Eine kritische Reflexion auf Autorin und Mensch Bachmann wird in dieser ganz anderen Biographie auf interessante und sehr lesenswerte Art von Ina Hartwig aufbereitet. Zu Wort kommen auch Zeitgenossen und natürlich die Schriftstellerin und ihr Werk.
Die Wahrheit ist auch Bachmann zumutbar
Die “Biographie in Bruchstücken” ist eine neue Form eines neuen erfrischenden Narrativs, das sich weniger an biographischen Daten als vielmehr an Zeugnnissen in Leben und Werk orientiert. Die Literaturredakteurin bei der “Frankfurter Rundschau” Ina Hartwig versteht ihr Handwerk. Die erweiterte Neuausgabe zum 100. Geburtstag Ingeborg Bachmanns am 25. Juni 2026 wurde selbstverständlich aktualisiert und mit einem eigenen Kapitel versehen, in dem auch auf die Biographie des Bruders Heinz und andere neuere Entwicklungen in der Bachmann Forschung eingegangen wird. Als “roter Faden” – wie die Biographin selbst schreibt – zieht sich die Freundschaft zu Henry Kissinger durch die vorliegende Erzählung über eine der wohl kontroversiellsten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Ingeborg Bachman war für ihre divenhaften Auftritte, ihre Beziehungen zu berühmten Kollegen wie Celan, Frisch oder Enzensberger bekannt, ihren spektakulären Tod (Selbstmord?), aber natürlich vor allem durch ihr einzigartiges Oeuvre. Promiskuitiv, medikamentenabhängig – um nicht zu sagen drogensüchtig – und gerne einem Gläschen Wein zugetan, so kennt man die Bachmann als Mensch. Mehr über sie erfährt man von Zeitzeugen wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Peter Handke oder Henry Kissinger, die Hartwig eigens für die vorliegende Publikation persönlich aufsuchte.
Die Ökonomie der Aufmerksamkeit
Der “Kritiker der Nation”, MRR (Marcel Reich-Ranicki, attestierte ihr das zitierte “divenhafte” Auftreten und legte in ihren Flüsterton eine “maximale Aufmerksamkeits-forderung“. Sie habe immer die absolute Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, so MRR, “sie umarmte die ganze Welt gewissermaßen flüsternd“. Die männlichen Protagonisten ihrer Romane nennt er “hysterische Mädchen mit männlichen Vornamen“. Aber sie bekam immer was sie wollte: als sie bei der Einreise in die USA ihren Pass verschlampt hatte intervenierte Kissinger persönlich und sie konnte einreisen. Das will was heißen, denn die US-Einreisebehörden sind auch damals schon für ihre Strenge bekannt. Dass der Kalte Krieg auch als ein “Finanzierungsmodell für Künstler und Schriftsteller” gelesen werden kann, exemplifizier Hartwig am Fall Bachmann, denn sie erhielt gleich mehrere amerikanische Geldströme. Die selbstattestierte “Hydra der Armut” könnte also durchaus ins Reich der Legenden verwiesen werden. In der Frontstadt Berlin war sie “kein Mauerblümchen” und lebte während ihres 30-monatigen, finanzierten Aufenthaltes auf, bis sie nach Italien übersiedelt. Aber sie reiste auch viel und konnte daraus viel Kraft fürs Schreiben schöpfen. Der Frisch-biograph Julian Schütt errechnet dass die beiden seltsam länger als vier Wochen gemeinsam an einem Ort verbracht haben, schreibt Hartwig, die gleichzeitig Frisch für das Scheitern der Beziehung rehabilitiert.
Ina Hartwig
Wer war Ingeborg Bachmann?
Eine Biographie in Bruchstücken
Erweiterte Neuausgabe zum 100. Geburtstag Ingeborg Bachmanns am 25. Juni 2026
Mit zahlreichen Abbildungen
2026, Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-596-71307-3
FISCHER Taschenbuch


América. Reich und arm, oben und unten, liberal und konservativ: Welten prallen aufeinander in diesem Roman, der 1995 unter dem Original-Titel “The Tortilla Curtain” erstmals erschien. Boyle beschreibt in “América” genau das Klima, das den Aufstieg eines gewissen Mannes mit rotblondem Haarschopf zum US-Präsidenten ermöglichte.
Fotograf und Yale-Absolvent Peter Beard (1938–2020) gilt als Afrika-Fan der ersten Stunde. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete Beard im Tsavo-Nationalpark, im Aberdare-Gebirge und am Rudolfsee in Kenia. Einige der dabei entstandenen Collagen seiner Fotografien zeigt der neu erschienene Fotoband “The End of the Game” im Sonderformat.

