Prinz Eisenherz Band 25

Prinz Eisenherz Yeates-Jahre Band 25: Im 25. Band der Nachfolgezeichner Hal Fosters zeichnet Thomas Yeates für Text und Zeichnungen verantwortlich. Er hat nicht nur Aleta, der Frau von Prinz Eisenherz, Zauberkräfte verliehen, sondern ihr auch zwei Raben zur Seite gestellt, die ihr manche Schwierigkeit abnehmen. In vorliegendem Abenteuer ist auch Prinz aus Thule froh, dass er eine Gefährtin gefunden, die so gut zu ihm passt. Und ihm auch noch drei Söhne und die Zwillingstöchter geschenkt hat.

Aberglaube, Zauberei und Aletas Raben

Die LeserInnen erinnern sich: im Vorfeld der magischen Auseinandersetzung mit Maldubh, der Frau Dracos, hatte Aleta ihrem Gemahl eröffnet, dass sie über umfangreich Kenntnisse und praktische Erfahrungen in und mit der traditionellen, die Natur respektierenden, weiblichen Magie verfügt, „deren uraltes Wissen nur in weiblicher Linie und ausschließlich mündlich weitergegeben wird“ (Vgl. 3860,2-5) Möglicherweise gehen ihre Zauberkräfte sogar direkt auf Circe, die berühmte Zauberin des griechischen Mythos, die schon Odysseus verzauberte, zurück, schreibt Uwe Baumann in seinem in vorliegendem Band abgedruckten Vorwort. Auf Seiten Aletas und Maeves standen schon in jenem Abenteuer zwei Raben. Diese waren bei den Griechen positiv konnotiert und dem Gott Apollon heilig. Auch in der Bibel versorgten sie den Propheten Elija mit Nahrung oder symbolisierten Weisheit und Erinnerung bei den Nordländern. Denn auch Odin, ihr höchster Gott, war von den beiden Raben Hugin (Gedanke) und Mugin (Gedenken) begleitet. Die Raben Aletas bringen in vorliegendem Abenteuer des Prinzen aus Thule nicht nur einen wertvollen Hinweis (einen Stofffetzen), sondern schützen auch die beiden Fledermaus-Frauen Audrey und Afton. Denn zurück in Camelot stößt nicht nur der alte Freund und Ritter der Tafelrunde, Gawain, zu den Reisenden Eisenherz, Aleta und Nathan, sondern auch ein alter Aberglaube. Hexerei soll für den Tod Baron Imberts und seines Nachfolgers Gareth verantwortlich sein und die dazugehörigen Hexen werden leicht gefunden. Wie immer werden die Außenseiter beschuldigt, jedoch kann Eisenherz in Sherlock-Holmes-artiger Manier die Verbrechen aufklären. Und wer nicht an die Unschuld von Audrey und Afton glaubt, dem helfen die Raben Aletas etwas nach.

Monarchistische Ritter und demokratische Räuber

Die zwei Abenteuer in diesem Band gehen aber nahtlos in ein drittes Abenteuer über, das hier nur anklingt, aber im folgenden Band noch fortgesetzt wird. Gawains Freundin, Rory Rotkappe, die den Lesern ebenfalls aus einem vergangenen Abenteuer bekannt ist, hat ganze Arbeit geleistet und das Gut von Arne, Eisenherz‘ Sohn, so gut verwaltet, dass satte Profite entstanden. Ob dies mit ihrer politischen Einstellung (sie ist Demokratin) oder ihrem Fleiß zusammenhängt, müssen die beiden Ritter, Gawain und Eisenherz, erst herausfinden. Eine winterliche Reise von Rory, Gawain, Eisenherz und Kleinochs nach Lockbramble führt elegant in das nächste Abenteuer, das jetzt schon mit Spannung erwartet wird und demnächst erscheint.

 

Thomas Yeates

Prinz Eisenherz Yeates-Jahre Band 25. Yeates-Jahre. 2019 – 2020

Text: Mark Schultz

(Originalseiten 4274 – 4377)

Großformatiger (23,5 x 32 cm) Hardcover-Band, 112 Seiten

Reproduktion der farbigen US-Sonntagsseiten

Vorwort: Uwe Baumann

Übersetzung: Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif

ISBN 978-3-946842-55-2

24,90 EUR [D] / 25,60 EUR [A] / 35,50 sFr [CH]

Bocola Verlag


Genre: Comic, Graphic Novel
Illustrated by Bocola

Wondrak für alle Lebenslagen

Einen Wondrak für alle Lebenslagen: Mit 88 Jahren verkündete Janosch in der deutschen Wochenzeitschrift ZEIT, dass er keine Wondraks mehr publizieren werde. Über 350 Wondrak-Zeichnungen waren bis dahin schon erschienen. Über 300 Bücher hatte Janosch zeit seines Lebens publiziert, viele seiner Geschichten waren in 40 Sprachen übersetzt worden. Mit „Wondrak für alle Lebenslagen“ kann man nochmals zurückblicken und sich erinnern. Der Reclam Verlag macht’s möglich.

Janosch’s Wondrak als Lebenshilfe

Die deutsche Literaturwissenschaft habe sich vielleicht zu wenig mit Janosch beschäftigt, weil Bildergeschichten keine Literatur darstellten, so Tillmann Prüfer in seinem Nachwort zur vorliegenden Ausgabe. Ähnlich wie Wilhelm Busch würde man Janosch fälschlicherweise für einen Kinderbuchautor halten. Aber jeder der Janosch kennt, weiß natürlich, dass dem überhaupt nicht so ist. Mit „Oh, wie schön ist Panama“ bekam Janosch um 1978 aber endliche die Aufmerksamkeit, die er verdiente. Die zeichnerische Arbeit des gelernten Schmieds wurde von Erfolg gekrönt und Janosch konnte sich nun ganz seinen kleinen Helden des Alltags widmen. Aber der Wondrak ist natürlich kein alter ego Janoschs. Werk und Autor muss man immer trennen. Die eigentliche Fiktion ist die Autobiographie. Auch wenn Wondrak natürlich etwas mit Janosch zu tun hat. Denn der Held Wondrak ist ein Anti-Held. Aber er meistert das älter werden ebenso gut, wie sein Schöpfer Janosch, der seit einigen Jahren eine Finca in Teneriffa besitzt und es sich dort gut gehen lässt. Was ist Heimat? Frägt der Herr Wondrak an einer Stelle und steht dabei vor einem Dorf. „Die Heimat ist ein Ort, wo das Herz auf ewig wohnt, egal, ob es dort stinkt.“ Eine profunde Antwort für jemanden, den es eigentlich nur in der Fantasie gibt, der aber durchaus reale Gedanken hat. Etwa wenn es um’s Arbeiten geht. Wie motiviert sich Wondrak? Immer wenn er eine Eins würfelt, dann muss er nicht arbeiten. Nachsatz: Manchmal dauert es Stunden, bis eine Eins kommt.

Wondrak und Co.

Die Zusammenstellung in vorliegendem, liebevoll mit den Zeichnungen Janoschs gestalteten Band folgt Themen, die für uns alle wichtig sind. Wie lässt es sich gut leben, wie klappt es mit der Liebe, wie kommt man gut durchs Jahr, wie geht man die kleinen Probleme des Alltags an und wie steht es mit den großen Fragen des Lebens. Wer noch mehr lesen will, der denke bei Janosch auch an seine unvergesslichen Figuren Tigerente, Tiger und Bär, Schnuddel oder Günter Kastenfrosch, beliebte Figuren in Geschichten wie Post für den Tiger oder Ich mach dich gesund, sagte der Bär.

Janosch

Wondrak für alle Lebenslagen

Nachw. von Tillmann Prüfer

127 S. 98 Farbabb.

Wieder lieferbar ab 25.03.2021

ISBN: 978-3-15-014176-2

Reclam Verlag

6,00 €

 


Genre: Cartoons, Comics, Kinder und Erwachsene, Komik
Illustrated by Reclam Verlag

Randschaften. Auf der Suche nach dem Wien unserer Kindheit.

