My Genderless Boyfriend 2

My Genderless Boyfriend 2Vermarktung des gar nicht mehr so individuellen Genders

Meguru soll bei einer bekannten Reality-Show mitmachen. Er bittet seine Freundin Wako um Rat. Diese ist begeistert, aber Meguru lehnt letztlich das Angebot ab. Dafür erinnert sich Wako an die Zeit, als Meguru immer mehr Fans im Internet gewonnen hat. Als aber Fans sehen, wie gut eine süße Influencerin und Meguru zusammenpassen würden, ist Wako gegen ihren Willen verletzt.  Der sympathische Genderless Boy bemerkt ihre Traurigkeit und nutzt die Gelegenheit, um Wako endlich zu fragen, ob sie seine Freundin sein will. Zurück in der Gegenwart: Megurus Manager plant ein neues Projekt. Er hat einen weiteren Genderless Boy, Sasame, ausfindig gemacht. Mit Sasame soll Meguru eine Duo bilden, das den Namen „Unicorn Boys“ trägt. Da Sasame aber nur äußerlich niedlich aussieht, in Wahrheit aber auf ausgeprägt Maskulines steht, muss sich der Manager Tricks einfallen lassen, um Sasame zu diesem Projekt zu überreden.

Oberlächlichkeit versus das, was wirklich im Leben zählt

Da ich diesen Band erst jetzt erhalten habe – die Post hatte mein Päckchen verloren – ist die Reihenfolge etwas durcheinandergeraten. Band 3 habe ich also schon rezensiert.

Neben der Karriere Megurus stehen auch diesmal wieder andere Themen im Mittelpunkt, u.a. ein Mangaka, der seine Leidenschaft für seinen Beruf im Dschungel der Erwartungen von Redaktion und Fans verloren hat. Sensibel wird er auch durch die Wahl der Perspektive in den Panels durch seine Sinnkrise begleitet, bis er wieder für ein neues Thema Feuer gefangen hat. Dieses Kapitel zeigt, wie auslaugend und entfremdend es sein kann, wenn der Beruf nur noch zum Broterwerb verkommt und man sich an die Erwartungen der Gesellschaft anpassen zu müssen glaubt. Depressionen und Sinnkrisen sind die Folge – die aber eben auch die Leistungsfähigkeit ausbremsen. Intrinsische Motivation erhalten und ggf. wecken heißt also das Zauberwort für die Wirtschaft, ebenso wie eine gute Work-Live-Balance.

Die hat Meguru anscheinend für sich gefunden, denn seine Urlaubs- und Alltagserlebnisse mit Wako geben ihm immer wieder neuen Schwung. Aber auch er fragt sich, ob all das, was er gerade beruflich macht, ihn mit genügend Sinn erfüllt: Oberflächlichkeiten sind eben nicht alles im Leben. Er selbst beweist in seiner Beziehung mit Wako, dass er sehr einfühlsam ist und ernsthaft an seiner Beziehung zu ihr arbeitet. Auch Freundschaften pflegen ist ihm wichtig. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind also immateriell und innerlich, nicht äußerlich. Außerdem wird in diesem Band angedeutet, was sich im dritten Band weiter herauskristallisiert: Der Äußerlichkeit wird im Showbiz alles untergeordnet. Es kommt nicht auf Individualität an, sondern auf das, was sich gerade gut vermarktet. Dafür wird Individulität und das, was einem wirklich wichtig ist, rücksichtslos dem Image geopfert. Die Reihe zeigt, wenn auch zum Thema passend auf eher leichtfüßige Art, dass die Welt der social media extrem oberflächlich ist und man zu dieser Oberflächlichkeit und dem schönen Schein einen bodenständigen Gegenpart im Alltag braucht. Meguru selbst sind, wie gesagt, die nicht-materiellen Dinge wie Liebe und Freundschaft besonders wichtig und er legt auch Wert auf Praktisches, Bodenständiges.

Fazit

Die Reihe kommt zwar vordergründig leichtfüßig daher, aber wenn man zwischen den Zeilen lesen kann, sieht man auch die versteckte Kritik an der Oberflächlichkeit von social media und dem engen Korsett des Showbiz, das nur auf Vermarktung aus ist und individuelles Verhalten und Äußeres in gerade angesagte Schemata presst. Meguru stellt durch die Art und Weise, wie er lebt, einen Gegenpol zum schönen (konstruierten) Schein dar: Er setzt auf Werte wie echte Liebe und Freundschaft.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

The Gender of Mona Lisa 1

Genderless und Rollenklischees

Hinase lebt in einer Welt, in der die Kinder bis zum 12 Lebensjahr ohne Geschlecht aufwachsen. Erst dann entscheiden sie sich, ob sie Frau oder Mann werden möchten. Hinase ist mittlerweile 17 Jahre alt und hat sich immer noch nicht entschieden. Eigentlich ist sier mit der Geschlechtslosigkeit zufrieden und möchte nichts ändern. Aber dann gestehen Hinase sowohl Shiori als auch Ritsu ihre Liebe und die Karten werden neu gemischt.

Der erste Band spricht ein aktuelles Thema an: Braucht es eigentlich ein Geschlecht, um in einer Gesellschaft zufrieden zu sein? Aufgrund der extrem einengenden und strikten Rollenklischees auf der einen Seite und Geschlechtsidentitäten, die über Transgender, Transfluid, Hermaphrodit usw. reichen, auf der anderen Seite ist der Manga spannend zu lesen, zumal sowohl Ritsu als auch Shiori wollen, dass Hinase für sie entweder zum Mann oder zur Frau wird. Sobald sich die Kinder entschieden haben, stecken sie also in den Rollenklischees fest und leben diese ganz traditionell fort. Hinase dagegen will sich nicht in etwas reinzwängen lassen und ist mit den Freiheiten als geschlechtslose Person zufrieden. Angelehnt wird das Ganze an die berühmte Mona Lisa, der im Manga als Theorie Zweigeschlechtlichkeit zugesprochen wird. Die Geschlechtlichkeit und Geschlechtslosigkeit wird im Manga durch türkisfarbene Elemente indirekt betont. Hinases Augen z.B. sind türkis, während Shioris Krawatte und Ritsus Schleife ebenfalls türkis sind. Diese beiden Kleidungselemente weisen auf die Geschlechterrollen hin, während bei Hinase die Augen als Sitz der Seele auf das eigentlich Wichtige deuten: Wie jemand von seinem Innersten her ist und nicht, wie sie oder er aussieht. Um die Geschlechtsneutralität weiter hervorzuheben, werden eigene Pronomen wie „sier“ gebraucht, um Hinases Status zu beschreiben. Hinase benimmt sich in manchen Szenen nicht nur neutral, sondern auch je nach Situation männlich oder weiblich. Die Geschlechtsneutralität sieht man auch an den Zeichnungen der Kinder: Man kann sie weder von der Kleidung und von den Haaren noch vom Verhalten her als weiblich oder männlich zuordnen. Manche scheinen aber Präferenzen zu haben – die die Umwelt im Sinne der Rollenklischees promt fehlinterpretiert.

Die Manga-Reihe macht also deutlich, dass sowohl Geschlechtsneutralität oder beide Geschlechter in einem normal sein kann (und auch sollte) als auch die sofort greifenden Rollenlischees, wenn sich ein Kind für ein Geschlecht entschieden hat. In diesem Spannungsbogen bewegt sich die Geschichte. Sehr schön ist der Ansatz, dass man selbst entscheiden darf, welches Geschlecht man haben will – was aber wieder hinterfragt wird durch die strikte Vorgabe, dass man sich ein Geschlecht aussuchen muss, weil ansonsten diverse Konsequenzen drohen, wenn man es nicht tut.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

My genderless boyfriend 3

Spiel mit dem (sozialen usw.) GeschlechtMy Genderless Boyfriend 3 als Taschenbuch

Meguru und Sasame, die beiden genderless boys von „Unicorn Boys“ müssen sich einer neuen Herausforderung stellen: Sie sollen eine CD aufnehmen. Während ihr Mangager mithilfe von dessen Vorbild Bro Sasame von der Singerei überzeugen kann, muss sich Megurus Freundin Wako eingestehen, dass ihr geliebter Lebensgefährte alles kann – nur nicht singen. Allerdings scheint Meguru ein Händchen für japanische Schlager zu haben. Um die CD dennoch gut über die Bühne zu bringen, soll ein Vocal Coach die beiden unterstützen. Aber da braut sich schon das nächste Problem zusammen, denn der Coach ist eine Sie und eifersüchtig auf Sasame, weil ihre extrem männliche Kumpeline plötzlich so oft mit dem beliebten Influencer abhängt.

Als wäre das noch nicht genug, ist sowohl für Meguru als auch für Wako Homeoffice angesagt. Aber wie können sich beide auf die Arbeit konzentrieren, wenn sie wissen, dass der geliebte Mensch gleich nebenan ist? Auch ganz banale Alltagsprobleme können die Protagonist*innen in Atem halten, wenn nicht nur der Kühlschrank seinen Geist aufgibt, sondern auch die Wohnung aufgrund Wakos Sammelwut aus allen Nähten platzt.

Weiblich? Männlich? Oder etwas ganz anderes?

Der dritte Band der Serie spielt wieder auf amüsante Art und Weise mit Rollenklischees und regt dabei gleichzeitig zum Nachdenken an. Das fängt schon mit dem Mädelsabend der Männer an, wenn sich Meguru, Sasame und Kira treffen und sich wie Mädchen über Körperpflege und Gefühle austauschen, während Sasame lieber so sein würde wie männliches Vorbild Bro. Aber selbst Sasame muss sich eingestehen, dass so ein Abend einiges für sich hat. Damit wird indirekt deutlich, dass die verschmähte Gefühlsseite des Mannes zum Vorschein kommen darf und heilsam ist.

Es geht weiter mit einem Umstyling Wakos als Mann, in deren Arme schließlich ihr von diesem Erscheinungsbild völlig begeisterter Freund Meguru liegt – Geschlechtertausch. Ob Mann oder Frau wird bei Vocal Coach Misaki erst nicht deutlich, so androgyn ist deren Erscheinung. Ihre Freundin Sakurako hingegen ist trotz extemer Bemuskelung eindeutlig weiblich und wird von Kira schon als Freundin Sasames protegiert, weil der zartgliedrige Sasame auf Männlichkeit steht. Sasame aber darf diesen Traum aufgrund seines Images als genderless boy nicht leben. Er muss anstatt Poster vom Bro Einhörner und andere süße Dinge in seinem Zimmer deponieren, um seine Fans nicht zu enttäuschen. Da runzelt man als kritische*r Leser*in die Stirn: Ist das nicht die Peitsche in die andere Richtung? Warum muss sich Sasame verstellen – nur um einem in die andere Richtung verbohrtem Publikum zu gefallen? Eigentlich sollte er so leben und sein dürfen, wie er ist, ohne irgendeinem Klischee entsprechen zu müssen.

