Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Alle Toten fliegen hoch Band 3)

51ba5IlKS9LJoachim Meyerhoff ist Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Heute. Das Buch erzählt über den jungen Mann, der in München die Schauspielschule besucht, sich selbst grauenhaft findet, was unterstützt wird von seinen Lehrern. Er beisst sich aber durch, denn er will unbedingt ans Theater (was ihm ja auch gelungen ist, heute ist er ein begehrter und großartiger Darsteller). Allein, was er über die einzelnen Kurse in der Schule schreibt, ist himmlisches Vergnügen. Da wälzen sich die Schüler halb nackt im Fach Ausdruck des Körpers, da wird ständig im Sprachunterricht der arme Kerl genötigt, endlich ein P statt einem F bei Worten wie Pferd hören zu lassen (Norddeutsche haben es nicht so mit dem P), da sagt der Lehrer: “Atmen Sie nicht!”. Meyerhoff erstickt fast bei dem Bemühen, lautlos Luft zu holen und vieles mehr.

Dazu beschreibt er den herrlichen Haushalt seiner Großeltern, in dem er nun lebt, da er als Nordlicht in München die Schule besucht. Die Großeltern beginnen die Tage mit Schampus – der junge Meyerhoff daher auch. Die Tage, gefüllt mit “Alkohol für den guten Blutdruck”, machen ihn ums Haar zum Trinker, jedenfalls permanent besoffen. Seine Oma, ganz wunderbar, war einst ebenfalls Schauspielerin und ist es heute noch im ganz verrückten Alltag. Sie ist Dramatik pur. Ihr Lieblingsausruf, in allen Facetten, versteht sich: “Moa!!!”

Dieses Buch ist der 3. Band von Meyerhoffs biografischen Aufzeichnungen, ich habe alle drei gelesen. Wobei ich empfehle, Band 2 (Kindheit) vor dem Band 1 (Amerika) und dann diesen hier besprochenen zu lesen, dann ist es chronologisch! Alle drei waren jedenfalls für mich ein großes Vergnügen. Nicht nur inhaltlich (neben der Originalität geht es auch sehr oft um Schmerz und Verluste), auch schreiberisch. Denn Meyerhoff ist ein toller stilsicherer Schriftsteller, der die Gabe hat, bildhaft und kraftvoll zu formulieren. Ich hoffe, die Aufzeichnungen gehen weiter.

Lesen Sie!


Genre: Biographien
Illustrated by Kiepenheuer & Witsch Köln

Ihr Name war Tomoji

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Beginn des 20. Jahrhunderts: Die kleine Tomoji Uchida wächst in einfachen, aber liebevollen Verhältnissen auf. Sie arbeitet schon als Kind im Laden der Familie mit und hilft, wo sie kann. Aber Tomoji erlebt auch Schicksalsschläge: Ihr Vater stirbt, als sie vier Jahre alt ist, ihre Mutter verlässt einige Zeit später die Familie und ihre kleine Schwester stirbt aus Kummer darüber, dass die Mutter sie im Stich gelassen hat. Tomoji, ihr Halbbruder und ihre Großmutter stemmen trotz aller Schicksalsschläge weiterhin ihr Leben. Eines Tages besucht Fotograf Fumiaki Ito Tomojis Großmutter, seine Tante, und fotografiert sie. Dabei verpasst er knapp das junge Mädchen. Jahre später heiraten die beiden, bekommen Kinder – und Tomoji wird Gründerin eines Tempels.

Das neue Werk Jiro Taniguchis, eine Graphic Novel, überzeugt wie seine anderen Werke (Vertraute Fremde, Der spazierende Mann, Die Sicht der Dinge, Der Gourmet, Der Wanderer im Eis, Die Stadt und das Mädchen, Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß u.a.) durch die Tiefe und Eindringlichkeit der Figuren, die dennoch oberflächlich sehr verhalten reagieren – nach dem Motto: „Stille Wasser sind tief“ – und den ebenso detaillierten Zeichnungen, die die Detailliertheit der Geschichte und der Figuren unterstützt. Man merkt auch diesem Werk an, wieviel Gedanken und Mühe sich der Autor gemacht hat, um die kleinen Besonderheiten im Alltag und den Alltag im Allgemeinen lesenswert rüberzubringen. Diese tiefe Stille und Besonnenheit in den Geschichten bringt die LeserInnen dazu, auch nach der Lektüre über das Werk, seine Figuren und seine Story nachzusinnen und trotz aller Schicksalsschläge der Figuren eine Stärke und Zufriedenheit mit ihrem Leben zu spüren, die uns in unserer hektischen Zeit nur allzu oft abhandenkommt. Diese Verwurzelung im Alltag, egal, ob dieser gegenwärtig oder längst Vergangenheit ist, zeichnet auch diesen Manga aus – Taniguchi wählt bewusst die Vorgeschichte seiner weiblichen Hauptfigur und eben nicht den Lebensabschnitt, in dem sie und ihr Mann in ihrer Gegend berühmt geworden sind. Er will lieber aufzeigen, wie Tomoji zu der Frau herangereift ist, die gerade wegen ihres einfachen Lebens den spirituellen Weg eingeschlagen hat. „Auch großartige Menschen wurzeln im Alltag“: Das will dieser Manga vermitteln. Wie bei Taniguchi üblich arbeitet er mit Symbolen. So folgen sowohl Tomoji als auch Fumiaki der Flugbahn eines Milans, als sie sich knapp verpassen. Der gemeinsame Blick in den Himmel steht für ihre gemeinsame Zukunft und ihre Flügel, die ihnen spirituell wachsen und mit denen sie weite Kreise ziehen werden.

Extras: Ein recht ausführliches Interview mit Jiro Taniguchi, das die Hintergründe zu diesem Werk, Vergleiche zu seinen anderen Werken und seine Arbeitsweise aufzeigt, sowie eine Kurzbiografie des Autors.

Fazit: Wie immer sehr gelungen, still tiefsinnig und wirklich lesenswert! Taniguchi gehört zu den ganz Großen seiner Zunft, was er auch in seinem neuesten Werk unter Beweis gestellt hat.

Zur Person Tomojis und der Gründung des Tempels: https://de.wikipedia.org/wiki/Shinnyo-En


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Wonderland Date

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Als Arisu wieder einmal von Adligen verfolgt und bedrängt wird, fällt er in einen Brunnen – und landet im Wunderland. Dort empfängt ihn der verrückte Hutmacher Rihito mit einem „Willkommen daheim!“ und einem Kuss. Arisu ist entsetzt und will so schnell wie möglich wieder zurück in seine Welt, denn Rihito hält ihn offensichtlich für seinen Geliebten „Alice“ und will ständig mit ihm schlafen. Nach langer Abwehr beginnt aber auch Arisu etwas für Rihito zu empfinden – und fängt an, sich an die Zeit im Wunderland zu erinnern.

