Realitätsschock: Zehn Lehren aus der Gegenwart

RealitätsschockGleich in der Einleitung des Buches von Sascha Lobo steht fettgedruckt dieser Satz: „Realitätsschock in einem Satz: Plötzlich müssen wir erkennen, dass die Welt anders ist als gedacht oder erhofft.“

Die Welt scheint aus den Fugen geraten, und ist mit unserem geistigen Vermögen schwer zu erfassen. Wir werden „der Hoffnung beraubt, Politik, Wirtschaft und Eliten hätten eine gewisse Kontrolle über den Lauf der Dinge.“

Die These des Buches lautet: Digitalisierung und Globalisierung bedingen sich gegenseitig, sodass die eine Entwicklung ohne die andere nicht möglich und deswegen nicht zu verstehen wäre. Dieser Gedanke wird auf bald vierhundert Seiten in zehn (wie wir später sehen werden, eigentlich elf!) Kapiteln durch dekliniert.

Gleich eingangs entschuldigt er sich, dass er einen weiteren Entwicklungsstrang auslassen musste: die zunehmenden und für Viele überraschenden Rollen, die Frauen nun einnehmen. Dies müsse er seiner Frau, Meike Lobo, überlassen, die ein Buch darüber vorbereite, und er möchte nicht vorgreifen. Schade! Ein wenig old School, aber nicht unsympathisch für einen Ehegatten …
Er bezieht sich auf das Buch „Die Metamorphose der Welt“ von Ulrich Beck 2016 geschrieben, in dem es heißt, die Welt in der wir leben, verändert sich nicht bloß, sie befindet sich in einer Metamorphose. „… Die ewigen Gewissheiten moderner Gesellschaften brechen weg.“ Später zitiert er Beck: „Die laufende Metamorphose hängt zutiefst mit dem Konzept des Nichtwissens zusammen. Dieses Nichtwissen kann uns nicht mehr schützen, wenn wir alles Wissen, das uns zugänglich ist, aufnehmen und bedenken.“

Ich hatte beim Lesen mit den Bereichen angefangen, über die ich schon viel wusste und nachgedacht hatte. Als dabei Lobos Konzept nachvollziehbar und immer auch erfrischend war, konnte ich vertrauensvoll die mir unbekannten Bereiche lesen und staunen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle schon anmerken, dass er das Alter meiner Kinder hat.

Beim Lesen genoss ich seine große Sachkenntnis und Erfahrung im Netz: Wer kann schon von sich im Klappentext schreiben, dass er „in Berlin und im Internet lebt“? Als Gesundheitswissenschaftlerin fand ich das Kapitel zur Gesundheit realitätsfern, es sollte überarbeitet werden.

Klima (Kapitel 1)

Klimakollaps, Plastikpanik, vegane Visionen

Das Kapitel beginnt in einem sibirischen Dorf am Barentssee, in dem hungrige Eisbären die Menschen bedrohen. Der Klimawandel, der 2018 beginnt, führt zu Verschiebungen: während die USA Temperaturen bis zu minus 50°C haben, im nahe am Pol gelegenen Russland wird es dagegen zu warm. Dadurch schwimmen für die Eisbären keine Robben mehr auf Eisschollen heran und sie müssen sich ihre Nahrung anderswo suchen, etwa in der Nähe menschlicher Behausungen. Woher wissen wir diese Zusammenhänge? Von Satellitenaufnahmen.
Das Zeitalter des Holozän mit klimatischer Stabilität ist beendet, wir leben im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen. Der Klimaforscher Schellnhuber sagt 2019: „Wir Forscher haben gewarnt vor den Folgen des Klimawandels … und Keiner hört zu.“ Erst als die Jugendlichen der Klimabewegung das Wissen ernst nehmen, wird der Begriff „Kippelemente der Erdsysteme“ in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Als nächstes wird ausführlich die „Plastikpanik“ behandelt, wie die Plastik produzierende Industrie schon in den siebziger Jahren Stimmung für ihr Produkt machen (kann man immer wiederverwenden!) und die Schuld für den Plastikmüll auf die Verbraucher schiebt. Oder man soll recyceln, was aber faktisch nur in 5,6 % der Fälle geschieht.

Zeitgleich entwickeln sich digitale Medien und die Bilder von Plastik verseuchten Meeren erreichen uns. Sie zeigen, wie Produkte, die in reichen Ländern hergestellt und genutzt wurden, als Müll in die Verantwortung armer Staaten kommen, die die Probleme nicht besser lösen können. Es folgt eine Übersicht, wann einzelne Länder beispielsweise Plastiktüten verboten haben.

Seit Anfang der Zehnerjahre werden mehr Menschen „plötzlich pflanzlich.“ In Deutschland sind 2016 1,3 Millionen Menschen vegan, knapp 9 % vegetarisch. Ein Grund sind die Leiden der Tiere, aber angesichts des durch Viehzucht entstehenden Kohlendioxidüberschusses (70 % der Agrarflächen werden für die Tierproduktion verwendet!) wird zunehmend pflanzliche Ernährung als bester Ausweg gesehen.