Die Oberflächlichkeit der Szene wird indirekt mehrfach angesprochen und dass sie auf eine andere Art Druck ausübt. Süß soll es sein, seicht und leicht. Das ist aber mit dem Alltag nicht immer zu vereinbaren. Dass das öffentliche Leben von Influencer*innen auch nach hinten losgehen kann, wird im Livestream der beiden genderless boy deutlich, als Sasame wegen Alkoholgenusses völlig aus dem Ruder läuft. Auch Wako unterliegt Klischees gegenüber ihrem Freund, wenn sie ihm unterstellt, beim Kauf eines neuen Kühlschranks nur auf dessen Äußeres zu achten. Auf der anderen Seite räumt sie ihrem Mangaka eine Geschichte über genderless boy ein, der keine Storyline haben muss, sondern einfach nur luftig sein darf. Die leichte Seite des Lebens hat eben auch ihre Berechtigung – solange das Ganze nicht ins andere Extrem abrutscht und man nur noch nach Äußerlichkeiten geht.

Fazit

Mangareihe über die Frage, was Geschlecht eigentlich ist und ob man das überhaupt definieren sollte. Rollenklischees werden amüsant ausgehebelt, aber andererseits wird indirekt deutlich gemacht, dass nur der äußere Schein eben auch nicht alles im Leben ist.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

Vorsicht, heimliche Entzündungen!

Entzündungen, deren Folgen und wie man ihnen entgegenwirkt

Entzündungen sind mindestens unangenehm und können sogar gefährlich werden – v.a. wenn sie als sogenannte heimliche Entzündungen nicht erkannt werden. Vom Sinn her sind Entzündungen aber ein Abwehrmechanismus des Körpers, wodurch der Körper heilen kann. Wenn Entzündungen aber chronisch und evtl. noch dazu heimlich sind, treten häufig langfristige Schäden auf.

Im Buch werden akute, chronische und heimliche Entzündungen unterschieden. Akute treten kurzfristig auf, wenn der Körper feststellt, dass er sich selbst heilen muss. Sie sind in der Regel spürbar und schmerzhaft und von kurzer Dauer. Chronische Entzündungen bezeichnen einen monate- oder sogar jahrelangen Zustand. Der Körper ist nicht mehr in der Lage, seine Entzündungsreaktionen zu regulieren. Sie sind gefährlich, weil sie gesunde Zellen, Gewebe und Organe schädigen, wodurch wiederum Krankheiten entstehen. Heimliche Entzündungen sind kaum spürbare Entzündungen, die oft lange verborgen bleiben. Es sind chronische Entzündungen im Hintergrund. Sie führen oft zu Antriebslosigkeit, Abgeschlagenheit, Verdauungsproblemen und erhöhen die Anfälligkeit für Infekte. Sie schwächen auf Dauer das Immunsystem und schädigen die Organe. Sie gelten als Mitverursacher von schweren Krankheiten. Die Ursachen sind vielfältig, z.B. gehören Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, Alkohol, Rauchen, Stress, zu wenig Schlaf, Gift- und Schadstoffe aus der Umwelt dazu. Weil heimliche Entzündungen v.a. durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt werden, kann man diese aber zugunsten eines gesunden Lebensstils günstig beeinflussen.

Das Buch gibt neben grundsätzlichen und gut verständlichen Informationen auch Tipps, wie man Entzündungen günstig beeeinflussen bzw. sogar heilen kann. Mit einer Ernährungsumstellung kann schon viel ereicht werden: keine verarbeiteten Lebensmittel und kein Fast Food, dagegen aber Vollwertnahrung und ein Verzicht auf entzündliche Nahrungsmittel. Entzündliche Nahrungsmittel sind z.B. Zucker, Koffein, raffinierte Kohlenhydrate, fette Milchprodukte, zu viele Eier, zu viel rotes Fleisch und verarbeitete Wurst- und Fleischprodukte, hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren und/oder Transfettsäuren, falsche Fette wie Palmfett, Omega-6-Fettsäuren. Dagegen sollen in den Speiseplan mehr Omega-3-Fettsäuren aufgenommen werden, vollwertige Kohlenhydrate, ausreichend Balaststoffe und Vitamine und Mineralstoffe, sowie eine ausreichende Trinkmenge (pro Kilogramm Körpergewicht 30-35 ml Wasser täglich). Außerdem sollte man sich ausreichend bewegen und Übergewicht reduzieren, Stress abbauen und geung schlafen.

Entzündungshemmende Lebensmittel sind z.B. grünes Blattgemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten, Kräuter und Gewürze, gesunde Fette, Fisch und Meeresfrüchte, in Maßen auch mageres Fleisch aus Biohaltung. An weiteren Gemüsesorten haben sich Paprika, rote Beete, Sauerkraut, Tomaten, essbare Pilze, Zwiebelgemüse und Avocados bewährt. An Früchten sind folgende Obstsorten entzündungshemmend: Ananas, Kirschen, Weintrauben, Zitronen und Beerenobst.

Das Buch bietet viele Informationen rund um die o.g. Lebensmittel und untergliedert sie weiter.

Rezepte

Dem sehr informativen und gut bebilderten Teil, der die Entzündungen und deren Behandlung durch Eigeninitiative behandelt, schließt sich ein ausführlicher Rezepteteil an. An diesem fällt auf, dass er recht kohlenhydratarm daherkommt: Viele Speisen kommen völlig ohne Kohlenhydrate aus und schmecken nach meiner Erfahrung mit diesen Rezepten trotzdem. Sie machen mich aber nicht so langfristig satt wie die mit Kohlenhydraten.

Die Rezepte unterteilen sich in Suppen, Salate und Dressings, Gemüsegerichte, Fisch & Meeresfrüchte, Brote, Snacks und Dips, Getränke und Desserts. In den Rezepten für Salate wird auch z.T. mageres, helles Fleisch verarbeitet und in den Gemüserezepten z.B. Hackfleisch. Fleisch steht aber aufgrund seiner schlechten Beeinflussung von Entzündungen im Hintergrund. Eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei, wobei aber natürlich Wert auf Gemüse und andere gesunde Lebensmittel gelegt wird. Die schön bebilderten Rezepte sind meist übersichrlich gehalten und kommen mit vergleichsweise wenigen Zutaten aus, sodass sie recht schnell angerichtet werden können. Meist sind den Rezepten noch hilfreiche Tipps angegliedert, sowie Nährwerte pro Portion. Am Ende des Buches gibt es noch eine Schnellübersicht zur besseren Auffindbarkeit der Rezepte. Die Rezepte selbst stammen von der Ernährungsberaterin Simone Fischer und dem Low-Carb-Koch Wolfgang Link. Beide werden im Buch kurz vorgestellt.

Fazit

Sehr informatives, gut verständliches Sachbuch über die verschiedenen Arten von Entzündungen und wie man ihnen mit einer Umstellung des Lebensstils auf gesunde Ernährung und Bewegung begegnen kann. Die Rezepte sind zumindest für mich schmackhaft und kommen mit recht wenigen Zutaten aus, was Zeit spart.


Genre: Sachbuch Gesundheit und Ernährung
Illustrated by Weltbild

Strom und Wärme – Wege zum energieautarken Haus

Strom und Wärme: Wege zum energieautarken HausReichhaltige Möglichkeiten, weitgehend autark und umweltschonend zu wirtschaften

Die Verbraucherzentrale NRW stellt mit diesem Buch einen Ratgeber vor, der anhand von Beispielfamilien verschiedene Wege zu mehr Autarkie in Bezug auf Energie beleuchtet. Grob gesagt geht es zum einen um eine fiktive Familie, die in einem unsanierten Altbau wohnt, zum anderen um eine in einem sanierten Altbau und um eine in einem neugebauten Passivhaus. Der Autor betont in seiner Einleitung, dass dieses Buch nur eine Anregung darstellt und keine Energieberatung ersetzt. Nichtsdestotrotz ist der Ratgeber reich an Informationen, Grafiken, Rechenformeln und -beispielen, die einen guten Eindruck dessen vermitteln, was da auf einen zukommt, wenn man mehr Energie-Autarkie möchte. Unterfüttert werden die Beispiele weiterhin mit den Exkursen „Gut zu wissen“, Tipps, Verweisen, Definitionen, Abbildungen, Diagrammen und Tabellen. Es wird also genau erläutert, was einen bei verschiedenen Varianten erwartet.

Zum Inhalt: Der Autor stellt nicht nur die Gründe für mehr Energieautarkie vor, sondern erläutert auch den Strom- und Wärmebedarf. Diesen kann man auf herkömmliche, aber eben auch mit erneuerbarer Energie decken, was der Umwelt zugutekommt. Demzufolge enthalten die Beispiele auch immer den Grad der Umweltentlastung. Er geht näher auf Photovoltaikanlagen ein, Kleinwindanlagen (meist nicht rentabel außer in Gebieten mit regelmäßig viel Wind), Stromspeicher, Mikro- und Nano-Blockheizkraftwerke, Kollektoranlagen, stellt überdies Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit an, wie man Biomasse zum Wärmen nutzt, wie man diverse Techniken koppeln kann, um mehr Autarkie zu erlangen, und stellt schon vorhandene Beispiele für energieautarke Häuser vor. Er sagt, worauf man achten muss und kommt zu dem Ergebnis, dass vollständige Autarkie bisher (Stand 2016) nicht zu erreichen ist, aber v.a. durch Kombination verschiedener Möglichkeiten zumindest eine weitgehende Autarkie erreicht werden kann. Oft braucht ein System mindestens ein weiteres, damit es optimal funktioniert. Das alles kostet natürlich, was der Autor in seinen Rechnungen berücksichtigt. All dies wird wie gesagt ausführlich beleuchtet.

Gleichungen ermöglichen es, das Ganze auf den eigenen Bedarf umzurechnen. Überhaupt gibt es viel zu rechnen, was mich persönlich etwas überfordert hat, weil ich nicht gut in Mathematik bin. Außerdem machten mir an manchen Stellen die Grafiken wegen sehr kleiner Schrift zu schaffen. Irritierend sind trotz Korrektor die Tippfehler; v.a. der Unterschied „Ihr – ihr“, „Sie – sie“ scheint wenig bekannt zu sein, weil diese Schreibweisen öfter verwechselt werden.