„Alice im Wunderland“ hat schon viele Bearbeitungen im Comic- und Manga- (und dort auch im erotischen) Bereich erfahren/erlitten. Diese Bearbeitung ist auf Shonen Ai zugeschnitten, aber von der Story her leider ziemlich einfallslos geraten. Außerdem wirkt sie etwas an den Haaren herbeigezogen und bedient die üblichen Klischees im Shonen-Ai-Genre wie das des blondhaarigen naiven, aber süßen Jünglings, der von einem geheimnisvollen dunkelhaarigen und sehr selbstbewussten Mann umgarnt wird. Aus der Bearbeitung des ursprünglichen Stoffes hätte man bestimmt mehr herausholen können. Die Männer sind gewohnt hübsch wie schwul. Zu „Wonderland Date“ gibt es noch das Sequel „Wonderland Love“, das die homosexuelle Beziehung des Roten und des Weißen Königs zueinander behandelt.

Insgesamt kein wirklich schlechter Shonen-Ai-Manga, aber leider auch kein wirklich guter. Ich würde ihn als unteren Durchschnitt bezeichnen.


Genre: Manga
Illustrated by Egmont Ehapa

Kuroneko – Spiel mit mir!

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Shingo ist ein schwuler Katzenmensch und liebt erotische Abenteuer. Eines Tages trifft er auf den arroganten Fernsehstar Kagami, der sich nicht darum schert, ob Shingo ihn gut findet oder nicht – Kagami schleppt ihn einfach ab. Obwohl Shingo Kagamis arrogant-dominante Art nicht mag, verfällt er ihm zusehends.

Der in sich abgeschlossene Manga, der zu einer Reihe von Mangas Sakos über Werkatzen gehört, bedient die Sparte Porno: Die Handlung ist oberflächlich und die Sexszenen zahlreich und explizit, daher nicht für Minderjährige geeignet. Die pornografische Darstellung lässt leider auch ein problematisches Klischee nicht aus, das Frauen momentan auch bei Change.org in Bezug auf die Gesetzgebung gegenüber Vergewaltigung anprangern: Ein „Nein“ heißt im Porno eben nicht „Nein“, sondern wird hier als versteckter Wunsch dargestellt, mehr oder weniger hart rangenommen zu werden. Das verfälscht die Wirklichkeit, egal, ob es sich um Mann oder Frau handelt, denn es verringert die Wertschätzung gegenüber dem anderen und geht von falschen Voraussetzungen aus, die in der Realität dem (Sex-)Partner schaden, wenn dessen „Nein“ nicht akzeptiert wird. Nicht nachvollziehbar ist für mich folglich Shingos Reaktion, der die Vergewaltigungen auch noch gutheißt und Kagami unterstellt, er würde sich um ihn kümmern.

Daher ein klares „Nein“ zu diesem Manga, denn schädliche Klischees unterstütze ich nicht.


Genre: Manga
Illustrated by Egmont Ehapa

Unterleuten

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Da gab es mal oder gibt es noch ein berühmtes Gallisches Dorf, das der Römischen Besatzungsmacht unbeugsamen Widerstandswillen entgegengesetzt hat. Zwar hat es seitens der Römer nicht an Versuchen gemangelt,  kreativen Zwiespalt in die Bewohnerschaft hinein zu tragen, aber die Dorfbewohner haben  spätestens in letzter Sekunde immer noch erkannt, wer ihre wahren Feinde wahren und es ihnen jedes Mal nicht zuletzt dank eines gewissen naturheilkundlichen Anabolikums kräftig heimgezahlt.

Einen Zaubertrank gibt es in dem Prignitzdorf „Unterleuten“ nicht, aber dafür ist eine Armee aus langen Propellerspargeln im Anmarsch. Die Gemarkung soll Standort für einen Windpark werden und der schafft es, dass die Bewohner nicht nur bis hin zu tätlichen Übergriffen, das tun die Gallier schließlich auch, sondern bis hin zur finalen Unversöhnlichkeit übereinander herfallen.

Einer der vielen Stärken des Buches besteht in der Vielfalt und Vielschichtigkeit der Protagonisten. Da gibt es den berlinflüchtigen besserwisserischen Birkenstock-Macho, seines Zeichens Natur- und Vogelschützer und seine vom Nachbarschaftskrieg bis hin zur Desorintiertheit zermürbte Frau, den früheren Leiter der LPG und jetzigen Chef eines Bio-Betriebes, den Grundstücksspekulanten aus Bayern und noch einige mehr. Entweder sie jagen der Anwartschaft auf goldene Berge wie einem Rugby-Ei nach oder sie versuchen, sofern sie denn eh nichts davon haben, es dem Landschaftsschutz oder eines rein restkommunistischen Proftbashings zu Liebe ins Seitenaus zu befördern. Bei manchen ist es auch der reine Neid und bei anderen sind beide Triebfedern ein- und dieselbe.  Alle diese Menschen nicht nur trennscharf sortiert, sondern auch energetisch aufgeladen zu haben, darin besteht die eigentliche Meisterleistung der Autorin. Man lauert seiten- und kapitelweise darauf, was sie im Schilde führen. Die darin innewohnende Schablonen-Falle umschifft Julie Zeh meisterlich, indem sie die Menschen mit viel seelischem Resonanzboden versieht. Da wird einfach nachvollziehbar reflektiert und aus der Vergangenheit tief Verborgenes hervor geholt und zwar so, dass man, wären sie denn leibhaftige Tresennachbarn, durchaus ungelangweilt zuhören möchte. Einzig und allein eine angehende Pferdeflüsterin und in Personalunion größeres Zahnrad im Getriebe gerät derart zur knallharten, über Leichen gehenden Karriere-Barbie,  dass es bei ihr schon allein wegen ihres fast noch  jugendlichen Reifestadiums doch etwas an Glaubwürdigkeit hapert. Sie wirkt fast wie ein empathieloses Kalkül-Monster von einem anderen Stern.

Julie Zeh ist von Haus aus Juristin und als solche mit der Fähigkeit zur passgenauen Formulierung und Zuschreibung vertraut. Das gilt auch für die Gedanken und Temperamente derer, die sie aufeinander los lässt. Gelegentlich galoppiert eine erkennbare Lust an der Formulierungsfreude mit sich fort. Insgesamt aber hält sich ein leiser und gerade deshalb unterhaltsamer Begleitsarkasmus. Er ist neben dem spannenden Inhalt die Leitplanke, die das Lesevergnügen auch stilistisch stabilisiert. Der zuweilen gallige Blick auf  die Menschen oder vielmehr auf das, was die voraus geworfenen  Schatten mit ihnen machen,  bedient nicht nur den gesunden Voyeurismus des Lesers, er verselbständigt sich durchaus amüsant und bringt originelle Landschafts- und Kontextbeschreibungen hervor, wenn etwa Dinge in die Skurrilität wegabstrahiert werden, seien es durch Kornfelder gepolsterte Freiflächen oder Häuseransammlungen, die durch das Ortsschild zum Dorf erhoben werden und noch so manches mehr.

Der Lichtblick kommt mit dem Ausblick, mit der Erkenntnis dass der  Zäsurschmerz eben auch Geburtsschmerz ist, wenn die zornigen Alten einer jüngeren Nachrückergeneration Platz machen müssen.  Deshalb weicht zum Ende auch die Bitterkeit der Hoffnung.

