Mitten im August

Ferragosto: Mitten im August. Die Welt bekommt einen neuen Krimihelden, den Inselpolizisten Enrico Rizzi, der es bevorzugt auf Capri zu arbeiten statt in Neapel. Aber „Neapel“ ist auch zuständig für Capri. Und so ergeben sich bald Spannungen zwischen der Zentrale und der Insel, wer wofür zuständig ist. Denn Rizzi will seinen Mordfall beschleunigen und so schnell wie möglich den Mörder finden. Neapel’s Mühlen hingegen mahlen langsam.

Ferragosto: Mitten im August

Enrico Rizzi, der gerne Selbstgedrehte raucht, hat es auf Capri zumeist mit kleineren Delikten zu tun. Wenn auf dem kleinen Polizeiposten auf Capri nichts los ist, hilft er seinem Vater in den Obst- und Gemüsegärten hoch über dem Golf von Neapel. Natürlich bevorzugt auch er ökologische Anbaumethoden und will auf Spritzmittel gegen Schädlinge verzichten. Marienkäferlarven sollen helfen. Und so überzeugt er bald auch seinen Vater davon. Auch Jack und Sofia sind etwas „grün“ angehaucht, aber sie wollen nicht den Wein, sondern gleich die Weltmeere retten. Aber eines Tages wird Jack mit mehreren Messerstichen in der Brust tot in seinem Boot aufgefunden. Sofia ist seit Tagen verschwunden. Natürlich deutet alles auf sie als Täterin hin. Ein Mord aus Leidenschaft? Oder aus unterschiedlichen politischen Ansichten? Enrico Rizzi ermittelt auch ohne Pouvoir weiter und deckt auf, wer hinter dem Mord von Jack Milani, dem reichen Spross einer Industriellenfamilie und Studenten der Ozeanologie steckt.

Capri, Schauplatz eines Verbrechens

Im ersten Mordfall für den jungen Enrico Rizzi kämpft er nicht nur gegen die Bürokraten in Neapel, sondern auch seinen Vorgesetzten Commissario Lombardi, dem es lieber gewesen wäre, den Toten gar nicht erst an Land zu bringen. Denn so wurde er erst zum Toten von Capri. Ansonsten hätte Neapel sich darum kümmern müssen. Der fleißige Enrico Rizzi ist ganz anders als die der Prokastrination huldigenden Inselbewohner und sein Erfinder, Luca Ventura, arbeitet schon an seinem nächsten Fall, der wieder mit viel Lokalkolorit Capri-Flair in die Wohnzimmer und Lesestuben der deutschsprachigen LeserInnen bringt. Wem Donna Leon gefällt, der wird auch Luca Ventura mögen. Leichte Lesekost für den Strand am Sommer. Vielleicht im August. Mitten im August.

 

Luca Ventura

Mitten im August. Der Capri-Krimi

2020, Paperback, 336 Seiten
ISBN: 978-3-257-30076-5
€ (D) 16.00 / sFr 21.00* / € (A) 16.50
Diogenes Verlag


Genre: Capri, Kommissar, Krimi, Sommer
Illustrated by Diogenes

Der Dritte Mann

Mehr als 70 Jahre ist der „Dritte Mann“ schon alt und gilt immer noch unbestritten als der Filmklassiker schlechthin, wenn es um das Wien der Nachkriegszeit geht. Alle Themen die darin angesprochen werden sind universell und natürlich immer noch aktuell: Grenzen, die Flüchtlinge, der Schwarzmarkt, das Verbrechen. Aber auch der Soundtrack des Films ist modern, führte er doch vom Strauß-dominierten Wien der Monarchie direkt zum modernen Sound der Republik.

Karas als Vorbote des Austropop

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nimmt der oberösterreichische Wahlberliner Rebhandl zum Anlass nochmals über den Dritten Mann zu reflektieren. Nach einer Nacherzählung des Inhalts lädt er zu einem Spaziergang durch Wien ein, der an die Schauplätze des Films führt und voller Referenzen an die Walzerstadt auch neue Sichtweisen und Perspektiven öffnet. Als Filmkritiker kennt sich der Autor auch mit ähnlichen Filmen jener Periode aus und zieht Parallelen. Etwa zu Ministry of Fear oder Odd Man Out, The Fall Idol. Aber auch der unverkennbaren Zitherklängen von Karas huldigt Rebhandl. Inzwischen (2017) wurde die Wiener Stimmung und Spielweise der Zither übrigens als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Rebhandl lobt am Dritten Mann auch, dass er auf das Strauss-Klischee verzichtete und sich als Vorbote an eine noch gänzlich unklare Popkultur wagte.