Randschaften. Auf der Suche nach dem Wien unserer Kindheit: Wien vor 40 Jahren. In den Achtzigern. Die Stadt war damals grau und verlassen und eine Menge Seniorinnen mit ihren Hunden bevölkerten die ansonsten leeren Straßenbahnen. Meist trugen sie Pelzmäntel und waren grantig. Der typische Wiener Grant, den es damals auch noch an den Häuserfassaden gab. Ein nostalgischer Rückblick „auf der Suche nach dem Wien unserer Kindheit“ anhand von Fotografien und kurzen Texten zeigt in vorliegender Publikation, dass der goldene Westen auch einmal grau war. Dafür aber voller Charme.

Wien – Stadt an der Peripherie Europas

Was die Innenstädte von heute kennzeichnet, ist die Tatsache, dass sie zumeist von ausländischen Multikonzernen mit ihren Werbetafel und Aufschriften zugekleistert sind. Das war damals – in den Achtzigern – noch anders. Eine vor der Wende aus der DDR geflüchtete Freundin meinte, als sie über Ungarn nach Wien kam sei es ihr noch nicht bewusst gewesen, bereits im Westen angekommen zu sein. Wien war damals nicht im Herzen Europas, sondern an der Peripherie. Dieses Lebensgefühl fing auch der junge Fotograf (*1963) Harald A. Jahn mit seiner Kamera ein. Damals wie heute.  Was er zeigt, sind verfallene Häuserzeilen und Vorstädte, Geschäfte und Greissler des kleinen Mannes, aber auch alte Kinos oder den böhmischen Prater und die Flaniermeile Mariahilferstraße. Alle Bilder haben eines gemeinsam: sie zeigen ein Wien, das es heute nicht mehr gibt und so könnte man Jahn geradezu als Archäologen bezeichnen, auch wenn sich zwischen die Häuserfronten ein paar Porträts mischen. So etwa den 80-jährigen Schuster, der von Favoriten im Süden immer noch jeden Tag in den Westen in seine Werkstatt fährt.

Spurensuche in den Achtzigern und neuer Aufbruch

Spuren des Weltkriegs findet er im ersten Kapitel seiner „Randschaften“ genannten Bestandsaufnahme in Buchform, darauf folgen Villen, Durchhäuser und Bilder vom alten Nordbahnhof oder AKH. Im Cafè Theater an der Wien hatte er sich damals einen Scherz erlaubt und dem schlecht laufenden Café durch ein Kontaktinserat in einer Zeitung unter die Arme gegriffen. Es kamen lauter alte Herren und Frau Maria rettete dieser eine Abend pro Woche das Überleben. Später wurde daraus die Donauwelle, ein Ort, wo sich Laien und Dilettanten alte Operettenlieder vortrugen. Natürlich fehlen auch die Wirtshäuser nicht, Jahn hat sowohl die Tschocherl als auch die Brandineser aufgesucht und sie in seinem Fotalbum des Alten Wien verewigt. Eines davon liegt in der Moissigasse, in der Donaustadt, weit vom Zentrum entfernt. Dort wundern sich die Gäste, dass sich einer so ein Fotobuch antut. Aber Harald A. Jahn freut sich, die Orte seiner Kindheit wieder zu entdecken. Darunter auch das Fahrradgeschäft „Rih“ auf der Praterstraße, das nach dem Hengst Kara Ben Emsis benannt wurde. In Margareten, dem fünften Bezirk Wiens, findet er sogar noch ein Hutgeschäft, das von der damaligen Besitzerin betrieben wird.

Randschaften: Das Wien unserer Kindheit

Ein Glück für das Lokal und die Gäste, denn zumeist werden solche Geschäfte wenn es keine Nachkommen gibt geschlossen. Die neuen Mietverträge wären für Neuübernahmen zu teuer und so steht wieder ein Erdgeschosslokal leer. Harald A. Jahn leistet mit „Randschaften“ einen wichtigen Beitrag wider das Vergessen, denn gerade diese kleinen Geschäfte, die Gassenlokale, sind Teil der Identität Wiens und machen die Stadt unverwechselbar und unvergleichlich. Bis die Pandemie vorbei ist, warten wir alle auf eine neue Gründerzeit. Eine neue Renaissance dieser außergewöhnlichen Plätze. Mit den Greisslern hat es bereits begonnen und wer weiß, ob nicht bald wieder die Bäume blühen. Nicht nur im Prater.

Harald A. Jahn

Randschaften. Auf der Suche nach dem Wien unserer Kindheit

Wien 2021, 256 S., 390 Farbabb. im Text, 29,7 x 21 cm; broschiert

ISBN 978-3-85161-246-2

Phoibos Verlag

34,90 € *

 

 

 


Genre: Bilderbuch, Eiserner Vorhang, Fotobuch, Reiseführer, Wien
Illustrated by Phoibos Wien

James Bond. 100 Seiten

25 James Bond wurden bisher abgedreht. Einer davon dem Publikum noch nicht gezeigt. Die Pandemie sorgte schon für eine zweimalige Verschiebung. Um das Warten auf die Veröffentlichung so angenehm wie möglich zu machen, hat der Reclam Verlag vorliegende 100 Seiten Fibel zum Agenten im Geheimauftrag seiner Majestät auflegen lassen. Der Autor, Wieland Schwanebeck, ist anglistischer Literatur- und Kulturwissenschaftler an der TU Dresden und lehrt und forscht u.a. zu Männlichkeit, Hochstapelei, Humor und britischer Filmgeschichte.

Skyfall und Fireball

Willing Suspension of Disbelief” nennt sich die Formel von Samuel Taylor Coleridge, der sich jeder Bond-Fan freiwillig ausliefert, denn nur wer seine Skepsis zurücksteckt wird den vollen Genuss haben. Die von Ian Fleming erfundene Kunstfigur bestreitet teilweise ja haarsträubende Abenteuer, das tut seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch. Sogar ein literaturwissenschaftliches Prinzip komme bei Bond zur Anwendung: Tschechows Gewehr. Wenn im 1. Akt ein Gewehr über dem Kamin hängt, wird es spätestens im 3. Akt abgefeuert werden. Was aber nicht bedeutet, dass jeder Bond vorhersehbar wäre. Er folgt nur einer bestimmten Formel. Als größter bisheriger Bond-Blockbuster führt übrigens Daniel Craig die Liste mit „Skyfall“ (2012) an, gefolgt von „Fireball“ (1965) und „Spectre“ (2015). Was uns zu den Bond-Darstellern führt, die allesamt ja schon bekannt sein dürften. Neben dem eben Genannten und – wider Erwarten – wohl Erfolgreichsten waren dies Barry Nelson, Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Pierce Brosnan, Timothy Dalton. Schwanebeck erzählt von jedem dieser Bonds die Höhe- und Tiefpunkte und verrät einige der bestgehüteten Geheimnisse von 007.

Eye-Candy oder doch Kunst?

Eine Liste aller kuriosen Premieren und Momente in der Bond-Reihe hat Schwanebeck ebenso unter seinen Text gemischt, wie viele weitere andere interessante Infografiken. Dass Bond auch etwas von dem antiken Helden Odysseus hat und Moneypenny seine Penelope sein könnte ist aber nur eine von vielen Erklärungen seines Erfolgs. Die Bond-Formel ist in jedem Fall ohnehin unverwüstlich. Der Autor bezeichnet sie auch als Baukastenprinzip. „Die Bond-Filme müssen nämlich nicht nur das Kunststück vollbringen, eine zumeist vorhersehbare Geschichte auf spannende Art und Weise zu erzählen, sondern auch noch den Markenfimmel der literarischen Vorlagen in eine malerische Galerie der Schauplätze und Luxusgüter übersetzen“, Eye Candy würden das die Anglophilen nennen, also „Naschkram fürs Auge“, wie der Übersetzer es nennt. Was uns dann auch zum vermittelten Frauenbild der Bonds bringt, denn bis Eva Green als Vesper Lynd, gab es noch keine wirklich starke Frau in einem Bond, die nicht den herkömmlichen Frauenidealen (Stichwort: Eye-Candy) entsprach. Ganz zu schweigen vom vermittelten Rassismus natürlich.

