Horizont erweiternd
Die überarbeitete und ergänzte zweite Auflage der «Literaturtheorie» des amerikanischen Literatur-Wissenschaftlers Jonathan Culler wird im Untertitel ergänzend als «Eine kurze Einführung» bezeichnet. Und in der Tat gewährt der schmale Reclamband einen sehr komprimierten Einblick in die wichtigsten Aspekte der Literaturtheorie, der im Unterschied zu anderen Fachbüchern auch für Laien gut lesbar ist, also für Leser, die sich über die reine Lektüre hinaus mit den Grundlagen und Prinzipien dieser kulturellen Disziplin beschäftigen wollen. Denn nicht nur tragen die so erworbenen Kenntnisse zum Verständnis des Gelesenen bei, sie erleichtern auch die Suche nach Büchern, die möglichst den eigenen Erwartungen entsprechen sollen, weil man besser versteht, worauf es ankommt dabei.
Anders als üblich, betont der Autor, habe er seine Einführung bewusst nicht an den verschiedenen Denkschulen orientiert, sondern sein Werk mit der elementaren Frage «Was ist Literatur und ist sie wichtig» begonnen, um sich dann ins Detail gehend mit Themen wie «Literatur und Kulturwissenschaft», «Sprache, Bedeutung und Interpretation», «Rhetorik, Poetik und Lyrik», «Erzählen», «Performative Sprache», «Identität, Identifikation und das Subjekt» und zu guter Letzt «Ethik und Ästhetik» zu beschäftigen. Der «normale» Leser wird dabei oft nachschlagen müssen, was denn genau verschiedene Fachbegriffe wie beispielsweise «Hermeneutik» oder «Dekonstruktion» zu bedeuten haben. All das aber dient letztendlich dem Verständnis über die Funktion von Text, Autor oder literarische Genres. Sprache und Bedeutung von Texten, Erzählstrategien und Identifikations-Mechanismen werden ebenso untersucht wie die Frage, was genau denn literaturtheoretisch Lyrik von Prosa unterscheidet und welche unterschiedlichen Wirkungen damit erzeugt werden können. Immer wieder stellt er bei seinen Betrachtungen auch die wichtigsten Theoretiker der verschiedenen Schulen vor.
Was den schmalen Band des Amerikaners von den vielen der eher drögen deutschen Fachbücher unterscheidet, das ist der wohltuend offene, gut lesbare Stil, in dem er geschrieben ist. Sein Panorama der Literaturtheorie behandelt wissenschaftlich kompetent alle relevanten Themen, ohne je zu simplifizieren. Wichtig zum Verständnis der ja durchaus komplizierten Materie ist, dass hier stets auch Zusammenhänge verdeutlicht werden, die dabei helfen, das weite Panorama dieser Thematik verstehen zu können. Immer wieder werden im Detail auch Denkprozesse vorgeführt, die zu den verschiedenen wissenschaftlichen Erkenntnissen hingeführt haben. Das ist durchaus spannend zu lesen und erscheint nur selten mal auch etwas zu langatmig.
Natürlich wartet dieses Buch auch mit einem umfangreichen Anhang auf, in dem unter dem Titel «Theoretische Schulen und Strömungen» näher auf die wissenschaftlichen Details und ihre Bedeutung für die Literatur eingegangen wird. Hinzu kommen die obligatorischen Literaturhinweise sowie ein Personen- und Sachregister. Als ein großes Manko erweist sich allerdings, dass alle Hinweise auf Bücher, alle zur Verdeutlichung herangezogenen Zitate und die Fußnoten im Text sich immer nur auf englischsprachige Literatur bezieht. Das macht es für deutsche Leser sehr schwer, zu verstehen, auf was es ankommt, weil sprachlich bedingte Wechselwirkungen und versteckte Wortbedeutungen dabei kaum nachvollzogen werden können. Immer wieder wird zum Beispiel aus Hamlet zitiert, lautmalerische Bezüge in der Fremdsprache und nur für Muttersprachler wirklich nachvollziehbare Wortspielereien bleiben dann leider oft unverständlich. Auch wenn dieses Buch über den bescheidenen Umfang einer «Einführung» zuweilen hinausgeht und dem «normalen» Leser, für den es ja gedacht ist, dann manchmal sogar überfordert, lohnt sich die Lektüre gleichwohl. Denn sie ist allemal geeignet, den Horizont des Lesers zu erweitern und seinen Sinn für die komplexen Strukturen zu schärfen, auf denen Literatur letztendlich beruht und die sie vor allem stilistisch so immens vielfältig macht!
