Run away with me, Girl 1 und 2
by battan

Liebe, die nicht gelebt werden darf

Maki und Midori waren beste Freundinnen in der Schulzeit. Zumindest sollte es nach außen hin so wirken. In Wahrheit waren die beiden Mädchen ein lesbisches Paar – bis zum Ende der Highschoolzeit. Denn jetzt bricht für Maki eine Welt zusammen, weil Midori nicht zu ihr steht, sondern ihren Traum einer „normalen“ Hochzeit leben will. Zehn Jahre später treffen sich die beiden zufällig wieder. Sie nähern sich einander an, bis Midori sagt, dass sie schwanger ist und heiraten wird. Sie will Maki zu ihrer Hochzeit einladen. Maki erleidet wieder Liebeskummer, lernt aber trotzdem Midoris Mann kennen. Sein Gebaren gegenüber Midori gefällt ihr nicht und sie fragt sich, ob Midoi wirklich glücklich mit ihm ist. Auch Midori hinterfragt allmählich ihren Traum, v.a. als sie merkt, wie glücklich sie mit Maki ist. Als beide Urlaub auf einer Insel bei einer lesbischen Freundin Makis machen, stellen sie fest, wie gut sie immer noch zueinander passen. Midori will sich zu Maki bekennen und mit ihr ein neues Leben beginnen. Aber dann taucht überraschend Midoris Mann auf und fordert sie zurück.

 

Lesbische Liebe – immer noch ein rares Gut in der Literatur

Die beiden in sich abgeschlossenen Bände werden vom Verlag beworben mit „berührende Girls-Love-Serie“. Das ist  nicht untertrieben. Die Gefühle der beiden sind vielschichtig und werden durch die Zeichungen sehr gut unterstützt. Die Lebenssituation ist nicht  – wie oft in Boys-Love oder Girls-Love-Mangas – einer echten Realität entrückt, sondern mitten in dieser angesiedelt, sodass auch die Probleme, mit denen Homosexuelle zu kämpfen haben, zum Tragen kommen. So werden u.a. die Einsamkeit und das belastende Sich-Verstecken-Müssen bzw. die Frage eines Comig Outs angesprochen. Trotzdem bietet der Manga auch Problemlösungen an, wie z.B. eine Auszeit, um sich über die eigenen Gefühle klarzuwerden und sich zu überlegen, wie es weitergehen soll. Überhaupt werden Gefühlen und der Vergangenheit bzw. den Motiven der einzelnen Figuren viel Raum gegeben. So wird ein plattes Schwarz-Weiß-Bild vermieden und auch den Motiven von Midoris Ehemann Platz verschafft, obwohl dieser auf den ersten Blick unsympathisch wirkt. Aber auch er ist ein Produkt der Gesellschaft und ihrer starren Rollenklischees, die der tatsächlichen menschlichen Vielfalt keinerlei Raum gewährt und im Gegenteil nur einengt und verletzt. Das verdeutlicht der Manga sehr gut. Er verdeutlicht aber auch, dass unerwartet Unterstützung kommen kann, wenn man sie braucht, auch von Menschen, die man evtl. falsch eingeschätzt hat. Und natürlich, dass der Kontakt zu Gleichgesinnten befreiend und bereichernd sein kann.

Hervorgehoben werden sollte auch, dass diese Serie eine der wenigen ist, die lesbische Homosexualität in den Fokus rückt (und das mit einer sehr guten Story, was ebenfalls nicht selbstverständlich ist). Die lesbische Homosexualität geht meist unter in der schwulen Homosexualität, zu der es weitaus mehr Mangas gibt. Auch da kommt das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau leider wieder zum Tragen.

Fazit

Runde Sache. Der Manga verdeutlicht in spannender, einfühlsamer Form sehr gut homosexuelles Leben, diesmal in der immer noch zu raren Form der lesbischen Liebe.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

Die Lehren der Großmütter: Selbstermächtigung – Die Offenbarung des zutiefst Weiblichen

Zu viel Yang, zu wenig Yin

Autorin Sharon McErlane begegnete den weisen Frauen, die sie „Großmütter“ nennt, während einer ganz normalen Alltagssituation: Sie erschienen ihr bei einem Spaziergang. Sie waren einfach da. Und ab dieser Zeit begleiten sie die Autorin auf ihrer Reise zu sich selbst und zu ihrer Weiblichkeit genauso wie McErlane die Leser*innen mit den Lehren der weisen Frauen begleitet, damit gerade Frauen wieder zu ihrer Urkraft finden. Sie nennt diese weibliche Urkraft nach der asiatischen Lehre Yin und die männliche Yang.

Nach den Botschaften der weisen Frauen, die die Autorin durch schamanische Reisen empfängt, leidet unsere Welt an einem Übermaß an Yang, welches völlig außer Kontrolle geraten ist. Sie vergleicht diese Kraft mit einem Stier, der gegen eine Kette wütet, die zum Zerreißen gespannt ist. Dagegen wird das weibliche Yin gering geschätzt und ist deswegen unterrepräsentiert. Das Yin vergleicht die Autorin mit den Wurzeln eines Baumes, die den Baum aus dem Feuchten und der Erde nähren und stärken. Die Yang-Welt ist zur Zeit vom Yin abgeschnitten; sogar viele Frauen leben Yang. Aber beide Geschlechter leiden unter diesem extremen Ungleichgewicht.

Deshalb seien nach der Autorin die Großmütter in ihr Leben getreten, um die Yin-Kraft wieder in den Frauen zu verankern. Die Großmütter verdeutlichen, dass Yin und Yang nur scheinbar Gegensätze sind, denn das eine trägt den Samen des anderen in sich. Yin soll in der heutigen Zeit Yang neu ordnen, denn Energie stagniert und wird gestaut, was die Probleme der Welt verursacht. Wenn es keine Bewegung gibt, gibt es kein Leben.

Yin und Yang formen sich gegenseitig, indem sie in ihrem natürlichen Fluss aneinanderstoßen. Die Welt soll wieder zurückkehren zum Genährtsein, zur Liebe und zur Geborgenheit der Mutter. Eroberung und Aggression seien schon so weit getrieben worden wie möglich, ohne alles Leben zu zerstören. Die Energie müsse sich wieder dem Erhalt des Lebens zuwenden. Mitgefühl, Hingabe und Verständnis seien jetzt wichtig, ebenso Vertiefung des Mitgefühls zur Weisheit anstatt Anhäufung von Wissen. Anstrengung und Sein müssten wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Yang sei jetzt müde und überspannt. Außerdem gebe es keine Anerkennung für den weiblichen Aspekt Gottes. Die Frauen sollen ihre eigene göttliche Natur wieder erkennen. In diesem Zusammenhang unterliegen Großmütter nicht mehr dem Kampf, sondern halten ihre Familie und fördern das Gute im Leben. Die Eigenschaft des selbstlosen Gebens einer Großmutter sei das, was die Erde jetzt braucht.

Die weisen Frauen betonen, dass alle miteinander verbunden sind und nennen diese Verbundenheit das Gewebe des Seins, in denen sich die Fäden der Lebewesen miteinander verweben. Hastende Menschen – das sei falsch. Ebenso die Art und Weise, wie (Nutz-)Tiere gehalten und (Nutz-)Pflanzen zum Wachsen genötigt werden. Haustiere seien wichtig, weil sie uns mit der Erde verbinden, das Herz nähren und ihm Frieden geben. Gottesdienst ist die Liebe und Fürsorge, die wir einem Lebewesen, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze, angedeihen lassen. Einander lieben sei die einzige Tat, die zählt.

Der Lebensbaum werde heute nicht als Einheit betrachtet, was Probleme verursacht. Der Lebensbaum gibt jeder/jedem seine ganz spezielle (Lebens-)Frucht. Wenn diese gewürdigt wird, blüht man und trägt Früchte. Mit Machtkämpfen zwischen Männern und Frauen solle man keine Zeit verschwenden, denn der ganze Baum braucht Fürsorge. Wenn die Äste (Yang) abgeschnitten oder die Wurzeln (Yin) abgeschnitten werden, stirbt der Baum. Alle seien eins mit dem Baum des Lebens.

