Mother’s Spirit 1 und 2
by Enzo

Liebe zwischen zwei Kulturen

Schlimmer kann es für den schmächtigen, zurückgezogenen, schüchternen, aber liebenswerten Universitätsangestellten Ryouichirou Tsutsuki kaum noch kommen: Er soll im Auftrag des Unipräsidenten einen Austauschstudenten aufnehmen. Vorbei die Ruhe, denn Austauschstudent Qualtaqa kommt direkt aus dem Dschungel – ohne jemals Kontakt mit der westlichen Zivilisation gehabt zu haben. Dementsprechend kann er weder Englisch, noch kennt Qaltaqa die Errungenschaften der modernen Technik. So stellt allein schon ein Gang auf die (japanische Hightech-)Toilette den muskulösen Krieger vor ungeahnte Herausforderungen. Aber der sanfte Riese ist zäh und willig, alles über sein Gastland zu lernen. Und so erstaunt er nicht nur die hohen Tiere der Universität mit seiner Lerngeschwindigkeit, sondern nötigt auch Ryo eine gehörige Portion Respekt ab.

Ryo selbst ist im Laufe der Zeit fasziniert von Qaltqa und dessen Fähigkeiten, im Dschungel zu (über)leben. Aber auch Qaltaqas Äußeres lässt ihn nicht kalt, denn alle Menschen vom Stamm der Lutha sind extrem attraktiv. Qaltaqa hingegen mag Ryos Liebenswürdigkeit und Warmherzigkeit. Und da Qaltaqa gewohnt ist, im Einklang mit der Natur zu leben, zeigt er Ryo offen seine Gefühle. Das ist für den japanischen Mann, dem von Anfang an beigebracht wird, seine Gefühle zu verbergen und ständig Selbstkritik zu üben, sehr erschreckend, aber gleichzeitig auch faszinierend.

So nähern sich die beiden vordergründig so unterschiedlichen Männer langsam einander an und beginnen eine heimliche Liebesbeziehung. Allerdings will Qaltqa mehr. Er nimmt Ryo mit in den Dschungel und stellt ihn seinen Stammesmitgliedern als seine “Braut” vor. Wie werden die Stammesältesten auf diese kühne Ankündigung reagieren?

Homosexualität

Die beiden in sich abgeschlossenen Bände bedienen das Genre BL (boys love = gleichgeschlechtliche Liebe zwischen jungen Männern). Da auch Sexszenen vorkommen, ist der Manga allerdings erst für ältere Leser/innen zu empfehlen. Dass dem Thema Homosexualität in Mangas ein eigenes Genre eingeräumt wird, ist erst einmal zu begrüßen. Allerdings dient es meist nicht dazu, mehr Toleranz in der (japanischen) Gesellschaft zu fördern, sondern zielt auf den Frauengeschmack ab: BL wird vorwiegend von Leserinnen gekauft, die die attraktiven Charaktere sehr zu schätzen wissen. Das Gegenstück, Yuri genannt, das die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen thematisiert, wird eher stiefmütterlich behandelt. Das weist leider auch wieder auf die unterschiedliche Wertigkeit von Frau und Mann hin. Lesbische Liebe wird auch hierzulande nicht so offen gelebt wie schwule Liebe. Sie führt im Vergleich dazu eher ein Schattendasein. Zudem müssen viele Lesben (mit oft vorausgehenden schlechten herterosexuellen Beziehungen und den daraus resultierenden Kindern) genau wie heterosexuell Alleinerziehende mit finanzieller Armut klarkommen. Diese scheint bei schwulen Männern nicht so verbreitet zu sein.

In den BL-Mangas wird der Problematik, denen sich homosexuelle Paare ausgesetzt sehen, nicht besonders viel Raum eingeräumt, obwohl es Mangas gibt, die das durchaus tun. Das Problem des Outings wird auch hier realtiv schnell abgehandelt. Ansonsten ist die zarte Liebe, die da erblüht, schön anzusehen, denn sie ist durchaus romantischer Natur und nicht explizit auf Sexszenen ausgelegt.

Westliche Welt versus Naturvölker

Auch dieser Manga tappt in die Falle, die westliche Kultur über die der Naturvölker zu stellen. Der Vorstandsvorsitzende betont zwar die Intelligenz und die außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten der Lutha, aber “da sie ein Naturvolk sind und weit weg von der Zivilisation leben, kennen sie bedauerlicherweise keinerlei Kultur des Lernens” und will dem mit seinen Beziehungen Abhilfe schaffen. Weder stellt sich ihm  die Frage, ob das gut für das Naturvolk ist, noch ist ihm die Vetternwirtschaft bewusst, die er da betreibt. Und Ryou fragt auch nicht nach, denn es gilt das hierarchische Prinzip des Gehorsams. Arrogant auch die Aussage, das Naturvolk würde “keinerlei Kultur des Lernens” kennen. Wer sich damit mehr beschäftigt, weiß, dass es sehr wohl eine Kultur des Lernens gibt, die aber anders (und damit der westlichen offensichtlich nicht gleichwertig, weil mündlich und nicht schriftlich) ist.

Davon abgesehen macht sich keine der Figuren darüber Gedanken, was die “Segnungen” der Zivilisation für Schäden anrichten können. Und es in der Vergangenheit auch getan haben, wie z.B.  Raubbau an der Natur, Einschleppen tödlicher Krankheiten, Alkohol, Landwegnahme, Zivilisationskrankheiten usw. Gut, dass der Manga zumindest ansatzweise die naturverbundene Sicht der Lutha dagegenstellt, von der der Raubbau betreibende Westen noch einiges bzgl. Nachhaltigkeit lernen kann. (Mal abgesehen davon muss man ja auch in der westlichen Welt nicht jeden technischen Schnickschnack mitmachen; Internet-, Handy- und Fernsehsucht kombiniert mit Bewegungsmangel reicht vollauf.) Schön auch, dass die Lutha einen Kult der Großen Göttin betreiben. Der Manga greift hier die Vorstellungen der vor-patriarchalichen Zeit auf, in der die Göttin als lebensspendende Frau in all ihrer Macht aufgetreten ist und selbst in den patriarchalischen Religionen immer noch weiterexistiert, weil sie trotz aller Repressionen und Streichungen nie ganz verschwunden ist. Anstatt Männer und Frauen zu beschneiden, wird hier eine Religion präsentiert, die Stärke und Schwäche gleichwertig vereint, die Veränderung begrüßt und betont, dass man aus sich heraus strahlen kann. Zum Glück wird ebenfalls deutlich, dass die Lutha ihre Traditionen keineswegs aufgeben wollen. Sie wollen das Beste aus beiden Welten miteinander vereinen und sich von den schädigenden Vorstellungen trennen.

Fazit

Romantischer BL-Manga, der durchaus Potential hat, aber an entscheidender Stelle auch unkritische Momente aufweist.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

LTB Kochbuch – Einfach lecker! 15 Comics und Rezepte

Bild 1 von 1

London, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: “Die kulinarische Weltreise” – in 6 Teilen – wird für Onkel Dagobert alias Lord Dagobert D. Duckby (Besitzer des Lokals “Die goldene Gans”) und Franz Gans alias Fancois Gourmet (Pariser Koch der “Goldenen Gans”) nicht nur zu einem Abenteuer, sondern auch zu einem kulinarischen Highlight. Zu verdanken haben sie diese Weltreise der Wette mit Klaas Klever alias John K. Klever (Besitzer des Restaurants “Neue Gabel”, Konkurrenz der “Goldenen Gans”). Duckby verspricht, in einem Monat alle Kontinente zu besuchen und von dort je ein landestypisches Rezept mitzubringen. Diese sollen in Duckbys Restaurant nach Ablauf der Reise serviert werden. Werden die beiden es schaffen oder bringen die Schwierigkeiten der Reise sie zu Fall?

Ein “Umwerfender Geschmack” verursacht bei Gundel Gaukley einen Ohnmachtsanfall.