Aber auch James Bond hat sich mit den Jahren verändert. Bald schon wird ohnehin der neue Bond erscheinen. Sein Titel: No time to die. Bis dahin haben wir aber wohl noch More time to die, wie Spötter schon bei der zweiten Verschiebung verlauten ließen.

Wieland Schwanebeck

James Bond. 100 Seiten

Broschiert. Format 11,4 x 17 cm

100 S. 15 Abb. und Infografiken

ISBN: 978-3-15-020577-8

10,00 €

Reclam  Verlag


Genre: 007, James Bond, Krimi, Thriller
Illustrated by Reclam Verlag

Stilles Venedig

Stilles Venedig. Ein seltenes Privileg wurde den beiden französischen Publizisten Luc und Danielle Carton, die seit 2005 in der Serenissima leben, zuteil. Sie erlebten die schönste Stadt der Welt ohne Touristen. Und beinahe auch ohne Bewohner.

Venedig: Fotos wie Illusionen

Während der Ausgangsbeschränkungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie im März, April und Mai 2020 war Venedig wie viele andere Städte menschenleer. Vermutlich das erste Mal in seiner langen Geschichte, die 2021 übrigens mit der 1600 Jahr Feier gewürdigt wird. Luc und Danielle Carton haben die Stadt in ihren Sestieri (Sechstel) besucht und bei langen Spaziergängen und einem herrlichen Licht für die Nachwelt festgehalten. Denn eines ist klar: dass man Venedig einmal so menschenleer sieht, das würde einem später, in der Zukunft, niemand mehr glauben. Die Fotografien, die sie in vorliegender Ausgabe im Format 21.5 x 28 cm mit ihren Leserinnen und Lesern teilen, sind für die Ewigkeit. Das Licht ist so wie es an einem Frühlingstag nur in Venedig sein kann: strahlend blauer Himmel und starke Konturen bei den Gebäuden, die das Dreidimensionale sogar noch betonen und scheinbar extra stark (aus dem Wasser) hervorholen. Venedig war ja schon seit jeher eine Augenweide, aber in vorliegendem Fotoband betritt man einen Märchenpalast, dessen einzig der Himmel würdig ist ein Dach zu geben.

Momente des Glücks im Stillen Venedig

Die Ausflüge führen uns also nach San Marco, Dorsoduro, Santa Croce, San Polo, Castello und Cannareggio. Die Giudecca, die zu Dorsoduro gehört, aber auch andere Inseln wurden allerdings ausgelassen, das heißt es geht wirklich ausschließlich um das, was Venedig ausmacht. „Wertvolle Momente des Glücks“, schreiben die beiden in ihrem Vorwort, „in denen das Unmögliche und das Unvorstellbare Wirklichkeit wurden: Venedig ganz für sich allein sehen und haben, wie in unseren verrücktesten Träumen. Venedig, wie wir es uns nie vorzustellen gewagt hätten“. Wer Venedig also schon länger einmal besuchen wollte, der kann es während der Pandemie mit vorliegendem Bildband tun. Denn so viel Venedig war noch nie in einem Venedig-Buch, schließlich sieht man auf den Bildern ausschließlich Gebäude und das Wasser, keine Menschen oder Tiere und vor allem keine einzige Taube. Venedig – wie Sie es noch nie gesehen haben! Eine einzigartige Reportage.

Luc & Danielle Carton

Stilles Venedig

2021, Hardcover, 192 Seiten, Maße: 21.5 x 28 cm

ISBN: 978-2-36195-485-7

€ 35,00 [D] € 36,00 [A] 47.90 CHF

Jonglez Verlag


Genre: 1600 Jahr Jubiläum, Pandemie, Städte, Venedig
Illustrated by Jonglez Verlag

Batman – Die drei Joker

Batman – Die Drei Joker

Batman: Die drei Joker ist eine neue Batman-Geschichte, passenderweise in drei Teilen in drei Luxus-Hardcover-Bänden. Mit dabei sind im ersten Teil nicht nur Jason Todd, sondern auch die Tochter von Commissioner Gorden, Barbara, als Batgirl im gelb-schwarzen Bat-Kostüm. Wer BATMAN: THE KILLING JOKE und REBIRTH oder EIN TODESFALL IN DER FAMILIE (alle bei Panini) mochte, wird auch von BATMAN – DIE DREI JOKER begeistert sein.

Batman: Die Drei Joker

In seinem Buch vertrat Dr. Huntoon die These, dass Masken Männer und Frauen von ihrem Gewissen trennen und ihnen erlauben, straflos ihr dunkleres Ich zu entfalten.“ Die Spur der Leichen, die sich durch Gotham City zieht, wurde vor allem von einem Verbrecher verursacht. Und genau da liegt der Hund begraben: gibt es wirklich nur einen Joker? Oder waren es die ganz Zeit über vielmehr drei Joker, die sich gegenseitig abwechselten? Die bisherige „Erzählung“ ging davon aus, dass Joker ein glückloser Comedian gewesen sein könnte, der als vermeintlicher Anführer der Red Hood Gang in kriminelle Machenschaften verstrickt wurde. Er stürzte – von Batman verfolgt – in einen Chemiebottich und verwandelte sich so in den gefürchteten Joker, den meistgesuchten Verbrecher Gothams. Schon in „Rebirth“ ließ Geoff Johns Batman in seiner Bathöhle über das Rätsel der drei Joker sinnieren. Aber auch Jason Todd, der ehemalige Robin aus „Todesfall in der Familie“ hat sich verwandelt. Durch ein Bad in den Lazarusgruben wurde er wieder zum Leben erweckt, jedoch arbeitet er nun unter dem Alias Red Hood als brutaler Antiheld. Eine weitere Herausforderung also für Batman, ganz zu schweigen von seiner neuen Konkurrenz, dem Batgirl, das wohl noch nie so sexy gezeichnet wurde, wie von Jason Fabok, der sie in ein hautenges Lederkostüm zwängt als wäre sie eine Fledermausvariante der gefürchteten Catwoman. Stimmt das obige Zitat von Dr. Huntoon also, Jason Todd alias Red Hood ins Treffen führt?

Die Drei Joker – Hybris der Moderne

Die Zeichnungen in vorliegendem außergewöhnlichen Batman-Abenteuer sind bestechend schön. Sie entführen den Betrachter in eine düster-dunkle Welt, in der die Karten neu gemischt sind und sich nur jene zurechtfinden, die sich ein Herz nehmen, statt zu lamentieren. Der Joker, der nicht nur das Leben von Batgirl und Jason Todd zerstört hat, bekommt unerwartete Unterstützung durch zwei Aliasse. Aber vielleicht sind sie auch alle echt? Der durchwegs realistische Zeichenstil lässt einen beinahe daran glauben, dass – selbst wenn einer beseitigt wird – an seiner Stelle gleich zwei weitere nachweisen, wie bei der antiken Hybris. Wird es Batman gelingen, seinem wohl schlimmsten Widersacher endlich das Handwerk zu legen? Auf der Jagd nach dem wahnsinnigen Mörder sind sich Batman, Batgirl und Red Hood über den Zweck einig, jedoch trennt sie die Frage nach den Mitteln.