Außerdem zeigen Die Großmütter der Autorin den Wert des Tanzes, des Spielens und des Singens. Frauen können sich auch einen eigenen heiligen Ort z.B. in ihrer Wohnung einrichten, an dem sie Ehrerbietung üben können und so einen Kraftort schaffen. Dabei sind die Art der Gebete und die Zeremonien egal, solange sie dem selbstlosen Geben dienen. Auf diese Art führen alle Wege zu Gott, kein Weg ist schlechter als der andere. Aus solchen Gebeten komme Liebe in Aktion. Es sei an der Zeit, dass Yin und Yang sich umarmen.

Einfach man selbst zu sein, anstatt ständig zu tun; langsam gehen und tief gehen. Weisheit zeige sich, wenn das Ego verstummt. Liebe allein bringe Weisheit, während Weisheit eine tiefere Liebe hervorbringt. Weisheit komme nicht aus dem Verstand, sondern aus dem Herzen. Unter den Exzessen des Yang liege Harmonie auf der Erde. Deshalb solle man auf den Rhythmus des Lebens vertrauen und mit ihm tanzen.

 

Zurück zum Gleichgewicht

Mich persönlich erinnert das alles an das, was über das Patriarchat und das Matriarchat gesagt wird. Das Patriarchat hat viel Unheil angerichtet, das wieder ins Lot gebracht werden muss. Es schadet, wie die Großmütter in ihren eigenen Lehren festgestellt haben, nicht nur den Frauen, sondern auch den Männern. Ohne die Achtung voreinander und für die Umwelt, ohne Gleichgewicht und gegenseitige Wertschätzung geht die Welt zugrunde. Das kann man aus den Forschungen zum Patriarchat, Matriarchat und auch hier aus den Lehren der Großmütter mitnehmen.

Im Buch sind noch Übungen angeschlossen, die schon im Hauptteil des Buches erwähnt werden, und die die Verbundenheit zu sich selbst und allen Lebewesen verstärken sollen.

Die Wahrheiten, die die Großmütter verbreiten, sind mit den gesunden Menschenverstand sehr gut nachzuvollziehen und übereinzubringen. Man kann sich angesichts der Zustände auf der Erde nur immer wieder an den gesunden Menschenverstand erinnern bzw. sich erinnern lassen. Das tut dieses Buch.

Das Einzige, was mir nicht so gut gefällt, aber das ist wohl eine Sache der Persönlichkeit, ist die fast schon devote Art und Weise, wie sich die Autorin vor den weisen Frauen unterwirft. Auf der anderen Seite erinnert das sehr daran, dass es immer noch nicht gern gesehen wird, wenn Frauen in natürlicher Weise selbstbewusst sind. Auch McErlane muss dieses Selbstbewusstsein wiedergewinnen; und in dem Buch sieht man den Prozess, den sie durchläuft, um wieder zu sich selbst und ihrer Weiblichkeit zu kommen. Das kann andere Frauen ermutigen, diesen Prozess ebenfalls anzustoßen.

 

Fazit

Lesenswertes Buch über das Patriarchat und das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern.


Genre: Sachbuch Esoterik
Illustrated by Neue Erde

Ghostly Things 2

Mystery mit Nachhaltigkeit

Die Oberschülerin Yachiho hat sich mittlerweile in ihrem neuen Zuhause eingelebt und hilft Moro, dem Wächter der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, bei der Arbeit. Eines Morgens aber überrascht sie die Nachricht, dass ihr Vater kurzfristig nachhause kommt. Von ihm erfährt sie, dass ihre Mutter nach dem verschwunden Professor Tachibana gesucht hat. Yashiho vermutet daraufhin, dass ihre Mutter vieleicht ins Jenseits gegangen ist. Nachdem ihr Vater wieder fortreisen muss, erhält Yashiho einen neuen Lehrer an der Schule: Es ist ausgerechnet Herr Kamo, der Naturgeister zwar auch sehen kann, ihnen aber eher feindlich gesonnen ist. Außerdem kommt ein neuer Naturgeisterjäger hinzu, der diese wie Kamo ebenfalls nicht respektiert: Komei. Yashiho dagegen will immer erst die Gründe für das Handeln der Naturgeister herausfinden, bevor sie einschreitet. So ermöglicht sie einem Spötter einen letzten Gefallen, dämmt diplomatisch die Fähigkeiten der Wasserspender ein und hilft dem Torwächter auf der Suche nach dem Spiegel ins Jenseits.

 

Erst ganzheitlich denken, dann handeln

Wie auch schon im ersten Band gibt es tatsächlich eine Art weibliches und männliches Denken: Kamo und Komei stehen der Natur eher feindlich gegenüber und betrachten sie unter der Kosten-Nutzen-Rechnung. Sie wollen die Natur unterwerfen und sie sich zunutze machen. Gelingt dies nicht, wollen sie sie zerstören. Yashiho dagegen denkt ganzheitlich. Sie will der Natur ihren angestammten Platz lassen und hilft ihr, wo sie kann. Sie will Probleme nicht niederringen, sondern eine Lösung finden, die für alle Beteiligten gut ist. Das macht zwar kurzfristig mehr Arbeit und erfordert Einfühlungsvermögen und weitreichendes Denken, aber dafür sind Probleme endgültig geklärt und nicht nur verschoben oder unterdrückt. Yashiho sieht hinter die Fassade und ist in ihrem ganzen Denken und Handeln Vorbild, auch weil sie alleine lebt und ihren Alltag in all seinen Facetten meistert.

Der Gegensatz dieser beiden Denkweisen ermöglicht die Spannung der Geschichte. Aber auch die Geister an sich, die der japanischen Mythologie entnommen und harmonisch in den Manga eingewebt werden, erzeugen Spannung. Der Manga enthält als Extra Infos zur Mythologie der einzelnen eingeführten Wesen. Die Zeichnungen selbst unterstützen sehr gut und flüssig die Geschichte, sind an passender Stelle dynamisch und untermalen die Stimmungen der Szenen und Figuren gekonnt.

Insgesamt eine runde Sache.

 


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Haushalt im Griff – Einfach, schnell und nachhaltig

Haushalt im Griff - Verbraucherzentrale NRW; Frey, CarinaHaushalt praktisch und nachhaltig mit gut verständlichem, reichhaltigem (Detail-)Wissen

Autorin Corina Frey möchte mit ihrem Buch die Verbraucher*innen für ihre Eigenverantwortung sensibilisieren: für sich selbst, die eigene Gesundheit, die Umwelt. „Im eigenen Haushalt entscheiden wir, mit wie viel Chemie wir uns umgeben, wie viele Zusatzstoffe wir essen, wie sparsam wir mit Ressourcen umgehen.“ Weniger ist oft mehr, so ihr Slogan, denn die Industrie will uns immer verleiten, mehr auszugeben als nötig. „Dieses Buch zeigt die Tricks und falschen Versprechen. Das macht Einkaufen nicht immer einfacher. Es schützt aber davor, dass wir uns hinterher übers Ohr gehauen fühlen. Und spart am Ende Geld, das sich weit sinnvoller ausgeben lässt.“ Wenn schon die anderen Argumente nicht ziehen sollten – den eigenen Geldbeutel schonen will so gut wie jede*r.

Um das Buch übersichtlich zu gestalten und Leser*innen durch die Texte zu navigieren, ist es mit einfachen Symbolen versehen, werden häufige Fragen an den Anfang gestellt, die Texte ergänzt mit separat aufgeführten Tipps wie den 10 goldenen Einkaufsregeln oder der Frage, wie man am besten Müll vermeidet.

Das Buch ist unterteilt in folgende Kapitel: „Das kommt in die Tüte: Einkaufen und Aufbewahren“, „Kochen und Backen: Zaubern in der Küche“, „Kleiderpflege“, „Einfach sauber: Putzen“, „Das Nicht-Alltägliche: Hilfe, ich muss…“, „Anhang“. Die angeführten Hauptkapitel sind wieder unterteilt in viele, interessante Unterkapitel wie z.B. „Was tun gegen Lebensmittelverschwendung“, „Speisen zubereiten – ganz praktisch“, „Gut gewappnet: Die Vorräte“, „Ausmisten – weggeben“, „Was zum Putzen wirklich notwendig ist“ oder „… meine Wohnung in einer halben Stunde vorzeigbar machen“.

