
Ich bin dann mal im Keller
Ich bin dann mal im Keller. „This, you must know, is the growlery. When I am out of humour, I come and growl here.“ (Charles Dickens, Bleak House, 1852). Wohin kann „der Mann“ der weiblichen Ästhetik der Wohnräume noch entkommen? Wo ist der Raum, in dem er noch (fast) alles selbst bestimmen kann? Sie haben es bereits erraten: der Keller.
Keller oder Synonym
Aber der Keller muss nicht immer ein Keller sein. Es kann auch ein Schuppen oder eine Garage sein. Ein Woodshed. Oder ein growlery. Ein Pub. Eine Teestube. Oder auch The Man Cave. Ein Fass (Diogenes). Ein Bootshaus (Dylan Thomas). Ein Naust. Ein Rorbu. Ein Smorebu (norwegische Schmier- und Wachsbude für Ski). Für alle diese Räume gilt: „Im Keller sind wir sicher, im Keller ist es schön. Da ist der Ruf der Möglichkeiten zu hören.“ Und im Nachsatz fügt Gabrielsen noch ironisch hinzu: „vielleicht riecht es nicht besonders gut da unten, aber über diesen Ort haben wir die Kontrolle“. Natürlich ist der vorliegende Ratgeber nicht wirklich in den Siebzigern hängengeblieben, auch wenn der Autor ein 67er Jahrgang ist. Die Rollenaufteilung Mann/Frau ist heute (2021) nicht mehr so streng aufzufassen wie im Jahrzehnt des Wirtschaftswunders und auch die geschlechtlichen Zuschreibungen sind allenfalls stereotyp, aber sicherlich nicht ganz ernst gemeint. Wichtig ist jedenfalls, den Keller so zu organisieren, dass alle finden, was sie brauchen. Auch Frau. Oder Mann will, dass nur er etwas findet, dann hat der Keller als „letztes Refugium des Mannes“ eine andere Systematik. Seine. Nicht zuletzt haben Männer ja Hobbies, um die Zeit nicht mit ihren Frauen und Kindern zu verbringen, meinte einmal der Komiker Louis C. K. Für den Keller gibt es also auch ein anderes Wort: Freiheit.
Keller als Metapher für Freiheit
Bjørn Gabrielsen gibt Tipps wie man auf dem doch zumeist sehr engen Raum des Kellers Platz sparen kann. Etwa mit an die Decke hochgezogenen Lattenrosten oder an die Decke geschraubte Marmeladengläserdeckel. Letztere sind aus Glas und damit durchsichtig und transparent und so weiß man auch gleich, was sich darin befindet. Ein Blick an die Decke genügt. Neben vielen Fotos und Tipps enthält die vorliegende Lektüre aber auch eine Art Kulturgeschichte des Kellers. Denn während er früher zur Aufbewahrung der Bevorratung von zumeist selbst gemachten Produkten diente, liegt die Fläche heute zumeist brach. Beim Keller hat(te) die Globalisierung halt gemacht. Findige Ehemänner haben das neue Territorium also gleich für sich okkupiert, um den über ihm stattfindenden Familienfesten mit Kinder und Verwandtschaft zu entfliehen. „Ich bin dann mal im Keller“ (Da går jeg inn i kjelleren) wurde so zum geflügelten Wort. Nicht nur in Norwegen. Im Keller lassen sich nämlich nicht nur Arbeitsgeräte, sondern auch Erinnerungen aufbewahren. „Er steckt immer voller und Erinnerungen und Träumen von zukünftigen Projekten.“ Wer noch keinen Keller hat, dem gibt der Autor auch eine Anleitung zum Erbauen eines Schuppens: zu beachten gilt: drei, vier, fünf. Und das mal zwei.
Ein weiterer Vorteil: viele Frauen leiden unter Pitheonophobie. So bleibt man auch für längere Zeit ungestört. Aber nur im Keller.