Besetzung, Besatzung, Befreiung

Aber auch die literarische Vorlage von Graham Greene hat sich Rebhandl genau angeschaut. Tatsächlich benutzten Sozialsten und Kommunisten die Wiener Kanalisation in der Zwischenkriegszeit als Fluchtweg und ironischerweise gehörte der Doppelagent Kim Philby zu einem Spionagering, der den Namen „The Cambridge Five“ bekam. David O. Selznick, der Produzent, wollte noch „Night in Vienna“ als Titel, aber „The Third Man“ setzte sich durch und trug wohl wesentlich zum Erfolg des Filmes bei. Denn wer ist eigentlich dieser „dritte“ Mann? Besonders hervorzuheben ist auch das Kapitel „Schlechte Staatsbürger“, das sich der Rolle der Österreicher im Dritten Mann widmet. Denn diese wirkten nur als Nebendarsteller in Nebenrollen mit. Unvergessen etwa die Hauswirtin, dargestellt von Hedwig Bleibtreu, die sich die Befreiung „ganz anders“ vorgestellt hatte…

Bert Rebhandl
Der dritte Mann. Die Neuentdeckung eines Filmklassikers
Hardcover, 128 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7076-0678-2
14,99.-

Czernin Verlag


Genre: Film Noir, Krimi, Nachkriegszeit, Unterwelt, Wien
Illustrated by Czernin Verlag

Der große Schlaf

„Der große Schlaf“ habe ich mir ausgesucht, weil ich bislang noch nichts von Raymond Chandler gelesen hatte und es ein Klassiker der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts ist. Das Buch wurde 1939 vom Autor mit dem Originaltitel „The big Sleep“ veröffentlicht. 1950 wurde der Roman in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter dem Namen „Der tiefe Schlaf“ herausgegeben.

Der Krimi spielt Ende der 30er Jahre in Los Angeles. General Sternwood bestellt den Privatdetektiv Philipp Marlowe zu sich nach Hause. Schon in diesem ersten Kapitel erfahren wir zusammen mit Marlowe, dass der General alt, sehr krank und äußerst wohlhabend ist. Die zwei Töchter Carmen und Vivienne machen durch ihren unseriösen Lebenswandel die Familie immer wieder angreifbar.

Marlowe bekommt den Auftrag, herauszufinden, wer hinter der Erpressung der jüngeren Tochter Carmen, steckt. Und damit beginnt ein komplexes Durcheinander von Motiven, Verdächtigen und Geheimnissen. Das ist nicht die erste Erpressung im Hause Sternwood. Marlowe erkennt schnell, dass keiner der Beteiligten, auch sein Auftraggeber nicht , mit offenen Karten spielt.

Die ältere Tochter Vivienne will von Marlowe Informationen über seinen Auftrag. Sie hofft, dass er nach ihrem verschollenen Mann Rusty suchen soll.

Als Marlowe dem Erpresser Geiger auf den Zahn fühlen möchte, ist dieser nicht in seiner Buchhandlung anzutreffen.

Marlowe findet eine Leiche, die aber kurz darauf wieder verschwindet. Und plötzlich entwickelt sich aus einer Erpressung, eine weitere Erpressung und es wird ein komplexer Kriminalfall mit Toten.

Mehr von der Handlung möchte ich nicht preisgeben, weil genau das beim Lesen Spaß macht: die Verwicklungen zu entwirren, oder von den Verwicklungen verwirrt, nach weiteren Hinweisen zu suchen.

Worum geht es?

Es geht um die amerikanische Gesellschaft dieser Zeit. Es geht um Prüderie. Es geht um eine Welt, die mehr Schein als Sein ist. Glücksspiel!! Es ist die Welt nach der Prohibition, die als „Noble Experiment“ von 1920 – 1933, letztlich nichts änderte. Es geht um ein Frauenbild, das den Leser in der heutigen Zeit mit einem Auge weinen und mit dem anderen Auge herzhaft lachen lässt.

Raymond Chandler hat diesen Roman, wie eine Schnitzeljagd mit einigen Sackgassen und Umleitungen, inszeniert. Nichts ist so, wie es zuerst scheint. Auch Carmen scheint auf irgendeine Art und Weise in den Fall verwickelt zu sein. Und wie sieht es mit Vivienne aus?

Die Kapitel sind nicht zu lang und die Spannung bleibt, auch durch das ständige Entschlüsseln eines Hinweises und zeitgleichen Findens einer neuen Spur, hoch!

Die Sprache ist einfach und gut zu lesen. Diese Kriminalgeschichte lebt nicht von der Handlung, sondern von der Atmosphäre des Crime Noirs.

Was macht diesen Roman zu einem Klassiker?

Dieser Kriminalroman wurde aus zuvor veröffentlichten Kurzgeschichten, „Killer in the Rain“ (erschienen 1935) und „The Curtain“ (veröffentlicht 1936), kombiniert und neu zusammengebaut.

Auch der Privatdetektiv Philipp Marlowe wurde übernommen. Dieser Ermittler ist fernab von den bis dahin erfolgreichen Detektiven, wie Sherlock Holmes. Miss Marple oder Hercule Poirot. Philipp Marlowe ermittelt in einem Los Angeles, das korrupt ist, in dem das Gesetz der Straße gilt und die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht mehr eindeutig sind. Es ist auch die Welt des Glückspiels und des Scheins.

Der Detektiv ist desillusioniert. Er betracht das Geschehen zynisch aus einer unbeteiligten Position. Er lebt nach eigenen Gesetzen, die er konsequent einhält. Sein Verhalten gegenüber Frauen ist rücksichtslos, Er schlägt auch mal zu.

„Das blechern Glucksen kam immer noch aus ihr heraus. Ich ohrfeigte sie. Sie blinzelte und hörte auf zu glucksen. Ich ohrfeigte sie nochmal.“ S.49

Marlowe benutzt seine Schusswaffe. Er raucht und trinkt. Er ist weiblichen Reizen gegenüber immun, außer er will es zulassen.

