Gulistan

Surrealer Schreibstil

Die im Nordirak geborene und mit ihrer Familie 1997 als Migrantin nach Deutschland gekommene Karosh Taha hat ihren Roman nach dessen Protagonistin «Gulistan» benannt. Damit wollte sie in ihrem dritten Werk wohl auch gleich daran erinnern, dass es nicht nur im Irak ein Volk der Kurden gibt, die vergebens von einem vereinigten Kurdistan träumen. Dieses nicht genau umrissene Siedlungsgebiet erstreckt sich neben dem Irak auch über Teile der Türkei, Irans und Syriens. Sie alle haben keinerlei Interesse daran, den Kurden zu einem eigenen Staat zu verhelfen und ihnen dafür die von ihnen besiedelten Staatsgebiete abzutreten. Denn ein ethnisch homogenes Kurdistan ist eine Illusion, die Völker sind durchmischt, an dem ewigen Gebietsstreit mit den anderen dort lebenden Ethnien würde sich nichts ändern, – ein politisches Dilemma!

Gulistan und ihr Mann Çiya, der eine Schneiderei betreibt, werden als Kurden von der einheimischen Bevölkerung ständig verfolgt. Er hat sein Geschäft nach seiner Frau benannt, über dem Schaufenster prangt in großen Buchstaben «Gulistan». Eines Tages tauchen zwei Männer dort auf, die ganz offensichtlich zum Geheimdienst in Saddam Husseins diktatorischem Regime gehören. Sie fragen ihn aus, warum er denn sein Geschäft so genannt habe. In ihren Augen sei das eine Provokation dem Staate Irak gegenüber, denn lautmalerisch klingt Gulistan ja ähnlich wie Kurdistan, und Kurdistan ist ein rotes Tuch für den Diktator. Die Geheimdienstler empfehlen Çiya dringend, das Ladenschild sofort abzuhängen. Schon am nächsten Tag ist Çiya spurlos verschwunden! Sofort begibt sich Gulistan auf die Suche nach ihrem Liebsten. In den Krankenhäusern wird sie sehr unfreundlich behandelt, aber sie erfährt immerhin, dass er nicht  eingeliefert wurde. Auch die Polizei wimmelt sie nur ab, sie könne nichts tun.

Gulistan merkt, wie ohnmächtig sie ist dem diktatorischen System gegenüber, aber sie forscht unentwegt weiter. Bis sie Çiya schließlich in einer Menschenmenge entdeckt, er steckt in der Uniform des Diktators und fungiert, vom Äußeren her entsprechend zurecht gemacht, als einer von dessen Doppelgängern, mit denen Attentäter verunsichert werden sollen. Sie wird verhaftet, erfährt später, dass sie schwanger ist, agiert immer panischer und gleitet angesichts ihrer Ohnmacht dem Unrechtsregime gegenüber langsam in den Wahn ab.

Wer das Buch erstmals aufschlägt, wird auf den ersten zwei Seiten gleicht mit einem merkwürdigen Schriftbild überrascht. In einem eigenwilligen Layout sind da einzelne Worte oder Satzbestandteile scheinbar willkürlich über die ganze Seite verstreut. Im gesamten Roman wendet die Autorin zudem stilistisch eine auf Punkte am Satzende reduzierte Schreibweise an, – mehr Interpunktion gibt es nicht! Die fehlenden Kommas, Sonder- und Anführungszeichen stören allerdings den Lesefluss nur wenig, man gewöhnt sich überraschend schnell daran. Die erste Seite beginnt so:

 

he was so gentle

so considerate and he is

he is very clever

to       to notice

every small

bits

 

Diese rätselhaften Layout-Spielchen durhziehen den gesamten Roman. All die spleenigen, für die Autorin als typisch geltenden, surreal anmutenden Erzählmuster sind hier auf die Spitze getrieben. Es mag ja Leser geben, die damit etwas anfangen können, – ich gehöre definitiv nicht dazu!

Fazit:   miserabel

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Genre: Roman
Illustrated by DuMont