Batman – die drei Joker Vorschau auf Teil 2

Ein unglaublich schön gezeichneter Auftakt, der einen um die Fortsetzung mit staunenden Augen und nervösem Restless Leg Syndrom bangen lässt: die folgt aber erst im Mai 2021 mit Teil 2. Und noch länger müssen wir auf das Finale mit Teil 3 warten. Der kommt erst im Juli 2021. Aber bis dahin gibt es ja noch die Paninishop-Seite mit weiteren Empfehlungen.

Geoff Johns/Jason Fabok

Batman – Die drei Joker 1/3

2021, Hardcover, 21 x 32 cm, 60 Seiten

ISBN: 9783741622434

Panini

13,00 €


Genre: Batman, Comics, Joker
Illustrated by Panini Comics

Das Leben des Charles Bukowski

Das Leben des Charles Bukowski

Das Leben des Charles Bukowski. „Sundays kill more men than bombs”. In diese lakonische Bemerkung verpackt Charles Bukowski nicht nur seine Lebenseinstellung gegenüber dem American Way of Life, sondern auch seine eigene Biographie. Denn er wollte nie dazu gehören. Nie eine Familie gründen. Nie ein Teil des Establishments werden. Für immer ein Außenseiter bleiben.

Das Leben des Charles Bukowski

Ob ihm das wirklich gelungen ist, untersucht u.a. die vorliegende Biographie von Neeli Cherkovski, die aus Anlass des 100. Geburtstages des 1994 verstorbenen Charles Bukowski neu überarbeitet und mit einem neuen Vorwort versehen wurde. Eigentlich war Charles Bukowski ja ein Dichter und kein bloßer Schriftsteller. Seine Kurzgeschichten und Romane, die Prosa, brachten ihm im Alter von knapp 50 Jahren den eigentlichen Durchbruch in den USA. Sein Leben wurde nach seinem eigenen Drehbuch von Hollywood sogar verfilmt. Sein Biograph Neeli Cherkovski hatte ihn 1963 zum ersten Mal kennengelernt. Damals war er 18 und Bukowski schon 43, was ihn wohl dazu veranlasste, ihn stets „Kid“ zu nennen. Dabei legte Neeli Cherkovski (*1945 in Santa Monica) selbst eine beachtliche Karriere vor: er ist Poet, Verleger und Biograph und gehört zu den North Beach Poeten aus San Francisco. Sein Buch „Walt Whitmans wilde Kinder“ wurde zu einem Beststeller der US-amerikanischen Untergrundliteratur und zuletzt (2020) erschien sein jüngster Gedichtband „Hang on to the Yangtze River“ bei Lithic Press. Die deutsche Übersetzung der Bukowski Biographie erscheint zeitgleich mit der US-Ausgabe, Titel: „Bukowski, A Life: The Centennial Edition“ (Black Sparrow Press), die Neeli Cherkovski anlässlich Bukowskis 100. Geburtstag überarbeitet und erweitert hat. Sie basiert auf der 1995 erschienenen Fassung, die von Bukowski selbst autorisiert wurde.

Mythos Bukowski Re-visited

Dass Biograph und Protagonist sich persönlich kannten, macht die vorliegende Biographie sicherlich zu einem besonderen Leseerlebnis, aber mehr noch, dass sie freundschaftlich verbunden waren. Denn Neeli Cherkovski will den Mythos Bukowski nicht dekonstruieren, sondern um seine persönlichen Facetten erweitern. So zeichnet er ein Bild von einem Bukowski, der seine Frauen liebte. Davon gab es – in der Erzählung von Cherkovski – insgesamt vor allem vier wichtige: Jane, Barbara, Linda K. und Linda B., die ihn bis zu seinem Tod begleitete. Cherkovski erzählt auch von Bukowskis Verlegern, die sich oft unter der Aufopferung ihres persönlichen Lebens, für die Veröffentlichung seiner Texte einsetzten. Natürlich wird auch der wichtigste deutsche Übersetzer, Carl Weissner, gewürdigt, der, selbst ein Unikum, wesentlich für den Erfolg Bukowskis in seinem ehemaligen Heimatland (*1920 in Andernach) verantwortlich zeichnete. Nachdem „Post Office“, Bukowskis Romandebüt, im deutschsprachigen Raum erstmal durchfiel, war es Carl Weissner, der die Idee hatte, es mit Bukowskis Lyrik beim Augsburger Maro Verlag zu versuchen. Benno Käsmayr, der junge Verleger bei Maro, war selbst schon Bukowski-Fan und leicht zu überzeugen. Seinem verlegerischen Geschick ist es zu verdanken, dass sich der Verkauf des ersten Gedichtbandes, „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“, innerhalb eines Jahres von 1800 auf 50.000 steigerte. Dieser Lyrikband habe Bukowski in Deutschland zum Durchbruch verholfen, wie Cherkovski schreibt. Der Rest ist Geschichte. In der Zwischenzeit sind mehr als 40 Bücher ins Deutsche übersetzt und eine deutsche Bukowski-Gesellschaft feiert – pandemiebedingt – demnächst seinen 101. Geburtstag. In diesem Sinne: alles Gute, Buk!

Neeli Cherkovski

Das Leben des Charles Bukowski

Erweiterte & überarbeitete Biographie über Bukowski zum 100. Geburtstag

Aus dem amerikanischen Englisch von Gerhard Beckmann

Umschlag von Rotraut Susanne Berner

2020, 368 Seiten, Broschur

ISBN: 978-3-87512-494-1

Maro Verlag

24,00.-€

Weitere Werke von Charles Bukowski beim Maro Verlag!


Genre: American Nightmare, Biographie, Los Angeles, Los Angeles Noir
Illustrated by Maro Verlag

Die Ballade von Halo Jones

Die Ballade von Halo Jones: Alan Moore braucht man nicht extra vorzustellen. Wie kaum ein anderer hat er das Comic-Genre revolutioniert. Auch mit diesem 2020 erstmals auf Deutsch erschienenen Science-Fiction Abenteuer aus dem Jahre 1984 nahm der gutgelaunte Engländer vieles vorweg. Halo Jones lässt grüßen, und das beinahe in Breitbandformat!

Halo Jones: Reich des Müßiggangs

Im 50. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung gibt es nicht nur Müllströme durchs Weltall, sondern auch „Zenaten“, eine Mischung aus Zen und „Granate“, die zur Beruhigung mit Alphawellen auch von Halo Jones‘ Freundin Rodice eingesetzt wird. „…und dann, wenn du eins bist mit dem Jetzt, kannst du deinen Kopf völlig leeren“, schwärmt sie über die Segnungen der Zenate. „Manche habe dabei weniger zu tun als andere“, fügt ihre Kollegin lakonisch hinzu und steuert das Raumschiff in eine andere Richtung. Was hier so munter beginnt und voller eigener Idiome versucht, eine neue Welt zu erschaffen, ist nichts anderes als ein knallbuntes Science-Fiction-Abenteuer in den unendlichen Weiten des Weltalls, das mit flotten Sprüchen auch mal Gesellschaftskritik übt. „Lasst uns in Ruhe, Ihr Discountertussis“, droht die eine, mit ihrem „Kotzstik“ in der Linken. Cybertollwut grassiert allerorten und manche Mitbewohner des Planeten sind bereits lobotomisiert worden. Und der Planet selbst ist von einem „Ring“ umgeben, in dem sich das Reich des Müßiggangs befindet. Alle Einkunftslosen der Zukunftsgesellschaft befinden sich hier und können in Zenate-Gelassenheit ihren Hobbies nachgeben.