Seine Wortwahl und Ausdrucksweise würde man heute mit dem Zusatz NO GO! Kennzeichen.

„Wer war das?“ „Miss Carmen Sternwood, Sir.“ „Sie sollten sie abstillen. Kommt mir alt genug vor.“

Das Hörbuch

Mein Hörbuch „Der große Schlaf“, in der Fassung vom 11.09.2009 wird von Christian Brückner gesprochen und wurde von Gunar Ortlepp aus dem Amerikanischen übersetzt. Diese Übersetzung wirkt auf mich schärfer, bissiger und politisch weniger korrekt.

Christian Brückner ist ein phantastischer Sprecher. Er lässt Philipp Marlowe genauso so arrogant, zynisch und abgebrüht auftreten, wie man es sich vorstellt.

Von der neuen Übersetzung gibt es bislang kein Hörbuch.

Zur Übersetzung von Frank Heibert

Wenn es möglich ist, lese ich das Buch und lasse es mir gleichzeitig vorlesen. Ich habe immer das Gefühl, dass mir das Innere des Buches dadurch mehr preisgibt. Diesmal fand ich es besonders interessant, weil ich zwei unterschiedliche Übersetzungen hatte und ich manche Passagen dadurch mehrfach las oder hörte.

Die neue Übersetzung von Frank Heibert empfand ich, wie man so schön sagt, politisch korrekter. Mein Englisch ist nicht gut genug, um zu beurteilen, ob sie näher beim Original oder entfernter vom Original ist.

Filmische Adaptionen

Der Roman, der in Los Angeles spielt, wurde zwei Mal verfilmt; 1946 hatte Humphrey Bogart die Rolle Philipp Marlowes und 1978 mit Robert Mitchum.

Meine Antwort: Dieses Buch ist ein Klassiker, weil

Dieses Buch ist ein Klassiker, weil Philipp Marlowe der Prototyp eines „Hard-boiled“ Ermittlers ist. Lediglich Sam Spade aus dem „Malteser Falken“ von Dashiell Hammitt ist ihm ebenbürtig. Bemerkenswert ist noch, dass in den filmischen Adaptionen beider Filme die Rolle des Ermittlers von Humphrey Bogart gespielt wurde.

Mit dieser Interpretation des Kriminalgenres setzte er neue Maßstäbe. Das waren keine Fälle, die durch Nachdenken und geistreiche Puzzeleien gelöst wurden. Diese Fälle wurden mit Waffen, Fäusten geradezu martialisch gelöst.

Es ist Crime Noir, in dem Frauen mehr als Zierde dienen. Die Morde geschehen nicht in britischen Herrenhäuser oder Gütern, sondern in der Großstadt, zwischen Glücksspiel und Buchläden. Erst im Laufe der Geschichte enthüllt sich Gut und Böse mit allen Variationen – 50 Shades of Grey.

Ich stellte mir beim Lesen und vor allem beim Hören die Frage, ist das Buch heute noch aktuell?

Ja! ich glaube schon. Wenn wir von der Grundstruktur ausgehen, ist es immer noch aktuell. Die individuellen Inhalte, z. B. wofür man erpressbar ist, müssten ausgetauscht werden.

Spannung und Humor dieses Romanes sind zeitlos.

Die Entrüstung über dieses chauvinistische und machohafte Verhalten Philipp Marlowes ist bis heute sicherlich gewachsen. Dennoch sollte man den Krimi mit den Augen der Zeit, in welcher er spielt, sehen.

Ich habe mir „Der große Schlaf“ ausgesucht, weil ich bislang noch nichts von Raymond Chandler gelesen hatte und es auf meiner Unbedingt-Lesen-Liste steht. Allerdings sind Chandler und ich keine Freunde geworden, auch wenn er handwerklich sehr gut ist. Ich mag sein Frauenbild überhaupt nicht und das ging mir alles ein wenig zu durcheinander. Ich mag es doch strukturierter.

Aber, wie ich immer sage, das ist eine ganz persönliche Angelegenheit! Lest selbst und schreibt eure Meinung!

Wer mehr Informationen über Raymond Chandler möchte, dem empfehle ich folgenden Link von Zauberspiegel


Genre: Crime noir, Hard-boiled Krimi, Krimi, Kriminalroman
Illustrated by Diogenes

Juister Mohn

Es scheint in jüngerer Zeit aus Marketinggründen spannend zu sein, wenn sich zwei im selben Gewässer fischende Autoren zusammentun, um in Gemeinschaftsarbeit einen Krimi zu schreiben. Waren es bei dem legendären Autorenpaar Maj Sjöwall und Peer Wahlöö, das den sozialkritischen Schwedenkrimi begründete, Eheleute, so finden inzwischen einander ursprünglich unbekannte Autoren über Thema und Verkaufscharts zueinander. Möglich werden derartige Experimente durch das verlagsunabhängige Publizieren und durch flexible Verlage, die beide Autoren unter Vertrag nehmen. Weiterlesen


Genre: Krimi
Illustrated by Edition M

Batman: Der weiße Ritter

Joker gegen Batman einmal anders (Variantcover)

Der Ausnahmekünstler Sean „Punk Rock Jesus“ Murphy bestritt sowohl die Zeichnungen als auch die Story dieses außergewöhnlichen Batman-Abenteuers in der Reihe Black Label, das vergeblich Vergleiche sucht. Der Joker nennt sich hier Jack Napier, eine Referenz an den ersten Batman Film, aber auch Harley Quinn und die Ex-Psychiaterin Harleen Quizel haben aufsehenerregende Auftritte in dieser ganz besonderen Geschichte um den dunklen Ritter. Und wer ist nun dieser „weiße Ritter“?

