
London, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: “Die kulinarische Weltreise” – in 6 Teilen – wird für Onkel Dagobert alias Lord Dagobert D. Duckby (Besitzer des Lokals “Die goldene Gans”) und Franz Gans alias Fancois Gourmet (Pariser Koch der “Goldenen Gans”) nicht nur zu einem Abenteuer, sondern auch zu einem kulinarischen Highlight. Zu verdanken haben sie diese Weltreise der Wette mit Klaas Klever alias John K. Klever (Besitzer des Restaurants “Neue Gabel”, Konkurrenz der “Goldenen Gans”). Duckby verspricht, in einem Monat alle Kontinente zu besuchen und von dort je ein landestypisches Rezept mitzubringen. Diese sollen in Duckbys Restaurant nach Ablauf der Reise serviert werden. Werden die beiden es schaffen oder bringen die Schwierigkeiten der Reise sie zu Fall?
Ein “Umwerfender Geschmack” verursacht bei Gundel Gaukley einen Ohnmachtsanfall.
Einen “Kochkurs im Chateau Baguette” soll Mickey nach Wunsch seiner herzallerliebsten Minnie absolvieren, damit ihr Verlobter die Feinheiten der gehobenen Küche kennen und schätzen lernt. Allerdings artet der Kochkurs in detektivische Detailarbeit aus, als eine mysteriöse Gestalt des Nachts im Chateau herumschleicht.
Diese deutschen Erstveröffentlichungen und 7 weitere schon in LTBs veröffentlichte Geschichten verbinden einen spannenden und lustigen Inhalt mit einem schmackhaften Rezept. Natürlich spart auch dieses LTB nicht mit Anspielungen z.B. auf Weltliteratur wie z.B. “In 80 Tagen um die Welt” oder musikalische Größen wie die Rolling Stones. Die Anspielungen in dem LTB machen sie nicht nur für Kinder, sondern auch für erwachsene Fans spannend.
Ebenfalls interessant ist auch die letzte Geschichte des Buches “Zu gut getarnt”, in der die Panzerknacker zur Tarnung eine Straßenküche aufmachen, um die gegenüberliegende Bank auszuspionieren. Daraus entwickelt sich ein florierendes, legales Geschäft. Eine scheinbare Nebensache kann also zur Glück (und Geld) bringenden Hauptsache werden, wenn man es denn zulässt.
Aber auch “Die wichtigste Zutat” vermittelt eine Botschaft: Nicht sterile, komplizierte und hochstylische Küche ist bei den Menschen gefragt, sondern mit Liebe Gekochtes und Gebackenes, mit dem man gute Erinnerungen verknüpft.
“Mit allen Tricks” zeigt, dass gute Küche nicht zum (nachbarschaftlichen) unguten Wettkampf ausarten, sondern tatsächlich Menschen miteinander verbinden sollte.
“Am Anfang war der Mais” erzählt, wie eine Stadt dank eines Lebensmittels floriert. Das spielt auf andere Städte wie z.B. das rheinland-pfälzische Schifferstadt mit seinen Rettichen (und der dazugehörigen Rettichkönigin) an, vermittelt aber v.a. den Wert von Lebensmitteln und propagiert den ganzheitlichen Zugang zu solchen, um sie wertschätzen zu können. Sie erinnert aber auch an die alte Praxis, Nahrung (Samen u.Ä.) für schlechte Zeiten aufzubewahren, und an die weltweit einzige Sauerteigbibliothek.
Neben all diesen genussfreudigen Geschichten hat die Redaktion aber auch gute, schmackhafte und größtenteils leicht zuzubereitende Rezepte zu den Geschichten ausgesucht, die v.a. vegetarisch sind. Süßspeisen dürfen neben all dem Gesunden aber auch sein. Mein Sohn und ich haben die meisten der Rezepte schon nachgekocht und finden sie sehr schmackhaft. Für meinen Sohn, der von jeher kein besonders guter Esser war, bedeuteten diese Rezepte aber auch, dass sie mit seinen Liebelingsfiguren verknüpft sind, was das Essen für ihn besonders interessant macht.
Damit erfüllen die Geschichten und Rezepte eine sehr wichtige Funktion: Sie führen Kinder an gesunde Nahrung heran und begeistern sie für diese – auch solche wie meinen Sohn, die für Essen normalerweise nicht viel übrig haben.
Fazit: Die gelungene Verbindung von spannenden Geschichten rund ums (v.a. gesunde) Essen und dazugehörigen schmackhaften und meist leicht nachzukochenden Rezepten liefern nicht nur Lese- sondern auch Gaumengenuss für die ganze Familie und einen schönen Zugang zum Umgang mit Lebensmitteln. Die Idee ist zwar für das LTB nicht neu, darf aber ruhig aufgrund der guten Eigenschaften zum Klassiker ausgebaut werden.
Unikat der Postmoderne

