
Viva l´Anarchie!
Viva l´Anarchie. Die zumindest theoretische Möglichkeit, dass sich der spanische Anarchist Buenaventura und der ukrainische Aufständische Nestor Machno tatsächlich in Paris getroffen haben, besteht. In vorliegendem Comic von Vater und Sohn Loth versammeln sie sich an einem Tisch und diskutieren die Zukunft der Anarchie. Ein politischer Comic ohne Zeigefinger.
Die Anarchisten der Zwanziger und Dreißiger Jahre
Die legendäre Machnowschtschina (1917 bis 1921, eigentlich von den Trotzkisten abschätzig verwendete Bezeichnung) bestand nach dem bolschewistischen Oktoberputsch in Teilen der heutigen Ukraine und lehnte sich gegen Zentralismus und Kriegskommunismus auf. Aber Nestor Machno musste fliehen, da seine Bewegung sowohl gegen die Angriffe von Außen durch die Roten als auch die Weißen und im Inneren gegen die Kosaken nicht bestehen konnte. Leo Trotzki als Führer der Roten Armee schlug die Machnowschtschina nieder. Es hätte also – weiterhin theoretisch – die Möglichkeit bestanden, dass Durruti aus den Erfahrungen Machnos für den bevorstehenden spanischen Bürgerkrieg (1936-39) etwas lernen hätte können oder sogar gelernt hat. Beide “Experimente” scheiterten ohnehin, Spanien auch deswegen, weil sich die konsolidierte Sowjetunion in den Bürgerkrieg einmischte.
Viva l´Anarchie: Freiheit ohne Gewalt
“Das Vaterland, aber auch die Religion, die vermeintliche Identität der Menschen, all diese Illusionen führen zum Krieg“, bemerkt die Anarchistin Galina Kouzmenko am Tisch zu Durruti und Machno, denn eigentlich steht der Anarchismus für Gewaltfreiheit und Herrschaftslosigkeit (“An” als Verneinung von “Archia“). Was viele von der Bewegung inspirierte Idealisten allerdings nicht vom Bombenlegen abhielt. Denn allein durch Diskussionen verändert sich bekanntermaßen nichts. Obwohl natürlich die Revolution im Kopf beginnt, wie die Anarchistin Galina es ausdrückt: “Durch Bildung!” Galina Kouzmenko war während der Machnowschtschina Ministerin für Bildung und gerade einmal 35 Jahre alt. Doch dies ist ein langwieriger Prozess, für den es viel Geduld bedarf. Der zweite Band von Viva L’Anarchie! ist ebenfalls bereits erschienen und setzt die spannenden Erzählungen von Machno und Durruti fort. Letzterer führte als “Propagandaktionen” bezeichnete Banküberfälle durch, um die anarchistische Bewegung zu unterstützen, bevor er im Spanischen Bürgerkrieg eine wichtige Rolle spielte. Viva l´Anarchie ist eine interessante Begegnung für lange Diskussionsabende am Küchentisch. Dort wo die meisten Rebellionen und Revolutionen geboren werden und – sterben.
Bruno Loth, Corentin Loth
Viva l´Anarchie
1. Buenaventura Durruti und Nestor Machno
Aus dem Französischen von Maria Rossi
2024, Hardcover mit Fadenheftung, 23 • 30cm, 80 Seiten
ISBN 978-3-903478-33-6
Bahoe Books
€ 22,00


Das Ende der Demokratie. “Werden die Gangs die Welt beherrschen?” Bereits in der 2. Auflage aufgrund der hohen Nachfrage: wen wundert’s? Die aktuelle Lage lässt durchaus an die Zwanziger und Dreißiger Jahre des vergegangenen Jahrhunderts denken. Nur dass das Problem nicht mehr nur Deutschland betrifft, sondern bereits die ganze Welt. Die Demokratie ist international in Gefahr.
Anthropoid. Reinhard Tristan Eugen Heydrich war einer der Hauptorganisatoren des Holocaust und 1941 als stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren für zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich. Als er am 27. Mai 1942 in Prag bei einem Attentat tschechoslowakischer Widerstandskämpfer starb, wurden die Massaker von Lidice und Ležáky vom NS-Regime als Racheakte verübt.
Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat. Mit einem neuen Kapitel. Das schon 2023 zum Bestseller avancierte Sachbuch des außenpolitischen Korrespondenten der ZEIT wird 2024 mit einem neuen Kapitel zur Stabilität von Putins Herrschaft nach dem Aufstand und Tod Prigoschins neu aufgelegt. Michael Thumann ist einer der besten Russlandkenner und lebt in Moskau.



scheint wirklich zu viel verlangt zu sein, darüber hinaus noch eine Perspektive zu entwerfen. Schließlich wird das Feld der politischen Spannung, der hegemoniale Diskurs, längst von den Rechten bestimmt, und das nicht erst seit der Pandemie.
Prominente Männer wurden von Torsten Körner schon oft beschrieben, von Heinz Rühmann über Beckenbauer zu Willy Brandt gibt es Biografien. Dabei ist als Beifang so viel Material über in der bundesdeutschen Politik aktive Frauen zusammengekommen, dass es nun ein eigenes Buch brauchte. Es erschien 2020, inzwischen gibt es auch den Film Die Unbeugsamen, der im Mai 2021 herauskam.

Besondere Anlässe braucht Helga Schubert nicht, die Geschichten sind alle schon da und werden durch eine Beobachtung, eine Begegnung, ein Datum oder eine Zeile freigesetzt und aufgeschrieben. „Wenn ich betrachte, dann muss es um mich herum still sein. Es muss auch in mir still sein. Denn ungehindert dringt das Gemälde, das Menschengesicht, das Gedicht in mich und sagt zu mir: Sieh mich an, höre mir zu, lass dich anrühren, lass dich erinnern an alles, was du schon weißt, was dich erschüttert hat“.
11. September 2001: 20 Jahre nach 9/11 („diese aus der US-Schreibweise des Datums zum Symbol geronnene Chiffre“) ist das Ereignis, das den Beginn des 21. Jahrhunderts markiert, tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, schreibt auch der Autor, seines Zeichens Amerikanist und Professor für Zeitgeschichte. In der Reihe „100 Seiten“ des Reclam-Verlages hat er eine bündige Lektüre verfasst, die sich mit allem um 911 beschäftigt, also sowohl der Vor- als auch der Nachgeschichte.




Selbstverteidigung – Eine Philosophie der Gewalt. In ihrem Prolog zum Buch stellt die Philosophie-Professorin eine Foltermethode des beginnenden 19. Jahrhunderts den Geschehnissen um die Ermordung von Rodney King durch das LAPD im 20. Jahrhundert gegenüber. In beiden Fällen galt, dass je mehr sich der „Delinquent“ wehrte, desto mehr wurde er geschlagen oder gefoltert. Der Prozess um die Polizisten endete mit einem Freispruch. Rodney King hatte sich verteidigt, doch indem er sich verteidigte, wurde er unverteidigbar. Der Inhalt des Zeugen-Videos wurde in seiner Bedeutung einfach umgedreht. Schuldumkehr.