Christian Kracht schildert in seinem Roman »Imperium« die Lebensgeschichte des deutschen Auswanderers August Karl Engelhardt (1875 bis 1919). Engelhardt gründete auf einer kleinen Insel im heutigen Papua-Neuguinea eine spirituelle Gemeinschaft, die er »Sonnenorden« nannte. Charakteristikum war die Ernährungsweise, die ausschließlich aus den auf der Insel reichlich wachsenden Kokosnüssen bestand. Weiterlesen
Imperium
Schreib Dein bestes Buch. Der Planer für Autoren
Johannes Zum Winkel hat als Autorencoach schon manchen Bestsellerautor im Selfpublishing begleitet und zählt mit dem Stallgeruch des Bertelsmann-Konzerns, für den er leitend tätig war, zu den alten Hasen in der Buchwelt. Sein neuestes Opus »Schreib dein bestes Buch« liegt jetzt als 344 Seiten starkes Buch vor und ist ein Romanplaner im besten Sinne.
Glitterschnitter
Die Geschichte von Herrn Lehmann war weitestgehend auserzählt, er war ja auch nicht wirklich ein Typ, um den man sich hätte Sorgen machen müssen. Doch Sven Regener nutzt ihn auch in seinem mittlerweile sechsten Buch als heimlichen Hauptdarsteller und präsentiert die Hilfskraft als Barmann eines kleinen Westberliner Cafés, das sich dem Kreuzberger Trend der 80-er Jahre, Milchkaffee in französischen Schalen überteuert zu servieren, anschließen will. Weiterlesen
Die Nibelungen. Ein deutscher Stummfilm
Wer ein Buch über »Die Nibelungen« vorlegt, muss schon einen triftigen Grund vorweisen, um die hundertfach wiedergekäute Heldensaga um den Drachentöter Siegfried und seine legendären Taten erneut aufzugreifen und in Buchform anzubieten. Felicitas Hoppe hat es gewagt und mit ihrem Werk zugleich die Hand nach dem Deutschen Buchpreis 2021 ausgestreckt, für den der Titel mit 19 anderen Bewerbern nominiert wurde. Weiterlesen
Oben am Drahtseil, unten im Löwenkäfig. Geschichten über mutige Frauen
Wer in früher Jugend noch einen wandernden Zirkus in seinem Heimatort erleben durfte, der erinnert die schmetternden Fanfaren der Zirkuskapelle, den Geruch der Sägespäne, den flirrenden Zauber der Manege und die knisternde Spannung, wenn wilde Tiere durch Feuerreifen sprangen. Oft waren es Familiendynastien wie Renz, Busch, Krone, Barnum, Knie, Althoff und Probst, die den Wanderzirkussen ihre klingenden Namen verliehen. Dabei gab es zahlreiche mutige Frauen, die sich in Löwenkäfige wagten und unter der Zirkuskuppel auf dem Drahtseil tanzten. Dem Historiker und Direktor des »Wiener Circus- und Clown-Museum Wien« Robert Kaldy-Karo ist es zu danken, diesen starken Frauen ein literarisches Denkmal gesetzt zu haben.

Miss Senide als junges Mädchen im Alter von 16 Jahren. Aufnahme im Fotografie-Salon Willard ihrer Mutter im Wiener Prater
Robert Kaldy-Karo berichtet über mutige Löwenbändigerinnen wie das Fräulein Senide aus dem Wiener Prater. Als Henriette Willardt am 9. November 1866 in Königsberg geboren, wuchs sie in der Steiermark auf und zog mit 15 Jahren zu ihrer Mutter, die im Prater eine Schießbude und ein Schnellfotografiergeschäft betrieb. Wenig später wurde sie in einem Wolfskäfig entdeckt, in den sie heimlich gestiegen war und die Tiere liebevoll kraulte.
Daraufhin kaufte die Mama zwei Berberlöwen, einen Bären und einen Leoparden. Ein prächtiger Schaukäfig wurde gebaut und am 12. Dezember 1883 debütierte die 17-jährige als Miss Senide im Circus Renz in Berlin. Presse und Publikum überschlugen sich, als die jugendliche »Thierbändigerin« im sexy Outfit in den Käfig traute und die »Bestien« vorführte. Dabei wandte sie die dem Tier zugewandte »zahme« Dressur an und stellte sich offen gegen die bis dato vorherrschende »wilde« französische Dressur.
Miss Senide wurde mehrfach schwer verletzt und machte trotzdem immer weiter. Bei einer Vorstellung am 3. Februar 1887 in Dublin erlosch in dem Augenblick das Licht, als sie ihren Kopf in das Maul eines Löwen steckte. Das Tier erschrak und biss zu. Schwere Narben am Hals der Dompteurin erinnerten an diese blutige Schrecksekunde. Obwohl sie immer wieder Kratzer und Wundern erlitt, starb Henriette nicht in der Manege, sondern erlag 57-jährig einem Nierenleiden.
