Jeder Schuss ein Treffer. Fussball-Krimis

Lutz Kreuzer ist bekannt als Herausgeber spannender Kriminalromane und erfolgreicher Reihen wie »Schaurige Orte …«. Eine der wesentlichen Fähigkeiten eines guten Herausgebers ist es, ein sicheres Gespür für Themen zu haben, die sich im Stil einer Anthologie oder eines Lesebuches sammeln lassen, und dazu die passenden Autoren zu gewinnen. Weiterlesen


Genre: Anthologie, Kriminalliteratur
Illustrated by Gmeiner-Verlag Meßkirche

Andalusien. Eine literarische Einladung

Andalusien. Eine literarische Einladung. Die reiche Kulturlandschaft Andalusiens bot sogar dem Spaghetti-Western Platz. Denn neben großen Städten bietet eine der abwechslungsreichsten Regionen des Kontinents einen über die Jahrhunderte hinweg gewachsenen Schmelztiegel der Kulturen und ist und bleibt ein Sehnsuchtsort romantischer Reiselust.

Sonne, Strand um mehr

Costa del Sol, Skifahren in der Sierra Nevada oder Wochenendtrip, die “literarische Einladung nach Andalusien” bietet auch mal einen guten Sherry, Kobolde und andere Flamenco-Fans, den Traum eines jungen Marokkaners an der Straße von Gibraltar sowie das Córdoba der Kalifen und das der Touristen an. Aber auch die Verwirrungen einer Austauschstudentin in Sevilla kommen hier zur Sprache. Andalusien war lange Zeit auch Heimat des Islams und eben dort entstand auch eines der eindrücklichsten Traktate über die Spielarten der menschlichen Liebe, wie die Herausgeber im Vorwort betonen.

Andalusien. Eine literarische Einladung

Von Andalusien aus wurden auch die amerikanischen Häfen erstmals in der Geschichte angesteuert, um dort das sagenumwobene Eldorado zu finden. Literarisch kann Andalusien immerhin mit der Erfindung des Schelmenromane (novela picaresca) punkten oder später in der Romantik mit einem Boom an Texten über Gitanos, Stierkampf wie etwa “Carmen”, das später auch als Oper umgesetzt wurde. Eine weitere Blütezeit war die Zeit vor dem Bürgerkrieg und später Jahrzehnte nach dem Krieg. Die vorliegende Anthologie ist nach den unterschiedlichen Provinzen Andalusiens geordnet und beginnt mit Sevilla, Cadiz, Huelva, Cordoba, weiter über Malaga, Granada, Jaén bis Almeria und Coda.

Andalusien: In vino veritas

Ein Brief von Nancy an Betsy, einer amerikanischen Austauschstudentin, von Ramon J Sender zeigt humorvoll Missverständnisse zwischen beiden Kulturen auf, die zumeist auf Stereotypen beruhen. Aber immerhin lernt Nancy warum es in Spanien keine Gorillas braucht, um Guerilla-Kriege zu führen. In “begnadetem Zustand” wandeln die Protagonisten in Arturo Perez-Reverte’s Geschichte über die Brücken Sevillas hinein in die Kneipen, von einer zur anderen, “wie ein Rudel Wölfe in der Finsternis der Nacht”. Federico Garcia Lorca klärt uns auf, warum kein Flamenco-Künstler Südspaniens jemanden “berühren” kann, “solange sich der Kobold nicht zeigt”. Die mythische Figur ist eine Art Muse auf dessen Existenz alle Künstler Andalusiens schwören. Bei Maria Duenas erfährt man, was einen guten Wein ausmacht. Es sind die fünf F: fortia, formosa, fragantia, frigida et frisca (Stärke, Schönheit, Duft, Frische und Reife).

Bellavista auf Stadt und Land

In “Punta Marroqui” von Nieves Garcia Benito pfeift der Protagonist Hilario ununterbrochen dasselbe Lied, wenn er fischen geht. Seine Frühpension erlaubt ihm bei weniger Geld ein angenehmes Leben, wenn nur die Möwen nicht so schreien würden. “Nicht ein einziges Mal hörte ich jemanden das Wort Liebe aussprechen”, beklagt eine Stimme in “Bellavista” (Juan Cobos Wilkins). Es sei das einzige Wort, das wirklich heile. Liebe. Juan Eslava Galan beschreibt in seinem Beitrag Cordoba als Stadt mit einem Naturschutzgebiet mitten im Zentrum, das Isabella I. anlegen habe lassen. Der Ritter Dia Sanchez de Jaen soll allerdings darin im Wasser ertrunken sein, obwohl er Zeit seines Lebens nur Wein getrunken haben soll. Auch die Frauen kommen zu Wort. Maria Sanchez beschreibt in “Land der Frauen” warum diese das Land meiden und die Stadt bevorzugen. Im Anhang befinden sich Kurzbiografien und Werkangaben zu den zitierten Autor:innen. Mit weiteren Texten von María Dueñas, Ildefonso Falcones, Federico García Lorca, Almudena Grandes, Sara Mesa, Antonio Muñoz Molina, José F. A. Oliver, Arturo Pérez-Reverte, María Sánchez, Ramón J. Sender und vielen anderen.

Marco Thomas Bosshard (Hrsg.), Volker Jaeckel (Hrsg.)
Andalusien
Eine literarische Einladung
SALTO [279].
2023, 144 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet
ISBN 978-3-8031-1378-8
Wagenbach Verlag
22,– €


Genre: Anthologie, Literatur, Reiseführer
Illustrated by Wagenbach

Blumen unterm Weihnachtsbaum: The Garden at Eichstätt

The Garden at Eichstätt. 367 handkolorierte Kupferstiche des Hortus Eystettensis werden in dieser TASCHEN Prachtausgabe präsentiert und entsprechend gewürdigt. Der ehemalige Schlossgarten von Eichstätt beherbergte einen Pflanzenreichtum, der als Meilenstein der botanischen Illustrationskunst durch Basilius Besler für die Ewigkeit festgehalten wurde. Die vorliegende Faksimile-Ausgabe umfasst detaillierte Beschreibungen der Pflanzen entsprechend der modernen Taxonomie und erläutert dieses Juwel der barocken Gartenliteratur anhand wissenschaftlicher Begleittexte. Ideal als Blumen unterm Weihnachtsbaum für Freunde der blühenden Flora.