Ansonsten gibt es immer wieder zur besseren Übersicht Zusammenfassungen und bei den Beispielfamilien je ein Fazit, sodass man sich auch gut informieren kann, wenn man sich nicht alles ausführlich durchlesen und nur sporadisch bzw. nach eigenem Bedarf tiefer in die Materie einsteigen will. Auch Checklisten erleichtern Interessierten das Vorgehen. Das Buch trifft den Nerv in Zeiten des Klimawandels, ist also hochaktuell.

Allerdings ist mein Eindruck nach der Lektüre, dass das alles ziemlich kompliziert und trotz der ebenfalls mitbedachten Förderung teuer ist und genau durchdacht werden muss. Deshalb auch der Rat zur Energieberatung, die übrigens auch die Verbraucherzentrale vornehmen kann. Trotzdem ist der Weg zur Autarkie und der Dezentralisierung bzgl. Energie langfristig wohl der, der zum eigenen Nutzen und dem der Umwelt gegangen werden sollte.

Fazit

Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten, das eigene Haus weitgehend erergieautark zu gestalten. Das Buch ist übersichtlich aufgemacht, gibt einen Überblick über erneuerbare Energien auf dem eigenen Grundstück und im Haus, stellt mögliche Varianten mit Kosten und Effizienz anhand von drei Beispielfamilien vor, enthält Formeln, um alles auf den eigenen Bedarf umzurechnen, und ist in Zeiten des Klimawandels hochaktuell.


Genre: Sachbuch Energie
Illustrated by Verbraucherzentrale

Mein wunderbarer Gartensalon – Wie Frauen in ihrem Garten das Leben genießen

Mein wunderbarer GartensalonNach der Gartenarbeit kommt der Spaß

Autorin Katja Mutschelknaus fängt da an, wo Gartenmagazine aufhören: Mit der Nutzung des nach mühevoller Gartenarbeit hergerichteten Stück eigenen Landes. Damit hat die Autorin eine Nische gefunden, denn selbst wunderschön bebilderte Zeitschriften wie „Landidee“ heben v.a. die Gestaltung und Arbeit im Garten hervor. Aber was kann frau damit anstellen, wenn sie mit der Arbeit fertig ist? Da hakt Mutschelknaus ein. Sie beschreibt den liebevoll hergerichteten Garten als erweitertes Wohnzimmer für die Dame, eine Seelenwohnung, ein von neugierigen Blicken abgeschirmter Ort, in dem frau sich erholen und nach Herzenslust allem, was ihr Spaß macht, nachgehen kann. Dort darf sie wieder Kind oder junge Frau sein, schaukeln, eine Feenparty veranstalten, den Geliebten einladen, den Garten als Spa benutzen oder ihn in eine orientalische Wohlfühloase verwandeln.

Aber so ganz ohne Arbeit kommt auch sie nicht aus: Wer schlemmen will, muss erst einmal kochen. Und das machen trotz männlicher Sterneköche im Fernsehen und in der Gastronomie im Alltag immer noch die Frauen. Damit es aber kein Alltagstrott-Essen wird, streut sie in ihre eigens für genussvolle Momente entworfenen Rezepte immer wieder etwas Exquisites oder Luxuriöses ein wie Blattgold oder Trüffel. Sie gibt aber auch Tipps, wie frau das Trocknen von Kräutern und das Einmachen wiederbeleben kann, um Leckeres zu zaubern. Außerdem gibt sie Tipps, wie frau sich ihre Wohlfühloase nach ihren Wünschen stilvoll gestalten kann. Damit frau nicht lange suchen muss, sind die Bezugsquellen von Zutaten und Möbeln usw. gleich inklusive. Da ist aber auch schon ein nicht ganz unwichtiger Hund begraben: Um sich das alles leisten zu können, muss frau das nötige Kleingeld haben. Oder sich die Rezepte rauspicken, die lecker sind und ohne viel luxuriösen Zierrat auskommen. Bio ist natürlich toll und in mehrerlei Hinsicht extrem wünschenswert, aber auch dafür muss der Geldbeutel stimmen. Ansonsten sind wohl Supermärkte oder besser noch handwerkliches Geschick gefragt, um sich die eigene grüne Oase mit Mobiliar zu verschönern. Sollte frau Letzteres besitzen, kann sie sich aus den angegebenen Bezugsquellen wie „Garten aus Holz“ prima Ideen abschauen, anstatt viel Geld auszugeben.

 

Woher kommen die Ideen für die Gartenfreuden?

Ansonsten informiert die Autorin leichtfüßig über historische Gartenfreuden, Bräuche und Mythen, sowie Gärten als Schauplätze in der Literatur, schlägt den Bogen zu Zauberwesen wie den Feen und Elfen und vergisst auch nicht die gefiederten Gartenbewohner, die mit ihren Liedern die hoffentlich mittlerweile tiefenentspannte Dame verzaubern. Ganz praktisch gibt Mutschelknaus Tipps, wie frau Vögel in ihrem Garten artgerecht unterstützen kann.

Mir persönlich hat Mutschelknaus‘ Schreibstil sehr gefallen. Er ist, wie oben schon angedeutet, leichtfüßig, beschwingt-fröhlich, tänzerisch. Ihre Sprache ist bildhaft und adjetivreich, sodass man sich das Beschriebene prima vorstellen kann. So entwirft sie mit leichter Hand Stimmungsbilder und lässt das Kopfkino anspringen. Das alles ist dazu geeignet, ein entspanntes Ferienfeeling zu schaffen und aufzumuntern. Mutschelknaus will anscheinend die Lust für das süße Nichtstun (wieder) wecken, das in unserer hektischen und stets im Hamsterrad rotierenden Welt abhanden gekommen ist. Sie tut gut daran, denn ohne entsprechende Entspannung fehlt ein wichtiger Teil des Lebens, der für die Regeneration zuständig ist. Vielleicht hat Corona die eine oder den anderen wieder aus den Hamsterrad rausholen und den Wert der Entspannung schätzen lernen können. Und entspannen kann frau und man(n) meist im Grünen. Eigentlich sollten wir es machen wie die Kinder (die Autorin erinnert an die eigene Kindheit): Raus ins Grüne und machen, wozu frau Lust hat! Schaukeln und Elfeninterview inklusive.

Fazit

Leichtfüßiges, schön bebildertes Sachbuch mit Betonung auf Genussmomenten, das mit seiner beschwingt-fröhlichen und bildhaften Art, die schönen Dinge des Lebens zu beschreiben, Ferienfeeling im eigenen Garten weckt. Es ist Nahrung für die Seele und mit den Rezepten für den Körper gleich mit.


Genre: Garten, Rezepte, Sachbuch
Illustrated by Thiele Verlag

My Roommate is a Cat 6

Gemeinschaft

Subaru und Haru geben Leo wohlbehalten bei dessen Besitzer*innen ab. Der introvertierte Schriftsteller Subaru lernt einmal mehr über Menschen, Tiere und Gemeinschaft dazu. Auf dem Rückweg kommt er an einem Imbiss vorbei und erfährt von dessen Besitzer, wie sehr seine Mutter ihn geschätzt hat. Das stärkt sein Selbstbewusstsein und er erkennt, dass er nicht allein ist. Auch bei anderen Gelegenheiten wie z.B. Neujahr merkt Subaru, dass er nicht mehr allein ist, sondern sich langsam ein soziales Netzwerk um ihn herum bildet. Haru fasst die Situation in ihrer eigenen Art und Weise auf: Ihr Verantwortungsbewusstsein erstreckt sich auf Tier und Mensch und sie bringt Leo noch das ein oder andere bei. Und es kommt noch mehr Zuwachs: Haru macht Subaru darauf aufmerksam, dass unter seiner Veranda verlassene Katzenbabys sind.

Tiere als Balsam für die Seele und soziale „Therapie“

Auch der neue Band erzählt wieder einfühlsam von dem introvertierten Schriftsteller Subaru, der durch seine Katze Haru langsam seinen Weg zurück ins Leben und Freund*innen findet. Subaru lernt, Freundschaften anzunehmen und zu pflegen. Der Band erzählt ebenso von der tiefen Bindung von Haustierbesitzer*innen zu ihren Tieren und wie die Tiere Einsamkeit vertreiben und sogar Gemeinschaftsleben entstehen lassen und fördern können.

Aber es taucht auch immer wieder das Problem von ausgesetzten Tieren auf und wie es ihnen auf der Straße ergeht – sofern sie überleben. Tierschutzorganisationen können ein Lied von all dem Leid singen, das ausgesetzten Tieren wiederfährt. Deshalb wirbt der Manga für Verantwortungsbewusstsein für Lebewesen, die genau wie Menschen Freud und Leid empfinden können. Subaru stellt sich der Verantwortung für die Katzenbabys, bringt sie zum Tierarzt, informiert sich, was er für sie tun muss und will liebevolle Halter*innen für die Kätzchen finden. Wer Tiere hat, hat die Verpflichtung, sich um sie artgerecht zu kümmern. Nur das verhindert Tierleid.

Empfohlen.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

BL Metamorphosen – Geheimnis einer Freundschaft 4

Freundschaft kennt kein Alter

Urara hat angefangen, ihren eigenen Manga zu zeichnen. Aber da sie sich selbst nicht viel zutraut, stagniert ihr Projekt. Ihre um zwei Generationen ältere Freundin Yuki hilft ihr, indem sie Urara bei sich zeichnen lässt, ihr dort kreativ Licht zum Zeichnen verschafft, ihr einen Freund vorstellt, der eine Druckerei besitzt, und sich schon überlegt, wie man den Tisch bei der 128. Comitia hübsch gestaltet, damit Uraras Werk sich verkauft. Bei so vielen praktischen Überlegungen rund um ihren Manga kann Urara gar nicht anders als weiterzuzeichnen – obwohl sie eigentlich für ihre Prüfungen lernen müsste. Der Tag der Con rückt immer näher und Urara hat nur noch wenig Zeit, um ihren ersten eigenen BL-Manga zu vollenden. Wird sie es trotz aller Hindernisse schaffen?

