25 James Bond wurden bisher abgedreht. Einer davon dem Publikum noch nicht gezeigt. Die Pandemie sorgte schon für eine zweimalige Verschiebung. Um das Warten auf die Veröffentlichung so angenehm wie möglich zu machen, hat der Reclam Verlag vorliegende 100 Seiten Fibel zum Agenten im Geheimauftrag seiner Majestät auflegen lassen. Der Autor, Wieland Schwanebeck, ist anglistischer Literatur- und Kulturwissenschaftler an der TU Dresden und lehrt und forscht u.a. zu Männlichkeit, Hochstapelei, Humor und britischer Filmgeschichte.
Skyfall und Fireball
„Willing Suspension of Disbelief” nennt sich die Formel von Samuel Taylor Coleridge, der sich jeder Bond-Fan freiwillig ausliefert, denn nur wer seine Skepsis zurücksteckt wird den vollen Genuss haben. Die von Ian Fleming erfundene Kunstfigur bestreitet teilweise ja haarsträubende Abenteuer, das tut seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch. Sogar ein literaturwissenschaftliches Prinzip komme bei Bond zur Anwendung: Tschechows Gewehr. Wenn im 1. Akt ein Gewehr über dem Kamin hängt, wird es spätestens im 3. Akt abgefeuert werden. Was aber nicht bedeutet, dass jeder Bond vorhersehbar wäre. Er folgt nur einer bestimmten Formel. Als größter bisheriger Bond-Blockbuster führt übrigens Daniel Craig die Liste mit „Skyfall“ (2012) an, gefolgt von „Fireball“ (1965) und „Spectre“ (2015). Was uns zu den Bond-Darstellern führt, die allesamt ja schon bekannt sein dürften. Neben dem eben Genannten und – wider Erwarten – wohl Erfolgreichsten waren dies Barry Nelson, Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Pierce Brosnan, Timothy Dalton. Schwanebeck erzählt von jedem dieser Bonds die Höhe- und Tiefpunkte und verrät einige der bestgehüteten Geheimnisse von 007.
Eye-Candy oder doch Kunst?
Eine Liste aller kuriosen Premieren und Momente in der Bond-Reihe hat Schwanebeck ebenso unter seinen Text gemischt, wie viele weitere andere interessante Infografiken. Dass Bond auch etwas von dem antiken Helden Odysseus hat und Moneypenny seine Penelope sein könnte ist aber nur eine von vielen Erklärungen seines Erfolgs. Die Bond-Formel ist in jedem Fall ohnehin unverwüstlich. Der Autor bezeichnet sie auch als Baukastenprinzip. „Die Bond-Filme müssen nämlich nicht nur das Kunststück vollbringen, eine zumeist vorhersehbare Geschichte auf spannende Art und Weise zu erzählen, sondern auch noch den Markenfimmel der literarischen Vorlagen in eine malerische Galerie der Schauplätze und Luxusgüter übersetzen“, Eye Candy würden das die Anglophilen nennen, also „Naschkram fürs Auge“, wie der Übersetzer es nennt. Was uns dann auch zum vermittelten Frauenbild der Bonds bringt, denn bis Eva Green als Vesper Lynd, gab es noch keine wirklich starke Frau in einem Bond, die nicht den herkömmlichen Frauenidealen (Stichwort: Eye-Candy) entsprach. Ganz zu schweigen vom vermittelten Rassismus natürlich.
Aber auch James Bond hat sich mit den Jahren verändert. Bald schon wird ohnehin der neue Bond erscheinen. Sein Titel: No time to die. Bis dahin haben wir aber wohl noch More time to die, wie Spötter schon bei der zweiten Verschiebung verlauten ließen.
Wieland Schwanebeck
James Bond. 100 Seiten
Broschiert. Format 11,4 x 17 cm
100 S. 15 Abb. und Infografiken
ISBN: 978-3-15-020577-8
10,00 €
Reclam Verlag


Stilles Venedig. Ein seltenes Privileg wurde den beiden französischen Publizisten Luc und Danielle Carton, die seit 2005 in der Serenissima leben, zuteil. Sie erlebten die schönste Stadt der Welt ohne Touristen. Und beinahe auch ohne Bewohner.
Das Licht ist so wie es an einem Frühlingstag nur in Venedig sein kann: strahlend blauer Himmel und starke Konturen bei den Gebäuden, die das Dreidimensionale sogar noch betonen und scheinbar extra stark (aus dem Wasser) hervorholen. Venedig war ja schon seit jeher eine Augenweide, aber in vorliegendem Fotoband betritt man einen Märchenpalast, dessen einzig der Himmel würdig ist ein Dach zu geben.
Polo, Castello und Cannareggio. Die Giudecca, die zu Dorsoduro gehört, aber auch andere Inseln wurden allerdings ausgelassen, das heißt es geht wirklich ausschließlich um das, was Venedig ausmacht. „Wertvolle Momente des Glücks“, schreiben die beiden in ihrem Vorwort, „in denen das Unmögliche und das Unvorstellbare Wirklichkeit wurden: Venedig ganz für sich allein sehen und haben, wie in unseren verrücktesten Träumen. Venedig, wie wir es uns nie vorzustellen gewagt hätten“. Wer Venedig also schon länger einmal besuchen wollte, der kann es während der Pandemie mit vorliegendem Bildband tun. Denn so viel Venedig war noch nie in einem Venedig-Buch, schließlich sieht man auf den Bildern ausschließlich Gebäude und das Wasser, keine Menschen oder Tiere und vor allem keine einzige Taube. Venedig – wie Sie es noch nie gesehen haben! Eine einzigartige Reportage.





Die Ballade von Halo Jones: Alan Moore braucht man nicht extra vorzustellen. Wie kaum ein anderer hat er das Comic-Genre revolutioniert. Auch mit diesem 2020 erstmals auf Deutsch erschienenen Science-Fiction Abenteuer aus dem Jahre 1984 nahm der gutgelaunte Engländer vieles vorweg. Halo Jones lässt grüßen, und das beinahe in Breitbandformat!
seine Arbeitslosen ablud“. Und wer den hellsten Stern am Himmel genießen will, muss bald wie Helo Jones feststellen, dass dies „unser Abfallentsorgungsanhänger“ ist. Aber es gibt da einen Millionär, Lux Roth Chop, der den Krieg gegen Freie Kolonialweltn in Tarantulanebel finanziell unterstützt. Mit dem Schiff Clara Pandy macht sich Halo Jones als Freiwillige in Begleitung des Blechhundes und einer Glyphe auf in die unendlichen Weiten des Weltraums und ein neues Abenteuer beginnt, das insgesamt auf neun Teile ausgedehnt werden sollte. Das laut Moore „großartigste Comic der Galaxis ist ein knallbuntes Sci-Fi-Abenteuer voller skurriler Einfälle und einem ganz eigenen Jargon, den man natürlich erst erlernen muss, um in den vollen Genuss zu kommen. „Oh, ja. Spiel’s nochmal, Yortelbuzzgubbly.“



