Juwel der Gartenkunst

Die vollständige Faksimile-Edition des dreibändigen Hortus Eystettensis von 1613 gilt als das Juwel barocker Gartenkunst. Aber auch der Garten selbst natürlich. Der Eichstätter Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen (1561–1612) ließ Anfang des 17. Jahrhunderts durch den Nürnberger Apotheker, Botaniker und Verleger Basilius Besler (1561–1629) einen prachtvollen Lustgarten anlegen. Die Gewächse wurden von Besler nach Jahreszeiten geordnet und in Beschreibungen und Kupferstichillustrationen dokumentiert. Der erste Druck, “Hortus Eystettensis”, war damals schon ein dreibändiger Prachtkatalog mit 367 handkolorierten Pflanzenillustrationen und detaillierten botanischen Beschreibungen von insgesamt 90 Pflanzenfamilien und 340 Gattungen. Einige davon auch von exotischer Herkunft.

Blumen unterm Weihnachtsbaum

Carl von Linné, der schwedische Naturforscher, der die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Taxonomie definiert hatte, pries den Hortus Eystettensis als “unvergleichlich”. Es liegt in der Natur der Sache, dass Beslers Pflanzenkatalog deutlich länger Bestand hatte, als der Eichstätter Garten selbst, der im Dreißigjährigen Krieg 1643 von Schwedischen Truppen zerstört wurde. Erst 1998 – also mehr als 350 Jahre später – konnte an historischer Stätte mit dem Eichstätter Bastionsgarten ein Nachfolgeort seine Pforten öffnen, an dem auch zahlreiche Gewächse aus dem ehemaligen Hortus Eystettensis versammelt wurden.

Meilenstein der botanischen Illustrationskunst

Die nun in vorliegender TASCHEN Publikation wiederauferstandenen hochwertigen Reproduktionen dieser Faksimile-Edition wurden nach einem Originalexemplar aus den Beständen der Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt erstellt. Sie werden ebenso wie die auf ihnen dargestellten Gewächse in botanischer, heilkundlicher und symbolischer Perspektive fachkundig erläutert. Im Anhang wird anhand ausführlicher Texte die historische Bedeutung des Gartens von Eichstätt und des ihm gewidmeten Hortus Eystettensis erklärt. Ein Meilenstein der botanischen Illustrationskunst im Format 24.3 x 30.4 cm mit 6.54 kg und 1096 Seiten. Die Originaldrucke werden übrigens bereits im Millionenbereich gehandelt. Die beiden Autoren Klaus Walter Littger und Werner Dressendörfer haben auch schon (im TASCHEN Verlag) zum Thema publiziert. So sind von letzterem bereits Der Garten von Eichstätt, Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543, Pomona Britannica, The Tempel of Flora und The Vegetable Garden erschienen. Klaus Walter Littger wiederum leitet die Manuskript-Sammlung der Universität Eichstätt und ist Herausgeber einer Zeitschrift und weiterer Publikationen über die Geschichte Eichstätts.

In den TASCHEN Stores in Berlin und Köln wird von Mittwoch, 31. Januar, bis Samstag, 3. Februar, und auf www.taschen.com von Donnerstag, 1. Februar, bis Sonntag, 4. Februar, ein ONLINE SALE für Toptitel mit bis zu 75 % Rabatt angeboten.

Basilius Besler

The Garden at Eichstätt
2023, Hardcover, 3 Bände im Schuber, 24.3 x 30.4 cm, 6.54 kg, 1096 Seiten
Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch (Famous First Edition: Nummerierte Erstauflage von 7.500 Exemplaren)
ISBN 978-3-8365-9433-2
TASCHEN Verlag
€ 200


Genre: Anthologie, Bibliothek, Kunst, Pflanzen
Illustrated by Taschen Köln

Geschichten und Gedichte für die kalte Jahreszeit

Geschichten und Gedichte für die kalte Jahreszeit. “Der Winter soll mein Frühling sein“, schreibt jubelnden Herzens Johann Christian Günther in seinem Gedicht “Lob des Winters“. Schließlich dient er auch zu “Amors Jubelfest“, also alles gar nicht so schlimm. Ganz im Gegenteil. Denn der Winter gilt zu Unrecht als “kalte Jahreszeit”.

Zu unrecht “kalte” Jahreszeit: Amors Jubelfest

Der durchwegs winterliche Leseschatz als Geschenkbuch mit Goldfolienprägung wärmt mit Gedichten und Kurzgeschichten oder Auszügen aus anderen Texten die Herzen seiner Leser:innen. Es sind Geschichten über Abende am Kamin, weiße Winterlandschaften und Sport und Spiel im Schnee, Erzählungen von Schneemännern, Eisköniginnen und verzauberten Winterwäldern. Aber auch einige der bekanntesten Winterlieder kommen zu Wort und Ton (mit Noten) sowie Rezepte zu Nussecken, Eierpunsch und Co. Die Texte stammen u. a. von Annette von Droste-Hülshoff, Hans Christian Andersen, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Hermann Hesse, Tove Jansson und Erich Kästner u.v.a.m. Aber auch die kleinen Kätzchen, deren Pfoten im Winter erkalten, haben ihre Freude an der Winterzeit, weiß Heinrich Heine, der fröhlich reimt: “Und ein Kätzchen sitzt daneben, /Wärmt die Pfötchen an der Glut;/ Und die Flammen schweben, weben,/Wundersam wir mir zu Mut”. Wer wird da noch behaupten, der Winter sei eine kalte Jahreszeit, wenn innen wie außen, im Herzen und im Hause, weit sichtbar ein Feuer brennt?