Fazit: lesenswert
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Patti Smith gilt gemeinhin als Miterfinderin des US-amerikanischen “Punk”, der u.a. im New Yorker CBGB Mitte der Siebziger entstanden war. Als weitere Vorläufer gelten u.a. aber auch Velvet Underground, MC 5, The Stooges und natürlich die Ramones.
In diesen miesen Zeiten, in denen Emotionen ständig getriggert werden, sinnlose Ablenkungen und Zerstreuungen über uns hereinbrechen und “immer mehr medial vermittelt, aber immer weniger real erlebt wird“, ist es dringend notwendig, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Fokus zu finden und alles Überflüssige wegzulassen. “Entschleunigung” ist wieder angesagt!
Männer, Väter, Patriarchen. Männer vor und nach der Vaterschaft beschäftigen den Vater eines Sohnes Augustine Sedgewick. An der Harvard University promovierte er mit Forschungen zur globalen Geschichte des Kapitalismus, der Arbeit, des Essens und der Familie u. a. Außerdem eine Kulturgeschichte des Kaffees.
100 Jahre Marilyn Monroe. Die Journalistin und Schriftstellerin Jenni Zylka huldigt den Filmen der Filmikone Marilyn Monroe zu deren 100. Geburtstag am 1. Juni 2026. Ihre “Marilyn Monroe. 100 Seiten” sind keine Biographie, sondern Filmjournalismus, eine Analyse ihrer Rollen hinter und vor der Leinwand.
Playlist zum Glück. 99,5 Songs zum glücklich werden. Michael Behrendt hat sie ausgewählt und erklärt warum gerade diese Musik ihn inspiriert, getröstet und vielleicht sogar therapiert hat. Ein Tempo von 100 bis 120 bpm scheint ideal für den Takt, den eine Herzmassage ab und zu einfach braucht!
Wien. Architektur und Kunst. Wien wird regelmäßig zur lebenswertesten Stadt wiedergewählt. Gerade im Herbst lohnt sich ein Besuch der Mitteleuropametropole, da ein Festival das andere abwechselt, sei es Musik, Kunst oder Mode. Der vorliegende Reclam Städteführer für Kunst- und Architekturliebhaber wirft sein Augenmerk aber auf die wichtigsten Profan- und Sakralbauten und den bedeutendsten Museen, also dem “Vienna Gloriosa”. Ein Stadtporträt, das die Stadtgeschichte in Daten und Besichtigungsvorschlägen für ein- und mehrtägige Aufenthalte in sich versammelt.
Voyage, Voyage. Sommerlektüre für den Sommer 2024: voyage, voyage. Der Kulturjournalist und Buchautor André Boße widmet sich darin auf mehr als 300 Seiten der französischen Pop- und Rockmusik. Von den Hits der Yéyé-Jahre über French Pop und Nouvelle Chanson bis hin zu Rock, Electro, Hip-Hop, und Raï. Mit dabei sind u.a. Jane Birkin, Jacques Dutronc, Mylène Farmer, Serge Gainsbourg, Françoise Hardy, MC Solaar, Vanessa Paradis, Zaz und viele andere mehr.


Geschichten und Gedichte für die kalte Jahreszeit. “Der Winter soll mein Frühling sein“, schreibt jubelnden Herzens Johann Christian Günther in seinem Gedicht “Lob des Winters“. Schließlich dient er auch zu “Amors Jubelfest“, also alles gar nicht so schlimm. Ganz im Gegenteil. Denn der Winter gilt zu Unrecht als “kalte Jahreszeit”.