Auch wenn sich diese Kapitel möglicherweise wenig spektakulär anhören: Die Autorin gibt ein detailreiches, aber dennoch gut verständliches Wissen weiter, das immer wieder den ein oder anderen neuen Tipp oder die ein oder andere neue Information bereithält. Ich persönlich dachte, dass ich eigentlich schon gut informiert sei, habe aber in diesem Buch immer mal wieder Neues entdecken können.

Außerdem erschrecken zumindest mich die Zahlen, die den Verpackungsmüll betreffen. Laut Frey verbucht nämlich jede*r Deutsche 226, 5 Kilogramm Plastik pro Jahr. Damit ist Deutschland Spitzenreiter in Europa. Sie weist außerdem darauf hin, dass v.a. Lebensmittel in Kunststoff verpackt werden – und zwar üppig. Allein die To-go-Kaffeebecher reichen aneinandergereiht von Frankfurt nach Kalabrien. Ebenfalls erschreckend sind die Erkenntnisse über Verpackungsanteile im Essen: Reste von Druckfarben und Klebstoffen finden sich ebenso in Leebnsmitteln wie Mineralölbestandteile, Weichmacher oder BPA, z.B. in Recyclingkartons; oder Metalle in Konservendosen. Ein hoher Fettgehalt begünstigt übrigens den Übergang von BPA in Lebensmittel. Verpackungen aus Glas seien am besten, weil dort der Übergang von unerwünschten Stoffen in Lebensmittel am geringsten sei. Ansonsten frische Lebensmittel kaufen oder TK-Lebensmittel. Ebenso unappetitlich sind hormonell schädigende Stoffe und Plastik in Kosmetika. Da sollte man auf Naturkosmetik ausweichen. Frey setzt außerdem auf natürlich(er)e Stoffe im Haushalt: Essig/Zitronensäure, Soda und Natron ersetzen chemische Putzmittel. Sie gibt an, wofür diese geeignet und ungeeignet sind. Ansonsten reichen ihrer Meinung nach nur wenige ausgesuchte Putzmittel für die gesamte Wohnung aus.

Außerdem gibt sie Tipps, wie man mit einfachen Gerichten große Mengen kocht, um so den Einkauf der in mehrerlei Hinsicht unguten Fertiggerichte zu vermeiden. Denn diese kosten (zu) viel Geld, enthalten (zu) viel Fett, Salz, Zucker und Inhaltsstoffe. Des Weiteren sortiert sie schon vor, wenn es z.B. um die Küchenausstattung geht: Was braucht man wirklich und was ist unnötig? Welche Dinge in der Küche putzt man selten, sind aber z.B. Keimträger? Heißt „regional“ wirklich „nahe“? Expertenmeinungen, Alltagserfahrungen von Blogger*innen und weitere farblich abgehobene Texte in eigenen Blöcken vertiefen die Texte.

Die Bilder zu den Texten sind bunt und einfach gehalten. Meist kommen sie neutral daher: Die Verbraucherzentrale scheint sich darum bemühen zu wollen, Rollenklischees zu vermeiden. Trotzdem tappt sie bei einigen wenigen Bilder in die Klischeefalle: Nur ein Mann und eine Figur, die man als neutral bezeichnen könnte, sind bei Haushaltstätigkeiten zu sehen – dafür aber drei Frauen.

Fazit

Insgesamt gesehen ein sehr gut verständliches Buch über praktisches und nachhaltiges Haushalten mit tiefgehendem, sehr gut zusammengefasstem Wissen, das auch gut informierten Verbraucher*innen noch neue Informationen vermitteln könnte. Ein gelungener Haushalts-Rundumschlag!


Genre: Sachbuch Haushalt
Illustrated by Verbraucherzentrale

Mutige Seelen: Planen wir unsere Lebensaufgabe bereits vor der Geburt?

Schwartz | Mutige Seelen | 2015 | Heyne Taschenbuch | Ratgeber | Heyne-Bücher Allgemeine ReiheVorgeburtliche Lebensplanung

Unfälle, Tod, schwere Krankheiten, Behinderungen, Drogen, Alkohol – es gibt viele Menschen, die von diesen Dingen mittelbar oder unmittelbar betroffen sind. Autor Robert Schwartz untersucht, ob diese Leiden reiner Zufall, sinnlos oder gar gottgebene Strafen sind. Anhand von mehreren beispielhaften Fällen zeigt er auf, dass diese Leiden seiner Ansicht nach Sinn haben. Eine dieser Menschen ist die schwarzhäutige Penelope, die taub zur Welt kam und darunter litt. Aber sie hat sich als junge Frau zum Ziel gesetzt, anderen Gehörlosen zu helfen, indem sie Gebärdensprache unterrichtet. John ist schwul und an AIDS erkrankt. Er wuchs in einer Gegend auf, die nicht nur diese Krankheit ächtet, sondern auch ethnische Minderheiten und Homosexuelle. Er leidet unter der Verachtung und Geringschätzung. Sharon ist Mutter eines drogenabhängigen Sohnes. Als ihr Sohn nach einer Überdosis im Sterben lag, schwor sie sich, anderen zu helfen, wenn er überlebt. Valerie verlor schon früh Sohn und Geliebten. Sie ertränkte ihren Kummer in der ersten Zeit in Alkohol und fragte sich, warum alles so schwer sein muss. Christina erlitt schwere Verletzungen durch eine Briefbombe. Aber anstatt aufzugeben, schlug sie einen neuen Lebensweg ein: Sie wurde Logopädin und half damit vielen Menschen.

Robert Schwartz hat in Gegenwart von Christina und den anderen „Gebeutelten“ Medien zum schweren Schicksal dieser Menschen befragt und herausgefunden, dass fast alle ihren Lebensweg als Seele vor ihrer Geburt geplant hatten, um in ihrem Leben eine Entwicklung zu einem besseren Menschen zu durchlaufen und um Karma abzutragen. Er ist nach den Sitzungen mit den Medien und durch ein paar seiner Gesprächspartner*innen, die hellwahrnehmend sind, zu der Auffassung gelangt, dass Seelen inkarnieren, um Erfahrungen zu sammeln und sich durch diese Erfahrungen weiterzuentwickeln. Meist scheint die Seele durch Gegensätze zu lernen. Da sie z.B. im Jenseits keine negativen Gefühle empfinden kann, wird sie im irdischen Leben mit Hass konfrontiert, um den Wert der Liebe, der in der geistigen Welt selbstvertändlich ist, kennen- und schätzen zu lernen. Sie erfährt dieses Gefühl durch das Gegenteil davon viel tiefer und in all seinen Aspekten.

 

Lernen von Liebe, Selbstwert, usw. durch die Erfahrung des Gegenteils

Das Buch ist sehr gut verständlich und flüssig geschrieben. Schwartz erklärt in den ersten Kapietln, wie er arbeitet und was man unter vorgeburtlicher Planung versteht. Dann umreißt er in den einzelnen Kapiteln die Lebensunstände seiner Interviewpartner*innen und gibt recht ausführlich die Sitzungen mit den Medien wieder, in der die Gründe für die Schicksalsschläge erläutert werden. Diese rühren oft von früheren Leben her, dienen aber insgesamt der Weiterentwicklung der Seele und deren Seelengruppe.

Schwartz versucht klar zu machen, warum sich Seelen für schwierige Lebenssituationen entscheiden. Oft gelingt ihm das auch, aber manchmal habe ich mich als Leserin gefragt, wie Grund A zu Schwierigkeit B führen konnte, da mir der Grund nicht plausibel genug erschien. Ich habe nach dieser Lektüre auch den Verdacht, dass die Seelen womöglich aufgrund des Fehlens der Negativität gar nicht wissen, worauf sie sich da einlassen (und von ihren Seelenbegleiter*innen oft auch gewarnt werden), und dann in ihrem Leben in der unmittelbaren Erfahrung einen Schock erleben. Trotzdem scheint das Wissen, dass sie alles selbst geplant haben, dazu beizutragen, mit ihrem Schicksal Frieden zu schließen und einen besseren Lebensweg einzuschlagen. Manche dieser Interviewpartner*innen sind auch selbst hellwahrnehmend begabt, sodass sie schon vorher wussten, dass sie sich ihr Schicksal ausgesucht hatten.