Joker und Batman: Yin und Yang

Das Kinn von Murphys Batman hat einige Kanten und genauso widerwillig hört sich der Superheld ex machina die Reden seines Widersachers Joker an, wenn dieser um ihn wirbt. Schließlich seien sie längst so etwas wie ein „Pärchen“ und diese würden sich auch streiten: „Wir sind ein Team, Bats! Das ist unsere Dynamik. Fehlt nur der Versöhnungssex.“ Das wäre dann wohl der Faustkampf der beiden, der ist allerdings auch nicht jugendfrei. Blutig und erbarmungslos sind ihre Begegnungen und der Joker beteuert, dass er Gotham ursprünglich eigentlich nur zum Lachen bringen wollte, er wohl aber einfach ein schlechter Komiker sei. Selbstzweifel und Selbstkritik: das kennt man normal nur von den Guten.

Der weiße gegen den dunklen Ritter (Variantcover)

Der weiße gegen den dunklen Ritter

Und tatsächlich dreht Sean Murphy die klassische „Liebesgeschichte von Joker und Batman“ komplett um, denn als Jack Napier tut der Joker erstmals Gutes, verbündet sich mit den Bewohnern der Slums von Backport und baut Bibliotheken. Denn er will Batman mit seinen eigenen Waffen schlagen. Auch er ist schließlich ein Vigilante und ohne ihn würde es die ganzen Superverbrecher vielleicht gar nicht geben. Selbst Commissioner Gordon ist von der Wandlung des Saulus zum Paulus begeistert und will Jack Napier Glauben schenken.

Batman, der Narzisst

„Du bist ein Narzisst, der an Dysthymie und einer schizoiden Persönlichkeitsstörung leidet“ attestiert dem Joker hingegen seine Gespielin und Ex-Psychiaterin Harleen Quizel, die sich alsbald als Neo Lady Joker bewähren will. Als auch noch Nightwing und Ex-Robin sich dem GTO Anti-Terrorkommando anschließen, ist Batman plötzlich (fast) ganz allein. Aber auch Geheimnisse über die Wayne Familie kommen ans Tageslicht. Das Ende von Batman alias Bruce Wayne? Mitnichten.

Tatsächlich eine der großartigsten Batman-Storys aller Zeiten.

Sean Murphy

Batman: Der Weisse Ritter Softcover

2019, Softcover, 220 Seiten

Storys: Batman: White Knight 1-8

Panini Comics

22,00 €


Genre: Comic, Graphic Novel, Krimi
Illustrated by Panini Comics

Granat für Greetsiel

Granat für Greetsiel

Auf einem Krabbenkutter aus Greetsiel wird ein Netz an Bord gehievt, das neben Granat und anderem Meeresgetier eine von Tang und Schlick überzogene Wasserleiche enthält. Ein schöner Schreck für die dreiköpfige Besatzung der „Sirius“. Pflichtgetreu wird die zuständige Wasserschutzpolizei verständigt, die kurz darauf in Begleitung von zwei Kripobeamten aus Emden, die sich wie Pat und Patachon gebärden, mit einem Schnellboot längsseits gehen. Für die beiden Kommissare ist der Fall klar: Hier ist eine Frau bei einer Fete auf einer Yacht über Bord gegangen und ertrunken. Weiterlesen


Genre: Krimi, Kriminalroman, Regionalkrimi
Illustrated by Edition M

Heimat: Moabit

Tarantino-like wird diese Moabit-Geschichte aus dem Kommissar-Gereon-Rath-Universum im verruchten Berlin der 1920er aus drei Perspektiven erzählt: aus der von Adolf I. (Winkler) von Moabit, dem Schränker, der des Gefängniswärters und der seiner Tochter, Charlotte „Lotte Charly“ Ritter, auch bekannt als die Freundin des Kriminalkommissars. Adolf Winkler gehört dem Ringverein Berolina an und wird kurz vor seiner Entlassung Opfer eines Mordanschlages. Er gehört noch zur alten Garde der Kriminellen und hat ein gewissey Ganovenehrgefühl: „Dass die Berolina niemals mit Zuhältern und Drogenhändlern zusammenarbeiten wird. Dass ihr, wenn der Venuskeller so gut läuft, eben das Schutzgeld verdoppeln müsst.“, ordnet er aus dem Knast heraus seinen Berolina-Ringbrüdern an. Aber auch er ist ein Auslaufmodell, so wie man es aus einigen Mafiafilmen kennt, die ebenfalls von der Ehrhaftigkeit der ersten Generation der „ehrenwerten Gesellschaft“ überzeugt sind.