Einen “Kochkurs im Chateau Baguette” soll Mickey nach Wunsch seiner herzallerliebsten Minnie absolvieren, damit ihr Verlobter die Feinheiten der gehobenen Küche kennen und schätzen lernt. Allerdings artet der Kochkurs in detektivische Detailarbeit aus, als eine mysteriöse Gestalt des Nachts im Chateau herumschleicht.

Diese deutschen Erstveröffentlichungen und 7 weitere schon in LTBs veröffentlichte Geschichten verbinden einen spannenden und lustigen Inhalt mit einem schmackhaften Rezept. Natürlich spart auch dieses LTB nicht mit Anspielungen z.B. auf Weltliteratur wie z.B. “In 80 Tagen um die Welt” oder musikalische Größen wie die Rolling Stones. Die Anspielungen in dem LTB machen sie nicht nur für Kinder, sondern auch für erwachsene Fans spannend.

Ebenfalls interessant ist auch die letzte Geschichte des Buches “Zu gut getarnt”, in der die Panzerknacker zur Tarnung eine Straßenküche aufmachen, um die gegenüberliegende Bank auszuspionieren. Daraus entwickelt sich ein florierendes, legales Geschäft. Eine scheinbare Nebensache kann also zur Glück (und Geld) bringenden Hauptsache werden, wenn man es denn zulässt.

Aber auch “Die wichtigste Zutat” vermittelt eine Botschaft: Nicht sterile, komplizierte und hochstylische Küche ist bei den Menschen gefragt, sondern mit Liebe Gekochtes und Gebackenes, mit dem man gute Erinnerungen verknüpft.

“Mit allen Tricks” zeigt, dass gute Küche nicht zum (nachbarschaftlichen) unguten Wettkampf ausarten, sondern tatsächlich Menschen miteinander verbinden sollte.

“Am Anfang war der Mais” erzählt, wie eine Stadt dank eines Lebensmittels floriert. Das spielt auf andere Städte wie z.B. das rheinland-pfälzische Schifferstadt mit seinen Rettichen (und der dazugehörigen Rettichkönigin) an, vermittelt aber v.a. den Wert von Lebensmitteln und propagiert den ganzheitlichen Zugang zu solchen, um sie wertschätzen zu können. Sie erinnert aber auch an die alte Praxis, Nahrung (Samen u.Ä.) für schlechte Zeiten aufzubewahren, und  an die weltweit einzige Sauerteigbibliothek.

Neben all diesen genussfreudigen Geschichten hat die Redaktion aber auch gute, schmackhafte und größtenteils leicht zuzubereitende Rezepte zu den Geschichten ausgesucht, die v.a. vegetarisch sind. Süßspeisen dürfen neben all dem Gesunden aber auch sein. Mein Sohn und ich haben die meisten der Rezepte schon nachgekocht und finden sie sehr schmackhaft. Für meinen Sohn, der von jeher kein besonders guter Esser war, bedeuteten diese Rezepte aber auch, dass sie mit seinen Liebelingsfiguren verknüpft sind, was das Essen für ihn besonders interessant macht.

Damit erfüllen die Geschichten und Rezepte eine sehr wichtige Funktion: Sie führen Kinder an gesunde Nahrung heran und begeistern sie für diese – auch solche wie meinen Sohn, die für Essen normalerweise nicht viel übrig haben.

Fazit: Die gelungene Verbindung von spannenden Geschichten rund ums (v.a. gesunde) Essen und dazugehörigen schmackhaften und meist leicht nachzukochenden Rezepten liefern nicht nur Lese- sondern auch Gaumengenuss für die ganze Familie und einen schönen Zugang zum Umgang mit Lebensmitteln. Die Idee ist zwar für das LTB nicht neu, darf aber ruhig aufgrund der guten Eigenschaften zum Klassiker ausgebaut werden.

 


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Arte 2

Quellbild anzeigen

“Ich verstehe, was du sagst. Aber du bist anders als wir. Du bist eine Frau.” Angelo

Arte hat den Auftrag bekommen, die reiche Kurtisane Veronica zu malen. Diesen Auftrag erfüllt sie gerne, denn Veronicas Intelligenz und Liebenswürdigkeit haben sie tief beeindruckt. Aber sie merkt schnell, dass Veronicas Beruf auch Schattenseiten hat. Zum einen darf sich eine (Edel-)Kurtisane nicht verlieben, wenn sie in ihrem Beruf weiterhin erfolgreich sein will. Veronica zeigt Arte als abschreckendes Beispiel eine Kollegin, deren tiefen Fall sie einem Mann zu verdanken hatte, der ihre Liebe nicht zu schätzen wusste. Zum anderen verursacht dieses Liebesverbot nicht nur ständige Distanz zu Männern, sondern auf Seiten der Männer Leid, wenn diese sich in die Kurtisane verlieben. Und Kaltblütigkeit, denn Veronica muss diese Liebe für ihr Auskommen nutzen, solange sie nicht verblüht ist. Artes mitfühlendes Herz verkraftet diese Kaltblütigkeit nicht, weswegen sie vorerst mit Veronica bricht.

“Mann oder Frau – das interessiert mich nicht. Um Malerin zu werden, brauche ich die gleiche Ausbildung wie ihr. Vielleicht muss ich sogar mehr tun.” Arte

Stattdessen will sie erneut versuchen, Angelos Meister dazu zu überreden, dass sie seine Statuen skizzieren darf. Diesmal hat sie mit ihrer Energie und Hartnäckigkeit Erfolg. Aber der Meister scheint Unmögliches von ihr zu verlangen: Sie muss zehn schwere Säcke quer durch die Werkstatt tragen. Niemand traut ihr das zu, aber Artes Wille ist ungebrochen und sie schafft das Unmögliche. Der Meister hält sein Versprechen.

“Mädchen kosten nur Geld. Ein Junge könnte mir wenigstens zur Hand gehen.” Dacias Vater

Außerdem freundet Arte sich mit Dacia an, die zunächst nicht gut auf Arte zu sprechen ist. Die arme, aber disziplinierte Näherin kann nicht verstehen, dass Arte als Adlige freiwillig arbeitet, während sie sich mühsam ihre Aussteuer zusammensparen muss, um überhaupt eine Chance auf Heirat zu haben. Als Näherin werden sie und ihre Kolleginnen von ihrem männlichen Vorgesetzen gnadenlos ausgebeutet. Eines Tages reicht es Dacia und sie beschwert sich lautstark bei ihrem Vorgesetzen. Die anderen tun es ihr gleich. Daraufhin lässt er die Näherinnen im Stich, gibt ihnen aber noch die gut bezahlten Aufträge, um die zornigen Frauen zu besänftigen. Allerdings kann keine der Frauen lesen, sodass Arte, die Dacias Ersparnisse gefunden und ihr zurückgebracht hat, diese Aufgabe übernimmt. Die Frauen sind von nun an ihr eigener Chef.

“Lasst euch das nicht einfach gefallen!” Arte

Der Manga zeigt vielerlei. Zum einen präsentiert er mit Arte, Veronica und Dacia (willens-)starke Frauen, die in einer Zeit, in der sie keinerlei Rechte haben, noch stärker sein müssen (auch körperlich) als Männer. Er zeigt auch an diesen weiblichen Beispielen Frauen aus unterschiedlichen Schichten, die allerdings alle aufgrund ihrer Rechtlosigkeit (die eigentlich schon den Status der Sklaverei inne hat) trotzdem das gleiche Schicksal teilen.

Zum anderen scheinen in den Situationen der Frauen auch heutige Frauenschicksale durch. Man denke nur an die Frauen in Indien, deren Eltern für die Aussteuer und Hochzeit aufkommen müssen. Mittlerweile ist die Mitgifttradition zwar verboten, aber es sterben deswegen in Form einer Brautverbrennung immer noch offziell ca. 6600 Frauen pro Jahr.