Bjørn Gabrielsen
Ich bin dann mal im Keller
Vom letzten Refugium des Mannes
Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg. Mit zahlreichen Abbildungen
2016, Fester Einband mit Schutzumschlag, 176 Seiten
Originaltitel: Jeg skal bare ut i boden en tur (Kagge Forlag AS)
ISBN: 978-3-458-17690-9
Insel Verlag, 2. Auflage
18,00 € (D), 18,50 € (A), 25,90 Fr. (CH)





Band oder Brand? Gene Simmons, der Rockstar: Seine Gruppe Kiss gehört zu den führenden Hard Rock Metal Bands die von den Siebzigern bis heute überlebt haben. Demnächst gehen Kiss aber dennoch auf ihre Abschiedstournee „End of the Road“. In „So wird man Rockstar und Millionär“ verrät der Frontman von Kiss sein Erfolgsrezept.
Unternehmensvorstände und Rockstars haben alle eine Gemeinsamkeit mit dir: Sie kamen als ganz normale Menschen auf die Welt! Den Rest machen einige Faktoren und Variablen aus, nicht zu vergessen ein unerschütterliches Arbeitsethos.“

Texte zu Tod und Trauer: Beinahe als lapidar könnte man das Zitat von Gotthold Ephraim Lessing nennen, das Titel dieser Sammlung von Texten wurde, die sich explizit mit Trauernden und Hinterbliebenen beschäftigt, Menschen, die von einem schweren Schicksalsschlag und dem Verlust eines nahen Menschen getroffen wurden: „… und diese Erfahrung habe ich nun auch gemacht”.
Paulo Coelho machte sich 1986 – also vor mehr als einem Vierteljahrhundert – selbst auf die Roata Compostela, den Jakobsweg, und schrieb danach darüber sein erstes Buch, das in einer neuen Taschenbuch deluxe Ausgabe beim Diogenes Verlag mit eigenem Notizbuch erschienen ist. Das Notizbuch ist ebenfalls mit Coelhos beliebten Kalendersprüchen versehen und lässt dennoch noch viel Platz für eigene Eintragungen, sollte man sich tatsächlich auch einmal auf den Weg machen wollen.
Die insgesamt elf Exerzitien oder Rituale, die dem Ich-Erzähler in vorliegendem Buch von seinem geistigen Führer Petrus auf dem Jakobsweg empfohlen werden, lassen sich aber auch schon jetzt – zuhause – in die Tat umsetzen. Es sind einfache spirituelle Übungen, die sich leicht umsetzen lassen und so den Jakobsweg Coelhos auch in den eigenen vier Wänden nachvollziehbar machen. Aber es geht natürlich auch die Geschichte, die der brasilianische Autor von seiner ersten großen Reise – getrennt von Frau und Kind – erzählt. Sein sehr persönliches Tagebuch seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela beginnt mit Selbstzweifeln und Aufschüben. Über ein halbes Jahr braucht Paulo, um sich endlich auf den Wege zu machen, sein Schwert zu finden. Das Schwert steht in seiner Mythologie für den Weg zu sich selbst, für die Macht sein Leben selbst zu bestimmen. „Wir sind es, die den Rhythmus der Zeit bestimmen.“
Der Leser erfährt aber auch von dem Gemeinsamkeiten aller Weltreligionen. So verlangt etwa nicht nur muslimische Tradition eine Pilgerreise nach Mekka, sondern auch das Christentum kennt davon drei: Der erste führt zum Grabe Petr in Rom, der zweite zum Heiligen Grab Christi in Jerusalem und der dritte zu den Reliquien des Apostels Jakobus. Der Weg erhielt den Weg „Compostela“, was nichts anderes bedeutet als Sternenfeld und die Reisenden erkennen sich an dem Symbol der (Jakobs-)Muschel. Die 700 Kilometer zwischen Jean Pied de Port nach Santiago wurden schon im 14. Jahrhundert von einer Million Menschen erwandert. Seither sind es bedeutend mehr geworden und einer davon war auch Paulo Coelho. „Jede Reise ist ein Akt der Wiedergeburt“, schreibt er, und doch ist das Entscheidende der Weg, denn wie beim Sex entscheide auch das Vorspiel über die Intensität des Vorspiels, so Coelhos Führer Petrus. „Nur wer das Geräusch der Gegenwart wahrnimmt, kann die richtige Entscheidung treffen.“ Die beste Zeit in sich zu gehen ist ohnehin das Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr. Ein wichtiges Buch, über das man sich selbst eine Meinung bilden sollte indem man es endlich liest. Auch erschienen als Hardcover Pappband mit 288 Seiten um € (D) 14.90 / sFr 19.90* / € (A) 15.40.