Israel gilt als Hochburg des Veganismus, schon 2015 mit rund 5 % der Bevölkerung, die sich vegan ernährt. Beim anstehenden Wechsel der Ernährungsgewohnheiten spielen Kinder und Jugendliche eine große Rolle, auch als Mediennutzer, die ihre Eltern beeinflussen. In ihnen sieht Lobo die entscheidenden Akteure, um den Kapitalismus „ökologischer und bedingungslos nachhaltig“ zu machen.

Migration (Kapitel 2)

Massenwanderungen: Warum Migration heute ein höchst digitales Problem ist

Die UN hat ein „Predictive Analytics“ Projekt aufgebaut, das mit Daten wie Konflikteinschätzungen eine Wiederholung des „Realitätsschock von 2015“ künftig vermeiden soll. Die damalige Migration von mehr als einer Millionen Syrern wird als „Zeitenwende“ bezeichnet. Alle Parteien in der BRD fordern, die Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu bekämpfen, manche eher human, andere eher inhuman – hilflos sind sie alle.

Große Wanderungsbewegungen gab es immer: 90 % innerhalb von Afrika. Die Migrationsvermeidungsstrategien der Europäer denken eurozentrisch nur an die, die nach Europa wollen, in besonders erwählte Länder, zu denen Deutschland gehört.

„Wasser, Smartphone, Essen, in dieser Reihenfolge“, so beschreibt eine britische Migrationssoziologin die Prioritäten der Migranten. Sie schätzen die Möglichkeit, Kontakt zu Freunden und Familie aufrecht zu erhalten, darüber ihre Flucht zu organisieren, und Kontakte am geplanten Zielort zu finden.

Die afrikanische Migration ist eine Spätfolge des Kolonialismus; viele der europäischen Staaten hatten Kolonien in Afrika. In einem längeren Zitat eines togolesischen Kulturhistorikers schreibt er: „Kolonisierung (war) eine gewalttätige Einführung von Systemen“ … mit dem Ziel, die Länder auszubeuten. „Eine Elite führt diese Systeme weiter. In den meisten afrikanischen Ländern wird eine große Masse der Bevölkerung (von dieser Elite) im Stich gelassen … Migration und Entwicklung gehören zusammen, aber mit einer Sensibilität für die hinterlassenen Systeme der Kolonialzeit.“

Nach der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Nationen ging es auf neue Weise weiter. Die Ermordungen afrikanischer Führer wurden, wie wir aus inzwischen freigegebenen Geheimdienstunterlagen wissen, durch die europäischen Mächte und die USA inszeniert.

Handelsbeziehungen sollen die alte Einteilung, ihr liefert die Rohstoffe und wir die Produkte, erhalten. 2014 wollte Kenia ein europäisches Freihandelsabkommen mit der Ostafrikanischen Staatengemeinschaft nicht unterzeichnen, weil es befürchtete, die heimischen Produkte hätten gegen Subventioniertes keine Chance. Darauf erhöhte die EU die Zölle für kenianische Waren (Blumen, Kaffee, Obst) um 30 %. Der Export drohte zu versiegen, und Kenia unterschrieb. Ein kenianischer Wirtschaftsexperte schätzt, dass das Land aus den durch das Handelsabkommen resultierenden EU-Importen jährlich rund 100 Millionen Euro verliert.

„Sie kommen so oder so“ und hinterlassen, gerade in Westafrika, in manchen Gegenden praktisch keine Jugendlichen mehr, die für die heimische Landwirtschaft nötig sind.

Integration (Kapitel 3) und Rechtsruck (Kapitel 4)

sind ebenfalls kenntnisreich und lesenswert. Zur Integration habe ich mir gemerkt, dass Helmut Kohl 1982 (in einem inzwischen veröffentlichtem Dokument) Frau Thatcher in London erklärte, dass es notwendig wäre, die Anzahl der in Deutschland lebenden Türken um 50 % zu reduzieren. Wir sehen dann die langsame Entwicklung auch bei der CDU, Integration steuern zu wollen, die Phasen des Multikulti, der Leitkultur, und wie der Versuch scheitert, die muslimischen Kirchenverbände mit der Integration zu betrauen. Statt der Leitkultur gälte es, Leitwerte zu vermitteln, eine Art Multikulti 2.0. „Es handelt sich um die basalen Regeln der liberalen Demokratie, die allerdings in Europa auch von lange heimischen Einwohnern nicht ausreichend ernst genommen werden.“ Diesen widmet sich das vierte Kapitel.

