Vom Ende einer Geschichte

»Es herrscht große Unruhe«, setzt Julian Barnes als Schlusssatz unter seinen bewegenden zweiteiligen Roman um das Thema des geschönten Erinnerns und der damit verbundenen Selbsttäuschung. Er schließt damit den Kreis zu seinem Einstieg, einem Bericht über Freundschaften aus der Schulzeit: Ein notorisch nichtwissender Mitschüler antwortet auf die Frage des Geschichtslehrers zur Herrschaft Heinrichs des Achten genau mit dieser ebenso wahren wie relativierenden Floskel: »Es herrschte große Unruhe, Sir«. Weiterlesen


Genre: Novelle, Roman
Illustrated by btb Verlag

Nacht des Orakels

Paul Auster »Nacht des Orakels«

Paul Auster beschreibt in »Nacht des Orakels« einen Schriftsteller, der nach lebensbedrohender Erkrankung wieder zurück ins Schreiben finden will. Auf einem Spaziergang durch Brooklyn trifft er auf einen kleinen Papierladen, dessen prachtvoll dekorierte Auslagen ihn locken. Er betritt das Geschäft, schaut sich um und entdeckt ein dunkelblaues Notizbuch portugiesischer Provenienz, das ihn anspricht. Nach ein paar Worten mit dem Geschäftsinhaber, einem alten Chinesen, erwirbt er das Büchlein und beginnt schon bald, darin zu schreiben. Weiterlesen


Genre: Erzählung, Romane
Illustrated by Rowohlt

Irgendwann wird es gut

Joey Goebel präsentiert in »Irgendwann wird es gut« zehn Menschen aus der Kleinstadt Moberly, Madison County, die allesamt nicht auf der Sonnenseite des Lebens leben. Sie eint das dumpfe Gefühl, dass sich ihr Leben anderswo abspielt, vielleicht dort, wo die zahllosen Flugzeuge landen, die über den Fly-over-State Kentucky hinwegdüsen. Weiterlesen


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen, Short Stories
Illustrated by Diogenes

Die Känguru-Chroniken

Marc-Uwe Klings »Känguru-Chroniken« waren ursprünglich Beiträge für den Podcast eines Berliner Radiosenders. Zusammengefasst lesen sich die Texte wie ein urkomischer Episodenroman voller geistreicher Gedanken, Bonmots sowie satirischer Gegenwartskritik. Die Texte leben von einem spielerisch leichten Umgang mit Worten und Bezügen und bescheren viel Spaß beim Lesen.

Marc-Uwe Kling, in eigenen Worten ein braunhaariger, mittelgroßer, feingliedriger junger Kleinkünstler, der aber nicht Kleinkünstler genannt werden möchte, bekommt eines Tages Besuch von seinem neuen Nachbarn, einem Känguru. Dies geht keiner geregelten Arbeit nach und erklärt auf Befragen kurz »Ich bin Kommunist! Was dagegen?«

Das Beuteltier zieht ohne großes Federlesen bei dem jungen Mann ein und benutzt ihn als persönlichen Assistenten, der es nährt. Wenn Marc sich beschwert, er müsse immer zahlen, weil sein Mitbewohner nie Geld mitnimmt, lächelt das Känguru nur.

So entsteht eine Wohngemeinschaft, in der es bald philosophisch tiefgründig einhergeht. Dabei wird neben Problemen, ob die Essenz des Hegelschen Gesamtwerkes in eine SMS gepackt oder das Liegen in einer Hängematte schon passiver Widerstand genannt werden kann, stets die Frage aller Fragen leidenschaftlich diskutiert, welcher Schauspieler besser sei – Bud Spencer oder Terence Hill.

Selbstverständlich arbeitet das Känguru auch an einem eigenen Manuskript unter dem Titel »Opportunismus und Repression«, aus dem es gern zitiert. Vielversprechend klingt schon der erste Satz: »Die Philosophen haben das Geld nur verschiedenen interpretiert; es kommt aber darauf an, es zu verplempern.«

Leider hat das Beuteltier noch keinen Verlag gefunden, der »den Ansprüchen des Manuskriptes genügt«. Das liegt nach seiner Auffassung allein daran, dass die Hälfte der Verlage sehr unangenehmen internationalen Großkonzernen gehört. »Und das ist der bessere Teil. Der Rest gehört Springer«.

Das nach Schnapspralinen, Schnitzelbrötchen und Eierkuchen mit Hackfleisch gierende Känguru bestimmt bald das Leben des Chronisten und macht ihm sein Leben nicht immer leicht.

Zu Auseinandersetzungen kommt es aber erst, als ein Pinguin in die ehemalige Wohnung des Kängurus zieht. Denn dieser Herr verkörpert das genaue Gegenteil zum anarchistischen Känguru: Er geht einer geregelten Arbeit als Vertreter für Tiefkühlkost nach, hört andere Musik und zieht Teewurst Schnapspralinen vor. Für das Känguru verkörpert er die kapitalistische Weltordnung, ist also in der Erzählung eine Art Antagonist.