Andere kühne, junge Frauen bändigten Krokodile, Würgeschlangen und Elefanten. Eine weibliche Domäne war auch die Pferdedressur. 1806 erließ Theaterfan Napoleon I. ein Gesetz, wonach »die Aufführungen von Raritäten und Kuriositäten« nicht mehr als Theater bezeichnet werden durften. Künftig war von »Cirque« die Rede, und der Begriff »Circus« bürgerte sich auch im deutschen Sprachraum ein.

Die Künstlerin Koringa trat als Fakirin und Tierbändigerin auf. Das Foto von 1939 zeigt sie mit einem ihrer Krokodile
Mit 50 edlen Pferden ritt die Kunstreiterin Laura de Bach in die Manege ein. Mit kaum 30 Jahren war sie gleichzeitig einer der ersten großen Zirkusdirektorinnen Europas, die elf Jahre lang durch Asien und Europa tourte. Auch Therese Renz war eine der tollkühnen Frauen, die als Dompteurin und Kunstreiterin auftrat. Sie verarmte nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und bettelte zum Schluss mit ihren zwei Elefanten um Futter. Ihr Lieblingselefant Dicky beherrschte sogar den Handstand auf nur einem Bein. Er wurde letztlich vom Zirkus Knie adoptiert und so vor dem Hungertod bewahrt. 1923 feierte Therese Renz ein Comeback im Zirkus Busch, ihren 75. Geburtstag erlebte sie in der Scala Berlin und zeigte dort eine Vorführung der »Hohen Schule«.
Selbstbewusste Frauen tauchten ihren Kopf aber nicht nur in den Rachen wilder Tiere und ritten stehend auf feurigen Araberhengsten. Sie tanzten Ballett, präsentierten Pantomimen und bildeten Damenkapellen. Sie reüssierten als Bauchrednerinnen, Ausdruckstänzerinnen, Clowns und Spaßmacher.

Autor Robert Kaldy-Karo mit der Figur des Possenreißers Fröhlich, Hofnarr von August, dem Starken, in Dresden
Unerschrockene Frauen zählten auch zu den Stars unter der Zirkuskuppel. Als Hochseilartistinnen liefen sie über schwingende Hanfseile und stählerne Steifdrähte. Schlagzeilen machte die Künstlerin Maria Spelterini, eigentlich Zindel aus Berlin: Sie balancierte mit 23 Jahren am 8. Juli 1876 als erste Frau über die brodelnden Niagara-Wasserfälle und kehrte rückwärts gehend vom kanadischen Ufer auf die Seite der Vereinigten Staaten zurück. Später lief die »Heroine des Niagara« mit geflochtenen Körben um die Füße über den kochenden Abgrund. Das machte ihren Todeslauf noch sensationeller.
Ein besonderes Kapitel widmet Robert Kaldy-Karo den Schaustellungen von Frauen in Freak Shows. Kleinwüchsige traten als »Zwerge« oder »Pygmäen« auf. Es gab die »Frau mit Bart« und die »Dame ohne Unterleib«. Als Hungerkünstlerinnen hockten sie bis zu drei Wochen in Glaskäfigen und mussten sich vom Publikum anstarren lassen.
Die missgebildete Julia Pastrana litt an Hypertrichose, einer über das Maß an geschlechtsspezifischer Behaarung hinausgehenden Behaarung. Sie wurde als »hässlichste Frau der Welt« vorgeführt. Ihr geldgieriger Gatte stopfte sie nach ihrem Tod aus und zeigte ihren einbalsamierten Leichnam gegen Eintritt.
Der Autor und Prater-Fachmann Kaldy-Karo versichert hingegen in einem anderen spektakulärem Fall, dass die Riesenunterhose, die der Ehemann der legendären Prater-Mitzi vor jeder Vorstellung dem Publikum zeigte, um es anzulocken, nie getragen wurde. Die 1903 als Maria Lahola geborene Mitzi, wog in ihrer großen Zeit in den 1920er-Jahren kolportierte 265 Kilo. Die Frohnatur entwickelte aus der Unterfunktion ihrer Schilddrüse eine Karriere als »Königin der Riesendamen«, ehe sie 1957, auf 200 Kilo abgemagert, verschied.
Der Autor erzählt von Schwertschluckerinnen, Fakirinnen, Ringerinnen und Luftschifferinnen. Er widmet Skandalen im Künstlerinnenmileu ein Kapitel seines faktenreichen Buches und schildert die feminine Seite der Zauberkunst. Dass es dabei auch zu tragischen Momenten kommen konnte, erlebte die Zauberkünstlerin Fräulein Armanda. In einer ihrer Shows erschoss sich ein unglücklich in die Künstlerin verliebter Zuckerbäckergehilfe.