China (Kapitel 5)

Die chinesische Weltmaschine—Wie Chinas Gegenwart auch unsere Zukunft verändert

Das Kapitel beginnt mit der Beschreibung eines Fünfjährigen, dessen „Tigereltern“ das Einzelkind auf das Leben in einer „gesellschaftlichen Effizienzradikalität“ vorbereiten. Die meisten unter Vierzigjährigen in der wachsenden Mittelschicht glauben an das „meritokratische Wohlstandsversprechen“ und „konsumieren sich reich.“

Die Digitalisierung der Gesellschaft ist unglaublich weit fortgeschritten, finanzielle Transaktionen werden meist digital erledigt. Dieses Jahrhundert wird zum chinesischen, weil auch die westlichen Firmen ihre Produkte danach entwickeln, ob sie auf dem chinesischen Markt bestehen. Übrigens richtet auch Hollywood seine Filme danach aus. Und der Vorsprung wird in China weiter ausgebaut durch gezielte Förderung gerade der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI).

Wenn früher galt: Demokratie plus Marktwirtschaft gleich Wohlstand, scheint das chinesische Gegenmodell: Autoritäre Herrschaft plus Digitalkapitalismus gleich Wohlstand für manche überzeugender.

Im Mai 2020 liest sich der folgende Satz des 2019 erschienenen Buches prophetisch: „Ab und zu wird eine kommende chinesische Krise beschworen, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht gering. …wird eine chinesische Krise, so merkwürdig das klingt, den Rest der Welt härter treffen, als China selbst.“

Künstliche Intelligenz (Kapitel 6)

Wir nannten es Arbeit

Wie künstliche Intelligenz und Plattformen verändern, was wir unter Arbeit verstehen.

In einigen Chefetagen ist schon der Begriff der Decision making Strategie angekommen. Problem dabei, je mehr KI angewandt wird, „umso schwieriger wird es, den Sinn dahinter zu erkennen.“ Wer etwa Facebook fragt, warum ein „Inhalt im Nachrichtenstrom angezeigt wird und der andere nicht, dann ist deren einzige ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht, das hat die KI so anhand von Nutzungsdaten entschieden.“ Ein bisschen anders als in China ist es bei uns also doch …

Gesundheit (Kapitel 7)

Digitale Körperlichkeit

Dies ist das Kapitel, welches mich zu einem zweiwöchigen Realitätsschock Detox veranlasste. Der Tenor ist: mit der Digitalisierung wird bestimmt auch in Deutschland endlich die Gesundheit besser. Die in den anderen Kapiteln durchschimmernde Systemskepsis vermisse ich hier. Bei „Wir nannten es Arbeit“ wird über die ungerechte Bezahlung verschiedener Tätigkeiten gesprochen, seit Jahrzehnten wissen wir, dass Pflegekräfte unterbezahlt sind, viele nach wenigen Jahren den Beruf aufgeben, und viele Stationen, schon lange vor Corona, unterbesetzt sind. Das in anderen Kapiteln Bearbeitete wird nicht auf das Gesundheitswesen bezogen.

Lobo stellt Erkenntnisse medizinischer Forschung dar, vor allem im Bereich der genetischen Forschung, die eine aufs Individuum angepasste Medizin erlauben. Deutschland hat sich dieser Entwicklung bisher eher verweigert. „Wir wohnen der Entstehung unseres zweiten Körpers bei.“ Und der ist digital. Die Vermessung des Körpers läuft inzwischen bei „hunderte(n) Millionen Menschen“ und Lobo begrüßt, dass einige davon sinnvoll verknüpft werden können. Er hofft: „Eine digitale Kultur der Offenheit (gegenüber etwa psychischen Erkrankungen) ist im Netz entstanden, und sie betrifft auch das Körperliche.“ Wie soll die mögliche Diskriminierung von Menschen, deren Genom sie für Erkrankungen (etwa psychische) prädestiniert, verhindert werden? „Wir brauchen gesellschaftliche, regulatorische, politische und auch technische Antworten auf die Fragen, die sich daraus ergeben.“

Nicht nur Gesundheitswissenschaftler wissen, dass es in Deutschland eine Unterversorgung bei der sprechenden Medizin gibt, eine Überversorgung bei operativen Eingriffen, weil diese besser bezahlt werden. Da geht es um Macht und viel Geld. Wessen Interessen werden „Antworten auf die Fragen“ entsprechen. Stattdessen wünscht er: „Irgendwann werden physischer und digitaler Körper wieder eins.“ Und wo bleibt die Seele?

Noch bedenklicher sein Schluss: Die Kosten-Nutzen-Rechnung des deutschen Gesundheitswesens ist mies. Warum? Wegen der mangelhaften Digitalisierung. Erst wenn die kommt, wäre das deutsche Gesundheitswesen „ausreichend effizient.“

Soziale Medien (Kapitel 8)

Fun und ein Stahlbad

Wir erfahren, wie ein junger Mann, mit Spitznamen „Drachenlord“ von der Medienmeute fertig gemacht wurde. An einem Augusttag kamen in sein kleines fränkisches Dorf 800 Menschen, um ihn zu belagern, traten die Türen ein und legten einen Brand, sodass er mit Hilfe von Polizei und Feuerwehr geschützt werden musste. Was hatte er verbrochen? Im Netz seine eigenwilligen Meinungen vertreten. Dazu wurde er provoziert. Ein Beispiel: Er wurde von einer Frau dazu verführt, dass er ihr seine Liebe gestand, worauf sie dies Hunderten Interessierten mitteilte. Ihr Freund, auch ein Youtuber, hat alles aufgenommen und ins Netz gestellt.