Der durchwegs winterliche Leseschatz als Geschenkbuch mit Goldfolienprägung wärmt mit Gedichten und Kurzgeschichten oder Auszügen aus anderen Texten die Herzen seiner Leser:innen. Es sind Geschichten über Abende am Kamin, weiße Winterlandschaften und Sport und Spiel im Schnee, Erzählungen von Schneemännern, Eisköniginnen und verzauberten Winterwäldern. Aber auch einige der bekanntesten Winterlieder kommen zu Wort und Ton (mit Noten) sowie Rezepte zu Nussecken, Eierpunsch und Co. Die Texte stammen u. a. von Annette von Droste-Hülshoff, Hans Christian Andersen, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Hermann Hesse, Tove Jansson und Erich Kästner u.v.a.m. Aber auch die kleinen Kätzchen, deren Pfoten im Winter erkalten, haben ihre Freude an der Winterzeit, weiß Heinrich Heine, der fröhlich reimt: “Und ein Kätzchen sitzt daneben, /Wärmt die Pfötchen an der Glut;/ Und die Flammen schweben, weben,/Wundersam wir mir zu Mut”. Wer wird da noch behaupten, der Winter sei eine kalte Jahreszeit, wenn innen wie außen, im Herzen und im Hause, weit sichtbar ein Feuer brennt?
In Andersen’s Geschichte einer Mutter tauscht diese ihr schwarzes gegen weißes Haar und jeder weiß, wozu Mütter noch bereit sind, wenn es um ihre Kinder geht. Ganz besonders zu Weihnachten oder im Winter allgemein, sind die Opfer besonders groß, aber auch die Freuden. Diese werden etwa im Kapitel “Winterfreuden” u.a. von Erich Kästner lebendig beschrieben: “Wintersport”, heißt es da, “Die Leute fahren Bob und Ski/am Hange hinterm Haus.(…) Das Publikum ist möglichst laut./Was tut das der Natur?/Sie wurde nicht für es gebaut./ Und schweigt. Und lächelt nur.” Zu Eis-Hockey lädt Joachim Ringelnatz in seinem gleichnamigen Gedicht, zu “Eislauf” Gerhart Hauptmann. Da taucht zwischen die Zeilen ein weiteres Rezept auf, dieses Mal ein Winterlicher Eierpunsch. In der Form eines Eiszapfens schreibt Leopold Kammerer sein gleichnamiges Gedicht, das auf “Au!” endet. Aber die Schmerzen sind nur kurz, bleibt doch das Gedicht! Ein anonymer Zeitzeuge schreibt eine Wintergeschichte in der es am 8. Dezember das erste Mal schneit. Am 8. Januar nimmt der Erzähler gerne die Pillen. Aber warum ist er nur an das Bett gefesselt?
In ähnlicher Ausstattung und Ausführung ist bei Reclam auch das “Weihnachtsbuch” erschienen, wo sich ebenfalls in Broschur mit Goldfolienprägung viele Geschichten und Gedichte rund um die seligste Jahreszeit tummeln. Von der Bibel bis Urs Widmer geht es um Weihnachten, die stillste und doch wärmste Zeit des Kalenderjahres, denn die Temperatur kommt von innen. Weitere Weihnachtstipps bei Reclam sind der Adventskalender, der 24 literarische Episoden schildert, also für jeden Tag des Dezembers eine. Und das in jedem Jahr, immerwährend! Oder Janoschs “Der alte Mann und der Bär. Eine Weichnachtsgeschichte.” Letztere beiden Titel werden zwar erst wieder am 8. Auguste 2024 neu aufgelegt, aber die Buchhandlung ihrer Wahl hat sie bestimmt rechtzeitig bestellt und noch vorrätig. In diesem Sinne: Frohe literarische Weihnachten!







Il libraio di Venezia. “Siamo tempre sul punto di mollarci, ma alla fine non ci molliamo mai. C’è qualcosa di profondo che ci lega.” Giovanni Montanaros siebter Roman spielt vor dem Hintergrund der großen Flut von 2019. Der Wasserstand in Venedig erreichte damals beinahe das bisher höchste Niveau von 1966: 187 cm. Nur mehr mehr 8 cm haben also zu einem neuen (negativen) Rekord gefehlt. Der große Unterschied: 2019 hätte das von Korruption und Skandalen seit 2003 in Bau befindliche MOSE die Stadt vor eben diesem Pegelstand schützen sollen.