandenen Collagen seiner Fotografien zeigt der neu erschienene Fotoband “The End of the Game” im Sonderformat.

Diese erweiterte Ausgabe mit über 370 Bildern – von Yosemite zur japanischen Küste, von Patagonien nach Bermuda, von den Alpen in die englische Heide – zeigt in einer nächtlichen Reise rund um den Globus den Vollmond in seiner ganzen Pracht.

Reading Journal. Wer Bücher liest, will sich auch erinnern. Eine Gedächtnis-stütze dafür liefert das vorliegende Panini Reading Journal im edlen Kunstledereinband und mit Goldschnitt und Platz für 114 Reviews gelesener Bücher.
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