Faschismus ist keine Meinung

Das Buch erschien im Frühjahr 2026, vor den Landtagswahlen. Im Vorwort schreibt Kowalcuk: „Das Buch ist verfasst von einem Historiker, einem engagierten Bürger, einem Freiheitsmenschen, der davon überzeugt ist, dass es in der Hand der Demokraten und Freiheitsliebenden liegt, die Demokratie zu verteidigen und die Freiheit zu retten.“

Auf zwei Hundert Seiten, plus 30 Seiten Quellen überzeugt er.
In zehn Grundsätzen stellt er seine Vorgehensweise vor, indem er das Leben in Deutschland, auch in den Ländern, die früher DDR-Gebiet waren, als privilegiert beschreibt, nicht nur unter dem Aspekt der Freiheit. Auch der Titel des Buches „Faschismus ist keine Meinung“ ist einer der Grundätze. Und der letzte heißt: Ohne Freiheit gibt es keinen echten Frieden.
Das erste, der DDR-Bewältigung gewidmete, Kapitel hat den Titel: Die Sehnsucht nach dem autoritären Staat. Dazu holt er aus und beschreibt Beispiele aus der Vergangenheit:
Auf der Suche nach Utopien würde die Vergangenheit oft zum Sehnsuchtsstaat. Der Historiker beschreibt, wie schon immer Zukunftsängste menschliches Denken bestimmten und die Vergangenheit verklärten.
So schlimm, wie heute, dachten Menschen schon immer, sei es noch nie gewesen, etwa: Wenn die Broligarchen in den USA das Monopol unserer Daten haben und die digitale Revolution steuern.
DDR-Bürger werden zu Opfern, damals, wie heute. Kowalczuk benennt die gängige Ostalgie um in: Ostdeutschtümelei. Einer dieser Tümeler ist Holger Friedrich, ein „Selfmademillionär“, der 2019 die Berliner Zeitung kaufte und seit 2026 dabei ist, die Ostdeutsche Allgemein Zeitung „zu einem Sprachrohr ostdeutscher Befindlichkeiten umzubauen.“
Auch anderen Politikern wirft er vor, ein „Wir“ Narrativ zu verwenden, als wäre es eine homogene ost-deutsche Gemeinschaft gewesen, und dabei die ganz unterschiedlichen Rollen der Menschen in einer Zwangsherrschaft zu ignorieren.
Wolf Biermann wird als gradlinig beschrieben und gerne zitiert: „Den Bequemlichkeiten der Diktatur jammern sie nach und die Mühen der Demokratie sind ihnen fremd….Wagenknecht und Höcke sind das politische Brautpaar der Stunde. Da wächst in der Ex-DDR zusammen, was zusammengehört. Die Erben des Hitlerschen Nationalsozialismus und des Stalinschen Nationalkommunismus.“
Immer wieder kommt eine persönliche Betroffenheit durch, etwa, wenn er die Namen von ihm missfallenden Personen mit originellen Verunglimpfungen kombiniert.
Er beschreibt die zunehmende Verrohung in politischen Debatten: Die Gingrich Methode macht aus politischen Gegnern persönliche Feinde, deren, zumindest politische, Vernichtung angestrebt wird. (Beim Bündnis „Stalinistisches Würstchen“ kommt er schon an den Gingrich Stil heran!) Aber auch persönliche Vorlieben, wie für Musikgruppen der DDR, werden mit Freuden ausgeführt.
Das zweite Kapitel: Entscheidung in der Ukraine zeigt, dass es ohne Freiheit keinen Frieden geben kann. Die Putin-Versteher werden namentlich genannt und ihr Schweigen am Tag nach der Invasion.
Seine Kenntnis der Geschichte der Ukraine, auch aus familiärer Betroffenheit, geht auf Bandera ein und belegt die Irrtümer der „deutschen Russland-Nichtversteher.“ Für ihn geht es im Ukraine Krieg darum, wie „1989“ ausgeht.
Im dritten Kapitel „Schlachtfeld DDR-Geschichte“
Fordert er neben der analytischen und wissenschaftlich fundierten Betrachtungsweise auch die gesellschaftspolitische Aufarbeitung.
Es geht auch um die in der DDR entwickelten Narrative, etwa die Verklärung von Teddy Thälmann. Er stellt die Havemann Gesellschaft vor, als eine als Bildungsgesellschaft gegründete.
Nach dem Stasi -Unterlagen-Gesetz begann die spätere Gauck-Behörde ihre Tätigkeit. Kowalczuk weist auf die Überhöhung der Verbrechen der IMs hin: sie alle arbeiteten auf Anweisung von SED-Mitgliedern, nicht jeder habe den Opfern der Agententätigkeit geschadet.
Seine Kenntnisse zum Streit der Historiker geben für Laien interessante Einblicke, etwa, dass keiner, der in Instituten eine Leitungsfunktion anstrebt, sich dieses Thema aussuche.
Was würde Marx wohl zur DDR gesagt haben? Ilko hat seinen Marx sehr genau gelesen und seine Vermutungen sind lesenswert!


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by C. H. Beck

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