Mein Kompass ist der Eigensinn

Eigensinn – was ist das eigentlich, fragt Autorin Maria Almana. Gelegentlich hören wir von eigensinnigen Kindern, auch eigensinnige Jugendliche sind vor allem in der Pubertät keine Seltenheit. Der »Trotzkopf« galt lange als Standardbegriff für aufbegehrende junge Menschen, die erst geformt und dann gebrochen werden sollten. Erwachsene, die eigensinnig sind, werden hingegen weit seltener erwähnt. In der Altersgruppe der Senioren spricht man dann wohl eher abwertend von »seltsam« oder »verschroben«. Weiterlesen


Genre: Literatur, Psychologie, Sachbuch
Illustrated by Edition Texthandwerk

Norbert und das Geschenk

Norbert und das GeschenkDer Drache Norbert wirkt trotz zwei vorstehender messerscharfer Reißzähne und einem flaschengrünen Schweif, auf dem rote Zacken fackeln, friedlich und freundlich. Der Leser muss ihn einfach liebhaben, diesen Drachen zum Kuscheln, den Ingrid Bürger in Wort und Bild erschaffen hat. Sein erstes Abenteuer besteht der kleine Drache, als er ein Geschenk überbringen möchte. Weiterlesen


Genre: Bilderbuch, Kinderbuch
Illustrated by Graphiti

Emanuel Gyger & Arnold Klopfenstein

Unberührte Schneelandschaften, ein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten, Pulverschneewolken, eine ausgefeilte Bildkomposition und ein atemberaubendes Gespür für den richtigen Augenblick zeichnen die Fotos von Emanuel Gyger (1886–1951) und Arnold Klopfenstein (1896–1961) aus. Die beiden Schweizer Fotografen schufen vor rund einhundert Jahren spektakuläre Skifotos, die für ihre Zeit einzigartig und wegweisend waren und den Betrachter heute noch faszinieren. Weiterlesen


Genre: Bildband, Fotografie
Illustrated by Martin Regenbrecht

Von Affe bis Zebra. Mit ABC-Tiergedichten durchs Alphabet

Ein Pinguin wirkt drollig,
wenn er im flinken Trippelschritt
ganz emsig durch die Gegend watschelt,
und meistens wackeln viele mit.

Tiere von A bis Z werden in diesem liebevoll gemachen Kinderbuch aus dem Verlag Nele Handwerker in Bild und Gedicht vorgestellt. Affe, Bär und Chamäleon leiten die Parade der sechsundzwanzig Tiere ein und machen das Erlernen der Buchstaben unseres Alphabets im wahrsten Sinne zum Kinderspiel. Dabei beweisen Verlag und Verfasser gesunden Humor, wenn sie beispielsweise den Buchstaben »L« der Leseratte zuordnen.

Beim Buchstaben »X« musste die Autorin allerdings passen. Denn die Xanthippe als Untergattung der Milben ist wirklich kaum bekannt. So müssen die kleinen Leser sich eben ein X-Tier selber formen, und das kann sehr viel Spaß bereiten.

Das Buch entstand in Familienproduktion. Kinderbuch-Autorin Nele Handwerker hatte die Idee und fotografierte die von ihrer Mutter Ulrike Handwerker aus Papier und Holz erschaffenen Tierfiguren. Neles Großmutter Gertraude Witschas, die 48 Jahre lang als Rundfunksprecherin tätig war, reimte die Gedichte zu den jeweiligen Tieren.

Sinnerfassendes Lesen und Schauen ermöglicht den jüngsten Lesern mit Hilfe dieses Buches, in die Welt der Buchstaben einzutauchen und sie mit bekannten Begriffen zu verbinden. Besonders gefällt die Möglichkeit, im zweiten Teil des Buches alle Buchstaben-Tiere zum Ausmalen wieder zu treffen.

Die Fibel »Von Affe bis Zebra« ist ein fröhliches Kleinod zum Lesen, Vorlesen, Entdecken und Ausgestalten für die jüngsten Pioniere im Land der Buchstaben.


Genre: Bilderbuch, Fibel, Kinderbuch
Illustrated by Nele Handwerker

Die gruseligsten Orte in Hamburg

Autor und Herausgeber Lutz Kreutzer präsentiert sein Buch im Hamburger Hafen

Der Münchener Krimi-Autor Lutz Kreutzer entwickelt sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zum Spezialisten für Grusel und Grauen. Nach Bänden über Nürnberg, München und Köln hat er sich »Die gruseligsten Orte in Hamburg« vorgenommen. Denn auch in Hamburg, der Stadt des Understatements und feinen Benehmens wird seit Jahrhunderten viel Blut vergossen.