Nachbarn rieten ihm, mit dem Posten aufzuhören, aber er sieht es als sein Recht an, weiterzumachen. An diesem Punkt wurde mir als alter weißer Frau etwas klar: Sascha Lobo hat ein Verständnis für dessen Weitermachen entwickelt, das mir fehlt. Als wenn es ein Recht gäbe, auf Provokationen hereinzufallen! Sein Zitat dazu: „Solche Ratschläge beruhen auf der Selbstverständlichkeit einer Zeit, in der man noch die Wahl hatte, ob man ins Netz geht oder nicht. Diese Zeit ist für die meisten jüngeren Menschen vorbei.“ Der Drachenlord lebt auch von den Werbeeinnahmen, die er, wie viele Youtuber auch, ausgezahlt bekommt.

Wir lernen viel über Cybermobbing: In den USA gab es Selbstmorde von überlebenden Schülern nach Schulschießereien, oder auch von Eltern getöteter Schüler. Es war verbreitet worden, die Massaker hätten gar nicht stattgefunden, sondern seien vom „tiefen Staat“, also den Behörden, selbst inszeniert. Die rechtsgerichteten Provokateure, die auch der Waffenindustrie nahestehen, unterstellten, die Trauernden seien Krisenschauspieler, die vom Staat bezahlt und von der „Lügenpresse“ über nicht stattgefundene Schießereien interviewt worden waren.

Gamegater sind Gruppen, die gerne ihre Spiele austauschen und einen Hass auf Frauen pflegen, und gespielt verfolgen, indem sie Intimes, auch Erfundenes, verbreiten.

In diesem Zusammenhang lernen wir die Besonderheiten von Twitter kennen. “Twitter ist ein großartiger Ort, um der Welt mitzuteilen, was man denkt, noch bevor man darüber nachgedacht hat.“ Wie funktioniert ein Hashtag, wie werde ich als Twitterin Teil eines Shitstorms, ohne es zu wissen?

Die enge Beziehung zwischen Fake News und Verschwörungstheorien (Traumpaar) wird an harmlosen Beispielen (der Mond ist aus Käse, oder die Erde ist eine Scheibe) gezeigt. Mit welchem Algorithmus („lernender Empfehlungsalgorithmus“) wird beim Autoplay bei Google der nächste Film ausgewählt, der mich als Nutzerin mit weiteren Beweisen für die angesprochene Theorie überzeugen soll. „Bei frisch zur Verschwörungstheorie Konvertierten handelt es sich um das absolute Traumpublikum von Youtube.“

Gefährlicher ist die Verwendung zur Rekrutierung von Islamisten, oder die Verbrechen der Militärs in Myanmar gegenüber den Rohingyas. Erst vier Jahre nach Vorwürfen, dass über Facebook die herrschende (buddhistische) Elite Greueltaten der (muslimischen) Rohingyas vorgetäuscht hatten, reagiert Facebook: Für die siebenstellige Zahl der Nutzer in Myanmar wird eine Task Force für die Überprüfung von Hassreden in der Landessprache gebildet: „Die Zahl der Mitarbeiter der Task Force: eins.“ Das Unternehmen Facebook hat im Jahr 2018 übrigens 55 Milliarden Dollar mit Werbung eingenommen.

Zukunft (10.) Kapitel

Die Weisheit der Jugend

Warum die Älteren von den Jungen lernen müssen, um den Realitätsschock zu bewältigen

Ein schönes Kapitel: Es werden die bekannten Aktivitäten dargestellt, mit der Zuversicht, dass sie dem Erhalt der Erde dienen, mit einem Schlusswort von Greta.

Zum elften Kapitel, das auch lesenswert ist, kommen wir über einen QR Code, im Anhang des Buches. Der soll aber nicht im Netz verbreitet werden, darüber wird Buchfluch ausgesprochen. „Ihnen möge für den Rest der Tage stets im unpassenden Moment der Handyakku leer sein.“ Ein Tipp für diejenigen, die länger auf die € 22 sparen müssten: Man kann das Buch auch in der Stadtbücherei ausleihen! Es lohnt sich!

Fazit: Schockierend realistisch, das Gesundheitskapitel noch mal überarbeiten!