Der Ring: eine riesige Müllkippe

Mit anderen Worten: der Ring ist „eine riesige Müllkippe, auf der Amerika seine Arbeitslosen ablud“. Und wer den hellsten Stern am Himmel genießen will, muss bald wie Helo Jones feststellen, dass dies „unser Abfallentsorgungsanhänger“ ist. Aber es gibt da einen Millionär, Lux Roth Chop, der den Krieg gegen Freie Kolonialweltn in Tarantulanebel finanziell unterstützt. Mit dem Schiff Clara Pandy macht sich Halo Jones als Freiwillige in Begleitung des Blechhundes und einer Glyphe auf in die unendlichen Weiten des Weltraums und ein neues Abenteuer beginnt, das insgesamt auf neun Teile ausgedehnt werden sollte. Das laut Moore „großartigste Comic der Galaxis ist ein knallbuntes Sci-Fi-Abenteuer voller skurriler Einfälle und einem ganz eigenen Jargon, den man natürlich erst erlernen muss, um in den vollen Genuss zu kommen. „Oh, ja. Spiel’s nochmal, Yortelbuzzgubbly.“

Alan Moore

Die Ballade von Halo Jones 1

Zeichner: Ian Gibson

Autor: Alan Moore

2020, Hardcover, 72 Seiten

ISBN: 9783741620690

Panini

17,00 €

Alan Moore

„Die Ballade von Halo Jones 2“

Originaltitel: The Ballad of Halo Jones 2

Zeichner:   Ian Gibson

Autor:       Alan Moore

2021, Hardcover, Science-Fiction, 64 Seiten

ISBN: 9783741621642

Panini


Genre: Comic, Futurismus, Grapic Novel, Humor, Science-fiction
Illustrated by Panini Comics

Eine kurze Geschichte der RAF

Eine kurze Geschichte der RAF

Eine kurze Geschichte der RAF. Vor bald 51 Jahren wurde der 27-jährige Kleinkriminelle Andreas Baader bei einem Bibliotheksbesuch den staatlichen Behörden durch eine Befreiungsaktion entzogen. Er hätte gerade mal noch zwei Monate seiner wegen Brandstiftung gefassten Strafe zu verbüßen gehabt. Denn nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe hätte er die vorzeitige Entlassung auf Bewährung beantragen können. Aber an jenem 14. Mai 1970 begann ein beispielloser Amoklauf, der in der Geschichte der BRD hoffentlich einzigartig bleibt.

„Hitler’s Kinder“?

Die sogenannte Stadtguerilla oder Baader-Meinhof Bande und selbsternannte RAF war natürlich kein Einzelphänomen, wie Kellerhoff glaubhaft darstellt. Es gab auch die Bewegung 2. Juni oder andere terroristische Kommandos, die glaubten durch ihre Taten eine Art „Volkskrieg2 entfesseln zu können. Die Bilanz fällt allerdings weit nüchterner aus: zwischen 1970 und 1993 starben 34 unschuldig Opfer, 230 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Auf Seiten der Terroristen starben fünf, sechs nahmen sich das Leben, zwei weitere starben bei misslungenen Anschlägen und bei Unfällen. Mit rund 40 Banküberfällen hatten sie insgesamt sieben Millionen Mark erbeutet. Durchschnittlich saßen die meisten RAF-Mitglieder, die zu lebenslänglich verurteilt worden waren, 20 Jahre in Haft. Seit 2011 ist kein früheres RAF-Mitglied mehr in Haft, schreibt Kellerhoff. Die von den Studenten zum „Schweinesystem“ ernannte Gesellschaft der Bundesrepublik hatte also durchaus Milde walten lassen. Zumindest stellt Kellerhoff dies glaubhaft so dar, genauso wie er bemüht ist, festzuhalten, dass stets die Terroristen zuerst schossen und immer die RAF das Feuer eröffnete. Ein Staat in der Defensive?

Prada-Meinhof und Radical Chic

Besonders beachtenswert ist an der Geschichte der RAF, dass nicht nur viele Anwälte anzog, sondern auch eine Reihe anderer Sympathisanten der Zivilgesellschaft. Ohne diese wäre der RAF wohl gar kein „Erfolg“ zuteil geworden, wenn man die Bewaffnung der Bundesrepublik und die Aufrüstung von Polizei und Militär denn als solchen werten möchte. Kellerhoff fasst in seiner kurzen und sehr lesenswerten Geschichte der RAF die wichtigste Ereignisse zusammen und gliedert sein Buch nach den drei Generationen der RAF, wobei letztere vielleicht sogar nur mehr ein Phantom war. Über weite Strecken liest sich seine Erzählung wie ein spannender Krimi, der allerdings real ist und keine Fiktion, wie die Western und Nouvelle Vague Filme, die die RAF in ihrer Jugend offensichtlich als Vorlage für ihren Amoklauf sichteten. Dass die Veränderung der Gesellschaft ein langsamer, evolvierender Prozess ist und keineswegs durch Gewalt erreicht werden kann, bleibt als Erkenntnis zurück. Aber dafür mussten zu viele Unschuldige sterben.

Kellerhoff erhielt 2012 den Ehrenpreis der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Zuletzt erschien bei Klett-Cotta sein Buch über „Mein Kopf“ und dessen Folgen. „Mein Kampf – Die Karriere eines deutschen Buches“, ist eine erste umfassende und allgemeinverständliche Aufklärungsschrift über das Machwerk Hitlers und natürlich auf dem Stand der aktuellen Forschung.

Sven Felix Kellerhoff

Eine kurze Geschichte der RAF

1.Aufl. 2020, 208 Seiten, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-608-98221-3

18,00 EUR (D), 18,50 EUR (A)

Klett-Cotta

 


Genre: BRD, Kalter Krieg, Politik, Terrorismus, Zeitgeschichte
Illustrated by Klett-Cotta Stuttgart

Thomas Bernhard. Die unkorrekte Biografie

Thomas Bernhard: Die unkorrekte Biografie

Wer bleibt denn da überhaupt übrig, den Sie nicht für einen Idioten halten?“ – „Na keiner, das ist es eben.“ In 99 rasant-komischen Bildern wird die Biographie des am 12. Februar 1989 in Gmunden verstorbenen enfant terrible Österreichs erzählt. Dazu einige der besten und humorvollsten Zitate der „Zwiderwurzn“, die auch heute noch das Herz erwärmen. Dieses Jahr jährt sich sein Geburtstag am 9. Februar zum 90. Mal. Schade, dass er nicht mehr lebt und die Gemüter erhitzt. So wie damals.

Den Nagel auf den Kopf getroffen, die Österreicher ins Herz

1. Thomas Bernhard muss Burgtheater-Direktor werden, 2. Es ist alles sehr kompliziert, 3. Ich nehme zur Kenntnis, dass Kurt Waldheim nie bei der SA war, sondern nur sein Pferd“. Diese pointierte Zusammenfassung der Innenpolitik der Achtziger stammt vom damaligen österreichischen Bundeskanzler Fred Sinowatz. Das Theaterstück „Holzfällen“ von Thomas Bernhard schlug in dieses innenpolitische Klima ein wie eine Bombe und machte den Schriftsteller zum meistgehasstesten Mann Österreichs, aber gleichzeitig auch zum Aushängeschild eines Landes, das seine Vergangenheit so lange wie möglich verdrängt hatte. Aber ich den Achtzigern kam alles hoch und Bernhard schwamm auf einer Welle, die ihn bis ganz nach oben brachte. Im oberösterreichischen Ohlsdorf hatte er sich einen Denk- und Schreibkerker eingerichtet, von wo aus er nicht nur die Republik, sondern auch ihre Bewohner regelrecht beschimpfte.

Gegen Männer, Nationalsozialismus und Katholizismus

Dabei war sein Hass auf Österreich vor allem auch ein Selbsthass: „Ich habe die Wiener Kaffeehäuser immer gehasst, weil ich in ihnen immer mit Meinesgleichen konfrontiert gewesen bin… Ich ertrage mich selbst nicht, geschweige denn eine ganze Horde von grübelnden und schreibenden Meinesgleichen.“

Auch die Männer an sich kamen bei ihm nicht gut weg. „Ich vertrage Männer nicht. Männergespräche halte ich nicht aus. Die machen mich narrisch. Männer reden immer das gleiche. Über ihren Beruf oder über Frauen. Da sind mir schwätzende Frauen noch lieber.

