BL-Metamorphosen – Geheimnis einer Freundschaft 3

BL Metamorphosen - Geheimnis einer Freundschaft 3 als Taschenbuch

„Zwei Frauengenerationen – eine Leidenschaft: Boys-Love-Manga!“ (Verlag)

Die Schülerin Urara entscheidet sich, die ältere Kalligrafielehrerin Yuki erneut zu einem Con mitzunehmen. Diesmal soll es die Winter-Con sein. Aber als Urara sich ein Bild von der Örtlichkeit macht, stellt sie fest, dass alle Wege sehr weit sind. Sie denkt an die mittlerweile recht gebrechliche Yuki und sagt ihr schließlich ab. Kurz darauf bereut sie ihren Entschluss, denn sie merkt, dass Yuki in der Zeit, die ihr bleibt, noch möglichst viel Schönes erleben will. Dass Yuki alt ist, wird Urara eines Tages so richtig bewusst, als sie in Yukis Haus auf sie wartet. Sie entdeckt eine Sterbeversicherung, bemerkt, dass Yuki ihr Haus entrümpelt und nimmt auf Yukis Drängen deren schönes Geschirr mit: „Da liegt das ganze Leben eines Menschen so vor einem, und ich nehme einfach einen Teil davon mit.“ Als sie Yuki bei der Gartenarbeit hilft, fasst sie sich ein Herz und fragt sie, ob sie wieder mit ihr auf eine Con gehen will – nur dass Urara diesmal auf der Verkäuferinnenseite steht!

Integration ernster Themen in den Alltag

Der 3. Band überzeugt erneut durch eine warmherzige, ruhige und friedliche Stimmung, die aber auch die Probleme des Lebens und ernste Themen wie Sterben und Tod nicht ausschließen. Durch vermeintliche Kleinigkeiten und Zufälle werden die beiden Protagonistinnen, und mit ihnen die Leser*innen, auf diese Themen gestupst. Dabei findet eine ruhige, aber tiefgehende Auseinandersetzung mit ihnen statt. Sehr schön außerdem: Diese Themen sind in den Alltag integriert – da, wo sie eigentlich auch hingehören. Tod und Sterben zu tabuisieren ist schlicht ungesund.Der Manga scheint mit dieser Auseinandersetzung nahe an der Realität zu liegen: Bei meiner Mutter habe ich – wie im Manga beschrieben – festgestellt, dass sie sich von ihren z.T. sehr liebgewonnenen Sachen getrennt hat, bevor sie gestorben ist. Auch mein Vater entrümpelt jetzt. Beide haben vorab schon festgelegt, wie sie beerdigt werden wollen. Bei meiner Mutter konnten wir diesen Wunsch umsetzen, was auch für unsere Trauerarbeit gut war. Dabei haben wir die Kinder altersgerecht in den Prozess des Abschiednehmens miteinbezogen. Mein 9-jähriger Sohn hat mir mehr als einmal gesagt, dass er froh war, dass ich in dieser Zeit des Trauerns für ihn da war. Und es war ihm wichtig, ordentlich von der Oma Abschied zu nehmen.

In diesem ruhigen Alltag, der sehr schön in dieser Manga-Reihe dargestellt wird, finden die Veränderungen (Metamorphosen, s. Titel) beinahe unauffällig statt. Urara trägt sich, angestoßen durch Yuki, im Hintergrund mit dem Gedanken, selbst einen Manga zu zeichnen. Sie fängt eines Tages einfach an und zeichnet dann auch in der Schule. Die Berufswahl, die in der Schule in Form eines Formulars an die Schüler*innen herangetragen wird, tut ihr Übriges, um Urara zum Nachdenken zu bewegen, auch wenn sie anfangs mit dem Formular nichts anfangen kann. Das Leben und die Entscheidungen im Leben sind ein Prozess. Auch das arbeitet der Manga sehr gut heraus.

Ansonsten lebt jede ihr Leben, das sich meist nicht um das Hobby dreht, aber das durch das Interesse für BL von diesem immer mal wieder durchdrungen wird. Das stellt der Manga u.a. durch die integrierten Szenen des Bl-Mangas dar, den die beiden Frauen gerne lesen: eine Geschichte innerhalb einer Geschichte. Gedanklich sind die beiden Frauen, wenn auch nicht immer körperlich bei der anderen anwesend, miteinander verbunden.

Ebenfalls scheinbar nebenbei, aber trotzdem eindrücklich wird das Thema der Introvertiertheit behandelt. Urara fühlt sich in lautstarken Umgebungen mit vielen Menschen nicht wohl, und das zeigt der Manga auch. Solche Menschen, die meist hochsensibel sind, stehen in der Gesellschaft unter dem ständigen Druck, sich anpassen zu müssen, um nicht allzusehr aufzufallen – was negative Konsequenzen für sie hätte. Auch das wird im Manga angedeutet. Die Druck erzeugende Erwartungshaltung geht auch von der Famulie aus, wenn z.B. die Mutter Uraras indirekt anklingen lässt, dass sie auch gern eine hübsche Tochter hätte. Anstatt selbst sensibel auf ihr Kind zu reagieren und das sensible Kind, das sowieso schon mit sich im Streit liegt, zu unterstützen, verstärkt sie die Zweifel noch. Der Vater reagiert noch unsensibler. Bei ihm wird deutlich, dass er eigentlich keinen Draht zu seiner Tochter hat. Indirekt wird z.B. in der Szene, in der sich die beiden getrennten Eltern über Uraras Zukunft unterhalten, auch der Druck angesprochen, unter dem die Mütter stehen. Egal, was sie tun – niemals ist es genug, niemals können sie es einem recht machen. (Der Film „Bad Moms“ ist ein sehr gelungenes filmisches Beispiel für diesen enormen Druck!) Die Väter spüren diesen Druck nicht, weil von ihnen nicht erwartet wird, dass sie ihre Kinder tatsächlich erziehen. Dafür urteilen aber auch sie über die Mütter. Der Manga ist also nahe an der Realität dran.

Fazit

Sehr gelungener Manga über eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft zu einem ungewöhnlichen Hobby – das alles warmherzig kombiniert mit einem unaufgeregten Alltag, in dem sich ebenso unaufgeregt tiefgreifende Veränderungen ankündigen. Der Umgang mit ernsten Themen wie Tod und Sterben erfolgt sensibel und integriert diese in den Alltag – wo sie auch hingehören.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

I hear the sunspot – limit 1

Hören versus Schwerhörigkeit

Taichi fällt dem schwerhörigen Studenten Kohei bei ihrer ersten Begegnung quasi auf den Kopf. Nach einer etwas turbultenten Anlaufphase übernimmt der quirlige Student für seinen ruhigen Mitstudenten Kohei die Mitschriften von Vorlesungen, dafür erhält Taichi Mahlzeiten von ihm. So freunden sich die beiden an, und Taichi gewinnt immer mehr Kenntnisse über die Welt von Schwerhörigen und Gehörlosen. Als er ein Arbeitsangebot von einer Firma erhält, die auf die Bedürfnisse von Gehörlosen spezialisiert ist, schmeißt er sein Studium und nimmt die Arbeit an. Kohei dagegen studiert weiter. Das führt dazu, dass sich die beiden immer weniger sehen. Beide bauen sich ihre Welten jenseits des anderen auf. Kohei trifft mehr Gehörlose. Einer der neuen Bekannten geht davon aus, dass die Welt der Gehörlosen und die der normal Hörenden nicht zueinander passen. Dazu kommt, dass sich Kohei in Taichi verliebt hat, Taichi aber noch mit seinen Gefühlen für Kohei kämpft. Als Kohei Fotos von einem Workshop sieht, den Taichi wegen seiner Arbeit besuchen muss, reagiert er eifersüchtig auf Taichics Chef Chiei, der sehr vertraut mit Taichi scheint.

BL und Menschen mit Handicap

Die Folgeserie der BL-Reihe (BL = boys love) „I hear the sunspot“ baut ein retardierendes Moment ein, indem sich die beiden Protagonisten kaum sehen, weil sie jetzt in unterschiedlichen Welten leben. Kohei zweifelt immer mehr, ob seine Gefühle für Taichi bei dem energiegeladenen Tollpatsch auf Gegenliebe stoßen. Taichi dagegen wird sich durch seine Arbeit und die damit verbundene räumliche Trennung von Kohei immer mehr bewusst, dass er Kohei liebt.

Zentral in dieser Serie sind 2 Themen: das der homosexuellen Liebe und das der Menschen mit Handicap, die sich in einer Welt zurechtfinden müssen, die für ihre Bedürfnisse nicht ausgelegt ist. Es ist ungewöhnlich, dass diese beiden Themen kombiniert werden bzw. dass Menschen mit Handicap Manga-Protagonisten werden. Solche Manga dürfte es ruhig öfter geben.

Kohei und Taichi machen einen Prozess durch, in dem sie sich ihrer Gefühle bewusst werden. Kohei ist schließlich der erste, der sich ein Herz fasst und Taichi seine Gefühle gesteht. Ein Outing anderen gegenüber findet aber (noch) nicht statt. Taichi braucht noch länger, um sich über seine Gefühle klar zu werden. Der Prozess wird im Manga recht glaubhaft dargestellt. Die Probleme, die Homosexuelle innerhalb der Gesellschaft haben, werden hier also im Gegensatz zu vielen anderen Manga deutlicher angesprochen.