Babylon Berlin

„Fällst in die Finsternis, die so gnädig lockt und dir Erlösung von allen Schmerzen und Sorgen verspricht.“, räsoniert Winkler und will nichts von Marlow, dem „Dr. M.“, der mit Kokain und Morphium handelt, wissen will. „Berolina macht keine Geschäfte mit Drogenhändlern“, beharrt Adolf I. und die drei Jahre in Moabit hat er gerne für die Berolina abgesessen. Aber auch der „Wächter“, Ritter, ist ein Gefangener. Er wohnt im Anbau am Gefängnis  und fühlt sich jeden morgen als „träte ich meine Strafe an sobald ich meinen Arbeitsplatz betrete (…) und wir Wärter sehen in unserer Schicht den Himmel kaum öfter als die Gefangenen“. Sein Kollege Kleinschmidt hat ein lachses Verständnis der Dienstvorschriften und so dürfte es auch kein Zufall sein, dass der grad aufs Klo muss, als Winkler am Gefängniskorridor überfallen wird.

Sex and Crime

Kat Menschiks letzte Literaturillustration 2018

„Ich habe noch nie viel erzählt. So gut es geht versuche ich, die kalte brutale Welt des Gefängnisses nicht mit nach Hause zu nehmen, in die Nähe meiner Familie zu lassen“, was gar nicht so einfach ist mit einer Dienstwohnung die direkt an die Gefängnismauer grenzt. Und so wird unweigerlich auch seine Tochter in die düstere Welt des Verbrechens mit hineingezogen. Aber sie hat noch die Wahl auf welcher Seite sie stehen möchte: auf der des Gesetzes oder der der Gesetzesbrecher. „Knastlotte“, wie sie von ihrer reichen Freundin Greta scherzhaft genannt wird – weil sie ja beim Gefängnis wohnt – schleicht sich nächtens gerne davon, geht tanzen, studiert tagsüber. Und eines Nachts beobachtet sie eine Szene, die ihr Leben verändern wird: „Eine neue Wirklichkeitszusammensetzung, eine gnadenlose unerbittliche Wirklichkeit die es nicht juckt, wenn man sie nicht wahrhaben will, die einfach nur da ist und verlangt, dass man es mit ihr aufnimmt.

Zwanziger Jahre

Das Graphic Design von Kat Menschik, die Werbeplakate und Werbeinserate aus alten Zeitungen, Porträts von Damen und Herren, Luxuartikel, einen Raben, die Gefängnismauer in knallbunten Farben abbildet, macht die vorliegende Geschichte nicht nur zu einem Leseabenteuer, sondern auch zu einem visuellen Genuss der Sonderklasse.

Kafka illustriert von Kat Menschik

Die Autoren:

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit dem Roman »Der nasse Fisch«, dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem bisher fünf weitere folgten. Die Reihe ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt.

Das neueste Buch von Kat Menschik

Kat Menschik ist freie Illustratorin. Ihr Gartenbuch ‘Der goldene Grubber. Von großen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr’ (2014) wurde zum fulminanten Dauerseller und unter die 25 schönsten Bücher des Jahres gewählt. Seit 2016 gestaltet Kat Menschik bei Galiani ihre eigene Buchreihe, in der zuletzt Volker Kutschers ‘Moabit’ (2017) und Edgar Allan Poes ‘Unheimliche Geschichten’ (2018) erschienen. Gemeinsam mit Tilman Spreckelsen veröffentlichte sie 2018 ‘Der Held im Pardelfell’.

Kat Menschik/Volker Kutscher:
Moabit
Illustrierte Buchreihe
Galiani-Berlin
88 Seiten, Leinen
ISBN 978-3-86971-155-3
2017
Deutschland  18,00 €/Österreich 18,50 €


Genre: Babylon Berlin, Krimi, Noir, Sex and Crime, Zwanziger
Illustrated by Galiani

Die vier Söhne des Doktor March

Dienstmädchen Jeanie arbeitet für Doktor March und seine Familie.

Eines Tages findet sie im Schlafzimmer der Hausherrin ein Tagebuch,in dem ein Mord beschrieben wird, der tatsächlich in nächster Umgebung so geschehen ist. Und offenbar ist einer der vier Söhne des Doktor March der Täter, der in diesem Tagebuch nicht nur diese, sondern auch folgende Taten ausführlich beschreibt.

Doch welcher der Vier ist es? Noch während Jeanie versucht, das herauszufinden, gerät sie selbst ins Visier des Täters…

Dieses Buch ist ein aussergewöhnlicher Thriller, an dessen Stil ich mich erst gewöhnen musste. Denn man folgt der Handlung anhand der Tagebucheinträge des Mörders und des Zimmermädchens. Hat man sich einmal daran gewöhnt, kann man sich dem Sog der Geschichte nicht mehr entziehen.

Hausmädchen Jeannie findet im Haus der Familie March ein Tagebuch, dessen Inhalt sie erschauern lässt. Hier beschreibt jemand grausame Taten, die offenbar nicht nacherzählt sind, sondern vom Täter selbst niedergeschrieben. Und dieser ist ein Mitglied der Familie. Somit lebt sie mit dem Mörder unter einem Dach und will herausfinden, wer er ist. Ihr Verdacht fällt schnell auf die jungen Familienmitglieder. Während sie die Söhne des Hausherren beobachtet, hält sie ihre Erkenntnisse ihrerseits in einem Tagebuch fest. Irgendwann beginnt der Täter, sich in seinen Einträgen auf Ihre zu beziehen, auf sie zu antworten. Jeanie begreift, das sie in Gefahr ist- aber wie soll sie sich gegen jemanden schützen, der ihr täglich nah ist, ohne das sie weiß, wer es ist…

Noch dazu ist sie selbst nicht ohne Fehl und Tadel, sie ist in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten, konnte das aber geschickt verbergen. Allerdings offenbar nicht geschickt genug, denn jemand hat herausgefunden, was sie getan hat. Und das gibt diesem Jemand, unserem gesuchten Mörder, einen Trumpf in die Hand, den er ungeniert ausspielt.