„Unterleuten“ ist weitaus mehr als eine Dorfposse. Es zeigt eine Manege der Ellenbogen, in dem jeder auf seine Art Recht hat und in dem es keine kollektiven Gewissheiten mehr sondern nur noch individuelle Irrtümer gibt. Die Art und Weise wie Juli Zeh sie ineinander greifen lässt, hat daraus einen wirklich gelungenen Gesellschaftsroman und aus der Autorin eine Literatin gemacht.


Genre: Roman
Illustrated by Luchterhand

Der Märchenerzähler

MärchenerzählerAbel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Anna ist 17 Jahre alt, steckt mitten im Abitur und lebt in der Nähe von Greifswald. Sie hat nicht wirklich viel mit den anderen Schülern Ihrer Stufe gemeinsam denn Anna ist noch eher kindlich, geht z.b noch gern Schlittenfahren, hatte noch nie einen Freund, spielt Querflöte und möchte Musik studieren.

 
Eher zufällig kommt Sie zum ersten Mal mit dem Außenseiter der Stufe, Abel Tannatek in Kontakt und wird neugierig denn Abel erscheint ganz anders als sein Ruf als Drogendealer, Militärjackenträger und „Böse Onkelz“ Hörer.
Sie beginnt Abel heimlich nach der Schule zu verfolgen und entdeckt dabei dass er außerhalb des Schulgeländes ein liebevoller Bruder ist der sich um seine kleine, 6 jährige Schwester Micha kümmert. Anna und Abel freunden sich locker an und die kleine Micha hat schnell einen Narren an Anna gefressen, so dass die Freundschaft zwischen Anna und Abel schnell tiefer wird und Anna sich in Abel verliebt.
Abel hat für Liebe aber eigentlich gar keinen Kopf und keine Zeit da er sich in jeder freien Minute um Micha kümmert denn seine Mutter, die Alkoholikerin Michelle, hat beide vor einiger Zeit sitzen gelassen und nun wohnen der 17 jährige Abel und die kleine Micha alleine in dem runtergekommenen Plattenbau, versuchen irgendwie über die Runden zu kommen und vor dem Jugendamt zu verheimlichen dass Michelle weg ist.

 
Für Anna ist das alles eine völlig neue Welt denn sie selbst stammt aus reichem Haus, Ihr Vater ist Arzt und ihre Mutter Professorin.
Um der kleinen Micha alles besser verständlich zu machen, erzählt Abel ihr immer wieder ein selbst ausgedachtes Märchen, welches er das ganze Buch hindurch immer wieder weitererzählt und an dem auch Anna schnell gefallen findet. Doch nach und nach beginnt Anna zu begreifen, dass in dem Märchen über die kleine Klippenkönigin, deren sichere Insel in Gefahr ist, viel mehr Wahrheit steckt als erwartet denn Abel verarbeitet in diesem Märchen seines und Michas Leben und lässt auch real existierende Personen in diesem Märchen auftauchen, was nach und nach immer düsterer und beunruhigender wird…! Und auch Abel beginnt sich zu verändern und Anna fängt an sich zu fragen, ob die anderen nicht doch Recht hatten als sie Sie immer wieder vor ihm gewarnt haben…

 
Die Geschichte beginnt direkt ziemlich düster, mit Blut auf weißen Fliesen, einer Toten im Winterwald und man wird sofort ziemlich neugierig. Generell hat mich das Buch sehr gefesselt und ich konnte es nur schwer wieder aus der Hand legen.
Der Kontrast zwischen Annas heiler und Abels trost-/hoffungsloser Welt ist sehr schön herausgearbeitet und die Geschichte selbst ist eigentlich komplett von Trostlosigkeit durchzogen, was aber auch in einem schönen Kontrast zu dem hoffnungsvollen Märchen steht, welches Abel immer wieder weitererzählt.

Die Geschichte über Abels Leben, geprägt von Geldsorgen, Zeitmangel, Angst vor dem Jugendamt und Einsamkeit wird halt immer wieder durch das wirklich niedliche Märchen der kleinen Klippenkönigin mit dem Diamantherz unterbrochen, welche von Ihrer kleinen und sicheren Insel (Plattenbauwohnung) fliehen muss, weil diese im Begriff ist unter zu gehen. Gemeinsam mit ihrem Freund dem Seelöwen (Abel selbst), macht sich die kleine Königin mit einem grünen Schiff auf den Weg um das sichere Festland zu erreichen und trifft dabei auf das Rosenmädchen, von der Insel der Rosen auf der alles schön und toll ist (Anna) und auf den Leuchtturmwärter (Abels Deutschlehrer). Die kleine Königin ist aber in Gefahr denn sie hat viele Verfolger die verhindern wollen dass sie und ihre Freunde das sichere Festland erreichen. Auch diese Verfolger sind real existierenden Personen wie z.b Michas leiblichem Vater oder dem Jugendamt nachempfunden…!

 
Ein wirklich ganz tolles Buch über den Kontrast zwischen Arm und Reich, über Hoffnung und Verzweiflung, darüber dass es nicht nur Gut und Böse, sondern auch Grauzonen gibt, über Freundschaft und Liebe und noch so viel mehr…!

Ein bisschen hat mich lediglich gestört dass Anna gegen Ende des Buches ein paar Entscheidungen trifft die eigentlich völlig unrealistisch und nicht nachvollziehbar sind! Aber wer aus Liebe noch nie eine oder mehrere unlogische Entscheidungen getroffen hat der möge den ersten Stein werfen…!
Gut gefallen hat mir auch, dass es kein typisches „Friede-Freude-Bratkartoffel-Ende“ gibt denn das hätte zu so einer düsteren und traurigen Geschichte auch nicht gepasst…!

 
Ein wirklich tolles Buch, welches ich auf jeden Fall wärmstens empfehlen kann!

Antonia Michaelis wurde 1979 in Kiel geboren und ist in Augsburg aufgewachsen. Sie studierte in Greifswald Medizin und hat unter anderem in Nepal, Peru und Indien gearbeitet. Sie lebt mit Ihrem Mann und Ihren zwei Töchtern sehr abgelegen gegenüber der Insel Usedom und schreibt Kinder und Jugendbücher.


Genre: Kinder- und Jugendbuch
Illustrated by Oetinger

Der goldene Handschuh

Strunck, HandschuhHamburger Berg Nr. 2. Goldener Handschuh. Eine Kneipe der untersten Art. In der schrundigen Spelunke trifft sich der Bodensatz des Abschaums. Ex-Knackis, Obdachlose, Spritter geben sich ein Stelldichein in dem Laden nahe der Reeperbahn. Rund um die Uhr ist geöffnet. Die Stammgäste tragen Namen wie Soldaten-Norbert, Fanta-Rolf und Samba-Eddy. Sie trinken nicht, sie saufen sich vom Delirium ins Tremens. Weiterlesen


Genre: Tatsachenroman
Illustrated by Rowohlt

Götter

GötterIn Deutschland gibt es vier geheime Reservate, in denen, nach Geschlechtern getrennt, Männer und Frauen wie Sklaven gehalten und körperlich sowie sexuell durch sogenannte Götter ausgebeutet werden. Diese gebärden sich zu ihrem eigenen Vorteil als Herren über Leben und Tod und führen über ihre Untertanen ein strenges Regiment bis hin zur Todesstrafe.
Diesem Terrorregime entfliehen unabhängig voneinander Agnes und Günter. Sie treffen sich zufällig in der Freiheit, tun sich zusammen und müssen das zivilisierte Leben von Grund auf neu lernen. Mithilfe von Freunden gelingt ihnen dieser Prozess erstaunlich schnell. Zugleich entsteht bei ihnen der Wunsch, die vermeintlichen Götter zu entmachten. Werden sie diesen Kampf erfolgreich bestehen?