Gedichte & Geschichten: Wärme von innen

In Andersen’s Geschichte einer Mutter tauscht diese ihr schwarzes gegen weißes Haar und jeder weiß, wozu Mütter noch bereit sind, wenn es um ihre Kinder geht. Ganz besonders zu Weihnachten oder im Winter allgemein, sind die Opfer besonders groß, aber auch die Freuden. Diese werden etwa im Kapitel “Winterfreuden” u.a. von Erich Kästner lebendig beschrieben: “Wintersport”, heißt es da, “Die Leute fahren Bob und Ski/am Hange hinterm Haus.(…) Das Publikum ist möglichst laut./Was tut das der Natur?/Sie wurde nicht für es gebaut./ Und schweigt. Und lächelt nur.” Zu Eis-Hockey lädt Joachim Ringelnatz in seinem gleichnamigen Gedicht, zu “Eislauf” Gerhart Hauptmann. Da taucht zwischen die Zeilen ein weiteres Rezept auf, dieses Mal ein Winterlicher Eierpunsch. In der Form eines Eiszapfens schreibt Leopold Kammerer sein gleichnamiges Gedicht, das auf “Au!” endet. Aber die Schmerzen sind nur kurz, bleibt doch das Gedicht! Ein anonymer Zeitzeuge schreibt eine Wintergeschichte in der es am 8. Dezember das erste Mal schneit. Am 8. Januar nimmt der Erzähler gerne die Pillen. Aber warum ist er nur an das Bett gefesselt?

Frohe literarische Weihnachten bei Reclam

In ähnlicher Ausstattung und Ausführung ist bei Reclam auch das “Weihnachtsbuch” erschienen, wo sich ebenfalls in Broschur mit Goldfolienprägung viele Geschichten und Gedichte rund um die seligste Jahreszeit tummeln. Von der Bibel bis Urs Widmer geht es um Weihnachten, die stillste und doch wärmste Zeit des Kalenderjahres, denn die Temperatur kommt von innen. Weitere Weihnachtstipps bei Reclam sind der Adventskalender, der 24 literarische Episoden schildert, also für jeden Tag des Dezembers eine. Und das in jedem Jahr, immerwährend! Oder Janoschs “Der alte Mann und der Bär. Eine Weichnachtsgeschichte.” Letztere beiden Titel werden zwar erst wieder am 8. Auguste 2024 neu aufgelegt, aber die Buchhandlung ihrer Wahl hat sie bestimmt rechtzeitig bestellt und noch vorrätig. In diesem Sinne: Frohe literarische Weihnachten!

Reclams Winterbuch
Geschichten und Gedichte für die kalte Jahreszeit
Broschur mit Goldfolienprägung
Format 12 × 19 cm
175 S.
ISBN: 978-3-15-020737-6
Reclam Verlag
12,00 €

 


Genre: Anthologie, Gedichte, Geschichten, Rezepte
Illustrated by Reclam Verlag

O Stern und Blume, Geist und Kleid… 75 Blumenbilder und Gedichte

Zu Ehren der Übersetzerin, Herausgeberin, Autorin die neue Marianne Schneider Reihe des Schirmer/Mosel Verlages

75 Blumenbilder und Gedichte. “Vor einer Blütenwand saß ich beim Zechen;/Der Becher schlug mein Herz in süßen Bann./Da war mir Angst, die Blumen könnten Sprechen:/Wir blühen nicht für einen alten Mann.”, bangte es Liu Yü-hsi schon im 8. Jahrhundert.
Zum 50. Geburtstag des Schirmer/Mosel Verlags 2024 erscheint schon jetzt die Jubiläumsausgabe der
Blumenbilder und Blumengedichte aus fünf Jahrhunderten.

Blumen und Gedichte durch die Jahrhunderte

Das vielleicht “poetischste Buch aus 50 Jahren Schirmer/Mosel Verlagsgeschichte” stellt Kostbarkeiten der deutschen Lyrik – vom Hohelied Salomos in der Übersetzung Martin Luthers über Walter von der Vogelweide, Goethe, Eichendorff und Trakl bis zu Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Ernst Jandl – neben Kostbarkeiten der Kunstgeschichte, von Leonardo über Dürer, Runge, van Gogh, Matisse, Beuys und Cy Twombly bis zu Man Ray, Robert Mapplethorpe, Nick Knight und Thomas Struth vor. Aber es geht eben nicht nur um die Gedichte, sondern auch um die Blumen selbst, deren Darstellungen über die Jahrhunderte stark variierten. Im 20. Jahrhundert kam durch Man Rays Technik der Solarisation und Rayographie Experimentierfreudigkeit ins Geschehen, aber auch die Rosenphotographien von Edward Steichen oder Tina Modotti, Imogen Cunninghams weiße Callas oder Georgia O’Keefe gemalte Petunias stehen im Mittelpunkt dieser bibliophilen Publikation. Das Pflanzliche ist schließlich untrennbar mit der Dichtung verbunden, das beweist schon der Ausdruck “Anthologie”, schreiben die Autoren, denn “anthos” bedeutet Blüte.

An Leib und Seele grünen

Ich kam gegangen/zuo der ouwe:/do was min Frieder kommen e./da wart ich enpfangen,/here frouwe,/daz ich bin saelic iemer me“, dichtete einst Walther von der Vogelweide in “Unter den linden”, schon um 1200. Seinem Gedicht wird eine Abbildung Albrecht Dürers aus dem Jahre 1503 gegenübergestellt, “Das große Rasenstück” in Aquarell- und Deckfarben. Fröhlich dichtet auch Paul Gerhardt auf die Blumenpracht, in “Sommergesang” hofft er auf die schöne Blum, des Garten Ruhm, “erwähle mich zum Paradeis/Und laß mich bis zur letzten Reis/An Leib und Seele grünen“. Clemens Brentano – von dem auch der wiederum bezaubert mit “Hörst du die Blumen rauschen” und entführt die Leser:innen heraus aus einem Wintertraum in einen Sommer, wo die Grillen zirpen und der Mond ein Schlaflied singt. Bloß nicht aufwachen, weiterträumen, weiterlesen, der Frühling, der kommt bald.