Kreutzer selbst eröffnet die Anthologie mit einer spannenden Schilderung des Angriffs marodierender Wikinger, damals »Seegauten« genannt, auf die Hammaburg, die sich am heutigen Domplatz befand. Anno 845 wurde diese Siedlung, wo mit dem Dom St. Marien die erste christliche Kirche Hamburgs stand, überfallen und gebrandschatzt. Wie ein Augenzeuge schildert der Autor die Tragödie am Beispiel Ingbert von Eschweilers, der mit dem Schwert umgehen konnte und noch als Gefangener versuchte, den Nordmännern die Bibel nahezubringen.

Christoph Ernst, in der Krimi-Szene auch als »Blutiger Ernst« bekannt, nimmt sich hingegen der Jetztzeit an und erzählt von Morden mit Brieföffnern in Form stilisierter Degen, die um St. Pauli und Reeperbahn stattfanden. Die junge Polizistin Rosetta Kaukonen ermittelt unter Banken und Reichen im Schatten von Kosovo-Mafiafamilien, die in der Hansestadt Millionen verdienen. Dabei sind diesmal weder der Gärtner noch die Mafia der Mörder …

Stories aus der Hamburger Geschichte, die mit Klaus Störtebeker einen berühmt-berüchtigten Promi aufweisen, wechseln sich mit grausigen Erzählungen aus der Jetztzeit ab. Wer die Geschichte von »Honka, dem Henker«, der im legendären Lokal »Goldenen Handschuh« seine Opfer aufriss, vermisst, wird von René Junge zumindest in das Lokal geführt, in dem Legende und Legenden den Besucher nicht loslassen.

Carola Christiansen beschreibt die wahre Geschichte um den Axtmörder von Altona. Der erschlug am 10. November 1906 mit einem Beil einen Zahnarzt in einem Zug und raubte ihn aus. Der Raubmörder war so korrekt deutsch, dass er für seine Tat sogar einen Fahrschein löste, obwohl er vor Hunger wie von Sinnen war.

Wer sich der stolzen Hansestadt Hamburg von der schaurig-blutrünstigen Seite nähern möchte, wird in dem Sammelband »Die gruseligsten Orte in Hamburg« formidabel bedient. Er muss nur aufpassen, nicht in einer Blutlache auszurutschen.


Genre: Anthologie, Kriminalliteratur
Illustrated by Gmeiner-Verlag Meßkirche

Ein ganzes Leben

Robert Seethaler dreht die Uhr um einhundert Jahre zurück und führt den Leser in die raue Bergwelt der Alpen. Sein Held Andreas Egger, ein gebirgserfahrener junger Handlanger in einem österreichischen Tal, besucht ein eremitisch lebendes Unikum, den Hörnerhannes. Er findet den Ziegenhirten todkrank und bis auf die Knochen abgemagert in einer Ecke. Egger will ihn ins Tal tragen, dort gibt es medizinische Hilfe. Doch der Todgeweihte will in seiner Welt bleiben. Er springt mit letzter Kraft aus der Kraxe, die sein Retter für den Transport auf den Rücken geschnallt hat und verschwindet im Schneegestöber.

Jahrzehnte später, Egger hat inzwischen das Ende des eigenen Daseins vor Augen, sieht er den Sonderling erneut: Skifahrer bringen eine aus dem Dauerfrost des Ferneis-Gletschers gehackte Leiche zur Aufbahrung in der Kapelle des kleinen Ortes. Andreas erkennt in dem von Tierfraß beschädigten Leichnam den Hörnerhannes wieder, den sonst niemand erinnert.

Mit der Schilderung dieser kurzen Begegnungen klammert Seethaler seinen Kurzroman über das Leben des Andreas Egger, der als Vierjähriger aus Not an einen brutalen Großbauern verkauft und von ihm mit Haselnussgerte und Ochsenziemer erzogen wird. Bei den Misshandlungen bricht ein Oberschenkelknochen, der Junge schleppt sich künftig hinkend durch sein arbeitsames Leben. Er ist ein Krüppel, den Dorfkinder verspotten.