Agnes ist noch fast ein Teenager als ihr die Flucht aus einem dieser Reservate gelingt denn Sie wurde zum Tode verurteilt und musste fliehen. Seit Generationen werden in den Reservaten Frauen und Männer zum Arbeiten gehalten, Ihnen wird jegliche Bildung und Allgemeinwissen verwehrt. Das wurde im Laufe von 2 Jahrhunderten so intensiv und ausgeklügelt betrieben dass sogar die Existenz von Männern in den Frauenreservaten und umgekehrt die Existenz von Frauen in den Männerreservaten völlig unbekannt ist. Es wird nur gearbeitet und gebetet denn vor den Toren der Reservate lauern viele Gefahren und nur die „Götter“ können die Reservatsbewohner vor diesen Gefahren beschützen…!

Einmal in der Woche kommen die Götter in großen, lauten stählernen Vögeln ins Reservat, halten Gottesdienste ab und überbringen den Reservatsbewohnern wundersame und göttliche Sachen wie z.b Medikamente! Im Gegenzug nehmen Sie Geschenke in Form von angebautem Obst, Gemüse und Schnitzereien mit und man ist dankbar dass die Götter wohl gesonnen sind…! Besonders gläubige Frauen werden von den „Göttern“ auserwählt, bekommen einen göttlichen Trank und werden von ihnen mitgenommen…! Nach Ihrer Rückkehr ins Reservat verändern Sie sich dann meist nach ein paar Monaten denn Ihr Bauch wird dicker und scheint ein Eigenleben zu führen aber das sind nur die Dämonen die dank der Götter in den Körpern geweckt wurden und dabei sind ihn bald endlich zu verlassen…! Nach ungefähr 8 Monaten werden die Frauen erneut von den Göttern abgeholt und kehren dann „gereinigt“ zurück denn die Götter haben die Dämonen endlich aus den Körpern geholt, was eine Narbe am Bauch der Frauen beweist…! Ein paar Wochen später bringen die Götter dann oftmals ein Baby ins Reservat, welches natürlich ebenfalls sehr gläubig und gehorsam aufgezogen und in die Gemeinde integriert wird…!

So geschieht es seit Generationen aber die aufgeweckte und neugierige Agnes will sich mit diesem Leben nicht zufrieden geben! Warum ist es außerhalb des Reservates so gefährlich und was ist außer Herz, Lunge und Magen noch in unseren Körpern? Agnes fängt an sich heimlich ein paar Mäuse als Haus- und Forschungstiere zu halten und ist ganz verblüfft dass es nach kurzer Zeit viel mehr Mäuse sind! Wo kommen die kleinen Mäuse nur her? Haben die Götter sie gebracht? Agnes fängt an ihr Weltbild komplett in Frage zu stellen, an den „Göttern“ zu zweifeln und soll deshalb zum Tode verurteilt werden! Mit viel List gelingt ihr die Flucht tief in die Wälder, wo sie von nun an die Welt ganz neu entdeckt…!

Nach 3 Jahren in der Wildnis trifft sie zufällig auf Günther der erst kürzlich aus einem der Männerreservate geflohen ist weil auch ihm die Todesstrafe drohte…! Agnes und Günther freunden sich an und werden nach einiger Zeit sogar ein Liebespaar, was beide viel Überwindung kostet denn schließlich hatten sie noch nie Kontakt zum anderen Geschlecht, hatten ja auch gar keine Ahnung dass es überhaupt ein anderes Geschlecht gibt und selbstverständlich war in den Reservaten jeglicher Körperkontakt strengstens verboten…! Nach einiger Zeit wollen Agnes und Günther auch die Welt außerhalb der Wälder erkunden, stoßen dabei auf ein kleines Dorf und kommen mit der Zivilisation in Kontakt…!

Die Geschichte beginnt an der Stelle an der Agnes und Günther zum ersten Mal völlig verwundert vor der Kühltruhe eines Supermarktes stehen und dabei vom Kartoffelhändler Clemens beobachtet werden. Die Geschichte wird nämlich nicht nur aus Agnes´ Sicht erzählt sondern auch aus Clemens´ Sicht, aus der Sicht eines gewissen Rudolphs und aus der Sicht einer jungen Frau namens Inga Braun. Am Anfang fragt man sich öfter mal was diese Figuren mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben aber nach und nach verdeutlichen sich die Zusammenhänge und es entstehen allerlei Verbindungen zu den Reservaten. Auch den Geheimbund „der Streber“, der immer öfter zum Thema wird, kann man zuerst nicht richtig einordnen aber nach und nach ergibt alles einen Sinn und man erkennt wie viele Gedanken sich der Autor über Zusammenhänge und Querverbindungen gemacht hat…!

Als Agnes und Günther sich in der Wildnis kennen und lieben lernen, erinnerte mich dieser Teil sehr stark an „die Blaue Lagune“ und ich musste oftmals schmunzeln denn auch in diesen Teil hat sich der Autor ganz hervorragend hineinversetz!

Generell hat der Autor viel Liebe zum Detail bewiesen und ist auch auf den Übergang der beiden in die Zivilisation gut eingegangen. Die Geschichte umfasst einen Zeitraum von ca. 30 Jahren. Herr Hofmann hat sich wirklich sehr viele Gedanken gemacht und schafft es auch, diese doch schon ziemlich „an den Haaren herbei gezogene“ Geschichte plausibel zu erklären und zu begründen, wie es so lange möglich war mitten in Deutschland und in unserer heutigen Zeit solche Reservate zu „betreiben“ und zu verheimlichen…!

Ein wirklich tolles und spannendes Buch, das ich persönlich wirklich sehr empfehlen kann denn es hat mich total gefesselt!

Will Hofmann, geboren 1949, arbeitete nach dem Medizinstudium in Mainz. Er führte eine Praxis für Allgemeinmedizin in Berlin-Neukölln und ist seit seiner Studienzeit schriftstellerisch tätig. Er hat Kurzgeschichten, Fantasyromane und ein Kinderbuch veröffentlicht.


Genre: Dystopie, Romane
Illustrated by Fabulus Verlag

Shokugeki No Soma – Food Wars! 1

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Teenager Soma ist ein leidenschaftlicher Koch. Er und sein Vater, eigentlich ein Meisterkoch, betreiben ein winziges Restaurant, das bei den Kunden wegen seiner fein ausgewogenen Gerichte beliebt ist. Als aber eines Tages Kriminelle ihr Restaurant bedrohen, krempelt diese Begegnung Somas gesamtes Leben um. Sein Vater beschießt, sich als Koch weiterzubilden und auch sein Sohn soll eine Kochausbildung an der berühmt-berüchtigten Totsuki-Akademie erhalten. Nur 10 % der Schüler schaffen die harten Abschlussprüfungen und auch vorher schon wird gewaltig gesiebt dank der 16-jährigen Prüferin und Enkelin des Schulleiters Erina, die den absoluten Geschmackssinn besitzt. Aber Soma ist ein sonniges und v.a. selbstbewusstes Gemüt, das jede Herausforderung annimmt.