75 Blumenbilder und Gedichte

Der vorliegende Band zeigt in Wort und Bild, dass Blumen als universelles Sinnbild für den Rausch der Schönheit und die Macht der Gefühle und damit letztlich auch für alle Abschnitte des menschlichen Lebens von der Geburt bis zur Hochzeit und hin zum Tod stehen. Die Neuausgabe der 2001 erstmals erschienen Anthologie ist gleichzeitig auch der erste Band der neuen Marianne Schneider-Edition des Schirmer/Mosel Verlages zu Ehren der langjährigen Übersetzerin, Herausgeberin und Autorin des Verlages, die im Februar 2023 verstorben ist.

O Stern und Blume, Geist und Kleid …
75 Blumenbilder und Gedichte
Hrsg. v. Marianne Schneider und Lothar Schirmer
184 Seiten, 75 Tafeln in Farbe und Duotone
ISBN 978-3-8296-0993-7
Lp. € 29,80 €(Ö) 30,70 CHF 34,30
Schirmer/Mosel


Genre: Anthologie, Blumen, Gedichte, Pflanzen, Poesie
Illustrated by schirmer/mosel

Irland. Eine literarische Einladung

Irland. Eine literarische Einladung

Irland. Eine literarische Einladung. Im keltischen Kalender bezeichnet der Vollmond im November die Geburt eines neuen Jahres und symbolisiert einen Endpunkt, den Tod des alten Jahres. In der heidnischen Tradition ist er unter dem Namen “Klagemond” bekannt. In vielen Kulturen wird dieser Vollmond mit Tod und Verlust assoziiert, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Manche nennen ihn “Schneemond” oder “Nebelmond” und heute, da ich in einem Seenebel fröstele, der die Sonne verbirgt, kann ich beides nachvollziehen.”, schreibt Kerri Ní Dochartaigh in ihrem Beitrag, “Dünne Orte”, zu vorliegender Anthologie. Die Tage von Samhain, bei uns auch als Halloween bekannt, lüften die Schleier zwischen den Welten, der Mond ist der letzte vor der sog. Wintersonnenwende. Der Schilfmond wurde auch nach den Schilfgräsern, den Wächtern, benannt, die botanische Zeichen für Samhain sind. Ihre “dünnen Orte” erlauben uns, innezuhalten im Fluss der Zeit. So wie wir am Tag der Toten, Allerseelen, innehalten, um unseren Vorfahren zu gedenken und sie zu ehren.

Irland im Ausverkauf

Kevin Barry eröffnet in vorliegender von Paul McVeigh zusammengestellten Anthologie den Reigen irischer Literatur. In Ox Mountains Todeslied, das im Stile einer amerikanischen Pulp-Short Story verfasst ist, sind die Männer noch aus Hartholz geschnitzt und leiden unter den Frauen.”Ein Canavan kannte auch den größten Trost, der einem Mann zuteil werden kann – dass man ein Mädchen zum Lachen bringen konnte.” Barry stammt aus Limerick. Ox Mountains Todeslied erschien erstmals im New Yorker und in seiner Anthologie “That Old Country Music“. Einen ganzen Berg muss der Protagonist in Jan Carson’s Beitrag, “Nur ein besserer Hügel”, versetzt werden. Der Slemish Mountain in Ballymena wird abgetragen, um nach Japan verschifft zu werden. Darren’s Dad kriegt deswegen einiges zu hören, aber es hilft alles nichts, er braucht das Geld. Vom inzwischen kosmopolitischen Belfast berichtet Riley Johnston in “Gemeinsamkeiten”, wo sie eine Dating-Situation beschreibt, wie sie wohl nicht nur Englischlehrerinnen passiert. Herausgeber Paul McVeigh ist mit einem Auszug aus seinem Roman “Guter Junge”, der ebenfalls bei Wagenbach erschienen ist, vertreten. Sein Mickey Donnelly schafft es, freihändig auf Napoleon’s Nose zu stehen und das Gleichgewicht zu behalten.

Here Are the Young Men

Nach Derry, Londonderry oder Doire entführt uns Darran Anderson mit seinen “Kartographien“. Auch hier geht es um die Zeit: “Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr werden wir zu einer Art Fiktion, sogar für uns selbst.” Ein Spiegel könne das Verstreichen der Zeit nicht so verheerend offenbaren wie eine Fotografie. Und obwohl wir alle Exilierte, ja Kosmopoliten, seien, würde der Mittelpunkt des Universums stets jener Ort bleiben, an dem wir aufgewachsen sind. “Vielleicht ist Stolz nicht das richtige Gefühl, doch überlebt zu haben und dabei im Großen und Ganzen anständig geblieben zu sein – das ist nicht wenig.” Mit ganz anderen Problemen kämpft die Protagonistin in Evelyn Conlon’s “Verstörende Worte”. Binnen eines Tages sterben beide ihrer Eltern und anfangs ist es nicht so klar, wer aus Liebeskummer oder wer zuerst starb. Dave Lordan, ein Gen-X-Poet, erzählt vom Fall der Mauer und den Bomben in Bagdad, die fielen, während er in seiner Jugend in West Cork die “time of his life” hatte. Die Leute in Cork sind stolz darauf, dass sie den Unabhängigkeitskrieg gewannen, während ihn der Rest des Landes verlor. Auch huldigt Lordan den Cureheads, Grufties und New Romantics, die den Weg für die heute weit verbreitete Akzeptanz von Nicht-Cis-Menschen vorbereitet hätten. Auch der aus Dublin stammende Rob Doyle bläst in ein ähnliches Horn. Sein Beitrag “Matthew” stammt aus seinem zweiten Roman “Here Are the Young Men”.

Weitere Beiträge von Darran Anderson, Kevin Barry, Evelyn Conlon, Rob Doyle, Liam O’Flaherty, Riley Johnston, Dave Lordan, Frank O’Connor, Éilís Ní Dhuibhne, Jan Carson, Kerri Ní Dochartaigh und nicht zuletzt Paul McVeigh selbst.