Sein abwesender, alkoholkranker Vater und sein Heranwachsen in den Vierzigern hatten auch seinen Hass auf den Nationalsozialismus und den Katholizismus bestärkt. Beides erkannte Bernhard als kennzeichnende Wesensmerkmale des Österreichers. Und lehnte sich zeitlebens dagegen auf. Nicolas Mahler hat einige von Bernhards besten Zitaten aufgespürt und mit seinen Bildern versehen, die auch ein Schlaglicht auf den Menschen Bernhard werfen. Bernhards Preise und Skandale, seine Krankheit, sein Lebensmensch Hedwig Stavianicek oder das Verhältnis zu seinem Verleger Siegfried Unseld: Nicolas Mahler lässt nichts aus.

Nicolas Mahler

Thomas Bernhard. Die unkorrekte Biografie

2021, Hardcover, suhrkamp taschenbuch 5125, Gebunden, 119 Seiten

ISBN: 978-3-518-47125-8

D: 16,00 € / A: 16,50 € / CH: 23,50 sFr

Suhrkamp Verlag


Genre: Biographien, Comic, Österreich, Schriftsteller
Illustrated by Suhrkamp Frankfurt am Main

1984

George Orwell’s 1984 in Neuübersetzung

George Orwell’s 1984. Neuübersetzung. „Alle Kinder sind Schweine.“ Es ist ein heller, kalter Apriltag und die  Vorbereitungen für die allmonatliche Hasswoche laufen auf Hochtouren. Winston Smith, 39, ist nur ein kleiner, weiterer Mitarbeiter im „Ministerium für Wahrheit“ und er begeht eines der größten Verbrechen dieser totalitären Gesellschaft der Zukunft: er verliebt sich.

1984: Liebe in Zeiten des Krieges

Eigentlich ist es vielmehr Julia, die sich in ihn verliebt, steckt sie ihm doch insgeheim einen Zettel zu auf dem die drei so aufrührerischen, aber eigentlich harmlosen Worte stehen. Ich liebe dich. Aber im ENGSOZ der Zukunft gilt dies schon als gefährlich. Zudem wenn man auch noch Tagebuch führt und glaubt, man könne dies von der allgegenwärtigen Gedankenpolizei geheim halten. Eigentlich gibt es sogar vier Ministerien. Aber das beängstigendste ist das Ministerium der Liebe. Es hat keine Fenster. Die anderen Ministerien heißen Frieden und Fülle und alle vier haben sie ihre eigenen Abkürzungen im Neusprech des Engsoz. Es wird viel Gin getrunken und es darf auch geraucht werden. Der Markennamen lautet jeweils Victory. Denn das ist auch die Losung im Krieg gegen Eurasien: Sieg. Aber auch im Inneren tobt ein Krieg. Ein Krieg gegen die Bruderschaft, der ein gewisser Emmanuel Goldstein vorsteht. Äußerlich ähnelt er von der Beschreibung her Trotzki, was den Großen Bruder aber noch lange nicht zu einem Stalin macht. Alle die in Opposition sind werden verdampft. Vaporisiert, wie es im Original heißt. Und täglich rauchen die Kamine.

Orwell’s Dystopie des homo hominis lupus

George Orwell hat 1948 einen Roman geschrieben, der heute noch als Klassiker der Dystopie gilt. Er nahm Anleihen beim Nationalsozialismus und beim Stalinismus, ohne direkt darauf Bezug zu nehmen. Denn was in 1984 passiert, könnte überall passieren, in jeder Gesellschaft, in jedem Jahrhundert. Auch das 21. Jahrhundert ist nicht gefeit davor, was Orwell in so treffenden Worten wie kein anderer beschrieben hat: homo hominis lupus. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Selbst die (unschuldigen) Kinder machen mit und werden zu gemeinen Denunzianten, jagen ihre Beute wie Hunde. Werden zu Schweinen. Auch Winston war ein solches. Er ließ seine Schwester und seine Mutter im Stich. Jetzt plagt ihn sein Gewissen. Er will rebellieren. Doch letztendlich besteht seine Revolte darin, ein verbotenes Buch zu lesen und Julia zu lieben. Der einzige Trost, der ihm bleibt, ist, sie nicht zu verraten: „Ein Geständnis ist kein Verrat. Was man sagt oder tut, ist nicht entscheidend, nur Gefühle zählen. Wenn sie mich dazu brächten, dich nicht mehr zu lieben – das wäre der wahre Verrat.“

Im Anhang befindet sich auch eine genaue Erklärung des Engsoz Neusprech, dessen wichtigste Vokabeln längst Eingang in unsere Alltagssprache gehalten haben. Man denke nur an Doppeldenk, Big Brother oder Thinkpol. 1984ist eine Offenbarung. Man kann es nicht oft genug lesen.

George Orwell

1984 – Roman

Neuübersetzung von Eike Schönfeld

2021, Gebunden, 382 Seiten

ISBN: 978-3-458-17876-7

Insel Verlag

D: 20,00 € / A: 20,60 € / CH: 28,90 sFr


Genre: Dystopie, Roman, Science-fiction
Illustrated by Insel Frankfurt am Main

Fahrenheit 451

Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Ray Bradbury: Fahrenheit 451. 1953 entstanden zählt auch der hier vorliegende Roman zu den radikalsten dystopischen Zukunftsvisionen, gleich neben „1984“ von George Orwell oder „Brave New World“ von Aldous Huxley. In nur neun Tagen soll ihn der damals 33-jährige frischgebackene Vater, Ray Bradbury, geschrieben haben, wie Peter Torberg in seinen Anmerkungen am Ende des Romans schreibt.

Bradury’s feuerlegende Feuer(-wehr-)männer

In seiner editorischen Notiz erklärt er auch manche Widersprüche, Unklarheiten oder nicht ganz aufgelöste Stellen im Text durch die Übersetzung. Als Beispiel nennt er etwa auch das englische „fireman“, dem die Doppeldeutigkeit der deutschen Übersetzung mit „Feuerwehrmann“ gänzlich abgeht. Deswegen wählte Peter Torberg für Guy Montag, den Protagonisten des Romans auch „Feuermann“: „In der Welt die Ray Bradbury für seine Leserinnen erschaffen hat, in der Lesen geächtet und Wissen nicht erwünscht ist, in der auf Buchbesitz Strafe steht und die Menschen mit Entertainment und Dauerberieselung unmündig gehalten werden, dort ist die Bedeutung einer Feuerwehr durch das Umschreiben der Menschheitsgeschichte schlicht unbekannt.“ Die Feuermänner in „Fahrenheit 451“ löschen nämlich kein Brände, sondern sie legen sie, sie sind gleichsam dazu da, zu vernichten und zu strafen, Bücher zu verbrennen oder manchmal auch ganze Häuser, notfalls auch zusammen mit den Bewohnern.

Fahrenheit 451: Zeitalter des Papiertaschentuchs

Wie Parfüm wirkt das verwendete Kerosin der Feuerbrigade auf ihn, schwärmt Montag seiner Angebeteten Clarisse vor. Ebenso schwärmerisch antwortet sie ihm: „Ich rieche gerne an Dingen und schaue sie mir an, und manchmal bleibe ich die ganze Nacht auf, gehe spazieren und schaue zu, wie die Sonne aufgeht“. Die beiden leben nicht umsonst im „Zeitalter des Papiertaschentuchs“: „Man schneuzt sich mit einer Person, zerknüllt sie, spült sie hinunter, greift nach der nächsten, schneuzt sich, zerknüllt, spült hinunter“. Aber Clarisse ist jedenfalls anders als seine Frau Mildred. Diese bevorzugt es zu Fernsehen und das Bücherlesen ist ihr ein Grauen. Sie steht auch für die Mehrheit der Bevölkerung in Bradburys Roman die Bücherlesen per se ablehnen, da es sie in eine schlechte Stimmung bringe und zu nachdenklich mache. Ray Bradbury hat in späteren Interviews betont, dass der Roman in einer Zeit entstanden sei (50er Jahre) in der das Fernsehen die Schrift ablöste, als Bücher und Zeitungen immer weniger konsumiert wurden. Genau davor sollte sein Roman warnen.

