100 Jahre Marilyn Monroe: Meine Woche mit Marilyn. Auch nach mehr als 60 Jahren ist Marilyn Monroe immer noch ein Mythos. Aber aus Anlass ihres Geburtstages am 1.6.1926 erscheint eine Vielzahl von Publikationen, die mehr Licht in das Rätsel um die eigentliche Norma Jean Baker bringt
Der dritte Produktionsassistent und die weltberühmte Diva
“Soll ich sie spielen?”, frägt die private Marilyn ihren neu auserkorenen Schützling Colin Clark. Mit “sie” meint sie ihre andere Persönlichkeit, die Filmdiva, auf die sie getrimmt wurde und an der andere Millionen verdienten. Das “Showgirl” oder “Revuegirl” – die ewig gleiche Rolle – konnte sie erst durchbrechen und sich mit Marilyn Monroe Productions selbständig machte. Ungefähr zur Zeit dieses ersten eigenständigen Films, “Der Prinz und die Tänzerin“, spielt auch die Episode, die Colin Clark in vorliegender “wahrer Geschichte” erzählt. Seine “Woche mit Marilyn” erzählt von der Begegnung im Herbst 1956 in England in den Londoner Pinewood Studios. Die Dreharbeiten mit Sir Laurence Olivier drohen ob der vermeintlichen Allüren der Diva zu scheitern, jedoch gibt es einen, der eisern zu ihr hält: Colin Clark, der Erzähler. Eigentlich kam er über seine Eltern, die Olivier persönlich kannten, zur Filmproduktion. Als dritter Regieassistent ist er Mädchen für alles und muss u.a. die suizidgefährdete Marilyn durch eine Leiter an ihr Fenster retten. Aber alles löst sich in Wohlgefallen auf, denn der vermeintliche Vamp ist ein herzlicher, liebevoller Mensch, der einfach nur etwas Liebe sucht. Dass sie dann auch noch ihre Ehemann, der Dramatiker Arthur Miller, verlässt, gibt ihr erneut das Gefühl des Verlassenwerdens, ihr eigentliches Drama seit ihrer Kindheit. Doch Colin versteht es, ihr das zu geben, was sie auf den rechten Pfad zurückbringt: und sieh da, sie erscheint pünktlich morgens um sieben Uhr zu den Dreharbeiten.
Splish Splash, ein feuchter Kuss im Pool
Natürlich kann alles, was Colin Clark in seinem Tagebuch damals aufgeschrieben hatte, in Zweifel gezogen werden. Aber immerhin versucht er der Legende menschliche Züge abzugewinnen und allein dafür hat er sich ja schon Sympathien verdient. Er ist nicht nur ihrem Ehemann gegenüber kritisch eingestellt, sondern auch Milton H. Greene, ihrem Geschäftspartner in der eigenen Produktionsfirma und Paula Strasberg, ihrem Coach. Die ihm und Marilyn nachgesagte Affäre hat aber eigentlich nie stattgefunden, auch wenn Marilyn in seiner Darstellung auch ein ziemliches Boxluder gewesen zu sein scheint. Insofern ist die Erzählung, dass er als einziger ihr widerstehen konnte und es sogar schaffte sie künstlerisch zu disziplinieren, schon etwas hochgeschraubt, zumal er ja auch noch um sechs Jahre jünger war. Selbst als sie ihn nach dem Nacktschwimmen einen feuchten Kuss auf die Lippen drückt, steht er seinen Mann und widersteht. Man muss anerkennen, dass Clark sie einfach als menschliches Wesen beschreibt, das einfach auch mal sie selbst sein wollte, mit ihm, Colin Clark, konnte sie das scheinbar, wenn auch nur für eine Woche. Und selbst in dieser einen Woche muss sie “sie” spielen. Die Folgen kann sich jeder ausmalen: als sie nämlich “sie” spielt, befinden sich Clark und MM im Windsor Castle und in Null Komma Nichts sind sie von einem Menschenauflauf umringt und die Wachen haben alle Hände voll zu tun. Marilyn diente vielen Männern als perfekte Projektionsfläche ihrer eigenen Phantasien und hatten eigentlich nichts mit MM selbst zu tun, das arbeitet auch Clark gut heraus.
Marilyn Monroe, geb. am 1.6.1926 in Los Angeles als uneheliche Tochter einer Filmcutterin wuchs bei Verwandten und diversen Pflegefamilien auf. Sie war u.a. mit dem Baseballstar Joe DiMaggio (1954) und dem Dramatiker Arthur Miller (1956-61) verheiratet und starb am 4.8.1962 mit 36 Jahren in Brentwood, Los Angeles, an einer Überdosis von Barbituraten. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Colin Clark: Meine Woche mit Marilyn ist der literarische Band der Schirmer/Mosel Centennial-Edition 2026, die vier Titel zu Marilyn Monroe umfasst.
Colin Clark
Meine Woche mit Marilyn
Eine wahre Geschichte
Aus dem Englischen übersetzt von Bernadette Ott
2026, gebunden, mit Lesebändchen, 224 Seiten
ISBN 978-3-8296-0599-1
Schirmer/Mosel Verlag
€ 7,95 €(Ö) 8,20 CHF 9,15