Der junge Eggers lernt gern, ist handwerklich begabt und scheut keine Schwerstarbeit. Als der Tourismus den Landstrich entdeckt, wird eine elektrische Seilbahn gebaut. Er erhält einen Job, weil er wie kein anderer klettern kann, den Berg kennt und vor keiner brandgefährlichen Tätigkeit zurückschreckt. Künftig bohrt er Löcher für Sprengladungen in die Felswand. Später wird er von einer wackligen Plattform die Stahlseile der Bahn ölen und kontrollieren.

Durch die Berührung mit einer Falte ihrer Bluse an seinem Oberarm wird Eggers auf eine Bedienerin im Wirtshaus »Zum Goldenen Gamser« aufmerksam. Sie ist ebenso wie er keine Einheimische und wird entsprechend gemobbt. Er geht mit ihr spazieren, zeigt ihr Täler und Höhen und weiß doch nicht, wie er sie ansprechen soll. Irgendwann hat er mal gehört, dass ein Heiratsantrag die Geliebte nachhaltig beeindrucken soll, um angenommen zu werden. Hilflos bezahlt er Kollegen, die mit Sprengstoff eine Botschaft in den dichten Wald brennen. »Marie, für Dich« liest die Angebetete und sagt freudig Ja.

Die beiden ziehen in einen verlassenen Stall, den er wohnlich ausgebaut hat, betreiben einen Gemüsegarten zur Selbstversorgung. Dem Lebensglück für beide scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Doch ob sich der Berg erinnert an das, was ihm mit Sprengstoff und Pressluft angetan wurde? Jedenfalls donnert mit der Schneeschmelze eine gewaltige Lawine ins Tal und begräbt alles, was ihm lieb und teuer war. Eggers steht vor dem Nichts.

Er schuftet weiter für die Seilbahngesellschaft und wird schließlich eingezogen, denn der Weltenbrand des Möchtegern-Weltherrschers Hitler nimmt zum bitteren Ende auch Krüppel. Andreas Eggers darf im Kaukasus wieder Löcher für Sprengstoff bohren, er wird gefangen genommen, gerät in Kriegsgefangenschaft und kehrt erst nach Jahren wieder in sein Heimattal zurück.

Nun kommt er in einem Bretterverschlag hinter der alten Schule unter. Eine pensionierte Dorfschullehrerin will ihn zu sich nehmen, doch seine Gedanken sind immer noch bei seiner Marie. Aus der Beziehung der beiden einsamen Herzen wird nichts. Eggers verdient sein Geld als Bergführer für Touristen, die ohne Ahnung von der Bergwelt zu haben, ins Tal strömen.

Mit weit über siebzig setzt er sich zur Ruhe, packt seine wenigen Habseligkeiten und zieht in einen aufgegebenen Viehstall oberhalb des hinteren Dorfausganges. Dort verbringt er zufrieden seine Jahre, lässt den Blick über die weite Landschaft schweifen, genießt die Ruhe, wäscht sich morgens an einem eiskalten Bergbach und führt Selbstgespräche. Die Leute halten ihn für wunderlich.

Er stirbt beim Frühstück, leise und ohne Aufsehen zu erregen. Der Briefträger entdeckt den Verstorbenen, als er ein paar Tage später das Gemeindeblatt zustellen will.

Robert Seethalers Kurzroman »Ein ganzes Leben« entführt den Leser in die karge Welt eines Alpendörflers, dessen Dasein vom Berg, den Jahreszeiten und den Naturgewalten bestimmt ist. Er schildert das erfüllte Leben eines Mannes, der vollkommen in der Natur aufgeht und trotz der Härte und eines Schicksals, das ihm enorm viel abverlangt, zufrieden ist. Seethaler beweist mit exquisiter Schreibe, dass auch in der Lebensgeschichte eines armen Handlangers und Tagelöhners Tiefgang und Seele liegen, die den Leser berührt und mitnimmt. Der relativ kurze Text des österreichischen Erfolgsschriftstellers bietet einen guten Einstieg in Seethalers Sprache, Stil und Erzählweise.