Der mit gutem Aussehen gesegnete ruhige Riese Kohei kommt bei Mädchen sehr gut an, empfindet aber die Kommunikation mit ihnen und anderen normal Hörenden als sehr anstrengend. Er und andere Schwerhörige und Gehörlose kämpfen außerdem mit Vorurteilen: Da sie nichts oder nur wenig hören, gelten sie für andere als arrogant, weil sie sie angeblich ignorieren. Da die meisten „Normalos“ keine Gebärdensprache sprechen, sind die Gehörlosen auf Lippenlesen und langsames Sprechen angewiesen. Das erschwert eine Teihabe an ansonsten ganz normalen Dingen wie z.B. einer Vorlesung – Taichi muss mitschreiben, weil der Dozent zu weit weg ist, damit Kohei ihn verstehen bzw. von dessen Lippen lesen kann.

Das stellt der Manga gut heraus: Er spricht an, wie Leute mit Handicap von der Gesellschaft behindert werden, und wie sich Missverständnisse und Vorurteile bilden. Taichi ist Vorbild: Er geht ganz unvereingenommen mit Kohei und anderen Gehörlosen um. Außerdem gelingt es ihm, sich in sie hineinzuversetzen. Kohei kommt Taichis laute und extrovertiert-übertriebene Art zugute: So kann er Taichi hören und seine Gesten besser verstehen. Indirekt wird damit angedeutet, dass jede*r gut ist, so wie sie/er ist. Taichi nervt zwar andere Hörende mit seiner extrovertierten Art, aber bei den Gehörlosen kommt er genau deswegen gut an.

Fazit

Gefühlvolle Manga-Reihe, die die romantische homosexuelle Liebe Schritt für Schritt entfaltet und das Leben mit Handicap gut beschreibt.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

My Roommate is a Cat 1-4

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Bild 1 - My Roommate is a Cat Band 2 (Deutsche Ausgabe) Carlsen MangaArtikelbild-0My Roommate is a Cat 4 als Taschenbuch

Haustiere als Therapie und Schlüssel zur Welt

Schriftsteller Subaru ist alles andere als ein Gesellschaftsmensch. Er lebt nur für sein Schreiben und vergisst darüber gern mal zu essen und zu schlafen. Das ändert sich, als ihm Straßenkatze Haru zuläuft. Auf einmal steht Subarus Leben Kopf: Nicht nur, dass er sich jetzt umgehend über die Bedürfnisse einer Katze informieren muss, wenn er kein verwüstetes Heim riskieren will.

Auch das gesellschaftliche Leben Subarus ändert sich nach und nach. Subarus Verleger ist fast jeden Tag bei ihm, weil er Haru so niedlich findet. Außerdem zieht ein Freund bei ihm ein und veranstaltet Chaos. Davon nicht genug muss sich Subaru mit dem weiblichen Geschlecht auseinandersetzen, wenn Haru etwas zu fressen haben soll: Nana, die nette Verkäuferin aus der Tierhandlung, ist selbst Katzenbesitzerin und versorgt ihn nicht nur mit Katzennahrung, sondern auch mit vielen hilfreichen Tipps rund um die neue Mitbewohnerin. Außerdem ist sie ein großer Fan des Mystery-Schriftstellers, ahnt aber nicht, dass ihr Idol der neue Kunde ist.

Das ändert sich, als Subarus Verleger ihn endlich zu einer Signierstunde überreden kann. Dort treffen sich die beiden und es kommt zu einem peinlichen, aber auch niedlichen Moment der Zweisamkeit. Als Subaru sich danach für sein Verhalten bei Nana entschuldigen und ihr ihren verlorenen Schlüssel wiedergeben will, trifft Haru auf ihr Brüderchen, das inzwischen bei Nana eine neue Bleibe gefunden hat. Haru trifft aber auch die Tochter einer netten Famulie wieder, die sie als Straßenkatze durchgefüttert hatte. Das kleine Mädchen und ihre Freundin sind ab jetzt öfter zu Besuch bei Subaru, auch weil sie ihm zeigen soll, wie man Katzenfutter selbst kocht.

Zwei Perspektiven

Die vorliegende Reihe wird aus zwei Perspektiven erzählt: Aus der Perspektive des Schriftstellers Subaru und der der Katze Haru. Dabei wird dieselbe Szene zweimal beleuchtet. Die Geschichte Harus fließt auf diese Art und Weise ins Geschehen mit ein: Sie hat als Straßenkatze gelernt, misstrauisch zu sein, sich durchzuschlagen und sich um ihre beiden Geschwister zu kümmern. Die seelische Verletzung, dass eines ihrer Geschwister trotzdem gestorben und das andere verschwunden ist, prägt sie. Ihr Drang, sich um andere zu kümmern, lebt sie an Subaru aus, von dem sie befürchtet, dass er wie ihre Gewschwister nicht genug isst und stirbt. Das führt zu einer Reihe von Missverständnissen zwischen Mensch und Katze, die als hintersinnige Situationskomik verwertet wird.

Allerdings wird Haru sehr vermenschlicht. Sie handelt und denkt wie ein Mensch in Katzengetalt. Katzenbesitzer*innen könnten diese Vermenschlichung durchaus kritisch sehen.

Die Idee, eine Situation aus mehreren Perspektiven zu erzählen, ist nicht neu, aber gut. Sie veranschaulicht, dass ein und diesselbe Situation immer mehrdeutig sein kann. Eine solche Erzählweise öffnet und erweitert den Horizont.

Soziales Miteinander

Diese Reihe macht deutlich, dass Menschen Herdentiere sind und andere brauchen, um sich wohlzufühlen. Allerdings macht sie auch deutlich, dass man, wenn man länger allein gelebt hat, sich erst einmal an den Trubel mit anderen gewöhnen muss. Auszeiten sind auch nötig, um sich zu erholen. Subaru scheint hochsensibel zu sein, denn er ist kreativ, tiefsinnig, empfindsam und braucht viel Ruhe, um Erlebnisse zu verdauen. Diese und seine Gedanken verarbeitet er in Büchern, die andere berühren und ihnen Lebensmut geben. Damit wird ein weiterer Aspekt angesprochen: Um sozial zu sein, muss man nicht unbedingt face to face mit anderen kommunizieren. Subaru ist ein von Grund auf guter Charakter, kann keiner Fliege etwas zuleide tun und versucht sich in andere (auch in seine Katze) einzufühlen. Dass er allein lebt, heißt also nicht, dass er nicht sozial ist. Soziales Denken und Fühlen ist eine Sache des Charakters und nicht der tatsächlichen sozialen Kontakte. Denn es kann genauso gut sein, dass jemand, der vordergründig mit aller Welt befreundet ist, diese Kontakte in hinterhältiger Weise ausnutzt.

Subaru hat sich nach dem Tod seiner Eltern, den er anscheinend nicht richtig verarbeitet hat, in ein Schneckenhaus zurückgezogen, wohl, um nicht wieder verletzt zu werden. Dabei ist er innerlich eingeforen. Haru holt ihn allein durch ihre Anwesenheit nach und nach aus seinem Schneckenhaus heraus. Jetzt muss Subaru nicht nur für sich, sondern auch für andere Verantwortung übernehmen. Durch die Katze nehmen seine sozialen Kontakte allmählich zu, sodass er lernt, nicht nur sozial zu denken, sondern sich auch im realen Kontakt zu anderen sozial zu verhalten. Das reduziert seine Einsamkeit und er erhält neue Anregungen für seine Bücher. Außerdem erhält er so die Chance, eine Freundin zu finden.

Ein wenig erinnert die Geschichte an heutiges soziales Verhalten, das oft per Handy oder Internet stattfindet, also in einer distanzierten und reduzierten Form, weil so Körper- und andere wichtige gestische und mimische Signale nicht oder nur schwer wahrgenommen in die Kommunikation einbezogen werden können. Kontakt über ein Medium wie Telefon, Handy, Internet ist nicht so (bedeutungs-)reich wie ein direkter Kontakt mit anderen Menschen.

Subaru bekommt durch den direkten Kontakt (positive) Rückmeldung, die vorher in der Art nicht möglich waren. Er bekommt Rückmeldung von seiner Katze und den Menschen seiner Umgebung, die ihm verdeutlichen, dass sie ihn nett finden oder seine Werke sehr schätzen. Das vermittelt Selbstbewusstsein und ermöglicht eine weitere Öffnung nach außen.

Fazit

Die Reihe ist ein Plädoyer für positive Mensch-Tier und Mensch-Mensch-Beziehungen. Jede*r darf so sein, wie sie oder er ist. Außerdem vermitteln positive Beziehungen Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein und eine generelle Öffnung zur Welt hin. Wichtig ist dabei der unmittelbare Kontakt zu anderen (nichrt bloß der mittelbare), auch um neuen Input zu erhalten – alles Nahrung für die Seele. Ruhige, aber trotzdem spannende Manga-Reihe, die aus der Sicht des Menschen und aus der Sicht der Katze erzählt wird: Mehrere Perspektiven derselben Situation ermöglichen einen erweiterten Horizont und vertiefen das Verständnis für sich und andere.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Kimi ni Nare – Finde dich selbst

 

https://www.carlsen.de/sites/default/files/produkt/cover/kimi-ni-nare---finde-dich-selbst_0.jpgFinde dich selbst

Oberschüler Taiyo spielt mehr schlecht als recht Gitarre – diese aber mit Leib und Seele. Als sich der Musikclub der Schule aufzulösen droht, will er seinen verschlossenen Klassenkameraden Hikari mit ins Boot holen. Hikari wurde früher eine große Karriere als Pianist bescheinigt, da er als Wunderkind galt. Aber aus einem Grund, den er niemanden wissen lassen will, hat er plötzlich mit dem Klavierspielen aufgehört. Auch für Taiyo will er keine Ausnahme machen. Dieser aber bleibt hartnäckig. Deshalb konfrontiert Hikari Tayio schließlich mit seiner Vergangenheit.