 

Im Anderssein unterstützt werden

Der 4. Band der Serie vertieft die Freundschaft zwischen den beiden ungleich alten Frauen mit einem gemeinsamen Hobby – den Boys-Love-Mangas. Dabei sprechen oft schon die Zeichnungen für sich, um Stimmungen adäquat und auf den Punkt gebracht an die Leser*innen zu bringen. Da reicht z.B. schon ein Blick Uraras in ein Schaufenster, um zu zeigen, wie hässlich sie sich in Gegenwart der hübschen Freundin ihres Kumpels fühlt. Oder es wird bildhaft ein Vergleich zwischen der von Urara und Yuki hochverehrten BL-Profizeichnerin und Urara angestellt: Erstere ist von ihrem Beruf aufgrund des Stresses und der unfreien Arbeitsweise nicht mehr so begeistert, während die zwar an sich selbst zweifelnde, das Projekt aber trotzdem durchziehende Urara eine leise, dafür aber tiefgehend leidenschaftliche Begeisterung für das Zeichnen entwickelt. Die eine sehnt sich nach den Freiheiten und der Anonymität der Dojinshi-Messe, die andere hofft auf ebenjener, dass wenigstens eine*r ihr Werk kauft und damit wertschätzt.

Wertschätzung erhält Urara von der über 70-jährigen Yuki. Sie verurteilt Urara nicht, die anstatt für die Prüfungen zu lernen ihren eigenen Weg geht. Im Gegenteil: Ohne viele Worte zeigt Yuki ihr ihre Wertschätzung, indem sie in praktischer Weise alle Probleme und die Organisation der Con durchdenkt und Urara ihre Lösungsvorschläge präsentiert. Sie zeigt so sehr deutlich, dass sie an Urara und ihr Vorhaben glaubt. Man muss nicht immer viele Worte um eine Sache machen (zumal Worte oft Schaum sind), sondern tatkräftig mitanpacken. Genau das tut Yuki. So eine Freundin wünscht sich jede, hat aber leider nicht jede. Die beiden Frauen gehen auf diese Art und Weise ihren eigenen Weg, der auf mehrerlei Art nicht mit dem der uniformen Gesellschaft übereinstimmt. Sie zeigen: Jede*r hat das Recht, auf ihre/seine Weise glücklich zu werden.

Nebenbei wird der Alltag der beiden Frauen in unaufgeregter, aber warmherziger Weise gezeigt, den sie oft unabhängig voneinander erleben. Selbstständigkeit spielt also ebenfalls eine große Rolle, sowie der ganz natürlich stattfindende Wechsel zwischen Alleinsein und Gemeinschaft. Überhaupt ist der Manga wie immer sehr warmherzig und in unaufgeregeter Art pointiert in seiner Art und Weise, die Dinge darzustellen.

Außerdem wird nebenbei gezeigt, wie man mit dem Altern umgehen kann: Yuki altert genauso unaufgeregt wie sie ihren Alltag meistert. Ja, da sind die Altererscheinungen, die ihr zu schaffen machen. Ja, sie ist nicht mehr hübsch. Aber Letzteres spielt für sie keine Rolle und Ersteres ist nur für den Moment unangenehm. Es hält sie jedenfalls nie davon ab, ihr Leben weiterhin so zu gestalten, wie es ihr gefällt und wie sie es für richtig hält. So möchte ich auch altern!

Empfohlen!


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Kochen und Backen mit Buchweizen – Glutenfrei und vegan schlemmen mit dem Traditionskorn Buchweizen

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Vegane Küche mit dem gesunden Pseudogetreide Buchweizen

Journalistin Katrin Luber hat ein Koch- und Backbuch rund um ein altes, lange Zeit in Vergessenheit geratenes Traditionskorn geschrieben: Buchweizen. Früher war das Kochen und Backen mit Buchweizen, das als Zwischenfrucht beim Getreideanbeau diente und sich aufgrund seiner Anspruchslosigkeit gut auf nährstoffarmen Böden machte, gang und gäbe. Die Kartoffel verdrängte das Korn. Heute weiß man: Dieses Nahrungsmittel ist gesund. Das hebt Luber immer wieder in ihrem Buch hervor. Buchweizen ist glutenfrei, wächst sehr gut auf Brachland, wächst schnell, ist widerstandsfähig, besitzt den Nährwert von Weizen, ist ein Magnet für Bienen, soll präbiotisch und antioxidativ wirken, kann eine Senkung des Blutdrucks und eine verbesserte Gewichtsregulierung bewirken und einen positiven Effekt auf Diabetes haben (ebenso auf Alzheimer) und kann krebshemmend sein. Wenn der Buchweizen allerdings ungeschält ist, kann man empfindlicher auf Sonne reagieren.

Bevor es an die Rezepte geht, beschäftigt sich Luber ausführlich mit dem Buchweizen selbst: Geschichte und Herkunft des Buchweizens, Buchweizen-Märchen, Botanik von Buchweizen, Nährwerte von Buchweizen, Zubereitungsarten in seinen Anbaugebieten und wie man Keimlinge und Sprossen selbst zieht. Sie beleuchtet auch, wie man mit Buchweizenmehl selbst Sauerteig herstellt und wie man Hefewasser macht.  Alles in allem legt sie den geneigten Leser*innen das Kochen und Backen mit diesem Nahrungsmittel aus zahlreichen Gründen sehr ans Herz. Einige nennt sie auch in ihrem Vorwort. Zum einen hat die Autorin aufgrund gesundheitlicher Probleme auf vegan umgestellt und ist so auf Buchweizen gestoßen. Zum anderen, ebenfalls wegen gesundheitlicher Probleme, hat sie sich gluten- und zuckerfrei ernährt. Sie berichtet davon, dass ihre Verdauung sich verbesserte, sie plötzlich mehr Energie hatte und ihr Ausschlag wegging. Außerdem verschwanden Menstruationsschmerzen, Heuschnupfen, Reflux, Arthrose und Schilddrüsenunterfunktion. Ihre Erfahrungen gibt sie in ihrem Blog „Ist das vegan oder kann das weg?“ und in diesem Buch weiter.

In dem Buch berichtet sie auch über die Machenschaften der Backwarenindustrie (die einem die Lust auf gekauftes Brot ziemlich verleiden) und klärt über verschiedene Arten von Getreideunverträglichkeit auf. Nach dem Lesen all dieser verständlich und flüssig geschriebenen Infos fühlte ich mich gut informiert und bereit, die Rezepte auszuprobieren. In einem ausführlichen Rezepteteil gibt Luber ihre Rezepte zu folgenden Themen weiter: Backwaren, Frühstück und Snacks, Süßes, Hauptgerichte. Da ist also für alle Tagesabschnitte und Geschmäcker etwas dabei. Ihre Rezepte sind vegan und glutenfrei. Das stellte mich persönlich vor Herausforderungen, da ich (neudeutsch) Flexitarierin bin und außerdem ein Kind mitzunernähren habe. Dieses Kind ist auch recht wählerisch, was das Essen angeht. Außerdem habe ich nicht alle Zutaten in „meinen“ Supermärkten gefunden. Auch DM hatte z.B. keine Buchweizenflocken. An Buchweizen konnte ich deshalb nur Buchweizenmehl und Buchweizen als ganzes Korn ergattern.

All dies ließ mich Kompromisse eingehen: Ich kochte nur an einigen Tagen vegan, wenn ich die entsprechenden Zutaten zuhause hatte, ansonsten vegetarisch und mit anderen Zutaten, z.B. anstatt Buchweizenflocken mit Haferflocken. Dabei kam heraus: Man kann mit diesem Buch gut improvisieren, selbst wenn man kein*e Veganer*in ist. Und insgesamt sind diese Rezepte alltagstauglich (wenn man Zeit für Hefegebäck hat). Und: Ich war bass erstaunt, dass mein Sohn gar nichts gegen Buchweizen hat! Ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll, aber ich hatte gleich den Begiff „vegane Hausmannskost“ im Sinn… Und das ist ganz und gar nichts Schlechtes. Außerdem erfeulich: Buchweizen macht satt! Sogar mich. Allerdings sind Buchweizenpfannkuchen ohne Ei etwas bröselig. Ich konnte sie in der Pfanne nicht wenden, ohne dass sie mir gebröckelt sind. Tipps erwünscht.

Nur Kleinigkeiten: Zweimal im Buch kam die gleiche Info über Buchweizen (S. 86 und 110) vor. Was ich mir noch gewünscht hätte: Bezugsquellen von z.B. Buchweizenflocken, Buchweizenschalen, Buchweizennudeln, Sojamehl… Wo bekommt man gute Produkte her? Ud: Ich glaube, dass folgender Satz anders gemeint war: „Etwas Wasser nach Bedarf, falls der Teig zu flüssig ist“ (S. 67): Da ist bestimmt gemeint, „falls der Teig zu fest ist“. Außerdem als Anmerkung zu dem Satz „Meistens wissen die Menschen selbst, dass es nicht gesund ist und sie es eigentlich besser machen müssten.“ Ich sage hier jetzt mal als alleinerziehende Mutter, dass es ganz klar eine Frage der Zeit und des Geldbeutels ist, sich gesünder zu ernähren. Gute Produkte sind definitiv teurer als zusatzstoff- und pestizidverseuchter Fertigmist. Und wenn man vollzeitschaffend nur eine halbe Stunde Zeit in der Mittagspause hat und nach Feierabend ein sehr lebendiges Kind zuhause, dann wird es auch zeittechnisch schwer mit der gesunden Ernährung. Zum Glück bessert es sich, je größer das Kind wird. Auch vorher habe ich schon versucht, möglichst gesund zu kochen, aber es ist alles andere als einfach, wenn man keine hilfreichen Hände hat, die einem entweder das Kind abnehmen oder selbst kochen. Das gilt auch für Frauen, die Männer haben, die sich (zu) wenig bis gar nicht im Haushalt und der Kindererziehung engagieren.

Sehr sympathisch: Die Fotos der Autorin sind genauso hausgemacht wie ihr Essen. Also keine mit Hilfsmitteln oder Styropor aufgepimpten Gerichte, die auf jede erdenkliche Art auf Hochglanz poliert wurden, sondern alltagstaugliches Essen, das die Autorin nach dem Fotografieren im Sinne der Nachhaltigkeit und der Wertschätzung der Lebensmittel selbst aufgegessen hat. Sie will Leser*innen damit auch Mut machen, es selbst auszuprobieren, indem sie sagt: „Das können Sie auch!“

Fazit

Informatives, flüssig geschriebendes Buch über vegane, gut nachzukochende Hausmannskost mit Buchweizen, dessen Rezepte zumindest mir und meinem Sohn gut schmecken!

