LTB: Weltreise 1

LTB-WELTREISE-Nr-1-EUROPA-Lustiges-TaschenbuchEntenhausener Weltreise beginnt in Europa

„Sicher und sorgenlos einmal um den ganzen Globus reisen: Das bietet ab dem 11. Februar die neue Sonderreihe des Walt Disney Lustiges Taschenbuch (LTB) „Weltreise“. Der Anfang wird in Europa gemacht. Die Weltenbummler Donald Duck und seine drei Neffen machen unter anderem Station in Deutschland, der Schweiz, Norwegen und Italien. Ihre Abenteuerlust hält nichts und niemand auf. Auch Micky Maus erlebt mit seiner Herzensdame Minnie Maus spannende Urlaubstage. Angefangen bei einer kulinarischen Reise durch die Schweiz, getoppt von einer Begegnung mit Erzfeind Plattnase in London und gekrönt von einem kaiserlichen Krimi in Frankreich!“ (Inhaltsangabe des Verlags)

Der Band beinhaltet folgende 14 Geschichten, darunter 8 Erstveröffentlichungen: Der mysteriöse Mommentaler, Reise duch Europa, Jagd durch Berlin, Das Geheimnis der Schachfiguren, Das kaiserliche Biskuit, Weltenbummler unterwegs: Paris, Der Schiefe Turm von Pisa, Urlaub auf Schloss Wahnstein, Mit Indiana Goof auf Reisen: Dick aufgetragen!, Der Krake im Fjord, Seeluft: Ein Tag am Meer, Das Geheimnis von Sparta, Weltenbummler unterwegs: Gipfelstürmer, Der zauberblaue Stein – Teil eins bis vier

Abenteuergeschichten und Anspielungen

Laut Verlag soll diese LTB-Sonderreihe im weiteren Verlauf nicht nur Europa in den Blick nehmen, sondern auch Nordamerika, Afrika, Ozeanien, Südamerika und Asien. Die Storys sind meist als Abenteuergeschichten aufgemacht. Die erste beginnt für Micky und Minnie Maus im Käseland Schweiz und ist eine Mischung aus Detektivgeschichte und humorvollem Blick auf Restaurantkritiker. Nebenbei fließt ein, dass in der Schweiz in kleinen Käsereien per Hand hochwertiger Käse hergestellt wird. (Das wird bei Comics meist unterschätzt: Auch sie können Wissen transportieren oder auf solches in Form von Anspielungen verweisen.) Weitere detektivische Fähigkeiten sind bei Minnie und Micky gefragt, als sie dem Kriminellen Plattnase in London auf die Spur kommen wollen. Auch in Frankreich werden Micky und Minnie ungewollt in kriminelle Machenschaften verwickelt.

Detektivischen Spürsinn müssen auch die Ducks beweisen, als sie Gundel Gauckley zuvorkommen und den zauberblauen Stein finden wollen. Schon auf der ersten Seite wird Wissen vermittelt: Ultramarin war im Mittelalter der aus fein gemahlenem Lapislazuli und Bindemittel gewonnene ebenso ultrateure und beständige Farbstoff. Auch die Namenserklärung ist gut getroffen: Ultramarin kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ungefähr „jenseits des Meeres“, weil der Edelstein damals aus Afghanistan über das Meer kam. Ansonsten wird vom Aussehen her natürlich auf den Renaissance-Maler und Architekten Raffael angespielt, der (wie im Comic angedeutet) von seinem Vater als erstem Lehrmeister in der Malerei ausgebildet wurde. Auch Szenen wie das Malen seines Selbstportraits sind gekonnt umgesetzt, da das Portrait dem des echten Raffael sehr ähnelt – und, pfiffig eins obendrauf- und umgesetzt, Raffael Duckzio sich in gleicher Pose zu seinem Schüler umdreht.

Anspielungen finden sich auch in Form von Adalberto Echo, der die Duckifizierung von Umberto Eco ist, hier in der Form des Reiseleiters und Kunsthistorikers. Kindern müssen die Anspielungen nicht auffallen, die Geschichten funktionieren auch ohne deren Verständnis. Allerdings kann aus dem Lesen solcher Gechichten ein Interesse für die realen Personen und die Historie erwachsen. Erwachsene Leser*innen können sich an den Anspielungen und am Nachspüren erfreuen, warum sie wie verwendet wurden.

Fazit

Lustige und spannende Abenteuergeschichten mit Anspielungen.


Illustrated by Egmont Ehapa, Egmont Ehapa Media

BL-Metamorphosen: Geheimnis einer Freundschaft 2

Vertiefung der Freundschaft

Zusammen stürzen sich die 17-jährige Schülerin und Buchverkäuferin Urara Sayama und die 75-jährige pensionierte Kalligrafielehrerin Yuki Ichinoi in das Abenteuer einer Manga-Messe. Beide unerfahren auf diesem Gebiet, aber voller Enthusiasmus überstehen sie lange Warteschlangen, unübersichtliche Hallen und die mehrstündige Verspätung ihrer Lieblingsmangaka. Das lange Warten, Erschöpfung und müde Beine lohnen sich: Sie können mit „ihrer“ Mangaka ein paar Worte wechseln, ihr die Hand schütteln – und ihren neuesten Manga erwerben. Auch weiteres Lesefutter von Dojinshi-Zeichnerinnen ist hoch willkommen und sorgt gerade bei Urara für Überraschungen, denn Yuki interessiert sich durchaus für explizitere Manga mit ausnehmend hübschen Männern.

Wieder zuhause wird eifrig über die Messe diskutiert, eine monatliche Diskussionrunde ins Leben gerufen und auf Neuerscheinungen aufmerksam gemacht. Dabei kommt aber auch der Alltag nicht zu kurz: Ob das der überraschende Besuch von Yukis erwachsener Tochter ist oder der Liebeskummer von Uraras Sandkastenkumpel – sowohl Alltag als auch Hobby verbinden sich harmonisch, bieten Austausch- und Erfahrungsgelegenheiten und damit eine Vertiefung der ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Nur über eins traut sich Urara nicht zu sprechen: die Liebe. Denn das scheue Mädchen ist in der Liebe gänzlich unerfahren.

Harmonische Verbindung von Alltag und Hobby

Die harmonische Verbindung zwischen Alltag und Hobby setzt der Manga auch in der Panel-Gestaltung um: Die Schlüsselszenen des Lieblingsmangas der beiden Frauen tauchen in ruhigen Momenten immer wieder auf und gehen nahtlos über in die Alltagsszenen; eine Erzählung innerhalb der Erzählung. Auch der stressige Arbeitsalltag einer Mangaka wird angerissen und steht in deutlichem Kontrast mit dem friedlichen Dahinplätschern des Schülerdaseins von Urara und dem der Pensionärin Yuki. Die Mangaka lebt zwar ihren Traum, zahlt aber einen hohen Preis in Form von Stress und chronischer Schlaflosigkeit. Wohl ein Grund, warum ihre Freundin lieber Dojinshi-Zeichnerin bleiben und nicht ins Profi-Geschäft einsteigen will.

Dafür bietet die Mangaka durch ihre Geschichte Fans schöne Stunden allein und/oder gemeinsam, denn der Austausch über das Lieblingshobby fördert durchaus das soziale Miteinander. In jedem Fall fördert es die Freundschaft von Yuki und Urara, bietet aber auch Anlass zum Nachdenken für Uraras Sandkastenfreund, der unwillkürlich seine Kumpeline mit seiner Freundin vergleicht. Die Freundin selbst, obwohl hübsch und diszipliniert, fühlt sich der eher unscheinbaren Urara unterlegen, schafft es Urara doch, mit ihrem Freund ganz selbstverständlich umzugehen. Urara selbst weiß, dass sie eher einen Außenseiterstatus und es damit schwer hat und versteht die Reaktion des beliebten Mädchens nicht.

„Frauenbild einmal anders, bitte!“ „Et voilà!“ 🙂

Auch das ist in diesem Manga wohltuend anders: Neben einer Frauenfreundschaft, die trotz Schüchternheit mit Offenheit und Neugier auf die Welt Generationsgrenzen überwindet, sind die beiden weiblichen Hauptfiguren alles andere als dem Zeitgeist entsprechend hübsch.

Yuki ist sichtbar alt und damit per se schon eine Ausnahme in Manga und Comics, die als Hauptpersonen eher junge, hübsche Frauen, am besten sexy aufgemacht (v.a. in Comics und Mangas für männliche Leser) bevorzugen. Dass sie ihres Alters zum Trotz oder gerade deswegen (s. Erfahrung, Gelassenheit) nicht aufs Abstellgleis gehört, beweist Yuki immer wieder, obwohl die Alterserscheinungen sowohl ihres Körpers als auch ihres Hauses, die Alterswehwehchen und die damit einhergehenden Schwierigkeiten nicht verschwiegen werden. Geistig ist sie fit und offen für neue Erfahrungen, die ihre Lebensqualität spürbar verbessern und sie aus der Einsamkeit herausführen. Sie selbst lässt sich innerlich und äußerlich nicht gehen und besucht auch gern mal den Friseur.

Urara erinnert vom Äußeren her eher an eine schwarze, struppige Krähe und ihre winzigen Augen stehen dem asiatischen Schönheitsideal der runden, westlichen Augen in krasser Form entgegen. Urara erinnert ihre Mutter  an die schwarzen (niedlichen) Rußmännchen aus dem von Studio Ghibli produzierten Film „Totoro“. Dass ihre Mutter sie niedlich findet, ist allerdings auch das beste, was Urara bzgl. ihres oft auch männlich aufgemachten Äußeren von ihrer Umwelt erwarten darf. Ihr Sandkastenfreund schätzt noch ihre trotz ihres verschlossenen Gesichtsausdrucks freundliche Art. Beide Frauen machen sich nichts aus Äußerlichkeiten, auch bei anderen nicht, sodass Kommunikation möglich wird. Sie schauen hinter die für Asien so wichtige Maske. Yuki z.B. ist es völlig egal, was andere von ihr und ihrem Hobby halten.

Das doch oft sehr eindimensionale Frauenbild in Comics und Mangas wird so wohltuend erweitert und hat Vorbildfunktion!