In westlichen Ländern ist die Unsitte, dass Frauen v.a. bei gleicher Arbeit deutlich weniger als Männer verdienen, immer noch verbreitet. Zudem werden sogenannte Frauenberufe von vorneherein schlechter bezahlt als die traditionell männlichen Berufe. Auch wenn die Frauenbewegungen und der Feminismus viel bewirkt haben – am Ende der Fahnenstange sind wir mit der Gleichberechtigung und v.a. der Gleichwertigkeit (eingeschlossen der gesellschaftlichen und finanziellen Anerkennung der Frau) noch lange nicht!

Dacia löst das Problem der Aussteuer, indem sie nicht mehr die Heirat (und damit die Abhängigkeit) in den Fokus ihrer Anstrengungen stellt, sondern ihr bisher gespartes Geld Arte gibt, die ihr dafür das Lesen beibringen soll. Nicht nur damit helfen sich die Frauen in dem Manga selbst. Somit sind wir bei der Bildung v.a. für Mädchen, um die es in ärmeren Ländern immer noch schlecht bestellt ist. Bildung aber bedeutet neben mehr Wissen und damit weniger Manipulierbarkeit in erster Linie Unabhängigkeit durch die Chance auf einen gut bezahlten Beruf. Das hat Dacia erkannt.

“Man muss genügend Aufträge haben. Und mit ihnen Geld erwirtschaften. Später wird das auch für dich wichtig werden.” Meister Leo zu Arte

Zu diesem sehr guten Manga gibt es auch einen Anime.

Fazit: Sehr gut gestalteter Manga, der vielerlei Ungerechtigkeiten in der Beziehung der Geschlechter aufzeigt, die leider auch heute noch aktuell sind.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Minnie&Daisy: Spy Power – Doppeltes Dilemma

 

Minnie freut sich: Endlich ist sie, wie ihre Freundin Daisy, an der begehrten Emil-Erpel-Universität angenommen worden! Schöne Zeiten stehen bevor, denn jetzt heißt es neben Studieren auch Partys feiern und neue Freunde finden. Aber Daisy wirkt überraschend distanziert, redet mit ihr nicht mehr über sich selbst und scheint stattdessen immer mehr Geheimnisse vor Minnie zu haben. Minnie beschließt herauszufinden, was mit ihrer Freundin los ist. Und gerät mitten hinein in einen Spionagefall. Weiterlesen


Genre: Comic, Roman
Illustrated by Egmont Ehapa

Shiba – ein Hund zum Verlieben

Cover-Bild Shiba - Ein Hund zum Verlieben“Ein Hund muss her! Denn ganz allein mag die ‘die alte Hexe’ Hinako auch nicht weiter sein. Ein süßer Shiba Inu soll es werden. Und die resolute Dame wird fündig in der Tierhandlung: Ihre Wahl fällt auf den niedlichen Taro. Doch den kleinen Welpen gibt es nicht ohne Shibako. Diese – äußerlich nicht ganz perfekt geratene – Hündin muss als ‘Ladenhüterin’ endlich an den Menschen gebracht werden. Zunächst widerwillig nimmt Hinako sich des Tieres an – und merkt schnell, welch treue Freundin ihr die Shiba-Hündin in allen Lebenslagen sein wird.” (Inhaltsangabe der Rückseite des Mangas)

 

 

 

Der Einzelband bietet in sich abgeschlossene Episoden, die vordergründig luftig-leicht, optimistisch und warmherzig sind. Hintergründig behandelt der Manga aber durchaus auch tiefsinnigere Themen. Da wäre zum einen die von allen als hässlich empfundene Hündin Shibako, die traurig über die ständig abwertenden Kommentare der anderen ist. Sie sieht sich selbst daraufhin auch nicht als hübsch an, hat sich aber gezwungenermaßen an die Kommentare gewöhnt und versucht so gut es geht, damit zurecht zu kommen. Ihr liebenswertes Wesen hat sie trotz allem aber nicht verloren und auch nicht ihr Bedürfnis, für andere da zu sein. Das erinnert sehr an abwertende Kommentare, die sich vordergründig hässliche Menschen, v.a. Frauen, anhören müssen, wenn sie nur über ihr Äußeres definiert werden, das ihnen vom jeweiligen Zeitgeist aufdiktiert wird. Die Schäden, die solche  Schönheitsbilder v.a. bei Mädchen und Frauen anrichten können, sind bekannt. Da hilft wirklich nur noch die Abgrenzung von Äußerlichkeiten, die frau entweder durch Kampfgeist, durch Selbstbewusstsein, Charme oder, wie in Shibakos Fall, durch ein liebenswertes Wesen erreichen kann, sodass das Äußere – ebenfalls wie bei Shibako – irgendwann in den Hingergrund tritt.

Nicht so akzeptiert zu werden, wie man ist, ist auch ein Hauptthema der (vordergründig) nervtötenden Nachbarin Matsuko. Ihre Kinderlosigkeit wurde ihr von ihrem Mann und ihren Schwiegereltern zum Vorwurf gemacht und sie wurde als “unnütz” bezeichnet. Das ist auch eine negative Auswirkung des Patriarchats, das die Frau seit Jahrtausenden auf die Mutterrolle reduziert, anstatt sie in ihrer Vielfalt wahrzunehmen. Als Folge wird  erst gar nicht nachgeforscht, wer tatsächlich unfruchtbar ist, sondern automatisch der Frau die Schuld für die Kinderlosigkeit gegeben. Es folgt eine weitere Konsequenz, für die sich die erniedrigte Frau aufgrund ihres angezüchteten mangelnden Selbstbewusstseins die Schuld gibt: Sie ist froh, als ihre Peiniger (in dem Fall die Familie, die doch eigentlich ein Hort der Geborgenheit sein sollte) endlich tot sind. Ein Tabu-Thema, denn die Gesellschaft gibt vor, dass man gut von den Toten zu reden hat. Shibako aber versteht Matsuko, weil sie empathisch ist und unvoreingenommen hinter die Fassade blicken kann.

Mit offenen Augen durch die Welt gehen und hinter die Fassaden blicken sie und Taro bei einem weiteren Thema, das nicht so ohne Weiteres in der Öffentlichkeit akzeptiert wird: Sie können hinter die Kulissen der mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Welt schauen. Das heißt in diesem Fall,  Geister zu sehen. Damit greift das Auorinnengespann zweierlei auf. Zum einen klingt leise Kritik an den naturwissenschaftlichen Therorien an, die (egal, wie gut sie sind) im besten Fall wie bei der Fabel der Blinden und dem Elefanten immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit abbilden können. Zum anderen greift es damit das Phänomen auf, dass Tiere offensichtlich etwas wahrnehmen, was den meisten menschlichen Sinnen verborgen bleibt. Ich habe mich beim Lesen sehr an das Buch von Mary Ann Winkowski “Mit Geistern reden” erinnert gefühlt, das auch auf Tiergeister eingeht. Die von den Wissenschaftlern oft lächerlich gemachte Esoterik und das Paranormale (wobei man sich insgesamt fragen könnte, was eigentlich “normal” ist – darüber gibt es durch alle Zeiten, Regionen und Kulturen hinweg unterschiedliche Meinungen) wird hier als ganz selbstverständlich genommen. Kinder und Tiere urteilen nicht, sie nehmen alles, was sie wahrnehmen, als selbstverständlich an. Und nebenbei gilt in dieser Geschichte als selbstverständlich, dass alles, was lebt, eine Seele hat – nicht nur der Mensch.

Ein weiteres Thema, das angeschnitten und als nicht selbstverständlich betrachtet wird, ist die Liebe im Alter. Alte Menschen sehnen sich genauso nach Zuneigung und einer liebevollen Beziehung wie junge Menschen. Das und die Vorurteile, die sogar in den Beteiligten selbst wirken, skizziert der Manga liebevoll-empathisch und im Fall von Shibako vorurteilsfrei. Kurz erwähnt wird auch die Liebe mit (großem) Altersunterschied. Besonders skandalös ist hierbei die Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann. Man fühlt sich in den letzten Panels dieser Episode ein wenig an “Harold and Maude” erinnert, wo dieses Vorurteil der skandalösen Liebe genüsslich zerpflückt wird.