Die Geschichte ist extrem fesselnd, gerade durch ihre aussergewöhnliche Erzählform. Man rätselt verzweifelt mit, wer der Täter sein könnte und bangt um Jeanies Sicherheit.

Spannende Unterhaltung der etwas anderen Art!

 


Genre: Krimi, Thriller
Illustrated by Dotbooks Verlag

… und aus bist du

Nika Lubitsch hat mit »… und aus bist du«, dem Erstling einer neuen Reihe von Berlin-Krimis, ein spannendes Feld betreten: Gemeinsam mit Michael Hellmann, einem langjährigen Ermittler bei einer Berliner Mordkommission, schreibt sie Polizei-Krimis mit dem Anspruch, die Realität ohne Sozialromantik abzubilden und die Möglichkeiten der Zukunft aufzuzeigen. Der Leser wartet nun gespannt darauf, ob diese Besonderheit das Buch einzigartig und unverwechselbar macht. Weiterlesen


Genre: Krimi, Polizei-Krimi
Illustrated by Selbstverlag

Das Todeswasser von New York

An einem bitterkalten Wintertag des Jahres 1808 wird in New York eine Leiche gefunden. Das Opfer, ein Mann, wurde offensichtlich lebendig begraben. Ist er einer politischen Intrige zum Opfer gefallen? John Tonnemann hat allen Grund, zu ermitteln, zumal auch  sein Sohn Peter zu den Hauptverdächtigen zählt.

Annette Meyers ist Jahrgang 1934. Sie wurde durch die Smith&Wetzon-Krimis bekannt. Diese Bücher spielen im Headhunter-Milieu. Meyers kann darin ihre Erfahrungen aus der Management-Consulting-Branche sowie einer Broadway-Produktionsfirma einbringen. Nach dem Ende der Smith&Wetzon-Serie beginnt Annette Meyers eine (neue) Serie historischer Kriminalromane. „Ein Kriminalroman aus dem 19. Jahrhundert“ lautet dementsprechend der Untertitel des  hier vorliegenden Titels.

Die New Yorker Lokalgeschichte bildet den äußeren Rahmen der Handlung. Anmerkungen am Ende erklären Einzelheiten, die für nicht-amerikanische Leser unverständlich sind.

Das Buch ist natürlich auch ein Kriminalroman. Es bietet aber auch Familiendrama, Liebesgeschichte und Fortsetzungsroman. Dies letztgenannte ist insofern wichtig, als daß hier auch zwei Mordfälle aus dem Vorgängerbuch „Das Kingsbridge-Komplott“ (dessen Handlung spielt 30 Jahre zuvor) gleich mitgelöst werden.

Die Geschichte selbst ist gut angelegt. Es liegt wohl eher am barocken und ausufernden Erzählstil des Autoren-Ehepaars, daß die Handlung überfrachtet ist. Sie hätte ruhig deutlich kürzer gestaltet werden können. Kann man das so deutlich sagen? Vielleicht hätte deutlicher herausgearbeitet werden können, wie Lokalpolitik in den USA damals funktionierte.

Ein Gestaltungsmerkmal zieht sich durch das gesamte Buch. Zu Beginn eines Kapitels gibt es ein (immer wieder das  gleiche) gezeichnete Bild zu sehen. Unterschiedlich sind die Zeitungs-Annoncen, die wohl tatsächlich so in New Yorker Zeitungen des Jahres 1808 erschienen sind.

Annette und Martin Meyers: Das Todeswasser von New York; ECON Taschenbuch Verlag Düsseldorf 1996; 440 Seiten; ISBN: 3-622-25101-5


Genre: Krimi
Illustrated by ECON Taschenbuch Verlag Düsseldorf

Schweine befreien

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Theo Grabowski ist 35, mäßig erfolgreicher Lokaljournalist bei einem Anzeigenblatt und leidgeprüfter Fan des Zweitligaclubs FC Teutonia. Als er eines Morgens arg verkatert erwacht, erinnert er sich dunkel, in der Nacht zuvor den Vereinsmanager tot auf einem Schweinetransporter liegend gesehen zu haben. Umso größer die Verblüffung, als eben dieser Manager wenig später bei einer Pressekonferenz des Krisenclubs zwei vermeintlich heilsbringende Neuzugänge aus Kroatien vorstellt.