Der 1. Band der Serie ist für ein männliches Publikum konzipiert. Erzählt wird aus der Sicht eines Jungen, und die ist sinnlich-erotisch geprägt. Der Satz „Liebe geht durch den Magen“ erhält hier eine eindeutig erotische Komponente, wenn Männlein wie Weiblein während des exzellenten Essens praktisch ausgezogen werden. Überhaupt sind die Frauenfiguren meist gut bestückt, die Männer von der Figur und vom Aussehen her eher Durchschnitt. Auch daran sieht man, dass der Manga ein männliches Publikum ansprechen will, denn die Frauenfiguren sind recht eindimensional und klischeehaft gestaltet (Vamp, Naivchen, die Schüchterne). Soma selbst ist als Charakter ambivalent: Es gibt den Spruch „dumm, stark und wasserdicht“ für muskulöse Männer ohne Grips. Soma ist nicht sehr helle, auch nicht muskulös (in dem Fall ein Pluspunkt, denn Mangas für Jungen neigen auch diesbezüglich zur Übertreibung), dafür selbstbewusst mit einem eindeutigen Talent fürs Kochen. Ein Sympathieträger ist er im eigentlichen Sinn nicht, aber in seinem Selbstbewusstsein ohne Muckis für Jungen sicherlich ein Vorbild. Die Erotik kommt durch das Sinnliche des Kochens, ist aber im Manga relativ platt umgesetzt, was sich auch auf Anspielungen bezieht – Erina, „Gottes Zunge“, könnte man auch anders deuten. Das hätte man sicher sinnlich-ästhetischer und weniger deftig-derb einbinden können. Der Manga hat auch, wie viele Koch- und Backmanga für Jungen, Kampfsportcharakter. Der Wettkampf steht ganz weit oben und garantiert in diesem Fall die Spannung des Mangas.

Fazit: Manga mit wenig Anspruch auf Tiefgang, dafür mit Action und Erotik. Für ein männliches Publikum sicher nett.


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Muchachas – Tanz in den Tag

Der Leser nun ist mit den Eichhörnchen traurig. Traurig aus nur einem einzigen Grund: Weil er sich von liebgewonnenen Charakteren und wundersamen Geschichten verabschieden muss.” Das schrieb ich vor etwas mehr als zwei Jahren nach beendeter Lektüre von “Montags sind die Eichhörnchen traurig“, dem dritten Band der Josephine-Trilogie, mit der sich die französische Überraschungs-Erfolgsautorin Katherine Pancol in die Herzen von Millionen Lesern geschrieben hatte.

Und ich war ehrlich traurig. So, so gerne wollte ich wissen, wie es mit der liebenswerten, leicht verrückten französischen Sippschaft weitergeht. Aber nun! Nun ist Schluß mit traurig. Katherine Pancol ist wieder da und mit ihr die ewig zaudernde, aber stets tapfere Josephine, ihre ehrgeizige Tochter Hortense und ihre verträumte Tochter Zoé. Und ich weiß endlich, wie es mit ihnen weitergegangen ist. Dennoch – um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen – die Familie Cortès steht diesmal nicht im Mittelpunkt der neuen Saga von Katherine Pancol. Bei den “Muchachas” geht es um gleich mehrere Frauen. Ihre Schicksale werden unabhängig voneinander erzählt, wobei sich ihre Wege auf unterschiedlichste Art und Weise kreuzen. Wir lesen von ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Schicksalen, aber eines verbindet die Frauen bei aller Verschiedenheit: der unbedingte Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen und das ganz eigene Glück zu finden.

Muchachas1Im gerade erschienenen ersten Teil der “Muchachas -Tanz in den Tag” bekommt die Geschichte von Stella und ihrer Mutter Leonie, die unter dem gewalttätigen Vater und Ehemann leiden, den größten Raum. Die junge Schrotthändlerin Stella lernen wir als mutige alleinerziehende Mutter kennen, ihre Mutter Leonie ist durch die ständigen Mißhandlungen und Demütigungen ihres Mannes nur noch ein Schatten ihrer selbst. Während die anderen Geschichten weitestgehend in den Metropolen dieser Welt spielen, entdeckt man in Stellas und Leonies Geschichte eine andere, eine dunklere Welt, die des ländlichen, eigentlich bodenständigen Bourguignon.

Josephine und ihre Tächter tauchen als mit diesen Frauen verbundene Nebenfiguren wieder auf und so erfahren wir quasi by the way nach und nach, wie es ihnen ergangen ist. Reicht aber völlig, um die Neugier zu befriedigen, sogar Junior taucht wieder auf. Darüberhinaus lernen wir noch einige neue Charaktere kennen – so die auf den ersten Blick unscheinbare Musikerin Calypso. Und auch wenn von ihnen im ersten Teil nur am Rande die Rede ist, wir ahnen schon, dass sie in den weiteren Teilen eine größere Rolle spielen werden. Spannung aufbauen, das kann die Pancol unberufen.

Die einzelnen Teile der Muchachas sind nicht in sich abgeschlossen, das Projekt ist eher als ein großer Roman in drei Teilen angelegt. Es ist mehr eine Serie zum Lesen als eine herkömmliche Trilogie. Glücklichwerweise müssen wir diesmal nicht allzu lange auf die Fortsetzungen warten, alle drei Teile werden dieses Frühjahr hintereinander weg erschienen. Jeden Monat ein Band, so ist der Plan. Sozusagen binge-reading nach dem Vorbild des bei visuellen Serien so beliebt gewordenen binge-watching. Inclusive Cliffhanger. Diverser Cliffhanger, um genau zu sein.

Die Muchachas erscheinen als preisgünstigeres Soft-Cover. Band 2 “Muchachas – Kopfüber ins Leben” erscheint am 11. April und der finale dritte Band “Muchachas – Nur ein Schritt zum Glück” am 9 Mai. Danach gibt es dann auch eine ausführliche Rezension und Bewertung des gesamten Romanprojekts. Für Band eins gibt es auf jeden Fall schon mal eine klare Leseempfehlung – ich habe sehr gerne mit den Muchachas in den Tag getanzt.


Illustrated by Carl´s Books

Glücksbärchis 1/2016

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Glücksbärchis” sind kunterbunte, süße Bärchen, die sich durch ihre Bauchsymbole voneinander unterscheiden und dadurch ganz besondere Fähigkeiten besitzen.

