“Wenn ich die Lächerlichkeit fürchten würde, wäre ich nicht Schriftsteller geworden.” Gleich dreimal Erwin Piontek lässt Szczepan Twardoch in seinem neuen Roman “Sagen wir, Piontek” (Originaltitel) auferstehen. Oder ist es ein Mensch mit drei Leben? Die Wahrnehmung der Zeit und die Rolle des Individuums sowie dessen Sehnsucht im Fokus.
Die Zeit und ihre Manifestationen
Der Piontek der Gegenwart, ein Bergmann im Ruhestand, kauft sich eine Segeljolle und kreist auf dem etwa zwölf Kilometer südlich von Plichowice gelegenen Stausee Rybnik. Durch die Wiederholung der Kreisbewegung fällt er in eine zeitliche Elipse 100 Jahre zurück und findet sich plötzlich in der Wüste Deutsch-Südwestafrikas inmitten eines Völkermords an den dortigen Hereros. Aber auch in eine düstere Zukunft lässt Twardoch blicken, wenn er das Leben des dritten Erwin Piontek in der heutigen Zukunft schildert. Als Doppelgänger ähnlich “Der Gefangene von Zenda” wird Erwin Piontek Präsident eines aus der NATO ausgetretenen von Russland besetzten Volksstaates Polen. Mit diesem tritt der Autor selbst, Szczepan Twardoch, in einen Dialog und sie einigen sich darauf, dass ersterer seine Geschichte selbst erzählen soll und der Autor ihn nicht mehr – in kursiv – unterbrechen solle. So wird aus dem Gespräch eine muntere Unterhaltung über die Fantasie eines Autors und der Freiheit gegenüber den von ihm erschaffenen Figuren. Ganz nebenbei will Szczepan Twardoch auch die historischen Ereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts erzählen und entwirft eine Dystopie, die wohl Europa auch als Warnung dienen soll. Aber noch ist Polen nicht verloren…
Die Vierte Wand
“Du bist es jetzt, der sich selbst erzählt, Erwin, durch mich. Ich mache dich nicht mehr. Du selbst machst dich. Du selbst bist für dich verantwortlich.” Das Stilmittel “Sagen wir, …“, das Twardoch im Originaltitel des Romans verwendet, wird auch des öfteren im Roman selbst verwendet. Damit will er wohl andeuten, dass alles auch erfunden sein könnte, was es ja auch ist. Ein paar vulgäre Einsprengsel über das, was Matrosen auf hoher See sich gegenseitig für Gefallen tun erläutert Twardoch anhand der Erlebnisse des ersten Piontek. Dieser segelte mit Kapitän Schumacher auf der Ex Silesia Lux und musste dem Kapitän selbst diesen Gefallen des öfteren tun. Teilweise handelt es sich ja auch um Twardochs Familiengeschichte, wie er in einem Interview bekennt, aber wohl nicht in diesem pikanten Detail. Piontek (*1868), Piontek (*1946) und Piontek (*1979) dienen Twardoch also auch zur Darstellung der drei Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Twardoch scheut auch nicht davor zurück die Bibel und die Bhagavadita zu zitieren oder sich selbst als Schriftsteller durch Piontek III als “Schweinhund” beschimpfen zu lassen. Aber am Ende versammeln sich alle drei Pionteks, ihre Angehörigen und der Autor friedlich um ein Lagerfeuer und Festmahl. Und so kommt zu Heidegger, “Moby Dick”, “Der Gefangene von Zenda” auch noch “Asterix” als Inspiration dieses wohl ersten humoristischen Romans Twardochs hinzu.
Szczepan Twardoch
Sehnsucht
Roman
Aus dem Polnischen von Olaf Kühl
2026, Hardcover, 224 Seiten
ISBN: 978-3-7371-0232-2
Rowohlt
24,00 €


Da sitzt sie, in der Loge der Wiener Oper, neben sich zwei Bierdosen (natürlich Wiener Lager) und eine Schnitzelsemmel in der Hand. Stefanie Sargnagel, die Poetin aus dem Gemeindebau hätte sich das wohl so nie träumen lassen. Aber andererseits ist es vielleicht auch ein Verrat? Hat sie gar die Seiten gewechselt?