Hinako selbst ist auch ein Fall des “Hinter-die-Kulissen-schauen”. Denn die Hunde merken, dass sie trotz aller Schroffheit eigentlich eine warmherzige Person ist, deren wahre Qualitäten ihr verstorbener Mann trotz ihres wenig schönen Äußeren erkannt hat. In dem Fall ist es die Umkehrung der Geschlechter der bekannten Geschichte “Die Schöne und das Biest”: Der Mann ist der Gutaussehende, der die verborgenen Qualitäten des unschönen Biests, oder in diesem Fall “der alten Hexe”, erkennen kann. Aber selbst Hinako, die diese Erfahrung gemacht hat, lässt sich zunächst durch das vordergründig hässliche Äußere von Shibako täuschen. Da sieht man, die tief Vorurteile sitzen.

Der humorvolle, warmherzige Manga vermittelt mit recht realitätsnahem Optimismus das Thema “Schein versus Sein: Nicht alles ist so, wie es scheint” und beleuchtet es aus vielen verschiedenen Perspektiven heraus. Äußeres wie Inneres muss nicht so sein wie es auf den ersten Blick scheint. Ein zweiter Blick hinter die Kulissen lohnt sich allemal – das ist das Fazit des Mangas.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Die Schrift des Windes – Yagyu Jubei

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51RElQEFxqL._SX346_BO1,204,203,200_.jpg

“Japan 1649. Nach zwei Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetzungen herrscht die Tokugawa-Dynastie streng aber friedlich über das Land Japan – unter Festsetzung des Kaisers innerhalb der Palastmauern in Kyoto. Der Diebstahl geheimer Dokumente schürt die Konflikte und führt an die Grenze eines neuerlichen Bürgerkrieges. Um einen solchen zu verhindern, beauftragt das Shogunat den Samurai Jubei mit der Suche nach den Schriften.” (Inhaltsangabe der Graphic Novel)

 

 

 

Katsu Kaishu (Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1f/Katsu_Yasuyoshi.jpg/220px-Katsu_Yasuyoshi.jpg)Quellbild anzeigen

Winter 1898. Etliche hochrangige Regierungsbeamte besuchen ihren ehemaligen Feind, den alten Mann, den sie im Scherz “Der Aufschneider vom Hikawa-Viertel” nennen. Der Mann namens Katsu Kaishu war es, der die friedliche Übergabe der Burg Edo veranlasst hat. Die Beamten wollen unbekannte Episoden aus der Zeit des Shogunats erfahren. Und werden nicht enttäuscht, denn der alte Mann hält den Schlüssel zum Aufbruch in die Moderne in den Händen. Er erzählt: “Am Wendepunkt des Schicksals der Tokugawa sollten diese Dokumente dem Bevollmächtigten des Shogunats überreicht werden… Das war die persönliche Anweisung des göttlichen Ieyasu. Ihr Inhalt hat mich aber wirklich überrascht.” Denn dieser ist so wegweisend wie einfach. “Die Geheimdokumente der Yagyu waren tatsächlich für die Meiji-Restauration notwendig… Aber ich frage mich, wie sie zukünftig auf Japan einwirken werden…”

Dass sich der 2017 verstorbene Mangaka Jiro Taniguchi nicht  mit seichten Storylines zufrieden gibt, ist seinen Fans bestens bekannt. Auch dieses Werk macht da keine Ausnahme. Wie schon bei “Ihr Name war Tomoji” hat sich der Mangaka ein historisches Sujet ausgesucht, um es aus seiner Sicht vor den Augen der Leser/innen lebendig werden zu lassen. Dabei wird deutlich, dass er kein Schwarz-Weiß-Bild der Geschichte zeichnet, sondern auch die “Gegner” jeweils ihre eigene nachvollziehbare Motivation haben, um zu handeln, wie sie handeln. Auch Jubei hegt keinen persönlichen Groll gegen seinen Hauptwidersacher Yashamaro, den er dazu bewegen will, den Konflikt friedlich zu lösen. Er setzt dabei auf Argumente, die allerdings gegen Yashamaros Motivation keine Chance haben. Letztlich gewinnt niemand, denn die Menschen, auch Jubei, opfern sich für ein höheres Ziel. Es geht also nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um humanes Verhalten, das letztlich den Menschen (und nicht den Mächtigen) dienen soll. Damit wird Jubei (und indirekt Shogun Ieyasu als vernunftbegabter Herrscher) als Vorbild in Szene gesetzt.

Unabhängig davon, ob dieses positive Bild des Ieyasu der Wirklichkeit entspricht oder nicht, ist die Bedeutung klar – v.a. in der jetzigen Zeit, in der es (zu) viele unfähige Menschen an der Macht gibt: An erster Stelle hat nicht das Wohl der Mächtigen zu stehen, sondern das der gesamten Menschheit.

Mit gewohnter Detailtreue muten die Panels an wie kleine Gemälde, wobei aber auch die mangatypische Dynamik der Action-Szenen nicht zu kurz kommt. Diese Detailtreue gilt allerdings auch für die Darstellung der Kämpfe und damit der Gewalt, die ungeschönt und scheinbar emotionslos in Szene gesetzt wird. Automatisch stellt sich hier die Frage, ob der Weg zum Frieden tatsächlich erst einmal über Leichen führen muss. Dies versucht auch Jubei zu verhindern, indem er eine neue Kampftechnik erfindet, die den Gegner wie beim Schachmatt wirkungsvoll ohne Blutvergießen ausschalten soll. Aber auch hier und v.a. im Entscheidungskampf wird deutlich, dass es der freie Wille des Menschen (hier des Gegners) ist, wie er sich letztlich entscheidet.

Die Geschichte Jubeis wird umrahmt von der Geschichte Kaishus, die wiederum einen prägnanten Ausblick auf die Welt des 20. Jahrhunderts gibt. Die Folgen des II. Weltkrieges sind den Japanern immer noch gut im Gedächtnis.

Insgesamt wieder ein vielschichtiges Werk sowohl im Innen (Story) als auch im Außen (Gestaltung), das es verdient, gelesen und angeschaut zu werden.

 


Genre: Graphic Novel, Manga
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Snack World 1

Chup ist ein echter Abenteurer. Mit seiner Heldengruppe hat er schon viele lebensgefährliche Situationen – mehr schlecht als recht – überstanden.

Deshalb bekommt er vom naiven König die Aufgabe, für seine eitle Tochter Prinzessin Melonia das wertvolle Purpurauge zu besorgen. Dafür müssen die Helden aber erst einmal die Medusa überwinden.

Mithilfe der sogenannten Snacks (Handykarten mit magischen Geschöpfen, die herbeigerufen werden können), will Chup auch dieses Abenteuer bestehen. Aber die Prinzessin ist unersättlich: Sie will für ihren Teint die seltene Kranel-No.-2-Creme vom Riesenkraken und den Immortali-Tee vom Phönix-Huhn. Als wäre das nicht genug, will sich Chup unbedingt am bösen Kaufmann Sultan Basamico rächen, der Chups Familie auf dem Gewissen hat.

Die Abenteuer sind genauso skurril, wie sie sich anhören. Die Werbestrategie verkauft sie zwar als witzig, aber eigentlich ist der Witz sehr bemüht, geht in die Fäkalrichtung und verharmlost die Gewalt, die in diesem Manga reichlich vorkommt.

Außerdem geht der Witz meist auf Kosten der anderen, denn die Abenteurer selbst, bis auf die Frau der Heldentruppe, muten wie Lemminge an, die ohne Sinn und Verstand auf den Abgrund zulaufen. Prinzessin Melodia wird als hirnlose, nur ihrer Eitelkeit verpflichtete Frau dargestellt, der andere völlig egal sind. Ihr Vater hat ihr die Hirnlosigkeit anscheinend vererbt; bei ihm fragt man sich, wie er bei seinem praktisch nicht vorhandenen IQ König werden konnte.

