Die smarte Polizeikommissarin Hanne Wilhelmsen, eine faszinierend aussehende, hochintelligente und brillant kombinierende Lesbe und damit Alter Ego der Autorin fährt am liebsten Harley Davidson ohne Helm. Im Showdown des Krimis um einen von angesehenen Juristen gesteuerten Drogenring muss sie aber auch schon mal einen verabscheuungswürdigen japanischen Reiskocher knacken und durch die winterkalte Nacht Norwegens knallen, um das Schlimmste zu verhindern. Die insgesamt arg konstruiert wirkende Story wird gekonnt und spannend erzählt. Holts Interesse, höchste staatliche Stellen mit den verbrecherischen Vorfällen zu verfilzen, wurde vor Jahrzehnten schon eleganter und glaubhafter von den Meistern des sozialkritischen Krimis, dem Schriftstellerpaar Sjöwall/Walhöö umgesetzt. Die „Blinde Göttin“ ist kaum Holts Spitzentitel, spannende Urlaubslektüre ist das Buch allemal.
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Blinde Göttin
Lockvogel auf Mallorca
Inspektor Alvarez löst ein Verbrechen, das als solches von Anbeginn bekannt zu sein scheint. Der Leser begleitet den Polizisten von Zeuge zu Zeuge und erfährt en passant einiges über das Verhältnis zwischen Einheimischen und Fremden. Mit Hilfe verwandtschaftlicher Bande fällt die Lösung dem Inspektor, der sich schließlich auch noch in eine attraktive Britin verliebt, fast in den Schoß. Zum guten Schluss gibt es noch einige unglaubliche Verwicklungen, die den sauber erzählten Fall gänzlich unglaubwürdig macht. Pure Urlaubslektüre ohne Tiefgang.
Tod aus der Tiefe
Eine tödliche Gefahr aus dem Ozean beschäftigt eine Gruppe leidenschaftlicher Meeresbiologen. In einem Wettlauf mit der Zeit versuchen sie, ein unbekanntes Bakterium, das eine eigene Lebensform zu bilden scheint und sich vor allem vom warmen Blut der Säugetiere ernährt, zu bekämpfen. Der blutrünstige Tiefseekrimi spielt auf mögliche Umweltkatastrophen durch biologische Kriegsspielzeuge und unkontrollierbare Experimente an, die hunderttausende Küstenbewohner gefährden könnten.
Tod einer roten Heldin
Ein Kriminalroman aus einer gänzlich anderen Welt ist dieses filigrane Werk um Oberkommissar Chen, der in Schanghai den ungewöhnlichen Tod einer vorbildlichen Modellarbeiterin aufklären will. Der Polizist verletzt bei seinen Ermittlungen die Privatsphäre einflussreicher Parteibonzen und gerät in ihr heimliches Beziehungsgeflecht. Seine Ermittlungen werden dadurch erheblich behindert. Chen muß sich ständig bei Parteisekretären und Vorgesetzten absichern, in welche Richtung er ermitteln darf, und welches Ergebnis präsentiert werden soll. So nimmt der Fall die unerwartete Wendung, dass aus dem Jäger der Gejagte wird und es zu einer Entscheidungsschlacht über das berufliche Schicksal des Ermittlers selbst kommt.
Dieser inhaltlich wie stilistisch außergewöhnlich lesenswerte Krimi veranschaulicht das Leben im heutigen China, das zwischen kommunistischen Ansprüchen und kapitalistischen Verlockungen hin und her taumelt. Letztlich ist es ein Kampf zwischen alten Kadern, die ihre ererbten Privilegien giftig verteidigen und einem China im Aufbruch, das zumindest vor dem Gesetz Gleichheit aller Bürger anstrebt und den Begriff Demokratie ernst nimmt.