Es gibt viele Gründe, sich für ein Buch zu entscheiden. In diesem Fall war es eine Empfehlung und die Vorliebe, Literatur aus dem Land zu bevorzugen, in dem ich mich gerade aufhalte. Also, warum nicht mal ein Kriminalroman, der in Laos spielt? Und als das Buch dann auch noch im Besucherzentrum eines Rehabilitationszentrums für Opfer us-amerikanischer Bombenangriffe in Vientiane ausliegt, kann man diese Zeichen des Schicksals nicht mehr ignorieren.
Colin Cotterill hat mit „Dr. Siri ermittelt“ eine sehr erfolgreiche Buchreihe gestaltet. Zwischen 2004 und 2025 erschienen 15 Bände.
Der Inhalt ist mehr nett als spannend, gibt aber recht gut die Kultur des Landes wieder: Ein älterer Arzt wird von der typischerweise alleinregierenden kommunistischen Partei zum einzigen Leichenbeschauer des Landes berufen. Oder besser: Er wird ohne Widerspruchsrecht befehligt. Mit einem Pathologie-Handbuch aus dem Jahr 1948, ein paar Freunden, viel Intuition und noch mehr schelmischem Augenzwinkern löst er seinen ersten Fall. Ein anderer Ausgang wäre auch eher schlecht als Beginn einer Krimi-Serie.
Die lokalen Verhältnisse innerhalb des rigiden Staatsapparats und ein paar kulturelle Eindrücke schaffen es in der Tat, spürbares Lokalkolorit zu erzeugen. Unterstützt wird dies durch die vielen, sehr komplexen laotischen Namen, die die Spannung erhöhen, da man sich nie ganz sicher sein kann, ob, wann und in welchem Zusammenhang man einen Namen schon einmal gehört hat. Dass es der Autor bisweilen mit der Logik nicht so ganz genau nimmt, indem auf einmal en passant Einschusslöcher in der Haustür auftauchen oder amerikanische Drahtzieher kurz vor Schluss in einem Nebensatz erwähnt werden, kann man dem humorvollen Dr. Siri bzw. dessen Autor irgendwie nicht übel nehmen.
Wie immer bei Kriminalromanen kann man aus dem Inhalt ja eigentlich fast nichts erzählen, ohne die Spannungsblase unabsichtlich platzen zu lassen. Vielleicht nur so viel: Es gibt ein paar Leichen und Mörder.
Wirklich spannend fand ich sowieso eher das Leben des Autors Colin Cotterill, das in Stichworten so verlief: geboren in London, Pädagogikstudium, danach Weltreise, dann Sportlehrer in Israel, Grundschullehrer in Australien, Ratgeber für behinderte Schüler in den USA, Hochschuldozent in Japan, Weiterbilder für Lehrer in Südostasien, im Auftrag der UNESCO Gestaltung eines Englisch-Sprachkurses im laotischen Fernsehen, Gründung einer NGO für Kinderschutz, Mitarbeiter in der ECFPAT-Organisation gegen Kinderpornografie und -prostitution in Laos und später in Phuket, Kolumnist in der Bangkok Post. Ab 1990 Cartoonist für diverse Zeitschriften und Magazine. Er lebt heute in einem Fischerdorf in Thailand. Und schreibt Bücher, die er nicht selten selbst illustriert und die ihm weltweiten Erfolg gebracht haben.
Offensichtlich eher keinen Einfluss hat Cotterill auf die Auswahl der Sprecher bei der Vertonung seiner Bücher. Bei diesem Hörbuch hat sich der Goldmann-Verlag für Jan Josef Liefers entschieden, der im deutschsprachigen Raum als verschrobener Tatort-Kommissar wohl eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, sagt man. Leider demontiert Liefers dieses Buch mit seiner Intonation und hat mehr Einfluss auf dessen Charakter, als einem Sprecher zusteht. Phasenweise wirkt seine Stimme einschläfernd, dann aber wieder so infantil, dass man glaubt, in einer Folge von „Die Sendung mit der Maus“ gelandet zu sein. Also, wenn schon, dann lieber selbst lesen.

Wenn es eine Autorin mit zwei ihrer vier Romane auf die Short List des Internationalen Booker Price schafft, lässt das aufhorchen. Vielleicht geschah diese Huldigung auch ein Stück weit deshalb, weil Fernanda Melchor Mut hat. Obwohl sie an manchen Schauplätzen ihrer Romanhandlungen aus Angst um ihr Leben nicht recherchieren konnte, schreibt sie dennoch über all die brutalen Drogenkriege, die allgegenwärtigen Misshandlungen von Frauen und die deprimierende Ohnmacht gegenüber den endlosen Missständen in ihrer Heimat Mexiko. So tut sie es auch in „Paradais“. 








Es war erst wenige Wochen her, dass “die Republikaner einen Wahlsieg von grauenhaften Dimensionen errungen hatten und ein böser, alter Analphabet mit blondem Haar ins weiße Haus eingezogen war“, da passierte das, was “tout le monde” hätte wissen können: die betrüblichen Ereignisse, über die ungern geredet wird.
Dennis Lehane schreibt gerne Krimis über schwarze Schafe, doch der Protagonist des vorliegenden Mafia-Thrillers, der Barkeeper Bob Saginowski, wirkt beinahe harmlos im Vergleich zu den anderen Personen, die dieses Buch bevölkern. „Seine“ Kneipe – da wo er arbeitet – ist eine „Drop“-Kneipe, das bedeutet, dass Mafiageld dort gesammelt und zwischengelagert wird, bis „jemand“ kommt und es abholt. Wer wäre so dumm und würde eine solche Kneipe überfallen? Der sichere Tod wartete auf ihn. Als Cousin Marv, Sully, Donnie, Paul, Stevie, Sean und Jimmy dort zusammensitzen, um auf das 10-jährige Verschwinden von Richie „Glory Days“ Whelan anzustoßen, geschieht jedoch genau das: zwei Maskierte holen sich die Tageslosung, aber nicht den „drop“. Zufall? Absicht? Oder Training Day?
unerwartet eine große Aufgabe zu. Sascha, seines Zeichens immer noch unterforderter Streifenpolizist, bekommt eher nebenbei einen Tipp gesteckt, der ihn an ein früheres Verbrechen erinnert. Auch wenn sich dies erstmal als Sackgasse entpuppt, beginnen sich die Ereignisse bald zu überschlagen. Mitten im beschaulichen Weimar finden sich immer mehr sogenannte Hochgräber. Erst mit materiellen Opfern, dann mit solchen, die wenigstens schon länger tot sind. Aber ein guter Krimi wäre kein solcher, wenn es keine Steigerung gäbe…In der spannenden Geschichte verwickeln sich immer mehr Handlungsstränge rasant ineinander, tragische Familiengeschichten wechseln sich ab mit dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie zu DDR-Zeiten, eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen und mittendrin versucht die Weimarer Polizei, mehreren Morden auf die Spur zu kommen.
Eine blaue Kathedrale, ein ehemaliges Kinderheim und zwei Mordopfer. In Verbindung mit reichlich Wortgewandtheit und guter Recherche: Ein überraschend spannendes Lesevergnügen.