Genre: Klima, Politik und Gesellschaft, Sachbuch, Umwelt, Zukunft
Illustrated by Kiepenheuer & Witsch Köln

Haymatland

Eine Liebeserklärung an Deutschland

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Land, das sie seit ihrer Geburt kennen und dessen Sprache sie sprechen. Über Heimat haben sie nie nachgedacht, weil sie es immer für selbstverständlich hielten, dass sie in dieses Land gehören.

Und plötzlich tauchen Leute auf, die sie vertreiben wollen. Nach Anatolien, oder sonstwohin, weil sie angeblich nicht hierher gehören. Weiterlesen


Genre: Politik und Gesellschaft, Zeitgeschichte

Positionen und Perspektiven

Die Kommunalwahl 2014 war der politische Höhepunkt des vergangenen Jahres, während der Orkan „Ela“ kurze Zeit später für Ausnahmezustand und Aufräumarbeiten sorgte.

Auf den ersten Blick ist das hier vorliegende Buch kein klassisches Jahrbuch. Es bezieht sich nicht auf eine Stadt, sondern auf eine interkommunale Einrichtung sowie Region. Es werden nciht chronologisch Ereignisse vorgestellt, die der Leser kennt und noch einmal Revue passieren lassen kann. Stattdessen beschäftigen sich Autoren wie Cay Süberkrüb, Karola Geiß-Netthöfel, Martin Junkernheinrich und Garrelt Duin mit Themen wie der Finanznot der Städte, Kultur, Umwelt, Tourismus, Geschichte, Wirtschaft und Stadtplanung.

Das Buch hat den Charakter einer Standortbestimmung, die politisch und gesellschaftlich orientiert ist. WIe ist die Region an Rhein und Ruhr beispielsweise wirtschaftlich aufgestellt? Wie blickt man in die (nahe) Zukunft?

Das Buch ist zum Glück kein tiefschürfendes politikwissenschaftliches Werk, in dem mit Tabellen, Schaubildern und Fachbegriffen nur so um sich geworfen wird. Die Ausführungen sind auch für den interessierten Laien gut verständlich und werden durch Farbfotographien ergänzt. Die Region an Rhein und Ruhr steht im Vordergrund, nicht das Kirchturmdenken.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Klartext Verlag Essen

Moscheen in Deutschland

Mertensacker war bis zu ihrem Tode 2013 Parteivorsitzende der Christlichen Mitte für ein Deutschland nach Gottes Geboten. Der Anti-Islamismus dieser kleinen Splitterpartei drück sich in Literatur wie dieser aus.

Ob Mertensacker theologisch, (religions-)geschichtlich oder politikwissenschaftlich vorgebildet war oder hier Halbwissen miteinander vermengt, sei einmal dahingestellt.

Für ihre Recherchen nutzt die Autorin jedenfalls Berichte in deutschsprachigen Tageszeitungen und Materialien islamischer Verbände. Vieles bleibt dabei diffus. Die Verfassungsschutzberichte von Bund und Ländern werden nicht berücksichtigt – zu Recht, weil sie damals ihr Augenmerk nicht auf den politischen Arm des Islam gelegt haben? Aussagen zu den wirtschaftlichen, ethnischen oder sozialen Strukturen in islamischen Vereinen werden leider nicht getätigt; es ist somit für den neutralen Leser schwierig, die hier getätigten Aussagen einzuordnen.

Literatur wie diese mag ganz im Sinne der Christlichen Mitte sein. Neben den methodischen Schwächen fehlt aber auch eine inhaltliche Fortschreibung, die erzählt, welche Aktivitäten der politische Islam bzw. Islamismus ab dem Jahre 2000 entwickelt hat.

Mertensacker ist inzwischen verstorben. Es ist nicht ersichtlich, ob es auf parteipolitischer Ebene noch jemanden gibt, der parteipolitische Literatur herausgibt,.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Selbstverlag

Konflikthaltung und -haltung in der Gemeinde

Frank Cherubin ist Jahrgang 1971. Aufgewachsen in Marburg, absolvierte der heutige Pastor der Thomas-Gemeinde in Duisburg und Inspektor des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes (Düsseldorf) eine Ausbildung im theologischen Seminar „Tabor“, ein Masterstudium in Pastoral-Theologie in London und zu Coach.

Cherubin hat hier seine Master-Arbeit veröffentlicht. Darin geht er der Frage nach, was die christliche Gemeinde von der Konflikttheorie lernen kann.

„Im Hintergrund steht die Frage, inwieweit die Erkenntnisse der Psychologie als Wissenschaft und der christliche Glaubensvollzug zusammen denkbar sind. Die These lautet: Die christliche Gemeinde hat aufgrund der Theologie vielfach die Konfliktvermeidung gefördert. Kann sie sie nun anhand des Römerbriefes unter Einbeziehung einiger Aspekte der aktuellen Konflikttheorie zur Konfliktaustragung ermutigen?“ frage die Inhaltsangabe auf dem hinteren, weißen Buchdeckel.