Paul McVeigh (Hrsg.)
Irland
Eine literarische Einladung
Aus dem irischen Englisch von Hans-Christian Oeser u. a.
SALTO [268]. 17.3.2022
144 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet
ISBN 978-3-8031-1367-2
Wagenbach Verlag
20,– €


Genre: Anthologie, Irland, Literatur, Sammelband
Illustrated by Wagenbach

Catwoman – Anthologie

Catwoman – Anthologie. Der vorliegende Sammelband zeigt das Können der Zeichner Bob Kane, Jim Balent, Sean Phillips, Tim Sale und der Autoren Bill Finger, Dennis O’Neil, Jeph Loeb, Mindy Newell in einer einzigartigen, fast 400 Seiten starken Publikation versammelt, wie es sie noch nie im deutschsprachigen Raum gab. Denn Catwoman ist längst zu einem Archetyp geworden, der nicht nur Comicfans begeistert und diese Hommage längst verdient hat.

Catwoman Anthologie. Auf dem Index?

Anfangs trat sie noch in eher kindlichen Zeichnungen in einem violetten Kleidkostüm auf, doch bald wurde sie in Lederdress und -peitsche zur Ikone der S/M-Szene. Als Vorbild hielten nicht nur Hedy Lamarr und Jean Harlow her, sondern sie wurde später im Film sogar von Hollywoodgrößen wie Halle Berry oder Kim Basinger und demnächst (2022) – eine weitere Sensation – von Zoe Kravitz (Tochter von Lisa Bonet und Lenny Kravitz) verkörpert. Ursprünglich noch als “The Cat” bezeichnet war Selina Kyles vor allem als Juwelendiebin und Partnerin von Batman Erzfeind The Joker bekannt und berüchtigt. Aber bald schon nahm sie den Reichen und gab den Armen, ganz so wie Robin Hood. Zwischen 1954 und 1966 unterlag sie aufgrund ihres zwielichtigen, ambivalenten Verhaltens sogar dem Comic Code und verschwand gänzlich aus allen Publikationen. Dafür war ihr Comeback danach umso stärker.

Catwoman und Cat- oder Batman?

In einem ihrer ersten gemeinsamen Abenteuer (Batman 1, 1940), das auch in vorliegendem Band abgedruckt ist, betätigt sie sich als Juwelendiebin auf einem Luxusdampfer und Batman lässt sie willentlich entkommen, was den Argwohn seines Mitstreiters Robin erregt. Kann es sein, dass sich der Dunkle Ritter gar verliebt hat? Bemerkenswert ist dies auch deswegen, weil im selben Strip Batman auch als Lehrer auftritt, der seinen jungen LeserInnen zeigen will, wie feige Ganoven sind, die eine Pistole tragen. Und wie elegant solche mit Krallen sind. Ambivalenz also auch hier, auf Seiten des Gesetzes. Aber die Mystery Men – wie die Superhelden damals noch genannt wurden – haben eben auch menschliche Züge und erliegen durchaus auch weiblichem Charme. 1952 erschien ein Batman Comic, in dem selbiger den “King of Cats” bekämpfen musste. Aber letzterer bekommt unerwartete Unterstützung von Catwoman, was die Eifersucht des Dunklen Ritters auslöst, schließlich wäre er selbst gerne der von Catwoman bewunderte und beschützte. Die Pointe lässt nicht auf sich warten und wird hier nicht verraten, nur soviel: schade, dass der King of Cars nie mehr als Protagonist auftauchte. Umso schöner, dass er in vorliegender Anthologie wieder einen – wenn auch zu kurzen – Auftritt hat.

Cat-astrophe im Rotlichtmilieu

Eine weitere Cat-astrophe bedeutet auch das Abenteuer aus dem Jahre 1980 (Batman 323, „The Cat Who Would Be King“). Am Stadtrand von Gotham City in einer Katakombe fängt der furchterregende Cat-Man, der Mann mit den neun Leben, Batman und Catwoman in einem Spinnennetz. Ein aussichtsloser Kampf beginnt, aber das Teamwork sticht dann doch. Ganz schön düster geht es in „Die Autobiographie von Bruce Wayne” (“The Brave and the Bold“, Batman 197, April 1983) zu, denn die LeserInnen erfahren nicht nur intime Details über Bruce Wayne, sondern auch, warum Selina Kyle zu Catwoman wurde. Aber am Ende wird sogar geheiratet! Auch die Story von Mindy Newell, “Catwoman Metamorphose” ist vom Artwork besonders hervorzuheben, nicht nur dass die Story extrem düster ist und im Rotlichtmilieu spielt, es ist auch genau di Geschichte, in der Selina erstmals ihren Leder-Jumpsuit trägt, der sie auch in Hollywood populär machte. Die Story erinnert etwas an V for Vendetta und ist ebenso authentisch wie diese, ein echter Comic Noir aus den Achtzigern. Schließlich darf auch das Werk von Jeph Loeb, “Hush” (Batman 617, 2003), nicht unerwähnt bleiben, in dem die Zeichnungen von Jim Lee ein wahres Feuerwerk im Gehirn entfachen. Denn nicht nur das Lettering und die Farben sind beeindruckend, sondern auch die Perspektiven, Großformate und die Interpretation von Scarecrow sowie Huntress und Catwoman. Davon würde man gerne mehr sehen. Kurzum: eine dicke Hommage an eine weiblich Ikone der Popkultur, die zensiert wurde, weil sie ein zu starkes Frauenbild in einer von Männern dominierten Welt verkörperte. Aber seit 1966 schlägt Catwoman wieder zurück. In einer (leider) immer noch von Männern dominierten Welt.

