Robert Seethaler dreht die Uhr um einhundert Jahre zurück und führt den Leser in die raue Bergwelt der Alpen. Sein Held Andreas Egger, ein gebirgserfahrener junger Handlanger in einem österreichischen Tal, besucht ein eremitisch lebendes Unikum, den Hörnerhannes. Er findet den Ziegenhirten todkrank und bis auf die Knochen abgemagert in einer Ecke. Egger will ihn ins Tal tragen, dort gibt es medizinische Hilfe. Doch der Todgeweihte will in seiner Welt bleiben. Er springt mit letzter Kraft aus der Kraxe, die sein Retter für den Transport auf den Rücken geschnallt hat und verschwindet im Schneegestöber. Weiterlesen
Ein ganzes Leben
Schwitters
Der am 20. Juni 1887 geborene Kurt Schwitters zählt zu den prägenden deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. In Deutschland nahezu vergessen, gilt er heute vor allem in Großbritannien, wo er auf der Flucht vor den Nazis seine letzten Lebensjahre verbrachte, als anerkannter Collagist und Installationskünstler. In einem biographischen Roman schildert Autorin Ulrike Draesner feinsinnig und unterhaltsam Schwitters Jahre als Migrant im Exil. Weiterlesen
Toni Morales und die Töchter des Zorns
Unter ihrem Pseudonym Elena Bellmar packt die auf Mallorca lebende Elke Becker ein heißes Eisen an: Ihr Roman um einen mallorquinischen Mordermittler spielt vor der Kulisse der »Ninos Robados«. Diese unter der Franco-Diktatur von ihren Eltern geraubten Kinder und Säuglinge, die heute als Erwachsene immer noch nach ihren wirklichen Eltern fahnden, nimmt die Autorin als Motivhintergrund für ihren Kriminalroman. Weiterlesen
Der Tokio-Montana-Express
In seinem 1979 erschienenen »Tokio-Montana-Express« bietet Richard Brautigan ein buntes Potpourri: Tagebucheinträge über Personen, die er beobachtet hat. Kleine Geschehnisse, die ihm widerfuhren. Gedanken, die sich spontan vordrängten, aber keine Durchsetzungskraft besaßen. Gesamt: 131 heterogene Prosabissen formen eine phantasievolle Textcollage mit deutlichen biographischen Bezügen. Schon der Buchtitel deutet auf das häufige Hin und Her zwischen seiner Wohnung in Tokio und seiner Ranch nahe Livingstone, Montana. Weiterlesen
Ausgewählte Texte
Seltsam. Der Titel dieses mit reifen Erdbeeren bedruckten Buches besteht aus lediglich zwei Zeilen mit insgesamt zwölf Punkten. Und ebenso ungewöhnlich wie der geheimnisvolle Titel ist auch der Inhalt dieser Sammlung.
Mit den zur Veröffentlichung ausgewählten Texten in Lyrik und Prosa wird die Wiederentdeckung mit einem nahezu vergessenen Autor ermöglicht, dem eine Renaissance zu wünschen wäre:
Underground-Autor Richard Brautigan.
Kaffee und Zigaretten
In »Kaffee und Zigaretten« sammelt Ferdinand von Schirach 48 Gedankenschnipsel. Diese könnten aus Tagebüchern stammen oder als kurze Beobachtungen aufgezeichnet worden sein.