Mir persönlich stellt sich trotz aller Versuche, das Schicksal als gewollt und Grausamkeiten als Akte der Liebe zu erklären, die Frage, ob es nicht auch andere, genauso effektive Wege gibt zu lernen als nur der Leidensweg. Es mag für viele eine ausreichende Erklärung sein, aber ich habe nach der Lektüre noch mehr Fragen als vorher.

 


Genre: Sachbuch Esoterik
Illustrated by Heyne München

LTB Camping 1

Quellbild anzeigenSommer, Sonne, (günstiges) Camping

„Die Drei vom Campingplatz“ gehen auf einen ebensolchen, nachdem Gustav eine Campingausrüstung gewonnen hat. Während Dussel und Donald sich mit dem Zelt abmühen, liegt Gustav auf der faulen Haut. Aber nicht lange, denn der ungemütliche Zeltnachbar zerstört jede Aussicht auf eine angenehme Urlaubszeit.

„Ärger an der Angel“ ist vorprogrammiert, wenn Dussel sich zum Fischen entschließt.

„Ein Zelt für vier“ reicht zum Campen dicke aus – wenn man es benutzen kann. Aber es gelingt weder Donald, noch Dussel und selbst Gustav nicht, die Zeltklappe zu öffnen. Da ist Chaos vorprogrammiert.

„Eine galaktische Pechsträhne“ erlebt Donald nicht nur beim Zelten – ein Außerirdischer ist auf der Erde abgestürzt und verursacht in Donalds Umfeld eine Katastrophe nach der anderen.

Einen „Abflug ins Ungewisse“ machen Donald und seine Neffen, als sie samt Zelt auf eine unwirtliche Insel geweht werden. Dort droht nicht nur die wilde Natur, sondern auch Gangster, die den Entenhausener Campern das Leben schwer machen.

„Das Wichtelamulett“ soll Onkel Dagobert vor dem Unglück seines ungeliebten Neffen Wito Wasserhuhn beschützen. Aber so ein Amulett will erst einmal hergestellt und v.a. die Amulette herstellenden Wichtel gefunden werden.

„Für eine Dose Bohnen“ gibt selbst ein hungriger Bigfoot Onkel Dagobert seine Goldnuggets. Aber dem mythischen Geschöpf droht zunächst der Zoo.

14 lustige und abenteuerliche Geschichten, als Ein- oder Mehrseiter, davon zwei deutsche Erstveröffentlichungen, beleuchten das Thema Campen in vielen verschiedenen Facetten. Dabei geben auch 10 Camping-Lifehacks Tipps für ein schönes Camping-Erlebnis. Aber neben allem Abenteuer kommen auch Themen wie Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen, Schein ist nicht Sein, vorschnelle Urteile, Mythen und die Frage, ob so manches Unglück nicht im Nachinein sogar ein Glück war, vor. Mut, Intelligenz, ein guter Charakter und die Verantwortung als Erwachsener gegenüber Minderjährigen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein paar mehr deutsche Erstveröffentlichungen wären allerdings schön gewesen.

Insgesamt aber wieder eine runde Sache.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa Media

Lucky Luke: Zarter Schmelz – Hommage 5

Lucky Luke - Zarter Schmelz: Eine Hommage von Ralf König - HC Egmont Comic

Schokolade und Cowboys

Lucky Luke braucht einen neuen Job. In einem Jobcenter hofft er den zu finden. Aber er findet nicht nur den Auftrag, lila Schweitzer Kühe zu hüten, sondern auch Bud. Bud wartet eigentlich nur auf seine Bekanntschaft Terence, bekommt aber dafür den Job als Cowboy zusammen mit Lucky Luke. Auf wunderschönen Weidegründen in ruhiger Lage erzählt Bud einem verständnisvollen Lucky Luke von seinem Liebeserlebnis mit Terence und den Vorurteilen, denen sie danach begegnet sind. Terence hat das nicht gut verkraftet und fordert Bud zum Duell, um seinen Ruf wiederherzustellen. Aber ob Bud auf Terence tatsächlich schießen kann?

Die neueste Hommage auf den seit mittlerweile 75 Jahre existierenden Comichelden beschäftigt sich – für Ralf König typisch – mit der Homosexualität. Den Löwenanteil macht die männliche Homosexualität aus: Die Geschichte von Bud und Terence (die ein wenig an Bud Spencer und Terence Hill erinnern – zumindest was Statur und Größe angeht) nimmt den Großteil der Geschichte ein. Leider nur am Rande wird die weibliche Homosexualität dargestellt: Calamity Jane und Sitting Butch haben einen vergleichsweise winzigen Auftritt. Schön an dieser Darstellung ist allerdings, dass weder die homosexuellen Männer noch die lesbischen Frauen Schönheiten sind, sondern ganz normale Menschen mit ganz normalem Äußeren. Außerdem sprengen die Frauen, v.a. Calamity Jane, die Rollenklischees so richtig schön in die Luft. Am Ende des Comics wird als Extra noch angemerkt, dass der Wilde Westen um einiges diverser war, als man gemeinhin glaubt. So gab es durchaus schwule Cowboys, lesbische Revolverheldinnen und queere Native Americans.

Humorvoll und mit anzüglichen Anspielungen verbunden wird diese Thematik mit der der Schweizer Schokolade, sodass der Covertitel „Zarter Schmelz“ doppeldeutig zu verstehen ist. Allein die Idee, dass die (empfindlichen) Schweitzer Kühe vor lauter Zugfahrt lila vor Übelkeit geworden sind, lässt einen automatisch schmunzeln. Ralf König nimmt in diesem in sich abgeschlossenen Comic die Schokoladenindustrie der Schweitzer, aber auch die Homosexuellen liebevoll aufs Korn. Auch Autogrammkartenjäger bekommen ihr Fett weg, ebenso die Daltons. Und er baut die Lucky-Luke-Comics als solche in die Geschichte mit ein. Umrahmt wird das Ganze von den mittlerweile stark gealterten Cowboys Bud und Terence, die fiktiven Zuhörer*innen ihre (Liebes-)Geschichte in Zusammenhang mit Lucky Luke erzählen.

 

Fazit

Runde Sache. Der Comic verbindet unter dem Dach der Homosexualität und der Hommage an Lucky Luke humorvoll verschiedene Themenbereiche. Leider kommt die weibliche Homosexualität nur am Rande vor.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Erwachen – eine Reise in Corona-Zeiten

„Kann man tot sein und trotzdem leben?“

Heidi ist tot. Aber eigentlich ist sie das auch wieder nicht. Denn ihre Seele lebt weiter und sie lebt gar nicht mal so schlecht in ihrem selbsterschaffenen Strand-Paradies. Trotzdem heißt das für Heidis Seele nicht, dass sie die ganze Zeit selbige baumeln lässt. Ganz im Gegenteil: Sie führt erhellende Gespräche mit ihrem Geist, dem sie den Namen „Verstand“ gibt (und der aussieht wie Hercles Farnese), über die jenseitige Welt und wie sie funktioniert. Dabei erfährt sie auch, dass sie ihren hilfreichen Geist selbst erschaffen hat und dieser ihre sämtlichen Wiedergeburten mitplant und überwacht. Und sie erfährt, was passieren kann, wenn sich eine Seele von ihrem Geist trennt. Letzteres sieht sie an der Seele Olim. Olim hat sich von seinem Geist abgewendet und der ist dabei zu vergehen. Aber wenn der Geist vergangen ist, vergeht irgendwann auch die Seele. Das ist keine angenehme Sache, weshalb Heidi, deren Seelenname eigentlich Flör ist, Olim rät, sich wieder mit seinem Geist zu vertragen.

Mit ihrem eigenen Geist Heracles Farnese bespricht Flör ihre Reinkarnationen und ihre Geburt als Seele. All dies kommt ihr nach und nach in ihr seelisches Gedächtnis, als sie in ihrem Paradies „träumt“. Ihre Reinkarnationen – sowohl als Mann als auch als Frau, manchmal sogar als Doppelwiedergeburt – arbeitet sie nach und nach auf und erkennt, wo in ihren Leben etwas schief gelaufen ist, was gut war und wie diese Leben aufeinander eingewirkt haben. Als Flör schließlich alles mit ihrem Geist besprochen und aufgearbeitet hat, nimmt sie ihre zukünftige Reinkarnation in den Blick und schaut sich an, wie diese verlaufen könnte und ob Flör tatsächlich in dieses Leben inkarnieren möchte. Denn alles ist eine Sache des freien Willens.