Da der böse Fiesi im regenbogenbunten Wolkenland den Schlüssel für
die Smaragdbrücke gestohlen hat, werden die Glücksbärchis immer
wieder auf die Probe gestellt. Mit vereinten Kräften schaffen
Hurrabärchi, Schmusebärchi, Brummbärchi und Co. jedoch immer wieder
das Böse zu besiegen.“ (so der Verlag Egmont Ehapa)

Das neue 36-seitige Magazin mit einer Auflage von 60.000 Stück richtet sich laut Hersteller an Kinder zwischen drei und fünf Jahren. Ich würde diese Spanne noch erweitern auf Kinder, die schon lesen können, denn manche der Aufgaben wie das Freundschaftsquiz sind erst so richtig möglich, wenn man schon lesen und schreiben kann. Ansonsten ist der Schwierigkeitsgrad dem Alter ungefähr angemessen. Mein vierjähriger Sohn ist sofort auf das Magazin angesprungen, weil er, seit er 3 ist, gern Vorschulaufgaben löst. Die bietet das Magazin in Form von Suchbildern, Labyrinth, Zuordnungsaufgaben. Ein Comic und eine Vorlesegeschichte runden das Bild ab und sind von meinem Sohn angenommen worden. Manchmal muss man allerdings Zusammenhänge erklären, die weggelassen worden und für so kleine Kinder nicht ersichtlich sind. Gut hierfür auch, wenn man wie ich die Glücksbärchis schon aus der eigenen Kindheit kennt. Hilfreich ist aber auch das Glücksbärchis- Who’s who, das ein paar der Charaktere vorstellt. Wer gern (aus-)malt, wird hier ebenfalls mit Ausmalbildern bedient.

Auch ans Basteln denkt das Magazin – die Armbänder sind nett und werden sogar von meinem Jungen gemocht. (Kinder sind zum Glück vorurteilsfreier als Erwachsene, weshalb ich meinen Sohn frei aussuchen lasse, was er spielen und vorgelesen haben will.) Auch ein Glücksbärchi-Würfelspiel beinhaltet das Heft, das mein Sohn zwar gern gespielt hat, das aber für ihn nach zweimaligem Spielen zu einfach war. Für Dreijährige ist es aber optimal. Schön findet er auch die Walkie-Talkies, die beiliegen, und hat sofort eine Runde mit mir damit gespielt. Sie sind zum Glück stabil genug, um nicht gleich bei der ersten Benutzung kaputt zu gehen wie viele andere Extras, die Magazinen beigegeben werden. Oft beachten die Macher nicht, dass Kleinkinder entwicklungsbedingt sehr ruppig spielen, vor allem Jungen, und dass gerade Jungen Spielzeuge gern auseinandernehmen, um zu sehen, wie sie aufgebaut sind. Eltern dürfen sich nach diesem Entdeckerdrang damit herumschlagen, das Zeug wieder zu reparieren oder können es gleich wegwerfen.

Mein Sohn fand auch die beigelegten Sticker toll; er hat seine Walkie-Talkies gleich damit beklebt. Verwirrung gestiftet hat die Aufgabe, 3 Glücksbärchis anzukreuzen, die auch im Suchbild zu finden sind. Denn es sind nur zwei Bärchis, die tatsächlich im Bild vorkommen, dafür ist ein Freund der Glücksbärchis im Bild zu sehen. Eine präzisere Aufgabenstellung wäre hier hilfreich gewesen. Die Poster waren für ihn fast gänzlich uninteressant. Die Glücksbärchi-Freundschaftsbänder zum Ausschneiden muss man kopieren oder man zerschneidet die Aufgaben auf der nächsten Seite. Außerdem wäre es gut, diese Bänder zu verstärken, damit sie nicht gleich zerreißen.

Insgesamt ein gelungenes Magazin, das sich Mühe gibt, auf die Bedürfnisse von Kindergartenkindern einzugehen – wenn sie schon lesen und schreiben können, wie ein paar Aufgaben voraussetzen. Ob das Kind etwas damit anfangen kann, hängt vom Charakter, den Vorlieben und der Tagesform des Kindes ab, denn so kleine Kinder haben eine geringe Aufmerksamkeitsspanne. In jedem Fall ist es besser als das Kind vorm Fernseher zu parken, denn mit den Aufgaben werden die Aufmerksamkeit und Konzentration sachte geschult. Für den Preis von 3, 50 Euro in Ordnung. Allerdings befürchte ich, dass weitere Extras sofort bei Benutzung durch Jungen oder lebhaftere Mädchen kaputtgehen werden, wenn es mehrteilige Spielsachen oder insgesamt fragilere Sachen als die aktuell beiliegenden Walkie-Talkies sind.


Genre: Comics
Illustrated by Egmont Ehapa

Ich habe ein Buch geschrieben – Was nun?

Bücherprinz Ruprecht Frieling plaudert aus dem Nähkästchen über die Themen, die jeden frischgebackenen Autor interessieren.

Das ist der erste Satz des Ratgebers. Als ich das las, dachte ich – wieder ein Buch, in dem mir weitschweifig und kostenpflichtig erklärt wird, wie ich schreiben, veröffentlichen und insbesondere auch verkaufen soll. Wie ein Eheratgeber zur Diamantenen Hochzeit, denn ich gehe diesem Gewerbe jetzt über zehn Jahre nach. Weiterlesen


Genre: Ratgeber
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin

Akuma no Riddle 1

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Die 15-jährige Tokaku Azuma wird zur Attentäterin ausgebildet. Ihr erster Auftrag lautet, dass sie eine Schülerin in der Myojo-Akademie umbringen soll. Den Grund hierfür erfährt sie nicht, aber sie findet bald heraus, dass alle anderen Mitschülerinnen in der schwarzen Klasse außer dem Zielobjekt Haru ebenfalls Attentäterinnen sind – mit dem gleichen Auftrag. Tatsächlich machen sich schon die ersten daran, Haru umzubringen. Dank Tokaku bleibt es aber bei dem Vorhaben. Die nämlich empfindet gegen ihren Willen immer mehr Sympathie für Haru und kommt schließlich zu dem Entschluss, Haru beschützen anstatt umzubringen zu wollen. Damit gerät aber auch Tokaku ins Visier der anderen Mitschülerinnen und der Ausbilder Tokakus.

Der 1. Band weckt, wenn auch entfernt, unangenehme Assoziationen an reale Terrorcamps und deren Auswirkungen. Außerdem gibt es neben dem gleichnamigen Anime noch einen, der ein ähnliches Thema aufgreift: Assassin Classroom. Zum Glück scheint die Hauptperson in Akuma no Riddle allmählich die Gewalt und deren Hintergründe zu hinterfragen, sodass die Gewalt nicht ganz so schlimm glorifiziert wird.

