Ein Tag wird kommen

Mit persönlichem Bonus

«Ein Tag wird kommen», der erste auf Deutsch erschienene Roman der jungen italienischen Schriftstellerin Giulia Caminito, ist von der eigenen Familiengeschichte inspiriert. Ihr Urgroßvater war Anarchist und liefert damit die Vorlage für einen der beiden Protagonisten dieses politisch geprägten Romans. Den religiösen Widerpart dazu bildet als ebenfalls historische Figur die aus dem Sudan verschleppte Zeinab Alif, sie hatte als Nonne den Namen Maria Giuseppina Benvenuti angenommen, das Volk nannte sie nur La Moretta. Die Erzählung mit dem neugierig machenden Titel ist in der italienischen Region ‹Marken› angesiedelt und schildert das Leben der vom Unglück verfolgten Familie des Bäckers Luigi Ceresa in der kleinen Ortschaft Serra de’ Conti. Den historischen Hintergrund bilden Anfang des 20ten Jahrhunderts Ereignisse wie der Erste Weltkrieg, die anarchistische Bewegung von Errico Malatesta und das Aufkeimen des Faschismus unter Mussolini.

Ein Roman über zwei ungleiche Männer, zum einen der kämpferische Anarchist Lupo, dem die Autorin allegorisch gleich zu Beginn den auf dem Titel abgebildeten Wolf zugesellt. Der von ihm verletzt aufgefundene und großgezogene Welpe wird, symbolisch leider deutlich überzogen, ‹Cane› genannt, künftig sein treuer Begleiter. Zweiter Protagonist ist sein schwächlicher und ängstlicher Bruder Nicola, der zum Arbeiten absolut nicht taugt. Die ungleichen Brüder lieben sich inniglich, sie bilden ein unzertrennliches Paar mit dem Kraftprotz Lupo als unermüdlichem Beschützer, der seinerseits von der Bildung des introvertierten jüngeren Bruders profitiert. Im Prolog legt Nicola das Gewehr auf Lupo an und schießt, ein gekonnt Spannung erzeugender Beginn, dem allerdings eine anfangs ziemlich verwirrende Geschichte folgt, die erst ab der zweiten Buchhälfte geläufiger lesbar wird. In getrennten Handlungsfäden wird, mit diversen Rückblenden und Vorgriffen, die Geschichte der Familie Ceresa erzählt, die in ärmlichsten Verhältnissen lebt. Nach vielen Totgeburten sind dann auch noch zwei ihrer überlebenden fünf Kinder früh gestorben, außer den beiden Söhnen gibt es nur noch die rebellische Nella, die aber als junges Mädchen ins örtliche Kloster gehen musste. Hinter all dem verbirgt sich, das wird dem Leser schon bald klar, ein düsteres Familiengeheimnis, auf das ja schon der Buchtitel hindeutet.

In dieser elegischen Geschichte der Hungerleider geht es sehr rau zu, alle fristen ihr karges Dasein in dem zutiefst ungerechten Halbpächter-System Italiens. Der Widerstand gegen dieses verhasste Relikt aus feudalen Zeiten eskaliert in der «Settimana Rossa», den Unruhen und Streiks in Ancona im Juni 1914, an denen auch Lupo in vorderster Front beteiligt ist. Sein Bruder Nicola wird als 1899-Geborener blutjung in den sinnlosen Krieg geschickt, dessen Grauen die Autorin eindrucksvoll schildert. Ebenso eindrücklich sind die Beschreibungen des Klarissinnen-Klosters, in dem die unglückliche Nella wie eine Gefangene lebt. La Moretta hat dort als Äbtissin unerbittlich ein strenges Reglement etabliert, zu dem besonders das unbedingte Schweigegelübde gehört, aber auch die ausnahmslose Klausur. Was der Krieg nicht geschafft hat, das vollendet die Spanische Grippe, die weite Teile der Bevölkerung dahinrafft und ganze Landstriche entvölkert, weitaus schlimmer als das, was wir zur Zeit mit Corona erleben.

Diese in dreizehn Kapitel sowie Prolog und Epilog gegliederte Geschichte wird in einer dem freudlosen Geschehen angepassten, schlichten Sprache erzählt, wobei die verwendeten Metaphern manchmal alles andere als überzeugend sind. Vom Plot her reizvoll ist der gut herausgearbeitete Gegensatz zwischen politischer Anarchie und naivster Religiosität. Der Roman erscheint thematisch jedoch ziemlich überfrachtet, Giulia Caminito hat sich regelrecht verzettelt mit ihrem multi-thematischen Sujet. Wer lange in den ‹Marken› gelebt hat wie ich, wird ihr das aber, als persönlicher Bonus quasi, gerne nachsehen.

Fazit: lesenswert

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Genre: Roman
Illustrated by Wagenbach

LTB Kochbuch – Einfach lecker! 15 Comics und Rezepte

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London, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: “Die kulinarische Weltreise” – in 6 Teilen – wird für Onkel Dagobert alias Lord Dagobert D. Duckby (Besitzer des Lokals “Die goldene Gans”) und Franz Gans alias Fancois Gourmet (Pariser Koch der “Goldenen Gans”) nicht nur zu einem Abenteuer, sondern auch zu einem kulinarischen Highlight. Zu verdanken haben sie diese Weltreise der Wette mit Klaas Klever alias John K. Klever (Besitzer des Restaurants “Neue Gabel”, Konkurrenz der “Goldenen Gans”). Duckby verspricht, in einem Monat alle Kontinente zu besuchen und von dort je ein landestypisches Rezept mitzubringen. Diese sollen in Duckbys Restaurant nach Ablauf der Reise serviert werden. Werden die beiden es schaffen oder bringen die Schwierigkeiten der Reise sie zu Fall?

Ein “Umwerfender Geschmack” verursacht bei Gundel Gaukley einen Ohnmachtsanfall.

Einen “Kochkurs im Chateau Baguette” soll Mickey nach Wunsch seiner herzallerliebsten Minnie absolvieren, damit ihr Verlobter die Feinheiten der gehobenen Küche kennen und schätzen lernt. Allerdings artet der Kochkurs in detektivische Detailarbeit aus, als eine mysteriöse Gestalt des Nachts im Chateau herumschleicht.

Diese deutschen Erstveröffentlichungen und 7 weitere schon in LTBs veröffentlichte Geschichten verbinden einen spannenden und lustigen Inhalt mit einem schmackhaften Rezept. Natürlich spart auch dieses LTB nicht mit Anspielungen z.B. auf Weltliteratur wie z.B. “In 80 Tagen um die Welt” oder musikalische Größen wie die Rolling Stones. Die Anspielungen in dem LTB machen sie nicht nur für Kinder, sondern auch für erwachsene Fans spannend.

Ebenfalls interessant ist auch die letzte Geschichte des Buches “Zu gut getarnt”, in der die Panzerknacker zur Tarnung eine Straßenküche aufmachen, um die gegenüberliegende Bank auszuspionieren. Daraus entwickelt sich ein florierendes, legales Geschäft. Eine scheinbare Nebensache kann also zur Glück (und Geld) bringenden Hauptsache werden, wenn man es denn zulässt.