Auch die Anspielungen auf die Mythologie retten die Story nicht, da auch diese eher flach daherkommen. Die Medusa z.B. wird einseitig als verrückt und mordlüstern dargestellt und dient eigentlich nur als Mittel der gegen sie auszuübenden Gewalt. Im (griechischen) Mythos bzw. in den Urmythen dagegen ist ein schlangenumkröntes Haupt das Symbol für eine weise Frau und des “weisen Blutes”, das Frauen göttliche Macht verleiht.

Schlangen werden oft mit Weiblichkeit und mächtigen weiblichen Göttinnen in Verbindung gebracht. Medusa selbst war ursprünglich die Schlangengöttin der libyschen Amazonen und verkörperte das weibliche Wissen. Ihr Blut soll lebensspendend, aber auch tödlich gewesen sein. Gemeint war wohl das Menstruatonsblut, dem früher Zauberkräfte nachgesagt wurden. Naturvölker glaubten oft, dass der Blick einer menstruierenden Frau einen Mann in Stein verwandeln kann.

Von dieser machtvollen Göttinnengestalt ist in diesem Manga leider nichts zu spüren. Einzig die blondhaarige Heldin der Gruppe fällt keinem Klischee zum Opfer, denn sie ist die (ungehörte) Stimme der Vernunft und kann für sich, im Gegensatz zu den männlichen Helden und der sexistischen Blondinen-Witze, Intelligenz beanspruchen.

Wer flache Schenkelklopfer-Witze und Storys ohne Sinn und Verstand mag, ist mit diesem Manga gut bedient. Alle anderen sollten die Finger von so viel tumber Hirnrissigkeit lassen.


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!

Young Donald Duck: Immer ich! Vom Pech verfolgt – Ein Comic-Roman

Fotogalerie

Schon der 12-jährigeDonald ist vom Pech verfolgt: Der Hof seiner Großmutter, und damit sein Zuhause, soll verkauft werden. Donald könnte den Hof retten, wenn er an der Elite-Schule PRIMA als Schüler aufgenommen werden würde. Aber leider ist Donald nicht gerade ein guter Schüler.

Seine Freundin Dolly beschließt ihm zu helfen und schickt heimlich eine Bewerbung anstelle Donalds an die PRIMA. Und tatsächlich: Donald wird als Schüler aufgenommen – allerdings nur wegen eines Missverständnisses. Er soll angeblich Meister von “Lagoo” sein. Aber niemand weiß, was das eigentlich ist, schon gar nicht Donald.

Damit er an der Schule bleiben und damit Omas Hof retten kann, überlegen er und die anderen Schüler, den Begriff “Lagoo” mit Inhalt zu füllen und veranstalten den ersten Lagoo-Wettbewerb der Geschichte.

“Lustiges Taschenbuch Lesespaß” heißt das neue Experiment von Ehapa, welches Comic und Lesebuch miteinander kombinieren und so mehr Spaß am Lesen erzeugen will. Um es vorweg zu sagen: Dieses Crossover ist durchaus gelungen.

Zum einen werden die beiden Genres gut miteinander verzahnt, was sich schon im Textbild widerspiegelt. Erzählertext, Panels, Geräusche und unterschiedliche Textfarben für die verschiedenen Figuren gehen geschmeidig ineinander über. Betonungen im Text werden über Schriftgröße und Großbuchstaben geregelt. Zum anderen interagiert der fiktive Erzähler mit der Leserin /dem Leser und den Figuren, sodass auch hier Grenzen aufgelöst werden.

Das alles erzeugt ein lebendiges Leseerlebnis, das durch den Humor des fiktiven Erzählers noch verstärkt wird. “Lustig” und “Lesespaß” können also selbstbewusst die Brust herausstrecken.

Natürlich wird auch mit den Farben gespielt und so Stimmung erzeugt. Kater Karlo und Hugo kommen in gedeckten, dunklen Farben daherher; auch gefährliche Situationen werden mit dunklen Farben unterstützt. Der (blut-)rote Pulli Donalds steht für seine impulsive und lebendige Seite, ebenso seine in rot gedruckten Wortbeiträge. Wobei leider auch hier das Rollenklischee zuschlägt: Donald trägt eine (marine-)blaue Hose, die berockten Mädels Minnie, Dolly und Daisy trifft man v.a. in Lila und Rosa an.

Dazu ein erhellendes Zitat aus dem Lady’s Home Journal von 1918: “Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht.”

Der Hintergrund: Rosa galt lange Zeit als das kleine Rot. Und Rot wurde mit Blut, Krieg, dem Kriegsgott Mars assoziiert und war damit eine männliche Farbe. Die neue Farbe Blau für das männliche Geschlecht konnte sich erst nach der Vorbereitung durch die marineblaue Kleidung, die Blue Jeans und die blaue Arbeitskleidung in den 1940ern durchsetzen. Vorher galt Hellblau als Mädchenfarbe und Blau wurde als Sinnbild von Ganzheit und Zyklus des ewig wiederkehrenden Kreislauf des Seins gesehen, sowie als Suche  nach der Geborgenheit im Mutterschoß und als Farbe des Matriarchats.

Ähnliches gilt für Rock, Hose, Kleid und Stöckelschuhe, die allesamt bei weitem nicht so geschlechtszementiert waren, wie man es uns heute weismachen will. Dafür steht auch die seit den 1990ern (wieder) aufkommende Männerrockbewegung. Wer sich darüber schlau machen möchte: https://dress2kilt.eu/ferdi.htm. Auch mein kleiner Sohn ärgert sich darüber, dass Mädchen unkritisiert Röcke und Kleider tragen dürfen und er nicht. Die patriarchalisch-einseitigen Klischees wenden sich also auch gegen die XY-Chromosomträger.

Damit wären wir bei einer allgemeinen Kritik an Comics angekommen: Gerade Comics, die von Männern gezeichnet und getextet werden, transporierten immer noch unhinterfragt die unrühmlichen und einengenden, oft genug diskriminierenden Rollenklischees. Da macht auch dieser Comic-Roman keine Ausnahme. Zeit, dass sich was ändert. Schließlich sind wir schon im 21. Jahrhundert angekommen.

Fazit: Gekonntes humorvolles Crossover von Comic und Lesebuch, das auch für ältere LeserInnen durchaus lesenswert ist. Leider werden aber auch hier – wie in der Comic-Branche bisher großteils üblich – Rollenklischees unkritisch übernommen.


Genre: Comic, Roman
Illustrated by Egmont Ehapa

Busengewunder – Meine feministischen Kolumnen

BH, Körperbehaarung, Menstruation, magische Wirkung der Plazenta, gezeichnete (Box-)Brüste, Genitalnamen, Stöckelschuhe, Strafgesetzbuch und echte Gleichberechtigung, Objektifizierung des weiblichen Geschlechts, männliche Fantasien, Pinkeln in der Natur – Lisa Frühbeis verarbeitet in ihren Comicstrips ihre Gedanken rund um Emanzipation. Und das macht sie tiefsinnig, witzig, provokant, aber immer im Sinne der echten Gleichberechtigung von Frau und Mann.

Sie will zum Nachdenken anregen, erzeugt bei mitdenkenden Leser/innen aber auch immer wieder ein Gefühl des “Darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber nicht darüber zu sprechen gewagt.” Denn schließlich ist es wirklich unfair, wenn Männer, z.T. sehr offensichtlich, in der Öffentlichkeit pinkeln, während die Frauen große Anstregungen unternehmen müssen, um bei diesem Geschäft nicht beobachtet zu werden. Da wird auch der einzige Vorteil des Rockes (ohne Unterhose) deutlich, denn so geht es auch im Laufen. Und wo dominiert noch die männliche Sicht? Nicht nur bei den gezeichneten unnatürlichen Brüsten, sondern auch im Strafgesetzbuch, das männlichen und weiblichen Exhibitionismus unterschiedlich hart bestraft.

