Jean Pistre gründete mit Denis Valode das Architekturbüro Valode & Pistre. In vorliegender Publikation weist er auf insgesamt 76 regionaltypische Gebäude hin, die uns in Zeiten des Klimawandels das Überleben ermöglichen könnten. Ein Blick zurück in die Vergangenheit zu einfachen Hütten und Iglus und Tepees über strohgedeckte Häuser bis hin zu jahrhundertealten Steintürmen und anderen Bauwerken aus aller Welt.
Das Kulturgut der Menschheit: originäre Architektur
„Es ist erstaunlich, mit welcher Originalität Menschen seit Jahrtausenden in den unterschiedlichsten Regionen der Welt bauen und sich Schutz und ein Zuhause schaffen“, und das in allen Erdteilen, verschiedenen Kulturen, Klimazonen und Jahrhunderten. Jean Pistre hatte eine prägende Erfahrung in den Wäldern Südmexikos, die ihn inspirierte. Neben Fotos und Erklärungen wird auch das Innenleben der jeweiligen Häuser mit einheitlich gestalteten Zeichnungen veranschaulicht, quasi wie eine Bauanleitung, wenn man über die richtigen Materialien verfügen würde. Pistre analysiert deren Aufbau: von Iglus in Grönland und Lehmhütten in Kamerun über die traditionellen Holzchalets der Alpen bis hin zu Baumhäusern in Papua und Bambushäusern von Fischern auf Sulawesi. Pistre präsentiert diese Gebäude nicht als Relikte, sondern als voll funktionsfähige Bauwerke, die durch den Klimawandel wieder interessant werden und auch zeitgenössische Architektur inspirieren könnten. Nicht nur das praktisches Wissen, sondern auch die Umweltbedingungen, konkrete Bedürfnisse und über Generationen gewonnene Erfahrungen beeinflussten die Bauten der jeweiligen Region. Sie sind keine Relikte, sondern voll funktionsfähige Bauwerke wie etwa die Türme von Sanaa im Jemen. Ein ausgeprägtes Verständnis für Klima, Materialien und menschliches Verhalten sowie von einem erfinderischen, über Generationen verfeinerten Umgang mit den verfügbaren Mitteln zeichnen alle vorgestellten Häuser aus.
Architektur einmal anders: Häuser aus Naturmaterialien weltweit
Interessant ist auch, wie sich viele Bauweisen trotz aller kulturellen und geografischen Unterschiede durchaus ähneln. Thematische Schwerpunkte zeigen etwa die “Welt der Nomaden” ebenso wie die “Wasserwelt” oder “Getreidespeicher” und die Welt der Farben, Muster und Kreise. Es werden aber auch Taubenhäuser besucht. Jeder Kontinent wird repräsentiert und zudem auch Ozeanien. Eine reiche Bibliographie und Foto Credits machen das Dargestellte nachverfolgbar und eröffnen weitere Forschungs-schwerpunkte. Mehr als 900 Zeichnungen erweitern den Blick auf die unterschiedlichsten Wohnstätten, in denen eine gemeinsame menschliche Erfindungsgabe zu erkennen ist und ermuntern auch die zeitgenössische Architektur sich von ihren tiefsten Wurzeln her neu zu denken.
Philip Jodidio
Jean Pistre: Tracing the Roots of Architecture.
Traditional Buildings around the World
2026, Hardcover, 23.8 x 30.2 cm, 1.84 kg, 432 Seiten
Ausgabe: Englisch
ISBN 978-3-7544-0197-2
TASCHEN
€ 50