Aber auch “Die wichtigste Zutat” vermittelt eine Botschaft: Nicht sterile, komplizierte und hochstylische Küche ist bei den Menschen gefragt, sondern mit Liebe Gekochtes und Gebackenes, mit dem man gute Erinnerungen verknüpft.

“Mit allen Tricks” zeigt, dass gute Küche nicht zum (nachbarschaftlichen) unguten Wettkampf ausarten, sondern tatsächlich Menschen miteinander verbinden sollte.

“Am Anfang war der Mais” erzählt, wie eine Stadt dank eines Lebensmittels floriert. Das spielt auf andere Städte wie z.B. das rheinland-pfälzische Schifferstadt mit seinen Rettichen (und der dazugehörigen Rettichkönigin) an, vermittelt aber v.a. den Wert von Lebensmitteln und propagiert den ganzheitlichen Zugang zu solchen, um sie wertschätzen zu können. Sie erinnert aber auch an die alte Praxis, Nahrung (Samen u.Ä.) für schlechte Zeiten aufzubewahren, und  an die weltweit einzige Sauerteigbibliothek.

Neben all diesen genussfreudigen Geschichten hat die Redaktion aber auch gute, schmackhafte und größtenteils leicht zuzubereitende Rezepte zu den Geschichten ausgesucht, die v.a. vegetarisch sind. Süßspeisen dürfen neben all dem Gesunden aber auch sein. Mein Sohn und ich haben die meisten der Rezepte schon nachgekocht und finden sie sehr schmackhaft. Für meinen Sohn, der von jeher kein besonders guter Esser war, bedeuteten diese Rezepte aber auch, dass sie mit seinen Liebelingsfiguren verknüpft sind, was das Essen für ihn besonders interessant macht.

Damit erfüllen die Geschichten und Rezepte eine sehr wichtige Funktion: Sie führen Kinder an gesunde Nahrung heran und begeistern sie für diese – auch solche wie meinen Sohn, die für Essen normalerweise nicht viel übrig haben.

Fazit: Die gelungene Verbindung von spannenden Geschichten rund ums (v.a. gesunde) Essen und dazugehörigen schmackhaften und meist leicht nachzukochenden Rezepten liefern nicht nur Lese- sondern auch Gaumengenuss für die ganze Familie und einen schönen Zugang zum Umgang mit Lebensmitteln. Die Idee ist zwar für das LTB nicht neu, darf aber ruhig aufgrund der guten Eigenschaften zum Klassiker ausgebaut werden.

 


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Aus der Zuckerfabrik

Unikat der Postmoderne

Das dritte Buch von Dorothee Elmiger mit dem Titel «Aus der Zuckerfabrik» verdeutlicht durch die fehlende Genrebezeichnung die Probleme bei der Definition der Gattung Roman. Bei Wikipedia wird dieses Buch nonchalant als ‹Roman› klassifiziert, eine literarische Form, die von Georg Lukács als «Ausdruck der transzendentalen Obdachlosigkeit» bezeichnet wurde, die Schweizer Autorin selbst hat ihr Buch als Recherchetagebuch bezeichnet. Auf potentielle Leser kommt also ein ungewöhnliches, verwirrendes Stück Prosa zu, soviel sei vorab schon mal gesagt.

Als Leitthema fungiert, dem Buchtitel entsprechend, der Zucker als Metapher für Begehren und Genuss, die Zuckerfabrik dient als Sinnbild der Gesellschaft. Ferner sind Gewalt, Kolonialismus, Ökonomie, Verteilungsgerechtigkeit, Glückssuche, Sexismus und anderes mehr markante Themen dieses konsequent abstrakt bleibenden, literarischen Sammelsuriums. Aber auch die Literatur ist, oft mit längeren Zitaten, breitgefächert vertreten. Peter Kurzeck wird genannt und Max Frisch, aber auch Joseph Roth, Marie Luise Kaschnitz oder Heinrich von Kleist. Zu den absonderlichen Geschichten, die häufig wiederkehrend im Buch thematisiert werden, gehört auch die des ersten Schweizer Lottokönigs von 1979 Werner Bruni. Der Titel seines Buches «Einmal Millionär und zurück» veranschaulicht besonders deutlich die Gedanken von Dorothee Elmiger zum Thema Geld. Mit Ellen West wiederum, berühmte Patientin des Schweizer Psychiaters Ludwig Binswanger, wird das Thema Suizid aufgegriffen, und der Russe Vaslav Nijnsky schließlich steht als begnadeter Tänzer für Ruhm, aber auch für ein tragisches Ende in geistiger Umnachtung. Die im Buch durch Karl Marx und Adam Smith vertretene Ökonomie wird, ihre Maßlosigkeit betreffend, mit einer köstlichen, filmreifen Szene beschrieben: Während einer Teestunde nimmt Adam Smith, ganz in Gedanken verloren, ein Stück Zucker nach dem anderen aus der Zuckerschale und isst es auf, bis die verstörte Gastgeberin die Schale vom Tisch nimmt und in Sicherheit bringt.

All diese vielen Textfragmente sind scheinbar ziemlich zusammenhanglos aneinandergereiht, ihr tieferer Sinn erschießt sich oftmals nicht. Die Ich-Erzählerin, in der die Autorin unschwer zu erkennen ist, gibt offen zu, sie sei nicht in der Lage, «ihr Material in eine Erzählung zu fügen». Man hat es quasi mit einem prall gefüllten Zettelkasten in Buchform zu tun. In dem sind weder Zeit noch Ort konkret fassbar. Von allen Zwängen befreit, wie die Grübeleien ihrer phantasiebegabten Schöpferin auch, werden vielmehr in wilden, unkoordinierten Sprüngen mühelos sämtliche realen Dimensionen überwunden. Was hier erzählt wird sind Schnappschüsse und Szenen aus den Gedanken und Visionen einer Schriftstellerin, die sich verzweifelt bemüht, die Gegenwart zu verstehen. Dabei landet ihre Ich-Figur erzählerisch sehr häufig in einem «Gestrüpp», Sinnbild für Weglosigkeit und Unbehaustheit.

Dieses Buch ist eine berührende Anklage gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit und die unvermindert anhaltenden, eklatanten Fehlentwicklungen des 21ten Jahrhunderts. Sprachlich umgesetzt wird dieses Lamento durch ein brüchiges, inkonsistent erscheinendes Narrativ mit einer ausgesprochen eigenwilligen Syntax, die durch häufige fremdsprachige Einsprengsel und Zitate noch zusätzlich sperriger wird. Allein die sechs Seiten mit Quellenangaben zeugen davon, dass von flüssigem Lesen in diesem Buch wahrlich nicht die Rede sein kann. Dass die Autorin sich dieser Schwierigkeiten bewusst ist, wird an mehreren Stellen deutlich. Während sie am Schreibtisch sitze, sagt die Ich-Figur einmal selbstreflexiv, passiere gleichzeitig um sie herum alles Mögliche, «und das muss dann natürlich alles auch erzählt werden, weil das ja die Bedingungen sind, unter denen der Text entsteht». Kaum vorstellbar, dass diese experimentelle Prosa, ein Unikat der Postmoderne, den diesjährigen Frankfurter Buchpreis gewinnt, – aber man soll ja nie Nie sagen!