Süffisant und offensichtlich subtil ist auch die weibliche und männliche Methode zu kommunizieren – da hilft bei einem älteren, korpulenteren, selbstverliebten, arroganten Gockel noch nicht einmal die Ich-Botschaft. Auch sonst erdrückt die schiere physische und psychische Masse das weibliche Gegenüber, sodass frau sich unwillkürlich fragt: Woher kommt so ein ungerechtfertigtes männliches Selbstbewusstsein? Oder “The bloody Circle of Life”, mit dem sich nur die Frauen quälen müssen – was offensichtlich niemanden interessiert. Im Berufsleben schon gar nicht.

Um den Blick zu weiten für die Geschlechterungerechtigkeit (auch heutzutage) helfen die Strips “Quote im Tomatenbeet” und “Der Tausch”: Man(n) stelle sich vor, er habe präspermales Syndrom, innenliegende Hoden, jeden Monat nur ein einziges Spermium, nicht monogamiefähige Frauen aufgrund der hohen Eierproduktion, die Pille für den Mann, eine mit 28 Jahren nachlassende Fruchtbarkeit des Spermiums und mit 50 Jahren beginnende Hormonstörungen. Selbstredend mit allen Nebenwirkungen. “Ist es wirklich so schlimm?”, fragt nach diesem Gedankenkonstrukt der männliche Gesprächspartner, was die Frau mit der ihr eigenen weiblichen Kommunikationsfähigkeit und Bescheidenheit so beantwortet: “Ein bisschen mehr Anerkennung wäre schon angebracht.”

Aber warum  nur ein bisschen? Warum nicht ein bisschen mehr? Auch finanziell? Das fragen die gelben die etablierten roten Tomaten in “Quote im Tomatenbeet”. Und wenn Tomate schon dabei ist: Was ist mit den dunklen und grünen Tomaten? “Und was meint der Gärtner dazu? ‘Puh… Da müsste ich ja tatsächlich was ändern… Wie anstrengend!'” Tja. Mit einer solchen Einstellung kann’s ja nix werden.

In “Busengewunder” geht Frühbeis der Frage nach, warum Frauen sich eigentlich mit BH und überhaupt verhüllen sollen, wenn es doch am Mann wäre, seine Hormone zu zügeln. Zu Recht. Denn man(n) trägt ja auch keinen PH. Und warum dürfen Männerhaare überall, auch an unmöglichen Stellen, sprießen, wenn frau schon einen auf den Deckel kriegt bei bloßer Beinbehaarung? “Angriff der Killerhaare” geht humorvoll und informativ dieser spannenden Frage nach. Und gibt preis: “Scheini-Beini kamen ab den 40-er Jahren in Mode, zusammen mit kürzer werdenden Röcken.” Und warum? “Um die teuren Nylonstrümpfe zu imitieren.” Aha.

Womit schon Sinn und Unsinn von Frauenmode in “Über Oberflächen” über die Jahrhunderte hinweg kritisch beleuchtet wird – bis hin zu gesundheitlichen Schäden nicht nur durch das Korsett, sondern auch durch die Stöckelschuhe in “Pomp my Feet”, deren Absätze übrigens früher Männern vorbehalten waren. Und zwar als Zeichen für Pferdebesitz und damit Wohlstand. Außerdem heben sie, geschichtlich gesehen sogar geschlechtsneutral, den Po hübsch an. Was bei Affen Paarunsbereitschaft signalisiert. Moral von der Geschicht’ beim XX: “Ich geh barfuß.” XY: “Ist eh viel gesünder… Bereit zur Paarung?”

Dass der weibliche Körper sowieso immer an erster Stelle steht als Objekt der (nicht nur) männlichen Betrachtung zeigt “Die Macht über Körper”. Denn auch Frauen tragen ungefragt und unreflektiert zur Objektifizierung ihres eigenen Geschlechts bei. Da sollte frau sich ruhig fest an die eigene Nase fassen, um Kommentare wie “Hast ganz schön zugelegt hinten. So findest du nie einen Mann!” zu vermeiden.

Und um es auf die Spitze zu treiben, gibt es den Geschlechterwahnsinn auch noch teuer zu kaufen – als rosa Hammer im Baumarkt zum Beispiel.

Wertvoller Comic über emanzipatorische Gedanken. Davon gibt es leider viel zu wenig, also gerne mehr davon!


Genre: Comics
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

LTB 10: Sommer Sonderband

Sprichwörtlich “In den Sand gesetzt” haben die Panzerknacker den von Onkel Dagobert geklauten Geldsack – den er natürlich schnellstmöglich wieder zurückhaben will. Aber nicht nur Dagobert Duck ist hinter seinem Geld her.

“Das Sommerfest” soll dem kleinen Donald nach einem Wettbewerb ein neues Fahrrad bescheren. Leider funkt wieder Donalds sprichwörtliches Pech dazwischen. Oder?

“Reporter Goofy” erlebt mit “Plutos gutem Riecher”, der “Spionin aus Zirkonia” und einem “fast perfekten Plan” jede Menge unverhoffter Abenteuer, die ihn aber schlussendlich immer in einem guten Licht dastehen lassen – im Gegensatz zu seinem in zwielichte Machenschaften verstrickten Chef.

“Schwarzbarts Erbe” beschert Micky und Goofy im Wettlauf gegen die Zeit die Suche nach einem verschollenen Schatz, während in “Urlaub um jeden Preis” die Panzerknacker völlig gegen ihre sonstigen Gewohnheiten unbedingt zurück ins Gefängnis wollen.

In “Sonne, Strand und Schrot” gewinnt ein wehrhafter Farmer einen Strandurlaub. Das sorgt bei dem urlaubsunwilligen alten Mann für jede Menge Chaos.

“Ein nettes Plätzchen” hat sich Donald zwar ausgesucht, aber nicht damit gerechnet, dass es schon belegt ist. Um den Eindringling zu vertreiben, lässt sich Donald einige Gemeinheiten einfallen. Aber da hat er nicht mit dem Widerstandsgeist des anderen Urlaubers gerechnet.

“Stress am Strand” haben Daisy und ihre Freundinnen, die von den Panzerknackern bedroht werden. Aber selbst ist die Frau…

Die 12 kurzen und langen kunterbunten Sommergeschichten aus dem Hause Disney sorgen auch in Corona-Zeiten für gute Laune. Und im Falle der Geschichte “Ein nettes Plätzchen” gibt es sogar noch eine Lektion in sozialem Verhalten: Kommunikation als A und O des sozialen Miteinanders – vorbildhaft vorgeführt von den Kindern.

In “Sonne, Strand und Schrot” demonstriert ein Bauer, dass es auch zuhause am schönsten sein kann. Und machen nicht gerade Familien gern Urlaub auf dem Bauernhof? Die Geschichten rund um Reporter Goofy überraschen mit einem Goofy, der nicht bloß naiv und tollpatschig ist, sondern durchaus auch seine Schokoladenseiten präsentieren kann.

Fazit

Insgesamt verbreitet auch dieser Sonderband sonnige und heitere Stimmung.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa Media

Asterix – Die goldene Sichel

Druide Miraculix zerbricht seine goldene Sichel. Jetzt steht seine Teilnahme am jährlichen großen Treffen der Druiden im Karnutenwald auf dem Spiel. Asterix und Obelix wollen ihm helfen und eine neue Sichel kaufen. Das ist aber komplizierter als gedacht, denn Obelix’ Vetter Talentix, der landesweit die besten goldenen Sicheln herstellt, ist verschwunden. Asterix muss all seine Intelligenz einsetzen, um Talentix aufzuspüren.

Der 2. Band der Reihe (in Deutschland der 5. Band) kommt in einer limitierten Softcover- und Hardcover-Sonderausgabe zum 50. Geburtstag dieses Bandes daher. Diese beinhaltet 16 redaktionelle Zusatzseiten, in denen der Fan vieles Interessante zum Asterix-Universum erfährt, und die Original-Coverzeichnung der Erstausgabe am 2. Juli.