Anhand umfangreicher Literatur wird im ersten Teil eine konflikttheoretische Grundlage gelegt. Im zweiten Teil des Buches geht es um die Konflikthaltung und das Konfliktverhalten im Römerbrief 14,1 – 15,13. Die beiden Konfliktlösungsstrategien werden dann gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten, Gegensatz und Ergänzungen untersucht. Zum Schluß werden die Ergebnisse in die Gemeindearbeit als ein Konzept mit sieben Schritten überführt.

Hört sich reichlich kompliziert an, nicht wahr? Immerhin liegt hier eine theologische, also religionswissenschaftliche Arbeit vor, die für den interessierten Laien teilweise nur schwer verständlich ist. Das Buch vermittelt reine Theorie; ein Bezug zum praktischen Gemeindeleben ist nicht erkennbar. Der Käufer dieses Buches sollte schon aufpassen, daß es nicht am Ende in seinem häuslichen Bücherschrank ungelesen verstaubt.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by AV Akademikerverlag Saarbrücken

Preußen im Westen

Nache dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Auflösung der rheinisch-westfälischen Fürstbistümer und der alten Reichsstädte Köln, Dortmund und Aachen erhält Preußen durch die Neuordnungen des Wiener Kongresses im Jahre 1815 Westfalen und die Rheinlande. Die industrielle Revolution mit ihren zunehmenden Industrialisierung ließ hir auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Ruhrgebiet entstehen.

Die Liberalen, das Zentrum als politischer Katholizismus die die Sozialdemokratie waren die führenden politischen Bewegungen der Region, zumindest in den Zeiten der Monarchie. Damals noch in der Opposition, waren sie in den Tagen der Weimarer Republik das Rückgrat der Demokratie.

Wilhelm Marx war mehrfach deutscher Reichskanzler, Carl Severing Innenminister in Preußen und im Reich, der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer Vorsitzender des preußischen Staatsrates. Das nationalsozialistische Dritte Reich bereitete der demokratischen Entwicklung, die nach dem 2. Weltkrieg in der Gründung des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen münden sollte, ihr vorläufiges Ende.

Das Buch bewegt sich auf einem wissenschaftlichen Niveau. Betroffen sind sowohl die politischen wie auch die Geschichtswissenschaften. Die hohe Seitenzahl läßt es erahnen: Die historischen Ereignisse werden so umfangreich wie gründlich beschrieben, daß beim Leser schon sein sehr starkes Interesse vorhanden sein muß, um ihn zu diesem Buch greifen zu lassen

Ribhegge (Jahrgang 1940) hat als Historiker an der Universität Münster gearbeitet. Es ist also nicht weiter verwunderlich, daß ihm systematisches Arbeiten vertraut war und ihm umfangreiches Quellenmaterial zur Verfügung stand.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Aschendorff Verlag Münster

Miss Germany

Miss Germandy darf sich die schönste Frau Deutschlands nennen. Die erste deutsche Schönheitskönigin wurde im Jahre 1909 bestimmt. Petra Schürmann, die nicht nur Miss Germandy, sondern auch 1956 zur Miss World gewäht wurde, ist sicherlich die bekannteste Vertreterin dieser Damenriege.

Die schwarzweißen Fotos stehen hier im Vordergrund. Sie geben einen Eindruck davon, wer wann Miss Germany gewesen ist. Die Bilder geben auch einen Eindruck davon, wie kurzlebig Schönheit und Erfolg sein können. Von Verona Feldbusch einmal abgesehen: Wer erinnert sich noch an die vielen Damen, die sich mit dem Titel einer Miss schmücken konnten?


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by S & G Medienkontor Hamburg

111 Tugenden, 111 Laster

Die Selbstgenügsamkeit kommt in diesem Buch genauso vor wie die Schadenfreude, Ausgeglichenheit, Aufgeschlossenheit und Selbstgerechtigkeit. Seel betrachtet sie in kurzen Texten.

Unter literarischen Gesichtspunkten ist das Buch schwer einzuordnen. Es ist weder Fleisch noch Fisch, weder Belletristik noch Fachbuch. Die Ausführungen sind leicht verständlich gehalten und machen sich in unterschiedlicher Länge Gedanken zu bestimmten Verhaltensweisen.

Von daher ist die Zielrichtung des Buches nicht so ganz klar. Wissen wird nicht vermittelt. Soll es unterhalten? Zum Nachdenken anregen? Belehren? Letzteres wohl weniger – schließlich wird niemand direkt angesprochen. So kann sich jeder Leser selbst entscheiden, welchen Reim er sich darauf macht.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by S.Fischer Frankfurt am Main

E-Sport

Der elektronische Sport wird kurz e-Sport genannt. Er bestimmt zunehmend das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Seine öffentliche Wahrnehmung ist bis heute trotzdem immer noch gering.