 

Erkenntnisse der Reinkarnationstherapie und der Theorie „Leben zwischen den Leben“ in Romanform

Reinkarnationstherapeutin Kristine Weitzels hat die Erfahrungen, die sie mit ihren Klient*innen in den Hypnosesitzungen gemacht hat, in einen in sich abgeschlossenen humorvollen, spannenden Roman verpackt. Dieser dröselt sowohl die einzelnen abwechslungsreich geschriebenen Wiedergeburten als auch die jenseitige Welt (und wie sie funktioniert) nach und nach auf, sodass sich schließlich aus den einzelnen Puzzleteilen ein vollständiges Puzzle ergibt. Die Leser*innen entdecken also zusammen mit der Seele Flör die Gesetzmäßigkeiten der dies- und jenseitigen Welt und wie alles miteinander zusammenhängt.

Die Autorin hat gut recherchiert und in ihren Roman auch die aktuelle Corona-Krise eingebarbeitet. Außerdem verbindet sie verschiedene Themen wie Pandemien, Umweltverschmutzung und -schutz, selbstbestimmtes Sterben, soziales Miteinander, verschiedene Theorien zur jenseitigen Welt und Physik, Philosophie usw. zu einem stimmigen Ganzen.

Der einzige Wehrmutstropfen sind die Tippfehler, die häufiger vorkommen. Vor allem großzügig verteilte Kommatas erschweren hin und wieder den Lesefluss.

Davon abgesehen ist es aber erfrischend, einen etwas anderen Roman lesen zu können als die gängigen Romane, die der Mainstram sonst so zu bieten hat. Verlage, v.a. große Verlage, bieten kaum noch Abwechslung, höchstens Varianten der gleichen Themen. Ideen, die tatsächlich neu sind, sind mittlerweile eher selten. Hier hat man die Chance, eine neue Idee spannend serviert zu bekommen. Und natürlich ist dieser Roman auch lesenswert für diejenigen, die sich für die Themen Tod, Jenseits und Wiedergeburt interessieren.

Als Extra sind dem Buch noch der Seelenstammbaum Flörs angliedert, sowie historische Fakten zu den einzelnen Wiedergeburten. Die Buchkapitel werden von passenden Zitaten u.a. aus der Philosophie eingeleitet.

Mich persönlich hat das Buch beeindruckt und zum Nachdenken angeregt.

 

Fazit

Spannend in einen abwechslungsreichen Roman verpackte Erkenntnisse über Tod, Wiedergeburt und Leben im Jenseits.


Genre: Roman

Der spazierende Mann

Der Weg ist das Ziel

Ein Mann zieht mit seiner Frau in ein schönes, beschauliches Städtchen. Er beschließt spontan, ein paar Schritte vor die Tür zu gehen. Das ist der Auftakt nicht nur für einen, sondern für viele weitere ausgedehnte Spaziergänge. Sie entpuppen sich als willkommene Auszeiten vom Alltag, in denen der Mann immer wieder Wunder in den kleinen Dingen entdeckt, z.B. in der Begegnung mit einem Ornitologen, die kristalline Zartheit einer Schneeflocke, das spontane Spiel mit einem Papierluftballon und einem Spielzeugflieger, die Aussicht von einem Baum, das Erklimmen eines kleinen spirituellen Berges, das nächtliche Schwimmen, die Begegnung mit Hühnern und anderen Vögeln, das Gespräch mit einem Angler, der Wettspaziergang mit einem Unbekannten, nächtlicher Sternenhimmel und Kuchengenuss, enge Gassen, andere Sichtweisen durch eine zerbrochene Brille, das Gespräch mit einer Unbekannten, das Leben der Frauen, spontanes Auspowern am Morgen, ein Abstecher nach einem Regenguss ins Badehaus, ein Besuch am Strand.

„Die Zeit floss dahin… So langsam wie der Fluss. Ein kurzes Zwischenspiel im Alltag. Es stimmt… Wozu sich immer hetzen müssen…?“

Damit trifft der spazierende Mann eine zentrale Aussage nicht nur der vorliegenden Graphic Novel, sondern des momentanen Zeitgeistes, der durch Wettbewerb, Konkurrenzdruck und Schnelllebigkeit mit all seinen (negativen) Konsequenzen geprägt ist. Japan ist noch mehr als der Westen für seine hart arbeitende Bevölkerung bekannt, die sich wenig Auszeiten und Ferien gönnt und in der die Gruppe wichtiger ist als das Individuum.

Der Kontrast zwischen der völlig unscheinbaren Hauptfigur, die nicht erahnen lässt, dass im Inneren ein Freigeist steckt, und dem Verhalten, das so gar nicht gesellschaftskonform ist, wird in den schönen, sehr detaillierten Zeichnungen deutlich. Der Ausstieg aus dem Alltag erfolgt aber nicht mit großem Tamtam, sondern still und unspektakulär. Stille Wasser sind tief, so auch im Fall des spazierenden Mannes. Er sagt nicht viel, dementsprechend wenig Text gibt es. Die Panels sprechen für sich und zeigen in der Stille die tiefgreifenden kleinen Veränderungen, die der spazierende Mann innerlich erlebt. Der Weg ist dabei das Ziel, denn er bereichert den Mann mit vielfältigen Erkenntnissen, die nur eine genaue Beobachtungsgabe und das Einlassen auf die Welt, wie sie sich ihm bietet, ermöglichen kann. Das stille Verweilen in der Gegenwart und die langsame Gangart erden den Mann und bringen ihn immer wieder in seine Mitte zurück. Er folgt seinem Gefühl – für einen Mann eher ungewöhnlich – und seinen spontanen Eingebungen.

Seine Spaziergänge sind spirituell, was auch im Erklimmen eines kleinen Berges, der mit religiösen Figuren bestückt ist, deutlich wird. Wettkampf hat keine Bedeutung auf dem Weg. Das erkennt der spazierende Mann, als er spontan mit einem anderen Mann ein Wettspazieren veranstaltet, das schließlich in ein einträchtiges und schweigsames Nebeneinandergehen mündet. Dem Mühlrad der Arbeit entflieht er an einem Tag durch einen spontanen Abstecher in eine ruhige Gegend, die ihm bewusst macht, wie sehr er sich täglich hetzt. Vielleicht hat Corona mit den erzwungenen Auszeiten und den vermehrten Spaziergängen mangels Alternativen den Menschen den Wert einer solchen Auszeit draußen in der Natur oder in städtischen Gässchen bewusst gemacht, damit sie sich Alternativen zu überlegen, dem krank machenden ewigen Hamsterrad zu entkommen.

Die Neuauflage enthält neben einen neuen Cover zusätzliche Geschichten, die in der Ausgabe von 2009 nicht enthalten sind, und ordnet die in sich abgeschlossenen Episoden etwas anders an. Dafür enthält die ältere Ausgabe andere Bilder und ein Nachwort von Andreas Platthaus, Redakteur der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit Themenschwerpunkt Comics. Beide Auflagen enthalten eine Biografie Taniguchis. In der Neuauflage bestreitet der japanische Filmregisseur Hirokazu Koreeda das Nachwort, in dem er nachdrücklich auf die Wunder, die im Alltäglichen liegen, hinweist und sich ebenfalls als temporärer Aussteiger outet, weil seine Arbeit ihn eine zeitlang sehr frustriert hat. Außerdem bietet die Neuauflage zusätzliche Geschichten an: ein Ehebrecher, der traurig über das Beziehungsaus mit seiner Affäre ist; ein Mann, der eine Begegnung mit dem Göttlichen hat; ein junger Mann, der aus Versehen in eine andere Zeit reist.

