“Gedankenstrahlen” versammelt erstmals Meistererzählungen und Kurzgeschichten der Literaturentdeckung Maria Lazar (1895–1948) aus den späten 30er und frühen 40er Jahren, die zum Teil noch nie veröffentlicht wurden.
Die Wiederentdeckung eines literarischen Talents
Ihre schwarzhumorigen Geschichten, geschrieben am Vorabend der größten Menschheitskatastrophe, dem Zweiten Weltkrieg, sind auch heute noch brandaktuell und eröffnen geradezu ein Kaleidoskop an Intrigen, Begegnungen, Widersprüchen, Sehnsüchten, Grenzgängen und unerhörten Erfahrungen für alle Leser und Leserinnen. Im Nachwort erzählt der Herausgeber Albert C. Eibl aus Anlass des 130. Geburtstages der “Dichterprophetin” wie es zu der unglaublichen Wiederentdeckung einer Autorin kam, die geradezu eine Wiedergeburt erfährt, nicht nur in den Publikationen des DVB-Verlages, sondern auch auf den Bühnen der Welt und in zahlreichen Übersetzungen im Ausland. Die von Oskar Kokoschka mit einem Papageien porträtierte Schriftstellerin Maria Lazar musste 1933 aufgrund des national-sozialistischen Terrors ins dänische Exil auswandern und schrieb dort u.a. unter einem Pseudonym, Esther Grenen, damit sich ihre Werke besser veröffentlichen ließen. Die Schriftstellerin, Publizistin, Dramatikerin und Übersetzerin nahm schon früh die tektonischen Verschiebungen des gesellschaftlichen Klimas in Mitteleuropa wahr und konnte so noch rechtzeitig fliehen. Die meisten der hier, in “Gedankenstrahlen” veröffentlichten Texte wurden zwischen 1937 und 1942 unter dem Pseudonym Esther Grenen in der renommierten Basler National-Zeitung erstabgedruckt, also schon nach der nationalsozialistischen Machtübernahme.
Geschichten von Reisenden und Heimatsuchenden
“Raskolnikow in der Pension” heißt eine der insgesamt 31 in vorliegendem Band abgedruckten Geschichten und ganz klar eine Anspielung an Dostojewksi’s Schuld und Sühne. Der darin erwähnten Baronin wird allerdings ein anderes Schicksal zuteil und Raskolnikow ist natürlich kein Raskolnikow, sondern nur eine Russe, der sich über einen Vertrag ärgert. Auch “Es spukt im Hotel” spielt im Milieu der Reisenden oder Heimatsuchenden. Geteiltes Schicksal verbindet: “Aus zwei Hotelgästen waren wir zu Kameraden geworden”, schreibt Lazar. In “Der Mann, der die Stimme Gottes hörte” liest ein Ehemann von seiner Ehefrau in der Zeitung: “Sie sei ein leichtsinniges Geschöpf gewesen, ohne Lebensinhalt und inneres Licht, ohne Liebe für ihre Nächsten”. Und das sagte sie noch dazu über sich selbst in einem Vortrag! Als sie beginnt ihm Vorwürfe zu machen, dass er nur an Profit interessiert sei und sich nicht um das Wohlergehen der Menschheit schere, legt er sich eine neue Strategie zurecht: Divorce Proxy. Ein geheimnisvoller Dr. Ambrosius wiederum spielt eine Hauptrolle in “Ein dürftiges Herz”, wo eine Frau mit einem Briefbeschwerer in ihrem Büro erschlagen wird. Besonders oft verwendet Maria Lazar den Ausdruck “Hall”, also nicht das deutsche “Halle”, sondern die auf Englisch ausgesprochene Vorhalle, das Entree. Hier finden die Begegnungen statt. Hier stoßen Fremde auf Fremde und Neugierige auf noch mehr Stoff für ihre Beobachtungen. Ob die Maschine von Leo Pery aus der Titelgeschichte, die Gedanken beeinflussen kann, wohl wirklich funktioniert?
Maria Lazar
Gedankenstrahlen. Erzählungen & Short Stories
Erstmals aus dem Nachlass herausgegeben, ausgewählt und mit einem Nachwort von Albert C. Eibl.
2025, Hardcover mit Surbalinbezug und Lesebändchen, 412 Seiten
ISBN 978-3-903244-31-3.
