Vladimir Ivanovich Serkov alias Martin Landau wollte eigentlich Kosmonaut werden. Dann entwickelte er Toiletten für die Schwerelosigkeit und weltraumtaugliches Klopapier samt in Raumanzügen eingebauter Toiletten an der TU Dresden. Um in den Westen zu kommen, verdingt er sich als Spion beim britischen Geheimdienst MI6.
Der Autor schildert das Leben des Computerspezialisten und beginnt dessen Odyssee durch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Systeme in einer Verhörzelle von Stasi und KGB, wo man ihn gefügig macht. Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus und der Maueröffnung entfällt seine Existenzgrundlage. Er geht nach Wien, wo er sich als Kellner verdingt, dann jedoch mittels gefälschter Papier einen Spitzenjob für ein bundesdeutsches Rüstungsunternehmen bekommt, für die er eine Software zur Steuerung militärischer Drohnen entwickelt.
Doch seine alten Auftraggeber spüren ihn auf und schieben ihm einen Quellcode unter. Mit dem frisch programmierten Trojaner wollen die Russen bei jedem Drohnenflug mit von der Partie sein. Martin wehrt sich, aber er hat eine Schwachstelle: seine frisch angetraute Frau. Geheimdienste mögen Menschen mit Schwachstellen, weil sie diese leichter manipulieren und erpressen können.
Die ehemaligen KGB-Mitarbeiter, die unverändert im Geheimen tätig sind, spielen Landau Software zu, die er auf die Entwicklungsrechner seines Auftraggebers überspielt. Allerdings wird ein Kollege aufmerksam, der schnell merkt, dass ein Einzelner nicht derart umfangreich programmieren kann. Er spricht Martin an, wenige Tage darauf stirbt er nach einem Treffen mit einem russischen Lockvogel an einer Überdosis Crystal Meth.
Landau begreift endgültig, dass er nur ein Spielball in den Händen seiner Auftraggeber ist und dass sein Leben keinen roten Heller mehr wert sein wird, wenn er den Job erst einmal pflichtgemäß erledigt hat. Im Gegenteil: Als Mitwisser wird er vermutlich Opfer eines geheimnisvollen Verkehrsunfalls oder erliegt aus heiterem Himmel einem plötzlichen Herzstillstand. Er hängt wie eine Marionette an der dünnen Strippe unbekannter Puppenspieler, die die Fäden durchschneiden können, wann immer es ihnen passt.
Er setzt alles auf eine Karte und plant den großen Befreiungsschlag, um sich und die Seinen für immer aus der Abhängigkeit der Schlapphüte zu befreien. Dabei bedient er sich alter Seilschaften, trifft aber auch auf einen Bundesgenossen, an den er nie zuvor gedacht hatte.
Autor Detlev Crusius, der unter dem Pseudonym Eddy Zack schreibt, legt einen hochkomplexen Agentenroman vor, der regelrecht nach Verfllmung schreit. Er schafft es, das perfide Spiel der Geheimdienste gegen- und miteinander zu schildern, und so wundert es zum Schluss nicht, dass es die Amis sind, die an Trojanern interessiert sind, mit denen sie ihre NATO-Bündnispartner kontrollieren. In Zeichen von Wikileaks und NSA ist dieser packende Kriminalroman eine hochpolitisch, absolut zeitgemäße Geschichte, die vermutlich nur noch von der Wirklichkeit überholt werden kann.
Der Leser gewinnt auch Verständnis, warum immer wieder fiktive Bedrohungen produziert werden, für deren Beseitigung man unbedingt neue Waffensysteme wie die hier behandelten Drohnen benötigt. Wie jede Kirche aus der Angst der Gläubigen vor dem Jenseits ihre Daseinsberechtigung ableitet, so leben auch die Geheimdienste nur von der Angst ihrer Regierungen, man könne ihnen auf die Schliche kommen.
Ein packendes Buch mit großem Potential.
Wenn jemand neue Münster-Krimis ersinnen kann, dann ist es Bela Bolten. Der gebürtige Westfale fuhr jahrelang Taxi in der Metropole und kennt jeden Winkel rund um den Prinzipalmarkt. Entsprechend authentisch sind seine Tatorte, sei es das »Hotel Krautkrämer« oder das »Café Klatsch«.