 


Genre: Koch- und Backbuch
Illustrated by BoD Norderstedt

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

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Für Samia Yusuf Omar erfüllt sich 2008 ein Traum: Sie darf für Somalia an den Olympischen Spielen teilnehmen. Obwohl sie Letze wird, avanciert sie zum Publikumsliebling. Zurück in Somalia machen ihr aber wieder die schlechten Trainingsbedingungen zu schaffen. Die Bahnen, auf denen sie läuft, sind von Granaten durchlöchert, und sie hat weder gute Trainingskleidung noch ausreichend zu essen. Deshalb beschließt sie, ein somalisches Trainingscamp aufzusuchen, um für Olympia 2012 trainieren zu können. Aber das Training in diesem Camp wird ihr verweigert – weil sie eine Frau ist. Die Männer weigern sich kategorisch, mit einer Frau zu trainieren. Auch sonst hat es Samia nicht leicht in Somalia, weil muslimische Fundamentalisten Frauen in allen Bereichen das Leben schwer machen. Deshalb fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie will mit ihrer Tante zu ihrer Verwandten nach Europa flüchten.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Samia nahm an den Olympischen Spielen 2008 teil und wollte ein paar Jahre später nach Europa flüchten, um dort bessere Trainings- und Zukunftsmöglichkeiten zu haben. Auf der Flucht ertrank sie in einem der schlecht ausgestatteten Schlauchboote.

Flüchten als allerletzte Option

Schon das Cover macht deutlich, worum es in der Graphic Novel geht: um einen Traum und um diejenigen, die diesen Traum behindern und sogar unmöglich machen. Der erschöpft-leidvolle Ausdruck der Protagonistin und ihr dürres Äußeres machen die Qualen deutlich, denen sich Samia ausgesetzt sah, um ihren Traum zu verwirklichen.

Der in schwarz-weiß gehaltene Comic geht auf die Dinge besonders stark ein, die Samia davon abgehalten haben, ihren Traum erneut zu leben, und die letztlich zu ihrem Tod geführt haben: Diskriminierung der Frauen, Fundamentalisten, Diktatur, Bürokratie, kriminelle Machenschaften. Wäre Samia – als erste der Stellschrauben, die Samia massiv behindert haben – nicht als Frau diskriminiert und im Traininglager aufgenommen worden, wären ihr all die späteren Qualen und ihr Tod erspart geblieben. Denn diese Ablehnung führt dazu, dass sie woanders trainieren will, aber durch die Bürokratur behindert wird. Und das wiederum führt dazu, flüchten zu wollen und dabei den Machenschaften der Schlepper ausgeliefert zu sein.

Das macht schon das grundlegende Problem deutlich: Wenn Menschen in ihrer Heimat gute Bedingungen vorfinden, bleiben sie dort. Niemand verlässt aus Jux und Dollerei sein Zuhause! Sind die Bedingungen schlecht (Hunger, Diskriminierung, Gewalt, Korruption…), entschließen sich Menschen schweren Herzens dazu, ihre Heimat zu verlassen. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn die Politik es schaffen würde, menschenfreundiche Bedignungen herzustellen (auch die Politik des Auslandes), dann würden die Menschen auch in ihren Ländern bleiben wollen. Eine Politik der Abschreckung und der Grenzziehung erreicht niemals ein gutes Ziel – Flüchtlinge werden sich nicht abschrecken lassen, da die Bedingungen in ihrer Heimat schlicht zu grauenvoll sind. Im Vor- und Nachwort gehen sowohl der Autor als auch Elias Bierdel (Journalist und Mitglied bzw. Gründer diverser Menschrechtsorganisationen) auf diese schlimmen Bedingungen ein, unter denen Menschen flüchten und was sie auf ihrer Flucht erleiden.

Und – leider wie immer – haben Frauen in solch menschenfeindlichen Staaten doppelt und dreifach zu leiden. Ihnen wird viel mehr noch als den Männern ein menschenwürdiges Leben schlicht unmöglich gemacht. Das wird im Comic mehr als deutlich.

Das Schwarz-Weiße unterstreicht diese bedrohliche Situation und den bedrohlichen Alltag noch und ruft eine beklemmende Stimmung hervor. Aber all das hebt auch die unglaubliche Stärke und den Mut dieser jungen Frau hevor, die bereit ist, etwas aus ihrem Leben und ihren Talenten zu machen und ihren Traum zu verwirklichen – selbst auf die Gefahr hin, ihr Leben zu verlieren. Aber – und auch das zeigt der Comic von Anfang an – das Leben in einem fundamentalistisch regierten Land, v.a. als Frau, ist tagtäglich lebensgefährlich. Samia hat also eigentlich nichts mehr zu verlieren, als sie sich auf den Weg macht.

Der Comic steht für alle Flüchtlinge, die aus Leid und Not heraus fliehen.

Mir persönlich hat der eckige Zeichenstil nicht so zugesagt, aber als Metapher für die vielen scharfen Kanten des Lebens ist er allerdings wieder passend. Ich persönlich hätte mir auch mehr Ausgestaltung der Geschichte gewünscht; sie war mir zu kurz, um sich richtig hineinfühlen zu können. Aber der Inhalt macht diese kleinen Mängel mehr als wett.

Fazit

Ein hochaktueller Comic, der mehr als deutlich macht, dass sich politische Systeme ändern müssen, um einen Flüchtlingsstrom zu vermeiden, und das westliche Systeme michts erreichen, indem sie Flüchtlingsströme blockieren. Sie müssen dazu verhelfen, dass die Politik in den betroffenen Staaten sich zum Besseren wendet! Menschen flüchten niemals aus ihrer Heimat, wenn sie sich dort wohlfühlen und ein menschenwürdiges Leben leben können!

Der Comic macht auch deutlich, dass besonders Frauen unter politischen Systemen leiden, die fundamentalistisch, gewalttätig, korrupt, diktatorisch und insgesamt menschenfeindlich sind.

Als Lektüre sehr zu empfehlen!


Genre: Comic, Graphic Novel
Illustrated by Carlsen graphic novel

Jede Zeit ist deine Zeit – Wie Frauen Weisheit, Heilung und Kraft aus jeder Lebensphase schöpfen

 

Chancen und Schwächen der Lebensphasen einer Frau

Autorin Sabine Groth beschreibt in ihrem Buch nicht nur die einzelnen Lebenszyklen der Frau, sondern auch deren Vor- und Nachteile, wobei sie die Vorzüge der einzelnen Lebensphase betont und Tipps gibt, wie die Frau sie für sich nutzbar machen kann. Sie betont auch, dass wir alle die Archetypen der Frau (das Mädchen, die junge, die reife und die alte Frau) immer in uns tragen und auf deren Qualitäten zugreifen können. Oft geschieht das intuitiv, wenn z.B. eine junge Frau etwas sagt oder macht, das man eher einer älteren Frau zugetraut hätte. Mithilfe ihrer „Experimente“, wie sie sie nennt, kann die Frau üben, sich selbst wahrzunehmen, an ihre Wünsche und Bedürfnisse heranzukommen und sich selbst wieder ein Stück mehr zu heilen.

Groth fängt mit dem Mädchen an. Sie sagt, dass jede von uns das kleine Mädchen in sich trägt: das sind all die glücklichen, aber auch wenig schönen Momente, die wir in unserer Kindheit erlebt haben. Das innere Kind wahr- und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen, empfiehlt Grothe, um wieder Zugang zu sich selbst zu erhalten, kindische Verhaltensweisen abzulegen und zu heilen.

Die junge Frau bringt Begeisterungsfähigkeit und körperliche Kraft mit, ist visionär, flexibel und mutig. Aber sie hat meist auch einen brüchigen Selbstwert, wartet auf einen vermeintlichen „Traumprinzen“, der wohl für immer ein Traum bleibt, hat einen Mangel an Weitsicht und ist noch unerfahren. Sie hat viele Gesichter und Rollen. Sie geht zyklisch mit ihrer Menstruation. Diesem Teil widmet Groth große Aufmerksamkeit, da die Menstruation auch im Westen ein Tabu-Thema ist – im Gegensatz zu früher, wo das Erblühen der Weiblichkeit mit einem Fest gefeiert und gewürdigt wurde. (Die Scham, die Unwissenheit und das Lächerlichmachen dieses wichtigen Themas beschreibt sehr gut das Jugendbuch „Alles ganz normal“.) Außerdem geht Groth auf das Thema „Kinder oder keine Kinder bekommen“ ein bzw. auf einen unerfüllten Kinderwunsch.

Die Mutter als nächste Lebensphase kann eine Mutter im biologischen und/oder im geistigen Sinne sein, indem sie z.B. Projekte großzieht. Auch das Sich-Selbst-Bemuttern (wenn herzliche Mütterlichkeit in der Kindheit gefehlt hat) ist ein großes Thema. Außerdem wie sich die Beziehungskarten mit einem Baby neu mischen und wie die Mutter mit dem Baby geboren wird. Allerdings ist meine Erfahrung, dass auch frau das Muttersein ganz schnöde lernen muss. Groth sagt hier zum Glück aber auch, dass Mutter nicht gleich Mutter ist und geht auf verschiedene gängige Muttertypen ein, wie die perfekte Mutter, die ausgebrannte Mutter, die sich aufopfernde Mutter, die aber alle eines gemeinsam haben: Es sind gebrochene Typen und keine heilen, ganzen.

Auch das Thema Wechseljahre wird von Groth ausführlich behandelt. Sie versucht mit dem Schreckgespenst der ausrangierten und hässlicher werdenden Frau aufzuräumen. Sie führt das Beispiel der Männer an, von denen man sagt, sie werden mit zunehmendem Alter reifer und damit attraktiver. Für meinen Geschmack trifft es das aber nicht ganz. Männer halten sich vielleicht für attraktiver, sind es aber nicht. Da fehlt es bei vielen an geistiger Reife und Verantwortungsbewusstsein (v.a. für Frau und Familie) und sie altern vom Körper her genau wie die Frauen auch. Die Krone setzen dann die Männer auf, die alternd und ohne psychische Arbeit an sich selbst zu leisten hinter Frauen herjagen, die mindestens ihre Tochter sein könnten. Sollte aber eine alternde Frau es wagen, sich einen Jüngeren zu angeln – was anscheinend biologisch und von der ursprünglich matriarchalen Lebensweise sogar besser passen würde – dann haben sie und ihr jüngerer Mann mit Vorurteilen zu kämpfen.

Groth spricht die Vorteile der Wechseljahre an. Die größten sind die, dass frau mit ihrem Leben besser aufräumen kann, weil sie nicht mehr (auch hormongesteuert) dem Muttersein frönen muss. Sie blickt durch ihre Lebenserfahrung und Hormonumstellung nun mit anderen Augen auf ihr Leben und kann alles aussortieren, was ihr nicht gut tut. Sie kann ihre Interessen (auch dank mehr männlicher Hormone) aggressiver durchsetzen. Sie orientiert sich jetzt mehr an ihren eigenen Bedürfnissen und ist nicht mehr so abhängig von der Meinung anderer, v.a. von der männlichen Meinung. Allerdings braucht sie für diesen inneren Rückzug und Aufräumprozess Zeit, die sie meist wegen der Mehrfachbelastung nicht hat. Groth spricht hier auch den Jugendwahn an, dem viele Frauen durch Schönheits-OPs, Botox und Ähnlichem Aufwind geben. In Würde altern sieht anders aus, und Grothe macht Vorschläge, wie das gelingen könnte. Und dazu ist innere Arbeit (Stichwort Psyche) wichtig, nicht die Arbeit am Äußeren.