Marc-Uwe Kling singt Lieder und erzählt Geschichten. Sein Geschäftsmodell ist es, kapitalismuskritische Bücher zu schreiben, die sich total gut verkaufen. Seine Känguru-Geschichten wurden 2010 mit dem Deutschen Radiopreis und 2013 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Foto: Ullstein/Sven Hagolani

Ein schöner Kunstgriff ist, den Lektor des Werkes zu Wort kommen zu lassen. Er will Kling überreden, mehr Liebesgeschichten und Fantasy zu schreiben. Außerdem bevorzugt er das Känguru, weil beide gern »World of Warcraft« spielen. Er bringt das Beuteltier auf die Idee, dass der Pinguin wohl einen »kapitalistischen Weltverschlechterungsplan« durchführen will.

Beim Aufbau eines »Asozialen Netzwerkes« stoßen Kling und sein Känguru auf neue absonderliche Gestalten, die verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen und politische Richtungen repräsentieren. Dabei kommt die Gesellschaftskritik immer ein wenig oberflächlich daher und tut niemandem weh. Im Vordergrund stehen Nonsens und Absurditäten.

Wer die britische Komikertruppe Monty Python mag und über die beiden Comic-Helden Calvin und Hobbes schmunzeln kann, der wird mit den »Känguru-Chroniken« bestens bedient. Denn die Känguru-Chroniken bieten Lesevergnügen pur.


Genre: Humor und Satire
Illustrated by Ullstein Berlin

Granat für Greetsiel

Granat für Greetsiel

Auf einem Krabbenkutter aus Greetsiel wird ein Netz an Bord gehievt, das neben Granat und anderem Meeresgetier eine von Tang und Schlick überzogene Wasserleiche enthält. Ein schöner Schreck für die dreiköpfige Besatzung der „Sirius“. Pflichtgetreu wird die zuständige Wasserschutzpolizei verständigt, die kurz darauf in Begleitung von zwei Kripobeamten aus Emden, die sich wie Pat und Patachon gebärden, mit einem Schnellboot längsseits gehen. Für die beiden Kommissare ist der Fall klar: Hier ist eine Frau bei einer Fete auf einer Yacht über Bord gegangen und ertrunken. Weiterlesen


Genre: Krimi
Illustrated by Edition M

NSA – Nationales Sicherheits-Amt

Was wäre geschehen, wenn die Nazis schon über die heutige Computertechnologie verfügt hätten, wenn sie ihre Bürger hätten total überwachen und aus den Datenbergen Bewegungsprofile erstellen können? – Andreas Eschbachs Ausgangsfrage in seinem Roman »NSA« ist ebenso klug wie spannend. Weiterlesen


Genre: Dystopie, Endzeitthriller, Roman, Science-fiction
Illustrated by Bastei Lübbe

Bienenblues

Reise in die Welt der Honigbiene


Als der Vater der Autorin eines Tages seine Leidenschaft für die Hobbyimkerei entdeckte, erwachte in ihr das Interesse an den fleißigen Bienen. In der Literatur fand sie keine Antworten auf ihre Fragen. So recherchierte sie und schuf ein wundervolles Kompendium, den »Bienenblues«. Weiterlesen


Genre: Naturkunde, Ökologie, Sachbuch
Illustrated by Piepmatz

Warum Deutsch die wundervollste Sprache der Welt ist

Deutsche Sprache – Schwere Sprache. So lautet ein geflügeltes Wort, das die Tücken und Fallen unserer Muttersprache andeutet. Andere hingegen spielen mit der Sprache, sie lieben Deutsch allein schon wegen fortgefahren, fort gefahren und Ford gefahren.

Die promovierte Literaturwissenschaftlerin Marlena Fischer erklärt uns nun in einem kleinen Buch, warum Deutsch zumindest für sie »die wundervollste Sprache der Welt« ist. Weiterlesen


Genre: Humor, Sprache
Illustrated by Riva Verlag München

Das Ende der Klassik

Der nach eigener Aussage diktaturerfahrene Autor beschreibt sein Versteckspiel in einer Gesellschaft, die klassische Musik verbietet. Er versucht die tausend Augen, von denen er sich beobachtet fühlt, hinters Licht zu führen, indem er sich abschottet. In einem nicht näher bezeichneten Versteck hört er heimlich Mozart und versucht auf diese Weise, der geistmordenden neuen Musik zu entkommen, mit der der Staat seine Bürger beschallen lässt. Weiterlesen


Genre: Dystopie
Illustrated by Galabuch

Keinzigartiges Lexikon

Schon mal was von »unikalen Morphemen« gehört? Ein unikales Morphem ist ein Bestandteil eines komplexen Wortes (Morphem), das nur in einer einzigen Verbindung mit einem anderen Wortbestandteil vorkommt und bei der Zerlegung des entsprechenden Wortes übrig bleibt. Es ist so etwas wie eine Primzahl der Sprache und recht selten. Weiterlesen


Genre: Lexika und Nachschlagewerke, Linguistik, Sprache
Illustrated by edition taberna kritika

Nur ein Jahr

Geradlinig und ungezwungen erzählt Katja Lukic von der Verwirklichung ihres Traumes, aus ihrem bisherigen Alltag auszusteigen und auf die Suche nach einem anderen Leben zu gehen. Gemeinsam mit ihrer Freundin bricht sie Richtung Süden auf, um als Straßenkünstlerin eine Existenz zu finden. Weiterlesen


Genre: Autobiografie, Biographien
Illustrated by Selbstverlag