Durchaus unterhaltsam liest sich Emma Wagners spritziger Roman um die Großstadttussi Valentina Leumund, ein verwöhntes Kind stinkreicher Eltern.
Bei Titel und Genre des Buches musste ich spontan an Oliver Sacks wundervolles Buch »Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte« denken. Und tatsächlich ist Sacks Werk über die dunklen Seiten der menschlichen Seele durchaus vergleichbar mit den Geschichten, die Christof Kessler erzählt.
Eine Stewardess schreibt ein Buch, veröffentlicht es mangels anderer Gelegenheit als E-Book und erobert damit in ultrakurzer Zeit Kohorten weiblicher Fans, die sie bald wie die Mücken das Licht umschwärmen. Ein grandioser Erfolg ist diesem ungewöhnlichen Talent, das aus dem Nichts die Bühne der Buchwelt betritt, beschieden. Alle jubeln. Alle sind froh und umarmen sich!
Peter Buchenau mag ein guter »Redner, Ratgeber und Kabarettist« (Eigenwerbung) sein, ein brillanter Autor ist er nicht. Sein Buch »Nur wer wagt, gewinnt« ist in erster Linie eine labyrinthische Predigt, die apodiktisch angelegt ist unter dem Mantra »Nur wer dies und jenes tut oder lässt, der …«
»Jeder Mensch hält seine Bürde für die schwerste«, schreibt der römische Philosoph Seneca, und »ein Melancholiker jammert mehr als alle anderen«, ergänzt Robert Burton (1577–1640) im Vorspruch seines Buches.

Mit Schemaliteratur tue ich mich schwer, und Liebesromane überlasse ich normalerweise denjenigen, die damit etwas anfangen können. Da ich aber Einzeltitel von Kirsten Wendt und Markus Hünnebeck mit Gewinn gelesen habe und immer noch auf der Suche nach der Formel bin, wie Titel es schaffen, über Nacht die Gunst des Publikums zu erobern, habe ich diesen Wechselgesang der beiden Autoren gelesen und es keine Minute bereut.
Ausgehend von einem berühmten Gruppenbild des Jugendstil-Stars Heinrich Vogeler schildert »Konzert ohne Dichter« Szenen aus der legendären Künstler-Kolonie Worpswede. Der Präraffaelit Vogeler hatte in seinem 310 x 175 cm großen Gemälde »Das Konzert« seine Frau Martha porträtiert, die an einem Sommerabend der Jahrhundertwende auf der Eingangstreppe vor ihrem gemeinsamen Wohnsitz Barkenhoff steht. Zu den Füßen der Frau, die in die Ferne blickt, liegt ein russischer Windhund. Auf der rechten Seite sitzen drei Musiker, darunter der Maler selbst am Cello, halb verdeckt durch seinen Bruder Franz an der Violine. Sein Schwager spielt Flöte. Zur Linken sind prominente Künstler aus dem Künstlerdorf abgebildet. Die »Malweiber« Paula Modersohn, Agnes Wulff und Clara Rilke-Westhoff sind zu sehen. Im Hintergrund steht der bärtige Otto Modersohn. Nur ein Mitglied der damaligen Barkenhoff-»Familie« fehlt: Das ist der Dichter Rainer Maria Rilke, dessen Bildnis Vogeler, der fünf Jahre lang an dem Bild arbeitete, wieder löschte.
Alexander sitzt im Knast. »Betrug zum Nachteil einer Bank« lautet sein Vergehen. Der Betrüger war als eine Art externer Kreditsachbearbeiter für eine Schweizer Bank tätig, beriet Kunden, Kreditanträge auszufüllen, damit sie an Geld kamen und fälschte dabei gekonnt die Zahlen. Fünfundzwanzig Jahre gab er sich dieser Tätigkeit hin, bis er auf die Idee kam, nicht immer nur die Kunden, sondern zur Abwechslung auch mal die Bank selbst zu bescheißen. Dabei wurde er jedoch von einem Neidhammel aus dem Rechenzentrum des Geldinstituts anonym angezeigt.