Verlag Das Vergessene Buch DVB
€26,00

Salman Rushdie hat viele Jahrzehnte in den Ländern gelebt, in denen seine Geschichten spielen: In Indien, im Vereinten Königreich und in den USA. Inzwischen ist er bald achtzig Jahre alt, aber er weiß noch, wie es sich anfühlte, dort zu leben, was die Menschen sehen, denken, fühlen. In seine Erzählkunst schöpft er aus der Fülle genauer Beobachtungen, auch von Details.
„Ich bin Schriftsteller, ich schreibe nur Geschichten“, sagt Ferdinand von Schirach mit einer subtil gesetzten Note eines süffizienten Understatements. Mehr als 10 Millionen verkaufte Bücher zeigen, dass seine Geschichten ankommen. Sie haben ihn reich und zur Cashcow seiner drei Verlage gemacht (Luchterhand, btb, Penguin). Übersetzt in mehr als 30 Sprachen ist er zu einem globalen Erfolgsautor geworden. Verdientermassen? Das kann man wohl guten Gewissens bejahen.
Gruselige Täter-Opfer-Umkehr
Am Rande des Schweigens
Stories von den Underdogs


Junge aus West-Berlin. Der Mauerfall ist auch schon wieder 35 Jahre her. Die Politik feierte sich selbst, aber wie war das damals eigentlich für die Menschen? Maxim Leo hat eine Liebesgeschichte geschrieben, die vor dem Systemwechsel beginnt und mit demselben endet. Marc und Nele erzählen abwechselnd
Die herzzerreißende Liebes-geschichte zwischen Marc aus Westberlin und Nele aus Ostberlin wird voller Liebe und Hingabe erzählt und zeigt, dass es oft nicht die Worte sind, die einen verbinden, sondern das, was man spürt. “Möglicherweise hätten wir dieses tiefe Verständnis, das wir füreinander hatten, sogar aufs Spiel gesetzt, wenn wir versucht hätten, es mit Worten zu ergründen.” Der Sommer 1989 war auch der Sommer der Liebe zwischen Marc und Nele. Rebellion und Aufbruch überall, fröhlich-bunte Anarchie im grauen Schattenland diesseits der Mauer. Autor Maxim Leo und Kat Menschik verarbeiten in ihrem gemeinsamen Buch auch ähnliche Erfahrugen, die sie damals gemacht hatten. Maxim Leo ist 1970 in Ostberlin geboren und dort aufgewachsen. Er ist Journalist und Autor. Er hat zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter seine autobiografischen Romane. Kat Menschik hat ihre Jugend wie Maxim Leo in Ostberlin verbracht und den Sommer 1989 in der Ostberliner Künstler- und Punkszene miterlebt. Heute ist sie namhafte Illustratorin. Verblüffend, dass sich die beiden damals gar nicht kennengelernt haben, meint Menschik, denn sie verkehrten in denselben Freundeskreisen und hatten ähnliche Interessen. PS: Das Mauergrau ist Absicht!
Schicken Sie Ihre Phantasie auf Reisen oder testen Sie einfach nur Ihre Geografiekenntnisse, indem Sie Nadeln in eine imaginäre Weltkarte stecken. Osterinsel, China, Brasilien, Kalifornien, Marokko, Andalusien, Island, Griechenland, Wien, Neuseeland, Neu Delhi, Nepal, Bolivien, Mexiko, Juan Fernandez Archipel, Irland, Laos, Nordpol, Ontario, Kambodscha, Yokohama, Valparaiso, Pitcairn, Jemen, Sydney, Irland. Stopp! Das sind nur etwa die Hälfte der Orte und Ziele, die Christoph Ransmayr in seinem Atlas eines ängstlichen Mannes wie auf einer geografischen Perlenkette auffädelt. 
Miserere. Ihr zweiter Roman, “Die Infantin trägt den Scheitel links“, ebenfalls beim Salzburger Verlag Jung und Jung erschienen, war bei Leser:innen und Kritik beliebt und löste ob dessen Sprachgewalt Begeisterung aus. Leider ist diese kräftige Stimme Anfang dieses Jahres verstummt. Helena Adler starb viel zu früh, mit vierzig Jahren.
Amüsante literarische Avantgarde
Das Cover spricht die Oma in mir an: im oberen Teil ein Wimmelbild in sanften Farben, mit fröhlichen Menschen, die sich, Generationen übergreifend, der sommerlichen Natur erfreuen. Die untere Hälfte dagegen surrealistisch und geheimnisvoll, das macht neugierig. Im Buch, mit Seiten, die größer als Din A 4 sind, nimmt der Text je ein Viertel ein, in den restlichen Flächen sind die wunderschön gemalten Bilder.