Grabowski beschließt, den Dingen auf den Grund zu gehen, was aber nicht einfach ist, da er an permanenter Geldnot leidet, sich allzu gerne von Freunden und Alkohol ablenken lässt und zudem immer mal wieder ein mysteriöses Ziehen im Schritt verspürt. Dennoch sammelt er bei seinen eher planlosen Ermittlungen zahlreiche Informationen, trifft geheimnisvolle Frauen und zwielichtige Fußballfunktionäre und taucht ein in die schillernde Welt der Spielerberater kurz nach dem Bosman-Urteil (der Roman spielt im Sommer 2001). Schließlich führt eine Spur auf den Balkan und er tritt die Reise an, trotz dezenter Hinweise, dass dort Gefahr für Leib und Leben droht…

»Schweine befreien« ist der erste Roman von Jens Kirschneck, seines Zeichens Redakteur beim Fußball-Fachblatt »11 Freunde« und er bietet formidabel spannende Unterhaltung nicht nur für Fußballfans, da der Autor ein weites Feld bestellt. Natürlich gibt es da die erwarteten Intrigen im globalisierten Fußballgeschäft, aber eben auch die Spätfolgen des jugoslawischen Bürgerkriegs oder die Balkanmafia. Mitunter ist das Buch mit Themen überfrachtet (Stichwort: 11. September), aber Kirschneck behält stets die Fäden in der Hand, die Stringenz des Plots geht nicht verloren.

Der Schreibstil ist flott, dabei wortgewaltig und die Protagonisten gefallen sich zwar manchmal in ein wenig Selbstmitleid, tun dies jedoch ohne nervende Larmoyanz. Gepaart mit dem trockenen Humor des Autors und seinen witzig originellen Sprachbildern und Wortspielen kommen Freunde gehobener Unterhaltung voll auf ihre Kosten, gerne mehr davon!


Genre: Humor, Krimi
Illustrated by Verbrecher Verlag

Das Eisrosenkind

Das EisrosenkindChristine Bernard freut sich über ihren freien Abend, den sie bei einem Klassikkonzert verbringen darf, in dem ihr Freund einer der Musiker ist. Sie genießt es in vollen Zügen und freut sich auf ihr Treffen mit ihm, bei dem sie klären möchte, ob sie beide denn nun ein Paar sind oder nicht.
Leider macht ihr ein neuer Mordfall einen Strich durch die Rechnung. Der Job geht vor. Also macht sie sich auf den Weg. Rosalia, ein achtjähriges Mädchen wurde aus dem Hort entführt. Die Mutter steht Todesängste um ihr Kind aus und die Polizisten haben schnell einen Verdächtigen, an dem sie sich buchstäblich festbeißen.
Dann wird eine Kinderleiche gefunden und der Fall scheint scheinbar aufgeklärt. Erfroren und trotzdem wunderschön anzusehen ist das Mädchen. Aber in der Rechtsmedizin stellt sich heraus, dass es sich nicht um die vermisste Rosalia handelt. Dieses Mädchen wurde vor 12 Jahren tiefgefroren und am Moselufer abgelegt.

Die Suche nach dem Mörder und dem Motiv beginnt.

Das Eisrosenkind ist der zweite Band um die Trierer Kommissarin Christine Bernard. Nach seinem ersten Psychokrimi um Christine Bernard, der mich ebenso gefesselt hat, hat Michael E. Vieten mit dem Eisrosenkind einen perfekten zweiten Fall oben drauf gesetzt.

Mit dem aktuellen Krimi verschafft der Autor dem Leser nicht nur aufgrund der Jahreszeit Gänsehaut, sondern auch mit der Handlung. Man mag dieses Buch einfach nicht zur Seite legen, sodass ich es in zwei Tagen gelesen, nein, regelrecht verschlugen habe.

Michael E. Vieten hat sich in die Tiefen der Rechtsmedizin und der polizeilichen Ermittlungsarbeit begeben und damit eine glaubwürdige und nachvollziehbare Story abgeliefert.

Christine Bernard kommt menschlich realistisch rüber, sie geht nicht nur in ihrem Job voll und ganz auf, sie vergisst darüber auch nicht, dass sie ein eigenes Leben führt, was sie umso sympatischer gegenüber anderen 08/15-Ermittlern macht.

Der gefrorene Torso mit den Rosenblättern auf dem Cover ist perfekt gewählt und lässt genau auf das hoffen, was man im Buch serviert bekommt.

Michael E. Vieten hat sich in seiner Schreibweise im Vergleich zum ersten Band deutlich weiter entwickelt, was daran erkennbar ist, dass der Aufbau der Geschichte, die Wortwahl und auch die Satzstellungen professioneller wurden. Es macht Spaß, diesen Krimi zu lesen und sich auf den nächsten Fall zu freuen.

Ein Kriminalroman, dem ich jedem Fan außergewöhnlicher Mordfälle guten Gewissens ans Herz legen kann.


Genre: Krimi
Illustrated by Acabus

Fürchte die Nacht

51x90LKs8QL._SX331_BO1,204,203,200_Ein neuer, wirklich erschütternder Fall beschäftigt die beiden Komissare Brandt und Aydin in Köln. Ein Psychopath, der in seinem ganzen Leben bisher nur Ablehnung erfahren hat, fühlt sich zu Höherem berufen. Um zu erreichen, was er sich vorgenommen hat, bedarf es einiger junger engelsgleicher blonder Frauen. Er ermordet sie auf eine bestialische Weise, die selbst das hartgesottene Team der Kölner Mordkommission erschüttert. Fieberhaft ermittelt das ganze Team im vorweihnachtlichen Köln, doch der Täter ist ihnen immer einen Schritt voraus. 

