Mit Schemaliteratur tue ich mich schwer, und Liebesromane überlasse ich normalerweise denjenigen, die damit etwas anfangen können. Da ich aber Einzeltitel von Kirsten Wendt und Markus Hünnebeck mit Gewinn gelesen habe und immer noch auf der Suche nach der Formel bin, wie Titel es schaffen, über Nacht die Gunst des Publikums zu erobern, habe ich diesen Wechselgesang der beiden Autoren gelesen und es keine Minute bereut.
Der Plot der Geschichte ist überschaubar: Zwei allein erziehende Elternteile lernen sich über ihre Kinder kennen, unterstützen sich bei deren Beaufsichtigung und Betreuung, finden sich anfangs unsympathisch und verlieben sich nach einer Phase behutsamer Annäherung ineinander. Unrealistisch ist das nicht, ich kenne ähnliche Szenarien als langjähriger Hundehalter, bei denen mir mein vierbeiniger Begleiter manche Begegnung mit attraktiven Hundedamen verschaffte …
Wendt und Hünnebeck beschreiben das Miteinander ihrer beiden Protagonisten sprachgewandt und mit großer Leichtigkeit. Er ist 37 Jahre alt und als freischaffender Architekt im Home-Office tätig, sie verkauft Werbeartikel für Mittelstands- und Großunternehmen, verbringt den halben Tag im Auto und saust von einem Termin zum nächsten. Sie ist die ungekrönte Königin der Selbstzerfleischung und entspricht dem allgemeinen Beuteschema mit guter Figur, sexy Ausstrahlung und selbstbewusstem Verhalten. Er sieht gut aus, erweist sich als fürsorglicher Vater, kann kochen und strahlt eine gewisse Dominanz aus. Bei beiden geht die Liebe über den Magen.
Was nun im richtigen Leben oft recht schnell in der Horizontalen mündet, dauert im Buch wesentlich länger und erstreckt sich mit vorsichtigem Tasten, Zögern und Annähern über das gesamte Buch. Erst bei 58 Prozent drückt er sein linkes Bein gegen ihr rechtes, bei 59 Prozent legt er eine Hand sanft auf ihren Oberschenkel, bei 61 Prozent legt er seine Hand auf ihre, und bei 70 Prozent gibt es einen fünfminütigen Kuss, als hätten die beiden fünf Stunden heißen Sex gehabt. – Wie es danach weitergeht? Das sei hier nicht verraten…
Die Zielgruppe für dieses Buch dürfte überwiegend weiblich sein. Das Zusammenspiel der beiden Autoren ist stimmig, das Experiment ist insofern gut gelungen. Es macht Freude, den Irrungen und Wirrungen der beiden Protagonisten zu folgen, und selbst ein eingefleischter Liebesroman–Abstinenzler kann Spaß bei der Lektüre haben.
Ausgehend von einem berühmten Gruppenbild des Jugendstil-Stars Heinrich Vogeler schildert »Konzert ohne Dichter« Szenen aus der legendären Künstler-Kolonie Worpswede. Der Präraffaelit Vogeler hatte in seinem 310 x 175 cm großen Gemälde »Das Konzert« seine Frau Martha porträtiert, die an einem Sommerabend der Jahrhundertwende auf der Eingangstreppe vor ihrem gemeinsamen Wohnsitz Barkenhoff steht. Zu den Füßen der Frau, die in die Ferne blickt, liegt ein russischer Windhund. Auf der rechten Seite sitzen drei Musiker, darunter der Maler selbst am Cello, halb verdeckt durch seinen Bruder Franz an der Violine. Sein Schwager spielt Flöte. Zur Linken sind prominente Künstler aus dem Künstlerdorf abgebildet. Die »Malweiber« Paula Modersohn, Agnes Wulff und Clara Rilke-Westhoff sind zu sehen. Im Hintergrund steht der bärtige Otto Modersohn. Nur ein Mitglied der damaligen Barkenhoff-»Familie« fehlt: Das ist der Dichter Rainer Maria Rilke, dessen Bildnis Vogeler, der fünf Jahre lang an dem Bild arbeitete, wieder löschte.
Alexander sitzt im Knast. »Betrug zum Nachteil einer Bank« lautet sein Vergehen. Der Betrüger war als eine Art externer Kreditsachbearbeiter für eine Schweizer Bank tätig, beriet Kunden, Kreditanträge auszufüllen, damit sie an Geld kamen und fälschte dabei gekonnt die Zahlen. Fünfundzwanzig Jahre gab er sich dieser Tätigkeit hin, bis er auf die Idee kam, nicht immer nur die Kunden, sondern zur Abwechslung auch mal die Bank selbst zu bescheißen. Dabei wurde er jedoch von einem Neidhammel aus dem Rechenzentrum des Geldinstituts anonym angezeigt.

Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion samt ihrer entsprechenden Vasallenstaaten, also zwischen den Wirtschaftsblöcken in Ost und West, brachte neben der Verschlechterung der Lebens- und Reisebedingungen auf beiden Seiten eine erhebliche Wirtschaftsblockade mit sich. Mit Hilfe der sogenannten Comecon-Liste wollten die USA den technischen Fortschritt in den sozialistischen Ländern aufhalten, indem sie nahezu jedes Elektrogerät, in erster Linie natürlich Computer, auf den Index setzten und den Export unterbanden. Ähnlich wie es die USA unverändert mit Kuba machen, sollte auf diese Weise das »Feindesland« ausgehungert und geschwächt werden.
Ein grausiger Mord. In einem verfallenen Schlachthof wird ein nackter Toter angekettet aufgefunden. An seinen Klöten baumeln Christbaumkugeln.