Solitäre lakonische Diktion


Ein schreckliches Kind
Hanf. Ein Portrait. Hanf war jahrhundertelang eine Kulturpflanze. Nicht nur Seile und Taue wurden aus ihr gefertigt, sondern auch Segel. Vielleicht wäre Amerika nie entdeckt worden? Ute Woltron machte sich auf eine Spurensuche und fördert spannende Einsichten zutage, die nun in einer kleinen aber feinen Hand- und Hanfbibel mit Pflanzenporträts im Anhang vorgestellt werden.
Heliogabal oder der gekrönte Anarchist: „Wer von der Liebe nur die Flamme kennt, die Flamme ohne Ausstrahlung, ohne die Vielheit des Herdes, wird weniger haben als jener andere neben ihm, dessen Hirn wieder zur Schöpfung als Ganzem zurückkehrt und für den die Liebe eine gründliche, grauenhafte Ablösung ist.“ Eine an „eine Feuersbrunst gemahnende Sprache“ unterstellt Jean-Paul Curnier dem Text von Artaud, die zu einer allgemeinen Asphyxie (Atemnot) führen würde, so dicht und überwältigend ist sie. Diesem Erstickungsgefühl habe Artaud einmal selbst im Theatre du Vieux-Colombier durch einen Schrei Luft verschafft und rechtfertigte sich in einem Brief an André Breton, den Diktator der Surrealisten, mit den Worten: „(…) denn tatsächlich war mir klar geworden, dass es genug der Worte war, sogar genug des Brüllens, dass es Bomben brauchte, aber ich hatte keine zur Hand, nicht einmal in meinen Hostentaschen“. Jean-Paul Curnier stellt die – berechtigte – Frage, ob es heute denn keinen Anlass mehr gebe, vor Atemnot und Empörung zu schreien. Die Antwort kennt wohl jeder von uns.
Im Matthes & Seitz Verlag sind auch viele andere Werke von und über Artaud erschienen, zuletzt auch „Die Metaphysik Antonin Artauds“ von Merab Mamardaschili.


Die Adler Roms, Buch 2-3: Wirklich eindrucksvolle und einprägsame Bilder bietet die fünfteilige Serie von Enrico Marini, die beim Carlsen Verlag in Hardcover und als Epublikation erschienen sind. Die Geschichte von Hermann dem Cherusker wird als Geschichte einer Freundschaft erzählt. Denn „Arminius“ – so der lateinische Name – wuchs in einer römischen Familie mit dem gleichaltrigen Titus Valerius Falco auf. Doch das Schicksal machte die beiden Freunde zu Feinden.
Aber nicht nur die Zirkusspiele und Schlachten werden authentisch gezeichnet und geschildert, sondern auch die Liebesszene zwischen Priscilla und Falco am Rande des Tiber. Man fühlt sich geradezu in eine Märchenwelt entführt. Sprachlicher Witz („die vier letzten Buchstaben deines Namens, Seianus“) und üppige dekadente Sexszenen machen „Die Adler Roms“ zu einem Lesevergnügen der ganz besonderen Art. Denn diese Bilder wird man so schnell nicht mehr aus dem Kopf kriegen, so einprägsam und eindrucksvoll sind sie gezeichnet. Etwa wenn nach einem Dialog zwischen Arminius und Falco zwei Gefangene so nebenbei abgekragelt werden und die beiden Freunde im Hintergrund entschwinden. Enrico Marini zeigt aber auch die Kultur der Germanen, ihren Thing und die Bedrohung, die ihnen durch die Römer erwächst. Zudem wird auch die Vielfalt der germanischen Kultur durch die unterschiedlichen Gebräuche der einzelnen Stämme dargestellt. Besonders gruselig und authentisch wirken die Bilder im Wald, der alsbald die römischen Legionen verschlingt.