Da dieser Comic wie ein Krimi aufgezogen ist, behandeln die zusätzlichen Seiten u.a. Asterix’ kriminalistische Talente in diveren Abenteuern. Der geneigte Fan erfährt aber auch, dass es in Frankreich eine Zeichentrickserie rund um Idefix und seine tierischen Freunde gibt (“Idefix und die Unbeugsamen”), die in Lutetia vor seiner Zeit bei Obelix spielt.

In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant ist der reale Nachbau der Uferstraße von Lutetia, die Thierry Rétif mit seinem Team als Gemisch aus dem Design des Comics und einer mittelalterlichen Thematik gestaltet und umgesetzt hat, und als Tourist/in besucht werden kann. Weiterhin enthalten sind Beispiele vom Szenario zur Zeichnung, die originale Bleistiftskizze für die neue Coverzeichnung 2006, die Entstehung des Asterix’schen Lutetias, sowie die Entstehung des Mythos Asterix und Infos zu den Schöpfern.

Wer Fan der Serie ist, erhält mit diesem Sonderband zusätzliche interessante Infos für kleines Geld. Aber auch wer seine zerlesene Ausgabe mit diesem neuen Band ersetzen will, ist gut bedient. Insgesamt gelungen.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Comic Collection

I had that same dream again

https://www.comicplanet.de/media/image/c9/9d/b8/i-had-that-same-dream-again-1.jpg

Die zehnjährige Bücher liebende Nanoka lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hat in der Schule kaum Freunde, ist aber trotzdem ein positiv eingestellter Mensch. Denn obwohl sie allein ist, ist sie nicht einsam: Eine alte, nette Frau ersetzt ihr die Großmutter, Frau Abazure die Eltern, und ihre Lehrerin ist auch immer freundlich zu ihr. Begleitet wird sie von der schwarzen Katze Merle.

Eines Tages entdeckt Nanoka bei einem ihrer Streifzüge eine ruppige Teenagerin in einer alten Bauruine. Könnte auch sie ihre Freundin werden? Und was ist mit ihrem schüchternen Klassenkameraden?

Dem 1. Band gelingt ein Spagat: Er erzählt aus der Sicht der 10-jährigen Protagonistin, die als Kind entwicklungsbedingt noch nicht alle realen Gegebenheiten und Details ihrer Umwelt mitbekommt, v.a. nicht die negativen. Alles, was sie nicht versteht, wird in ihr Weltbild so eingepasst, dass es eine für sie einfache und positive Deutung bekommt.

Auf der anderen Seite bekommt die Leserin/ der Leser aber die hintergründigen Infos durchaus mit und bemerkt so, dass die Welt um Nanoka herum kompliziert und z.T. leidvoll ist.

Die Story wird an einem Schulaufsatz aufgehängt, den die Protagonistin schreiben soll: Was ist für sie Glück? Sie bespricht das mit ihrem schüchteren Klassenkameraden und befragt ihre erwachsenen Freundinnen dazu. Sie selbst hat keine Vorstellung vom Glück, bringt aber mit ihrem direkten, offenen und fröhlichen Wesen andere Menschen dazu, glücklich zu sein. Denn die Erwachsenen haben es schwer: Die alte Frau ist einsam, Frau Abazure arbeitet als Prostituierte und die Teenagerin ist depressiv und verletzt sich selbst.

Aber Nanoka ist für alle ein Lichtblick in ihrem Leben. Der Manga plädiert so für das kleine, beständige Glück, dass man immer dann findet, wenn man die Augen offen hält und andere Menschen in sein Leben einlässt. Nanoka ist das Licht, das u.a. die Bauruine erhellt. Das Autorenpaar benutzt gern Symbole und Details wie diese Ruine, um z.B. die Innenwelt der Figuren zu unterstreichen oder Traditionen zu hinterfragen. Merles schwarze Katze z.B. würde als Unglücksbringer gelten, aber Merle ist eine solche Deutung egal. Sie interessiert sich nur für den Charakter und den eigentlichen Wert ihres Gegenübers. Damit ist sie definitiv ein Vorbild. Sie erinnert uns an die wirklich wichtigen Dinge – und dass auch in der größten Dunkelheit ein Licht scheinen kann.

Berührende, tiefsinnige Geschichte um ein optimistisches Mädchen, das anderen Menschen mit seiner Offenheit und freundlichem Wesen den Tag leichter macht. Gelungen!

 


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Hamburg

Arte

Arte 1 Manga

“Weil du eine Frau bist. Deswegen.”

Florenz, Anfang des 16. Jahrhunderts: Die junge Adlige Arte will Lehrling in einer Kunsthandwerkstatt werden. Das bunte Florenz, in dem Kunst und Kultur blühen, scheint genau der richtige Ort dafür zu sein. Mit einer Einschränkung: Nur Männer dürfen ein selbstständiges Leben führen. So stößt Arte nicht nur auf das Unverständnis ihrer Mutter, sondern auch auf das der Lehrmeister, die nicht gewillt sind, eine Frau als Lehrling anzunehmen. Deshalb schneidet sich Arte ihre langen Haare ab und will auch ihre Brüste amputieren. Lehrmeister Leo kann sie von dieser drastischen Maßnahme gerade noch abhalten und nimmt sie bei sich auf. Arte beginnt bei ihm ein einfaches, arbeits- und entbehrungsreiches Leben, ist aber fest entschlossen, Meisterin ihres Faches zu werden.

“Weil du eine Frau bist. Deswegen.”

Der 1. Band der Reihe nimmt sich eines Themas an, das nach wie vor aktuell ist: Emanzipation. Und obwohl es hier v.a. um die Emanzipation der Frau geht, ist aber immer auch die Emanziaption des Mannes und der gesamten Gesellschaft mitgedacht, denn Emanzipation bedeutet in erster Linie sich frei machen von überkommenen, veralteten Mustern, Rollenklischees (die nicht nur die Frau, sondern auch den Mann einschränken!), diskiminierenden “Traditionen”. Sie bedeutet, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Ideen zuzulassen, über 500 Ecken zu denken und gerecht(er)e Gedanken zuzulassen und umzusetzen. Das zeigt sowohl die Geschichte als auch die zwar frei erfundene, aber schön dargestellte Story von Arte ( = Kunst; der Name ist Programm), die als Frau besondere Anstrengungen unternehmen muss, um sich in einem (Männer-)Beruf zu etablieren.

“Weil du eine Frau bist. Deswegen.”

Dieser Satz gilt nicht nur in der Geschichte oder in der Literatur, die das Thema Emanzipation aufgreift, sondern auch (leider immer noch) in der westlichen Welt. Dieser Satz wird einer Frau hierzulande zwar nicht mehr so offensichtlich ins Gesicht geschleudert, aber er gilt subtil: Die Frau verdient unter fadenscheinigen Ausreden der Wirtschaft immer noch weniger als der Mann bei gleicher Arbeit, ist deshalb gezwungen, zuhause zu bleiben, wenn sich Kinder ankündigen, kann danach oft nur noch teilzeit arbeiten gehen und rutscht somit unweigerlich in die (Alters-)Armut ab. Besonders dann, wenn sie alleinerziehend ist, der Mann viel zu oft nicht (genügend) Unterhalt bezahlt, sie aber steuerlich als Single behandelt wird. Oder sie letztlich ganz zuhause bleibt, um sich um die Familie zu kümmern. Wer mit Kindern regelmäßig zu tun hat, privat oder beruflich, weiß, dass Erziehungsarbeit tatsächlich ARBEIT ist – die im Fall der Mutter (und Großmutter; man denke an den Wegfall der Großeltern in den jetzigen Corona-Zeiten…) überhaupt nicht vergütet wird und im Fall z.B. der Erzieherin unterbezahlt ist, wie die, ebenfalls vorwiegend von Frauen ausgeübten, Pflegeberufe. Sogar der Beruf des Lehrers, der eigentlich in Deutschland gut bezahlt wird, muss in der Bezahlung langsam aber stetig zurückstecken, da immer mehr Frauen diesen Beruf ausüben.

