
Auch ein Wal spielt dieser Tage eine gewisse einsame Rolle…
Einsamkeit. Eine Befreiungsgeschichte. Was erst wie ein Psychoratgeber aussieht, entpuppt sich bei genauerem Lesen als packender Befreiungsschlag von einem unfreiwillig angetretenen “Erbe der Einsamkeit“. Seinen Job verloren, vn seiner Freundin verlassen, beide Elternteile durch Suizid verabschiedet, befreit sich Daniel endgültig von seiner Drogensucht und anderen Süchten und erfährt endlich Läuterung und Befreiung. Ein Heldenepos ohne Pathos, aber viel Ethos.
Das Säurebad des Zynismus oder die präventive Selbstdemontage
In drei an Gottfried Benn angelehnten Kapiteln – Verluste, Sehnsucht, Hoffnung – erlebt der Protagonist Daniel am Ende endlich das, was man wohl gemeinhin als Gnade bezeichnen könnte. Denn er begreift, nach harten Jahren der Tortur in Elternhaus, Schule und Psychiatrie sowie diversen Süchten, endlich das, was im Leben wirklich wichtig ist: “Liebe und Freundschaft“. Und vor allem: Zugehörigkeit. Im ersten Kapitel, “Verluste“, geht es um seine Eltern, die sich durch Suizid aus der Affäre ziehen. Sein Vater fährt absichtlich gegen einen Baum, seine Mutter, die sich mit mehreren Männern und Luxus vorerst trösten konnte, fährt in die Schweiz. Dort ist Sterbehilfe zwar nicht legal, wird jedoch nicht geahndet. Grund dafür hat sie eigentlich keinen, außer vielleicht den, nicht mehr zu genügen, nicht mehr gut genug zu sein für eine Welt des Prestige (“die Bühne der Blasiertheit”), ein Gefängnis, das sie sich selbst zimmerte. Das zweite Kapitel, “Sehnsucht“, ist ganz von seiner manischen Liebesgeschichte zu Esther gekennzeichnet, die er in einem Berliner Nachtclub kennenlernt. Von ihr erwartet er sich Erlösung, die er sich aber aufgrund seiner Veranlagung zu Selbstdemontage bald wieder verpatzt. “Sie würde sich mit meiner Hilfe aus ihrer Ehe stemmen, und ich würde mich dank ihrer Zuneigung vor dem Einsamsein retten.” Aber wie fügt er ganz selbstkritisch und süffisant hintan: “Ex-Junkies sollten sich von Deals Fernhalten“.
Antidot Einsamkeit: Zugehörigkeit
Das flüssig geschriebene Werk voller Selbstironie und Humor des Kulturjournalisten Daniel Haas, Jahrgang 1967, ist ein Roman ganz in jugendliche Eleganz getaucht. Haas glänzt mit einigem Literaturwissen: Benn, Kafka, Mann. Aber auch die Welt des Demimonde, das Berliner Nachtleben, dürften ihm nicht ganz unbekannt sein. Voll liebevoller Ironie, mit feiner Klinge, beschreibt Haas das Leben seines jüngeren alter ego, Daniel, eines “Liebeshelden mit Opiat- und Literaturexpertise“. Aber im dritten Kapitel, “Hoffnung“, macht er ihm ordentlich den Garaus. In Gestalt seines besten Freundes, Friedrich, werden Daniel die Leviten gelesen und er begreift schließlich, dass er sich selbst die Rolle des Versagers zugeteilt hat, um sich schmollend auf das sich daraus ergebende Recht, einsam zu sein, zurückziehen zu können. Einsamkeit war zwar eine wesentliche Prägung seiner Existenz, aber nicht die Begründung für seine Existenz. Groll und Zorn bildeten jahrzehntelang die unsichtbaren Gitterstäbe, “durch die man die Welt einerseits zwar wahrnimmt, sie andererseits aber verzerrt und verkennt“, so Haas. “Grübeleien, Unterstellungen und vorauseilende Ängste sind ein guter Nährboden für Einsamkeitsgefühle“, schreibt Daniel Haas. Friedrich hingegen, sein bester Freund, “missionierte in Glück und Zufriedenheit, weil er wusste, dass wir das, was wir haben, nur bewahren können, indem wir es weitergeben“. “Alles ist möglich, wenn wir nur darauf bestehen, dass die Zugehörigkeit stärker ist als das, was uns trennt.” Sie entsteht durch Mitgefühl, Humor und Vertrauen. Ein wertvoller Roman, der viel zu bieten hat und voller Leidenschaft geschrieben wurde.

Stilistisch schwebend mit banalem Plot
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