Das zweite Thema dieses Bandes ist die homosexuelle Beziehung zwischen zwei Frauen, die bisher aber nur zart aufscheint. Es gibt inzwischen eine Fülle von Mangas auch im deutschsprachigen Raum, die die homosexuelle Liebe zwischen Männern zum Thema hat, aber im Vergleich dazu ist die Auswahl an Vergleichbarem im weiblichen Bereich dürftig. Da darf man leider nicht wählerisch sein, wenn man zu diesem Thema etwas lesen möchte. Trotzdem gibt es einige Dinge an dieser Art von Literatur, die definitiv stören, wenn nicht sogar Klischees bedienen: Die lesbische Liebe findet fast immer innerhalb eines geschlossenen Raumes statt, meist eines Mädcheninternats. Sie hat damit noch nicht einmal in der Literatur die Chance, als normale sexuelle Veranlagung im Alltag Eingang zu finden. Zum zweiten wird diese Art von Liebe nicht als natürlich betrachtet, sondern hat einen Auslöser, meist unangenehme Erlebnisse mit Männern, die sogar bis zum Hass führen können. Was dabei nicht bedacht wird: Die Veranlagung zur Bi-, Homo- und Heterosexualität ist von Geburt an da. Eine Heterosexuelle kann also trotz schlimmer Erfahrungen mit Männern nicht einfach auf homo oder bi umschalten. Was dagegen gezeigt wird (wenn auch oft nur angedeutet), sind die Schwierigkeiten, die mit Homosexualität verknüpft sind. Von der Frau wird in einer konservativen Gesellschaft erwartet, dass sie heiratet und Kinder bekommt; stärker noch als bei einem Mann. Das klappt nicht oder nur erschwert in homosexuellen Beziehungen. Außerdem machen sich die Figuren machen Gedanken darüber, was ist, wenn andere ihre lesbische Beziehung herausfinden. Es gibt aber auch Mangas, in denen die Liebe in der Art der mittelalterlichen Minne verhaftet bleibt. (Vgl. zu diesem Thema z.B. die Mangas „Wir beide!“, „Frühling, Sommer, Herbst und Winter“, „Cherry Lips“, „Ballerina Star“, „Blue“.)

Zu den Verkaufszahlen der Mangas mit lesbischer Liebe meint Ehapa: „Dass es – übrigens auf globaler Ebene, nicht lediglich hierzulande – wesentlich mehr Shounen Ai-Titel gibt, liegt schlicht an der Nachfrage. Unserer Erfahrung und den Verkaufszahlen zufolge wird das Genre Shounen Ai zum größten Teil von heterosexuellen Frauen gelesen, während Shoujo Ai und Yuri zwar von Männern bevorzugt werden, trotzdem aber weitaus niedrigere Absatzzahlen aufweisen. Dies erklären wir uns damit, dass sich das männliche Publikum in erster Linie für Titel aus dem Bereich Action, Abenteuer, bzw. Shounen allgemein interessiert, weniger aber für romantische Inhalte. Hinzu kommt, dass Yuri-Mangas im Vergleich zum Yaoi-Genre meist weitaus weniger explizites Bildmaterial enthalten. Obwohl wir als Verlagshaus natürlich ökonomisch handeln müssen, haben wir auch immer wieder Shoujo Ai- und Yuri-Titel (z.B. Akuma no Riddle, Love Flag Girls!!, Highschool Girls, etc.) in unserem Programm, in denen lesbische Beziehungen thematisiert werden.“

Zurück zu Akume no Riddle: Die raue Gangart dieses Mangas wird wohl eher ein männliches Publikum ansprechen. An Frauentypen werden demnach eher Männerträume zeichnerisch umgesetzt als Realität abgebildet: Das Opfer, die Kühle, der Vamp, die Niedliche usw. sind doch sehr klischeebehaftet. Frauen können sich damit weniger identifizieren, es sei denn, sie entsprechen einer dieser Typisierungen. Ansonsten wird der Umschwung im Denken Tokakus zwar immer mal wieder eingeflochten, geht aber trotzdem ein wenig zu schnell, um glaubhaft zu wirken.

Mich persönlich spricht der Manga nicht an, denn er ist mir zu brutal und die Frauenbilder sind zu eindimensional.


Illustrated by Egmont Ehapa

Altes Land

altesLandVera ist fünf Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter auf dem großen steinernen Gutshof im alten Land, dem großen Obstanbaugebiet unweit von Hamburg strandet. Sie sind 1945 aus Ostpreußen geflohen, die wortkargen Norddeutschen heißen die Flüchtlinge nicht gerade willkommen. “Diet Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nenn’t ook noch sien” steht über der Tür. “Von mi gift dat nix!“ ist der einzige Satz, den die alte Bäuerin zu den Flüchtlingen spricht.

Vera wird ihr Leben auf diesem Hof verbringen, aber mehr als “die Fremde” wird sie nie sein – immerhin schon ein Fortschritt zum “Polackenkind”. Sie wird das Haus erben, jedoch nie die Kraft finden, es instandsetzen zu lassen. Es ist ihr Haus und doch nicht ihr Haus, ganz so wie die Inschrift über der Tür es dunkel prophezeit. Sechzig Jahre später steht ihre Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür. Auch Anne ist ein Flüchtling, aber sie flüchtet nicht vor Krieg, Elend und Vertreibung, sie flüchtet aus ihrer Ehe, weil ihr Mann eine andere liebt und sie das nicht einfach sachlich abwickeln kann und will, so wie es die ungeschriebenen Gesetze der Hamburg-Ottenser Vollwert-Schickeria es diktieren. Nun will sie dort Fuß fassen, wo schon ihre Oma nie Fuß fassen konnte.

Vera und ihre Mutter waren preußisch bis in die Knochen, ungeachtet der ihnen entgegengebrachten Ablehnung kämpften sie stoisch und standesbewusst um ihr Bleiberecht. Die Mutter machte Nägel mit Köpfen, in dem sie den Sohn des Hauses heiratete, doch dann flieht sie weiter und schafft durch die nächste Heirat eine weitere Stufe der gesellschaftlichen Leiter im Wirtschaftswunderland. Ihre wunderliche Tochter Vera lässt sie bei ihrem ersten Mann auf dem Hof zurück. Vera erkämpft sich gegen alle Widerstände ein Studium und wird die Zahnärztin des Dorfes. Man begegnet mit einer Art widerwilligem Respekt, doch mehr ist es nie geworden.

Dörte Hansen gibt in ihrem Debütroman “Altes Land” einen Einblick in das Leben und den Alltag der Menschen in den Elbmarschen, in ihre doch recht eigene Welt, ihre Wertvorstellungen und vor allem in die Maßstäbe, die sie an sich und gnadenlos auch an ihre Mitmenschen anlegen. Es ist die Welt des alten Hinni, der zwar drei Söhne, aber keinen Erben für seinen so penibel gepflegten Hof hat, des Bauern Dirk und seine Frau Britta, die ihren Obstanbau klassisch betreiben – sprich mit viel Chemie und die sich von den Stadtflüchtigen bedrängt fühlen. Von jenen “möchte-gern-Kreativen”, die es aus der Hektik der Großstadt hierhin verschlagen hat und deren Welt es nie werden kann. Die Sehnsucht nach der heilen Welt auf dem Lande -die Marotte unserer Zeit, man kennt das. In Wahrheit finden “die Stadtflüchtigen” alles allenfalls pittoresk -solange es nur neu ist, aber alt aussieht und was hermacht und man es in Artikeln in Hochglanzmagazinen, die die Seele des gestressten Städters streicheln sollen, verwursten kann. Hauptsache, die “dickschädeligen” Bauern kommen authentisch rüber.