Zurück zur Hausfrau und Mutter, die ein eher schlechtes Prestige genießt, weil sie nicht “arbeitet”. Auch wenn Männer sich jetzt mehr um die Kindererziehung kümmern, schultert nach wie vor die Hauptlast der Erziehung die Frau. Und die der Hausarbeit. Selbst dann, wenn es anders abgesprochen war. Das gilt auch für die Frauen, die ins Berufsleben zurückkehren. Auch dann, wenn besagte Frauen Vollzeit arbeiten. Wer geneigt ist, dauergestressten Frauen zuzuhören, der hört öfter Sätze wie: “Weil ich früher zuhause bin, bleibt alles an mir kleben!” Oder: “Ich habe ihm schon so oft gesagt, er soll das oder das im Haushalt tun, aber er macht nix!” Oder: “Wenn ICH mal 3 Stunden ohne Kind sein will, ruft er nach spätestens 2 Stunden an und fragt, wann ich wieder nach Hause komme!” Oder: “Als er mir im Wochenbett helfen sollte, hat er v.a. am PC gesessen, während ich es noch nicht mal unter die Dusche geschafft habe!” Brisantes Thema auch das öffentliche Stillen. Etcetc., man könnte da noch viele weitere Beispiele aufführen, die alle zu Lasten der Frau gehen.

“Weil du eine Frau bist. Deswegen.”

Deswegen will Arte keine Frau mehr sein. Sie kürzt sich die Haare – man denke an die Frauen der 20er des letzten Jahrhunderts, die sich buchstäblich “die alten Zöpfe” abschnitten – und kleidet sich z.T. männlich, um sich Schwierigkeiten zu ersparen. Auch hier denke man an das Prestige der Hose, dass sich die Frau hart erkämpft hat, während es der Rock als männliches Kleidungsstück trotz z.B. (nicht nur schottischer) Tradition und der Männerrockbewegung, die es immerhin schon seit den 1990ern gibt, immer noch schwer hat.

Als “Beruf” für die Frau gibt es damals allenfalls den der Kurtisane. Eine solche kommt auch im Manga vor, aber sie durchbricht das automatisch anspringende Kopfkino insofern, als dass sie eine reiche, gebildete Frau mit angenehmen Wesen und äußerlich vom Adel nicht zu unterscheiden ist. Veronica setzt noch eins drauf und gibt sich als Kunstmäzenin. Arte honoriert das: “Ich glaube schon zu wissen, was das für ein Beruf ist. Aber wenn ich diese Büchermassen sehe, muss ich einfach Respekt haben. Ich bewundere Sie nicht wegen Ihres Berufes. Ich bewundere Ihre Anstrengungen und Mühen.” Auch zum Beruf der Prostituierten ließe sich noch einiges im Sinne der Emanzipation sagen, was hier aber ein zu weites Feld wäre.

Arte hat eine Vorbildfunktion: Egal wie schwer es wird, sie kämpft für ihr Ziel. Und als Frau muss sie für ihr Ziel doppelt und dreifach kämpfen, sogar buchstäblich schuften. Der Manga zeigt auch, dass es eine zähe, schmerzhafte und frustierende Sache ist, Diskiminierung auszuhalten und v.a. loszuwerden. Arte hat(te) zwar einen sie unterstützenden Vater (!), aber ihre Mutter (!) ist völlig verhaftet in Rollenklischees und traut Frauen nichts zu. Auch die komplett männlich bestimmte Kunstwelt ist gegen sie. Die Meister schauen sich noch nicht einmal ihre Bilder an. Warum? “Ist doch klar. Muss ich das noch sagen? Weil du eine Frau bist. Deswegen.” Dieser Satz zeigt, wie tief Diskriminierung (egal welche) gehen kann und geht. So tief, dass noch nicht einmal mehr eine Rechtfertigung für angebracht gehalten und sie als selbstverständlich hingenommen wird.

Insgesamt also ein guter, wertvoller Manga, der ein schwieriges, immer noch aktuelles Thema aufgreift. Die wunderschönen, z.T. sehr detaillierten Zeichnungen unterstützen die Geschichte gekonnt. Einzig die japanischen Anwandlungen Artes und der anderen Figuren wollen nicht so recht in das Florenz des 16. Jahrhunderts passen.

 


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Micky Maus 11/20

In der 2. Zeitreisegeschichte “Newtons Apfel” besucht Donald Duck Sir Isaac Newton im Jahr 1665. Donald ärgert sich über die schlechte Platzierung seines Technik-Blogs und hofft, durch ein Interview mit Newton die Beliebtheit seines Blogs zu steigern. Da er Dussel mitnimmt, gerät die Sache etwas außer Kontrolle. Aber Dussels Anwesenheit ist auch entscheidend für Newtons berühmte Entdeckung der Schwerkraft.

“Alles in einem Bild” zeigt, dass moderne Kunst v.a. im Auge des Betrachters liegt. Klarabella schenkt ihrem Rudi ein Bild, in dem jede(r) etwas anderes sieht. Um der Bedeutung des Bildes auf die Spur zu kommen, beschließen Minnie und Klarabella, den Künstler höchstselbst zu fragen.

In Donalds “Heldentraum” mimt der notorische Pechvogel einen wackeren Recken, der seine geliebte Daisinde aus den Klauen des berüchtigten Graf Gustav des Glücklichen befreien will. Leider heißt dessen Domizil nicht umsonst “Burg Drachensteyn”.

“Raffiniert programmiert” ist mit Stellas Hilfe Daniel Düsentriebs neues Ninja-Spiel mit VR-Brille. Stella selbst mimt aber in der Schule die Tolpatschige, da sie in ihrer alten Schule wegen ihres Intellekts gemobbt wurde.Tick, Trick und Track überzeugen sie, dass sie sich nicht länger verstellen muss.

“Ein Unglückstag” für Dagobert Duck: Eigentlich will er nur seinen Geldsack unbehelligt von den Panzerknackern zur Bank tragen. Daniel Düsentrieb soll ihm dabei helfen. Aber dessen Unsichtbarkeitsspray hat so seine Tücken.

Wie in den anderen Heften auch unterhalten sowohl die kurzen als auch die längeren Comicgeschichten kleine als auch größere Leser/innen gut – und sie vermitteln nebenbei ein wenig Hintergrundwissen z.B. über Isaac Newton.

Sehr humorvoll wird außerdem Sinn und Unsinn von moderner Kunst hinterfragt und dabei prima gezeigt, dass Realität subjektiv ist: Sie ist das, was Sinne und Hirn eines jeden einzelnen daraus machen.

Angeschnitten wird auch ein Thema, dass jede(r) aus seiner eigenen Schulzeit und auch im sonstigen Leben kennen dürfte: Außenseitertum und damit einher gehend Mobbing. Das Gegenmittel wird gleich mitgeliefert: Toleranz, Akzeptanz und die Anerkennung der Stärken eines Menschen. Jede(r) darf so sein, wie sie/er ist.

Schön auch wieder die kurzen Infos auf jeder Doppelseite z.B. über den internationalen Museumstag oder den “Dark Day”, die verständlich Wissen vermitteln. Rätselcomics, Witze, Experimente und ein Extra runden das Bild ab. Als Extra gibt es diesmal einen Blaster mit Schwertmodus. Zielgenauigkeit lässt sich zwar trefflich mit diesem Spielzeug trainieren, aber ob man dazu unbedingt Kriegsspielzeug braucht, sei einmal dahingestellt. Davon abgesehen ist ein solches Spielzeug nicht unbedingt elternfreundlich – Eltern wissen, was ich meine.

Das Magazin richtet sich vorwiegend an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, ist aber auch für größere Fans interessant, weil die Comics mit Anspielungen aufwarten. Es erscheint alle 2 Wochen.


Genre: Comics
Illustrated by Egmont Ehapa