Fazit

In wohltuend ruhiger, unaufgeregter Form wird eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft, verbunden durch ein ungewöhnliches Hobby, warmherzig und liebevoll beschrieben. Das Frauenbild selbst hebt sich sehr positiv von dem der sonst üblichen Manga und Comics ab, sodass sich „echte“ Frauen durchaus wiederfinden und den beiden weiblichen Hauptcharakteren nur fest die Daumen für eine lange, fruchtbare Freundschaft drücken können, die man sich auch im realen Leben wünschen würde.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Der Weltenexpress 2: Zwischen Licht und Schatten

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„Kohle, Dampf und Magie“

„Endlich ist Flinn Nachtigall offiziell Schülerin im Welten-Express, dem magischen Internatszug. Doch dass sie eines Tages die Welt verändern soll, mag sie kaum glauben. Auch ihre Freunde Pegs, Kasim und Fedor reagieren mit gemischten Gefühlen. Denn der gesamte Zug ist in Gefahr: Ein geheimnisvoller Schatten treibt sein Unwesen und Maskierte sorgen für Chaos und Angst. Was ist los an Bord des Welten-Expresses? Auf der Suche nach Antworten steht Flinn plötzlich ihrem vermissten Bruder Jonte gegenüber. Doch etwas stimmt nicht mit ihm…“ (Inhaltsangabe des Verlags)

Spannungsbogen, retardierendes Moment

Der 2. Band der Reihe wartet mit einer spannenden Fortsetzung auf. Ein paar der Geheimnisse des ersten Bandes (Was ist mit den verschwundenen Schülern, den Phantompfauen, passiert? Wo steckt Jonte? Bleibt Mme Florett weiterhin verschollen?) werden gelüftet, wobei die Spannung durch neue Fragen, die die Beantwortung dieser drängenden Fragen aufwerfen, erhalten bleibt. Ein retardierendes Moment trägt ebenfalls zur Spannung bei: Die zart erblühende Liebe zwischen Flinn und Fedor stagniert. Und sie stagniert wegen etwas Beziehungstypischem, nämlich einer Reihe von Missverständnissen. Ähnliches lässt sich bei Pegs und Kasim beobachten. Auch hier sind Missverständnisse die Hauptursache für ihre Beziehungsprobleme. Damit ist Identifikationspotential für jugendliche Leser*innen gegeben, die ebenfalls in dem Alter sind, in dem sie ihre erste Liebe erleben.

Diese im Buch anklingenden Missverständnisse zwischen den Geschlechtern setzen sich aber auch in der Realität und in den Beziehungen zwischen Erwachsenen fort. Hauptursache dessen sind systembedinge Abgrenzungen der Geschlechter voneinander, bedingt durch Rollenklischees, die zu (falschen) Mythen über das jeweils andere Geschlecht führen. Mehr echtes Interesse für das jeweils andere Geschlecht, vorurteilsfreie Haltung und viel, sehr viel ernst gemeinte Kommunikation würden das Gros dieser Probleme lösen. Genau das geschieht auch im Buch erst einmal nicht, sodass sich die Beziehungsprobleme zuspitzen. Natürlich trägt auch das zur Spannung bei, denn man fragt sich automatisch: Wie geht es mit Flinn und Fedor, Pegs und Kasim weiter?

Das Cover

Man könnte auf den ersten Blick meinen, dass das Cover wie das Cover des ersten Bandes aussieht. Tatsächlich ähnelt es diesem im Hauptaufbau des Bildes. Wieder stehen die Hauptpersonen an der Brücke, auf dem der Welten-Express fährt. Wieder sieht man die magischen Tiere, wieder die Hauptgegenstände, die im Buch eine Rolle spielen. Mit dieser Ähnlichkeit wird die Verbindung zum ersten Band auch über das Bild hergestellt.

Die Unterschiede sieht man auf den zweiten Blick. Der auffälligste ist der der Farbe. Das erste Cover hat die Farbe der Nacht, die runde Scheibe ist der Mond, die runden, glitzernden Sprengsel die Sterne. Das zweite Cover hat den gleichen Aufbau, aber durch den Farbunterschied ist die runde Scheibe die Sonne, die Sprengsel das Sonnenlicht. Die Gegenstände wechseln zum Bild von Mme Floretts Schwester, zu den Schulschals und zur Rabenmaske, die alle im Roman immer wieder vorkommen. Anstelle von Mme Florett sieht man in der Heldengruppe Jakub und seine Koffergeige, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Bezeichnend der Untertitel des zweiten Bandes: „Zwischen Licht und Schatten“. Das Cover unterstützt also optimal den Inhalt.

Diverses

Ansonsten sind natürlich auch hier wieder Anklänge an Harry Potter zu finden, da der Express Hogwards ähnelt. Steampunk-Fantasy wird durch die Verbindung von Technik, Magie und dem namengebenden Dampf angedeutet.

Die Hauptaussage des Buches scheint zu sein: „Glaube an dich selbst.“ Flinn zweifelt an ihrer Bestimmung als weltveränderndes Tigerkind, sie zweifelt an der Beziehung zu Fedor, sie zweifelt an ihren Freunden, sie zweifelt an ihrem Bruder. Die Überwindung dieser Zweifel gehört bei ihr zur Charakterentwicklung.

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf den dritten Band macht.


Genre: Fantasy, Jugendroman
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Zuckerfrei gesünder leben

Die Ernährungs-Docs - Zuckerfrei gesünder leben

Zuckerarten, Zuckerfallen, Zuckerreduktion, Rezepte

Das vorliegende Sachbuch in der günstigeren Weltbild-Hardcoverausgabe befasst sich, wie der Titel schon andeutet, mit Zucker, welche Arten von Zucker es gibt, welche dieser Arten gesünder sind als andere, wie man Zucker in der Ernährung reduzieren kann. Dazu ein paar eindrückliche Zitate aus dem Buch:

„80% aller Lebensmittel, die wir im Supermarkt kaufen, sind ‚verzuckert‘!“

„Im Durchschnitt konsumieren die Deutschen viermal mehr Industriezucker als die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt. Das kann der Körper kaum verkraften. Er wird krank und vorzeitig alt. Ein zu hoher Zuckerkonsum zählt zu den Top Five der Ernährungsfehler. Die Folgen sind dramatisch: Übergewicht, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt.“

„… Karies, […], Bluthochdruck, Fettleber, Nierenschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und möglicherweise auch Krebs“ sind weitere Schäden des zu hohen Zuckerkonsums. Die Autor*innen spüren im Buch den Zuckerfallen nach (auch denen, in denen man Zucker eher nicht oder wenig vermuten würde), erklären, wie Zucker gewonnen wird, und wieviel Zucker vertretbar ist. „Die […] WHO empfiehlt in ihrer aktuellen Richtlinie, in allen Lebensphasen höchstens 10 Prozent – am besten jedoch nur fünf Prozent – der täglichen Kalorien in Form von freiem Zucker aufzunehmen.“

Sie raten zur Vorsicht bei Light-Produkten, erklären, wo sich in den Zutatenlisten der Supermarktprodukte überall Zucker versteckt, lockern das Thema mit dem Exkurs „Kurioses und Wissenswertes“ auf, bebildern einprägsam, wieviel Zucker in welchem Lebensmittel steckt und geben Tipps zum Zuckerentzug. Dabei vertreten sie das wohlbekannte Mantra der Bewegung und ausgewogenen Mischkost mit 3 Hauptmahlzeiten am Tag in einem gesunden Essensrhythmus. Sie geben Tipps zur erfolgreichen Ernährungsumstellung, zur ersten Hilfe gegen die Lust auf Süßes, erklären, wie es zu den zuckerbedingten Krankheiten im Detail kommt und raten zur natürlichen Süße.

Vertretene Tipps sind u.a.: sich zu den Hauptmahlzeiten mit viel Gemüse und ausreichend Eiweiß richtig satt essen, Essen frisch selbst zubereiten, gesunde Snacks, Wasser, ungesüßter Tee, insgesamt ausreichend trinken, sich überlegen: Wie kann ich mir Gutes tun, ohne Zucker zu essen?, Bitterstoffe als Appetitzügler. Ansonsten Naschen in den Alltag einplanen – erst gesund essen, dann den Nachtisch bewusst genießen. Damit sagt man den Leser*innen nichts wirklich Neues, aber die Zusammenhänge, die hergestellt werden, und die Detailgenauigkeit erhellen so manches, was einem vorher höchstens im Groben klar war.

Dem Ratgeberteil ist ein appetitlich bebilderter Rezepteteil angeschlossen, der auf Selbstgemachtes setzt. Die Rezepte sehen lecker aus und verführen zum Nachkochen. Dabei wird auf Vielfältigkeit gesetzt, um sowohl die täglichen Mahlzeiten als auch den Bedarf an Vitaminen und Co. abzudecken. Auch die Nachspeisen wurden nicht vergessen und treten zuckerreduziert auf. Die Kochzeit ist im Alltag aber doch länger als angegeben. Zudem steht dem gesunden Kochen meist der Zeitmangel (v.a. der der Frauen) gegenüber und der Fakt, dass vom Kita- über das Schulkind bis hin zum Berufstätigen die Menschen meist außerhalb essen (zumal die knappen Mittagspausen das Kochen und Essen eher nicht zulassen).

Fazit

Insgesamt gesehen erklärt das Buch gut verständlich und reich bebildert in übersichtlich aufgegliederten Themenbereichen , wie es zur Zuckersucht kommt, was der Zucker im Körper an Schäden anrichtet, welche Krankheiten daraus entstehen und wie man all dem entgegenwirken und sich gesünder im Alltag ernähren kann. Allerdings steht dem gesunden Lebenstil meist der Mangel an Zeit entgegen (v.a. der der Frauen und Familien), zumal die meisten Menschen, die Schule/Kita besuchen bzw. berufstätig sind, außerhalb essen.


Genre: Sachbuch Ernährung
Illustrated by Weltbild

Knochendiebin 1 – Die zwölf Kasten von Sabor

Knochendiebin (Die zwölf Kasten von Sabor 1)Verrat, Hierarchien, Durchbrechen alter Strukturen

„Stur, die junge Hexe aus der Krähen-Kaste, kennt nur ein Gesetz: Beschütze die deinen! Denn von den übrigen Kasten im Königreich werden die Krähen geschmäht. Dabei versorgen sie Sterbende und Tote, ein wichtiger Dienst in einem Land, in dem seit Generationen die Sündenseuche wütet.

