
Michael Köhlmeier: Shakespeare erzählt
Schriftsteller Michael Köhlmeier sieht in William Shakespeare vor allem einen Erzähler, der das Menschsein in seinen Grundlagen erfasst hat. Seine wichtigsten Dramen werden hier von Köhlmeier neu erzählt und auf ihr Wesentliches reduziert: der Mensch im Aufruhr.
Shakespeare erzählt, Köhlmeier erklärt
Sei es Intrige, Ehrgeiz, Neid, Hass, Eifersucht…Shakespeare kennt alle diese Gefühle, aber natürlich auch das Gegenteil davon, die allumfassende Liebe. “Macbeth” handelt von König Duncan, der durch seine beiden Generale Banquo und Macbeth an den Rand gespielt wird. Denn das Heft des Handelns bestimmen allein diese beiden, die von Ehrgeiz erfasst sind. Macbeth fokussiert auf das Ziel und nicht auf den Weg und als ihm drei Hexen erscheinen werden ihre Prophezeiungen zu seinem nächsten Ziel. Hinter ihm steht Lady Macbeth, die ihn ermuntert, sich selbst zum König von Schottland zu machen. Zeugen sind schnell beseitigt, aber als dritte Prophezeiung eintritt, muss er sich eingestehen, dass doch der Weg das Ziel mitgestaltet. “Othello” handelt von einem General unter dem Herzog von Venedig, er soll die Stelle eines Leutnants neu besetzen und wählt Jago statt Cassio. Doch ersterer ist ein Intrigant wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat und so fällt der von Selbstbewusstsein erfüllt Othello gerade ihm zum Opfer. Denn seien Liebe zu Desdemona wird durch die von Jago gestreute Eifersucht getrübt und so fällt der größte General des Herzogs von Venedig durch einen Intriganten, dessen Name Jago seither die “Verneinung des Glücks” beinhaltet, denn “Glück ist die Verneinung von Jago”.
Von Wintermärchen und Sommernachts-träumen
In “Das Wintermärchen” reisen wir noch weiter zurück in der Geschichte. Es handelt von Leontes, dem König von Sizilien, der mit Hermione, seiner Frau, glücklich im Bett liegt und diesem huldigt. Mit seinem Freund König Polyxenes genießt er sein Leben, bis dieser abreisen muss. Auch er hat ein Königreich zu regieren, das böhmische. Doch Leontes wird von einem Wahn erfasst und verjagt ihn, da er glaubt, er hätte etwas mit Hermione. Perdita, die Tochter der ersten beiden wird ebenfalls verbannt und lernt in der Fremde den Sohn des böhmischen Königs kennen und lieben. Florizel sein Name. Doch dann wird auch Polyxenes von demselben Wahn ergriffen, wie zuvor Leontes. “Ein Sommernachtstraum” erzählt die Geschichte von Nicklas Zettel, einem Weber, er aus jedem Stoff ein Segel machen kann, “das ein kundiges Publikum zu Stürmen hochreißt”. Während in der Welt König Theseus herrscht, tut es nachts im Wald Oberon, der Elfenkönig. Sein Diener Puck ist ein guter Geist, der leider den falschen einen Zaubertrank auf die Lider träufelt. Aber auch die tragische Geschichte von König Lear zeigt die Menschenkenntnis von Shakespeare. Lear hat drei Diener, Kent, Kloster und den Narren. Letzterer ist der einzige, der den König kritisieren darf. Aber er hat auch drei Töchter, Goneril, Regan und Cordelia. Lear liebt Cordelia am meisten, doch das darf er nicht zugeben und so prüft er der Form halber alle drei: “Sag mir, wie sehr du mich liebst!”
Liebe liegt in der …Gruft
Die eigentliche Intrige kommt in König Lear von den Söhnen Glosters, ebenso wie in “Romeo und Julia” der Zaubertrank von einem Priester stammt. Pater Lorenzo steht zwischen den Capulets und Montagues und zerstört genau das, was er eigentlich retten wollte: die Lieben zwischen Romeo und Julia. Auch “Julius Cäsar” handelt von einem Verrat, denn Cassius und Brutus wollen zwar die römische Republik retten, ermorden aber dennoch den Cäsar, der die Krone schon viermal abgelehnt hatte, so schreibt Köhlmeier. Am Ende zerfällt das Imperium und Octavius macht sich zum “Augustus”, ein Titel („der Erhabene“, „der Verehrte“, “der Göttliche”) der noch mehr Macht beinhaltet als Cäsar je hatte. Den vorliegenden Band beschließt “Hamlet”, der König von Dänemark, der sich schon mal fragte “to be or not to be”. Aber vorerst wird er von seinem Onkel Claudius des Thrones seines Vaters beraubt. Doch dann erscheint ihm sein Vater im Traum und will, dass er Rache an Claudius nicht, aber nicht an Gertrude, seiner schändlichen Mutter. Doch Hamlet liebt Ophelia, die Tochter des Oberkämmerers Polonius. Claudius, der bald Verdacht schöpft engagiert Rosenkranz und Güldensten, die Jugendgefährten von Hamlet. Doch dann macht das Gerücht die Runde, dass Claudius Hamlets Vater ist…
Michael Köhlmeier
Shakespeare erzählt
2026/2004, Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-492-24191-5
Piper Verlag
12,00 €