Fazit: lesenswert

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Illustrated by Hanser Verlag München

Was Nina wusste

Der Whisky bringt’s

Der neue Roman «Was Nina wusste» von David Grossmann basiert auf der Lebensgeschichte der kroatischen Kommunistin Eva Panic-Nahir, die als jüdische Partisanin zusammen mit ihrem serbischen Mann gegen die Nazis gekämpft hat. Als das Tito-Regime sie später als Stalinisten verfolgte, beging ihr Mann im Gefängnis Selbstmord, sie selbst wurde zur Umerziehung auf die berüchtigte Insel Goli Otok gebracht. Im Roman ergänzt der Autor diese Fakten vor allem durch psychologische Tiefenlotungen seiner Figuren, er entwickelt in seinen fiktionalen Ergänzungen detaillierte Psychogramme von ihnen, Freudianer dürften begeistert sein.

Vera, zentrale Figur des Romans, feiert im Kibbuz ihren 90ten Geburtstag. Ihre Tochter Nina, die ihr geradezu feindlich gegenübersteht und mit der sie seit vielen Jahren kaum Kontakt hatte, kommt von einer Insel am Polarkreis angereist, auf die sie sich in ihrer Weltflucht zurückgezogen hat. Die 39jährige Enkeltochter Gili, die wie ihr Vater Rafi beim Film arbeitet, hat beschlossen, die Feier filmisch zu dokumentieren, anschließend sollen alle gemeinsam nach Kroatien reisen, zu den Stätten von Veras Geschichte. Es geht dabei um die Leerstellen in deren Vita, vieles ist rätselhaft geblieben. Denn sie hatte sich, als sie von der Geheimpolizei verhört wurde, strikt geweigert, ihren toten Mann als stalinistischen Verräter zu denunzieren, was ihr die Freiheit gebracht hätte. Man hatte ihr angedroht, dass ihre sechseinhalbjährige Tochter Nina unbetreut auf der Strasse landen würde, wenn sie nicht unterschreibt. Aber Vera blieb stur, ihr verstorbener Mann war die große Liebe ihres Lebens, ihn zu verraten wäre für sie gleichbedeutend damit, ihr eigenes Leben auszulöschen, er war nun mal ihr Ein und Alles. Nina hat diese Entscheidung niemals akzeptiert, sie wurde zu einer schwierigen Einzelgängerin, hat sich von ihrer Familie gelöst und ist entwurzelt in der Welt herumvagabundiert, jahrelang war sie unauffindbar. Auf der Feier offenbart die total verbitterte Nina plötzlich, dass sie seit einigen Monaten unheilbar an Demenz erkrankt ist. Sie bittet, die Dokumentation über Veras Leben perspektivisch in einen Film für die ‹Demente Nina› abzuändern, so als würde man alles nur der erzählen. Später könne man der Patientin immer wieder mal diese Aufnahmen vorspielen, um sie in die reale Welt zurückzuholen.

Es ist ein weites Feld, das David Grossmann da bearbeitet, mit der Liebe in den verschiedensten Intensitätsgraden als zentralem Thema vor dem Hintergrund der Verwerfungen des 20ten Jahrhunderts. Krieg, Nationalismus, Völkermord, Kommunismus, Diktatur, Verbannung, Holocaust und Zionismus sind Themen, die in den Plot hineinwirken und die Schicksale seiner Figuren bestimmen. In all dem schrecklichen Geschehen sind es die Frauen dreier Generationen aus dieser Familie, die beherzt gegen die politischen Pressionen ankämpfen, allen voran Vera. Mit viel Empathie gelingt es dem israelischen Autor, seine Protagonisten menschlich überzeugend zu beschreiben, eine beinahe vorbehaltlose Nähe des Lesers zu ihnen herzustellen. Vieles erschließt sich in dieser Geschichte aus den Dialogen, bei denen besonders Veras kroatisch/jüdisch gefärbtes Idiom ebenso zum Schmunzeln reizt wie ihre eigensinnige, manchmal verblüffende Sicht der Dinge. Was Vera im Roman nur zögernd preisgibt, ihr vermeintliches Geheimnis, ist genau das, «Was Nina wusste», wie ja schon der Titel verrät.

Es ist nicht weniger als eine zutiefst moralische Frage, die dieser Roman aufwirft. Ist Veras Entscheidung vertretbar, die Ehre ihres – ja bereits toten – Mannes höher zu bewerten als die schlimme Zukunft, die ihre alleingelassene Tochter in einem mörderischen System zu erwarten hat? Leider gelingt es dem Autor nicht, sein schwieriges Thema ohne Pathos zu behandeln, was erheblich stört beim Lesen. Und wirklich peinlich wird es, wenn am Ende das Trauma einer jahrzehntelangen Entfremdung einfach mit einer Flasche Whisky hinweg gespült wird.

Fazit: mäßig

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Genre: Roman
Illustrated by Hanser Verlag München

Arte 2

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“Ich verstehe, was du sagst. Aber du bist anders als wir. Du bist eine Frau.” Angelo

Arte hat den Auftrag bekommen, die reiche Kurtisane Veronica zu malen. Diesen Auftrag erfüllt sie gerne, denn Veronicas Intelligenz und Liebenswürdigkeit haben sie tief beeindruckt. Aber sie merkt schnell, dass Veronicas Beruf auch Schattenseiten hat. Zum einen darf sich eine (Edel-)Kurtisane nicht verlieben, wenn sie in ihrem Beruf weiterhin erfolgreich sein will. Veronica zeigt Arte als abschreckendes Beispiel eine Kollegin, deren tiefen Fall sie einem Mann zu verdanken hatte, der ihre Liebe nicht zu schätzen wusste. Zum anderen verursacht dieses Liebesverbot nicht nur ständige Distanz zu Männern, sondern auf Seiten der Männer Leid, wenn diese sich in die Kurtisane verlieben. Und Kaltblütigkeit, denn Veronica muss diese Liebe für ihr Auskommen nutzen, solange sie nicht verblüht ist. Artes mitfühlendes Herz verkraftet diese Kaltblütigkeit nicht, weswegen sie vorerst mit Veronica bricht.

“Mann oder Frau – das interessiert mich nicht. Um Malerin zu werden, brauche ich die gleiche Ausbildung wie ihr. Vielleicht muss ich sogar mehr tun.” Arte

Stattdessen will sie erneut versuchen, Angelos Meister dazu zu überreden, dass sie seine Statuen skizzieren darf. Diesmal hat sie mit ihrer Energie und Hartnäckigkeit Erfolg. Aber der Meister scheint Unmögliches von ihr zu verlangen: Sie muss zehn schwere Säcke quer durch die Werkstatt tragen. Niemand traut ihr das zu, aber Artes Wille ist ungebrochen und sie schafft das Unmögliche. Der Meister hält sein Versprechen.