 

„Und egal wie schmerzhaft, qualvoll und frustrierend es auch sein mag … eines Tages kannst du zu deinem wahren Selbst werden.“ (Taiyo)

Der Einzelband behandelt das Thema der Selbstfindung in der Phase der Pubertät. Er geht auch auf die seelischen Verletzungen ein, die die Jugendlichen bis zu diesem Zeitpunkt erlitten haben. Wie so viele will Taiyo seine seelischen Verletzungen, die schon traumatische Ausmaße erreichen, unter einer fröhlichen Fassade und unter dem Slogan „Schau nach vorne!“ verstecken und verdrängen. Aber durch Ausweichen heilt man keine Traumata, man muss sich ihnen stellen. Das geschieht (wenn auch nicht unbedingt in sensibler Form) durch seinen Klassenkameraden Hikari. Er konfrontiert Taiyo mit seiner Vergangenheit. Durch diese Konfrontation kommt ein Denkprozess in Gang, in dem sich Taiyo immer mehr darüber klar wird, was er wirklich will. Der Manga gehört also, obwohl kein Roman, in die Kategorie des Entwicklungsromans. Taiyo macht sich (wenn auch nicht örtlich wie bei solchen) auf den Weg, und zwar auf den Weg in sein Inneres. Dieser Weg ist hart, schmerz-und leidvoll, gibt ihm aber letztlich den Mut, zu sich selbst zu finden und zu stehen.

Auch Hikari wird, wenn auch eher indirekt, durch Taiyo dazu gebracht, sich seiner Vergangenheit zu stellen, die ebenso schmerzhaft ist. Er bewundert Taiyos Eifer, Durchhaltevermögen und dessen Mut auch unangenehme Situationen bewusst in Kauf zu nehmen, um Menschen mit dem, was er tut, zu berühren. Die beiden sind sich gegenseitig Vorbilder und beide trauen sich – was Männer im Allgemeinen nicht gerne tun – in die Tiefen ihrer Seele abzutauchen, sich den Ungeheuern, die dort lauern, zu stellen und die Schatzkiste, die ebenfalls dort unten versteckt ist, zu heben. Damit sind sie Vorbilder! Dabei wird aber auch immer wieder deutlich, dass beide keineswegs vollkommen, sondern ganz normale Menschen sind, die gerne mal wegen mancher ihrer Eigenschaften bei anderen anecken.

Durch den Mut, seine Psyche zu ergründen, kommt es u.a. für Taiyo zu solchen Augenblicken der Erkenntnis wie diesen: „Es wäre schön, wenn traurige Dinge einfach aus der Welt verschwinden würden. Aber ohne traurige Momente würde man die schönen Augenblicke vielleicht gar nicht bemerken.“ Wäre Taiyo in seinem oben beschriebenen Fluchtschema erstarrt, käme keine positive Entwicklung in Gang.

 

Fazit

Der Manga behandelt Selbstfindungsprozesse, die (wie im wahren Leben) schmerzhaft, aber letztlich lohnend sind. Beide männlichen Hauptfiguren stellen sich – im wahren Leben gerade von Männern gern verdrängt – ihren psychischen Verletzungen und lernen sich dadurch besser selbst kennen und annehmen, sodass eine positivere Zukunft möglich wird. Der Manga verarbeitet also tiefenpsychologische und philosophische Themen, die ihn trotz der Kürze tiefgründig machen.

Das ist die Stärke so manch einen guten Comics oder Mangas wie diesem, dass sie tiefgründige Themen angehen und verständlich an die Leser*innen bringen können. Das ist definitiv eine Kunst, die aber leider kaum gewürdigt wird. So mancher Roman wird bei ähnlichen Themen (und unnötig komplizierter Schreibweise) in den Himmel gelobt, obwohl er keinesfalls besser als ein dergestaltiger Comic oder Manga ist. Aber Qualität ist überall zu finden, wenn man sich nur darauf einlassen will. Auch – und vielleicht sogar v.a. – in der oftmals verachteten und belächelten „neuten Kunst“ (die nicht umsonst so heißt).


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

My Genderless Boyfriend 1

Weiblich? Divers? Männlich?

Meguru ist ein typischer Influencer – sollte man meinen. Tatsächlich interessiert er sich für Dinge, die man klischeemäßig eher dem weiblichen Geschlecht zurordnet: Schminken, süß aussehende Sachen und schicke, farbenfrohe Kleidung. Und das alles teilt er täglich mit seinen vielen Followern. Die finden ihn toll und nehmen ihn sich zum Vorbild. Und sie wissen, dass er (ebenfalls entgegen aller Klischees) nicht schwul ist. Allerdings wissen sie nicht, dass Meguru schon seit langem mit seiner großen Liebe, der Manga-Redakteurin Wako, zusammen ist. Sie befürchtet, dass das seinem Immage schaden könnte. Da Wako ihn schon seit Schulzeiten managt, hält sie sich bei seinen Instagramm-Auftritten im Hintergrund. Wako selbst hält in der Öffentlichkeit ebenfalls geheim, dass sie einen Freund hat. Als eine neue Kollegin zufällig sie und Meguru zusammen sieht, zieht diese die falschen Schlüsse: Megurus weibliches Aussehen und Wakos Körpergröße verleiten sie zu der Annahme, dass Wako lesbisch ist.

 

„Ein stylischer Fellgood-Manga, der sich über alle Geschlechterklischees hinwegsetzt!“ (Verlag)

Der erste Band macht sich einen Spaß daraus, die Rollenerwartungen an Frau und Mann komplett über den Haufen zu werfen und (fast diabolisch) durcheinanderzuwirbeln. Und das ist auch gut so! Es fängt an mit einen kleinen Mann, der sich für gutes Aussehen und Schminken interessiert und dabei nicht schwul ist, geht weiter mit seiner Freundin, die das genaue Gegenteil von ihm ist (groß, Aussehen egal) über Megurus Freund Kira, der ein gefragtes androgynes Model ist und sich darüber beklagt, dass wegen seiner Art niemand mit ihm befreundet sein will, bis hin zu einem Umfeld, das generell neugierig auf Neues ist und somit mehr oder weniger vorurteilsfrei. Aber auch mit diesem Umfeld wird gespielt, wenn Meguru ganz selbstverständlich als Frau und damit als Freundin von Wako gehalten wird und Wako somit als lebsisch gilt, auch wenn beide (ganz konventionell) stramm hetero sind.

Das ist genug Spielwiese, um für viel Situationskomik zu sorgen und so auf humorvolle Art und Weise den Blick zu weiten für Diversität, die auch auf ihre eigene Art manchmal ganz konventionell ist. Die Natur legt es generell nicht auf Gleichmacherei an, sondern eher auf Diversität – Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden können oder auch nicht. Wie sonst lässt sich die Artenvielfalt auf der Erde und Homosexualität im Tierreich erklären?

Süß an dieser Manga-Reihe sind nicht nur die Figuren, das Styling und die Extras, sondern auch die Gefühle der Hauptfiguren, wenn z.B. Mako völlig fertig sagt, sie müsse kurz nach Luft schnappen, weil an Megurus androgynem Freund einfach alles phantastisch aussieht.

Aber es werden auch ernste Themen angesprochen. Kira leidet darunter, außer Meguru keine Freunde zu haben, weil auch die Leute in der Modewelt ihn sofort für arrogant halten, obwohl er das gar nicht sein und niemanden verletzen will.

Fazit

Insgesamt gesehen ist es es tatsächlich vordergründig ein Romance-Feelgood-Manga wegen seines Humors und der stylischen Elemente. Im Hintergrund aber schwingen Themen wie eine stabile Liebesbeziehung, Freundschaften mit Menschen, die anders sind, hartes Arbeitsleben und das Leben in einer immer mehr technisierten und gläsernen Welt mit.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

Ghostly Things 1

Übersinnliche Wahrnehmung

Oberschülerin Yachiho Takahara musste aufgrund ihres ständig abwesenden Vaters schon früh selbstständig werden. Wieder auf Forschungsreise hat dieser vorher für sich und seine Tochter ein Haus gekauft, das in der Umgebung als Geisterhaus verschrien ist. Yachiho merkt auch schon bald warum: In ihm wimmelt es von Natur- und anderen Geistern. Um sich in der Anderswelt besser zurecht zu finden und um ihre verschollene Mutter zu finden, stimmt sie zu, die Gehilfin des Grenzgeistes Moro zu werden. Außerdem sucht sie in dem Haus, das vorher einem Mann gehört hat, der ebenfalls Geister sehen konnte und zu ihnen geforscht hatte, nach der „Schrift des Totenreiches“. Denn auch diese Schrift könnte Hinweise zum Verbleib ihrer Mutter geben.

