Die Perserinnen

Identitäten, Revolution und Migration

Die in Teheran geborene und in den USA aufgewachsene Iranerin Sanam Mahloudji hat unter dem Titel «Die Perserinnen» mit ihrem Debütroman ein vielschichtiges Familienepos vorgelegt, welches nicht zuletzt auch wegen des Krieges heute hochaktuell erscheint. Am Schicksal von fünf Frauen aus drei Generationen, die teils bei Ausbruch der islamischen Revolution 1979 aus dem Land geflüchtet sind, schildert die Autorin einerseits das Leben im Exil und berichtet andererseits von den restriktiven Verhältnissen im Mullah-Regime. Wobei die Politik selbst nicht im Mittelpunkt steht, sondern das extrem unterschiedliche Leben der fünf weiblichen Roman-Figuren, aus deren spezieller Perspektive hier jeweils erzählt wird.

Der Roman beginnt 2005 mit dem alljährlichen Familientreffen der steinreichen iranischen Familie Valiat im mondänen Skiort Aspen in Colorado. Dort kommt es zum Eklat, weil die anfang-fünfzigjährige Shirin sich voller Übermut in einer Bar spaßeshalber für sehr viel Geld einem Mann angeboten hat, der sich dann aber als Polizist in Zivil herausstellt und sie wegen Anbahnung von Prostitution ins Gefängnis bringt. Neben Shirin, deren Leben den wichtigsten Erzählstrang des Romans bildet, sind mit «Die Perserinnen» deren Schwester Sima, ferner die um 1940 herum geborene Elisabeth, Mutter der beiden, und die Enkelinnen Bita und Niaz gemeint. Die Familie Valiat wurde durch den als «Großer Krieger» bezeichneten und hoch verehrten Großvater unermesslich reich, wobei an dessen Händen aber auch viel Blut klebte. Zeitlich umfasst diese Geschichte eine Zeitspanne von etwa 60 Jahren mit all den politischen Umbrüchen dieser wild bewegten Zeit.

Als der persische Schah 1979 fliehen musste, hat Shirin sich entschlossen, ebenfalls das Land zu verlassen, – vermeintlich nur vorübergehend, in Wahrheit aber für immer! Ihre Mutter Elisabeth blieb im Land, und auch die damals sechsjährige Niaz wollte nicht fort und lebt fortan bei der Oma in Teheran. Die Flüchtenden gelangen schließlich in die USA, wo aber niemand sich dafür interessiert, dass sie aus der schon fast monarchistisch auftretenden Familie Valiat stammen. Der Reiz dieser Erzählung liegt im extremen Kontrast der Lebensumstände, die da anschaulich geschildert werden. Es wird umfassend beschrieben, wie sie geprägt sind und über verschiedene Lebensphasen hinweg nun unter den total veränderten Verhältnissen notgedrungen klarkommen müssen. Damit tun sich sowohl die Großmutter Elisabeth in Teheran schwer wie auch ihre Tochter Shirin, die in den USA ein exaltiertes Leben führt und damit alle vor den Kopf stößt. So lässt sie sich in Aspen beispielsweise spontan von einem Juwelier seine teuersten Uhren vorlegen. Als sie gefragt wird, welche sie denn nun wolle, sagt sie «alle»! Die dreißigtausend Dollar, die das kostet, sind kein Problem, und wenig später schon wirft sie die Tüte mit den Uhren in den Schnee, weil sie die ja gar nicht braucht, sie hat doch schon genug davon. Als zentrale Figur des Romans ist sie maßlos in allem und wirkt dadurch nicht gerade sympathisch.

Scharfsinnig beobachtend schreibt die Autorin, zuweilen sogar humorvoll, über Migration und dessen Einfluss auf die Identitäten ihres Personals, das zudem durch familiäre Mythen und faustdicke Lügen geprägt ist. Mit seinen wechselnden Perspektiven und häufigen Zeit- und Orts-Sprüngen fordert der Roman volle Aufmerksamkeit, ist also trotz seines lockeren, ‹amerikanisch› anmutenden Schreibstils keine leichte Lektüre. Ein Manko dürfte zudem das weitgehende Fehlen des Politischen sowohl im Iran als auch in der Wahlheimat USA sein, man muss andere Quellen hinzuziehen, will man die Hintergründe mancher Ereignisse wirklich verstehen. Aber auch der unermessliche Reichtum spielt eine ziemlich negative Rolle in dem Geschehen. Er bewirkt durch den schon fast verächtlichen Umgang damit unwillkürlich eine ziemliche Distanz zu den handelnden Personen, bei denen in diesem feministisch angelegten Roman den Männern nur sehr bescheidene Nebenrollen zugewiesen sind.

Fazit:   mäßig

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Genre: Roman
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