Bill Finger, Dennis O’Neil, Jeph Loeb, Mindy Newell

Catwoman – Anthologie

Original Storys: Batman (2016) 14, 37, Batman 1, 3, 65, 69, 323-324, 617, Catwoman (1989) 1, Catwoman (1993) 28, Catwoman (2002) 32, Catwoman (2011) 1, Catwoman (2018) 1, Catwoman: When in Rome 4, DC Super-Stars 17, Superman’s Girl Friend Lois Lane 70-71, The Brave and the Bold 197

2021, Hardcover, 396 Seiten

ISBN: 9783741624827

Panini Verlag

39,00 €


Genre: Anthologie, Batman, Catwoman, Comics, Graphic Novel
Illustrated by Panini Comics

Die gruseligsten Orte in Hamburg

Autor und Herausgeber Lutz Kreutzer präsentiert sein Buch im Hamburger Hafen

Der Münchener Krimi-Autor Lutz Kreutzer entwickelt sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zum Spezialisten für Grusel und Grauen. Nach Bänden über Nürnberg, München und Köln hat er sich »Die gruseligsten Orte in Hamburg« vorgenommen. Denn auch in Hamburg, der Stadt des Understatements und feinen Benehmens wird seit Jahrhunderten viel Blut vergossen. Weiterlesen


Genre: Anthologie, Kriminalliteratur
Illustrated by Gmeiner-Verlag Meßkirche

Die gruseligsten Orte in München

„Die gruseligsten Orte in München“ betitelt der Gmeiner Verlag eine Anthologie mit Schauergeschichten über die bayerische Hauptstadt. Der unbedarfte Rezensent preußischer Provenienz vermutet eine „Third Reich Tour“ und einen Besuch jener Keller, in denen brauner Geist die Hirne vernebelte. Er denkt vielleicht auch an einen Besuch in der CSU-Parteizentrale, doch das Buch beleuchtet München finstere Seiten weniger politisch als historisch. Weiterlesen


Genre: Anthologie, Städte
Illustrated by Gmeiner-Verlag Meßkirche

Der tragikomische Kafka

Wagenbach, prononcierter Kafka-Kenner und ehemaliger Verlagsleiter des gleichnamigen Verlages hat sich Zeit seines Lebens über „die Schulweisheit vom dunklen Kafka geärgert“ und immer wieder einen Kafka voll hintergründigem Humor, unerwarteter Wendungen, mit einer Vorliebe für das Paradoxe und mit einer Neigung zur Ironie des Absurden ausgegraben und hervorgekehrt. Dies ist auch das Anliegen dieser Auswahl an Auszügen aus seinen Romanen und Kurzgeschichten, die der Herausgeber hier zusammengestellt hat.

Der tragikomische Kafka

In „Der Verschollene“ – besser bekannt unter dem Titel „Amerika“ kommt Kafkas Hang zu spitzbübischem Humor besonders gut zur Geltung handelt das Romanfragment doch von dem sechzehnjährigen Karl Roßmann, der einem modernen Simplicissmus gleich die Tücken der Neuen Welt kennenlernt. Ein Auszug aus „Der Verschollene“ ist in vorliegender Publikation unter dem Titel „Slapstick“ abgedruckt und erzählt die Episode von der Reinigung der Wohnung der Opernsängerin Brunelda in gewohnt süffisant-witzigem Ton, so wie wohl auch Wagenbach „seinen“ Kafka gerne sieht. Aber auch sonst gibt es mannigfaltige Beweise für Wagenbachs These von einem „lustigen Kafka“. Man erinnere sich nur an den „Ein Bericht für eine Akademie“ in dem Kafka – oder der Erzähler – in die Rolle eines Affen schlüpft, um von seiner Menschwerdung zu erzählen: „Verzicht auf jeden Eigensinn war das oberste Gebot, das ich mir auferlegt hatte; ich freier Affe, fügt mich diesem Joch.“

Kafka voller Humor

Eine andere Geschichte erzählt von der tragikomischen Sorge des Trapezkünstlers, dem die eine Stange nicht reicht und der sich zu viele Gedanken macht. „Erstes Leid“ ist eine Episode aus seinem Leben übertitelt, die von seiner Weigerung vom Trapez zu steigen erzählt und seinen Impresario ernsthafte Sorgen bereitet, selbst als er ihm endlich eine zweite Stange und Trapez besorgt. In einem Ministeriums- oder Versicherungsbüro wiederum spielt die Geschichte von dem Beamten, dem seine Kollegen die täglichen Aktenberge neiden. „Warum wurde er gerade hier so unbeherrschbar müde, wo niemand müde war oder wo vielmehr jeder und immerfort müde war, ohne das dies aber die Arbeit schädigte, ja es schien sie vielmehr zu fördern“. Wen diese Worte vom witzigen Kafka nicht überzeugen, der kann sich in vorliegender Anthologie mittels der anderen Auszüge aus Kafkas Werk gut Appetit machen auf das eigentliche große Werk Kafkas, das jeder einmal gelesen haben sollte.

Franz Kafka
Ein Käfig ging einen Vogel suchen
Komisches und Groteskes
Zusammengestellt von Klaus Wagenbach
SALTO. 2018
144 Seiten. 11 x 21 cm. Rotes Leinen. Fadengeheftet. Gebunden mit Schildchen und Prägung
18,– €
ISBN 978-3-8031-1335-1
Wagenbach Verlag


Genre: Anthologie, Humor, Komik, Kurzgeschichten
Illustrated by Wagenbach

Aquaman-Anthologie

Aquaman – demnächst im Kino und jetzt schon bei Panini

Am 20. Dezember kommt er in unsere Kinos: Aquaman, der König der größten aller Welten, der Unterwasserwelt! „Man halte sich die Welt vor Augen. Macht man sich ihre Größe bewusst, erkennt man, wie klein man eigentlich ist. Die gewaltigen Ozeane. Ihre Durchschnittstiefe beträgt 4 km, aber an einigen Stellen reichen sie 11 km tief. Sie bedecken fast 361,2 Millionen m2 der Erdoberfläche. Sie sind zwei Drittel des Planeten. Siebenundneunzig Prozent der globalen Biosphäre. Im Vergleich dazu ist ein Mensch ziemlich unbedeutend.“ So steht es jedenfalls in einer der Geschichten dieser Anthologie über den König der Sieben Weltmeere. Und da soll noch einer behaupten, aus Comics lerne man nichts!

Aquaman: Im Kino und in einer Anthologie

Rechtzeitig zum Start des Aquaman-Kinofilms enthält dieser Prachtband die besten und wichtigsten Geschichten aus fast acht Jahrzehnten Aquaman-Historie, denn Aquaman war neben Batman und Superman einer der ersten Superhelden und wurde 1941 – kurz nach den beiden Erstgenannten – von Mort Weisinger und Paul Norris aus der Taufe gehoben. Zuletzt erführ der Beschützer der Ozeane aber auch einige Neuinterpretation und mutierte vom wilden Fantasy-Held bis hin zum grimmigen Kraftprotz der Moderne. Waren die ersten Storys über den Meerkönig noch merklich an ein jugendliches Publikum gerichtet und ließen ihn noch auf Delfinen reiten und mit Walen sprechen, brachte der Relaunch ab den Neunziger Jahren eine Art König Arthur (voller Name: Arthur Curry) im Stile der Sword & Sorcery hervor, der ähnlich einem Thor der Unterwasserwelt sich gegen andere Götter oder Meeresbeherrscher stemmen muss.