Diese erweiterte Ausgabe mit über 370 Bildern – von Yosemite zur japanischen Küste, von Patagonien nach Bermuda, von den Alpen in die englische Heide – zeigt in einer nächtlichen Reise rund um den Globus den Vollmond in seiner ganzen Pracht.

Reading Journal. Wer Bücher liest, will sich auch erinnern. Eine Gedächtnis-stütze dafür liefert das vorliegende Panini Reading Journal im edlen Kunstledereinband und mit Goldschnitt und Platz für 114 Reviews gelesener Bücher.
Kegeljunge. Der “Autor mit subtilem Witz”, Otto Jägersberg, erinnert sich an die Zeit, “als es noch Kegeljungen” gab. Aber auch über zeitgenössische Absurditäten macht er sich Gedanken und trägt diese in sein beim diogenes Verlag erschienes Journal ein. Notizen, Anekdoten, Gedanken…alle durchnummeriert bis Eintrag 160.
Offene Rechnung. Mit “Betty Blue” (1986) feierte der französische Autor Philippe Djian seinen internationalen Durchbruch. Sein neuester Roman ist wieder “eine etwas andere Liebesgeschichte”: der Journalist Nathan lebt mit Ehefrau und Schwiegermutter unter einem Dach, observiert eine Wanderin und bekommt die nackten Brüste seiner Ex-Chefin zu sehen.


276 Schnecken. Gastropodologe oder Malakologe, Helikologe oder Conchologe nennt man jene, die sich mit den “Endlingen” beschäftig en. So wie Jewa. Sie besitzt 276 Schnecken, die sie in ihrem beweglichen Labor, ein Wohnmobil, züchtet. Doch dann schlägt ihr das junge Mädchen Nastja einen ganz anderen Deal vor.
“Wenn ich die Lächerlichkeit fürchten würde, wäre ich nicht Schriftsteller geworden.” Gleich dreimal Erwin Piontek lässt Szczepan Twardoch in seinem neuen Roman “Sagen wir, Piontek” (Originaltitel) auferstehen. Oder ist es ein Mensch mit drei Leben? Die Wahrnehmung der Zeit und die Rolle des Individuums sowie dessen Sehnsucht im Fokus.
Da sitzt sie, in der Loge der Wiener Oper, neben sich zwei Bierdosen (natürlich Wiener Lager) und eine Schnitzelsemmel in der Hand. Stefanie Sargnagel, die Poetin aus dem Gemeindebau hätte sich das wohl so nie träumen lassen. Aber andererseits ist es vielleicht auch ein Verrat? Hat sie gar die Seiten gewechselt?
Martin Haidinger ist Historiker und Journalist beim Österreichischen Rundfunk, aber auch für BR Alpha und Deutschlandfunk. In seinem neuen Buch schreibt er über das problematische Verhältnis Hitlers zu seinen Landsleuten oder eher umgekehrt. Sein Buch baut vor allem auf Zeitzeug:innen-Berichten auf und zitiert diese teilweise in voller Länge.
Der unterrepräsentierten Rolle der Frau in der Ur- und Frühgeschichte wird in der Fortsetzung, Teil 2 von Die Frau als Mensch: Schamaninnen, nochmals laut widersprochen. “Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte”, also Teil 1, wurde mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2025 ausgezeichnet.
In diesen miesen Zeiten, in denen Emotionen ständig getriggert werden, sinnlose Ablenkungen und Zerstreuungen über uns hereinbrechen und “immer mehr medial vermittelt, aber immer weniger real erlebt wird“, ist es dringend notwendig, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Fokus zu finden und alles Überflüssige wegzulassen. “Entschleunigung” ist wieder angesagt!
“Ich bin von Ort zu Ort gerannt und allmählich von allen und allem weggerissen worden, was ich liebte.” Bereits in der 3. Auflage ist die autobiografische Überlebensgeschichte von Leokadia Justman, die dem Lager Reichenau entkam und die letzten Kriegsmonate in der Region von Lofer überlebte. Der erstmals ins Deutsche übersetzte autobiografische Bericht schildert das Überleben als Jüdin in Tirol während der NS-Zeit.