Ferdinand von Schirach polarisiert mit seinem übersichtlichen Kaffeehaus-Büchlein. Ob er sich darin als »großartiger Erzähler« (New York Times) oder als »außergewöhnlicher Stilist« (Independent) zeigt, mag dahingestellt bleiben. Die in dem Band versammelten kurzen Notizen und Betrachtungen, Aperçus und Erzählungen hinterlassen einen flüchtig-schalen Eindruck. Weiterlesen
Die Kakerlake
Ian McEwan wurde mal von der »Times« als der wahrscheinlich beste lebende Romanschriftsteller in England bezeichnet. Mit seinem Buch »Menschen wie ich« hat er das vor einem halben Jahr unter Beweis gestellt. Nun legt er mit »Die Kakerlake« einen faden Roman vor, der mehr will als kann. Weiterlesen
Trotz alledem
Liedermacher Hannes Wader beginnt seine umfangreiche Lebensgeschichte mit einer charmanten Flunkerei: Er schreibe nicht gern! Wer das wirklich glaubt, kennt Wader schlecht. Denn tatsächlich verdichtet der Meister seit mehr als einem halben Jahrhundert sein Leben und seine Erfahrungen in Songtexten, die Generationen berühren. Und anhand eben dieser Liedtexte bannt Wader sein ungewöhnliches Leben auf 591 mitreißende Seiten. Weiterlesen
Der Tätowierer von Auschwitz
Am 23. April 1942 trifft der 25-jährige Ludwig Eisenberg aus Krompachy, Slowakei, in einem verschlossenen Viehtransporter im Konzentrationslager Auschwitz ein. Sein Verbrechen: Er ist Jude. Der junge Mann hat keine Ahnung, welcher Horror ihn in den nächsten zweieinhalb Jahren in der Tötungsfabrik erwarten wird, in der rund 1,5 Millionen Leidensgenossen aus aller Herren Länder ihr Leben lassen. Doch der Junge überlebt den Holocaust, den Auschwitz symbolisiert. Ein halbes Jahrhundert später vertraut er sich der australischen Autorin Heather Morris in Melbourne an, die seine Erlebnisse unter dem Titel „Der Tätowierer von Auschwitz“ literarisch verdichtet und damit einen Weltbestseller schafft. Weiterlesen
Juister Mohn
Es scheint in jüngerer Zeit aus Marketinggründen spannend zu sein, wenn sich zwei im selben Gewässer fischende Autoren zusammentun, um in Gemeinschaftsarbeit einen Krimi zu schreiben. Waren es bei dem legendären Autorenpaar Maj Sjöwall und Peer Wahlöö, das den sozialkritischen Schwedenkrimi begründete, Eheleute, so finden inzwischen einander ursprünglich unbekannte Autoren über Thema und Verkaufscharts zueinander. Möglich werden derartige Experimente durch das verlagsunabhängige Publizieren und durch flexible Verlage, die beide Autoren unter Vertrag nehmen. Weiterlesen
Runaway
Clausgünter Rader, genannt Petty, hat die Nase voll von seinem tyrannischen Alten, der gegen lange Haare und Beatmusik hetzt und seinen Sohn autoritär erziehen will. Der Sechzehnjährige beschließt, von daheim wegzulaufen. Und weil das zu zweit leichter zu sein scheint, überredet er seinen Freund Riemschneider, mit ihm einen Zug nach Hamburg zu besteigen und dort ein neues Leben zu beginnen. Weiterlesen
Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten
Wer die schwedische Sci-Fi-Serie »Real Humans«gesehen hat, findet schnell Zugang zu Emma Braslavskys Roman »Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten«. Er weiß, dass »Hubots«für »Human Robots« steht und hat eine Vision davon, wie stark Künstliche Intelligenz in naher Zukunft das Zusammenleben der Menschen verändern wird. Weiterlesen
Arturo Bandini. Die Trilogie
John Fante steht als einer der Außenseiter unter den amerikanischen Schriftstellern für eine packende, direkte Sprache, die seiner eigenen Lebenserfahrung und -wirklichkeit entspricht. Insofern war es folgerichtig, dass Autoren wie Charles Bukowski und Jörg Fauser ihn zum Vorbild nahmen.
Der Sammelband „Arturo Bandini“ besteht aus drei einzelnen Romanen. Die Übersetzung von Alex Capus beweist das faszinierende Talent Fantes, die eigene Geschichte in Worte zu fassen und zu erzählen. Weiterlesen
Letzter Bus nach Coffeeville
Hendersons „Letzter Bus nach Coffeeville“ bietet gleich drei Lesarten auf einen Streich. Der Roman ist eine in kurze Biographien gefasste Abhandlung über die Entwicklung alternativer Denkungsarten in den USA, ein sich träge entwickelndes Roadmovie voller Sprachwitz und zugleich eine durchaus bedrückende letzte Reise, die im vollen Bewusstsein der eigenen Endlichkeit angetreten wird. Weiterlesen
Zum 200. Geburtstag von Walt Whitman
200. Geburtstag Walt Whitman
Wie ein Self-Publisher der berühmteste amerikanische Dichter wurde
Von Ruprecht Frieling
Brooklyn 1855. Die Akzidenzdruckerei der Brüder Rome & Rome stellt für einen befreundeten Dichter ein schmales Taschenbuch her. Auf dem Einband des fünfundneunzigseitigen Büchleins fehlt der Name des Verfassers, aber ein Frontispiz zeigt einen 36-jährigen Mann in Arbeitskleidung mit einem großen dunklen Filzhut schräg auf dem Kopf.
Das Buch mit dem Titel »Leaves of Grass« (»Grashalme«) enthält zwölf Gedichte ohne Überschrift. Der Auftraggeber für Satz und Druck wird viele Generationen später von Literaturwissenschaftlern als »Wegbereiter der modernen amerikanischen Lyrik« bezeichnet und heißt Walt Whitman. Er finanzierte mit seiner Erstveröffentlichung den Grundstein seines späteren Erfolges. Vor 200 Jahren wurde der Dichter geboren. Weiterlesen