Die weise Alte schließlich hat viel Lebenserfahrung, die sie für ihre Zwecke einsetzen kann. Sie muss sich von nichts und niemandem mehr etwas sagen lassen. Wenn die innere Arbeit mit sich selbst gelungen ist, braucht sie das Altern nicht zu fürchten. Sie kann sich dann auch mit Tod und Sterben auseinandersetzen und ihr Leben so regeln, dass sie nichts bereuen muss. Das Leben vom Ende her zu betrachten und notwendige Trauerarbeit zu leisten, hilft ihr zu leben.

Zum Schluss gibt Grothe Tipps, wie frau die alterslose Frau in sich erwecken kann und rät zu einem Frauenzirkel, der Frauen in ihrem Frausein und ihrer Frauwerdung unterstützt. Sie gibt Literaturempfehlungen und bietet ein Verzeichnis der Experimente, der Kraftsätze und eine Übersicht über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lebensphasen an.

Innerer Frühjahrsputz als Grundvoraussetzung für Heilung

Groth gibt in ihrem verständlich geschriebenen Buch eine treffende Analyse der jetzigen und vergangenen giftigen Lebensumstände der Frauen, macht aber gleichzeitig die positiven Seiten der jeweiligen Lebensabschnitte und deren Kraftquellen sowie Freiheiten bewusst. Sie ermutigt Frauen, das eigene Selbst zu finden und zu leben und bietet dazu Übungen an. Die Übungen sollen auch bewusst machen, wo Verletzungen sind, die geheilt werden wollen. Sich ihnen zuwenden, darum trauern und Giftiges ablegen, um heilen zu können, ist wichtig. Denn erst dadurch wird der Weg frei für Neues. Grothe erwähnt auch, dass die Frau durch ihre Zyklen an die Natur angebunden ist (s. auch Lothar Becks Bücher). Sie holt krankmachende Gesellschaftsstrukturen ins Bewusstsein und zeigt Wege auf, sich daraus zu befreien. Reflexion und Selbstreflexion, sowie gut für sich selbst zu sorgen sind zentrale Punkte, um einen neuen gesünderen Weg einschlagen zu können. Dazu gibt sie Beispiele und hilfreiche Fragestellungen. Sie bringt zur Sprache, was sprachlos macht und diffus gefühlt als Unzufriedenheit im Unterbewussten schwelt: So löst sie beim Lesen immer wieder „Aha“-Effekte aus.

Fazit

Das verständlich geschriebene Buch bringt auf den Punkt, worunter Frauen in dieser Gesellschaft leiden. Grothe bringt zur Sprache, was sprachlos macht und diffus gefühlt als Unzufriedenheit im Unterbewussten schwelt: So löst sie beim Lesen immer wieder „Aha“-Effekte aus. Sie betont gleichzeitig aber auch das Gute der einzelnen großen Lebensphasen einer Frau und gibt Tipps z.B. in Form von Übungen, wie man die Kraftquellen der jeweiligen Lebensphasen anzapfen kann, um damit ein gesünderes, besseres Leben zu leben. Dazu ist ein gründliches, inneres Aufräumen nötig, um zu wissen, welche Verletzungen immer noch wirken und wie man sie heilen kann.

 


Illustrated by Neue Erde

I hear the sunspot limit 3

Behindert ist man nicht, man wird dazu gemacht

Taichi ist so traurig darüber, dass Kohei Abstand von ihm will, dass ihm der Appetit vergangen ist. Für den ewig Hungrigen ist das etwas noch nie Dagewesenes. Taichis Arbeitskollegen machen sich deshalb Sorgen um ihn. Erst als die ebenfalls schwerhörige Maya ihm sagt, dass Kohei Taichi nicht weiter belasten will und ihm resolut rät, dass er seine Gefühle mit Kohei klären soll, sieht Taichi eine neue Perspektive.

Koheis Mutter hat indessen ein TV- Interview abgesagt, weil es nichts Positives über Gehörlose und Schwerhörige bringen will. Sie sagt Kohei eindringlich, dass er selbst die Hauptrolle in seinem Leben spielt und danach leben und sich nicht zurücknehmen soll.

Ryu dagegen hat überhaupt keine Probleme damit, gehörlos zu sein. Er kommt gut zurecht, hat Freunde und als Kind seinen großen Bruder, der immer für ihn da war. Er ärgert sich über die anderen, die ihn in die Rolle des bemitleidenswerten Behinderten drängen wollen, obwohl er wie alle anderen seinen Job erledigt und seinen Alltag souverän meistert. Aufgrund seines Ärgers baut er aber eine Mauer zu den Hörenden auf. Allerdings merkt er, dass Taichi keine Unterschiede zwischen den Menschen macht und jeden so nimmt, wie er  oder sie ist. Er denkt aber auch über seinen Bruder nach, der Vorurteilen ausgesetzt ist, weil er einen behinderten Bruder hat.

Währenddessen gibt Taichis Chef Chiba einen Kurs für neue Kolleg*innen, damit sie sich in die gehörlosen und blinden Mitarbeiter*innen der Firma besser einfühlen können. Taichi versteht so besser, wie sich die einzelnen Handicaps anfühlen. Währenddessen hat Kohei ein erhellendes Gespräch mit Taichis Großvater. Als Taichi erfährt, dass Kohei bei ihm zuhause war, versucht er ihn einzuholen und sich mit ihm auszusprechen. Auch Ryu spricht sich mit seinem Bruder aus. Dieser erkärt Ryu, dass er sich nicht benachteiligt fühlt, sondern die Gebärdensprache liebt und deshalb einen Beruf ergriffen hat, in dem er mit dieser Sprache arbeiten kann.

Diverse Sichtweisen zum Thema Handicap

Auch in diesem Band steht das Thema Handicap und wie Menschen mit Handicap und Menschen ohne damit umgehen (neben der homosexuellen Liebesgeschichte zwischen Kohei und Taichi) im Vordergrund. Der Band zeigt wieder die Vorurteile auf, denen Menschen mit Handicap immer wieder begegnen, und die Barrieren, auf die sie sowohl im Alltag als auch in den Köpfen der Menschen stoßen. Gerade Japan ist nicht besonders behindertenfreundlich, sodass die momentan stattfindenden Paralympics in Tokio die Hoffnung wecken, dass sich die Einstellung gegenüber Menschen mit Handicap von Vorurteilen weg und hin zum Positiveren wandelt. Auch der Manga will dazu beitragen, indem er z.B. in Form von Ryu zeigt, dass sich Menschen mit Handicap durchaus nicht behindert fühlen müssen und alles erreichen können, was sie wollen – wenn man sie lässt und ihnen echte Unterstützung und nicht bloß Mitleid und aus Mitleid geborene Handlungen zukommen lässt; ganz zu schweigen von Vorurteilen und Benachteiligung. Die Seminare, die Chiba anbietet, indem er Menschen ohne Handicap durch die Nachbildung von entsprechenden Handicaps fühlen lässt, wie sich das anfühlt, können als Vorbild dienen. Wenn man sich in eine andere Person hineinversetzen kann, hilft das schon sehr viel. Außerdem zeigt es, dass Menschen mit Handicap als Kompensierung andere Fähigkeiten ausgebildet haben, die mindestens ebenso wertvoll sind wie die „normalen“ und sie quasi Superheld*innen im Alltag sind, weil sie viel mehr leisten müssen als Menschen ohne Handicap. Diese Leistung sollte entsprechend gewürdigt werden. Der Manga versucht also tiefgründig und vielschichtig auf das Thema einzugehen.

Der Fortsetzungsband enthält als Extra weitere in sich abgeschlossene Stories zu den Charakteren der Serie.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Alpi – The Soul Sender 1
by Rona

Vom Sterben der göttlichen Wesen

Die kleine Alpi, ein noch junges Mädchen, ist eine Soul Sender. Ihre Aufgabe ist es, göttliche Geister ins Jenseits zu schicken, bevor sie die Umgebung mit ihrem Fluch vergiften. Denn die Flüche sind sowohl für Menschen als auch für deren Umwelt tödlich. Leider hat die Sache eine Kehrseite: Die Soul Sender überleben zwar den Fluch, aber sie leiden unter schlimmen Schmerzen, Wunden und Qualen, wenn sie die göttlichen Seelen zu ihrem Ursprung zurückschicken. Auch Alpi muss für ihre Tätigkeit diesen Preis zahlen. Und um nicht schleichend vergiftet zu werden, muss sie sich regelmäßig einem ebenso qualvollen Reinigungsritual unterziehen. Aufgrund ihrer Arbeit gerät sie mehr als einmal in gefährliche Situationen – und die verursachen nicht nur die sterbenden göttlichen Geister.

Der erste Band der Serie verbindet Mythen mit neuen Ideen und der Vernichtung der Umwelt durch Technik. Dabei wird aber keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, denn die jeweiligen Akteure haben gute Gründe für ihr Handeln. Mir persönlich werden Leid und Qualen zu viel betont, aber insgesamt ist es eine solide Story mit guten, ausdrucksvollen Zeichnungen.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Schicksal mag Bestimmung sein, aber…

Familienstellen & Co.

Das Folgebuch von „Erzählende Seelen“ greift dessen Prinzip der Verknüpfung von Sachwissen, praktischen Übungen und eigenen Erfahrungen wieder auf und verbindet dies informativ und unterhaltsam.

Diesmal geht Autorin und Heilpraktikerin für Psychotherapie Kristine Weitzels auf weitere alternative Methoden ein, um Menschen mit psychischen und psychosomatischen Problemen zu helfen: Familienstellen (bzw. das Aufstellen/Aufstellungen allgemein),  morphische Felder, selbsterfüllende Prophezeiungen – positiv angewandt. Ihr Motto: Schicksal mag Bestimmung sein, aber jede*r kann selbst entscheiden, wie sie/er mit diesem Schicksal umgeht. Für Menschen, die nicht nur klagen und sich in ihr vermeintlich festgefügtes Schicksal fügen wollen, hat Weitzels dieses Buch geschrieben, um neben der Reinkarnationstherapie auf weitere Möglichkeiten aufmerksam zu machen, das eigene Schicksal zum Guten zu wenden.