Die zufällige Begegnung des älteren Mannes mit einer älteren Frau und deren plötzliches Verschwinden hallt in dem Mann nach. Er sieht einen weißen Kranich im Sonnenuntergang und denkt an diese Begegnung zurück. Der Kranich steht in Japan für Langlebigkeit, Ewigkeit und Glück. Der Kranich im Sonnenuntergang könnte eine symbolische Bedeutung in Richtung spirituellem Wandel haben. Die Bachstelze als weiterer bedeutender Vogel in der Geschichte war in Japan früher ein Herbstvogel. Außerdem hat er einem japanischen Götterpaar das Tanzen beigebracht und gilt als „Lehrer-Vogel“. Die Bedeutung des Herbstes trifft auf die beiden älteren Menschen zu, der des Tanzes auf die Leichtigkeit, auf die die Frau anspielt: Sie sehnt sich nach Freiheit und der Leichtigkeit des Lebens. Und die Bachstelze spielt auf die des Lehrers an, da der Mann aus dieser Situation etwas lernt.

Ein junger Mann durchquert mithilfe einer schwarzen Katze in einer Vollmondnacht Raum und Zeit. Die schwarze Katze ist in Japan im Gegensatz zum Westen ein Glücksbringer. Die Katze wird seit Jahrtausenden verehrt. Es gibt auch japanische Katzencafés, eine eigene Katzeninsel und die Glückskatze Maneki Neko. Im Westen war die Katze allerdings in vorpatriachaler Zeit ein göttliches Tier und wurde verehrt, da sie mit Aspekten der Großen Göttin in Zusammenhang gebracht wurde und die Göttin begleitete. Der Vollmond gilt als das weibliche Yin-Prinzip, da er u.a. an den weiblichen Zyklus erinnert. Außerdem werden in Japan am Herbstvollmond Feste gefeiert. Im esoterischen Buddhismus steht der Vollmond für die Buddha-Natur des Menschen. Kein Wunder also, dass der Vollmond und die schwarze Katze den jungen Mann in eine andere Zeit entführen, in der er trotz unscheinbarer Kulisse tiefgreifende Erfahrungen macht. Die engen Gassen, durch die ihn die Katze führt, muten dabei wie ein Geburtskanal an – nichts ist nach diesem Erlebnis mehr so wie vorher.

Fazit

Jiro Taniguchi versteht es immer wieder Tiefsinniges in seine Geschichten zu verpacken, die zunächst  in stiller Demut und Unscheinbarkeit daherkommen. Sie lehren, dass wahre Schönheit in den alltäglichen und unscheinbaren Dingen liegt. Wer genau beobachtet, spontan reagiert und sich auf das Hier und Jetzt einlässt, kann wahre Schätze heben.

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Genre: Graphic Novel
Illustrated by Carlsen graphic novel

Einfach geniale Nudelsalate – Die besten Rezepte

Nudelsalat ist nicht gleich Nudelsalat

… denn den beliebten Salat kann man in zahlreichen Varianten mit ebenso zahlreichen Zutaten anrichten. Eine kleine, aber feine Auswahl bietet das vorliegende günstige Kochbüchlein, das seine Rezepte grob in die Kategorien „Fleisch und Wurst“, „Fisch und Meeresfrüchte“ und „Lecker vegetarisch“ unterteilt. Damit ist für so gut wie jeden Geschmack etwas dabei. Was einem das Büchlein auch bewusst macht: An Nudeln gibt es nicht nur als die klassischen Nudeln, sondern eben auch Soba- oder Glasnudeln, Tortellini, Orzo-Nudeln, Ravioli oder Maultaschen. Ebenso vielfältig sind die Länder, auf die die Rezepte anspielen: asiatisch angehauchte Nudelsalate gibt es genauso wie mexikanische, amerikanische und italienische. Und nicht nur Gemüse wird gern als Zutat verwendet, sondern auch Obst: Hawai-Nudelsalat mit Ananas, Mango-Nudelsalat mit Huhn, Nudelsalat mit Erdbeeren, Raukensalat mit Ravioli und frischen Feigen, Nudelsalat mit Schinken und Melone.

Die meisten der vorgestellten Nudelsalate sind schnell fertiggestellt, kommen mit recht wenigen Zutaten aus, sind somit günstig und haben durch frisches Gemüse und Obst auch gesunde Anteile. Die Dressings sind ebenfalls einfach und schmackhaft. Die vorgestellten weißen Dressings werden meist aus einer Kombination aus Mayonnaise und Joghurt hergestellt. Man kann Mayonnaise auch durch leichte Salatcreme oder komplett durch Joghurt ersetzen. Die Nudelsalate werden zwar meist mit diversen Arten von Weizennudeln angemacht, sind aber auch z.B. mit glutenfreien Maisnudeln schmackhaft. Wer will, kann auch mal Vollkornnudeln ausprobieren. Das Vorwort ermuntert sowieso zur Experimentierfreude in Bezug auf Nudelsalate. Da sie schnell fertiggestellt sind und sich im Kühlschrank halten, könnte man sie auch am Vortag anmachen und als Mittagessen ins Büro mitnehmen.

Insgesamt gesehen ein schönes, übersichtliches Büchlein mit vielen Nudelsalat-Varianten, die ebenso einfach und schnell zubereitet wie schmackhaft sind. Auch für Vegetarier sind Rezepte dabei, aber auch die meisten anderen Rezepte enthalten vergleichsweise viel Gemüse und Obst.


Genre: Kochbuch
Illustrated by Weltbild

Zitrus-Düfte: Die Heilkraft der ätherischen Öle von Orange, Zitrone, Limette & Co.

Zitrusdüfte als Buch (kartoniert)Zitrusfrüchte: Stimmungsaufhellende Farben und Düfte und vieles mehr

Die beiden Aromaexpertinnen Anusati Thumm und Maria Kettenring geben in diesem Buch Einblicke in die Welt der Zitrusfrüchte und ihrer Öle. Übersichtlich gegliedert und in verständlicher Sprache stellen sie die verschiedenen Zitrusfrüchte vor.

Zunächst gehen sie auf die diversen Arten der Zitrusfrüchte ein, denn von ihnen gibt es mehr als die bekannte Orange, Zitrone und Madarine. Als Vorfahre der Zitrusfrüchte gilt die chinesische Buchsorange. Dieser 1,5 m große Strauch hat immergrüne buchsartige Blättchen, kleine duftende Blüten und fast schwarze Beerenfrüchte. Die wämeliebenden Zitrusfrüchte-Pflanzen gehören der Familie der Rautengewächse an.  Es gibt über 1600 Arten, die v.a. in Südafrika und Australien beheimatet sind. Zitrusbäume sind immergrün und besitzen sehr hartes, dauerhaftes Holz. Ätherische Öle werden aus den Blättern, Büten und Früchten gewonnen.

Die Autorinnen gehen sehr detailiert auf die verschiedenen Zitrusfrüchte ein, auch auf deren Aufbau. Und sie geben den Leser*innen einen kurzen Überblick über die Geschichte dieser Früchte, ihren Einfluss auf die Kultur (z.B. der „medische Apfel“ oder die goldenen Äpfel der Hesoeriden) und deren Verbreitung und Kultivierung. Dabei gehen sie auf das Problem der Pestizide ein und erklären, was bio für die Früchte, deren Öle und die Qualität derselben bedeutet. Unterlegt werden ihre Ausführungen mit Tipps und einer Reihe von appetitlichen Bildern. Auch der Texthintergrund lässt Zitrusfrüchte erkennen. Allein die sonnigen und warmen Farben der Bilder machen gute Laune beim Lesen.

Aber auch die Wirkung der Zitrusöle selbst lässt erkennen, dass die Früchte dieser Gattung stimmunsaufhellend sind und deshalb gern z.B. gegen Schlaflosigkeit, Nervenschwäche, Konzentrationsprobleme, seelischem Ungleichgewicht, depressiven Verstimmungen, Ängsten, Anspannung, Unruhe, Panik, Verlusten, Traumabewältigung, Schock, Lampenfieber, Stimmungsschwankungen, Burn Out usw. eingesetzt werden. Sie sollen aber auch u.a. gegen Übelkeit, Erkältungen und Falten wirken. Überhaupt sind die diversen Öle antiviral, antibakteriell, entzündungshemmend, herzkräftigend, wundheilend, entkrampfend und durchlutungsfördernd.

Die Autorinnen gehen auch auf die verschiedenen Anbaugebiete ein und wie die Bestandteile der Pflanzen geerntet, verarbeitet und geprüft werden. Sie geben einen Überblick über die verschiedenen Inhaltsstoffe und beleuchten diverse Früchte und deren Wirkung (wie die süße Orange, Blutorange, Bitterorange, Begamotte, Zitrone, Zitronat-Zitrone und Grapefruit) näher. Dabei werden diese Kapitel wieder unterteilt in Geschichtliches, Botanik und Anbau, Ätherisches Öl, Kurzinfo Ätherisches Öl, Inhaltsstoffe, Wirkungen der Düfte, sowie Teil- und Ganzkörperanwendungen.