Vom Superheld zum König

„Droh mir nicht! Ich bin kein hilfloser Flüchtling auf einem sinkenden Schiff“, ruft Aquaman in einer seiner ersten Abenteuer dem deutschen Nazi-U-Boot-Kapitän entgegen. 1941, als Aquaman erfunden wurde, herrschte Krieg zwischen den USA und dem Deutschen Reich. Aber auch später noch war eine politische Komponente der Storys nicht zu leugnen, hatte Aquaman es doch immer wieder mit einem rachsüchtigen Halbbruder, einem auferstandenen und machtbesessenen Vater und allerhand Intrigen und Verschwörungen zu tun: „Verrat, Machtgier, Geschwistermord“. Aber auch persönliche Verluste wie den Tod seines Sohnes oder die Trennung von seiner Frau Mera muss Aquaman verschmerzen. Eine der besten Geschichten in vorliegendem Band stammt von Gerry Conway/Chuck Conway und handelt von der Gründung der Justice League of Detroit. Sie ist voller street-credibility und slang und sicher nicht jugendfrei, aber voller Gags und Dilemma: kann sich ein Superheld überhaupt ein Privatleben leisten? Natürlich sind auch Peter David und Geoff Johns, die beide den neuen Aquaman erfanden, der nun in die Kinos kommt, in dieser Anthologie vertreten.

Jede Menge Hintergrund-Infos und einige der besten Aquaman-Storys aller Zeiten von den unterschiedlichsten Autoren und Zeichnern und das alles in einem Band: die Aquaman-Anthologie neu bei Panini und demnächst in Ihrem Kino.

Aquaman-Anthologie
2018, Hardcover, 404 Seiten
Storys: More Fun Comics 73; Adventure Comics 174, 260, 269, 444, 452 & 475; Aquaman (Vol. 1) 18, 57 & 63; Justice League of America (Vol. 1) Annual 2; Aquaman (Vol. 5) 2 & 34; Aquaman (Vol. 6) 17 & 18; Aquaman (Vol. 7) 0, 1, 18 & 24; Aquaman: Rebirth 1
35,00 €
Panini Verlag


Genre: Anthologie, Comics, Graphic Novel
Illustrated by Panini Comics

Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts

bibliothek-1Eine Lust zu lesen

Es ist jetzt mehr als zehn Jahre her, dass die Süddeutsche Zeitung mit Thomas Steinfeld als Herausgeber eine Buchreihe auf den Markt gebracht hat, deren Headline bereits auf eine ambitionierte Unternehmung hindeutet: «Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts». Der vorliegende Begleitband nun, der die im Feuilleton dieser Zeitung erschienenen Patentexte zu den hundert Bänden enthält, ist eine sinnvolle Ergänzung zu diesem editorischen Großprojekt. Im Nachwort wird diese Buchreihe als eine Erfolgsgeschichte vorgestellt, mit Millionenauflage, versteht sich.

Erfreulich daran ist, dass hier einem breiteren Lesepublikum eine Fülle von hochklassigen, teilweise auch vergessenen Romanen nähergebracht wurde. Wie nahe, ist offen, zumindest aber stehen die bunten Bände in vielen Bücherschränken, wie ich in meinem Umfeld immer wieder erstaunt feststelle. Auf Nachfrage allerdings müssen dann doch viele der stolzen Bibliophilen kleinlaut zugeben, bei weitem noch nicht alles gelesen zu haben, was da in ihrem Billy-Regal schlummert. Das passende Zitat zu diesem literarischen Phänomen findet sich in Matthäus 26, 41: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!

Um es gleich vorweg zu sagen: die Lektüre lohnt sich bei fast allen dieser hundert Romane! Selbst wenn man nur einige davon gelesen hat, ist damit nicht nur die eigene Belesenheit gewachsen in puncto anspruchsvolle Literatur, man hat auf jedem Fall seinen Horizont erweitert. Womöglich hat man Sujets kennengelernt, mit denen man sich noch nie beschäftigt hat im Lesealltag, hat sprachliche Stile erlebt und vielleicht auch genossen, denen man noch nie begegnet ist, hat sich gar bestens unterhalten gefühlt dabei. Man wird auch feststellen, dass mit dem Adjektiv «groß» im Titel nicht unbedingt immer nur die literarische Qualität der Romane gemeint ist, deren Popularität wurde offensichtlich ebenfalls berücksichtigt, auffallend viele der Titel nämlich kennt man aus dem Kino. Womit ich hier aber keineswegs eine wohlfeile Kritik an der Buchauswahl vorbringe, jeder Kanon dieser Art wird immer anfechtbar sein, Kunst und damit auch Literatur entzieht sich objektiver Wertung. Allerdings, bei der berechtigten Frage, warum bei den Autoren zum Beispiel Thomas Mann oder Heinrich Böll fehlen, beide ja unbestritten zum Olymp deutschsprachiger Romanciers gehörend, wird man erstaunt feststellen, dass dieser Begleitband sich sehr beredt zu den seinerzeit bei der Auswahl angewendeten Kriterien ausschweigt, ein unverzeihliches Manko, wie ich finde.