Als Sturs Krähen-Rotte für eine Bestattung zum Palast gerufen wird, geschieht Unerwartetes: Der angeblich tote Kronprinz verlangt ihre Hilfe! Um eine Intrige zu verhindern, müssen er und sein Leibwächter heimlich Verbündete treffen – unter Sturs Obhut. Aber kann sie dem Prinzen und seinem besten Freund wirklich trauen?“ (Inhaltsangabe des Verlags)

Kastensystem, Monarchie, Einforderung von Rechten und Wertschätzung

Wie bei Fantasy-Romanen meist der Fall, ist auch hier die Monarchie als Herrschaftssystem eine gute Ausgangsbasis, um Spannung durch  systembedingte Probleme aufzubauen. Verschärft werden diese Probleme noch durch das Kastensystem, das – wie das reale indische – in seiner Undurchlässigkeit Ungerechtigkeiten zementiert.

Die Autorin wendet hier einen Kniff an: Sie macht die unterste, rechtlose Kaste zum Hauptakteur der Handlung und hier wiederum eine Frau (die Frau ist hier nicht das Opfer, sondern die Akteurin – auch eher in von Frauen geschriebener Fantasy anzutreffen). Das garantiert ein Maximum an Spannung, denn Veränderung von unten ist immer schwierig und damit eine dankbare Ausgangsbasis für eine gelungene Geschichte.

Sie stellt außerdem die Stärke der Frau in dieser untersten und rechtlosen Schicht heraus. Die Frau ist es, die letztlich die Veränderung einleitet und am Laufen hält. Das erinnert sehr an die Realität, in der Frauen die existentielle Basis am Laufen halten, aber mitnichten die (auch finanzielle) Wertschätzung erhalten, die sie eigentlich notwendig und gerechterweise dafür verdient hätten. Wie im realen Leben müssen die Entrechteten selbst für ihr Recht sorgen.

Stur fordert diese Wertschätzung ein, schlägt das Maximum an Bezahlung heraus und weist immer wieder auf ihren eigenen Wert und den ihrer Kaste hin. Damit weist die Autorin indirekt einen Lösungsweg auch für die Realität auf: Frauen müssen immer wieder auf ihren eigenen Wert hinweisen, diesen vehement einfordern und – nicht zuletzt – das Maximum an finanzieller Entlohnung ihrer Leistungen fordern und für dessen Einhaltung kämpfen.

Schlimm genug, dass das überhaupt notwendig ist. Aber da dürfen sie sich ruhig am Mann orientieren, der sich selbst wie selbstverständlich wertschätzt (dabei spielt keine Rolle, ob er diese Wertschätzung tatsächlich verdient hat), das auch immer wieder lautstark kommuniziert und seinen Wert definitiv nicht unter den Scheffel stellt. Schon gar nicht finanziell.

Frauen sind auch da leider immer noch zu leise (systembedingt: eine Frau ist immer noch die bessere, weil besser kontrollierbare Frau, wenn sie wenig bis kein Selbstbewusstsein hat)  und halten ihre Leistungen (siehe Dreifachbelastung Haushalt, Kind, Arbeit – in der Pandemie mehr denn je) für selbstverständlich, obwohl sie es nicht sind.

Stur zeigt, dass man nur dann gehört wird, wenn man lautstark, mit Druck (sie erpresst die Königskaste) und nachhaltig, sowie hartnäckig und nachdrücklich den Mund aufmacht. Veränderung kommt nicht von oben, sie kommt von unten. Die Oberen wollen natürlich nicht, dass sich etwas ändert, denn dann gehen ihre Privilegien verloren. Im Fall von Stur ermöglicht die Frau durch die Abhängigkeit des Prinzen von ihrer Kaste Zugeständnisse und wirkt an forderster Front und mit Einsatz ihres Lebens mit, dass diese erfüllt werden.

Mythen und Seuche

Die Autorin nimmt Mythen auf und verarbeitet sie. Zunächst zu den Protagonisten, den Krähen. Die Krähen im Roman stellen die unterste Kaste dar, die im Gegensatz zu den anderen Kasten keinerlei Rechte haben und vogelfrei sind. Außerdem besitzen sie im Gegensatz zu allen anderen keine angeborenen Zauberkräfte, ausgenommen die Hexen der Krähen. Sie benennnen sich mit Schimpfnamen, haben wie Landstreicher kein eigenes Zuhause und sind zuständig für die im Reich am niedrigsten angesehene Arbeit: die Betreuung der Sterbenden und Toten. Sie leisten, weil sie immun gegen die Seuche sind, tatsächlich aber die existentielle Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes, denn kommen die Krähen nicht, dann sterben die Menschen dorf-, städte- und landstrichweise. Die Krähen haben ihre eigenen Traditionen und Sagen, für die sich die anderen Kasten allerdings nicht interessieren, weil sie die Krähen nicht als Menschen betrachten. Da sie vogelfrei sind, werden sie von einer Ku-Klux-ähnlichen Organisation systematisch gejagt und getötet. All das will Stur nicht nur für ihre eigene Krähen-Rotte ändern.

Wie die Krähen im Roman wird der Krähe als Vogel eine Neigung zum Diebstahl nachgesagt. Sie steht mythisch auch mit dem Tod in Verbindung. Feen sollen sich in der keltischen Mythologie in Krähen verwandeln, um Botschaften aus der Anderswelt zu überbringen. Die Unterwelt- und Kriegsgöttin Morrigan tauchte oft in Gestalt einer Krähe am Schlachtfeld auf, um die Seelen der Verstorbenen zu sich zu holen. Damit setzen auch die Figuren in diesem Roman Krähen v.a. mit negativen Eigenschaften in Bezug. Man sagt den Tieren aber auch nach, dass die am Wegrand sitzenden Vögel prüfen, wie mutig die Helden sind, die vorbeigehen. Stur prüft die Gesinnung und den Mut des Prinzen und seines Lebwächters immer wieder. Sie sollen auch hellserherische und schicksalhafte Kräfte haben und mit den Nornen die Schicksalsfäden weben. Stur nutzt die Zähne und Knochen der anderen Kasten, um deren Zauberkräfte anzuzapfen und sie für ihre Kaste zu nutzen. Außerdem ist sie dabei, das Schicksal der Krähen, aber auch das der anderen Kasten grundlegend zu ändern. Dazu passt, dass die Krähe einen zentralen Status in Bezug auf Transformation und Veränderung hat. Dabei ändert Stur nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst. Krähen als Tiere sind sehr anpassungsfähig. Auch das trifft auf diese Kaste zu. Die Krähen im Roman müssen anpassungs-und widerstandsfähig sein, um zu überleben. Das macht hartgesottene Menschen aus ihnen, die mit allem, was das Leben ihnen zumutet, zurecht kommen. Die Krähe lüftet Geheimnisse und durchschaut Geheimniskrämerei. Stur ist dabei, die Machenschaften der herrschenden Kasten aufzudecken und zu durchkreuzen. Die Krähe gilt als Hüterin der heiligen Gesetze. Stur und die Krähen hüten die mythischen Schätze ihrer Kaste. Als Indianerstamm gibt es den Stamm der Absarokee (veraltet: Crow), die einer der bedeutensten Stämme der norwestlichen Plains waren. Die Krähen im Roman sind wichtig, aber ihre Bedeutung wird von den anderen Kasten marginalisiert und abgewertet. Perchta, die Vogel- oder Steinfrau, die mit großer Nase dargestellt wird (Hinweis auf einen Vogelschnabel), steht für die klare Sicht der Dinge und Wahrheit. Beides nennt Stur ihr eigen und trifft mit ihren Aussagen den Nagel auf den Kopf.

Die Hexe galt in der christlichen Vergangenheit als böse, alte Frau mit magischen Kräften, die sie zum Schaden anderer nutzte. Lüftet man den Schleier der christlichen Dämonisierung des sogenannten Aberglaubens, kommt eine kraftvolle, weise, alte Frau zum Vorschein, die mit ihrem Wissen über Kräuter und der Magie der Göttinnen Menschen hilfreich zur Seite stand. Der Kessel und der Mörser, sowohl Gegenstände der alten Frau im Alltag als auch Göttinnensymbole, wurden durch das Christentum verunglimpft. Sie dienten dazu, Essen zu kochen und Heiltränke herzustellen. Der Besen, mit dem die alte Frau ihr Heim auskehrt und reinigt (und der damit auch im spirituellen Sinn Reinigungsfunktion hat), wurde ebenfalls dämonisiert. Die Katze ist eines der heiligen Tiere der Göttin, z.B. Begleiterin der Freya, und wurde zusammen mit den anderen heiligen Göttinnensymbolen verdammt. Stur wird sich ihrer magischen Fähigkeiten bewusst und nutzt sie wie eine weise Greisin, die sich vor nichts und niemandem mehr rechtfertigen und sich nichts mehr gefallen lassen muss. Auch Stur ist, wie die weise Alte, verschroben und tut im Ernstfall, was getan werden muss. Das heißt in ihrem Fall, dass sie als barmherzige Krähe auch Leben nimmt.

Ana, die Knochenfrau, ist die Todesgöttin. Sie ist weiß wie die ausgebleichten Knochen. Wie die Knochen ihres Fleisches entledigt sind, enthüllt Ana den Kern der Dinge. Stur nutzt die Knochen der Lebenden und Toten der anderen Kasten, um ihre Magie zu wirken, und ihre Scharfsicht, um die Wahrheit in einer intriganten und den Krähen feindlich gesonnenen Welt von allem Schleier zu entkleiden.

Spannend wäre auch, die anderen Kasten auf ihre mythologischen Ursprünge zu untersuchen, würde hier aber zu weit führen.

Durch die im Buch beschriebene Seuche ist auch die Aktualität (Corona) gegeben. Und wie im Buch sind es die Pflegekräfte, die eine wichtige Basisarbeit leisten, die dafür aber nicht wertgeschätzt werden (schon gar nicht finanziell). Und wie sollte es anders sein: Der Großteil der Pflegekräfte ist weiblich.

Fazit

Das Buch ist spannend geschrieben und präsentiert – wohl auch, weil eine weibliche Autorin die Urheberin ist – keine in der passiven Opferrolle gefangene, schwache Frau, sondern eine, die weder hübsch sein, noch Männern in irgendeiner Art und Weise gefällig sein und gefallen muss. Stur ist, wie ihr Schimpfname sagt, willensstark, verschroben, scharfsichtig, klug, mutig, gerissen, stahlhart, widerspenstig, kann auf sich selbst und andere aufpassen und tut, was getan werden muss. Damit spiegelt sie reale Frauen wider, die sich in einer sie dikriminierenden Welt diamantene Eigenschaften erwerben mussten, um zu überleben. Denn auch heute noch werden diese diamantenen Eigenschaften mitnichten geschätzt, aber kräftig ausgenutzt. Wird sich die Frau dieser diamantenen Eigenschaften bewusst, wird sie so selbst-bewusst und brandgefährlich wie Stur in diesem Roman. Auch andere Frauen, wie die Tante des Prinzen, werden in mehrerer Hinsicht als starke Menschen dargestellt.

