Leben, schreiben, atmen

Das Buch von Doris Dörrie »Leben, schreiben, atmen« kommt im richtigen Moment und gibt uns in der Zeit der Quarantäne etwas Neues zu tun: Wir sollen schreiben! Am besten mit der Hand, unbedingt mindestens 10 Minuten lang und das ohne Denkpausen. Dazu werden mehrere Dutzend Themen vorgeschlagen: Dunkel, süchtig, Piercing, Hochzeit, Kleid oder Flanieren.

Diese Themen werden angedacht, mit Beispielen aus dem reichen Leben der Autorin gefüllt, um dann mit der Aufforderung zu enden, am besten jetzt gleich los zu legen. Dabei muss es nicht fehlerfrei sein, um uns zu ermuntern gibt es, gerade zu Anfang, viele Rechtschreibfehler oder Verkürzungen, die nur ein wenig stören.

Beginnend in der Kindheit, wie läuft es sich barfuß in der damaligen Wohnung, wie wollen die Eltern den Kindern das Lügen austreiben? Und später, was in der Schule war. Wir erfahren, dass sie in Hannover aufgewachsen ist (später in den USA muss sie präzisieren: in Hannover mit zwei) als älteste von vielen Schwestern in einer Arztfamilie. An ihren Eltern hat sie nichts auszusetzen.

Als junge Frau zieht sie in die USA, zum Studium nach Stockton in Kalifornien. „Es macht mich ängstlich und tapfer zugleich, schüchtern und draufgängerisch, introvertiert und exhibitionistisch. Also eigentlich bis auf die Knochen amerikanisch.“ Sie lernt N kennen, die Freundin ihres Lebens, deren Mutterwitz ihr Leben bereichern wird. Und was bedeuten Ihnen Freundschaften?

Wir erleben erste Male, unerwiderte Lieben und dann die große Liebe zu ihrem Mann, den sie nach sechs Wochen Kennenlernen heiratet. Dazu fahren sie an die mexikanische Grenze. Es werden glückliche Jahre, eine Tochter wird geboren; aber das Glück währt nicht lange, er stirbt an einem bei Entdeckung „fußballgroßen“ Tumor. Haben Sie schon einmal einen Moment erlebt, an dem das Leben aus den Fugen geraten ist?

Neben dem in den USA verwurzelt Sein, meist bei N in New York, nimmt sie uns auf viele Reisen mit, länger bleiben wir in Japan, wo sie Kreatives Schreiben lehrt und Filme dreht. Sie reflektiert ihr so sehr anders Sein, als die Anderen: Wenn sie trampen will, halten Autos an, Scheiben werden heruntergekurbelt, um von ihr ein Foto zu machen, und dann ohne sie weiter zu fahren. Eine neue Denkwelt erschließt sich. Und was halten Sie von Aberglauben und Geistern?

Ihre Erfolge als Autorin und Regisseurin werden erwähnt, um den Gedanken auszuführen, um den es gerade geht. So ein Nebensatz ist (bei süchtig): „Es war kinematographisch und das hieß, dass es besser aussah, als es sich anfühlte.“

Dann gefielen mir die Passagen von sich als Mutter, wo sie Klischees über das Mutterglück vermeidet und wo sie auch in ihrer Freude bei sich bleibt, mit allen Widersprüchen, die auch Mütter haben, zum Beispiel zu dem geliebten Partner.

Am ersten Tag musste ich mich noch zwingen, mit dem Lesen aufzuhören und brav meine Schreibübungen zu machen, inzwischen sind diese Teile des Lesevergnügens geworden. Ich habe es für drei Tage gemacht (länger ist das Büchlein nicht), und komme auf fünfzehn engbeschriebene Schulheftseiten.

Noch nicht ausprobiert habe ich den Tipp, die gleiche Geschichte einmal in der Ichform und dann als Sie zu schreiben; dies schaffe eine Distanz und soll die Beschreibung schwieriger Szenen erleichtern.

Der Einstieg in das Schreiben mit Füller fiel mir nicht schwer, den machte ich schon vor über vierzig Jahren. Immer, wenn ich Texte schreibe, egal ob Briefe oder Veröffentlichungen, schreibe ich von Hand vor. Dazu empfehle ich die Anschaffung von Füllfederhaltern mit Kolben oder Konvertern, mit denen man Patronenhalter nachrüsten kann. Ein Tintenfässchen hat nur 30 ml, aber es gibt Tinte in Packungen zu 1 l, die halten Jahre und sind preiswert und ökologisch!

Fazit: Angenehm ansteckend!

Basierend auf dem Bestseller »Leben, schreiben, atmen« von Doris Dörrie hat der Diogenes Verlag zusammen mit der BürgerAkademie und den Volkshochschulen ein kostenloses Schreibseminar online gestellt, an dem Sie teilnehmen können. Viel Erfolg!


Genre: Biographien, Ratgeber, Sachbuch
Illustrated by Diogenes
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