Dem gegenüber stehen die Schilderungen der jungen alternativen urbanen Familien, die doch soviel spießiger und engstirniger sind als noch ihre Eltern. Während Dörte Hanse den knorrigen Menschen aus dem alten Land – ob Alteingessene oder “neu” Hinzugezogene – mit Respekt und Verständnis begegnet, müssen die Übermütter und Väter aus Ottensen sich mit leichtem Spott begnügen. Das gelingt Hansen witzig, mit viel Wiedererkennungswert. Man kennt sie, die bemühten Eltern mit ihren Einkäufen im Bio-Supermarkt, den Baby-Schlafsäcken aus reiner Schafswolle, die ihre Kinder im stylischen Buggy vom Chinesisch für die Kleinsten zur musikalischen Früherziehung karren. Hochbegabte, wohin man schaut, die von in abgeklärten Beziehungen lebenden Eltern wohlwollend zu Höchstleistungen erzogen werden, biologisch korrekt ernährt und in politisch korrektem Sprech geleitet. In Unwissenheit der Tatsache, dass auch Sprache Heimat sein kann. Die Leute im alten Land wissen das, sie benutzen ihr Plattdeutsch als Ausdruck ihrer Zusammengehörigkeit, aber auch als Ausschlußtechnik. Dörte Hansen gibt diese Sprache in manchen Sätzen ganz bewusst so wieder, der Leser muss sie mehrmals lesen und sich laut vorlesen, damit er sie versteht. Aber so versteht er auch, was es heißt, als völlig Fremder in eine in sich geschlossene Gesellschaft zu kommen.

Anne, die gelernte Tischlerin nimmt sich schließlich des alten Hauses an, sie sorgt dafür, dass Wände trocken gelegt, Fenster erneuert werden und die alten Stützbalken wieder gestärkt werden. Sie, die völlig Fremde, wird dafür sorgen, dass ein Jahrhunderte altes Erbe bewahrt werden kann. Und sie sorgt dafür, dass Vera wieder schlafen kann. Auch wenn es bedeutet, dass sie selber wach bleiben wird und die Träume derer behütet, denen das Haus vielleicht doch noch eine Heimat wird – dadurch, dass sie gefunden haben, was sie eigentlich nie suchten – eine Familie. Die Handlung in “Altes Land” ist recht überschaubar, seine Anziehungskraft besteht in Dörte Hansens Schilderungen. Das Buch lebt sowohl von den beschriebenen Gegensätzen, als auch von Dörte Hansens scharfem Blick, von ihrem trockenen Wortwitz und einem hintergründigen, oft erst auf den zweiten Blick erkennbaren Humor. Sie erzählt mit Distanz, die Verbindung zu den Charakteren muss man sich über eine längere Strecke “erlesen”.

“Altes Land” steht seit Monaten auf den vorderen Plätzen diverser Bestsellerlisten. Mit ihrem Buch scheint die Autorin einen Nerv getroffen zu haben. Sie erzählt von der Suche nach Heimat, nach Zugehörigkeit, vom Fremdsein, von der Suche nach dem Platz im Leben. Ich nähere mich diesen Bestsellern ja nach diversen Enttäuschungen mit hoher Vorsicht, aber die Neugier überwog doch. Und – ich mochte das Buch. Sehr sogar. Es ist sehr behutsam erzählt, bei aller Distanz fühlt die Autorin sich gut ein in ihre Charaktere, Manche Personen sind liebevoll gezeichnet, andere wieder witzig, allerdings steht zu befürchten, dass wirklich keiner der Charaktere überzeichnet ist, auch wenn man es gelegentlich hofft. Alleine ihre Beschreibungen der Hamburger Vollwert-Eltern (das ist allerdings nicht Hansestadt-spezifisch, die gibt es mittlerweile überall, sogar im Ruhrpott) lohnt die Lektüre.

In etlichen Feuilletons war von “plumper” Belletristik zu lesen, ich kann dem nicht zustimmen. Belletristik ja, ok. Sind wir wieder bei der alten Frage, warum ist das eine Abwertung? Es geht doch nichts über eine gut erzählte Geschichte. Und ich mochte nicht nur das Buch, welches in seinen besten Momenten an “die hellen Tage von Zsuzsa Bank” erinnert, ich mochte durchaus auch das hoffnungsspendende Ende. Mein persönliches Fazit: Aufgrund der vielen abwertenden Rezensionen habe ich extra so lange gewartet mit meiner Beurteilung. Denn für mich ist ein Buch immer dann ein gutes Buch, wenn es lange nachwirkt. Altes Land habe ich noch im letzten Jahr gelesen und – es wirkt bis heute nach, ist mir bis heute präsent. Daher: Echte, uneingeschränkte Leseempfehlung.

Darüberhinaus – und davon kann in diesen unseren Zeiten gar nicht genug erzählt werden – “Altes Land” gibt eine eindringliche Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich heimatlos ist. Und vor allem, wie es sich anfühlt, wenn man unerwünscht ist, obwohl man im Grunde nichts anderes will als überleben.

Die Journalistin Dörte Hansen lebt in der Nähe von Hamburg. Sie arbeitete als Redakteurin beim Norddeutschen Rundfunk und heute als Autorin für Hörfunk und Print. “Altes Land” ist ihr erster Roman und ein erstaunlicher – meiner Meinung nach verdienter – Überraschungserfolg.


Genre: Romane
Illustrated by Knaus München

Lucky Luke: Martha Pfahl, Band 94

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Kid Lucky Luke will Joannie zum Valentinstag-Ball einladen, findet aber nicht die richtigen Worte. Ein anderes Mal soll er beim Veteranenverband der Jagdfreunde Zaubertricks vorführen. Aber der Trick mit dem Karnickel nimmt für Luke ein übles Ende. Als Luke beim Rauchen erwischt wird, setzt es von Tante Martha Prügel. Kid findet Joannies beschauliche Ehevorstellungen nicht gerade erstrebenswert. Ein anderes Mal spielen Kid und sein Freund Dopey Wilhelm Tell nach. Der Schuss geht allerdings nach hinten los. Luke träumt von einem Hund, der dümmer ist als sein Schatten. Aber das wollen ihm seine Freunde nicht glauben. Joannie weckt nicht immer Begeisterung bei Kid und Jane, wenn sie mit ihnen Tee-Gesellschaft spielen will. Eines Tages wacht der erwachsene Lucky Luke auf, ist wieder ein Kind – und begegnet dem Weihnachtsmann.

Der 94. Band erzählt neue Geschichten von Kid Lucky Luke, die allesamt witzig zu lesen sind. Achdé versteht es, die Serie im Sinn des ursprünglichen Erfinders Morris weiterzuführen und dessen Charme und Witz zu erhalten. Die Geschichten rund um Kid sind je eine Seite lang und basieren auf dem Erfolgsrezept, dass man (historisches) Wissen und Anspielungen z.B. auf Waffengesetze, kindliche Eigenarten, Indianertraditionen, Westernklischees oder bekannte Weihnachtsgeschichten gegen den Strich bürstet, sodass die Pointe der Strips immer überraschend und damit witzig ist. Prima auch die kurzen und kurzweilig-humorvollen Erklärungen unter den Strips, die historische Tatsachen, die in den Strips gestreift werden, aufgreifen und vertiefen. Als Extra bietet der Comic eine kurze Biografie zu Morris. Fazit: Gelungenes, humorvolles neues Album!


Illustrated by Egmont Ehapa