Welche Transfereffekte digitaler Spiele lassen sich aus physiologischer Sicht erwarten? Besitzen professionelle elektronische Sportler schnellere Reaktionen als Gelegenheitsspieler? Welche pädagogischen Einsatzmöglichkeiten hat der E-Sport? Ähnelt der E-Sport dem konventionellen Sport, beispielsweise hinsichtlich der Organisation? Kann der elektronische Sport in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden? Welche Rolle spielt der E-Sport für einen weltweit agierenden Publisher? Hinsichtlich Fragen wie dieser soll das Buch die öffentliche Diskussion anregen und auf eine objektive Grundlage stellen.

Autoren wie Ibrahim Mazari, Martin Lorber, Rolf Kretschmann und Eckhard Enders betrachten die Thematik aus wissenschaftlicher Sicht. Die Sportwissenschaften kommen dabei genauso zu Wort wie die Pädagogik wie die Volkswirtschaftslehre.

Das Buch wendet sich an eine interessierte Fachöffentlichkeit. Spiele und Fachbegriffe werden als bekannt vorausgesetzt. Die fachwissenschaftliche Ausrichtung der Autoren läßt es erahnen: Hier soll kein Grundlagenwissen weitergegeben, die allgemeine Öffentlichkeit = Leserschaft nicht bedient werden. Wer Informationen dazu sucht, wird zu anderer Literatur greifen müssen.

Die Ausführungen sind sicherlich fachlich fundiert und sachlich geschrieben. Es bleibt aber die Frage nach der Relevanz dieses Buches. Momentan ist der E-Sport noch ein Nischenbereich, der bestenfalls als Hobby und Freizeitbeschäftigung wahrgenommen wird.

Soll der elektronische Sport in der nicht-fachlichen, allgemeinen Öffentlichkeit besser bekanntgemacht werden, werden andere Wege gesucht werden müssen, darüber zu berichten. Die Berichterstattung in Fernsehen, Radio und Tagespresse kann ein Weg sein, die Berichterstattung in breit angelegten Blogs im Internet ein anderer. Bücher wie das vorliegende werden bestenfalls in Büchereien (ungelesen?) verschwinden und kaum wahrgenommen werden.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Verlag Werner Hülsbach Fachverlag für Medientechnik und -wirtschaft Glückstadt

Jugend – Politik – Anerkennung

Das Fehlen von Jugendlichen in der Politik ist ein Dauerthema in der öffentlichen Diskussion und wird dabei häufig beklagt. Immer weniger junge Menschen sind bereit, sich an konventionellen Politikformen zu beteiligen. Daß Jugendliche schon ein hohes Interesse an politischen Fragen mitbringen, wird in verschiedenen Untersuchungen immer wieder festgestellt.

Auch wenn 16 junge und jugendliche Mitglieder eines kommunalen Jugendparlamentes zu Worte kommen: Das Buch hat einen fachtheoretisch-politikwissenschaftlichen Charakter; eine lebenspraktische Bedeutung des Themas ist nicht erkennbar.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Bundeszentrale für politische Bildung Bonn

Männerpolitik

Es ist noch ein weiter Weg, um die Chancengleichheit von Mann und Frau herzustellen. Doch worin besteht der gleichstellungspolitische Beitrag von Männern, Jungen und Vätern? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Welche Anliegen und Perspektiven haben sie? Das Buch möchte der Inhaltsangabe zufolge gesellschaftspolitische Grundlagenarbeit leisten.

Theumert stammt aus der Schweiz. Er ist Psychologie, Soziologe, Politiker und Unternehmer. Dieser berufliche Hintergrund ist dem Werk überdeutlich anzumerken. Es ist nicht platt männerbewegt; es ist stattdessen sozialwissenschaftlich gleichstellungsorientiert. In dieser Hinsicht wendet es sich an eine interessierte Fachöffentlichkeit.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

Politik und Islam

Es gibt zumindest nach Angaben der Inhaltsangabe verschiedene Arten, Moslem zu sein. Die Deutsche Islamkonferenz war eine wichtige gesellschaftspolitische und symbolische Geste gegenüber dem Muslimen in Deutschland. Welche Interessen verfolgen die jeweiligen politischen und muslimischen Akteure und deren Organisationen? Was sind die zenrtalen Konfliktthemen? Worin bestehen diese Konflikte? Das Verhaltnis von Politik, Gesellschaft und Islam soll hier sachlich bestimmt werden.

Verschiedene Autoren stellen in dem Werk die beteiligten islamischen Organisationen und deren Inhalte vor. Gleichzeitig wird die Integration des Islam in Deutschland reflektiert.

Heiner Bielefeldt, Claudia Diehl und Hendrik Meyer gehören genauso zu den Autoren wie Haci-Hilal Uslucan, Raida Chbib und Mounir Azzaouni, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Buch ist ein politikwissenschaftliches Werk, das nach fachlichen Gesichtspunkten erstellt wurde. Es richtet sich an eine Fachöffentlichkeit, schon allein wegen des umfangreichen Quellen- und Datenmaterials.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

Zukunft braucht Konservative

Der Konservatismus ist zwar in aller Munde. Für das 21. Jahrhundert fehlt für den politischen Konservatismus aber ein ausformuliertes Leitbild. Das vorliegende Buch möchte „neue Ansätze, Entwürfe und konkrete Inhalte“ vermitteln.