Den letzten Teil des Buches widmen sie 150 DIY-Rezepten, die u.a. die Immunabwehr, Entgiftung, Konzentration, Hauptpflege und die Stimmungsaufhellung zum Thema haben. Außerdem gehen sie auf Rezepte zur Gewürzherstellung mit Duftölen ein und auf Rezepte zur Unterstützung von Kindern. Auch zur Unterstützung des Haushaltes in Form von Reinigern geben sie Rezepttipps. Mit Blick auf Corona-Symptome sind auch Rezepte gegen Geruchslosigkeit dabei, zudem wirken die verarbeiteten Pflanzen antiviral.

Abergrundet wird das Buch mit einem Stichwort- und Literaturverzeichnis.

Insgesamt ein optisch und inhaltlich sehr ansprechendes Buch über Zitrufrüchte und deren Geschichte, Anwendung und Wirkung, das einen detaillierten Überblick über diese Pflanzengattung gibt.


Genre: Sachbuch Gesundheit
Illustrated by Joy Verlag

LTB Nr. 6 Extra: Tooor!

LTB Extra 6 - Tooor - Ehapa Media , Z: 0-1 (ungelesen)

Immer wieder Fußball!

„Onkel Dagobert und seine Epische Elf + 1“: Um wieder einmal einen finanziellen Cup zu landen, hat sich Onkel Dagobert etwas Besonderes überlegt. Er will die berühmte Epische Elf wiederauferstehen und sie gegen die aktuelle Elf der Entenhausener Fußballmannschaft antreten lassen. Daniel Düsentriebs Erfindung einer Verjüngungsmaschine soll es möglich machen, die mittlerweile stark gealterte Mannschaft wieder in jugendlichem Glanz erstrahlen zu lassen. Aber dann verletzt sich einer der Stammspieler und der einzige Ersatzmann der damaligen Epischen Elf ist unauffindbar.

„Der verwandelte Elfmeter“ ist ein Gedankenspiel Donalds, als er sich in einer Schlüsselsituation wiederfindet: Von ihm als Stürmer hängt der Sieg seiner Mannschaft ab. Was passiert, wenn er den Ball verschießt? Was, wenn er trifft? Und was wäre, wenn er einfach nur Spaß am Fußballspielen hat?

„Immer dem Ball nach“ rennen Dussel und Donald, als sie Onkel Dagoberts heiligen Fußball verschießen und deshalb eine Katastrophe nach der anderen passiert.

„Das Nachwuchstalent“ Trick ist als einziger der Drillinge auserwählt worden, für die Nachwuchsspieler des Vereins „Real Duck“ zu spielen. Zunächst läuft alles gut, aber dann beginnt Trick unter Größenwahn zu leiden.

„Tor im Tangotakt“: Micky Maus fährt als künftiger Angestellter einer Eisenbahnlinie im Jahr 1872 nach Argentininien. Als Ehrengast des englischen Clubs in Bueno Aires stößt Micky auf Karlo, der mit ihm eine Fußballwette abschließt. Einziger Haken: Karlo ist Kapitän der hauseigenen englischen Fußballmannschaft, während in Argentinien selbst dieser Sport noch völlig unbekannt ist. Und Micky muss innerhalb eines Tages eine komplette Fußballmanschaft vor Ort zusammenstellen, um zum Spiel antreten zu können.

Eine „Lektion für einen Helden“ muss Phantomias einstecken, als er für ein berühmtes Fußballspiel eine Freikarte ergattern will. Nur der echte Phantomias bekommt eine der begehrten Karten – aber jeder will der echte sein!

„1:0 für Onkel Dagobert“: Onkel Dagobert soll die Fußballjugend von Entenhausen sponsoren. Zum Erstaunen aller willigt er ein. Aber Onkel Dagobert wäre nicht Onkel Dagobert, wenn er nicht Hintergedanken hätte.

„Fußballprofis unter sich“: Donald will mit Gustav und Dussel einen anregenden Fußballabend vor dem Fernseher verbringen. Aber während Gustav tatsächlich am Spiel interessiert ist, liegen sich Dussel und Donald schon nach kurzer Zeit wegen ihrer Lieblingsvereine in den Haaren.

„Das Freundschaftsspiel“ zwischen Klaas Klevers Mädchen-Mannschaft und der von Onkel Dagobert droht alles andere als freundschaftlich zu enden.

Zur EM viel Entenhausener Fußball

Mal mehr und mal weniger dreht sich alles um das runde Leder, dessen viele verschiedene Facetten diese Geschichten kurzweilig und amüsant zeigen. Insgesamt 11 Geschichten bietet der Comic, genauso viele, wie Stammspieler auf dem Platz spielen. Davon sind ganze 8 deutsche Erstveröffentlichungen, davon auch die erste „Onkel Dagobert und seine Epische Elf + 1“, die in 5 Kapiteln daherkommt. Ein wenig Pädagogik wird auch geboten: Talent sollte niemandem zu Kopf steigen, v.a. nicht in einem Mannschaftsspiel. Fußball ist ein Spiel, und deshalb steht der Spaß im Vordergrund, kein Dissen der Spieler oder anderer. Außerdem ist Fußball ein faires Spiel, das nicht durch unsaubere Tricks pervertiert werden sollte. Fußball kann Menschen und Kulturen vereinen – besonders, wenn Musik ebenfalls eine Rolle spielt. Und: Fußball ist ein (aktiver) Sport für Alt und Jung, solange man sozial spielt. Auch Ideenreichtum kommt gut an.

Insgesamt also wieder kuzweiliger Lesespaß, diesmal rund um das Thema Fußball.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Yokohama Station Fable 1

Außer Kontrolle geratene Technik

Weil der Umbau der Yokohama Eisenbahn-Station nie endete, begann die mit mittlerweile künstlicher Intelligenz versehene Station vor 200 Jahren sich selbstständig immer weiter um- und auszubauen. Das führte dazu, dass 99% der Präfektur Honshu von der Yokohama Station übernommen wurde. Die Menschen erinnern sich nicht mehr an den ursprünglichen Zweck der Station als Fortbewegungsmittel. Sie wurden eingeteilt in diejenigen, die priviligiert in der Station leben dürfen und diejenigen, die die Station ausgesondert hat und nun am Rande der Station mithilfe von Abfällen ihr Leben fristen müssen. Natur gibt es so gut wie keine mehr. Eines Tages gelangt ein sterbender Rebell auf eine der Randbereiche und gibt dem Jugendlichen Hiroto eine Bahnstationskarte, die in 5 Tagen auslaufen wird. Er soll den Anführer der Rebellen suchen. Hiroto nimmt die Chance wahr, in die Bahnstation zu gelangen. Aber statt des gelobten Landes erwartet ihn eine willkürliche Herrschaft einer Maschine mit ihren menschlichen Dienern.

Dystopie

Das Thema Mensch und (intelligente) Maschine ist eines der Hauptthemen japanischer Science Fiction, auch im Manga- und Animebereich. Meist wird es in Form einer Dystopie beleuchtet, so auch hier. Der Manga beruht auf der erfolgreichen Romanvorlage von Yuba Isukari. Der Manga ähnelt in seiner Grundanlage ein wenig dem Film „Elysium“ von 2013, in dem es ebenfalls zwei Bereiche – priviligiert und nicht priviligiert –  gibt, in denen die Menschen leben und ein Mensch aus der nicht-priviligierten Zone als Retter avanciert. So auch hier. Im ersten Band ahnt man schon, dass Hiroto eine Art Retter sein wird. Er dringt mit dem Ticket in die Bahnststion ein und stellt fest, dass auch dort nicht alles zum Besten steht. Hilfe erhält er von einer KI, die als Spion einer anderen Bahnstation eingeschleust wurde.