Mensch, Natur und Technik

Wie in Irland, aber auch in Deutschland, sind Geister und Naturwesen wesentlicher Bestandteil von Sagen und Mythen. So auch in Japan, das einen reichen Mythenschatz zu besitzen scheint. Und dieser wird auch gern für Mangas und Animes angezapft und verarbeitet. Man denke nur z.B. an Studio Ghiblis Animes „Prinzessin Mononoke“ oder „Pompoko“, in denen es vorwiegend um den Streit zwischen den (technisierten) Menschen und der Natur geht. Auch dieser wird in dem vorliegenden Manga in Form des Herrn Kamo angesprochen. Er vertritt im Gegensatz zu Yachiho die Auffassung, dass man mit Naturgeistern nicht einträchtig zusammenleben kann. Er hält sie für gefährlich und v.a. will er deren Fähigkeiten kontrollieren und für die Technik zunutze machen. Seine Einstellung gegenüber Natur(geistern) ist feindselig, die von Yashiho offen und freundlich, obwohl sie sich auch fürchtet.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Geschlechterverteilung. Die naturfreundliche Einstellung wird von der Frau vertreten, die naturfeindliche vom Mann. Bezieht man das auf die Literatur über Matriarchat und Patriarchat, so scheinen erstere mit der Natur und zweitere gegen die Natur zu leben. V.a. das Patriarchat hat eine Neigung dazu, die Natur unterordnen und beherrschen zu wollen, sich über die Natur zu erheben und sich von ihr unabhängig machen zu wollen – koste es, was es wolle. Im Manga wird das durch folgenden Dialog zwischen Herrn Kamo und Yashiho deutlich: „Du verstehst da offenbar etwas falsch! Naturgeister besitzen Kräfte, die den Menschenverstand übersteigen. Das sind keine Wesen, mit denen man einträchtig zusammenleben kann. Doch wenn man ihre Kräfte auf diese Weise kontrolliert, dann werden sie zu Werkzeugen, die mit großartigen Technologien ausgestattet sind.“ (Kamo) „Naturgeister sind vielleicht furchteinflößend, aber das heißt doch nicht, dass man mit ihnen nicht auskommen kann. Bitte lassen Sie die beiden frei!“ (Yashiho)

Yashiho ist hier vorbildhaft. Sie steht für das Gewissen, für die Verbundenheit mit der Natur, und sie stellt sich gegen eine Herrschermentalität, die keinen Raum für ein friedliches Miteinander lässt und deswegen Schaden in allen Bereichen anrichtet. Auch das wird im Manga weiter ausgeführt: Sehr behutsam lässt der Baumgeistlehrer sich seine kleinen Baumgeisterschützlinge in ihrem eigenen Tempo entwickeln und leitet sie an, anstatt sie mit Wissen vollzustopfen (man denke z.B. an die Montessouri-Pädagogik oder die des offenen Konzepts in Kitas) und schiebt deshalb seinen Tod auf, während Herr Kamo den Baumgeist, der sich vordergründig am langsamsten entwickelt, hintergründig aber eine Tiefe beweist, die den anderen noch fehlt, vorsätzlich mit seinem Schuh zertritt.

Da schwingt Kritik mit, wie der (patriarchale) Mensch mit der Natur umgeht, die die Heimat und nährende Mutter für alle Lebewesen ist – auch für den Menschen. Das lateinische „mater“ für „Mutter“ steckt wie auch „materies“ für u.a. „Holz“ in dem Begriff „Materie“…

Offen sein für Dinge, die die Wissenschaft (noch) nicht nachweisen kann

Ein weiteres Thema ist das des Mediums, das in der Lage ist, eine Welt wahrzunehmen, die für die meisten anderen verschlossen ist. Da kommen einen fernsehaffine Medien wie Ira Wolff, Theresa Caputo, Tyler (Hollywood-Medium) oder Thomas John in den Sinn – wobei man hier kritisch anmerken könnte, dass diese ihre Gabe (sofern tatsächlich vorhanden) hochpreisig verkaufen. Ich würde behaupten, dass bei Medien, die tatsächlich mit ihrer Umwelt verbunden sind, auch die Preise für jederfrau/-man erschwinglich sind.

Eine grundsätzliche Offenheit für ein Mehr als die Wissenschaft bisher bestätigen kann, ist aber wohl von Vorteil. Denn die Technik scheint bzgl. aller (Natur-)Phänomene hinterherzuhinken. Allerdings muss man sich hier (wie sonst auch) vor Scharlatanen hüten.

Der Manga greift das Thema Medium auf, aber auch die Angst solcher medial begabter Menschen vor einer Welt, die sie aus o.g. Gründen nicht zu verstehen gelernt haben. Auch Yashiho hat Angst, aber sie stellt sich ihrer Angst und ist bereit dazuzulernen.

Der spannende Manga ist der 1. Band einer Reihe, die von den gut auf den Inhalt abgestimmten Zeichnungen mehr verspricht.

Fazit

Die Themen der medialen Begabung und des Konflikts „(patriarchaler) Mensch versus Natur“ werden im ersten Band der Reihe stimmig und spannend umgesetzt.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Yakuza goes Hausmann 1-4

Yakuza goes Hausmann 1Yakuza goes Hausmann 2Yakuza goes Hausmann 3Yakuza goes Hausmann 4Vom Vollzeit-Yakuza zum Vollzeit-Hausmann!

„Immortal Tatsu“ galt in der Unterwelt als gefürchtete Legende. Seit seiner Heirat aber schlägt er einen völlig neuen Weg ein: der des Hausmanns. Und zwar des Vollzeithausmanns! Da man aber auch immer Kind seiner Vergangenheit ist, kann selbst Tatsu seine nicht ganz hinter sich lassen. Das führt oft zu skurrilen Situationen: Seine liebevoll gehegte Küchenkräutersammlung auf dem Balkon z.B. wird zu einem Hanf-Verdachtsfall bei der Polizei. Die hat den ehemaligen Kriminellen sowieso auf dem Kieker. Aber auch die Gratis-Fitnesswoche oder das Mütter-Yoga kann nostalgische Yakuza-Erinnerungen wecken: „Das ist doch die Mein-Boss-Hat-Mir-Mit-Nem-Holzschwert-Ordentlich-Eine-Geballert-Pose!… Die Astreiner-Kopfschuss-Pose!“ Der Kampf mit Kakerlaken, die Verkleidung als Weihnachtsmann für die Kids vom Kiez, das Volleyballspiel mit Müttern und der Gang, der Einkauf beim Fischhändler oder der Verkauf von niedlichem Selbstgestrickten auf dem Flohmarkt – die Verbindung zu seiner Vergangenheit, und sei sie noch so unwahrscheinlich, ist immer präsent.

Vergleich von Äpfeln und Birnen

Und gerade das macht einen Großteil der (Situations-)Komik dieser Reihe aus. Die Serie lebt von diesem ungewöhnlichen Vergleich von Äpfeln und Birnen, wobei man als Leser*in immer wieder staunt, dass dieser Vergleich tatsächlich gelingt. Richtig schräg wird es, wenn das astreine Kriminellen-Gesicht nicht nur beim Aerobictraining lächeln soll und die durchtrainierte Figur Tatsus in einer niedlichen, rüschenbewehrten und knallengen Hausfrauenschürze steckt. Aber gerade dies regt das im alltäglichen Trott verhaftete Hirn der Leser*innen zum Nach- und Umdenken an. Und zwar auf eine sehr amüsante Art und Weise, was auch die Cover schön verabschaulichen.

Rollentausch

Zum Umdenken regt aber auch der Rollentausch an, und dieser gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen natürlich der Tausch vom gefürchteten und gefährlichen Kriminellen zum Vollzeithausmann. Zum anderen aber auch (und nicht zuletzt) der Tausch der weiblichen und männlichen Rolle. Tatsus Frau ist die Alleinverdienerin der Familie und wird von ihrem Göttergatten auch so behandelt. Dafür schätzt sie ihn (im Gegensatz zum alleinverdienenden Mann, der seine Hausfrau eher wenig schätzt und alles, was sie für ihn und andere tut, als selbstverständlich nimmt). Er umsorgt seine Herzensdame, die schwer gestresst von der Arbeit kommt, aufs Sorgfältigste und Liebevollste und das bin hin zu ernährungstechnisch-medizinischen Details. Er macht sich immens viele Gedanken um ihr Wohlbefinden, sorgt sich auch um Nachbarskinder und um hilfesuchende Kumpels und geht voll in seiner neuen Rolle als Hausmann auf.

So einen liebevollen, empathischen und die Hausarbeit tatsächlich ernst nehmenden Mann findet frau in der Realität leider viel zu selten. Tatsu ist vom Inneren her komplett das Gegenteil seines Äußeren. An dieser Stelle seien auch die hervorragenden aktuellen Dokumentationen des SWR von „betrifft:“ empfohlen, die das Thema des Männerbildes und der (krank machenden) Superwoman-Rolle der Frau mit all ihren Konsequenzen zeigen:

https://www.swrfernsehen.de/betrifft/familie-heute-was-muetter-leisten-100.html

https://www.swrfernsehen.de/betrifft/familie-heute-wie-vaeter-sich-veraendern-100.html

Gerade letztgenannte Doku geht auf Väter ein, die tatsächlich Väter sein wollen – bis hin zum Hausmann, der in einer Gesellschaft, in der die traditionellen Geschlechterrollen immer noch in den Köpfen der Menschen (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik) herumspuken, sich erst noch seinen Status erkämpfen muss. Aber v.a. die Männer, die tatsächlich ihre 50% zur Kindererziehung und im Haushalt leisten oder selbst Hausmann werden wollen, sind von Frauen gewollt und auf kurz oder lang das Zukunftsmodell Mann. Die Doku über Mütter zeigt, was Alleinerziehende leisten, wie tradititionelle Rollen die Frauen immer noch (zusätzlich zu ihrem Job) belasten und dass Homeschooling und Homeoffice (v.a. in Verbindung) ein Geschlecht hat, und das ist nicht männlich… Mich packt die nackte Wut, wenn ich sehe und höre, wie sich viel zu viele Männer immer noch mit erstaunlich viel Energie und Fantasie aus allem, was nur geht, herausreden und der Frau alles, was nur geht, aufbürden!