Fahrenheit 451 und die korrekten Zahlen

Bei der Titelwahl hatte er allerdings schlicht Celsius mit Fahrenheit verwechselt, denn Papier entzündet sich erst bei 451 Grad Celsius, nicht Fahrenheit (451 Grad Fahrenheit wären nur 232,7 Grad Celsius), so Gary Dexter, der in seinem Blog  den alternativen Titel „Fahrenheit 843“ vorschlägt, der tatsächliche Temperatur Celsius also bei der sich Papier selbst entflammt. Dass das Internet-Zeitalter Ray Bradburys Schreckensvision von 1953 längst überflügelt hat, mag den Autor vielleicht noch erreicht haben. Er starb am 5. Juni 2012 in Los Angeles und meinte über Michael Moore, der einen seiner Filme Fahrenheit 9/11 (2004) nannte, einen „dämlichen Drecksack“, weiter zitiert ihn die deutsche FAZ: „So denke ich über ihn. Er hat meinen Titel geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne mich jemals um Erlaubnis zu fragen.“ Gary Dexter hätte hier wohl das letzte Wort, wenn er Ray Bradbury einen „dämlichen Drecksack“ nennen würde. Tut er aber nicht.

Ray Bradbury

Fahrenheit 451

Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg

2020, Hardcover Leinen

272 Seiten

ISBN: 978-3-257-07140-5

€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70

Diogenes Verlag


Genre: Dystopie, Roman, Science-fiction, Zukunftsvision
Illustrated by Diogenes, Diogenes Zürich

Gedichte

251 Jahre Friedrich Hölderlin

251 Jahre Hölderlin. Gedichte. Eine Auswahl„Ich verstand die Stille des Äthers/Der Menschen Worte verstand ich nie.“, schreibt Hölderlin in „Da ich ein Knabe war…“. Das inzwischen wohl etwas weniger als 250 Jahre her, dennoch wurde der Knabe immerhin 73 Jahre alt. „Hast du Verstand und ein Herz, so zeige nur eines von beiden,/Beides verdammen sie dir, zeigest du beides zugleich.“ Dem großen Dichter der Weltliteratur wurde zu seinen Lebzeiten die Anerkennung allerdings versagt. Und das trotz seines erreichten hohen Alters.

Hölderlin: Elegien, Oden und Hymnen

Im 20. Jahrhundert wurde Friedrich Hölderlin (20.3.1770 Lauffen a. N. – 7.6.1843 Tübingen) wiederentdeckt, inspirierte Stefan George, Georg Trakl, Rainer Maria Rilke und Paul Celan und ist bis heute sogar in Übersetzungen und Vertonungen weltweit präsent, nicht nur aufgrund der Feierlichkeiten zu seinem 250. Geburtstag, die leider aufgrund der Pandemie etwas untergingen. Die vorliegende Auswahl reicht von den Jugendgedichten und den ersten lyrischen Werken seiner Tübinger Studentenzeit über die Diotima-Gedichte an seine Liebe Susette Gontard bis hin zu seinen großen Hymnen und Elegien. Hölderlins wunderbare Lyrik ist somit in vorliegendem 140 Seiten starken Werk in all ihrer Kühnheit, Intensität und Schönheit wieder neu zu entdecken. Ab 1797 bildete Hölderlin einen eigenen Stil heraus, der wie in den Gedichten Heidelberg oder An die Parzen in der individuellen Erneuerung antiker Gedichtformen, z. B. der Elegie oder der Ode bestand. Aus diesen seinen literarischen Experimenten entstand später auch sein Roman Hyperion, der das Pathos der Französischen Revolution in ein Freiheitskonzept überführen wollte. Aber auch seine unvollendete Tragödie „Der Tod des Empedokles“ darf hier an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, da er den Versuch einer Dramatisierung philosophischer Themen beinhaltete und darin einzigartig blieb.

Gedichte: Heimat unter den Birnen

Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben,/Siehst du das Eine recht, siehst du das andere auch.“ Unvergessen bleibt auch nach nur einmaligem Lesen aber auch seine Ode an die Heimat in der es u.a. heißt: „Ihr teuern Ufer, die mich erzogen einst,/Stillt ihr der Liebe Leiden, versprecht ihr mir,/Ihr Wälder meiner Jugend, wenn ich/Komme, die Ruhe noch einmal wieder?“  Selbst ist er in seiner Todesstunde nicht mehr dorthin zurückgekehrt, aber vielleicht hätte auch die Heimat seine Leiden durch ihrer Wälder Ruhe nicht mehr stillen können. Spätestens seit 1806 – also noch Jahrzehnte vor seinem Tod – galt der begabte Dichter seinen Zeitgenossen als wahnsinnig. Ab 1807 bewohnte er bei der Familie Zimmer in Tübingen ein Turmzimmer, was alsbald als Hölderlin-Turm bezeichnet wurde. Um diese Zeit (1805) entstand auch eines seiner letzten Gedichte „Hälfte des Lebens“: „Mit gelben Birnen hänget/Und voll mit wilden Rosen/Das Land in den See,/Ihr holden Schwäne,/Und trunken von Küssen/Tunkt ihr das Haupt/Ins heilignüchterne Wasser.//Weh mir, wo nehm’ ich, wenn/Es Winter ist, die Blumen, und wo/Den Sonnenschein,/Und Schatten der Erde?/Die Mauern stehn/Sprachlos und kalt, im Winde/Klirren die Fahnen.“

Friedrich Hölderlin

Gedichte

Eine Auswahl

Hrsg. und Nachw.: Kurz, Gerhard

2020, Softcover, 143 Seiten

ISBN: 978-3-15-020600-3

Reclam Verlag

8,00 €t

 


Genre: Französische Revolution, Heimat, Jubiläum, Lyrik
Illustrated by Reclam Verlag

Venedig. Augenreise/Kochbuch

Venedig – Augenreise

Venedig Augenreise und Kochbuch. Venedig ist immer eine Reise wert. Und in Zeiten von Pandemien eben eine Augenreise. Oder mit dem Venedig-Kochbuch von Russell Norman eine kulinarische Reise durch die eigene Küche. Die beiden 2020 im Dorling Kindersley Verlag erschienen Bücher sind beide gleich prachtvoll in ihrer Ausstattung: Hardcover, großes Format von 200 x 266 mm und dick im Umfang. Darüber hinaus glänzen sie durch wunderschöne Fotografien, die eigens für die beiden Bücher angefertigt wurden. Die Fotos vom Kochbuch stammen von Jenny Zarins, die der Augenreise von Guillaume Dutreix.