Die Autorin pflegt seit 16 Jahren ihren schwerkranken Mann, der an der heimtückischen Erbkrankheit Morbus Huntington leidet. Diese unheilbare Krankheit begleitet die Familie bereits ein halbes Jahrhundert und verlangt von den Angehörigen eine permanente Trauerarbeit am lebenden Menschen. Schmids Buch, das weitaus mehr ist als ein persönlicher Erfahrungsbericht, richtet sich an all diejenigen, die sich mit dem Recht auf Selbstbestimmung beschäftigen. 


Ovids Liebestipps: „exue fastus, curam mansuri quiquis amoris habes“: Legt allen euren Stolz ab, alle, die Ihr Interesse an einer dauerhaften Liebesbeziehung habt, rät Ovid seinen Liebesschülern und es kommt noch dicker. Als „fairer Mittler“ gibt Ovid nicht nur einer Partei Waffen in die Hand, sondern „trainiert auch die andere Seite mit Ratschlägen“. Aus diesem Grund ist vorliegende amüsante Lektüre von beiden Seiten lesbar: die eine für die Männer, die andere für die Frauen. Wer Ovid deswegen Verrat an seinen Geschlechtsgenossen vorwerfen möchte, dem sei die aufklärerische Note seiner Schrift ans Herz gelegt. Denn obwohl Ovid seine Schrift „ars amatoria“ schon um Christi Geburt schrieb und veröffentlichte sind seine Ansichten bezüglich den Frauen durchwegs fortschrittlich zu nennen. Entgegen damaliger Vorstellungen gesteht er nämlich auch den Frauen Seitensprünge zu und verteidigt stets die erotischen und materiellen Interessen der Frau – wohl auch im Eigeninteresse. Seine fortschrittlichen Ansichten führten übrigens auch zur Verbannung und so verstarb er statt in seinem geliebten Rom am Schwarzen Meer.
Der kulinarische Orient ist in jedem Fall einen Besuch wert und mit vorliegendem Kochbuch “Köstlicher Orient. Eine Geschichte der Esskultur. Mit über 100 Rezepten” noch dazu ein Kinderspiel. Und außerdem: Essen verbindet! Im Sinne einer invented tradition wurde für den Hummus und das Falafel als typisch jüdisches – oder israelisches – Gericht sogar die Thora bemüht, in der von Kichererbsengerichten die Rede sein soll. Der Zionismus hatte nämlich bei der Gründung des Staates Israel die beiden Gerichte als Nationalgerichte definiert, um auch durch diese Speisen Identität für den neuen Staat zu schaffen. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass es sich um rein vegetarische Gerichte handelt, die keinerlei religionsbedingte Probleme für die beiden größten Bevölkerungsgruppen Israels befürchten ließen. Aber die Reaktionen der nicht-jüdischen Bewohner Israels ließ nicht lange auf sich warten: „Sie haben uns nicht allein unser Land genommen. Nun nehmen sie auch noch unsere Küche.“, soll der syrische Soziologe und Kenner der arabischen Küche Sadiq al-Azm beklagt haben, schreibt Peter Heine in seiner Geschichte der orientalischen Esskultur und veranschaulicht damit deutlich, dass selbst das Essen ideologisch benutzt werden kann – von beiden Seiten!
Peter Buchenau mag ein guter »Redner, Ratgeber und Kabarettist« (Eigenwerbung) sein, ein brillanter Autor ist er nicht. Sein Buch »Nur wer wagt, gewinnt« ist in erster Linie eine labyrinthische Predigt, die apodiktisch angelegt ist unter dem Mantra »Nur wer dies und jenes tut oder lässt, der …«