Martin Haidinger ist Historiker und Journalist beim Österreichischen Rundfunk, aber auch für BR Alpha und Deutschlandfunk. In seinem neuen Buch schreibt er über das problematische Verhältnis Hitlers zu seinen Landsleuten oder eher umgekehrt. Sein Buch baut vor allem auf Zeitzeug:innen-Berichten auf und zitiert diese teilweise in voller Länge.
Der unterrepräsentierten Rolle der Frau in der Ur- und Frühgeschichte wird in der Fortsetzung, Teil 2 von Die Frau als Mensch: Schamaninnen, nochmals laut widersprochen. “Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte”, also Teil 1, wurde mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2025 ausgezeichnet.
In diesen miesen Zeiten, in denen Emotionen ständig getriggert werden, sinnlose Ablenkungen und Zerstreuungen über uns hereinbrechen und “immer mehr medial vermittelt, aber immer weniger real erlebt wird“, ist es dringend notwendig, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Fokus zu finden und alles Überflüssige wegzulassen. “Entschleunigung” ist wieder angesagt!
“Ich bin von Ort zu Ort gerannt und allmählich von allen und allem weggerissen worden, was ich liebte.” Bereits in der 3. Auflage ist die autobiografische Überlebensgeschichte von Leokadia Justman, die dem Lager Reichenau entkam und die letzten Kriegsmonate in der Region von Lofer überlebte. Der erstmals ins Deutsche übersetzte autobiografische Bericht schildert das Überleben als Jüdin in Tirol während der NS-Zeit.
Die erste jüdische Hochzeit nach dem Krieg in Innsbruck vermählte Joseph Wisnicki und Leokadia Justman. Das Schicksal hatte die beiden Holocaust-Überlenden zusammengeführt. Während Leokadia versteckt in Lofer den Krieg überlebte, musste sich Joseph Wisnicki mehrmals falsche Identitäten zulegen und entkam genauso wie Leokadia nur knapp.
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“Entspann dich mal!” Wir kennen es alle: keiner will diesen Satz hören, wenn gerade die Amygdala die Kontrolle übernommen hat. Dabei kann der Atem einen einfachen Weg aus der Erregung heraus herbeiführen. Durch eine bewusste Steuerung der Atmung, kann man wieder runterkommen und der präfontale Kortex übernimmt wieder das Ruder.
100 Jahre Marilyn Monroe. “Tausende Mädchen träumen davon, ein Filmstar zu werden. Aber ich habe am härtesten geträumt.” Eine der wohl amüsantesten Annäherungen an das Phänomen Marilyn Monroe dieser Tage hat wohl Hektor Haarkötter geschrieben. Denn es geht nicht nur um die platinblonde Sexgöttin, sondern auch um Anna Freud und die Psychoanalyse, genauer gesagt um “Sieben außergewöhnliche Tage mit Anna Freud”.


100 Jahre Marilyn Monroe. Die Journalistin und Schriftstellerin Jenni Zylka huldigt den Filmen der Filmikone Marilyn Monroe zu deren 100. Geburtstag am 1. Juni 2026. Ihre “Marilyn Monroe. 100 Seiten” sind keine Biographie, sondern Filmjournalismus, eine Analyse ihrer Rollen hinter und vor der Leinwand.
100 Jahre Marilyn Monroe: Meine Woche mit Marilyn. Auch nach mehr als 60 Jahren ist Marilyn Monroe immer noch ein Mythos. Aber aus Anlass ihres Geburtstages am 1.6.1926 erscheint eine Vielzahl von Publikationen, die mehr Licht in das Rätsel um die eigentliche Norma Jean Baker bringt