Bzgl. der selbsterfüllenden Prophezeiung, die meist negativ besetzt ist, gibt Weitzels folgende Denkanregung: Wenn schon das Negative, das man sich ausmalt, tatsächlich in Erfüllung geht, klappt das auch umgekehrt. Man stelle sich also seine Wünsche vor und lasse diese los. Letzteres sei wichtig, damit sie tatsächlich eine Chance auf Erfüllung haben. Die Autorin erklärt dieses Prinzip mit der Theorie der alternativen Realitäten. (Ich habe es so verstanden: Diejenige alternative Realität, die unserer am nächsten ist, hat die beste Chance, zu unserer Realität zu werden. Mir persönlich schossen beim Lesen dieser Erklärung folgende Gedanken durch den Kopf: Wenn es alternative Realitäten gibt, gibt es dann auch sozusagen eine Skala von demselben Leben, das am einen Ende der Skala schlechtestmöglich verläuft, am anderen bestmöglich und dazwischen eine große Bandbreite von schlecht bis super existiert? Und wenn ja: Was passiert mit dem Ich einer alternativen Realität, wenn man ihm sozusagen sein Leben klaut und in das eigene Leben rübertransferiert? Geht es ihm dadurch schlechter? Sollte man nicht generell vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht?)

Aufstellungen verbindet Weitzels mit morphogenetischen Feldern. Aufstellungen mit Aufstellungsleiter*innen werden normalerweise mit Personen durchgeführt. Diese Personen stehen für bestimmte andere Personen (z.B. Familienangehörige der Klientin /des Klienten, auch verstorbene) oder für zahlreiche andere Dinge wie eigene Zukunftsaussichten in zur Wahl stehenden Berufen, Partnerschaften, ungute Beziehungskonstellationen usw. Weitzels meint, dass man im Prinzip zu jedem Thema aufstellen könnte. Solche Aufstellungen kann man aber auch allein durchführen, z.B. mit der Zettelmethode, die Weitzels in einer ihrer Übungen beschreibt. Auf ihrer Webseite sind u.a. zu diesem Thema weitere Informationen zu finden, die in ihrem Buch keinen Platz mehr fanden.

Laut SecretWiki werden morphische und morphogenetische Felder so erklärt:

„Morphische oder morphogenetische (morphé = Form, geneá = abstammend) Felder nach dem Biologen Rupert Sheldrake sind form- oder strukturgebende Felder. Sheldrakes Theorie besagt, dass alle Formen und Verhaltensweisen in der Natur durch ein Form-verursachendes Feld entstehen und ein selbstorganisiertes dynamisches System bilden.

Sheldrakes Theorie

Seiner Theorie nach werden biologische Informationen nicht nur über die Gene weitergegeben, sondern über eine „morphische Resonanz“, auf die sich ein Organismus einschwingt. Sheldrakes Experimente um die Hypothese der morphischen Felder zu beweisen sind reproduzierbar und auch von anderen Forschern positiv wiederholt worden.

Der begriffliche Unterschied liegt im Fokus:

  • bei „morphisch“ liegt er auf dem Ist-Zustand des Feldes. Nach Sheldrake ist „morphisch“ vergleichbar mit der übergeordneten Gattung des Begriffs.[1]
  • bei „morphogenetisch“ liegt der Fokus auf der Dynamik, die zu dieser Prägung geführt hat. Nach Sheldrake ist „morphogenetisch“ begrifflich eine Unterspezies von der Gattung „morphisch“.

Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang auch die Legende mit den hundert Affen auf einer Insel:
Nachdem zufällig ein Affe angefangen hatte, eine Banane zu pellen (oder eine Kartoffel zu waschen) vorm Verzehr, griffen die andern Affen dieses Verhalten auf. Ab einer bestimmten Anzahl von Nachahmern sei dieses in das morphische Bewusstseinsfeld eingeprägt worden und über den Resonanzweg von Affen weit entfernt aufgenommen worden. Auf diese Weise habe sich das Verhalten verbreitet, ohne dass die Affen die Möglichkeit hatten, es voneinander abzuschauen.

Diese Geschichte über die Erreichung einer „kritische Masse“ für einen evolutionären Bewusstseinssprung wurde mit Sheldrakes Theorie vom morphischen Feld untermauert – wobei die ursprünglichen Fakten aber laut Wikipedia verändert worden sind und das Ganze so zu einer esoterischen Legende geworden ist.“ Vgl. https://secret-wiki.de/wiki/Morphogenetische_Felder#:~:text=%20Morphogenetische%20Felder%20%201%201%20Sheldrakes%20Theorie.,Familienstellen%20arbeitet%20erfolgreich%20mit%20morphogenetischen%20Feldern…%20More%20

Das Familienstellen nach Bert Hellinger, auf das Weitzels mithilfe ihrer eigenen Erfahrungen in der Ausbildung bei Bert Hellinger ausführlich eingeht, arbeitet mit morphogenetischen Feldern. Die Familiendynamik hat ein morphogenetisches Feld geprägt, in das man hineingeboren wird. Stellvertreter*innen für Familienmitglieder können diese Dynamik erspüren und ihr Ausfruck verleihen. So ist es möglich, dass man heilende Informationen in dieses Feld geben kann. Weitzels persönlich hat mit Aufstellungen und deren Kraft viele Erfahrungen machen können, die sie im vorliegenden Buch schildert. Sie geht hierbei auch ausführlich auf ihre eigenen Vorstellungen und ihre Vorgehensweise ein.

Weitzels zeigt in ihrem Buch, dass auch bekannte Persönlichkeiten wie Bert Hellinger ganz normale Menschen sind, die Fehler machen und auch unangenehme Eigenschaften und Charakterzüge haben. In ihren Erfahrungsberichten bzgl. der Leiter*innen der Aufstellungen wird dies sehr deutlich. Sie plädiert aufgrundessen an die Kritikfähigkeit ihrer Leserschaft, die diese Kritik auch äußern, für sich selbst einstehen und nur das für sie Passende raussuchen, sowie alles andere links liegen lassen soll. Sie persönlich hat alle vorgestellten Methoden an sich selbst ausprobiert und anfangs zum Üben kostenlose Seminare veranstaltet. Außerdem pflegt sie eine Fehlerkultur, da man aus Fehlern lernen kann.

Zudem pflegt sie eine ganzheitliche Betrachtungsweise in ihrer Arbeit: Körper und Seele sind in ihrer Ganzheit zu betrachten, und aus dem Werkzeugkasten der psychologischen Instrumente (sowohl der anerkannten als auch der alternativen) die für die einzelne /den einzelnen Klient*in das oder die passenden Werkzeuge herauszusuchen. Was der einen hilft, muss für den anderen noch lange nicht gut sein. Dabei verliert Weitzels nicht die Bodenhaftung: Die vorgestellten Therapien sind kein Allheilmittel. Schon gar nicht nur einzeln angewandt.

Fazit

Das vorliegende Buch gibt gut verständlich und ausführlich eine Übersicht aus verschiedenen alternativen psychologischen Heilmethoden wie z.B. das Familienstellen, verbindet diese miteinander, wo es sinnvoll erscheint, stellt dazu Übungen vor und garniert das Ganze mit eigenen Erfahrungsberichten. Gelungen!


Illustrated by Schirner Verlag

Jesus – Die Anerkennung des mütterlichen Ursprungs und das Ende der väterlichen Allmacht

Humus und Humanität, liebevolle Ganzheitlichkeit versus patriarchales Denken

Autor und Theologe Lothar Beck gibt in seinem neuen Buch nicht nur eine kurze Zusammenfassung über matriarchalisches Denken, sondern er geht noch einen Schritt weiter: Er deutet die ursprüngliche Jesus-Tradition, die anscheinend dem Matriarchat und der Jäger-Sammler-Tradition (s. Buch „Wahrheit über Eva“) deutlich näher steht als der patriarchalischen Auslegung der von der katholischen Kirche genutzten paulinischen Tradition, mit eigens dafür geschriebenen Geschichten matriarchalisch um bzw. gibt dieser Jesus-Tradition ihren Ursprung zurück.

Aber zunächst zu seinen Erkenntnissen zum Matriarchat (in Auszügen):

– Wie in seinem letzten Buch „Die Weisheit der Mütter“ weist er darauf hin, dass matriarchalische Religiosität sich quasi von selbst erklärt. Sie fußt auf Beobachtungen der Mutter Natur, die in einer solchen religiösen Tradition ohnehin einen zentralen Stellenwert einnimmt. Das Weibliche ist in der Natur dasjenige Geschlecht, das Leben gebiert – und damit die Schöpfer(innen)rolle inne hat. Denn sie ist diejenige, die Leben erschafft und gebiert. Das Männliche dagegen ist das Geschöpf. Dem geht Lothar Beck nach, indem er z.B. auf die ursprünglichen Jahwe-Traditionen verweist, in der Jahwe vor seiner patriarchalen Umformung ein Regengott und der Sohngeliebte der Aschera war. Er verweist auf die Göttlichkeit der Natur und die Natürlichkeit Gottes. Nichts kommt von oben, alles kommt von unten, von der Erde, und kehrt wieder zur Erde zurück. Humanität kommt von Humus und Mutterliebe aus der Materie. Im Humus sind Leben und Tod integriert. Zur Humanität gehört auch der Humor als Ausdruck der Lebensfreude und des Lachens. Die Wurzel „Mt“ steht für „Mut“ und „Mutter“. Die Natur ist die Mutter der Menschlichkeit und die Menschlichkeit die Möglichkeit der Natur. Die Mutterlinie (Symbol hierfür ist der Baum, s. auch Weltenbaum; Terebinte, Zeder und Palme waren im alten Israel göttliche Sinnbilder) und die Mutterliebe waren der Kern der matriarchalen Gesellschaft. Im Gegensatz zu heute, in der der Frau viel zu oft der Löwenanteil der Verantwortung für die Erziehung aufgebürdet wird, gab es im Matriarchat viele Mütter und Mutterbrüder, die sich um die Kinder gekümmert haben. Das stimmt auch mit den Erkentnissen des Buches „Die Wahrheit über Eva“ überein. Bindungsfähigkeit war zentral, um das gute Gelingen der Gemeinschaft zu garantieren, ebenso (Hoch-)Sensibilität. Wohin die Abwertung der sogenannten Softscills und der (unterbezahlten, wenn überhaupt bezahlten) humanitären Berufe in einer patriarchalen Gesellschaft führt, erfahren wir tagtäglich. Das Rautennetz ist Symbol für das Lebenskontinuum, den planetarischen Lebenszusammenhang. Die/der Einzelne ist hierbei der Schnittpunkt in diesem Netz. Es gibt viele Glieder, aber es gibt nur einen einzigen Leib. Wenn ein Glied leidet, leiden alle. Wenn es einem Glied gut geht, freuen sich alle.  Göttin Bet: Bett, beten, Beet, bio (= Leben) gehören in diesen Zusammenhang. Diese Weltsicht ist uralt und war global verbreitet.