Als das Team zum ersten Tatort gerufen wird, dreht sich ihnen kollektiv der Magen um. Liegt doch wahrhaftig in einer Tonne eine Leiche, die nicht zu identifizieren ist, denn sie wurde skalpiert und gehäutet. Natürlich hat der Täter keine Spuren hinterlassen. So glaubt die Polizei zuerst. Die Gerichtsmedizin findet später ein einzelnes Haar, dessen Analyse schnell zu einem Mann führt, der bereits in der Datenbank gespeichert ist. Ein Exhibitionist, der vehement den Mord bestreitet. Selbstverständlich wird er in U-Haft gesteckt und ordentlich durch die Mangel gedreht.  Sein Umfeld wird durchleuchtet und die Polizei stößt auf einige „Kollegen“ des Verdächtigen, fndet aber kein Mordmotiv. Bis ein zweiter Mord geschieht. Offensichtlich hat sich der Täter nur mit dem Skalp begnügt, denn die angefangene Häutung des Opfers hat er nicht vollendet. Ist er unterbrochen oder gestört worden? Oder gibt es einen anderen Grund?

Während der Leser aufmerksam und atemlos die Ermittlungen verfolgt, lässt ihn der Autor parallel dazu in einem weiteren Erzählstrang am Leben des Täters teilhaben. Sehr detailliert schildert er die Verhaltensweisen dieses kranken Typen, besucht ihn mit dem Leser zusammen auf seinem Arbeitsplatz, lässt jeden teilhaben, wie der Mörder von seiner Umwelt gehänselt und von seiner Familie tyrannisiert wurde. Grausig. Fast möchte man  Mitleid bekommen mit ihm, aber dann siegt doch der Ruf nach Gerechtigkeit.

Salim Güler versteht es wieder in höchster Vollendung, den Leser glauben zu lassen, er wisse mehr als die Polizei und könne in die Handlung eingreifen. Stattdessen führt der Autor ihn gewaltig auf falsche Spuren. Jedesmal, wenn man sich entspannt, weil man glaubt, nun den richtigen Täter gefunden zu haben und der Polizei einen Tipp geben zu müssen, zerschlägt sich die Spur. Und wieder tappt man vollkommen im Dunkeln. Dass der Autor am Ende einen Täter aus dem Hut zaubert, den der Leser zu kennen glaubt, aber von dem er bis zur letzten Minute nicht weiß, wer es ist, macht die Story wirklich grandios.

Trotz aller Düsternis ist dieser Thriller wunderbar kurzweilig und lebensnah gehalten. Die Plänkeleien zwischen Brandt und Aydin, die aufzeigen, dass sie sich erst noch zusammenraufen müssen, die Schilderung des kölschen Lokalkolorits und die Hahnenkämpfe innerhalb des Teams sind sehr real und menschlich geschildert. Man fühlt sich als Mitglied des Teams, allerdings als ein etwas klügeres, da man die Abartigkeiten des Täters kennt.

Auch diesen Thriller von Salim Güler kann ich jedem Fan von düsteren Geschichten nur empfehlen.

Fulminant.

Zum Bestellen bitte hier klicken: Fürchte die Nacht- Tatort Köln: Krimi


Genre: Krimi, Thriller
Illustrated by Kindle Edition

Königstöchter

51CW4+XCyoL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_Ira Wittekind, neugierige Reporterin mit Hang zur Ermittlerin, soll einen Unfallbericht über eine alte Frau schreiben,  die unter eine Kehrmaschine geraten und einen grässlichen Tod gestorben ist. Um etwas Hintergrund für die Story zu erhalten, spricht sie mit weiteren alten Damen, die die Verstorbene kannten und erfährt mit viel Fingerspitzengefühl nach und nach Ungeheuerliches aus der Vergangenheit der Getöteten und drei ihrer Freundinnen. Weitere Morde geschehen, ausnahmslos an alten Frauen, die auf den ersten Blick kein Motiv erkennen lassen. Doch je weiter die Reporterin in die gemeinsame Vergangenheit der Opfer eindringt, desto klarer wird das Mordmotiv.

Vier Frauen, durch eine unvorstellbar schreckliche Vergangenheit bis ins hohe Alter miteinander verbunden, müssen am Ende ihres Lebens feststellen, dass es letztendlich kein Vergessen geben kann. Das Aufbauen der Spannung und die schlüssige und logische Verknüpfung mit den Geschehnissen von damals hat Carla Berling mit Bravour gemeistert. Immer wieder folgt man Ira, der ausserordentlich sympathischen Journalistin, denkt, dass man klüger ist und mehr weiß als sie, doch am Ende liegt man falsch. Carla Berling zeichnet die beteiligten Personen so plastisch und deutlich mit all ihren Eigenheiten und Charakterzügen, dass man meint, man kenne diese Leute schon lange persönlich. Genau das ist es, was diesen Krimi ausmacht. Diese „Bekanntschaft“ mit allen Protagonisten führt immer wieder auf eine falsche Fährte, weil man der einen oder anderen Person ein solches Handeln gar nicht zutrauen mag. Wenn man meint, der Höhepunkt der Spannung sei nun erreicht, setzt die Autorin noch eins drauf und hält den Leser damit eng bei der Geschichte.
Während des Lesens fand parallel im Kopf eine ganz eigene Ermittlung zur Entlarvung des Täters statt. Am Ende hatte ich mit jedem einzelnen der Beteiligten gerechnet, habe aber vollkommen falsch gelegen.

Mitreißend.


Genre: Krimi
Illustrated by Kindle Edition