Genre: Biographien, Romane
Illustrated by Goldmann München

Schwitters

Kurt Schwitters Ulrike DraesnerDer am 20. Juni 1887 geborene Kurt Schwitters zählt zu den prägenden deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. In Deutschland nahezu vergessen, gilt er heute vor allem in Großbritannien, wo er auf der Flucht vor den Nazis seine letzten Lebensjahre verbrachte, als anerkannter Collagist und Installationskünstler. In einem biographischen Roman schildert Autorin Ulrike Draesner feinsinnig und unterhaltsam Schwitters Jahre als Migrant im Exil. Weiterlesen


Genre: Biographien, Romane
Illustrated by Penguin

Toni Morales und die Töchter des Zorns

Unter ihrem Pseudonym Elena Bellmar packt die auf Mallorca lebende Elke Becker ein heißes Eisen an: Ihr Roman um einen mallorquinischen Mordermittler spielt vor der Kulisse der »Ninos Robados«. Diese unter der Franco-Diktatur von ihren Eltern geraubten Kinder und Säuglinge, die heute als Erwachsene immer noch nach ihren wirklichen Eltern fahnden, nimmt die Autorin als Motivhintergrund für ihren Kriminalroman. Weiterlesen


Illustrated by Pendo

Der Tokio-Montana-Express

In seinem 1979 erschienenen »Tokio-Montana-Express« bietet Richard Brautigan ein buntes Potpourri: Tagebucheinträge über Personen, die er beobachtet hat. Kleine Geschehnisse, die ihm widerfuhren. Gedanken, die sich spontan vordrängten, aber keine Durchsetzungskraft besaßen. Gesamt: 131 heterogene Prosabissen formen eine phantasievolle Textcollage mit deutlichen biographischen Bezügen. Schon der Buchtitel deutet auf das häufige Hin und Her zwischen seiner Wohnung in Tokio und seiner Ranch nahe Livingstone, Montana. Weiterlesen


Genre: Kurzprosa, Underground
Illustrated by Rowohlt Taschenbuch Reinbek

Ausgewählte Texte

Seltsam. Der Titel dieses mit reifen Erdbeeren bedruckten Buches besteht aus lediglich zwei Zeilen mit insgesamt zwölf Punkten. Und ebenso ungewöhnlich wie der geheimnisvolle Titel ist auch der Inhalt dieser Sammlung.

Mit den zur Veröffentlichung ausgewählten Texten in Lyrik und Prosa wird die Wiederentdeckung mit einem nahezu vergessenen Autor ermöglicht, dem eine Renaissance zu wünschen wäre:

Underground-Autor Richard Brautigan.

 

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Genre: Kurzprosa, Lyrik, Underground
Illustrated by Hoffmann und Campe

Kaffee und Zigaretten

In »Kaffee und Zigaretten« sammelt Ferdinand von Schirach 48 Gedankenschnipsel. Diese könnten aus Tagebüchern stammen oder als kurze Beobachtungen aufgezeichnet worden sein.

Ferdinand von Schirach polarisiert mit seinem übersichtlichen Kaffeehaus-Büchlein. Ob er sich darin als »großartiger Erzähler« (New York Times) oder als »außergewöhnlicher Stilist« (Independent) zeigt, mag dahingestellt bleiben. Die in dem Band versammelten kurzen Notizen und Betrachtungen, Aperçus und Erzählungen hinterlassen einen flüchtig-schalen Eindruck. Weiterlesen


Genre: Kurzprosa
Illustrated by Luchterhand

Trotz alledem

Trotz alledem von Hannes Wader

Liedermacher Hannes Wader beginnt seine umfangreiche Lebensgeschichte mit einer charmanten Flunkerei: Er schreibe nicht gern! Wer das wirklich glaubt, kennt Wader schlecht. Denn tatsächlich verdichtet der Meister seit mehr als einem halben Jahrhundert sein Leben und seine Erfahrungen in Songtexten, die Generationen berühren. Und anhand eben dieser Liedtexte bannt Wader sein ungewöhnliches Leben auf 591 mitreißende Seiten. Weiterlesen


Genre: Autobiografie, Memoiren, Musik und Literatur
Illustrated by Penguin

Der Tätowierer von Auschwitz

Am 23. April 1942 trifft der 25-jährige Ludwig Eisenberg aus Krompachy, Slowakei, in einem verschlossenen Viehtransporter im Konzentrationslager Auschwitz ein. Sein Verbrechen: Er ist Jude. Der junge Mann hat keine Ahnung, welcher Horror ihn in den nächsten zweieinhalb Jahren in der Tötungsfabrik erwarten wird, in der rund 1,5 Millionen Leidensgenossen aus aller Herren Länder ihr Leben lassen. Doch der Junge überlebt den Holocaust, den Auschwitz symbolisiert. Ein halbes Jahrhundert später vertraut er sich der australischen Autorin Heather Morris in Melbourne an, die seine Erlebnisse unter dem Titel „Der Tätowierer von Auschwitz“ literarisch verdichtet und damit einen Weltbestseller schafft. Weiterlesen


Genre: Biographien, Liebesroman
Illustrated by Piper Verlag München