In diesen miesen Zeiten, in denen Emotionen ständig getriggert werden, sinnlose Ablenkungen und Zerstreuungen über uns hereinbrechen und “immer mehr medial vermittelt, aber immer weniger real erlebt wird“, ist es dringend notwendig, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Fokus zu finden und alles Überflüssige wegzulassen. “Entschleunigung” ist wieder angesagt!
Fokus statt Multitasking
Gelassenheit resp. Achtsamkeit (auf Englisch übrigens: mindfulness) muss als Kompetenz erst wieder neu erlernt werden. Früher wollte man “Multitasking” sein, heute ist genau das der Denkfehler. Denn Achtsamkeit lässt sich nur dann erreichen, wenn man sich auf genau das konzentriert, was man in dem Moment gerade macht. Das verlängert btw auch das Leben, denn wer ganz im Moment lebt, dessen Zeit (ver)fließt langsamer. “Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum“, schrieb schon Viktor Frankl und genau diesen Raum wollen wir uns wieder zurückerobern, so auch Hammer. Ein Ende der Dauerstimulation durch Bildschirme, Brillen, EarPods oder Kopfhörer kann nur durch Dissoziation erreicht werden. Der erste wichtige Schritt ist wohl eine strikte Trennung der Off- und der Onlinezeiten und ein damit verbundenes achtsames Atmen. Denn der Atem ist “ein äußerst stabiles Seil auf dem Weg“, weiß Hammer. Hirnforscher Daniel Siegel brachte es auf die Formel COAL: Curiosity, Openness, Acceptance und Love, in der Zen-Tradition auch “shoshin” oder “Anfängergeist” genannt, denn wie ein Kind mit offenen Augen sollten wir immer neugierig, staunend und interessiert das betrachten, was uns umgibt. So kann es auch hilfreich sein, seine Gedanken wie Wolken vorbeiziehen zu lassen, statt ihnen allzu sehr nachzuhängen. Die Bahnhof-Metapher passt da auch ganz gut.
Wieder über die Welt staunen
Statt einer Verschmelzung mit den Gedanken (also Fusion oder Verschmelzung) plädiert Hammer für eine De-Fusion wie in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Denn Gedanken, die Emotionen hervorrufen sind gar flüchtige Gesellen, “vorübergehende Phänomene, die kommen und gehen wie Wellen“. Um die Amygdala (Steuerung von Flucht/Kampf-Reaktion) zu beruhigen, reicht es oft schon, etwas Selbstmitgefühl zu entwicklen. Auch im Umgang mit sich selbst könne das für das Glück so notwendige Oxytocin ausgeschüttet werden. Matthias Hammer lenkt in seinen 100 Seiten Achtsamkeit also nicht nur unsere Gedanken in neue Bahnen, sondern empfiehlt auch einige Übungen, die uns dabei helfen können, “auf den Wellen zu reiten“. So kann man das altbekannte “Craving“, das nicht nur für Drogensucht, sondern für alle Süchte verwendet wird, etwa damit umgehen, dass man Handlungen neu kodiert. Statt zum Handy zu greifen also ein Glas Wasser trinkt oder durch Meditation zum Digital Detox kommt. Als kleine Meditationsanleitung reicht es oft schon, eine Pause zu machen, durchzuatmen oder einfach ein freundliches Wort an jemanden zu richten. Zum Beispiel sich selbst. Alles in allem also eine wertvolle Lektüre deren vollen Wert man erst ermessen kann, wenn man es selbst einmal ausprobiert hat und so eine wirkliche Kompetenz für die Zukunft entwickelt: abschalten.
Matthias Hammer
Achtsamkeit. 100 Seiten
Entschleunigung und Gelassenheit als Kompetenz für die Zukunft
2026, Taschenbuch, 100 Seiten, 4 farbige Abbildungen, 1 Schaubild
ISBN: 978-3-15-020796-3
Reclam
12,00 €