“Mädchen kosten nur Geld. Ein Junge könnte mir wenigstens zur Hand gehen.” Dacias Vater

Außerdem freundet Arte sich mit Dacia an, die zunächst nicht gut auf Arte zu sprechen ist. Die arme, aber disziplinierte Näherin kann nicht verstehen, dass Arte als Adlige freiwillig arbeitet, während sie sich mühsam ihre Aussteuer zusammensparen muss, um überhaupt eine Chance auf Heirat zu haben. Als Näherin werden sie und ihre Kolleginnen von ihrem männlichen Vorgesetzen gnadenlos ausgebeutet. Eines Tages reicht es Dacia und sie beschwert sich lautstark bei ihrem Vorgesetzen. Die anderen tun es ihr gleich. Daraufhin lässt er die Näherinnen im Stich, gibt ihnen aber noch die gut bezahlten Aufträge, um die zornigen Frauen zu besänftigen. Allerdings kann keine der Frauen lesen, sodass Arte, die Dacias Ersparnisse gefunden und ihr zurückgebracht hat, diese Aufgabe übernimmt. Die Frauen sind von nun an ihr eigener Chef.

“Lasst euch das nicht einfach gefallen!” Arte

Der Manga zeigt vielerlei. Zum einen präsentiert er mit Arte, Veronica und Dacia (willens-)starke Frauen, die in einer Zeit, in der sie keinerlei Rechte haben, noch stärker sein müssen (auch körperlich) als Männer. Er zeigt auch an diesen weiblichen Beispielen Frauen aus unterschiedlichen Schichten, die allerdings alle aufgrund ihrer Rechtlosigkeit (die eigentlich schon den Status der Sklaverei inne hat) trotzdem das gleiche Schicksal teilen.

Zum anderen scheinen in den Situationen der Frauen auch heutige Frauenschicksale durch. Man denke nur an die Frauen in Indien, deren Eltern für die Aussteuer und Hochzeit aufkommen müssen. Mittlerweile ist die Mitgifttradition zwar verboten, aber es sterben deswegen in Form einer Brautverbrennung immer noch offziell ca. 6600 Frauen pro Jahr.

In westlichen Ländern ist die Unsitte, dass Frauen v.a. bei gleicher Arbeit deutlich weniger als Männer verdienen, immer noch verbreitet. Zudem werden sogenannte Frauenberufe von vorneherein schlechter bezahlt als die traditionell männlichen Berufe. Auch wenn die Frauenbewegungen und der Feminismus viel bewirkt haben – am Ende der Fahnenstange sind wir mit der Gleichberechtigung und v.a. der Gleichwertigkeit (eingeschlossen der gesellschaftlichen und finanziellen Anerkennung der Frau) noch lange nicht!

Dacia löst das Problem der Aussteuer, indem sie nicht mehr die Heirat (und damit die Abhängigkeit) in den Fokus ihrer Anstrengungen stellt, sondern ihr bisher gespartes Geld Arte gibt, die ihr dafür das Lesen beibringen soll. Nicht nur damit helfen sich die Frauen in dem Manga selbst. Somit sind wir bei der Bildung v.a. für Mädchen, um die es in ärmeren Ländern immer noch schlecht bestellt ist. Bildung aber bedeutet neben mehr Wissen und damit weniger Manipulierbarkeit in erster Linie Unabhängigkeit durch die Chance auf einen gut bezahlten Beruf. Das hat Dacia erkannt.

“Man muss genügend Aufträge haben. Und mit ihnen Geld erwirtschaften. Später wird das auch für dich wichtig werden.” Meister Leo zu Arte

Zu diesem sehr guten Manga gibt es auch einen Anime.

Fazit: Sehr gut gestalteter Manga, der vielerlei Ungerechtigkeiten in der Beziehung der Geschlechter aufzeigt, die leider auch heute noch aktuell sind.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Minnie&Daisy: Spy Power – Doppeltes Dilemma

 

Minnie freut sich: Endlich ist sie, wie ihre Freundin Daisy, an der begehrten Emil-Erpel-Universität angenommen worden! Schöne Zeiten stehen bevor, denn jetzt heißt es neben Studieren auch Partys feiern und neue Freunde finden. Aber Daisy wirkt überraschend distanziert, redet mit ihr nicht mehr über sich selbst und scheint stattdessen immer mehr Geheimnisse vor Minnie zu haben. Minnie beschließt herauszufinden, was mit ihrer Freundin los ist. Und gerät mitten hinein in einen Spionagefall. Weiterlesen


Genre: Comic, Roman
Illustrated by Egmont Ehapa

Kokoschkins Reise

Solitäre lakonische Diktion

Mit «Kokoschkins Reise» hat Hans Joachim Schädlich einen Jahrhundertroman geschrieben, nicht der Bedeutung nach, sondern inhaltlich. Der in breiten Leserkreisen kaum bekannte Schriftsteller schlägt darin zeitlich einen weiten Bogen, der die politischen Umbrüche und Katastrophen des Jahrhunderts in Europa abhandelt und schließlich sogar 9/11 mit einbezieht. In Anlehnung an die reale Figur des 1918 von Bolschewisten ermordeten, der Demokratischen Partei angehörenden Ministers Kokoschkin ist dessen fiktionaler Sohn Fjodor der Protagonist dieser Geschichte. Seine historische Tour d’Horizon sei quasi ein Nebeneffekt seines narrativen Vorhabens, hat er im Interview erläutert. «Ich wollte wirklich nur eine Geschichte erzählen, in deren Mittelpunkt die Konfrontation eines Einzelnen mit den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts steht».

Dieser ‹Einzelne› ist der 95jährige Exilrusse Fjodor Kokoschkin, der sich am 8. September 2005 in Southampton auf den Luxusliner ‹Queen Mary II› einschifft. Der rüstige Pensionär, ein emeritierter Professor aus Boston, kehrt nach einer Europareise zu den Stätten seiner Kindheit und Studentenzeit nach Hause zurück. Die wechselvollen politischen Verhältnisse und materielle Nöte hatten ihn früh von seiner Mutter getrennt. Nach dem Internat ging er nach Berlin, begann ein Biologie-Studium und flüchtete dann vor den Nazis nach Prag. Glückliche Umstände verhalfen dem mittellosen jungen Studenten durch Vermittlung der dortigen Botschaft 1933 schließlich zu einem Stipendium in den USA, er durfte dorthin auswandern. In Boston schloss er sein Studium ab und gelangte als Spezialist für Gräser und Halme zu akademischen Ehren. 1968 lernte er dann bei einem ersten Europa-Besuch in Prag den deutlich jüngeren Jakub Hlaváček kennen. Dieser Freund hatte Kokoschkin nun auf auch seiner mutmaßlich letzten Europareise begleitet.