Autofiktionale Schreibkrise


“Im Herbst wird man immer ein wenig atemlos von der Schönheit, die man so besonders nur jetzt mit allen Sinnen aufnimmt“, sagt Peter, der Poet. “Das sind die leuchtenden Tage, die am Ende entscheiden, ob ein Leben gut war oder nicht“, erwidert Paula, die Sinnliche. Bei einem ersten Spaziergang prickelt es zwischen den beiden schon und das mag nicht nur am Wein liegen. Ein Kuss am Friedhof, was für Peter immer ein Spielplatz der Kindheit war und immer noch, Jahrzehnte später, das Gefühl des Nachhausekommens bei ihm auslöst, verbindet die beiden. “Manches muss ja im Herbst gesät werden“, sagt Peter hoffnungsvoll, “dass es im Frühjahr blüht und Frucht im Sommer trägt“. Aber Paula zögert noch, ziert sich, denn sie will vor allem den Moment, den Augenblick genießen und sich nicht zu viele Gedanken über die Zukunft machen. Ein gemeinsames Wochenende haben sie und so mieten sie sich zwei Fahrräder und genießen den Herbst und seine “tausend Schattierungen“. “Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Glück oder Wehmut, Abschied oder Anfang bedeutet”, meint Peter verheißungsvoll, doch dann taucht plötzlich eine Katze auf, die alles verändern wird. Vor allem das Leben der beiden.
Eine bestechende Geschichte, bebildert mit verführerischen Illustrationen, die das schöne Leben genauso feiern wie die Liebe. Die Leichtigkeit des Seins zelebriert mit einem rührenden Ende. Eine Katze müsste man sein. Oder zumindest wieder einmal ein paar solcher Katzentage erleben.
Was sagen Ihnen die folgenden Namen? Frank Zappa, Jackson Browne, Grateful Dead, Jefferson Airplane, Herman’s Hermits.
Juno, die Erzählerin, ist Anfang Fünfzig. Sie lebt mit Jupiter, ihrem seit Jahren bettlägerigen Mann in einer kleinen Wohnung in Leipzig. Er ist Schriftsteller, sie freiberufliche Performancekünstlerin, die, nicht nur zu Coronazeiten, gerne häufiger Engagements hätte.

„Spannend… intensiv, verführerisch, erotisch…“, so überschlagen sich Literaturkritiker diverser renommierter Medien bei ihren Rezensionen zu Euphoria. Kombiniert mit dem Wortklang des Titels und dem nach einem fiktiven Pseudonym klingenden Namen der Autorin verführen spätestens Keywords aus der Inhaltsangabe wie „Dreiecksbeziehung in exotischem Setting“ zu völlig unzutreffender Kategorisierung. Also Vorsicht vor voreiligen Schnellschlüssen, denn das Buch bietet aus diesem Genre relativ wenig, aber dafür viel mehr Höherkarätiges.