– Das matriarchale Weltbild ist naturgegeben zyklisch: Leben-Tod (mit verschiedenen Lebensaltern), Jahreszeiten, Mondzyklus – das alles steht auch in Zusammenhang mit der Frau, deren Menstruation sich z.B. in natürlicher Form dem Mondzyklus angleicht. Demenstsprechend nehmen Mond- und Fruchtbarkeitsaspekte der Göttin einen großen Raum ein. Die Jungfrau ist die selbstschöpferische Göttin. Eva ist im Hebräischen Heva/Chawwah, die „Mutter allen Lebens“. Freja heißt „Die Freie“, von ihr kommt „Frau“. Das Schwein (griechisch Hys) symoblisierte die Gebärmutter (griechisch Hystera) und damit die Urmutter Bet. Bärin als Göttinnentier und „gebären“ stehen ebenfalls in einem engen Zusammenhang. Holle galt als Mutter der Seelen. Sie verband laut Beck ihre urmütterliche Anderswelt mit der Natur und der Kultur. Später identifizierte man die geschöpfliche Welt mit dem solaren Heros der Göttin. Er war als ihr Sohn in den Jahreskreislauf eingebunden, auferstand im Frühling und erstarb im Herbst. Als Lichtkind wurde er an Mittwinter wiedergeboren. Der Heros erhielt von der Göttin den Apfel der Liebe und der Weisheit. Der Apfel ist ebenfalls ein matriarchales Symbol. Die Hecksen sind als Heckensitzerinnen die Grenzwächterinnen von Diesseits und Jenseits. Die Schnitterin sichelt zum Erntefest das Korn (s. auch Demeter als Korn- bzw. Fruchtbarkeitsgöttin/Göttin des Ackerbaus). Der Tod gehört zum Leben dazu. Die heilige Kommunio und die Wiedergeburt sind die wichtigsten Topoi der matriarchalen Sonnenfeste.

– Auch die ursprünglichen Ausformungen der germanischen Götter Wotan, Tyr und Thor sind matriarchalen Usprungs. Wodan war wie Dionysos und Cernunnus ein Mondsohn. Die transalpinen Mondsöhne wurden mit dem Hirsch und dem Geweih identifiziert. Sie waren die Geweihten der Bet. Im alten Orient waren das El, Baal oder Jahwe, die im Stierkalb dargestellt wurden. Der Stier ist ebenfalls ein matriarchales Tier. Ihre Priester waren die Gehörnten der Mondgöttin. Die Mondsöhne stehen unter dem Schöpfungsprimat des Weiblichen-Mütterlichen und verkörpern die Sohnschaft des Männlichen. Thor/Donar (Donnerstag) ist stark und hat die Aufgabe, die Erde für’s Keimen und Fruchttragen vorzubereiten und alles Steinharte und das Eis zu zerkleinern. Er ist Gärtner und Bauer. Für diese Aufgabe hat er von der Erdmutter den Hammer geliehen bekommen. Der Wetzstein in seinem Kopf erinnert ihn, dass Mühsal und Arbeit zum Leben gehören und die Naturmächte nicht etwas sind, das man(n) endgültig besiegt. Ohne den Wetzstein ergibt er sich dem Schlaraffenland und lässt die Polkappen schmelzen: Thors Torheit. Arbeitspausen, Musestunden und Arbeit wechseln natürlichwerweise miteinander ab. Wodan/Odin (Whednesday, Mittwoch) ist der Mystiker, der Seelenmann unter den transalpinen Söhnen. Er ist Waldmann und Poet und liebt die Weitherzigkeit. Er ist der kreative Geist (od, odem odin), dessen Inspiration uns mit seinem von der Göttin geliehenen Speer trifft. Er begleitet am Ende des Jahres mit Göttin Percht die Seelen der Verstorbenen in die Anderswelt. Er untersucht, forscht und sammelt. Das Opfer eines seiner Augen bewahrt ihn davor, seine beiden Augen nur der Außenwelt zuzuwenden: Wodans Wahn. Er braucht sowohl Außen- als auch Innensicht, um weise zu sein und alles ganzheitlich zu sehen. Er verbindet so seine Forschungen mit Seele und sieht im natürlichen Gegenüber ein gleichwertiges Subjekt. Er ist der Wanderer zwischen den Welten. Tyr/Ziu  (Tuesday, Dienstag), sprachverwandt mit Zeus, Deus, Theos, schlichtet bei Konflikten und versöhnt bei Verletzungen. Er soll den Frieden richten, heilen und den Zusammenhalt in den Familien stärken. Von der Göttin hat er dafür die Scheide (Calibur) mit dem heiligen Schwert geliehen bekommen, um es als Mahnung zwischen die Parteien zu legen. Nur der Friedensstifter kann das Schwert aus der Scheide ziehen (Ex-Calibur). Erst bei Einigung der zerstrittenen Parteien steckt er das Schwert wieder in die Scheide. Durch die Forderung, das mühselige Schlichten durch schnelle Richtersprüche zu ersetzen, ein Machtwort zu sprechen, griff er schließlich selbst zum Schwert und wurde so zur Bedrohung für das Matriarchat und Verfechter der patriarchalen Ordnung mit totalitärem Anspruch. Er beanspruchte jetzt für sich, Schöpfer zu sein, Gesetzgeber und allmächtiger Herr der Geschichte: Zius Zwang. Deshalb hat er seine schlagende Rechte dem Fenriswolf, dem Schöpfertier, geopfert. So weiß er, dass seine Macht endlich und er sterblich ist. Frieden kann nur durch den langen Prozess der Liebe gewahrt werden: kennenlernen, zuhören,  verstehen, verhandeln, sich einigen. Werden die drei Mondsöhne von ihrem mütterlichen Ursprung getrennt, werden sie zur Gefahr für die Welt.

– Jesus übt durch seine Praxis eine durchgehende Kritik an der patriarchalen Ordnung. Er steht als matriarchaler Sakralkönig, Frauengesalbter und damit der Göttin Geweihter, für die matriarchale Basilea und in Opposition zur patriarchalen Ordnung. Er identifiziert sich mit der emotionalen Perspektive des Opfers: „Was ihr einem der Geringsten getan habt, habt ihr mir getan.“ Das entspringt dem natürlichen Interesse am Gegenüber und dem natürlichen Wunsch, dessen Not zu lindern. „Sie fordert immer den Täter und sein System heraus, entlarft ihn und greift ihn an.“ Er ist ein Erneuerer und Neubergründer der ursprünglichen Ordnung. Er ist Muttersohn und Menschensohn bzw. Erdsohn (Ben-Adam) und nicht Gott. Maria Magdalena wurde im Zuge des Patriarchats ihrer sakral-religiösen Bedeutung beraubt.

– Beck kommt zu folgender Erkenntnis für die spätpatriarchale Kleinfamilie, v.a. für die Frau dieser Familie: „Die spätpatriarchale Kleinfamilie ist die am stärksten wirtschaftlich ausgebeutete und unter Stress gesetzte Lebenseinheit. In ihr steht v.a. die Mutter sehr unter Druck. Der Stress der Kleinfamilie setzt sich aus vielen alltäglichen Stressoren zusammen, die in ihrer Gesamtheit die Grenze bio-psycho-sozialer Belastbarkeit erreicht haben.“ Diese Stressoren, v. a. für die Frauen, füllen bei Beck seitenweise sein Buch… Corona hat das auch nach außen hin sichtbar gemacht und noch verschärft, da die Familien wieder ( bzw. noch mehr als sonst) in traditionelle Rollenbilder abgerutscht sind. Er bringt diese Erkenntnisse auf den Punkt.

Beck kombiniert in kluger und nachvollziehbarer Weise die transalpinen Göttinnensöhne mit dem orientalischen Göttinnensohn Jesus. Er arbeitet umsichtig die matriarchalen Ursprünge der Bibeltexte in Bezug auf Jesus heraus. Er ergänzt sie ganzheitlich durch das matriarchale Weltbild, sodass sich matriarchale Ursprünge, die noch in Ansätzen in der Bibel vorhanden sind, zu einem runden Ganzen zusammenfügen. Er verlegt den Gotthelf (Jesus) nach Deutschland, nach Schwaben und lässt ihn im schwäbischen Dialekt (wie ursprünglich im aramäischen Dialekt) reden, um so seine Relevanz auch für Deutschland und in der aktuellen Zeit hervorzuheben. Er verbindet demzufolge die aktuelle Zeit mit ihren Problemen, Aktionen, Protesten auch immer wieder mit der Bibel. Außerdem stellt er immer wieder Jesu‘ Bezug zu den Frauen heraus: die Frauen salbten ihn, förderten ihn (auch durch finanzielle Mittel), waren Jüngerinnen, Priesterinnen, gaben ihm ein Zu-Haus-e (Basilea), waren im Tod und bei seiner Auferstehung bei ihm. Er wurzelte in ihnen. Beck stellt das Mutterland dem Vaterland gegenüber, z.B. heilsame Ganzheitlichkeit mit dem Zentrum der Liebe gegen Zergliederung und Pervertierung, Dämonisierung, Unmenschlichkeit, Naturfeindlichkeit. Beck stellt mit seinen Erkenntnissen über das Matriarchat und die behutsame Umformulierung der Mythen das soziale Miteinander und Verhalten, sowie Naturverbundenheit ins Zentrum (ähnlich wie in „Wahrheit über Eva“, in der die Jäger-und Sammlergemeinschaften nur durch dieses überhaupt überlebt haben). Damit hat sein dieses Jahr erschienene Buch angesichts der Klimakatastrophen und der zunehmenden Unmenschlichkeit höchste Aktualität!

Fazit

Höchst aktuelles Buch über matriarchale Ganzheitlichkeit in Verbindung mit den Mondsöhnen Wodan, Tyr, Thor und Jesus, das die heutigen Probleme und die heutige Welt mit den Mythen verbindet und die Mythen, sowie die Bibel im Sinne einer matriarchalisch liebevollen, ganzheitlichen Denkweise behutsam und ursprungsnah umformuliert.


Illustrated by Europa Verlagsgruppe