Die Dystopie baut auf einen ruhigen, aber sehr genau beobachtenden Helden, der kritisch das ihm Gebotene unter die Lupe nimmt und seine eigenen Schlüsse zieht. Sie zeigt auch die Kritik an einem zu optimistischen Technikglauben, der sich schnell in sein Gegenteil verkehren kann. Die außer Kontrolle geratene Maschine unterwirft die Menschen ihrem Willen und diese lassen das mit sich geschehen. Nicht nur das: Um sich selbst Vorteile zu schaffen, erschaffen sie eine Hierarchie unter der Diktatur der Maschine. Nur die Menschen, die außerhalb der Station leben, bewahren sich eigenständiges Denken. Außerdem sind sie gegen Krankheiten und andere Widrigkeiten abgehärteter als die verweichlichten Menschen innerhalb der Station. Der Manga baut also kein Schwarz-Weiß-Schema aus, sondern blickt differenziert auf die verschiedenen Lebensbereiche der Menschen. Beide haben Vor- aber auch Nachteile für ihre Bewohner*innen, und das Paradies entpuppt sich nicht als solches. Kritisiert wird der Zug der Menscheit, sich diktatorischen Regimes zu unterwerfen. Dabei wird aber auch deutlich, dass es in solchen Regimen immer Widerstandsgruppen gibt und geben wird.

Auf dem Cover gut zu sehen ist die Anspielung auf das Genre „Science Fiction“: „Station Fable“ hat wie „Science Fiction“ die Initialien SF.

Die Zeichnungen unterstützen die Situationen und die Stimmungen gekonnt. Insgesamt ein rundes Paket.


Genre: Manga, Science-fiction
Illustrated by Carlsen Manga!

Yakuza goes Hausmann 5

Wenn Hausmann, dann richtig!

Der ehemalige Yakuza Tatsu geht in seinem Hausmanndasein voll auf. Trotzdem verordnet ihm seine Frau zwei Tage Entspannung, als sie auf Geschäftsreise geht. Dieses ihm völlig unbekannte Wort entpuppt sich als echte Herausforderung für den rührigen Ehemann. Während eines ganz normalen Wocheneinkaufs trifft Tatsu auf einen anderen Ex-Yakuza, dessen Clan Tatsu ausgerottet hat. Aber anstatt das Messer zu schwingen, zückt Goda ein Mikrophon und fordert Tatsu zu einem Rap-Battle heraus. Als Tatsu und seine Frau an einem Halloween-Kostümwettbewerb teilnehmen wollen, um einen der ausgeschriebenen Preise zu gewinnen, artet dieser in ein Gangstertreffen aus. Auch ein harmloser Restaurantbesuch hat es in sich, wenn die Schlacht ums All-You-Can-Eat-Buffet beginnt. Da hat sogar ein Ex-Yakuza gegen hungrige Senior-Frauen keine Chance. Eine echte Herausforderung sind auch Tatsus Schwiegereltern. Vor allem, wenn sich Schwiegervater und Göttergattin, die beide null Ahnung vom Kochen haben, in seiner Küche breit machen. Da merkt Tatsu, dass er von seiner Schwiegermutter noch viel lernen kann. Und den Kampf gegen eine waschechte Grippe gewinnt nicht einmal ein gestählter Yakuza-Körper. Dafür macht ihm beim Backkurs keiner etwas vor.

Geschlechterklischees gegen den Strich gebürstet

… und das im wahrsten Sinne des Wortes! Denn mit Putz- und Haushaltsgeräten kann die Hauptfigur Tatsu umgehen wie kein zweiter. Ein solches Engagement ihres Mannes im Haushalt würde sich so manche Frau sehnlichst wünschen. Klar triften die alltäglichen Begebenheiten dieses speziellen Hausmanns gerne ins Absurde ab, aber das ist dem Humor geschuldet, der hier für die Leser*innen nicht zu kurz kommen soll. Trotzdem ist die Botschaft klar, erst recht, wenn Tatsu sie seinem Gangsterkollegen ins Gesicht rappt:

„Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein, sagt ein Mann! Doch du Weichei gehst daran ein, zerbrichst selbst im Schongang!!“

Ein wahres Wort, denn so sprechen nur Männer, die nie einen Finger für den Haushalt krumm machen mussten. Männer, die es tun, wissen, dass das kein Pappenstil ist, v.a. weil man nie Feierabend, Wochenende oder Ferien hat. So nimmt der Humor eine hintersinnige Gestalt an, die aus Tatsu ein Vorbild für alle Männer macht, die unbedingt ihr Macho-Gehabe ausleben müssen, aber diejenigen mutigen männlichen Perlen bestärkt, die sich entgegen des Spotts ihrer Freunde und Kollegen ganz bewusst für den Haushalt entscheiden.

Fazit

Derartige Mangas und Comics, die zum Nachdenken über Geschlechterrollen anregen, dürfen ruhig mehr vermarktet werden! Die heutige Welt braucht sie dringend.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Schwindel: Ursachen und Beschwerden verstehen. Wieder Sicherheit und Gleichgewicht erlangen.

SchwindelSchwindel: Ursachen und Möglichkeiten zur Besserung der Beschwerden

Schwindel kann viele Urachen haben. Die Autorin nennt Schwankschwindel, Drehschwindel, Liftschwindel und Benommenheitsschwindel als häufigste Schwindelarten. Sie beschreibt diese Schwindelarten, deren Urachen, deren Begeiterscheinungen und den Umgang mit ihnen verständlich und übersichtlich. Schwindelursachen finden sich v.a. im Innenohr, den Augen, dem Gehirn, der Halswirbelsäule, in anderen Organen und in der Psyche. Hier unterteilt Lenz in funktionellen Schwindel, gutartigen Lagerungsschwindel, Vestibuläre Migräne, Morbus Menière und Entzündung des Gleichgewichtsnervs. Schwindel tritt aber auch in besonderen Lebenssituationen auf: im Alter, in der Kindheit, den Wechseljahren. All diese Situationen beschreibt Lenz prägnant, aber sorgfältig.

Für den akuten Schwindelanfall gibt sie folgende Tipps: hinsetzen oder hinlegen, ruhig bleiben (Schwindel geht oft mit akuter Angst einher), bewusst ruhig atmen, prüfen, ob man zu lange nichts gegessen oder getrunken hat oder ob man z.B. Karussell gefahren ist, kühles Wasser trinken, Schokolade oder Traubenzucker essen bzw. ein zuckerhaltiges Getränk trinken, hinlegen und dabei Beine hochlegen. Der Notarzt sollte verständigt werden, wenn der Schwindel nicht nach wenigen Minuten verschwindet, als drehend empfunden wird und/oder mit Taubheitsgefühlen, Sprechstörungen oder Bewegungsproblemem einher geht. Bei wiederholtem Schwindel, Schwindel ohne ersichtlichem Anlass, Schwindel durch bestimmte Kopfbewegungen, Schwindel mit Beschwerden, länger anhaltendem Schwindel oder regelmäßigem Schwindel in bestimmten Situationen sollte man den Arzt aufsuchen. Dabei gibt Lenz einen Überblick über diverse Untersuchungsmethoden.

Des Weiteren empfielt Lenz, ein Schwindeltagebuch zu führen, damit Patient und Arzt es auswerten können. Ansonsten sind Gleichgewichts-, Kräftigungs- und Konfrontationsübungen ein gutes Mittel gegen Schwindel. Patient*innen mit psychogenem Schwindel sollten sich den schwindelauslösenden Situationen maßvoll, aber regelmäßig stellen. Entspannungsübungen können Schwindel ebenfalls entgegenwirken. Die Autorin bietet in dem Buch mehrere Übungen für die entsprechenden Schwindelarten. Hilfreich wären hier aber Fotos oder Bilder gewesen, die den Text unterstützen. So ist es schwieriger, sich die Übungen vorzustellen.

Der Anhang bietet Links, Literatur und Adressen zum Thema Schwindel, sowie ein Lexikon der Fachbegriffe.

Insgesamt ist das Büchlein kompakt, aber verständlich geschrieben. Viele Fotos, Bilder, relativ wenig Text pro Seite und eine relativ große Schrift tragen zur guten Übersicht und Lesbarkeit bei. Nach der Lektüre fühlt man sich überblicksartig gut informiert und kann sich durch die weiterführende Literatur und die Adressen vertiefend über die eigene Schwindelart kundig machen.


Genre: Sachbuch Gesundheit
Illustrated by Weltbild