Das 120 Seiten starke Sammlung »Oben am Drahtseil, unten im Löwenkäfig« ist ein liebevoll zusammengetragenes Werk. Autor Robert Kaldy-Karo lüftet damit den Vorhang der Geschichte(n) um mutige und selbstbewusste Frauen aus der Welt der Fahrenden ohne ins Voyeuristische abzugleiten.
Wenn ich groß bin, werd´ ich Schmetterling!
Die Grafikerin und Autorin Anna Käse kannte einen kleinen Elefanten, der ganz fest auf dem Boden stand und davon träumte, fliegen zu lernen. In ihrem Erstling »Wenn ich groß bin, werd´ich Schmetterling« erzählt sie seine wundersame Verwandlung zum Schmetterfant. Weiterlesen
Solange es Liebe gibt …
In ihrem Roman »Solange es Liebe gibt« nutzt Hanni Münzer die Technik der Rückwärtserzählung. Diese retrograde Erzählweise lässt sie zwischen den Generationen einer Familie springen, statt temporal-kohärent zu berichten. Das macht die Lektüre richtig spannend. Weiterlesen
Der Buchspazierer
Carsten Henn erzählt die Geschichte des Buchhändlers Carl Kollhoff, der auch im Ruhestand nicht davon ablassen kann, ausgewählten Kunden genau diejenigen Bücher zu bringen, die diese gern lesen wollen. Seine Zeit ist abgelaufen, sein ehemaliger Arbeitgeber hat das Ladengeschäft an seine Tochter abgegeben, die sich als moderne Sortimenterin versteht und den Alten gern loswerden will. Weiterlesen
Der Abstinent
Wer genauer verstehen will, was Friedrich Engels mit dem berühmten Begriff vom »Manchester – Kapitalismus« meinte, der reist mit Ian McGuire von Dublin nach Manchester und begleitet seinen Protagonisten, den Polizisten James O’Connor. Weiterlesen
Ich, Antoine
Die 1979 in Paris geborene Autorin Julie Estève erzählt die Geschichte eines Dorftrottels, der zu Unrecht als Mörder verurteilt wurde. Der Roman selbst ist bitter, er zeigt, wie abgrundtief hart menschliche Vorurteile verletzen und töten können. Weiterlesen
Der Fall Julian Assange. Geschichte einer Verfolgung
WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist einer der bekanntesten politischen Gefangenen unserer Zeit. Seit elf Jahren interniert, feiert er am 3. Juli 2021 als »Untersuchungsgefangener« seinen 50. Geburtstag im britischen Hochsicherheitsgefängnis. Wer sich näher mit der Geschichte seiner Verfolgung befassen möchte, liest den spektakulären Report des UNO-Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer, der jetzt in Buchform vorliegt. Weiterlesen
Manolescu täuscht sie alle
Der Bekanntheitsgrad des Hochstaplers Georges Manolesu, der Anfang des 20. Jahrhunderts sein Unwesen in Europa und den USA trieb, zeigte viele Blüten. Von Thomas Mann, der die Figur in seinem Roman »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« verarbeitete, bis hin zu Verfilmungen seiner Geschichte beschäftigten sich Autoren, Regisseure und Journalisten mit dem dreisten Hoteldieb und Heiratsschwindler. Weiterlesen
Sind Sie das? Eine Spurensuche
Wie viel vom tatsächlichen Leben eines Autors steckt in seinen Romanen? Diese Frage taucht nahezu in jedem Publikumsgespräch mit Autoren auf. Aber auch Literaturwissenschaftler und Rezensenten beschäftigen sich teilweise akribisch und streng wissenschaftlich mit dieser Thematik. Charles Lewinsky hat sich mit seinem neuesten Buch auf Spurensuche im eigenen Werk begeben. Weiterlesen
Fahrtwind
Klaus Modick, Jahrgang 1951, hat in seiner Jugend sicherlich die von psychedelischer Musik getragene Hippiewelle miterlebt. Zumindest klingt sein schillernder Roman »Fahrtwind« so, als seien auch autobiografische Erlebnisse eingeflossen. Weiterlesen
Schaurige Orte in der Schweiz. Unheimliche Geschichten
Auf die Herausgabe dieses Bandes seiner wachsenden Sammlung von unheimlichen Orten und gruseligen Städten muss Herausgeber Lutz Kreutzer regelrecht gewartet haben. Denn »Schaurige Orte in der Schweiz« gab ihm, der nunmehr alleiniger Herausgeber ist, die Möglichkeit, wieder eine eigene Erzählung einzubinden, und die bildet diesmal ein Highlight der gruseligen Geschichten, die er zusammentrug. Weiterlesen