Der Roman ist, in der nur wenige Tage dauernden Erzählebene der Gegenwart, neben der Prozedur zur Einschiffung in fünf nach Tagen auf See gegliederte Kapitel unterteilt und endet mit der Ankunft in New York. In Tischgesprächen mit anderen Passagieren, Begegnungen bei den verschiedensten Veranstaltungen an Bord und so manchem Barbesuch erzählt Kokoschkin in der zweiten Erzählebene aus seiner bewegten Vergangenheit. Dabei fungieren seine verschiedenen Gesprächspartner zumeist als reine Zuhörer oder Stichwortgeber, er berichtet in langen Passagen aus seinem Leben. Diese in direkter Rede erzählten Rückblicke enthalten neben den politischen Themen einiges an Intertextualität, vor allem Iwan Bunin wird häufig genannt und in längeren Passagen auch zitiert. Wladislaw Chodassewitsch und seine Frau Nina Berberowa gehören ebenfalls mit zu den engen Freunden von Kokoschins Mutter, sie folgt ihnen schließlich sogar nach Paris. Häufig geht der Protagonist in seinen Erzählungen auf besonders schöne Bauwerke ein, bewundert Kunstwerke und genießt ganz bewusst den Luxus, den er sich als renommierter Wissenschaftler im Alter leisten kann.

Auffallend ist die große Gelassenheit, mit der Kokoschkin aus seinem durchaus nicht immer erfreulich verlaufenen Leben berichtet, ein derartiger Gleichmut den politischen Zumutungen gegenüber ist allenfalls durch die Milde des Alters zu erklären. Hans Joachim Schädlich erzählt seine Geschichte in einer für ihn typischen, hoch verdichteten Sprache, die von der schnörkellosen Verkürzung auf das Nötigste lebt, die bei allem, was sie sagt, vermeidet, es direkt auszusprechen. Der Text wirkt dadurch natürlich eher als nüchterner Bericht denn als mitreißende, angenehm unterhaltende Erzählung. Diese lakonische Diktion, im Feuilleton und in Kollegenkreisen als solitär bewundert, versteckt ihre Botschaft quasi zwischen den Zeilen. Sie erfordert damit einen stets aufmerksam mitdenkenden und sensiblen Leser.

Fazit: lesenswert

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Genre: Roman
Illustrated by Rowohlt

Die Unschärfe der Welt

In ihrem vierten Roman «Die Unschärfe der Welt» erzählt die aus Siebenbürgen stammende Schriftstellerin Iris Wolff auf gerade mal zweihundert Seiten die vier Generationen umfassende Geschichte einer Familie, deren starke Bindungskräfte die Zeiten überdauern. Bereits der Buchtitel kündet ein narratives Verfahren an, das vieles nur andeutet und in ‹Unschärfe› belässt, während ‹Welt› andererseits auf ein breit gestreutes Themenspektrum verweist. Mit einer wunderbar bilderstarken Sprache gelingt dieser literarische Spagat auf beeindruckende Weise, der Autorin verleiht ihrem Text damit etwas geradezu poetisch Schwebendes. Erinnerung sei «ein Raum mit wandernden Türen», heißt es im Roman dazu.

Es beginnt gleich dramatisch. Die schwangere Frau des Pfarrers einer dörflichen Gemeinde im rumänischen Banat, die beinahe ihr Kind verliert, wird mit der Kutsche eiligst ins nächste Krankenhaus gefahren. Dort verdächtigt man sie zunächst mal, eine in Rumänien strafbare Abtreibung eingeleitet zu haben, nichts jedoch liegt ihr ferner als das. Wochen später bringt sie schließlich dann Samuel zur Welt, der auch die folgenden sechs Episoden als rätselhafte Figur lose miteinander verbindet. Samuels Großmutter gehört als Tochter aus reichem Hause zu den ewiggestrigen Monarchisten, die sich sehnlich den rumänischen König zurückwünschen, sie wird sich mit dem verhassten Sozialismus niemals abfinden können. Hannes, der glückliche Vater, als evangelischer Seelsorger dazu verdonnert, die Gastfreiheit katholischer Klöster in seinem Pfarrhaus weiterzuführen, muss sich nach der Beherbergung zweier schwuler Lehrer aus der DDR bei der verhassten Securitate verpflichten, künftig Berichte über seine jeweiligen Gäste abzuliefern. Es ist ein bunter Reigen von Figuren aus der Familie und ihrem Umfeld, über die da, vor dem Hintergrund sich wandelnder politischer Verhältnisse, von den sechziger Jahren an bis in die Umbruchjahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs berichtet wird. Die Liebe spielt dabei eine wichtige Rolle, auch die zwischen Männern, Freundschaften zerbrechen, tragische Unfälle ereignen sich. Religion, Krankheit und Tod sind ebenfalls Themen, die die Menschen permanent beschäftigen. Aber auch ein Husarenstück wie die Flucht nach Österreich in einem gestohlenen Agrarflugzeug wird erzählt.

Immer wieder sind stimmig die verschiedensten Symbole in diese Geschichte eingebaut, wird mit Metaphern verdeutlicht und komprimiert zugleich. Von der Suche nach Glück wird berichtet, welches oft in der Natur zu finden sei, aber auch im friedlichen Miteinander bescheidener, genügsamer Menschen und im unverdrossenen Neubeginn nach Enttäuschungen und Verlusten. Die ethnische Vielfalt und Vielsprachigkeit bildet dabei kein Hindernis, selbst bei Familienfeiern unterhält man sich oft wie selbstverständlich in drei verschiedenen Sprachen. Auf die Frage, wer denn in dem kleinen Dorf, in dem es «mehr Schafe als Einwohner gibt», heute noch eine einheimischer Suppe zu kochen vermag, fragt die Pfarrersfrau schnippisch zurück: «Was meinst du mit einheimisch? Schwäbisch, slowakisch, ungarisch, rumänisch, tschechisch, jüdisch oder vielleicht serbisch»? Amüsant ist auch ein Intermezzo in einer Buchhandlung, in der ein dort beschäftigter, ehemaliger Lehrer nur das Lesen von gekauften Büchern statthaft findet: «Geliehene Bücher zu lesen war wie Sex mit angelassenen Klamotten» lautete seine Erkenntnis.

Vieles wird nur angedeutet in diesem komplexen Plot, dessen Prinzip die extreme Komprimierung ist, Iris Wolff vermeidet konsequent jede Vertiefung des historischen Geschehens, Stichworte dazu müssen reichen. Ein sprachliches Kennzeichen dafür sind unter anderem die kurzen Sätze, die den Text flüssig lesbar machen und ihn zuweilen geradezu musikalisch schwingend erscheinen lassen. Bei alldem muss der Leser ständig wachsam sein, um nachvollziehen zu können, wie die einzelnen Episoden zusammenhängen, worauf das alles denn hinausläuft in diesem leisen Roman.

Fazit: lesenswert

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Genre: Roman
Illustrated by Klett-Cotta Stuttgart

Von Affe bis Zebra. Mit ABC-Tiergedichten durchs Alphabet

Ein Pinguin wirkt drollig,
wenn er im flinken Trippelschritt
ganz emsig durch die Gegend watschelt,
und meistens wackeln viele mit.

Tiere von A bis Z werden in diesem liebevoll gemachen Kinderbuch aus dem Verlag Nele Handwerker in Bild und Gedicht vorgestellt. Affe, Bär und Chamäleon leiten die Parade der sechsundzwanzig Tiere ein und machen das Erlernen der Buchstaben unseres Alphabets im wahrsten Sinne zum Kinderspiel. Dabei beweisen Verlag und Verfasser gesunden Humor, wenn sie beispielsweise den Buchstaben »L« der Leseratte zuordnen.

