She likes Gay Boys but not me 2 und 3

She likes gay boys but not me 3 - Naoto Asahara, Akira Hirahara

Konformität versus Individualität

Jun wird gegen seinen Willen geoutet und hat anschließend einen schweren Stand in der Klasse. Auch seine Freundin Sae kämpft mit der Situation. Aber als sie vor ihren Schulkameraden eine Rede hält, outet sie sich als Fan von BL-Manga und steht für sich und Jun, sowie für alle, die anders sind, ein. Jun kommt daraufhin eine Weile nicht mehr in die Schule. Er erfährt schließlich, dass die anderen in der Klasse mit den Lehrer*innen über Homosexualität gesprochen haben und sie scheinbar tolerant sind. Aber Jun merkt an kleinen Details, wie es um diese Toleranz tatsächlich bestellt ist – da ist noch viel Luft nach oben. Da ist ihm eine ehrliche, wenn auch unangenehme Meinung wie die von Yusuke lieber, denn mit Ehrlichkeit kann man besser umgehen als mit Scheinheiligkeit, zumal dieser Austausch der Meinungen langfristig mehr Verständnis füreinander bewirkt. Außerdem will Jun den Selbstmord seines Internetfreundes „Mr. Fahrenheit“ aufarbeiten und fährt deshalb mit Sae zu dessen Wohnort. Als er die Familie des Toten kennenlernt, weiß er, warum der Junge sich umgebracht hat. Außerdem will er für sich und seinen toten Freund herausfinden, warum Gott Homosexuelle geschaffen hat, wenn sie vordergründig keinen Nutzen für die Fortpflanzung bringen.

Auch seine Beziehung zu seinem deutlich älteren Lover stellt Jun infrage. Er erkundet, wie dieser die Beziehung zwischen ihnen sieht und erkennt, dass es keine Zukunft für sie gibt, weil der ältere Mann nicht zu seiner Homosexualität steht und Teil der Gesellschaft bleiben will. Und immer wieder fragt sich Jun, was Liebe eigentlich bedeutet, denn er liebt Sae sehr, aber nicht auf sexuelle Art. Sae hilft ihm und sich selbst, indem auch sie über verschiedene Dinge reflektiert und ihre Gedanken mit ihm teilt. Dabei erfährt Jun, dass Mädchen bzgl. Homosexualität aufgeschlossener sind als Jungen. Jun wird immer verirrter von all den Problemen und unternimmt einen Selbstmordversuch, der aber scheitert. Danach ordnet er sein Leben neu.

Selbstfindung unter besonderen Umständen

Die in sich abgeschlossene dreiteilige Reihe beleuchtet tiefsinnig die Probleme, die Menschen haben, wenn sie anders sind. Dabei bietet der Manga immer mehrere Sichtweisen an, betrachtet diese von allen Seiten, indem die Protagonist*innen für ihre Sichtweisen sprechen und sich dabei weiterentwickeln. Bewertet werden sie nicht, höchstens von den Protagonist*innen selbst, die ihre Gedanken und die der anderen im Herzen bewegen und schließlich ihre eigenen Schlüsse ziehen. Damit bietet die Reihe auch Problemlösungsstrategien an und spielt diese durch. Psychologie und Philosophie spielen in dem Manga eine große Rolle und verbinden sich mit den Irrungen und Wirrungen von Pubertierenden, die es so schon schwer haben und erst recht, wenn sie auf irgendeine Weise anders sind.

Auch der Avatarname „Mr. Fahrenheit“ passt in dieses Thema der Andersartigkeit, denn der Junge, der sich so nennt, ist anders, intelligent und gebildet, was die Protagonisten im Buch „Fahrenheit 451“ nicht sein dürfen – selbstständiges Denken, das meist durch die Lektüre von Büchern gefördert wird, gilt als gefährlich. Sich zu outen gilt als gefährlich. Das zieht oft genug den gesellschaftlichen Tod nach sich. Und diesen erfährt Jun, wenn auch in abgemilderter Form, weil er Sae und seinen besten Freund und sogar Yusuke um sich hat, die ihm auf ihre Weise helfen.  „Mr. Fahrenheit“, überraschenderweise jünger als Jun, hatte diese Hilfe nicht, weshalb ihm aus seiner Sicht nur der Freitod blieb.

Fazit

Andersartigkeit, Homosexualität, Sterben und Tod, Liebe und Liebeskummer sind die Hauptthemen dieser sehr guten Reihe, die diese tiefsinnig und intelligent beleuchtet und zu denen verschiedene Sichtweisen angeboten werden. Empfohlen.


Genre: Anderssein, Homosexualität, Manga, Selbstfindung, Selbstmord, Trauer
Illustrated by Carlsen / Hayabusa

Just because I love you

Rowdy trifft Schönling

Auf Takeru Totoki trifft der Satz „Harte Schale, weicher Kern“ zu: Immer wieder in Raufereien verwickelt und deshalb als Rowdy gebrandmarkt, will er eigentlich nur ein normales Leben führen. Aber Takeru hat inzwischen keine Hoffnung mehr, dass er aus diesem Teufelskreis herauskommt – bis sich eines Tages Schulschönling Teo Yoshizawa nach einer Schlägerei um ihn kümmert. Ab diesem Zeitpunkt freunden sich die beiden unterschiedlichen Jungen immer mehr an und Takeru merkt, dass ihm der Kontakt mit dem beliebten Schüler guttut, denn er führt jetzt ein merklich ruhigeres Leben. Als Teo ihn auch noch für die Prüfungen in der Schule fit macht, erhält er zum ersten Mal in seinem Leben gute Noten. Alles läuft prima – aber was werden die anderen sagen, wenn sie merken, dass Takeru und Teo mittlerweile mehr sind als nur gute Freunde?

Klischees kritisch hinterfragt

Der BL-Manga (Boys-Love-Manga) thematisiert Homosexualität in einer eher beiläufigen Art. Die beiden Protagonisten verheimlichen zwar ihre Neigung und ihre Beziehung, aber sie machen sich ansonsten kaum Gedanken um ihre Homosexualität und leben sie einfach. Allerdings steht das im Widerspruch zur Wirklichkeit v.a. in Japan, in der Homosexualität tabuisiert wird und man sich deshalb automatisch viele Gedanken machen muss. Ansonsten aber ist gerade die Figur Takerus sehr schön herausgearbeitet: Durch seine körperliche Größe und sein eher wildes Aussehen wird er gleich in eine Schublade gesteckt, in die er von seinem liebenswürdigen Wesen her überhaupt nicht passt. Hier wird indirekt kritisiert, dass die Gesellschaft nur auf Äußerlichkeiten schaut und sich nicht die Mühe macht, hinter die Fassade zu blicken bzw. das Innere einer Person zu ergründen. Ausgerechnet der Schulschönling Teo, dem man aufgrund seiner Beliebtheit eher Oberflächlichkeit zutrauen würde (hier wird also ebenfalls mit Klischees gespielt), interessiert sich für die Person Takeru selbst und verurteilt Takeru nicht von vorneherein. Mit expliziten, aber nicht pornografischen Sex-Szenen. Der Verlag empfiehlt den Manga daher erst ab 18 Jahren, aber ich denke, ab 15 oder 16 Jahren ist das auch in Ordnung. Mich wundert sowieso, warum Gewaltszenen, die für die Psyche schädlicher sind, schon ab jungem Alter freigegeben werden, während einvernehmlicher Sex so tabuisiert wird. Da wirkt wohl noch die Leibfeindlichkeit der Kirche nach.


Genre: Homosexualität, Manga
Illustrated by Carlsen / Hayabusa