Edmund Stoiber, Peter Ramsauer, Alois Glück, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Gerda Hasselfeld und Alexaner Dobrindt sind nur einige der mehr oder weniger prominenten Autoren, die hier zu Wort kommen. Ist es Zufall, daß viele von ihnen aus Bayern kommen?

Auf politikwissenschaftlicher Ebene wird hier natürlich wertkonservatives Gedankengut vermittelt. Dies geschieht weitestgehend bar jeglicher Tagesaktualität. Es werden gobe Linien des Konservatismus vorgestellt, wobei Abgrenzungsversuche insbesondere zum Liberalismus nicht zu übersehen sind.

Ist dies schon der große Wurf? An vielen Stellen wirken die Ausführungen wie Flickwerk. Themen wie Ehe und Familie oder der protestantische Arbeitsethos (Fleiß, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Strebsamkeit …) werden zwar immer wieder angesprochen, hätten aber deutlicher herausgearbeitet werden können. Themenfelder wie Europa, Umweltschutz, Bedeutung der Religion, Natur- und Heimatschutz, Integration, Kultur, neue Technologien oder Bürgerrecht werden bestensfalls stiefmütterlich behandelt. Hier fehlen deutlichere Duftmarken.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Herder Verlag Freiburg

Volkshandbuch

Das hier vorliegende Volkshandbuch bietet die juristischen Grundlagen des süddeutschen Parlaments sowie statistische Angaben über die Landtagsabgeordneten. Neben der Beschreibung der Aufgabenstellung und idealtypischen Arbeitsweise gibt es eine Auflistung der Fraktionen und Ausschüsse. Die Staatsregierung ist ebenfalls aufgelistet.

Im Vordergrund stehen aber die Abgeordneten. 1 Abgeordneter pro Seite, beruflicher und politischer Werdegang sowie gesellschaftliches Engagement – diese Daten sind hier aufgeführt.

Jeder Abgeordneter wird mit Schwarzweißfoto vorgestellt.

Wie bei anderen Volkshandbüchern gilt auch hier: Das Volkshandbuch vermittelt politikwissenschaftliches Grundlagenwissen. Wer tagesaktuelle Informationen wünscht, wird zu anderer Lektüre greifen müssen.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Selbstverlag München

Kültür alakart

Das Kennenlernen kulinarischer Kultur befördert das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Diese Behauptung trifft zu und ist grundverkehrt. Sei trifft zu, weil man sich normalerweise am Tisch, während des Essens, nicht den Kopf einschlägt. Sie trifft für alle Menschen zu, die neugierig auf andere Menschen und deren Kultur sind. Sie trifft auch für Diejenigen unter uns zu, die mit „Fremden“ fremdeln, die man aber bei einem leckeren Essen aus ihrem Misstrauen herausholen kann.
Grundverkehrt ist die Annahme, man könne Rassisten durch das Servieren von Köstlichkeiten fremder Kulturen bekehren.
Da wir alle darauf angewiesen sind, dass die Gutwilligen, die Neugierigen und die Sinnlichen sich von Unbelehrbaren nicht frustrieren lassen, sind solche Projekte wie das Buch „kültür alakart“ aus dem Verlag „Tre Torri“ hochwillkommen und sehr zu begrüßen.

„Kültür alakart“, im Untertitel: „Das türkisch-deutsche Kulturkochbuch!“ ist sowohl ein Lese-, wie ein Kochbuch. 24 türkische, bzw. türkischstämmige Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft werden jeweils mit einem Interview portraitiert. Diesen Portrait folgen Rezepte aus der türkischen Küche, die durch die Vorgestellten ausgewählt wurden. Handelt es sich bei den Promis um Angehörige der schreibenden Zunft, wird mit einer Leseprobe zudem Appetit auf deren literarisches Oeuvre gemacht.
Extra-Kapitel zu den Themen „Essen und Trinken“, „Teekultur“ sowie „Kaffeesatzlesen“ ergänzen die kulinarischen Informationen.

„Kültür alakart“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Kommunikationsdesign der Fachhochschule Wiesbaden, des Fachbereichs Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften der Johannes Gutenberg Universität Mainz und des Tre Torri-Verlags.
Das Buch ist nicht nur schön gestaltet, sondern in jeder Hinsicht informativ und appetitanregend. Es nimmt die kulinarische Kultur ebenso Ernst, wie die Vita der Befragten und ist deshalb nicht nur politisch korrekt, sondern auch ein sehr interessantes Kochbuch der türkischen Küchen.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by Tre Torri Wiesbaden