Der Manga zeigt in humovoller Art, wie es anders gehen kann. Und allein dafür gebührt ihm das Bundesverdienstkreuz.

Fazit

Humorvoller Manga, der gekonnt Äpfel mit Birnen vergleicht und dabei Rollenklischees komplett über den Haufen schmeißt! MEEEEEEHHR davon!!!


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

BL-Metamorphosen: Geheimnis einer Freundschaft 2

Vertiefung der Freundschaft

Zusammen stürzen sich die 17-jährige Schülerin und Buchverkäuferin Urara Sayama und die 75-jährige pensionierte Kalligrafielehrerin Yuki Ichinoi in das Abenteuer einer Manga-Messe. Beide unerfahren auf diesem Gebiet, aber voller Enthusiasmus überstehen sie lange Warteschlangen, unübersichtliche Hallen und die mehrstündige Verspätung ihrer Lieblingsmangaka. Das lange Warten, Erschöpfung und müde Beine lohnen sich: Sie können mit „ihrer“ Mangaka ein paar Worte wechseln, ihr die Hand schütteln – und ihren neuesten Manga erwerben. Auch weiteres Lesefutter von Dojinshi-Zeichnerinnen ist hoch willkommen und sorgt gerade bei Urara für Überraschungen, denn Yuki interessiert sich durchaus für explizitere Manga mit ausnehmend hübschen Männern.

Wieder zuhause wird eifrig über die Messe diskutiert, eine monatliche Diskussionrunde ins Leben gerufen und auf Neuerscheinungen aufmerksam gemacht. Dabei kommt aber auch der Alltag nicht zu kurz: Ob das der überraschende Besuch von Yukis erwachsener Tochter ist oder der Liebeskummer von Uraras Sandkastenkumpel – sowohl Alltag als auch Hobby verbinden sich harmonisch, bieten Austausch- und Erfahrungsgelegenheiten und damit eine Vertiefung der ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Nur über eins traut sich Urara nicht zu sprechen: die Liebe. Denn das scheue Mädchen ist in der Liebe gänzlich unerfahren.

Harmonische Verbindung von Alltag und Hobby

Die harmonische Verbindung zwischen Alltag und Hobby setzt der Manga auch in der Panel-Gestaltung um: Die Schlüsselszenen des Lieblingsmangas der beiden Frauen tauchen in ruhigen Momenten immer wieder auf und gehen nahtlos über in die Alltagsszenen; eine Erzählung innerhalb der Erzählung. Auch der stressige Arbeitsalltag einer Mangaka wird angerissen und steht in deutlichem Kontrast mit dem friedlichen Dahinplätschern des Schülerdaseins von Urara und dem der Pensionärin Yuki. Die Mangaka lebt zwar ihren Traum, zahlt aber einen hohen Preis in Form von Stress und chronischer Schlaflosigkeit. Wohl ein Grund, warum ihre Freundin lieber Dojinshi-Zeichnerin bleiben und nicht ins Profi-Geschäft einsteigen will.

Dafür bietet die Mangaka durch ihre Geschichte Fans schöne Stunden allein und/oder gemeinsam, denn der Austausch über das Lieblingshobby fördert durchaus das soziale Miteinander. In jedem Fall fördert es die Freundschaft von Yuki und Urara, bietet aber auch Anlass zum Nachdenken für Uraras Sandkastenfreund, der unwillkürlich seine Kumpeline mit seiner Freundin vergleicht. Die Freundin selbst, obwohl hübsch und diszipliniert, fühlt sich der eher unscheinbaren Urara unterlegen, schafft es Urara doch, mit ihrem Freund ganz selbstverständlich umzugehen. Urara selbst weiß, dass sie eher einen Außenseiterstatus und es damit schwer hat und versteht die Reaktion des beliebten Mädchens nicht.

„Frauenbild einmal anders, bitte!“ „Et voilà!“ 🙂

Auch das ist in diesem Manga wohltuend anders: Neben einer Frauenfreundschaft, die trotz Schüchternheit mit Offenheit und Neugier auf die Welt Generationsgrenzen überwindet, sind die beiden weiblichen Hauptfiguren alles andere als dem Zeitgeist entsprechend hübsch.

Yuki ist sichtbar alt und damit per se schon eine Ausnahme in Manga und Comics, die als Hauptpersonen eher junge, hübsche Frauen, am besten sexy aufgemacht (v.a. in Comics und Mangas für männliche Leser) bevorzugen. Dass sie ihres Alters zum Trotz oder gerade deswegen (s. Erfahrung, Gelassenheit) nicht aufs Abstellgleis gehört, beweist Yuki immer wieder, obwohl die Alterserscheinungen sowohl ihres Körpers als auch ihres Hauses, die Alterswehwehchen und die damit einhergehenden Schwierigkeiten nicht verschwiegen werden. Geistig ist sie fit und offen für neue Erfahrungen, die ihre Lebensqualität spürbar verbessern und sie aus der Einsamkeit herausführen. Sie selbst lässt sich innerlich und äußerlich nicht gehen und besucht auch gern mal den Friseur.

Urara erinnert vom Äußeren her eher an eine schwarze, struppige Krähe und ihre winzigen Augen stehen dem asiatischen Schönheitsideal der runden, westlichen Augen in krasser Form entgegen. Urara erinnert ihre Mutter  an die schwarzen (niedlichen) Rußmännchen aus dem von Studio Ghibli produzierten Film „Totoro“. Dass ihre Mutter sie niedlich findet, ist allerdings auch das beste, was Urara bzgl. ihres oft auch männlich aufgemachten Äußeren von ihrer Umwelt erwarten darf. Ihr Sandkastenfreund schätzt noch ihre trotz ihres verschlossenen Gesichtsausdrucks freundliche Art. Beide Frauen machen sich nichts aus Äußerlichkeiten, auch bei anderen nicht, sodass Kommunikation möglich wird. Sie schauen hinter die für Asien so wichtige Maske. Yuki z.B. ist es völlig egal, was andere von ihr und ihrem Hobby halten.

Das doch oft sehr eindimensionale Frauenbild in Comics und Mangas wird so wohltuend erweitert und hat Vorbildfunktion!

Fazit

In wohltuend ruhiger, unaufgeregter Form wird eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft, verbunden durch ein ungewöhnliches Hobby, warmherzig und liebevoll beschrieben. Das Frauenbild selbst hebt sich sehr positiv von dem der sonst üblichen Manga und Comics ab, sodass sich „echte“ Frauen durchaus wiederfinden und den beiden weiblichen Hauptcharakteren nur fest die Daumen für eine lange, fruchtbare Freundschaft drücken können, die man sich auch im realen Leben wünschen würde.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

I had that same dream again 3

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Des Rätsels Lösung

Nanoka will sich Rat bei Frau Abazure holen, denn ihr Freund Hikari hat sich zu Hause verbarrikadiert und will die Schule nicht mehr besuchen, seitdem er gemobbt wurde. Die beiden Freundinnen sprechen sich gegenseitig Mut zu und tauschen wichtige Tipps für ihre Lebenswege aus. Gestärkt mit diesen Tipps, aber angesichts des Verlustes von Minami mit der Furcht im Herzen, dass auch Frau Abazure verschwindet, geht Nanoka zu Hikari. Sie hat sich vorgenommen, zu seinem Herzen zu sprechen. Tatsächlich gelingt ihr der Zugang zu Hikaris Herz und der Junge geht wieder zur Schule. Dort wehrt er sich auf seine Weise gegen die Anfeindungen und steht Nanoka bei. Aber als Nanoka Frau Abazure von ihrem Erfolg erzählen will, erfährt sie, dass in ihrem Apartment nie eine Frau gewohnt haben soll. Voller böser Vorahnungen geht Nanoka zum Haus ihrer ältesten Freundin und hofft, wenigstens sie noch anzutreffen.

Träume, Paralleluniversen, Zukünfte, das eigene Ich

Der letzte Band der Reihe löst nach und nach die Rätsel auf, vor die sich Nanoka gestellt sieht. Dabei bedienen sich die Autorinnen der Träume innerhalb eines Traumes und lassen dabei Paralleluniversen und diverse Zukunftszweige aufeinander treffen. Alle Frauen mit ihren unterschiedlichen Lebenswegen und Nanoka haben diesen einen Traum – und er ermöglicht ihnen nach und nach eine glückliche Zukunft. Nanoka lernt, dass jede Entscheidung, die sie trifft, einen neuen Zweig der Zukunft eröffnet, dass es viele Abzweigungen geben kann, die in jeweils unterschiedliche Richtungen führen. Und sie lernt, dass alle Antworten für eine glückliche Zukunft in ihr selbst liegen. Aus ihrem letzten Traum erwacht sie in der für sie glücklichsten Zukunft. Diese hat sie im Gespräch mit ihren unterschiedlichen Ich-Aspekten herausgearbeitet und überführt die wichtigsten Eigenschaften dieser Aspekte in ihr für sie bestes Leben. Ebenso deutlich wird, dass man in egal welchem Alter sein Leben zum Besseren wenden und trotz seelischer Narben das Beste aus sich herausholen kann.