Die Mythologie stützt die Aussagen des Buches und verleiht ihnen Tiefe. Sie stützt auch und gerade die Rolle der Frau als starker, unabhängiger Mensch, der sich von nichts und niemanden in die Knie zwingen lassen muss.

Gern mehr davon!


Genre: Fantasy, Jugendroman
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Licht am Ende des Lebens – Bericht einer außergewöhnlichen Nahtoderfahrung

Licht am Ende des Lebens - Bericht einer außergewöhnlichen Nahtoderfahrung

Eine der ersten dokumentierten Nahtoderfahrungen

Autorin Betty J. Eadie war 31 Jahre alt, als sie nach einer Routine-Operation an der Gebärmutter starb und eine Nahtoderfahrung machte. Das ist nicht die erste in ihrem jungen Leben: Als kleines halb-indianisches Kind in einem katholischen Internat schenkten ihr die Schwestern keinen Glauben, als sie hochfiebrig war. Zu spät bei einem Arzt vorgestellt, diagnostizierte er Keuchhusten und eine schwere Lungenentzündung. Der Arzt verlor sie, aber Betty kam zurück. Voller unguter Vorahnungen trotz ärztlicher Beruhigungsversuche erinnerte sich Betty an dieses Erlebnis. Tatsächlich bewahrheiteten sich diese Vorahnungen und Betty starb zum zweiten Mal.

Dieses Erlebnis hatte nur am Anfang etwas Erschreckendes an sich, als der Körper wegen seines Zustandes Alarm schlug. Als sich Bettys Seele schließlich außerhalb ihres Körpers befand, bemerkte sie eine Reihe guter Dinge: Sie war völlig beschwerdefrei, extrem beweglich und konnte schweben. Auch von einem Ort zum anderen zu gelangen stellte kein Problem mehr da. So besuchte sie als Seele z.B. ihre Familie und bekam beruhigende Einblicke. Hilfe erhielt sie von Seelenfreunden, die sie schon von Anfang der Zeit an begleitet hatten. Durch einen heilenden Tunnel gelangte sie zu einem Licht, in dem sie Jesus erkannte. Die Liebe, die von ihm und anderen geistigen Wesen ausgeht, ist allumfassend und verurteilt nicht. Betty bekam in weiteren Verlauf Einblicke in das jenseitige Leben und Antworten auf alle ihre Fragen. Sie fühlte sich so wohl in diesem Seinszustand, dass sie nicht wieder zurückkehren wollte. Erst als ihr die Erinnerung an ihre Aufgabe auf Erden gewährt wurde, entschloss sie sich zurückzugehen.

Die wichtigste Botschaft dieser Erfahrung lautete: Liebt einander. „Die Einzelheiten meiner Erfahrung sind nur insoweit von Belang, als sie uns helfen zu lieben. Alles andere ist nebensächlich“, resümiert sie.

Embraced by the light

… der Originaltitel des Buches und ihrer Internetseite gibt viel besser wieder, worum es wirklich geht: alles umfassende, nicht wertende Liebe.

Schaut man sich die Nahtoderfahrungen der Patienten von Elisabeth Kübler-Ross und Raymond Moody und diese Nahtoderfahrung an, lässt sich sagen, dass sie sich in grundlegenden Dingen wie dem Tunnel, dem Licht, der Liebe, der außerkörperlichen Erfahrung,  und dessen, was die Seelen dann sehen, dem Hinweis, zu früh gestorben zu sein usw. ähneln. Natürlich gibt es Unterschiede in den Einzelheiten, z.B. in der Länge des Todes und der jeweiligen Intensität und Detailliertheit der Erlebnisse, aber die Grunderfahrungen gleichen sich trotzdem.

Außerdem fällt auf, dass die Nahtoderfahrungen (auch diese) am Beginn der Erfahrung dessen ähneln, was die Reinkarnationsforschung herausgefunden hat. Dort, wo die Toten nicht den kompletten Übergang vollziehen, macht die Reinkarnationsforschung (z.B. Beratungspsychologe und Hypnotherapeut Michael Newton, Psychiater Ian Stevenson und dessen Nachfolger Jim B. Tucker) weiter und gibt tiefere Einblicke in die jenseitige Welt. Die religiöse Ausrichtung spielt dabei keine Rolle. Eadie schreibt dazu: „Jede Glaubensrichtung erfüllt spirituelle Bedürfnisse, denen andere Kirchen womöglich nicht gerecht werden. Keine Kirche kann jedermanns Bedürfnisse auf allen Ebenen erfüllen.“ Alles dreht sich um Erfahrungen und Wachstumschancen, auch in Hinsicht auf Religionen und evtl. den Wechsel von einer Religion zur anderen. Wenn man genauer hinschaut, dann glauben nicht nur klassische große Religionen wie der Hinduismus und der Buddhismus an Reinkarnation, sondern auch die Seitenlinien und mystischen Richtungen der monotheitischen, die oft als ketzerisch im Laufe der Zeit verurteilt wurden (s. z.B. die jüdische Kabbala, die christliche Gnosis und u.a. Kirchenlehrer Origenes von Alexandria, Druze und Alawi).

Eadie allerdings lehnt den Reinkarnationsgedanken ab. Man existiere zwar schon von Anbeginn an, aber es gebe nur eine Inkarnation, nach der man zu Gott zurückkehre. (Sie ist gläubige Katholikin, was kein Widerspruch zur Reinkarnationstherorie oder den Nahtoderfahrungen ist, denn die Erfahrungen werden anscheinend im Jenseits so angepasst, dass die Seelen sich nach ihrem Tod wohlfühlen. So sieht sie Jesus Christus, andere sehen Buddha usw. ) Allerdings gibt es viele Aspekte in ihrem Buch, die auch in der Reinkarantionstherorie auftauchen: die Wahl eines geeigneten Körpers, die Wahl der Umstände, in die man hineingeboren wird, die Begleitung der Lebenden eine Weile nach dem Tod und die Beobachtung der eigenen Beerdigung, wenn gewünscht, das Empfangskomitee nach dem Tod, die jenseitige Bibliothek, die Gedanken, die Realität erschaffen, die entgangenen Chancen bei einem Selbstmord, verschiedene spirituelle Entwicklungsstufen, Auswahl der Lebensaufgabe, Wahl der Begleiter auf der Erde, der Rat usw.

Fazit

Alles in allem ein lesenswertes Buch für Menschen, die offen mit dem Tod und dem, was danach kommt, umgehen können, und vielleicht auch ein Trost für diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.


Genre: Religion, Spiritualität
Illustrated by Weltbild

„Little Nemo“ nach Winsor McCay

Traumwelten

Der kleine Nemo freut sich im Gegensatz zu anderen Kindern auf das Schlafengehen, kann er doch im Schlaf und dessen Traumwelten Freunde wie Fips wiedersehen und mit ihnen viele Abenteuer erleben. Da gibt es z.B. einen riesigen Tiger, der von einem Tigergärtner gepflegt und dessen Narben liebevoll geharkt und bepflanzt werden. Oder er trifft, geleitet von einem Federmann und in Umgehung der Vorschrift sich die Augen blenden zu lassen, in der Literatur wichtige Literaten wie Victor Hugo, aber auch skurrile Gestalten, die nichts anderes als Wörter trinken oder den Dickhäuterismus pflegen. Auch schreibende bunte Elefanten gehören zum Standartrepertoire. Letzlich sind sie aber nur in der Literatur, weil Fips sein Lieblingsbuch und dessen Fortsetzung sucht. Aber auch das Abenteuer, in dem Fips ihm erklärt, dass sie alle nur gedruckte Gedanken sind und sich die Welt zweidimensional einfaltet, beeindruckt Nemo sehr. Auch Nemos Verhältnis zu Tieren ist besonders, denn sie lieben seine Nähe, auch wenn er sie oft nicht wirklich wahrnimmt. Und die Begegnung mit seinem wachsenden Ich fasziniert und verwirrt zugleich.

Surreale Welten

Es empfiehlt sich, das Vorwort des Autors Frank Pé (Zeichner von Spirou) und v.a. das von C.&B. Pissavy-Yvernault zu lesen, beides sinnigerweise noch vor dem eigentlichen Comic platziert. So wird nicht nur das Leben des Original-Autors Winsor McCay skizziert und dessen Vorliebe für alles, was nicht schnöde Realität ist (was angeblich auf den Traum seiner Mutter am Vorabend seiner Geburt zurückzuführen ist), sondern auch, wie es mit dieser lebenslangen Vorliebe, abgebildet in seiner Berufslaufbahn, weiterging.

Aber auch die Verbindung des jetzigen Autos Frank Pé wird deutlich, der mit dem vorliegenden Band eine Homage an einen der frühen Comiczeichner kreiert hat und dabei sowohl an das Original anknüpft, als auch es in die heutige Zeit versetzt und Winsor McCay selbst immer wieder zum Gegenstand der (Traum-)Geschichten macht und so die Verbundenheit McCays mit seinem Werk verdeutlicht. Das Original zeichnet sich nicht nur durch surreale Inhalte aus, die an die Werke von Surrealisten erinnern, sondern auch durch eine Verspieltheit der damals noch nicht festgelegten Comicsprache, die heutzutage gern wieder benutzt werden und dem mittlerweile in vielen Dingen festgefahrenen Comic-Genre neuen Wind verleihen, das Spielerische und die Freude am Experimentieren zurückholen würde. Das versucht Pé mit seinen Strips durchaus auch (z.B. in der Geschichte des Tigers, in der die Panels zusammengenommen ein Gesamtbild des Tigers ergeben oder in den an Artbooks erinnernden großformatigen und trotzdem sequentiellen Bildern am Schluss), aber man merkt, dass er in dem mittlerweile eher festen Comic-Vokabular verhaftet ist.

Trotzdem ist ihm eine schöne Hommage an McCoy gelungen, die durchaus lesenswert, humorvoll und mit Anspielungen versehen ist. Allerdings finde ich 35 Euro für 80 Seiten, auch für eine Schmuckausgabe, zu viel Geld.