“Ich bin von Ort zu Ort gerannt und allmählich von allen und allem weggerissen worden, was ich liebte.” Bereits in der 3. Auflage ist die autobiografische Überlebensgeschichte von Leokadia Justman, die dem Lager Reichenau entkam und die letzten Kriegsmonate in der Region von Lofer überlebte. Der erstmals ins Deutsche übersetzte autobiografische Bericht schildert das Überleben als Jüdin in Tirol während der NS-Zeit.
Die erste jüdische Hochzeit nach dem Krieg in Innsbruck vermählte Joseph Wisnicki und Leokadia Justman. Das Schicksal hatte die beiden Holocaust-Überlenden zusammengeführt. Während Leokadia versteckt in Lofer den Krieg überlebte, musste sich Joseph Wisnicki mehrmals falsche Identitäten zulegen und entkam genauso wie Leokadia nur knapp.
Männer, Väter, Patriarchen. Männer vor und nach der Vaterschaft beschäftigen den Vater eines Sohnes Augustine Sedgewick. An der Harvard University promovierte er mit Forschungen zur globalen Geschichte des Kapitalismus, der Arbeit, des Essens und der Familie u. a. Außerdem eine Kulturgeschichte des Kaffees.
“Entspann dich mal!” Wir kennen es alle: keiner will diesen Satz hören, wenn gerade die Amygdala die Kontrolle übernommen hat. Dabei kann der Atem einen einfachen Weg aus der Erregung heraus herbeiführen. Durch eine bewusste Steuerung der Atmung, kann man wieder runterkommen und der präfontale Kortex übernimmt wieder das Ruder.
100 Jahre Marilyn Monroe. “Tausende Mädchen träumen davon, ein Filmstar zu werden. Aber ich habe am härtesten geträumt.” Eine der wohl amüsantesten Annäherungen an das Phänomen Marilyn Monroe dieser Tage hat wohl Hektor Haarkötter geschrieben. Denn es geht nicht nur um die platinblonde Sexgöttin, sondern auch um Anna Freud und die Psychoanalyse, genauer gesagt um “Sieben außergewöhnliche Tage mit Anna Freud”.


100 Jahre Marilyn Monroe. Die Journalistin und Schriftstellerin Jenni Zylka huldigt den Filmen der Filmikone Marilyn Monroe zu deren 100. Geburtstag am 1. Juni 2026. Ihre “Marilyn Monroe. 100 Seiten” sind keine Biographie, sondern Filmjournalismus, eine Analyse ihrer Rollen hinter und vor der Leinwand.
100 Jahre Marilyn Monroe: Meine Woche mit Marilyn. Auch nach mehr als 60 Jahren ist Marilyn Monroe immer noch ein Mythos. Aber aus Anlass ihres Geburtstages am 1.6.1926 erscheint eine Vielzahl von Publikationen, die mehr Licht in das Rätsel um die eigentliche Norma Jean Baker bringt




Die Fremde. “Manchmal haben wir einander tief verletzt, doch es war das Bemühen, sich verständlich zu machen“, schreibt die 1984 in Brooklyn geborene Claudia über die Beziehung zu ihrer Mutter. Sie wurde als CODA (children of deaf adults) geboren, Tochter zweier gehörloser Eltern, die sich einst am Ponte Sisto in Rom kennengelernt hatten. Er versuchte sich von der Brücke zu stürzen, sie rettete ihn. Oder war es doch ganz anders?
Peri Meno. Rinah Lang arbeitet gerne mit Tusche, Buntstift, Schere und Papier – auch wenn sie immer wieder merkt, dass digitales Arbeiten manchmal echt praktischer ist. In ihrem neuesten Buch beim Carlsen Verlag widmet sie sich einem höchst tabuisierten Thema: den Wechseljahren, anders gesagt der Menopause.
Ein frommer Wunsch, “Nur das Allerbeste” wird zum Anfangs- und Endpunkt dieses Romans direkt von der Bowery in New York in Ihr Wohnzimmer gehext. Denn die beschriebene Dinnerparty ist so authentisch und live beschrieben, dass sie auch genau da stattfinden könnte: in Ihrem Wohnzimmer.
Toxisches Schweigen. Unser Zeitalter wird einst als das Zeitalter der Narzissten in die Geschichte eingehen. Diese Spezies Mensch versteht es besonders gut, sogar durch Schweigen Terror auszuüben, “Schweigeterror” nennt das der renommierte Gerichtspsychiater Reinhard Haller, der in vorliegender Publikation auf alle Arten des Schweigens eingeht.