Die schwarze Katze Merle fungiert dabei als sanfte Führerin Nanokas durch die verschiedenen Universen ihres Ichs. Bedenkt man, dass Katzen (v.a. schwarze; Schwarz steht für fruchtbaren Mutterboden => in dem Manga sind das wohl die fruchtbaren Gespräche und Ideen) früher zu den heiligen Tieren der Großen Göttin gehörten, die wie die Göttin selbst verteufelt wurden, dass die Katze bzw. der Hase eines der Tiere des chinesichen Kreises der Sternzeichen ist und sie zudem als Krafttier für Selbstbestimmtheit, innere Weisheit, den 7. Sinn und geistige Entfaltung steht, scheint Merle die göttliche Gesandte für Nanokas Lebensglück zu sein. Später verschwindet auch sie, aber Nanoka besitzt letztlich eine Katze, die Merle zum Verwechseln ähnlich ist.

Fazit

Insgesamt scheint diese Manga-Reihe eine Mischung aus Elementen der Science Fiction, der Psychologie, der frühen Religionen und der Esoterik zu sein. Und diese Mischung ist äußerst gelungen! Die Lebenstipps in dem Manga dürfen ruhig bedacht und für das eigene Leben geprüft werden. „Halte dich an dich selbst, finde heraus, was du wirklich willst, mache dich mutig Schritt für Schritt auf den Weg, entwickle wohlwollende Empathie und vertraue bei der Prüfung anderer Menschen auf dein Herz“ scheint die Essenz dieser Manga-Reihe zu sein. Nicht die schlechteste, wie ich finde.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Sunny 1

Leben in Waisenhaus

Im Kinderheim „Star Kids“ sind Pflegekinder mit unterschiedlichen Charakteren aus ebenso unterschiedlichen Familienverhältnissen untergebracht. Allen gemeinsam ist, dass ihre Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu erziehen. Die Kinder wissen, dass sie anders sind und deswegen in der Schule als Außenseiter abgestempelt werden. Das schweißt sie notgedrungen enger zusammen. Gemeinsamer Zufluchtsort der Heimkinder ist ein alter Nissan Sunny, in dem sie in ihre eigene Fantasiewelt abtauchen und so Kraft für den Alltag schöpfen können. Weiterlesen


Genre: Graphic Novel, Manga
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BL Metamorphosen – Geheimnis einer Freundschaft 1

BL-Otaku – man muss nicht immer jung sein!

Die 75-jährige Witwe Yuki Ichinoi hat sich in ihrem ruhigen, überschaubaren Leben eingerichtet. Aber das ändert sich, als sie eines Tages entdeckt, dass ihr Lieblingscafé geschlossen hat. Das erste Mal seit langer Zeit sucht sie stattdessen eine Buchhandlung auf. Aber anstatt der dort vermuteten Kochbücher landet sie in der Abteilung für Manga. Aus einem Impuls heraus sieht sie sich einen romantischen BL-Manga (Boys Love Manga = Manga, der sich mit der gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen jungen Männern beschäftigt) an. Und beschließt spontan, ihn zu kaufen. Der jungen Verkäuferin und Oberschülerin Urara Sayama fallen fast die Augen aus dem Kopf, als sie den Manga sieht. Denn Urara hat ein Geheimnis: Sie ist bekennende BL-Otaku (Fan von BL) und wünscht sich schon seit langem jemanden, mit dem sie über ihr Hobby reden kann. Dass es ausgerechnet eine alte Oma sein würde, wäre ihr aber im Traum nicht eingefallen. Und doch entsteht zwischen den beiden Frauen aus so unterschiedlichen Generationen und ebenso unterschiedlichen Charakteren eine zarte Freundschaft, die beide gewissenhaft zum Erblühen bringen.

Meta-Manga

Immer noch zu wenig, aber dennoch gibt es sie – die Manga über Manga (und deren Fans). Eine ähnliche Richtung schlug schon der 2009 in deutscher Übersetzung erschienene Manga „Akihabara Shojo“ von Rize Shinba und Pentabu ein, eine Geschichte über die Liebesbeziehung eines jungen Mannes zu einer Frau, die BL liebt. Dort liegt der Fokus der im Übrigen auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte eher auf dem Humor, während in „BL-Metamorphosen“ großer Wert auf einen ruhigen Storyaufbau und auf die unterschiedlichen, immer liebenswerten Charaktere gelegt wird, die ein schönes Hobby eint. Das spiegelt sich schon im Cover wider.

Dabei wird auch gleich mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Senioren zum alten Eisen gehören und damit veraltete Ansichten haben. Tatsächlich ist die ruhige Yuki der treibende Pol hinter dieser Freundschaft, denn v.a. von ihr gehen die Impulse aus, Fragen zu stellen und sich zu treffen. Und sie ist sich nicht zu schade, ein altes Hobby von ihr, nämlich die Lektüre von Mangas in Jugendtagen, wieder aufleben zu lassen. Auch wenn ihr das BL-Genre anfangs gänzlich fremd ist. Da zeigt sich eine Offenheit und Flexibilität, die junge Leute Älteren oft nicht mehr zutrauen. Yuki betritt im wahrsten Sinne des Wortes Neuland, als sie mit Urara auf eine Manga-Messe geht.

Metamorphosen

Das altgriechische Wort „metamorphosis“ bedeutet übersetzt „Umgestaltung“. Und tatsächlich gestaltet sich sowohl das Leben von Yuki als auch das von Urara um – und zwar zum Positiven. Die ältere allein lebende Dame erhält Gesellschaft und die einsame, schüchterne Urara eine Gesprächspartnerin. Eine Win-Win-Situation also. Schon im ersten Band wird deutlich, dass beide Frauen ihre Komfortzone verlassen und dafür mit neuen, schönen Erlebnissen belohnt werden, die ihr Leben wieder lebenswert machen. Dabei verändert sich auch allmählich der Charakter der beiden, indem dieser sich öffnet und weitet. Und dabei wird mit noch einem Vorurteil aufgeräumt: Der bzw. die Otaku, die/der sich im Zimmer ein- und die Welt ausschießt. In diesem Manga öffnet sich durch ihr gemeinsames Hobby die Welt wieder, anstatt dass sie außen vor gelassen wird. Und: Die Sozialkompetenz der beiden Frauen steigt. Gerade weibliche Otakus können nämlich sehr gesellig sein, wenn sie die richtigen Menschen kennenlernen. Und kreativ sind sie allemal.

Fazit

Es kommt nicht oft vor, dass ich Mangas mehrmals lese. Aber dieser ruhige, empathische Manga, der einen zarten, offenen und trotzdem bodenständigen Optimismus verströmt, gehört definitiv zu meinen Lieblingen, die auch nach mehrmaligem Lesen nicht langweilig werden. Ich bin schon sehr gespannt auf Band 2!


Genre: Manga
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Santa Maria Heartland

Verbotene LiebeArtikelbild-0

Herzliches, liebevolles, gütiges Verhalten – für all das stand Maria, die Gründerin des Staates Santa Maria Heartland. Aber ihre Nachfahren wurden zunehmend selbstsüchtig und dem Volk gegenüber tyrannisch. Schließlich beendete ein Militärputsch die Monarchie blutig. Nur der kleine Prinz Lyon und sein persönlicher Leibgardist Olivier konnten entkommen. Einige Jahre später dienen beide beim Militär. Lyon kann sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern und Olivier möchte die schmerzlichen Erinnerungen und die damit verbundenen Gefahren von seinem Schützling fernhalten. Allerdings hat er die Rechnung ohne seinen Vorgesetzten gemacht, der in den Unterlagen recherchiert und einige Unstimmigkeiten bzgl. der Herkunft der beiden herausgefunden hat. Als sei das noch nicht genug, schlagen sich beide mit der unheilvollen Liebe füreinander herum. Denn die homosexuelle Liebe war schon unter der Gründerin verboten.

Staaten und Homosexualität

… diese Paarung war immer schon ein schwieriger Fall. Sieht man sich Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, Saudi-Arabien, Katar, Sudan, Mauretanien und Jemen steht die Todesstrafe auf (männliche) Homosexualität. In Nigeria, Somalia und Syrien müssen Homosexuelle ebenfalls in einigen Teilen der Länder mit der Todesstrafe rechnen. Bestraft wird sie u.a. in Russland und Litauen. Und auch in Deutschland standen homosexuelle Handlungen zwischen Männern bis zum 11. Juni 1994 unter Strafe. Frauen scheinen in manchen Ländern besser dazustehen – aber nur vordergründig. Denn der Frau wurde z.B. in Deutschland lange Zeit keine eigenständige Sexualität außerhalb des Mannes zugebilligt. So erhielt auch ihre sexuelle Orientierung weniger Aufmerksamkeit.

Auf diese Zusammenhänge spielt der Manga an, führt sie aber nicht weiter aus. Man erfährt z.B. nicht, warum die Homosexualität bestraft wird und wie diese Strafe aussieht. Zumindest ist die Homophobie, und die damit verbundene Schwierigkeit sich zu outen, ein Thema dieses Mangas, was oft in Shonen-Ai-Mangas mit dem äußeren Rahmen eines Fantasiestaates fehlt oder höchstens angedeutet wird. Die unterschwellige Bedrohung für die Protagonisten ist immer fühlbar. Ihre Liebe müssen sie also unterdrücken oder heimlich ausleben. Beides probieren die Protagonisten aus, aber beides ist nicht wirklich gangbar für sie.

