Martin Haidinger ist Historiker und Journalist beim Österreichischen Rundfunk, aber auch für BR Alpha und Deutschlandfunk. In seinem neuen Buch schreibt er über das problematische Verhältnis Hitlers zu seinen Landsleuten oder eher umgekehrt. Sein Buch baut vor allem auf Zeitzeug:innen-Berichten auf und zitiert diese teilweise in voller Länge.
Die Anhänger Hitlers in Österreich
Ein Hitlerjunge berichtet von Sprengstoffanschlägen, ein BDM-Mädchen schildert ihren Weg zwischen Überzeugung und Naivität, ein Widerstandskämpfer erklärt, warum er sich als Täter sieht. Die Wiedergabe und Aneinanderreihung von Zitaten aus jener Zeit geht allerdings auf Kosten der Analyse, wie politische Rattenfänger Menschen tatsächlich blenden können, wie Nationalismus, Populismus und Führerkult funktionieren. Deutlich hervor tritt aber auch, dass der Nationalsozialismus auf verschiedenen Ebenen die Überzeugungen der Bevölkerung infiltrierte: den einen gefiel der Antisemitismus, den anderen der Sozialismus. Gemeinsam ließen sie sich vor einen Karren sperren, der vor allem jenen nützte, die ihrerseits wiederum Hitler benutzten. Sein Buch soll nicht “zum tausendsten Mal biografische Details im Leben Hitlers aufbacken, wie der Autor in seiner Einleitung schreibt, sondern “vor allem jene analysieren, die von ihm fasziniert waren und ihm fanatisch anhingen”.
Die Lebensfähigkeit Österreichs vor dem Anschluss
Außerdem geht es natürlich um den Anteil der Austro- oder klerikalfaschistischen Diktatur des Dollfuß-Regimes und inwieweit sie eine Vorbereitung auf das war, was danach kam. Als unumstritten gilt, dass die christlich-soziale Partei das Parlaament ausschaltete und die Opposition einkerkerte. Dadurch wollte natürlich niemand mehr für dieses “Rumpfösterreich” kämpfen und die Überzeugung nur ein Aufgehen im größeren Wirtschaftsraum Deutschlands könne Österreichs Überleben sichern war in allen politischen Lagern weit verbreitet. Wie Martin Haidinger betont, wäre dieses Österreich allerdings sehr wohl lebensfähig gewesen: 540 Millionen in Gold, 1909 Lokomotiven, 249 elektrische Triebfahrzeuge und eine Menge von Staatsbetreiben fielen 1938 in die Hände der Deutschen und finanzierten somit die zweiten großen Krieg wesentlich mit. Sogar Göring hätte das gesagt.
Zeitzeugenberichte über mehrere Jahrzehnte
Dass die “Arisierung” in Wien resp. Österreich von wilden unorganisierten Plünderungen gekennzeichnet war, die sogar im Reich selbst Empörung hervorrief und diese durch Bürckel besser strukturieren ließ ist ein weiteres trauriges Faktum des sog. “Anschlusses” Österreichs ans Deutsche Reich. Aber auch 1358 Selbstmorde wurden allein in Wien 1938 registriert, einer davon war Egon Friedell. Weitere Themen sind der katholische Widerstand (das Rosenkranzfest) oder die Verwicklung von Filmgrößen wie den Hörbigers oder Mosers ins Regime. Die führende Rolle von Österreichern in Konzentrationslagern und an der Ostfront wird ebenso erklärt wie deren unrühmliche Rolle bei der Bekämpfung von Widerstand in den besetzten Gebieten. Martin Haidinger hat in Anbetracht der Tatsache, dass die letzten Zeugen der NS-Zeit als Gesprächspartner verlorengehen, noch einmal das Gespräch gesucht, teilweise sogar über mehrere Jahrzehnte hinweg, wie er schreibt. Das macht die vorliegende Publikation zu einem wertvollen und wichtigen Beitrag über das dunkelste Jahrzehnt unserer Geschichte.
Martin Haidinger
… und dann wurden sie Nazis
Faszination Hitler
2025, Hardcover, 240 Seiten
ISBN: 978-3-8000-7886-8
Ueberreuter Verlag
€ 25,00