Beim Buchstaben »X« musste die Autorin allerdings passen. Denn die Xanthippe als Untergattung der Milben ist wirklich kaum bekannt. So müssen die kleinen Leser sich eben ein X-Tier selber formen, und das kann sehr viel Spaß bereiten.

Das Buch entstand in Familienproduktion. Kinderbuch-Autorin Nele Handwerker hatte die Idee und fotografierte die von ihrer Mutter Ulrike Handwerker aus Papier und Holz erschaffenen Tierfiguren. Neles Großmutter Gertraude Witschas, die 48 Jahre lang als Rundfunksprecherin tätig war, reimte die Gedichte zu den jeweiligen Tieren.

Sinnerfassendes Lesen und Schauen ermöglicht den jüngsten Lesern mit Hilfe dieses Buches, in die Welt der Buchstaben einzutauchen und sie mit bekannten Begriffen zu verbinden. Besonders gefällt die Möglichkeit, im zweiten Teil des Buches alle Buchstaben-Tiere zum Ausmalen wieder zu treffen.

Die Fibel »Von Affe bis Zebra« ist ein fröhliches Kleinod zum Lesen, Vorlesen, Entdecken und Ausgestalten für die jüngsten Pioniere im Land der Buchstaben.


Genre: Bilderbuch, Kinderbuch
Illustrated by Nele Handwerker

Bis wieder einer weint

Ein schreckliches Kind

Eine der frühen Neuerscheinungen dieses Jahres, der zweite Roman von Eva Sichelschmidt, spielt mit seinem Titel «Bis wieder einer weint» auf die Warnung der Erwachsenen an, wenn Kinder übermütig herumalbern. Weil ja, wer kennt das nicht, oft das Kichern und Getobe plötzlich umschlägt. Die nach Bekunden der Autorin autobiografisch gefärbte Geschichte, beginnend in der Adenauerzeit und bis in die frühen neunziger Jahre hineinreichend, schildert Aufstieg und Fall einer westdeutschen Unternehmerfamilie am Rande des Ruhrgebiets.

«Am 29. Juni 1971 hat niemand fotografiert» heißt es zu Beginn des Romans, es war der Tag, an dem die Mutter der damals knapp zehn Monate alten Ich-Erzählerin beerdigt wurde. An diesen Tag glaubt Suse sich später erinnern zu können, sie hatte eine Blumenvase umgerissen und ihren Laufstall damit unter Wasser gesetzt. Diese nonverbale Erinnerung bezeichnet ein Kinderpsychologe, dem sie am Ende privat von ihrem verkorksten Leben erzählt, als das bekannte Phänomen ‹emotionaler Erinnerung› in Bildern. In permanentem Wechsel zwischen personalem und auktorialem Erzähler wird zunächst die Geschichte von Inga und Wilhelm erzählt, dem glamourösen Elternpaar von Suse. Schönheit und Reichtum kamen da zusammen, die siebzehnjährige Tochter eines praktizierenden Augenarztes eine geradezu strahlende Erscheinung, der zwölf Jahre ältere Bräutigam glamouröser Dressurreiter und erfolgreicher Geschäftsmann. Inga stirbt bald nach Suses Geburt an Leukämie, das Baby wird zu den mütterlichen Großeltern gegeben, ihre sechs Jahre ältere Schwester bleibt beim Vater. Der holt dann aber auch die inzwischen achtjährige Suse wieder zu sich, sie kommt damit unter die Fuchtel der pietistischen Großmutter und leidet sehr darunter. Was sich dann in einer permanenten Widerborstigkeit im familiären Umgang ausdrückt und ebenso in einem eklatanten schulischen Versagen. Sie entwickelt sich zu einer allerseits gemiedenen Außenseiterin und weist keinerlei erkennbare Talente auf, ihre Zukunft bleibt bis zum Ende ungewiss.

Das chronologisch erzählte Geschehen nimmt seinen Anfang in den Jahren der zunehmend prosperierenden BRD, deren wirtschaftlicher Aufschwung auch Wilhelms mittelständische Maschinenfabrik mitreißt. Ein Erfolg, den er in vollen Zügen genießt, er wirft geradezu um sich mit dem reichlich vorhandenen Geld, verwöhnt seine junge Frau und nach deren Tod auch die beiden Töchter. Mit einer überbordenden Fülle an Details, vor allem aus der schillernden Konsumwelt, erzählt die Autorin, den Leser damit auf Dauer ermüdend, Alltägliches aus jener Zeit, – vieles davon ist unübersehbar klischeehaft. Diese materielle Dominanz beeinträchtigt narrativ leider allzu sehr das Seelenleben ihrer Figuren. Deren Psyche bleibt auffallend blass, es wird auch nicht angemessen differenziert beim Blick auf die verschiedenen Charaktere. Denn auch Wilhelm hat seine dunklen Seiten. Vor allem hat er eine heimlich ausgelebte homosexuelle Prägung, er ist mit der ahnungslosen Inga einmal sogar als Gast geladen zu einem Empfang von Arndt von Bohlen und Halbach in der Essener Villa Hügel.

In der zweiten Hälfte kommt endlich ein wenig Schwung in die bis dahin eher langweilige, deutlich zu breit ausgewalzte Geschichte, die Lebenslügen werden entlarvt, die glamouröse Fassade bekommt zunehmend Risse. Denn irgendwann endet auch Wilhelms Firma im Konkurs, die Zeiten haben sich geändert, für ihn eine harte Landung nach den Höhenflügen der glorreichen Vergangenheit. Wilhelm ist zum Alkoholiker geworden, leidet an verschiedenen Krankheiten, er lässt sich nahezu willenlos von seinem Liebhaber finanziell ausnehmen. Den Töchtern bleibt nur die Flucht aus dieser Misere in ein selbstbestimmtes Leben, das für sie ganz bei Null anfängt. Dieser Gesellschaftsroman endet mit dem an Suse gerichteten, resignierenden Satz ihrer Tante: «Du warst wirklich ein schreckliches Kind». Und das ist es auch schon, was sich dem Leser eingeprägt hat am Ende, mehr ist da nicht.

Fazit: mäßig

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Genre: Roman
Illustrated by Rowohlt

Hanf. Ein Portrait.

Hanf. Ein Portrait. Hanf war jahrhundertelang eine Kulturpflanze. Nicht nur Seile und Taue wurden aus ihr gefertigt, sondern auch Segel. Vielleicht wäre Amerika nie entdeckt worden? Ute Woltron machte sich auf eine Spurensuche und fördert spannende Einsichten zutage, die nun in einer kleinen aber feinen Hand- und Hanfbibel mit Pflanzenporträts im Anhang vorgestellt werden.

