Über Menschen, Orte, Ereignisse und immer wieder über Bücher schreibt Elke Heidenreich seit mehr als drei Jahrzehnten. Dreißig ihr wichtige Geschichten fasst sie in diesem Band zusammen. Einige sind zuvor in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen, für die Elke Heidenreich siebzehn Jahre lang als Kolumnistin schrieb. Der Band ist insofern eine Zweitverwertung eines durch die Medien bekannten Autorennamens. Methodisch erzählt Heidenreich gern persönliche Dinge aus ihrer Kindheit und Jugend, sie erinnert an Bücher, Lieder, Radiostimmen und stellt Bezüge zu ihrer Jetztzeit her. Dabei wirkt sie stets moralisch, es fehlt ihr eine Prise Leichtigkeit.
Das Buch ist bereits makuliert. Erstaunlich, dass selbst eine relativ bekannte Autorin schon ein Jahr nach Herausgabe auf den Wühltischen der Buchmärkte landet.
Die in dem leider vergriffenen Buch versammelten Geschichten und Reportagen sind für alle Freunde des ausgefeilten Stils und der bildhaften Sprache Leckerbissen. Veröffentlicht wurden sie zwischen 1976 und 1982 im Hamburger Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Meist handelt es sich um intime Porträts von Leuten wie du und ich sowie von Wichtigtuern, Berühmtheiten und Politikern.
Wir lernen Biggi kennen, »eine kinderblonde Scheidungswitwe, die einen tiefen finanziellen Frieden verströmt und durch ihren schmalen Kiefer wie ein Lamm aussieht.« Wir begleiten den englischen Schauspieler Jeremy Irons, »der von so empfindlicher Schönheit ist, dass er auf dem Satinpolster eines dicht schließenden Etuis zu Hause sein könnte.« Der Leser erlebt aber auch den rasanten sozialen Abstieg der Sophie Häusler mit, »die eine Schussfahrt durch eine zielgenaue Schneide macht, deren Markierungen ein Saboteur hätte stecken können.«