Das Ende der Demokratie. “Werden die Gangs die Welt beherrschen?” Bereits in der 2. Auflage aufgrund der hohen Nachfrage: wen wundert’s? Die aktuelle Lage lässt durchaus an die Zwanziger und Dreißiger Jahre des vergegangenen Jahrhunderts denken. Nur dass das Problem nicht mehr nur Deutschland betrifft, sondern bereits die ganze Welt. Die Demokratie ist international in Gefahr.
1. Mai: “Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden, was wir wollen!” Natürlich verdanken wir den 1. Mai nicht einer oder mehrerer Personen, sondern einer Bewegung. Denn die Bewegung für den Acht-Stunden-Tages war international und bestand aus Anarchisten, Sozialisten, Kommunisten und christlichen Sozialreformern. Einige davon standen in Folge der Ereignisse des 4. Mai von 1886 in Chicago vor Gericht und wurden für etwas verurteilt, das sie nicht verbrochen hatten. Die anderen bekamen seither den 1. Mai dafür.
Die Doppelte Frau und das Rätsel Betty Steinhart. “Ach, das ist so lange her. Ich weiß es nicht mehr.” Das Foto-Atelier Carl Ellinger hat die harten Zeiten des Ersten Weltkriegs überlebt und reüssiert zum Porträtstudio der neu erstehenden Salzburger Festspiele. Seit den 20er Jahren der Inbegriff österreichischer Wesensart und Kultur sind die Festspiele mit ihren Stars zahlkräftige Kundschaft im Atelier. Aber wer machte eigentlich die Fotoporträts? Beate Thalberg weiß es!
Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat. Mit einem neuen Kapitel. Das schon 2023 zum Bestseller avancierte Sachbuch des außenpolitischen Korrespondenten der ZEIT wird 2024 mit einem neuen Kapitel zur Stabilität von Putins Herrschaft nach dem Aufstand und Tod Prigoschins neu aufgelegt. Michael Thumann ist einer der besten Russlandkenner und lebt in Moskau.








Die ursprüngliche Idee entstand schon 1923, als der junge Redner aus Los Angeles eine monatelange Reise um die Welt unternahm. Damals noch mit dem Schiff. Hall umrundete Ägypten, China und Indien und vertiefte sich in philosophische und religiöse Geschichten und Praktiken dieser Länder. Sieben Jahre soll er dann an seinem Werk gearbeitet haben, das nun als minutiös restaurierte Version von Halls “Großem Buch” beim TASCHEN Verlag, rund 100 Jahre nach seinem Entstehen, vorgelegt wird. 1934 gründete Hall die Philosophical Research Society (PRS), deren Präsident er bis zu seinem Tod war. Die Philosophical Research Society verfolgt weiterhin seine Mission, die Quellen für all diejenigen zu erforschen, die grundlegendes und praktisches Wissen für das 21. Jahrhundert suchen. Laut ihren Statuten ist die PRS auch heute noch “dedicated to the ensoulment of all arts, sciences, and crafts”. Halls Vermächtnis wird von der PRS mit folgenden Worten zusammengefasst: “With faith, honesty, and common sense we can build a better world than any we have known.”
Das Begleitbuch ergänzt das Werk mit Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel der Secret Teachings sowie neu entdeckten Kunstwerken, seltenen Fotografien aus Halls Archiven und Essays von den Journalisten Mitch Horowitz und Jessica Hundley.






Triest für Fortgeschrittene. Die “südlichste Stadt des Nordens“, war und ist ein Freihafen, der immer schon Venezianer, Griechen, Slowenen, Serben, Juden, Armenier und Norddeutsche sowie allerhand “Abenteurer, Hochstapler und Parvenüs, Künstler, Dichter, Philosophen und Intellektuelle” anzog, schreiben die Autoren, wobei Bernard eher die Texte und Desrues eher die Fotos beisteuerte.