Venedig – eine Augenreise

Die wohl „einzige Stadt mit menschlichen Ausmaßen“ wäre gerade dieser Tage eine Reise wert, da Venedig aufgrund der Pandemie wieder den Bewohnerinnen und Bewohnern überlassen ist. Auch die Kreuzfahrtschiffe bedrohen die kleinen Kanäle nicht und es sollen sogar wieder Fische darin zurückgekehrt sein. Von der Lagune ausgehend nähert sich die Autorin dem eigentlichen Venedig, denn ohne die Lagune, ein eigenes Biotop, gäbe es auch die Serenissima nicht. Auf Burano, Venedig vorgelagert und durch seine bunten Häuschen weltbekannt, lebt kein Geringerer als Philippe Starck, der auch im Zentrum Venedigs schon einige Spuren hinterlassen hat. Die Gemüseinsel Sant’Erasmo wird ebenso besucht wie San Michele oder die Friedhofsinsel Murano. Mit San Marco wird dann auch das erste Sestiere (deutsch: Sechstel) der Wasserstadt in all seiner Pracht gezeigt. Eine kleine Kaffeekunde zeigt wie vielfältig die Kunst des Brauens auch in Venedig ist. Als weitere berühmte Persönlichkeit, die mit Venedig verbunden ist, stellt uns die Autorin den Architekten Carlo Scarpa vor. Sein „Negozio Olivetti“ ist Legende unter den zahlreichen Architektur-StudentInnen in der Stadt. Denn Venedig ist nicht nur für seine Ca’Fosari bekannt an der man mehr als 40 Sprachen studieren kann, sondern auch für die IUAC (Istituto Universitario di Architettura di Venezia). Lucie Tournebize zeigt eine lebenswerte Stadt, die vor allem von seinen BewohnerInnen geliebt wird, nicht nur von TouristInnen. Am Canal Grande von Palazzo zu Palazzo ist ein vorgeschlagener Stadtspaziergang, aber viel schöner noch ist es, sich in den unzähligen calli der Stadt zu verirren. Denn wer sich noch nicht verirrt hat, war noch nicht in Venedig.

Venedig – Das Kochbuch

Venedig – Das Kochbuch

Was passt besser zum obigen Augenschmaus, der Augenreise, denn ein Kochbuch, das auch die kulinarischen Genüsse einfängt. Denn Venedig ist ja bekanntlich vor allem auch eine Stadt die riecht, manchmal sogar nach Orient, manchmal nach Okzident. Den Buchrand und die Titelschrift ganz in Gold gefasst, zeigt das vorliegende Kochbuch nach Jahreszeiten geordnet die Genüsse der Lagunenstadt. „Im Frühling gibt es eine Suppe aus wildem Knoblauch, eine Pizza mit roten Zwiebeln oder eine Frittata mit Garnelen und Dill. Im Sommer genießen Sie Panzanella, Spinat-Ricotta-Malfatti oder Bellini-Sorbet. Der Herbst schmeckt mit geröstetem Kürbis, geräucherter Makrele oder gegrillter Polenta einfach wunderbar. Den Winter essen Sie sich mit Pasta- und Bohnensuppe, Wild- und Pilzrisotto oder Rosmarin-Lammkeule warm.“ Natürlich mit vielen Adressen und einem Register im Anhang. 14 Monate lebte der Hobbykoch Russell Norman in einer „winzigen Wohnung an den Giardini“ und kochte alle Rezepte nach, die er auf Märkten in Erfahrung bringen konnte. Risi e Bisi auf venezianische Art zum Beispiel oder Artischockensalat aber auch Spaghetti Cassopipa, alles Rezepte, die natürlich mit lokalen Produkten gekocht werden entweder vom Rialto oder direkt von der Gemüseinsel Sant’Erasmo. Denn auch das ist das „menschliche Maß“ Venedigs: gäbe es keine Touristen, könnte sich die Stadt ohne Mühe selbst versorgen und wäre sogar autark. Erfahren Sie also mehr über Themen wie das Ökosystem der Lagune, Karneval in Venedig, Venezianische Renaissance, Das Haus Venini oder Unentbehrliche Brücken. Porträts von Venezianern, ob dort geboren oder zugezogen, und natürlich über die Küche Venedigs.

Lucie Tournebize/Guillaume Dutreix
Venedig. Eine Augenreise
ISBN 978-3-7342-0309-1
Oktober 2020
256 Seiten, 200 x 266 mm, fester Einband
Mit über 300 Fotos
Dorling Kindersley Verlag
28,00 €

Russell Norman
Venedig. Das Kochbuch
ISBN 978-3-8310-3587-8
Juni 2018
320 Seiten, 184 x 253 mm, fester Einband (Goldschnitt, Lesebändchen und Cover mit Folienprägung), 140 Fotografien
Dorling Kindersley Verlag
29,95 €


Illustrated by Dorling Kindersley Starnberg

Versprich es mir. Über Hoffnung

Joe Biden – Versprich es mir

He, Joe“, meinte Barack einmal zu Biden, „man kauft das Schlimme mit dem Guten ein“. Schon während der Präsidentschaft hatten die beiden Bs eng zusammengearbeitet. Biden war der Vizepräsident Barack Obamas und hätte 2016 auch selbst kandidiert. Doch dann kam die Krankheit seines Sohnes Beau dazwischen und Biden entschied sich für die Familie. Donald Trump gewann daraufhin gegen Bill Clinton die Wahlen. Aber 2019 übernahm Joe Biden das Ruder. Am 20.1.2020 wurde er als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Und er übernimmt ein gespaltenes Land in der Corona-Krise mit einer Rekordarbeitslosigkeit und schlechten Wirtschaftsdaten. Aber Joe Biden verkörpert das, was in einer krisengeschüttelten Zeit wie der unseren das Wichtigste ist: Hoffnung.

Biden: Hoffnung für die Welt?

Biden wurde von seinen Gegnern gerne als „Trauerredner der Nation“ abgetan, was angesichts der Dinge, die er in seinem Leben schon mitmachen musste, geradezu pietätlos wirkt. Denn nicht nur, dass er 2015 seinen erst 45-jährigen Sohn Beau verlor, nein, schon Jahre zuvor gingen seine Frau und seine Tochter bei einem Autounfall von dieser Welt. Aber Joe Biden gab nicht auf und setzte sich seine Ziele, die ihn nun bis an die Spitze seines Landes brachten. Und seine Programm liest sich gar nicht so schlecht: Kampf dem Supperlobbyismus, Besteuerung der Vermögen statt der Arbeit, Ende der Steuerschlupflöcher und Steuernachlässe, Mindestlohn von 15 Dollar und Abschaffung der Studiengebühren an den öffentlichen Colleges und Universitäten. Schon während seiner Vizepräsidentschaft war er auch für die Homosexuellenehe und deren rechtliche Gleichstellung eingetreten. Und nicht zuletzt ein Mondfahrtprogramm zur Bekämpfung von Krebs. Now hope and history rhyme.

Joe oder The Luck of the Irish

Die vorliegende, äußerste lesenswerte Kampfschrift ist nicht nur gut geschrieben, sondern auch sehr persönlich gehalten. Biden schreibt über den Kampf seines Sohnes Beau gegen den Krebs, aber auch von seinen eigenen politischen Erfolgen im Irak oder seinen Vermittlungsbemühungen in Mittelamerika und der Ukraine. Dabei behält er auch eine gewisse subtile Form von Humor bei, was ihn noch sympathischer macht. Gerade weil er als Außenseiter startete und „against all odds“ die Vorwahlen und die eigentlichen Wahlen gewann und weil er sich durch seine schlimmen Schicksalsschläge nicht unterkriegen ließ, möchte man diesem Präsidenten nur das Beste wünschen. Denn für die Aufgaben, die vor ihm liegen, wird er jede Unterstützung brauchen. Man vertraut und glaubt seinen Worten. Was man nicht erfährt, ist seine Vorgeschichte. Das Buch handelt hauptsächlich in der Zeit der 10er Dekade des 21. Jahrhunderts, es erschien in den USA 2017, aber bereits nach der Angelobung von Trump. Der Vorwurf er würde aus dem Tod seines Sohnes politisches Kapital schlagen wollen und all die andere Schmutzwäsche, die gegen ihn lief, wird Lügen gestraft. Für seine Kritiker gilt: einen schönen Gruß von Onkel Ed. Und gerne nimmt man ihm auch das Versprechen ab, das er seinem Sohn gab: Die Welt wieder zu einem besseren Platz zu machen.

Joe Biden

Versprich es mir.

Über Hoffnung am Rande des Abgrunds

Aus dem Amerikanischen von Henning Dedekind und Friedrich Pflüger.

ISBN: 978-3-406-76713-5

2020, Hardcover, 250 S

C.H.Beck Verlag

22,00 €


Genre: Autobiografie, Politik
Illustrated by C.H. Beck München