Genre: Comic
Illustrated by Carlsen Comics

I had that same dream again 3

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Des Rätsels Lösung

Nanoka will sich Rat bei Frau Abazure holen, denn ihr Freund Hikari hat sich zu Hause verbarrikadiert und will die Schule nicht mehr besuchen, seitdem er gemobbt wurde. Die beiden Freundinnen sprechen sich gegenseitig Mut zu und tauschen wichtige Tipps für ihre Lebenswege aus. Gestärkt mit diesen Tipps, aber angesichts des Verlustes von Minami mit der Furcht im Herzen, dass auch Frau Abazure verschwindet, geht Nanoka zu Hikari. Sie hat sich vorgenommen, zu seinem Herzen zu sprechen. Tatsächlich gelingt ihr der Zugang zu Hikaris Herz und der Junge geht wieder zur Schule. Dort wehrt er sich auf seine Weise gegen die Anfeindungen und steht Nanoka bei. Aber als Nanoka Frau Abazure von ihrem Erfolg erzählen will, erfährt sie, dass in ihrem Apartment nie eine Frau gewohnt haben soll. Voller böser Vorahnungen geht Nanoka zum Haus ihrer ältesten Freundin und hofft, wenigstens sie noch anzutreffen.

Träume, Paralleluniversen, Zukünfte, das eigene Ich

Der letzte Band der Reihe löst nach und nach die Rätsel auf, vor die sich Nanoka gestellt sieht. Dabei bedienen sich die Autorinnen der Träume innerhalb eines Traumes und lassen dabei Paralleluniversen und diverse Zukunftszweige aufeinander treffen. Alle Frauen mit ihren unterschiedlichen Lebenswegen und Nanoka haben diesen einen Traum – und er ermöglicht ihnen nach und nach eine glückliche Zukunft. Nanoka lernt, dass jede Entscheidung, die sie trifft, einen neuen Zweig der Zukunft eröffnet, dass es viele Abzweigungen geben kann, die in jeweils unterschiedliche Richtungen führen. Und sie lernt, dass alle Antworten für eine glückliche Zukunft in ihr selbst liegen. Aus ihrem letzten Traum erwacht sie in der für sie glücklichsten Zukunft. Diese hat sie im Gespräch mit ihren unterschiedlichen Ich-Aspekten herausgearbeitet und überführt die wichtigsten Eigenschaften dieser Aspekte in ihr für sie bestes Leben. Ebenso deutlich wird, dass man in egal welchem Alter sein Leben zum Besseren wenden und trotz seelischer Narben das Beste aus sich herausholen kann.

Die schwarze Katze Merle fungiert dabei als sanfte Führerin Nanokas durch die verschiedenen Universen ihres Ichs. Bedenkt man, dass Katzen (v.a. schwarze; Schwarz steht für fruchtbaren Mutterboden => in dem Manga sind das wohl die fruchtbaren Gespräche und Ideen) früher zu den heiligen Tieren der Großen Göttin gehörten, die wie die Göttin selbst verteufelt wurden, dass die Katze bzw. der Hase eines der Tiere des chinesichen Kreises der Sternzeichen ist und sie zudem als Krafttier für Selbstbestimmtheit, innere Weisheit, den 7. Sinn und geistige Entfaltung steht, scheint Merle die göttliche Gesandte für Nanokas Lebensglück zu sein. Später verschwindet auch sie, aber Nanoka besitzt letztlich eine Katze, die Merle zum Verwechseln ähnlich ist.

Fazit

Insgesamt scheint diese Manga-Reihe eine Mischung aus Elementen der Science Fiction, der Psychologie, der frühen Religionen und der Esoterik zu sein. Und diese Mischung ist äußerst gelungen! Die Lebenstipps in dem Manga dürfen ruhig bedacht und für das eigene Leben geprüft werden. „Halte dich an dich selbst, finde heraus, was du wirklich willst, mache dich mutig Schritt für Schritt auf den Weg, entwickle wohlwollende Empathie und vertraue bei der Prüfung anderer Menschen auf dein Herz“ scheint die Essenz dieser Manga-Reihe zu sein. Nicht die schlechteste, wie ich finde.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Sketch every day – Einfach mit dem Zeichnen loslegen

(Fast) jeden Tag zeichnen

Das „fast“ ist Simone Grünewald wichtig. Denn ohne das „fast“ wird Zeichnen zum Zwang. Und wenn der Zwang da ist, geht der Spaß, geht die Kreativität. Zeichnen kommt aus der inneren Motivation heraus, und diese soll erhalten werden. Aus dieser inneren Motivation heraus entsteht auch die Lust, fast jeden Tag zu zeichnen. Aber Angst vor Unvollkommenheit hemmt die Motivation. Deshalb plädiert die Autorin dafür, einfach loszulegen und damit der Entwicklung seines Zeichnens Raum zu geben.

Mutterschaft und Beruf – schwierige Kombination, aber machbar mit eingehaltenen Versprechen und Absprachen!

Um den angehenden Künstler/innen Mut zu machen, beginnt sie mit ihrer eigenen Geschichte und rundet das Buch mit ihrem Mutter- und Künstlerinnendasein ab. Sehr gut gefallen hat mir, dass sie unangenehme Dinge nicht verschweigt; v.a. die schwierige Verbindung von Beruf und Elternschaft einer Frau. Sie gibt zu, dass sie das nicht geschafft hätte, wenn ihr Mann nicht seine 50% an Haushalt und Kindererziehung leisten würde. Sie machte zwar von Anfang an klar, dass sie nur dann ein Kind will, wenn der Mann seinen Teil der Arbeit tut. Aber: Das wird viel versprochen und genauso viel gebrochen, wenn das Kind erst einmal da ist und der Mann merkt, dass für ihn überhaupt kein Raum mehr bleibt. Dann ist es bequem, in alte Rollenklischees zu verfallen und zu sagen, das könne die Frau doch viel besser, um sich so aus der Affaire zu ziehen.

Im Fall Grünewalds scheint es funktioniert zu haben. Ihr zeichnerisch dargestellter Alltag mit Kind sollte für die Männer, die Vater sind und sein wollen, ein Vorbild sein. So funktioniert Beruf, so funktioniert Ehe, so funktioniert Elternschaft – in respekt- und liebevoller Absprache und v.a. dem Einhalten dieser Absprache! Schlimm genug, dass es immer noch nicht selbstverständlich ist, dass zum Mannsein mehr dazugehört als nur das Kind zu zeugen und danach der Frau das meiste bis alles weitere aufzubürden. So entsteht erst das Dilemma, in dem Frauen stecken: Sich entweder zwischen Beruf und Mutterschaft entscheiden oder bei beidem Abstriche machen zu müssen – und dann die (nicht nur finanziellen) Konsequenzen dafür bis ans Lebensende zu spüren. (Männer, für die es selbstverständlich ist, nach Hause zu kommen und – ohne dass die Frau das hundertmal sagt – z.B. die Wäsche richtig sortieren und das richtige Waschmschinenprogramm anschmeißen und alles aus der Waschmaschine räumen und aufhängen und später wieder abhängen und zusammenlegen und sogar in die richtigen Fächer des richtigen Schranks einräumen und nebenei das Kind wickeln und erneut die Waschmaschine bedienen, weil das Kind alles in erstaunlich großer Reichweite beim Wickeln vollgepullert und später in ebenso großer Reichweite auf das Sofa gebrochen hat, brauchen sich nicht angesprochen zu fühlen! ^^) Oder anders ausgedrückt: Die Autorin ist um ihren Mann, der immer noch ein seltenes, aber mindestens genauso begehrtes Exemplar darstellt, zu beneiden.

Übersichtlichkeit

Die Künstlerin gestaltet ihr Buch sehr übersichtlich, indem sie es in überschaubare thematische Kapitel und Unterkapitel einteilt und untergliedert. Innerhalb der Kapitel dominieren die Zeichnungen zur Veranschaulichung ihrer Tipps. Der Text ist kurz und in einfachen Sätzen gehalten. Trotzdem fällt es mir an manchen Stellen schwer zu verstehen, was genau sie meint. Aber ich schätze, das ist meiner zeichnerischen Nichtbegabung geschuldet. Grünewald teilt die Kapitel folgendermaßen ein: Einleitung (in der sie von vorneherein klarstellt, wie sie ihr Buch aufbaut und verstanden wissen will), Meine kreative Reise, Künstlerische Grundlagen (die sie trotz allen Spaßes für wichtig und v.a. hilfreich hält), Charakterdesign (mit umfassenden Tipps und Anschauungsmaterial von Menschen in allen Alltersstufen und Lebenslagen über Tiere bis hin zu Pflanzen), Familienleben.

Die Frau als Künstlerin

Dass in diesem Buch eine Künstlerin am Werk ist, merkt man allenthalben. Schon das Cover zeigt den weiblichen Aspekt des künstlerischen Daseins – und der wird immer und immer wieder im Buch deutlich. Das spiegelt sich nicht nur in Motiven aus weiblicher Perspektive, sondern v.a. auch daran, dass Grünewald als Referenzfigur nicht – wie sonst überlich – den männlichen, sondern den weiblichen Körper benutzt. V.a. dann, wenn explizit Männer und Jungen dargestellt werden sollen, rückt der männliche Körper in den Fokus. Ansonsten dominieren kleine Mädchen in Mechas, Frauen und Mütter in Berufs-, Alltags- und Fantasysituationen. Dabei stellt sie ganz nebenbei heraus, wie vielgestaltig der weibliche Körper ist. Das alles ist eine wohltuende Abwechslung zu dem meist eher eindimensionalen Frauenbild der Comicwelt, das in Bezug auf Frauen nicht nur (unrealistische) Männerträume ausdrückt, sondern viel zu oft sogar noch konservativer als der real gelebte Alltag ist.

Fazit

Sehr anschauliches und übersichtliches Buch über den Spaß am Zeichnen und die Grundlagen des Zeichnens, das wohltuend nicht den männlichen, sondern den weiblichen Körper als Referenz benutzt – aus weiblicher Sicht! Gerne mehr davon; die Comicwelt braucht dringend mehr Comics aus weiblicher Sicht und Hand!

 


Genre: Hobby, Sachbuch
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Elektrische Fische

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Umzug, Heimweh und ein Fluchtplan

Von der irischen Hauptstadt Dublin ins verschlafene mecklenburg-vorpommerische Velgow: Der Unterschied könnte für Emma und ihre beiden Geschwister nicht größer sein. Nach der Trennung von ihrem trunksüchtigen Vater zieht die Mutter mit ihren drei Kindern zurück in das Haus ihrer Eltern, mit denen sie seit 20 Jahren kein Wort mehr gewechselt hat. Keine guten Voraussetzungen für einen Neustart. Der geht auch genauso holprig weiter, wie er begonnen hat: Die deutschen Großeltern sind Fremde, die geliebten irischen weit weg, ebenso die irischen Freunde, die sich einfach nicht durch deutsche ersetzen lassen wollen. Und Emmas kleine Schwester Aiofe verstummt vollständig, nachdem sie in ihrer neuen Schule gemobbt worden ist.