Propagandakrieg gegen ein Heilmittel

Hanf. Ein Portrait. Die Rehabilitierung der Kulturpflanze begann erst nach dem Milleniumswechsel. Knappe 100 Jahre zuvor hatte eine beispiellose Hatz gegen den Hanf begonnen, der wie so vieles ausgerechnet von dem Land ausging, das ohne Hanfsegel vielleicht gar nicht entdeckt worden wäre: Amerika. Schon unter Roosevelt wurde mit dem „Pure Food and Drug Act“ von 1906 ein Gesetz gegen den Hanf verabschiedet, das ihn neben Alkohol, Morphium und Opium stellte. In Texas wurde ab 1937 der Besitz sogar mit der Todesstrafe geahndet. Aber ein gewisser Harry Jacob Anslinger (1892-1975) setzte bei der Verfolgung der Nutzpflanze noch eins drauf: den „Marihuana Tax Act“. Anslinger hatte eine Studie mit dem reißerischen Titel „Marihuana – Assasin of Youth“ verfasst und mit anderen Interessengruppen der USA (etwa Papier- und Textilproduzenten, Chemiekonzern, Baumwollproduzenten) einen beispiellosen Propagandafeldzug ins Leben gerufen. Der neu entfesselte Krieg gegen den Hanf war auch rassistisch, denn besonders „Neger, Hispanos, Filipinos und Unterhaltungskünstler“ würden dem bösen Kraut frönen. Die Filme Reefer Madness (1936) oder Assasin of Youth (1937) trugen ihren Teil dazu bei, das Image der ehemaligen Kulturpflanze zu ramponieren. Leute wie Louis Armstrong, Robert Mitchum, Chet Baker, Ray Charles, Tony Curtis, Morgan Freeman, David Bowie oder Joe Cocker et al. mussten weiterhin heimlich einen durchziehen.

Hanf. Ein Portrait: „What a Wonderful World“ u.a.

Spätestens mit der Shafer Commission von 1972 wurde aber klar, dass Nixons Krieg gegen diese Droge nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhte. Langsam setzte sich diese Erkenntnis durch und führte ab 2010 zu Teillegalisierungen in einigen US-Bundesstaaten. Ute Woltrons Hanf-Porträt basiert aber nicht nur auf Quellenrecherche und Literatur, sondern auch auf eigenen Erfahrungen in der Pflanzenzucht. Als Migränepatientin lernte sie selbst bald die Vorzüge der Kulturpflanze zu schätzen, die heute auch bei Krebspatienten, MS, Grünem Star, Tourette, Polyarthritis, Tinnitus, Asthma und anderen Krankheiten eingesetzt wird. Die American Medical Association war übrigens schon 1937 gegen das Verbot der Heilpflanze angetreten, wurde vom Kongress aber abgeschmettert, wie Woltron drastisch ausführt. Das vorliegende Hanfporträt ist zudem mit Gemälden aus der Kunstgeschichte illustriert, die den Marihuanakonsum in verschiedenen Anwendungsbereichen zeigen und veranschaulichen, dass Hanf schon jahrhundertelang Teil unserer Kultur ist. Nicht zuletzt sind auch Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ und viele andere Lieder und Kunstwerke wohl davon inspiriert. Aber auch Zahlenfreaks: werden belohnt: laut WHO sterben jährlich 3,3 Millionen (!) Menschen an Alkoholmißbrauch. „Die einzige Methode, sich mit natürlichem Cannabis umzubringen, besteht darin, sich an einem Hanfseil aufzuknüpfen“, bemerkt Woltron prägnant. Und wer sich frägt, ob Willie Nelson tatsächlich am Dach des Weißen Hauses einen durchgezogen hat, wird ebenfalls eine Antwort bekommen. Kurz: Ein „unverblümtes Pflanzenportrait“ einer umstrittenen Kulturpflanze. Hanf. Ein Portrait.

 

Ute Woltron, Judith Schalansky (Hg.)

Hanf. Ein Portrait.

Reihe: Naturkunden Bd. 61

159 Seiten, Gebunden

Illustration: Falk Nordmann

Erschienen: 2020

Verlag: Matthes & Seitz Berlin

ISBN: 978-3-95757-857-0

20,00 €


Illustrated by Matthes & Seitz

Heliogabal oder der gekrönte Anarchist

Heliogabal oder der gekrönte Anarchist: „Wer von der Liebe nur die Flamme kennt, die Flamme ohne Ausstrahlung, ohne die Vielheit des Herdes, wird weniger haben als jener andere neben ihm, dessen Hirn wieder zur Schöpfung als Ganzem zurückkehrt und für den die Liebe eine gründliche, grauenhafte Ablösung ist.“ Eine an „eine Feuersbrunst gemahnende Sprache“ unterstellt Jean-Paul Curnier dem Text von Artaud, die zu einer allgemeinen Asphyxie (Atemnot) führen würde, so dicht und überwältigend ist sie. Diesem Erstickungsgefühl habe Artaud einmal selbst im Theatre du Vieux-Colombier durch einen Schrei Luft verschafft und rechtfertigte sich in einem Brief an André Breton, den Diktator der Surrealisten, mit den Worten: „(…) denn tatsächlich war mir klar geworden, dass es genug der Worte war, sogar genug des Brüllens, dass es Bomben brauchte, aber ich hatte keine zur Hand, nicht einmal in meinen Hostentaschen“. Jean-Paul Curnier stellt die – berechtigte – Frage, ob es heute denn keinen Anlass mehr gebe, vor Atemnot und Empörung zu schreien. Die Antwort kennt wohl jeder von uns.

Heliogabal: Vom Thron in die Kloake

Die Romanbiografie des spätrömischen Kaisers Heliogabal von Antonin Artaud ist ein Buch der Exzesse voller Eros und Blut. Der „syrische Fürst“, dessen unterschiedliche Namen offenbar die glücklich grammatische Verschmelzung der ältesten Bezeichnungen für die Sonne ist, wie Artaud bemerkt, wurde mit 14 Jahren zum Gottkaiser des Imperiums und mit 18 umgebracht und in eine Kloake geworfen. Antonin Artaud schreibt mit dem Wahnsinn um die Wette und gibt zu Beginn der Dreißigerjahre alles an Wut und Verzweiflung hinein, die er selbst gegen die Welt seiner Zeit hegt. Seine Spiegelung des Heliogabal ist in einer wuchtigen Sprache verfasst, voller Gewalt und Übertreibung. Artaud revoltiert damit gegen die Gesellschaft seiner Zeit und verschreibt sich schon in seiner Wohnung vor dem Text ganz der Anarchie.

Matthes & Seitz: Von und über Artaud

Im Anhang befinden sich drei Briefe zu Heliogabal, ein Text zum Schisma des Irshu, den Sonnenreligionen in Syrien und dem Tierkreis des Ram. Im Matthes & Seitz Verlag sind auch viele andere Werke von und über Artaud erschienen, zuletzt auch „Die Metaphysik Antonin Artauds“ von Merab Mamardaschili.

 

Antonin Artaud

Heliogabal

Reihe: Matthes & Seitz Berlin Paperback

2020, 197 Seiten, Broschur

Nachwort: Jean-Paul Curnier

Originaltitel: Héliogabale (Französisch)

Übersetzung: Brigitte Weidmann

Verlag: Matthes & Seitz Berlin

ISBN: 978-3-95757-811-2

Preis: 10,00 €


Genre: Biographie, Roman, Surrealismus

Bowies Bücher

Bowies Bücher

Bowies Bücher: 1975 reiste David Bowie mit einer Bibliothek von rund 1500 Büchern zu den Dreharbeiten von „Der Mann, der vom Himmel fiel“ in dem er einen Außerirdischen mimte. Der schwer kokainsüchtige Popmusiker wollte die Chance nützen, um von den Drogen loszukommen und suchte Trost in der transportablen Bücherei.