Maria

Die Anspielung auf die Gottesmutter Maria in dem Manga ist offensichtlich. Allerdings wird in der christlichen Religion diese göttliche Frau, in der die prähistorische Göttin in sehr beschnittener Form überlebt hat, der „normalen“ Frau enthoben und so für sie unerreichbar. Denn die Frau im Katholizismus wird vor die für sie unmögliche Wahl gestellt, entweder eine Hure zu sein oder ein asexuelles Wesen in Form der Gottesmutter. Dazwischen gibt es nichts, was nicht nur extrem frauenfeindlich, sondern auch für das Selbstbewusstsein und die Identität einer Frau äußerst schädlich ist. Was auch so gewollt ist, denn die Frau soll sich ja unterwerfen.

Die Maria in dem Manga wird zwar als Heilige verehrt, ist dem normalen Menschen aber nicht enthoben. Sie war eine normale Frau, die allerdings als heilig empfundene Werte wie Mildtätigkeit und Barmherzigkeit verkörpert hat. Diese weitete sie aber nicht auf alle Menschen aus. Sie taucht wieder in Form der Mutter Lyons auf, die – im Gegensatz zur restlichen königlichen Familie – offene Ansichten vertritt.

Fazit

Insgesamt gesehen ein netter, romantischer Manga über männliche Homosexualität, der tiefgreifendere Probleme dieser sexuellen Richtung zwar deutlicher ausführt als andere Manga, es da aber immer noch Luft nach oben gibt. Zumindest wirbt er indirekt für mehr Toleranz, was auch im Herzkreuz des Titels dargestellt wird. Wahre Liebe sollte sich frei entfalten dürfen und nicht gekreuzigt werden.


Genre: Manga
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Unsere Farben 1


Oberschüler Sora trägt schon lange schwer an seinem Geheimnis: Er ist schwul. Und weil er die negative Reaktion seiner Klassenkameraden auf das Thema Homosexualität kennt, hat er sich dazu entschossen, seine wahre Identität geheim zu halten. Deshalb verschweigt er auch seinem Klassenkameraden Yoshioka, dass er ihn liebt. Selbst seine Sandkastenfreundin Nao weiß nichts von seinen sexuellen Neigungen.

Um im Alltag zu bestehen, hat sich Sora eine Maske aus Ausreden, Schweigen und Lügen aufgebaut. Diese Maske bekommt einen großen Riss, als sein Schwarm Yoshioka mit den anderen Schwule auslacht. Ab diesem Erlebnis ändert sich Soras Leben langsam, aber nachdrücklich. Erst gesteht ihm ein älterer Mann, dass er ihn mag, dann erkennt Sora, dass er ertrinken und ersticken würde, wenn er nicht endlich zu sich steht. Und als er dem älteren Mann in dessen Café folgt, findet er nicht nur neuen Mut, sondern auch ein neues Zuhause, in dem er sein darf, wie er ist.

Homosexualität

Dieser Manga widmet sich endlich dem Thema Coming Out und beschreibt sehr detailiert und einfühlsam, welchen Schwierigkeiten sich ein homosexueller Mensch (nicht nur in Japan, aber dort u.a. besonders) gegenübersieht, wenn er sich outen will. Er beleuchtet Soras Gefühlswelt und seine Maske, sowie die Einsamkeit und das vermeintlich Normale, das so verletzend wirken kann. Es ist ein Enwicklungsmanga, der den Weg Soras zu seinem wahren Ich warmherzig und empathisch nachvollzieht. Soras Schlüsselerlebnis für sein eigenes Comig Out ist das Liebesgeständnis eines anderen Mannes. Das gibt ihm dem Mut, zuerst diesem Mann und dann seiner besten Freundin seine Homosexualität zu gestehen. Er fängt mit Menschen an, die ihn verstehen könnten, und gewinnt dadurch an Sicherheit, mehr Selbstbewusstsein und einen Schutzraum.

Farben

Die Farben spielen in diesem Manga eine wichtige Rolle. Sora und seine Freundin Nao sind in der Kunst-AG. Allein das weckt schon Assoziationen bzgl. eines empfindsamen Menschen. So soll Sora im Café auf einer Wand ein Bild malen. Er fängt an mit den Gesichtszügen Yoshiokas, löscht diese aber wieder. Das spiegelt seine widerstreitenden Gefühle gegenüber seines Schwarms wider. Sora sieht die Welt einerseits mit den Augen eines Künstlers und beschreibt detailiert die Farben des Himmels und des Meeres, die er sieht. Andererseits bilden die Farben den Zustand seiner Gefühle ab. Das führt zu der Farbe Blau und zum Meer. Beides gilt als Symbol des Unterbewussten und der Emotionen. Sora hat das Gefühl, im Meer seiner unterdrückten Gefühle zu ertrinken. Der Himmel beschreibt das Transzendente, aber auch das Gefühl der Freiheit, das Sora letztlich empfinden will.

Es gibt noch eine weitere Komponente: Die Farben des Regenbogens sind u.a. die Farben der Homosexualität. Farben werden in diesem Manga also in die Tiefe gehend und damit vielschichtig eingesetzt.

Aussehen

Im Gegensatz zu den meisten BL-Mangas sehen die Figuren in diesem Manga nicht extrem schön, sondern wohltuend alltäglich aus. Auch Sora, selbst eher unscheinbar, hat sich in einen Mann verliebt, der alles andere als hübsch ist. Auch das vermittelt wichtige Botschaften: 1. Aussehen ist nicht alles. 2. Homosexuelle sind Menschen wie du und ich. Es müsste mehr Mangas geben mit alltäglich aussehenden Menschen.

Der Autor

Gengoroh Tagame ist Mangaka, Art Director und hat Romane geschrieben und illustriert. 2014 veröffentichte er den 4-bändigen Manga „Der Mann meines Bruders“, der für Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen wirbt und internationale Erfolge feierte. Tagame bekam dafür u.a. den Eisner-Award. 2018 wurde die Reihe als Fernsehserie adaptiert. Außerdem nahm der Autor an vielen Ausstellungen in Paris, Berlin und New York teil.

Fazit

Einfühlsamer Manga über die Schwierigkeiten, denen sich homosexuelle Menschen im Alltag und beim Coming Out gegenübersehen.


Genre: Manga
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I had that same dream again 2

I had that same dream again 2

„Das Leben ist eben wie eine Wassermelone“ (Nanoka)

Immer noch auf der Suche nach dem, was eigentlich Glück ist, erfährt die 10-jährige Nanoka auch das Gegenteil: Nachdem ihre neue Freundin Minami ihr eindringlich das Versprechen abgenommen hat, dass sich Nanoka wieder mit ihren Eltern vertragen soll, ist Minami wie vom Erdboden verschluckt. Nanoka spekuliert mit ihrer mütterlichen Freundin Frau Abazure, dass ihr ein Geist erschienen sei. Später stellt sich heraus, dass die Lebensgeschichte der beiden jungen Frauen recht ähnlich ist. Mit Frau Abazure spricht Nanoka aber auch über die beiden Jungen aus ihrer Klasse, die ihr viel bedeuten. Der eine liest wie sie gern und ist beliebt, der andere ist ein begabter Maler, aber ängstlich und verschlossen. Auch Frau Abazures Vorstellung von Glück gibt sie an Nanoka weiter.

Mit ihrer Eratzoma spricht Nanoka, als sie ein wunderschönes Gemälde bei ihr mit der Unterschrift „live me“ entdeckt, über ihren malenden Freund Hikari, der von den anderen Jungen gemobbt wird. Die ältere Frau erklärt ihr, dass manche Menschen besonders sensibel sind und besonders tief empfinden. Trotzdem ist Nanoka enttäuscht, als sie sich in Absprache mit ihrer Lehrerin für ihren verschlossenen Freund einsetzt und von ihm dafür Hassgefühle erntet. In ihrer Klasse wird sie für ihren mutigen Einsatz danach wie Luft behandelt. Besonders verletzt sie, dass ausgerechnet der kluge Bücher lesende Ogiwara dafür verantwortlich ist, dass Hikari ständig angegriffen wird.

Traurig berichtet sie Frau Abazure von ihren schlimmen Erlebnissen, die ihr daraufhin von einem immer wiederkehrenden Traum erzählt.

Mütterliche Freundinnen

Nanoka hat vier ältere Freundinnen, die schon ihre Lebenserfahrungen gemacht haben und diese an Nanoka weitergeben. Im Gegenzug dazu bereichert Nanoka sie mit ihrer kindlichen Weltsicht und bricht so alte Strukturen auf. Beides ermöglicht für alle Beteiligten Weiterentwicklung. Minami, Frau Abazure und Nanokas Klassenlehrerin, sowie die ältere Frau erinnern an das weibliche göttliche Dreigestirn des Mädchens (Minami), der Frau (Frau Abazure und die Lehrerin) und der weisen alten Frau (die Ersatzgroßmutter), die in verschiedenen Lebensphasen stehen und der Frau beistehen.

Bewusst oder unbewusst wird hier das uralte Muster der Frauenfreundschaft aufgegriffen, das Frauen und Mädchen durch das weibliche Netzwerk Schutz und Geborgenheit bietet. Dabei wird nicht verschwiegen, dass das Leben wie eine Wassermelone ist, deren Fruchtfleisch (das Gute) man schnell verschlingt, die Kerne (das Negative) aber aussortiert. Aber auch in den Tiefen der schlimmen Erlebnisse kann man noch einen Schatz heben und daran wachsen: Wenn man die Kerne sammelt und einpflanzt, anstatt wegzuwerfen, erwachsen daraus neue Pflanzen. Oder anders ausgedrückt: Aus gemeisterten Problemen erwächst eine gestärkte Persönlichkeit.