Emma ist sich sicher: Hier will sie nicht bleiben! Also fasst sie heimlich den Plan, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. Unerwartete Hilfe bekommt sie von Levin, einem Klassenkameraden, der wie sie ein Außenseiter ist. Der dünne, langhaarige Junge ist ausgewiesener Metal-Fan, schüchtern und ein guter Beobachter. Obwohl er selbst große Probleme zuhause hat, bietet er Emma seine Hilfe an. Aber damit sein Plan klappen kann, müssen die beiden komplexen Charaktere erst einmal zueinander finden.

Entwurzelung

Die Geschichte stellt schön heraus, wie es ist, völlig fremd zu sein und seine Wurzeln verloren zu haben. Das immense Heimweh, das die Kinder plagt, der mühsame Neubeginn und eine Mutter, die immer Heimweh nach Deutschland hatte, sich jetzt aber nach all den Jahren verloren fühlt und wie ihre Kinder im Nirgendwo feststeckt.

Auch die finanzielle Lage ist angespannt, da die Mutter zumindest anfangs nichts verdient und später „nur“ einen Aushilfsjob hat. Die dadurch entstandene Abhängigkeit von den Großeltern und der mangelnde Platz im Haus machen die Lage nicht besser.

Nur allmählich wachsen winzig kleine Wurzeln und finden fruchtbaren Boden zum Verwurzeln. Im Fall der Mutter ist es der Aushilfsjob, der ihr Spaß macht, und der Kontakt zu einer alten Klassenkameradin. Aber auch dieser Kontakt ist durchwachsen, da die Klassenkameradin, Levins Mutter, geistig erkrankt ist.

Emma findet in Levin einen neuen Freund, wobei aber auch diese Beziehung nicht unbelastet ist. Außerdem entflieht sie dem Alltag, indem sie in der Ostsee schwimmt, die aber, wie sie immer wieder anmerkt, nicht das Meer Dublins ist. Erschwert ist auch die Hinfahrt zum Meer, denn sie hat nur das alte DDR-Klappfahrrad als Vehikel.

Ihre Schwester Aoife findet in der alten Nachbarin jemanden, der ihr beim Schweigen zuhört, die die anderen aber eher seltsam finden. Und die deutschen Großeltern tun sich mit der Empathie für ihre irischen Verwandten schwer, zumal sie ihrer Tochter nachtragen, dass sie sie wegen ihres Mannes verlassen hat.

Aber auch hier wachsen erste zarte Wurzeln, als z.B. der Großvater für Emma ein Bett baut, sodass sie nicht länger nur auf ihrer Matratze schlafen muss. Diese kleinen gegenseitigen Annäherungsversuche an das jeweils Fremde sind zwar steinig, aber mit Erfolg gekrönt, sodass sich langsam ein Sog in Richtung eines neuen, nicht mehr so schlimmen Alltags entwickelt. Natürlich denkt man als LeserIn dabei an die diversen Flüchtlingskrisen, die zur Menscheitsgeschichte immer schon dazugehört haben. Und an die Entwurzelung, z.T. auch die Entwertung der geflüchteten Menschen, die oft nicht willkommen waren und es dadurch noch schwerer als ohnehin schon hatten. Vielleicht will das Buch u.a. Empathie wecken für solche Entwurzelten, weil es das mühsame Verwurzeln so ausführlich beschreibt.

Schwierige Familienverhältnisse

Dass es immer mal wieder Schwierigkeiten, auch gerne in diversen Abstufungen, in Familien gibt, ist wohl jedem bekannt. Emma trifft es allerdings härter, weil sie einen Alkoholiker in ihrer Familie hat. Und sie ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Vater und v.a. zu ihren irischen Großeltern und der Liebe zu ihrer Mutter, die von Frust und Wut bgleitet wird, weil die Mutter unerreichbar weit von der irischen Verwandtschaft wegzieht. Auf der anderen Seite zeigt sie aber auch Ansätze, ihre Mutter und deren Entscheidung zu verstehen. Die Entfremdung zu ihrer deutschen Verwandschaft trägt allerdings nicht dazu bei, ihre Situation zu verbessern.

Auch Levins Familienverhältnisse sind schwierig. Die Mutter, vorher eine hoch dotierte Biologin, ist schwer psychisch erkrankt und belastet die Familie sehr. Ihr Selbstmordversuch am Schluss des Buches ist die Spitze vom Eisberg, unter dem die Familie schon seit Jahren leidet. Die beiden Brüder leiden aber auch an der Unfähigkeit des hilflosen Vaters, mit der Situation umzugehen. In dieser Familie ist praktisch jeder auf sich allein gestellt mit seinem Kummer.

Mit schwierigen Situationen umgehen lernen

Das Buch bietet keinen perfekten Lösungsweg. Es beschreibt eher, wie sich die Figuren an schwierige Situationen herantasten, stolpern, versuchen, damit umzugehen, wieder stolpern usw. bis es irgendwann erträglich und vielleicht sogar besser wird. Es gibt nicht den einen Weg, sondern ein ständiges Tasten und try and error – wie auch im echten Leben. Trotzdem sind immer wieder gute Lösungsansätze zu sehen wie z.B. Hilfsbereitschaft, die Bereitschaft zuzuhören, Schweres gemeinsam auszuhalten, denken und ausprobieren, miteinander kommunizieren, erste Schritte aufeinander zugehen, den anderen in seiner Entscheidung respektieren. Dass es dabei auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Streit gibt, ist normal. Der Weg zueinander wird aber ebenso oft gesucht, auch wenn es manchmal dauert.

Sonstiges

Das Buch stellt sich den Schwierigkeiten, die es vor den LeserInnen ausbreitet. Aber vielleicht ist es zu überfrachtet mit all diesen Schwierigkeiten, die mal eher angedeutet, mal ausformuliert werden. Ich persönlich fand es etwas sperrig zu lesen, was nicht an der Satzlänge liegt. Die ist in Ordnung. Mir macht eher die Distanz zu schaffen, denn ich bin nicht wirklich warm geworden mit den Figuren, auch nicht mit der Hauptfigur. Vielleicht liegt es daran, dass Emma für einen Teenager viel zu erwachsen wirkt, trotz der Schwierigkeiten. Für mich ist die Darstellung der Figuren insgesamt zu gedeichselt, um noch plausibel zu wirken. Das Buch mutet wie eine typische Schullektüre an, die man als Teenager gezwungen ist zu lesen, weil sie so viel Lehrreiches vermittelt, danach aber nie mehr anrührt. Da ändert auch die Tatsache nichts, dass die Autorin u.a. schon für Preise nomminiert war und diese z.T. auch gewonnen hat.

Fazit

Das Thema Entwurzelung ist nach wie vor sehr aktuell, das Thema familiäre Schwierigkeiten sowieso und diese Themen werden im Buch gut herausgearbeitet und beleuchtet. Trotzdem ist eine Distanz vorhanden, die es LeserInnen schwer macht, mit den Figuren warm zu werden.


Genre: Jugendbuch
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Lymph-Drainage: Hilfe bei Schwellungen und Ödemen. Selbst behandeln, einfach entschlacken

LymphdrainageLymphsystem – das unbekannte Wegenetz

… welches das Buch als erste „Amtshandlung“ den Leser/innen näher zu bringen versucht. Denn das Lymphsystem transportiert nicht nur die Fette, sondern leitet u.a. auch Schadstoffe, Eiweißmoleküle und abgestorbene Zellen ab, neutralisiert und entsorgt Abfallstoffe des Stoffwechsels, produziert Abwehrstoffe und verteilt sie weiter.  Damit hat es eine wesentliche Funktion zur Gesunderhaltung des Körpers inne, die oft nicht im Fokus steht.

Das Buch erklärt also eingangs einfach und verständlich, was das Lymphsystem überhaupt ist, wie es funktioniert, wie die Lymphwege verlaufen, welche Störungen auftreten können. Den nächsten Block bilden die Behandlungen, die man an sich selbst ausführen kann, um das Lymphsystem zu unterstützen. Dabei wird deutlich gemacht, dass diese wirklich nur eine Unterstützung darstellen und man bei Beschwerden die Ärztin/ den Arzt und/oder Physiotherpeut/innen aufsuchen muss. Ich persönlich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Behandlungsgriffe zur besseren Anschaulicheit wie in anderen Büchern schrittweise bebildert werden. So würde ich sie wohl eher nicht anwenden aus Angst, etwas falsch zu machen, bzw. zur Physio gehen, um sie mir zeigen zu lassen.

Gut hingegen sind die mit Farbe unterlegten Kästchen, die Wissenswertes hervorheben oder zusammenfassen. Die Grenze zwischen dem Machbaren und dem, was in fachmännische Hand gehört, wird immer wieder klar gezogen. Auch weitere Beispiele für die Unterstützung der Lymphe außerhalb der Griffe werden aufgezeigt, z.B. Mini-Trampolin mit Gummiringen (sowieso ein Allround-Talent für die Gesundheit), Faszientraining, Nordic Walking, Wassergymnastik und Schwimmen, Spaziergänge, gesunde Ernährung, richtige Hautpflege und spezielle Kräutertees, lymphfreundliche Lebensmittel, viel trinken.

Auffällig sind allerdings die Tippfehler, die auf ein paar Seiten gehäuft vorkommen. Auch ein unterstützender Bildtext taucht unter einem völlig anderen Bild erneut auf (S. 39 und 42). Es entsteht der Eindruck, dass das Buch überhastet korrigiert worden ist.

25 Rezepte, die entschlacken, entwässern und entgiften sollen

Die Rezepte sind meist einfach gehalten mit wenigen Zutaten und Angaben der Zubereitungszeit, die sich ebenfalls in Grenzen hält. Allerdings hat man nicht mal eben Thai-Basilikum zuhause oder Mangold, Granatapfel, Spirulina-Pulver oder Kokoswasser. Manche der angegebenen Zutaten findet man nicht in jedem Supermarkt. Selbst wenn, sind sie nicht immer im Sortiment. Man sollte sich also die Rezepte raussuchen, die supermarktkompatibel sind. Ansonsten sind die Rezepte Geschmackssache. Ich persönlich würde z.B. den reinen Tomatenreis etwas fade finden und mit Mozarella, Basilikum und gerösteten Nüssen aufpeppen.

Davon abgesehen habe ich generell bei der Lektüre von gesunden Rezepten des Öfteren den Eindruck, dass sie v.a. für die (wohlhabende) Mittelschicht geschrieben worden sind, denn die Menschen, die gesundes Essen besonders nötig hätten, können es sich aufgrund der mangelnden Finanzen oft gar nicht leisten – ich selbst habe das gemerkt in Zeiten, als ich mit 50 Euro für einen Wocheneinkauf auskommen musste. Ungesundes ist tatsächlich weitaus günstiger als gesundes Essen. Und ich spreche hier nicht von empfohlenem Bio, sondern schon von konventionell angebautem Gemüse, das deutlich teurer ist als die Tüten- oder Dosensuppe für ein paar Cent.

Ebenfalls nicht miteinbezogen sind die Menschen (ältere oder Menschen mit Handicap), die allein leben, aber nicht (mehr) selbstständig kochen können. Oder die, die aus Zeitdruck nicht selbst kochen (wovon es mehr als genug gibt). In einer halben oder 3/4 Stunde Mittagspause lässt sich nicht viel zubereiten, geschweige denn essen. Und abends vorkochen, v.a. bei Frauen/Alleinerziehenden mit Kindern, ist schlicht meist unmöglich. Eine Fertigmahlzeit in die Mikrowelle oder Pfanne geworfen ist in einer solchen Situation für die meisten das (zeitsparenste, günstigste) Mittel der Wahl.

Allgemein müsste die Lebensmittelindustrie viel mehr in die Verantwortung gezogen werden, gesunde Fertigmahlzeiten herzustellen! Auch die Lieferanten der Mensas der Unis, Kitas, Schulen, Firmen müssten mehr auf gesunde, unverarbeitete Lebensmittel achten und es müsste mehr Küchenpersonal geben. Die meisten Menschen essen aus Zeitgründen außerhalb, also sollte man v.a. dort mit der gesunden Ernährung ansetzen.

Fazit

Bis auf ein paar Mängel ein gutes, verständlich geschriebenes Buch über die Wichtigkeit unseres Lymphsystems und wie man es behandeln und gesund erhalten kann.


Genre: Gesundheit, Sachbuch
Illustrated by Lisa Mestars, Riva Verlag München

LTB 539: Zurück am Tatort Entenhausen

Zurück am Tatort Entenhausen

„Zurück am Tatort“ sind alle berühmt-berüchtigten Verbrecher Entenhausens: Sie haben sich zusammengeschlossen, um Entenhausen endgültig unter Kontrolle zu bringen. Deswegen fährt Donald im Eiltempo mit dem „Taxi nach Entenhausen“, um nicht nur die Polizei zu retten, sondern auch das Versteck der Verbrecher preiszugeben.

„Das Imperium des Konditors“ gründet sich auf krummen Machenschaften eines berüchtigten Verbrechers. Auf die kommt Malvo Mausalbano allerdings nur zufällig, weil er dem Sohn seiner Haushälterin aus der Patsche helfen will.

Wer ist in „Phantomias – der Film“ als Hauptdarsteller besser geeignet als Phantomias selbst? Das zumindest denkt sich Donald, der für die Rolle vorspricht. Aber dann kommt alles anders: Ausgerechnet Dussel soll den Helden spielen. Aber nicht nur Dussels wegen gerät alles außer Kontrolle – auch ein Verbrecher spielt kräftig mit.

„Unruhe in der Unterwelt“ verursacht ein fremdes Verbrecher-Duo, das im Territorium der Panzerknacker räubert. Das lassen die sich natürlich nicht bieten und mobilisieren ihre Mitkollegen, um die unliebsame Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen.

„Ein Fantastilliardär auf Abwegen“ ist Onkel Dagobert, als er gezwungenermaßen den Bus nimmt, um zum Milliardärsklub zu kommen. Das beschert ihm gleichermaßen ungewohnte und ungewollte Abenteuer.

„Die Farben der Zukunft“ malt Minnies Ahnin Minnie Conquete, als sie eine Meuterei auf einem Forschungsschiff verhindern will. Aber Kater Karlito setzt alles daran, ihren engagierten Einsatz zu vereiteln.

„Der Mentalist“ fasziniert Dussel so, dass er diesen Beruf erlernen will.

„Die Sprache der Musik“ muss Donald notgedrungen lernen, als er versehentlich Daisys wertvolle Vase zerstört. Denn der einzige, der eine dieser seltenen Vasen hat, komuniziert nur über die Musik.

„O.M.A – Die Rückkehr des Gestaltwandlers“ Gilor Borax versetzt Donald in Angst und Schrecken. Trotzdem muss er sich dem außerirdischen Bösewicht stellen, um Dussel zu befreien.

„Die wippschwänzige Wirrschopfschnepfe“ bringt Onkel Dagobert fast den Ruin. Aber Onkel Dagobert wäre nicht Onkel Dagobert, wenn er nicht auch diese Situation zu seinem Vorteil nutzen könnte.

50 Jahre Tatort

Global Creative Director von Egmont Publishing und LTB-Tatort-Entenhausen-Erfinder Peter Höpfner formuliert die Gratulation zum 50-jährigen Tatort-Jubiläum so: „Der erste Tatort ‚Taxi nach Leipzig‘ lief 1970 und begründete eine deutsche Fernsehtradition. Das mussten wir natürlich aufgreifen und freuen uns über eine enge und engagierte Kooperation mit den echten Tatort-Profis. Ähnlichkeiten mit den Kommissaren aus Entenhausen und den beliebten TV-Figuren sind somit nicht wirklich zufällig.“ Auch Tatort-Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer, bekannt in seiner Rolle als „Vaddern“ im Tatort aus Münster, ist in Entenhausen als Taxifahrer unterwegs. Natürlich spielt auch das Cover und eine der ersten Seiten sichtbar auf den Tatort an.

Die Idee ist also gut. Leider bleibt es bei einer Tatort-Geschichte im gesamten LTB. Aber zumindest haben viele der anderen Geschichten noch mit Verbrechensaufklärung zu tun, sodass zumindest der thematische Bezug gewahrt bleibt. Für die, die mit diesem Thema nichts anfangen können, gibt es aber auch weitere Geschichten, die keinen Bezug zu Verbrechen haben.

Drei der Geschichten ranken sich rund im Sprache. Die Sprache der Musik ist entweder universell oder im Falle Donalds eine Art Geheimsprache zur Informationsvermittlung. „Der Mentalist“ kommt völlig ohne Text aus und kommuniziert nur über die Bilder. Bilder benutzt auch Daisy, um den Matrosen ihr Anliegen zu verdeutlichen. Da kommt eine typisch amerikanische Eigenheit zum Zuge: Nicht nur im Militär werden Bilder, oder besser gesagt Comics, verwendet, um auch weniger Gebildeten Informationen zugänglich zu machen. Bilder (wie auch Musik) werden univerversell verstanden. Im Europa des Mittelalters dienten Bilder aller Art der Bevölkerung, die nicht lesen und schreiben konnte, ebenfalls als Informationsquelle.

Der Band ist insgesamt geeignet für kleine und große Leser/innen. Die kleinen verstehen die Geschichten auch ohne die Anspielungen, die großen können sich über ebensolche freuen.

Fazit

Actionreicher Lesespaß für Groß und Klein. Mehr Tatort hätte dem LTB aber sicher nicht geschadet.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa Media

Der Welten-Express: Erster Teil der großen Trilogie

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Magisch, gefährlich, heimelig – der Welten-Express

„Nacht für Nacht sitzt Flinn Nachtigall an einem stillgelegten Bahnhof: dem Ort, wo zwei Jahre zuvor ihr Bruder verschwand. Bis eines Abends ein Zug einfährt, gezogen von einer gewaltigen, rauchspukenden Lokomotive. Und Flinn…

…stürzt als blinde Passagierin in das Abenteuer ihres Lebens! Denn der Zug ist der Welten-Express, ein fahrendes Internat voller außergewöhnlicher Jugendlicher, angetrieben mit magischer Technologie. Ein Ort, an dem Flinn Freunde findet – und Feinde. Ein Ort voller Geheimnisse. Doch das größte Geheimnis verbirgt Flinn in sich selbst…“ (Verlagstext der Inhaltsangabe)

Das Cover

… bildet eigentlich schon alles Wesentliche des Buches ab, ohne von der Geschichte zu viel zu verraten – gerade genug, um die potentiellen LeserInnen neugierig zu machen: Die meisten der Hauptfiguren, die relevanten magischen Tiere, den Welten-Express selbst, ein paar der vorherrschenden magischen Utensilien und den Sternenhimmel. Schön gestaltet in zentralen Farben und glänzendem Reliefdruck lädt das Hardcoverbuch zum Reinschmökern ein.

Der Prolog

… klärt, worum es dem Gründer des Welten-Expresses geht: armen Kindern und Jugendlichen die Chance geben, ihr Potential zu entfalten, um in der Welt eine außergewöhnliche Rolle zu spielen. Die rollende Schule mit eigenen, von den Schulen der Welt unabhängigen Regeln soll nicht nur Bildung vermitteln, sondern auch eine sichere Heimat werden für die sozial benachteiligten, vernachlässigten und/oder verwaisten Kinder. Diese schon im Prolog herausgestellte wichtige soziale Komponente der Ausbildung könnte durchaus eine kritische Anspielung auf das deutsche Schulsystem sein, in dem sozial schwächer gestellte Familien oft bildungsfern und deren Kinder in der Schule nicht die gleichen Chancen haben wie in sozial besser gestellten Familien.

Eine sichere Heimat

… ist allerdings ein angestrebtes Ideal, wie Flinn schon eine erste Ahnung nächtens im Zug überkommt und die sich im Laufe der Zeit zur Gewissheit verdichtet: Die Magietechnologie entpuppt sich als gefährlich. Die Verbindung von (Dampf-)Technologie und Magie spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle und erinnert an Steampunk Fantasy. Auch Kasims Frisur und Pegs‘ außergewöhnlicher Kleidungsstil passt zu diesem Fantasy-Genre, ebenso der „Kohlenjunge“ Fedor und die Schutzbrille von Mme Florett.

Ein Hauch von Harry Potter

… umweht die LeserInnen permanent beim Lesen. Nicht nur die Benutzung von Schuluniformen und ein Zug, der ein wenig an den Hogwarts-Express erinnert, sondern auch die Konstruktion einer  eigenen, magischen und gefährlichen (Schul-)Welt, die neben der realen existiert, sowie der vordergründig bösen Lehrperson und deren jungendlichen Gehilfen lässt einen vermuten, dass die Autorin „Harry Potter“ zumindest gekannt, daraus Anregungen geschöpft und mit eigenen Ideen vermischt hat. Diese Kombination ist definitiv gelungen, denn der Welten-Express liest sich spannend.

Weiblich und männlich

… eine Frage des Rollenklischees. Die Autorin lehnt sich an Gender-Theorien an, indem sie ihrer Hauptperson Flinn absichtlich nicht nur einen geschlechtsunabhängigen Namen gibt, sondern auch immer mal wieder einfließen lässt, dass sich Flinn so kleidet und benimmt, dass man sie auch für einen Jungen halten könnte bzw. sich ihres Geschlechts nicht sicher sein kann. Biologisch ist die 13-jährige Flinn noch nicht so weit, dass man ihr den weiblichen Aspekt ansieht. Flinn hat sich automatisch von Rollenklischees befreit, weil sie ihr ureigenes Wesen lebt. Und das hängt bei ihr nicht von einer gesellschaftlichen Rolle ab. Somit ist sie ein Vorbild, das zeigt, wie man sich von diskriminierenden Rollenklischees befreien könnte – einfach, indem man nichts auf sie gibt. Das gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.

Trotzdem bestreitet auch sie eine Queste, zu der immer die Charakterentwicklung gehört. Das passt zur Pubertät, in der die Kinder zu Erwachsenen heranreifen und sich selbst finden lernen. Flinn, die sich ihres Wertes nicht bewusst ist, soll lernen, diesen zu finden und zu schätzen. Deswegen ist sie anfangs ein sogenannter Pfog, der sich zum Pfau entwickelt und wie dieser in all ihren Facetten schillern darf.

Schillernd

… ist auch die Sprache, die im Buch verwendet wird. Die Autorin arbeitet gern z.B. mit Personifikationen, Vergleichen, schmückenden Adjektiven und abwechslungsreichen Verben, die schon in der Sprachgestaltung die magische Welt widerspiegeln, die sie Stück für Stück der Leserschaft preisgibt.

Fazit

Ein durch und durch gelungenes Buch, das Lust macht auf die Fortsetzungen.


Genre: Jugendbuch
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Die Wölkchenbäckerei: Abnehmen mit Brot und Kuchen

Backen wie auf Wölkchen? Wölkchengleiche, luftige Teige?

Das in der mittlerweile 11. Auflage erschienene Back-Buch wirbt mit dem Slogan „Schnelle, einfache Rezepte mit Nährwertangaben“. Tatsächlich verspricht dieser Slogan nicht zuviel: Die Rezepte sehen nicht nur einfach und unkompliziert aus, sie sind es auch. Ich habe schon mehrere Rezepte ausprobiert und bin inklusive Backzeit nach ca. einer Stunde mit allem fertig. Tatsächlich sind sie so einfach (auch in der Anleitung) gestaltet, dass mein 8-jähriger Sohn (mit nur wenig Hilfe von mir) selbst backen kann, worauf er sehr stolz ist. Das Backbuch eignet sich also auch für das Backen mit Kindern, sogar mit etwas kleineren, denn es geht schnell und das ein oder andere Rezept benötigt keine Eier, sodass diese Teige bedenkenlos geschleckt werden können. Des Weiteren komme ich bisher prima ohne Rührgerät aus; Schneebesen, Löffel, Hände, manchmal auch eine Gabel tun es genauso. Das alles hat mich und meinen Sohn motiviert, öfter als bisher zu backen.

Hilfreich ist die Einführung am Anfang, denn da gibt die Autorin den poteniellen Bäcker/innen eine Anleitung an die Hand, wie die von ihr entworfenen Rezepte am besten umgesetzt werden können. Wenn man diese beherzigt, steht einem superschnellen Backen, das quasi im Vorbeigehen stattfinden kann, nichts mehr im Weg.

Wenn man sich die Rezepte so betrachtet, gibt es ein paar Grundzutaten, die die Autorin immer wieder verwendet, sodass man diese höchstens einmal in der Woche kaufen muss und dann im Bestand haben kann. Auch das erleichtert ein schnelles Backen. Diese Zutaten sind: Magerquark, fettarmer Joghurt, (Hafer-)Kleie, Dinkelmehl, Eier, (Weinstein-)Backpulver. Süße (egal, welche man bevorzugt) nach Belieben. Diesen Zutaten sieht man schon an, dass sie systematisch darauf aus sind, Kalorien zu sparen. Vollkorn und Kleie machen lange satt, Fett wird nur extrem wenig verwendet, Süße könnte man bei dem ein oder anderen Rezept auch weglassen, weil mit Früchten gearbeitet wird. Und das Überraschende: Die Rezepte funktionieren trotz wenig Fett! Meines Sohnes und mein aboluter Liebling ist das Baguette-Rezept, das trotz weniger Zutaten schön fluffig wird.

Da wird schon ein weiterer Vorteil sichtbar: Wer es nicht so mit Hefe und den langen Gehzeiten hat, der kann Brot und Brötchen komplett ohne backen. Backpulver reicht und es gelingt trotzdem. Da ich selbst möglichst glutenfrei essen soll, war ich mutig und habe die Rezepte mit meinem glutenfreien Supermarktmehl gebacken. Die glutenfreien Rezepte, die ich bisher gesehen habe, waren mir (u.a. auch wegen der Zutatenbeschaffung) zu kompliziert, um sie nachzubacken. U.a. die vielen Mehle, die man dazu braucht, bekommt man nicht nebenbei im Supermarkt. Hier dagegen reicht das glutenfreie Supermarktmehl (selbst ohne Glutenersatz wie Guarkernmehl) aus, um schöne Ergebnisse zu erzielen, die nicht zerkrümeln.

Vom Käsekuchen allerdings war ich etwas enttäuscht. Dieser enthält schon vom Rezept her im Grundteig keine Süße, die meiner Meinung aber auch da reingehört, weil das Ergebnis sonst recht gewöhnungsbedürftig schmeckt. Aber gut, das kann man nachholen. Der Baguette-Teig lässt sich nicht ohne den Einsatz der Hände kneten, klebt aber sehr stark. Ich muss meinem Sohn nach dem Kneten den Löwenanteil des Teiges von den Händen kratzen. Ist das aber geschafft, erhält man leckere Baguettes. Allerdings frage ich mich, wie man diesen Teig alleine bewältigen soll, denn selbst mit Wasser an den Händen ist er schwer zu händeln.

Ob man mit den Rezepten tatsächlich abnimmt, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Das würde nur ein Langzeittest zeigen. Allerdings bin ich, weil schlank, wohl die falsche Referenz. Zumindest habe ich bisher nicht zugenommen, was bei der bisher gebackenen Menge nach kurzer Zeit bei „normalen“ Rezepten bestimmt der Fall gewesen wäre. Gesünder als die herkömmlichen Teige sind die Wölkchenrezepte allemal.

Fazit

Die Autorin hat sich sicht- und merkbar viele Gedanken um ihre Rezepte gemacht und ein gutes Ergebnis abgeliefert. Die ein oder andere Kleinigkeit mag zwar noch verbesserungswürdig sein, manches ist auch Geschmackssache, aber die Schnelligkeit, mit der die Rezepte nachgebacken werden können, und die meist gut essbaren Ergebnisse sind definitiv unschlagbar, v.a. wenn man sich mit weniger Süße bei den Kuchen arrangieren kann. Fettarme und ballaststoffreiche Zutaten erleichtern das Schlemmen ohne Gewissensbisse. Das war das Ziel der Autorin, und das hat sie meiner Meinung nach auch erreicht.


Genre: Backbuch
Illustrated by DplusA-Verlag / Weltbild

Die drei ??? Kids: 24 Tage Chaos im Zoo

Die drei ??? Kids - Der Adventskalender - 24 Tage Chaos im Zoo

Sabotage im Wildpark

Justus, Peter und Bob, die drei ???, sind erneut in einen mysteriösen Fall verwickelt. Der schon etwas veraltete und unattraktive California Wildpark wurde vom neuen Besitzer gründlich renoviert und wiedereröffnet. Die drei ??? haben Freikarten erhalten und freuen sich auf den Besuch. Aber kaum sind sie im Wildpark, schon häufen sich die mysteriösen Vorfälle. Jemand hat absichtlich das Krokodilgehege und die Notfallschleuse des Staudamms geöffnet, sowie weitere Sabotageakte durchgeführt. Die drei ??? wittern einen neuen Fall und machen sich auf die Suche nach dem Täter.

Das Adventskalenderkonzept ist verbesserungsbedürftig

Die in sich abgeschlossene Weihnachtsdetektivgeschichte der drei ??? laden Kinder ab 8 Jahren zum Mitraten ein. Das Buch ist so aufgebaut, dass die Rätsel, Bilder, Witze, Quitzspiele, Sticker usw. sichtbar sind, während der Text mit einem Brieföffner oder einem Lineal an einer gestrichelteten Linie geöffnet werden muss. Das stärkt nebenbei feinmotorische Kompetenzen. Neben der Geschichte an sich ist also auch durch die Extras zusätzlicher Spaß garantiert.

Mein 8-jähriger Sohn hat die Extras schon fleißig gerätselt, ist dabei aber auch auf eine Schwachstelle des Buches gestoßen: Die Bilder verraten, wer der/die Täter ist/sind. Auch der Text selbst deutet schon frühzeitig an, wer hinter der Sabotage steckt. Trotzdem möchte er, dass ich ihm die Geschichte weiter vorlese, denn er will die Einzelheiten wissen. Damit sind wir schon bei der zweiten Schwachstelle: Der Text, der auf jeweils 2 Seiten komprimiert werden muss, damit er im Buch versteckt werden kann, ist für Kinder im Grundschulalter zu klein und zu eng gedruckt. Damit verliert er an Übersichtlichkeit und verspielt leider die kostbare Einladung an die potentiellen kleinen LeserInnen, die Story selbst zu entdecken.

Fazit

Für Fans der drei Fragezeichen eine nette neue Geschichte, aber leider durch ein fehlerhaftes Adventskalenderkonzept auch für Kinder durchschaubar.


Genre: Kinderbuch
Illustrated by Kosmos / Weltbild