Bowies Bücher als Bibliothek

Bowie soll für die US-Buchhandelskette Barnes & Noble Buchbesprechungen verfasst haben und es wundert wohl niemanden, wenn einige der Inhalte dieser vielen Bücher, die Bowie gelesen habe, auch Einfluss auf seine Songs nahmen. „In die richtige Reihenfolge gebracht, beschreiben die Bücher einen Weg durch Bowies Leben vom Kind zum Teenager und vom drogenumnebelten Superstar zum reflektierten, zurückgezogen lebenden Familienmenschen“, schreibt John O’Connell in der Einleitung zu seinem ganz besonderen Bowie-Buch. Bowie bediente sich ganz nach dem Lieben bei dem „modernen Avantgarde-Zeug“ und nutzte es weniger für den Weltfrieden oder um den Kapitalismus zu untergraben, sondern „als eine Art Moodboard, eine Kostümkiste, aus der er sich nach Lust und Laune bedienen konnte“. Eine der frühesten Einflüsse war etwa Kafkas „Verwandlung“, von der Bowie sogar Albträume bekam in denen er sich selbst als Käfer fliegen und auf dem Rücken liegen sah.

Bowies Bücher: 100 Lieblingsbücher Bowies

Der Herausgeber begegnete David Bowie selbst als dieser 55 Jahre alt war und noch sehr gut aussah. John O’Connell ist Journalist und zeigte sich beruhigt, als Bowie ihn als „Bromley Dave“ in eine Schublade steckte und so einen kumpelhaften, zu Scherzen aufgelegten, deplatzierte intellektuelle Schnörkel im Südlondoner Dialekt vorgetragen Davie Bowie zu sehen bekam. Denn Bowie habe sich seinen Gesprächspartnern immer so präsentieirt, wie er glaubte, dass diese ihn sehen wollten. Das Pop-Chamäleon gilt als ein weiterer Beweis dafür, dass einen das Lesen von Büchern zu einem besseren Menschen macht, wie John O’Connell lächelnd ergänzt, bevor er sich auf die „Werkzeuge, die Bowie benutzt hat, um sein Leben zu steuern“ stürzt: 100 Bücher. Darunter finden sich so wichtige Werke wie Clockwork Orange, Alighieri’s Inferno, oder Camus’ Der Fremde. John O’Connell schreibt zu jedem der Bücher ca. 2-3 Seiten und schließt seine Essays mit einem Hörtipp und einem Tipp zum Weiterlesen ab. Zudem sind die insgesamt 100 Kapitel mit Illustrationen von Luis Paadín versehen.

John O’Connell

Bowies Bücher

Illustriert von: Luis Paadín

Übersetzt von: Tino Hanekamp

2020, Paperback, 384 Seiten

ISBN: 978-3-462-05352-4

Verlag: KiWi-Taschenbuch

 


Genre: Bibliothek, Bücher
Illustrated by Kiepenheuer & Witsch Köln

Die Adler Roms, Buch 2-3

Die Adler Roms, Buch 2-3: Wirklich eindrucksvolle und einprägsame Bilder bietet die fünfteilige Serie von Enrico Marini, die beim Carlsen Verlag in Hardcover und als Epublikation erschienen sind. Die Geschichte von Hermann dem Cherusker wird als Geschichte einer Freundschaft erzählt. Denn „Arminius“ – so der lateinische Name – wuchs in einer römischen Familie mit dem gleichaltrigen Titus Valerius Falco auf. Doch das Schicksal machte die beiden Freunde zu Feinden.

Die Adler Roms: Römer gegen Teutonen

Der zweite Band beginnt bereits 9 Jahre später als der erste, im Jahre 762 ab urbe condita, also fast 800 Jahre nach Gründung der „urbs“. Der lateinische Ausdruck für Stadt, urbs, bezieht sich natürlich auf die ewige Stadt, Rom, die Hauptstadt des Imperiums. Viele der im Comic verwendten Ausdrücke werden in einem Glossar am Ende des Bandes eigens erklärt. So lernt man spielerisch auch etwas über die römische Kultur und Sprache, aber auch Geschichte. „Trapejischer Fels“ zum Beispiel bezeichnet die Stelle an der südöstlichen Spitze des Kapitol-Hügels von wo die Todesstrafe vollstreckt wurde, indem die vermeintlichen Verbrecher den Felsen hinabgestürzt wurden. Weitere Glanzlichter des vorliegenden Comics sind aber auch die Milieuschilderung und das kulturelle Leben. So begegnen sich die beiden Rivalen bezüglich der Liebe zu Priscilla, Titus und Lucius Aelius Seianus, bei einem Wagenrennen im Circus Maximus oder ist es gar das Colloseum oder das Hippodrom? Eine Feindschaft, die ein Leben lang dauern wird, bis zur Varusschlacht im Teutoburger Wald.

Die Adler Roms: Furor Teutonicus

Aber nicht nur die Zirkusspiele und Schlachten werden authentisch gezeichnet und geschildert, sondern auch die Liebesszene zwischen Priscilla und Falco am Rande des Tiber. Man fühlt sich geradezu in eine Märchenwelt entführt. Sprachlicher Witz („die vier letzten Buchstaben deines Namens, Seianus“) und üppige dekadente Sexszenen machen „Die Adler Roms“ zu einem Lesevergnügen der ganz besonderen Art. Denn diese Bilder wird man so schnell nicht mehr aus dem Kopf kriegen, so einprägsam und eindrucksvoll sind sie gezeichnet. Etwa wenn nach einem Dialog zwischen Arminius und Falco zwei Gefangene so nebenbei abgekragelt werden und die beiden Freunde im Hintergrund entschwinden. Enrico Marini zeigt aber auch die Kultur der Germanen, ihren Thing und die Bedrohung, die ihnen durch die Römer erwächst. Zudem wird auch die Vielfalt der germanischen Kultur durch die unterschiedlichen Gebräuche der einzelnen Stämme dargestellt. Besonders gruselig und authentisch wirken die Bilder im Wald, der alsbald die römischen Legionen verschlingt.

 

Enrico Marini

Die Adler Roms (Hardcover) 2: Buch II (Hardcover)

übersetzt von Marcel Le Comte

2020, Hardcover, Größe 24,00 x 32,00 cm, 64 Seiten

Alter: ab 14 Jahren

ISBN   978-3-551-79197-9

16,00 €

Die Adler Roms (Hardcover) 3: Buch III (Hardcover)

von Enrico Marini

übersetzt von Marcel Le Comte

Arminius in Gallien

Hardcover, Größe 24,00 x 32,00 cm, 64 Seiten

Alter: ab 12 Jahren

ISBN: 978-3-551-79198-6

16,00 €

Carlsen Verlag


Genre: Antike, Comic
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg