The WHITE ALBUM. The Beatles

The WHITE ALBUM The Beatles „Whatever else it is or isn’t, it is the best album they have ever released, and only The Beatles are capable of making a better one. You are either hip or you ain’t. In short it ist he new Beatles record and it fulfils all our expectations of it“. So launisch kommentierte der Rolling Stone das Unikum „White Album“. Es war der 22. November 1968. Das einzige Doppelalbum der Beatles erscheint. Es ist ihr erstes und letztes. Und voller versteckter Botschaften.

Post-psychodelischer Minimalismus

In den ersten beiden Jahren ihrer Existenz spielten sie 279 gigs in vier verschiedenen Clubs allein in Deutschland. Das letzte offizielle Konzert fand in San Francisco’s Candlestick Park im Jahre 1966 statt. Es war die ca. 1400ste Show ihrer Karriere. Sgt. Pepper erschien im im Mai 1967 und zementierte ihren Ruf. Erst am 3. Februar 1968 kehrten die Fab Four in ihr Abbey Road Studio zurück und begannen mit den Aufnahmen für das White Album. Mit dabei war ein ungebetener Gast: Yoko Ono. Tatsächlich soll sie während der ganzen Aufnahmen dabei gewesen sein und natürlich ein gewisses Unbehagen bei den Restbeatles ausgelöst haben. „The Beatles were ‚flabbergasted’“, schreibt Brian Southall. Die unbehagliche Atmosphäre während der Sessions widerspiegle sich auch auf dem Album. „The unsettling nature of its creation resonate through almost every track“, meinte zumindest American Womack. Die meisten Songs (30-40) wurden während ihres Aufenthalts in Indien geschrieben. Aber nicht nur der Inhalt war revolutionär („Revolution Nr. 9“), sondern auch die Covergestaltung, war es doch quasi die Antithese zu dessen Vorgänger Sgt. Pepper’s Lonely Heartclub Band.

The WHITE ALBUM: 4 in 1 oder 5-4=-1

Post-psychodelischer Minimalismus hin oder her, wer ein Originalalbum mit limitierter Nummerierung in seinem Besitz hat, würde heute zwischen 790.000 (Seriennummern unter 100) und 19.000 Pfund (Seriennummer darüber) dafür bekommen. Der Designer erhielt für seinen Job übrigens läppische 200 Pfund. Andere die an der Produktion beteiligt waren Exemplare mit Seriennummern weit über 450.000. Das Stilkonglomerat (Balladen, Heavy Metal, Reggae, Avantgarde) und die unbefriedigende Komposition des Konzeptes veranlassten böse Stimmen dazu, das Album als drei Soloalben zu bezeichnen, die unter der Schirmbezeichnung The Beatles den weiteren Karriereweg der Protagonisten vorwegnahm. Nichtsdestotrotz ist das White Album immer noch das viertbeste bei den Verkäufen und das obwohl es dabei mit anderen Alben und nicht Doppelalben verglichen wird.

Der ehemalige Sportreporter Brian Southall hat nicht nur das Album „The WHITE ALBUM. The Beatles“ und seine Songs in vorliegender Publikation recherchiert, sondern auch das Jahr 1968 in dem es erschien. Nach einer Vorstellung der Protagonisten und Lieder zeigt Brian Southall die Ereignisse des Jahres von Jänner bis Dezember und bettet das Album in den Kontext ein in dem es entstanden ist. Viele farbige und s/w Fotos zeigen nicht nur die beiden Athleten Tommie Smith und John Carlos im Kampf für eine bessere Welt, sondern auch andere Bands, den ersten Zombie Film oder den Star Trek in dem Cpt. Kirk erstmals eine Schwarze im Kino/TV küsst. Mit einem Vorwort von Chris Thomas.

Brian Southall

The WHITE ALBUM

Revolution, Politics & Recording: The Beatles and the World in 1968

Englische Originalausgabe/Original English Edition

Foreword by Chris Thomas

192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos.

Fester Einband im Format 25 × 25 cm.

ISBN-13: 978-3-283-01287-8

€ (D): 25,– / € (A): 25,– / sFr.: 32.50

Edition Olms Zürich


Genre: Musik, Popkultur
Illustrated by Edition Olms

99 Songs

99Der Autor will in seinem Buch am Beispiel seiner frei und völlig subjetkiv ausgewählten 99 Songs „gesellschaftliche Hintergründe, kollektive Sehnsüchte oder Konsumentwicklungen und Zeitbrüche erkunden“. Konsenslieder ebenso wie abseits der kommerziellen Warenproduktion entstandene Songs, die zwar keine Hits, aber dafür politische Identifikation bieten und bei Demonstrationen als Protestsongs einsetzbar waren ebenso wie Gassenhauer. Kos’ „99 Songs“ kommen aus unterschiedlichen Musikepochen und kulturellen Milieus und reichen stilistisch von der Oper, dem Musical zu Blues und Country, Schlager und 20er Jahre hin zum Great American Songbook der 30er und 40er, aber auch Chansons und Folk, Rock’n’Roll, Beat, Soul, Rock, Hip-Hop und Rap, partiell wird auch auf Tango, Bossa Nova, Reggae oder Pop aus Afrika zurückgegriffen, um sich dem Vorwurf des Eurozentrismus zu erwehren bevor er noch artikuliert wird. Und natürlich geht es auch um Sex. Und Liebe.

Das 20. Jahrhundert in Liedern

Das Jahrhundert beginnt in „99 Songs“ eigentlich erst 1905 mit der „Lustigen Witwe“ von Lehar/Leon/Stein und zeigt die Frivolität des Begriffs von der „anständigen Frau“. 1900-1920 ist das erst Kapitel in „99 Songs“, das auch den schon von Pedro Orgambide in mythische Größe überhöhten Tangokünstler Carlos Gardel behandelt. Die Zwischenkriegszeit wird dann mit den Bananen der Josephine Baker, Bessie Smith und den Arbeitern von Wien charakterisiert, aber auch dem Buchenwaldlied und Lili Marleen. „This Land is Your Land“ von Woody Guthrie, dem „Flüchtling im eigenen Land“, geht auf die Dust Bowl Ballads des Okie ebenso ein, wie auf seine Krankheit (Huntington) und dem Spruch auf seiner Gitarre: „This machine kills Fascists“. Die Periode des Kalten Krieges wird von Juliette Gréco eröffnet und führt über den Deserteur Boris Vian zu Hank Williams, dem ersten des Club 27, auch wenn er erst mit 29 – von seinem Chauffeur kutschiert – im Delirium in die ewigen Jagdgründe entglitt: „And now I’m lost, too late to pray/Lord I paid the cost, on the lost highway.“ Aber auch der Widerstand gegen „das Imperium“ begann in dieser Zeit mit Hymnen wie „We shall overcome“ oder „Edelweiss“ aus dem Musical „Sound of Music“. Dazwischen keimt der Rock mit „Hoochie Coochie Man“ von Muddy Waters interpretiert oder „Rock Around the Clock“ und „Hound Dog“, „Tutti Frutti“ oder „Johnny B. Goode“.

Widerstand, Protest und Jugendkultur

1960-1970 ist wohl das Kapitel, das auch dem Autor am meisten Spaß gemacht hat. Darin schreibt er nicht nur über die unvergessliche Piaf, deren Großmutter ein Bordell betrieben habe, sondern auch über „Little Boxes“ von Malvina Reynolds, das u.a. von Pete Seeger interpretiert wurde und unlängst der TV Serie Weeds als signation diente. Reynolds’ Mann war immerhin Kommunist, was in den Sechzigern noch genauso unamerikanisch war wie davor und danach und ihr Lied kommt zwar als Kinderlied daher ist aber ein bitterböser Abgesang auf Reihenhaussiedelungen und den amerikanischen Traum. Selbst Kinder waren damals eben vor den Kommunisten nicht sicher, waren sie doch auch als Kinderfresser verschrien. Auch „The Ballad of Ira Hayes“, das von Peter La Farge geschrieben, aber von Johnny Cash bekannt gemacht wurde, kann als in der Tradition des klassischen Protestsongs stehend verstanden werden. Tja, und dann kam Dylan, dem der Autor übrigens gleich mehrere Seiten und Beiträge widmet.

„99 Songs“ ist ein Nachschlagewerk zu den Lieblingssongs des Autors aus einem Jahrhundert, das endlich vorbei ist. Es erzählt vielleicht mehr über die Autoren und die Entstehungsgeschichte als über die Lieder/Songs selbst und die meisten Informationen wären wohl im WWW auch leicht auffindbar gewesen, aber sicherlich nicht so schön bebildert und mit so viel Akribie, Sorgfalt und Liebe verpackt und geschrieben. Oder hätten Sie etwa gewusst, dass der Hit „Amsterdam“ von Jacques Brel auch von David Bowie interpretiert worden war und ersterer sich niemals bei letzterem dafür bedankt hatte? Oder dass Jagger in der Teenagerhymne „I can’t get no satisfaction“ (1965) gezählte dreißig Mal „No“ singt? Und was murmelt John (Lennon) nochmal am Ende von „Strawberry Fields Forever“? „I buried Paul“? Bei Wolfgang Kos steht die Wahrheit darüber, schlagen Sie’s einfach nach!

Alle Songs zum Anhören:

www.brandstaetterverlag.com/buch/99-songs

Wolfgang Kos
99 Songs. Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts
Rebellion, Sehnsucht und Lebensgefühl – Die Geschichte des 20. Jahrhunderts neu erzählt
ISBN: 978-3-7106-0022-7
Format: 19 x 24 cm
320 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Hardcover

Brandstätter Verlag
€ 39,90


Genre: Popkultur, Popliteratur
Illustrated by Brandstätter Verlag