Die klappentextartigen, jeweils zweiseitigen Besprechungen der hundert Romane sind von ausgewiesenen Literaturkennern geschrieben, Leute aus dem Feuilleton, Kritiker, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler. Es liegt jedoch in der Natur dieser sogenannten «Patentexte», dass sie im Sinne des Verlages für die Bücher werben, sich also auf keinen Fall despektierlich über sie äußern können. Hilfreich sind sie trotzdem, liefern sie doch so manche nützliche Information zu Werk und Autor. Insbesondere das Vorwort unter dem Titel «Es ist eine Lust zu lesen» ist ein Quell kluger Gedanken zu unserem Steckenpferd, dem Lesen von Romanen. «In der inneren Bibliothek des Lesers sind die Werke nach dem Maßstab ihrer Erinnerbarkeit aufgestellt», schreibt Heinz Schlaffer dort. Ältere Leser werden manches früher schon gelesen haben, mehrfache Lektüre aber «lässt am Text neue Vorzüge – oder Schwächen – entdecken, woraus auch der Leser selbst auf den Wandel seines Geschmacks und seiner Lebenserfahrung schließen darf.» Für die weniger eifrigen Leser aber hat Schlaffer mit seinem letzten Satz noch einen Trost parat: «Denn für die Kenner ist das Interesse an Literatur nicht auf den Akt gewissenhaften Lesens beschränkt; sämtliche Formen des Umgangs mit Literatur, auch die unvollständigen, tragen ihm neue Kenntnisse und Ahnungen ein.» Na bitte! Ich habe nämlich auch noch nicht alle hundert Bände gelesen.

Fazit: lesenwert

Meine Website: http://ortaia.de


Genre: Anthologie
Illustrated by Süddeutsche Zeitung München

Mein Klassiker

anthologie-1Berichte aus dem literarischen Olymp

Diese Anthologie unter dem Titel «Mein Klassiker» hat jüngst meine Leseneugier geweckt, verspricht doch der Untertitel «Autoren erzählen vom Lesen» einen den eigenen literarischen Horizont womöglich erweiternden Blick nicht nur auf die Rezeption berühmter Bücher, sondern eben auch auf etliche der Autoren, die über ihre diesbezüglichen Lese-Erfahrungen berichten. Es sind sechsunddreißig an der Zahl, die sich da äußern, und wie sie das tun ist genau so vielschichtig, wie es zu erwarten war bei Schriftstellern, die nun mal schreibende Solitäre sind, mit zum Teil ausgeprägtem Hang zu skurriler Andersartigkeit.

Die erste Überraschung war für mich, dass mir viele der 36 Autoren dieser Anthologie nicht mal namensmäßig bekannt waren, gelesen hatte ich nur sechs von ihnen. Mir wurde aber schnell klar, dass einige wohl mehr der Lyrik, der Dramatik oder dem Sachbuch zuzurechnen sind und schon allein deshalb aus dem Radar fallen für einen der Epik zugeneigten Prosaleser wie mich. Und wer könnte bei etwa 15.000 Belletristik-Neuerscheinungen jedes Jahr in Deutschland denn wirklich behaupten, alle Autoren zu kennen, geschweige denn gelesen zu haben. Bei meinen schamhaften und unverzüglich vorgenommenen Recherchen im Internet stieß ich prompt auch gleich auf die Formulierung «vielleicht der am meisten unterschätzte deutschsprachige Autor der Gegenwart». Genau solche Lobhudelei aber, ich nenne den Autor bewusst nicht, gilt, abhängig von der ja immer persönlichen Perspektive, vermutlich gleichermaßen für alle der hier beteiligten Schriftsteller, es hilft also in der Sache nicht weiter. Ein unlösbares Dilemma mithin für Leser, die sich halbwegs auszukennen hoffen, aber eben auch nicht annähernd alles gelesen haben können.

Eine weitere Überraschung war die Auswahl der Klassiker. Nach Vladimir Nabokovs Definition sind Klassiker in der Literatur «zeitlose Kunstwerke», denen ein «individueller Genius» innewohnt. «Klassisch ist ein literarisches Werk, wenn es gleichermaßen vergangen, erinnert und gegenwärtig ist», hat Heinz Schlaffer formuliert. In bunter Folge wird in der vorliegenden Anthologie über Autoren berichtet wie auch über einzelne Werke. Ob Karl May, dem neben Anderen der erste Aufsatz gilt, in den «heiligen Hallen kanonischer Texte» beheimatet ist, muss bezweifelt werden, der Begriff Klassiker ist hier also nicht unbedingt qualitativ gemeint. Eine deutlich erkennbare Tendenz bei der Auswahl der zu besprechenden Klassiker, also der «vermeintlichen Fundamente», wie es im Vorwort skeptisch heißt, ist in vielen Fällen die Vorprägung durch Deutschstunde und Proseminar. Und so ist es auch kein Wunder, wenn die Aufsätze bis zu Ovid zurückreichen und zum «Meier Helmbrecht» ins 13te Jahrhundert. Weiter geht es über Cervantes, Petrarca, Jean Paul, Novalis, Hölderlin, Büchner, Stifter, Heine, Mörike, Goethe und Schiller bis hin zu Proust (mit 13 Seiten längster Beitrag, sic!), Thomas Mann, Tolstoi, Hamsun, Brecht, Döblin, Zweig, Robert Walser, Walter Benjamin und Gertrude Stein. Zweifellos alles literarische Olympier. Und Märchen wie «Schneeweißchen und Rosenrot» oder die «Hasenschule» bekommen ebenso ihre Bühne wie der Abenteuerroman «Ein Sturmwind auf Jamaika» von Richard Hughes oder Kriegsromane wie Hašeks «Schwejk» und Remarques «Im Westen nichts Neues». Abschließend beleuchten noch die zwei Essays «Der Leser» und «Bücher» das literarische Terrain.

Es hat sich also niemand getraut, Werke von Böll, Grass oder Lenz als Klassiker auszuwählen und zu besprechen, obwohl das mit dem heutigen zeitlichen Anstand ja durchaus angebracht wäre, ganz im Sinne von «vergangen, erinnert und gegenwärtig». Wie auch immer, diese Anthologie weist uns auf eigene Lese-Erfahrungen zurück, sie gibt zudem Anregungen für die Lektüre des einen oder anderen Klassikers sowie der beteiligten Autoren selbst, die hier kenntnisreich und zum Teil sehr unterhaltend, nicht selten sogar überraschend, aus dem literarischen Olymp berichten.

Fazit: lesenswert

Meine Website: http://ortaia.de


Genre: Anthologie
Illustrated by Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main