Hochsensibilität

Die Psychologin Elaine Aron prägte in den 90ern den Begriff der Hochsensibilität /Hochsensitivität für Menschen, die besonders tief empfinden können und eine besonders hohe Verarbeitsungsdichte von Informationen haben, was sich sehr positiv auf Empathie, Kreativität und die Analyse und Interpretation des Lebens auswirkt. Diese Hochsensibilität wird von der älteren Frau im Manga entsprechend positiv dargestellt, um Nanokas negative Sicht auf den vermeintlichen Feigling zu relativieren. Nanoka befindet sich allerdings noch in einem Entwicklungsprozess, sodass sie Hikari nur teilweise versteht und für sein Verhalten verurteilt.

Mobbing

Mobbing ist ein grundlegendes Problem der Gesellschaft, das sich durch alle Zeiten hinweg überall zeigt, sowohl auf der Arbeit, als auch in der Schule oder Freizeit. Jede(r) kennt wohl z.B. Ausenseiter/innen in der Klasse, mit denen man nicht gern gesehen werden wollte. Wie auch in dem Manga gut dargestellt, geht Mobbing zurück auf eine engstirnige Weltsicht, auf Ignoranz, auf Vorurteile, auf Lust am Quälen anderer, auf Gerüchte, auf Rufmord, auf das Aufbauen des eigenen (niedrigen) Selbstbewusstseins, indem man sich selbst erhöht und andere dafür erniedrigt. Nanoka stellt sich dem entgegen und erntet dafür den kompletten Ausschluss aus der Klasse. Das Herdentier Mensch mag es eben nicht, wenn man gegen den Strom schwimmt. Das bekommt auch Nanoka schmerzlich zu spüren, nachdem sie sich auf die Seite des Außenseiters gestellt hat. Sie beweist Mut und zeigt mit ihrem Verhalten, dass dieser Mut den anderen fehlt. (Mangelnde) Zivilcourage ist immer noch ein heißes Eisen in der Gesellschaft. Der Manga legt den Finger auf diese Wunde.

Außerdem dreht Nanoka mit ihrem Verhalten das traditionelle Rollenmuster um: Sie beschützt einen Jungen (und  nicht umgekehrt). Das weckt Urängste vor einer starken Frau, die Nanoka von ihren männlichen Klassenkameraden prompt gespiegelt bekommt.

Träume (s. Titel des Mangas)

Träume, Mythen, Märchen bedienen das Unterbewusste. Dementsprechend erzählt Frau Abazure Nanoka ihr Leben in Form eines Traumes. Nanoka erfasst unbewusst den Kern und Frau Abazure wird zurückversetzt in eine Schlüsselszene ihrer Kindheit. Außerdem erzählt sie, was passiert, wenn man sich selbst enfremdet.

Fazit

Der 2. Teil setzt das hohe Niveau des 1. Bandes fort. Man darf gespannt sein auf den 3. und abschließenden Band!

 


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Mother’s Spirit 1 und 2
by Enzo

Liebe zwischen zwei Kulturen

Schlimmer kann es für den schmächtigen, zurückgezogenen, schüchternen, aber liebenswerten Universitätsangestellten Ryouichirou Tsutsuki kaum noch kommen: Er soll im Auftrag des Unipräsidenten einen Austauschstudenten aufnehmen. Vorbei die Ruhe, denn Austauschstudent Qualtaqa kommt direkt aus dem Dschungel – ohne jemals Kontakt mit der westlichen Zivilisation gehabt zu haben. Dementsprechend kann er weder Englisch, noch kennt Qaltaqa die Errungenschaften der modernen Technik. So stellt allein schon ein Gang auf die (japanische Hightech-)Toilette den muskulösen Krieger vor ungeahnte Herausforderungen. Aber der sanfte Riese ist zäh und willig, alles über sein Gastland zu lernen. Und so erstaunt er nicht nur die hohen Tiere der Universität mit seiner Lerngeschwindigkeit, sondern nötigt auch Ryo eine gehörige Portion Respekt ab.

Ryo selbst ist im Laufe der Zeit fasziniert von Qaltqa und dessen Fähigkeiten, im Dschungel zu (über)leben. Aber auch Qaltaqas Äußeres lässt ihn nicht kalt, denn alle Menschen vom Stamm der Lutha sind extrem attraktiv. Qaltaqa hingegen mag Ryos Liebenswürdigkeit und Warmherzigkeit. Und da Qaltaqa gewohnt ist, im Einklang mit der Natur zu leben, zeigt er Ryo offen seine Gefühle. Das ist für den japanischen Mann, dem von Anfang an beigebracht wird, seine Gefühle zu verbergen und ständig Selbstkritik zu üben, sehr erschreckend, aber gleichzeitig auch faszinierend.

So nähern sich die beiden vordergründig so unterschiedlichen Männer langsam einander an und beginnen eine heimliche Liebesbeziehung. Allerdings will Qaltqa mehr. Er nimmt Ryo mit in den Dschungel und stellt ihn seinen Stammesmitgliedern als seine „Braut“ vor. Wie werden die Stammesältesten auf diese kühne Ankündigung reagieren?

Homosexualität

Die beiden in sich abgeschlossenen Bände bedienen das Genre BL (boys love = gleichgeschlechtliche Liebe zwischen jungen Männern). Da auch Sexszenen vorkommen, ist der Manga allerdings erst für ältere Leser/innen zu empfehlen. Dass dem Thema Homosexualität in Mangas ein eigenes Genre eingeräumt wird, ist erst einmal zu begrüßen. Allerdings dient es meist nicht dazu, mehr Toleranz in der (japanischen) Gesellschaft zu fördern, sondern zielt auf den Frauengeschmack ab: BL wird vorwiegend von Leserinnen gekauft, die die attraktiven Charaktere sehr zu schätzen wissen. Das Gegenstück, Yuri genannt, das die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen thematisiert, wird eher stiefmütterlich behandelt. Das weist leider auch wieder auf die unterschiedliche Wertigkeit von Frau und Mann hin. Lesbische Liebe wird auch hierzulande nicht so offen gelebt wie schwule Liebe. Sie führt im Vergleich dazu eher ein Schattendasein. Zudem müssen viele Lesben (mit oft vorausgehenden schlechten herterosexuellen Beziehungen und den daraus resultierenden Kindern) genau wie heterosexuell Alleinerziehende mit finanzieller Armut klarkommen. Diese scheint bei schwulen Männern nicht so verbreitet zu sein.

In den BL-Mangas wird der Problematik, denen sich homosexuelle Paare ausgesetzt sehen, nicht besonders viel Raum eingeräumt, obwohl es Mangas gibt, die das durchaus tun. Das Problem des Outings wird auch hier realtiv schnell abgehandelt. Ansonsten ist die zarte Liebe, die da erblüht, schön anzusehen, denn sie ist durchaus romantischer Natur und nicht explizit auf Sexszenen ausgelegt.

Westliche Welt versus Naturvölker

Auch dieser Manga tappt in die Falle, die westliche Kultur über die der Naturvölker zu stellen. Der Vorstandsvorsitzende betont zwar die Intelligenz und die außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten der Lutha, aber „da sie ein Naturvolk sind und weit weg von der Zivilisation leben, kennen sie bedauerlicherweise keinerlei Kultur des Lernens“ und will dem mit seinen Beziehungen Abhilfe schaffen. Weder stellt sich ihm  die Frage, ob das gut für das Naturvolk ist, noch ist ihm die Vetternwirtschaft bewusst, die er da betreibt. Und Ryou fragt auch nicht nach, denn es gilt das hierarchische Prinzip des Gehorsams. Arrogant auch die Aussage, das Naturvolk würde „keinerlei Kultur des Lernens“ kennen. Wer sich damit mehr beschäftigt, weiß, dass es sehr wohl eine Kultur des Lernens gibt, die aber anders (und damit der westlichen offensichtlich nicht gleichwertig, weil mündlich und nicht schriftlich) ist.

Davon abgesehen macht sich keine der Figuren darüber Gedanken, was die „Segnungen“ der Zivilisation für Schäden anrichten können. Und es in der Vergangenheit auch getan haben, wie z.B.  Raubbau an der Natur, Einschleppen tödlicher Krankheiten, Alkohol, Landwegnahme, Zivilisationskrankheiten usw. Gut, dass der Manga zumindest ansatzweise die naturverbundene Sicht der Lutha dagegenstellt, von der der Raubbau betreibende Westen noch einiges bzgl. Nachhaltigkeit lernen kann. (Mal abgesehen davon muss man ja auch in der westlichen Welt nicht jeden technischen Schnickschnack mitmachen; Internet-, Handy- und Fernsehsucht kombiniert mit Bewegungsmangel reicht vollauf.) Schön auch, dass die Lutha einen Kult der Großen Göttin betreiben. Der Manga greift hier die Vorstellungen der vor-patriarchalichen Zeit auf, in der die Göttin als lebensspendende Frau in all ihrer Macht aufgetreten ist und selbst in den patriarchalischen Religionen immer noch weiterexistiert, weil sie trotz aller Repressionen und Streichungen nie ganz verschwunden ist. Anstatt Männer und Frauen zu beschneiden, wird hier eine Religion präsentiert, die Stärke und Schwäche gleichwertig vereint, die Veränderung begrüßt und betont, dass man aus sich heraus strahlen kann. Zum Glück wird ebenfalls deutlich, dass die Lutha ihre Traditionen keineswegs aufgeben wollen. Sie wollen das Beste aus beiden Welten miteinander vereinen und sich von den schädigenden Vorstellungen trennen.

Fazit

Romantischer BL-Manga, der durchaus Potential hat, aber an entscheidender Stelle auch unkritische Momente aufweist.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!