Die 12 Leidensstationen nach Pasing

Die 12 Leidensstationen nach Pasing

Die 12 Leidensstationen nach Pasing: Wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, ist die Pubertät eine leidensvolle Zeit, die schon viele Jugendliche in den Wahnsinn getrieben hat. Dem Protagonisten von Stefan Wimmers vierten Roman bleibt dieses Schicksal zwar erspart, jedoch kann er sich nur schwer den erwachenden Hormonen im Jahrhundertsommer von 1985 erwehren. „Die 12 Leidensstationen nach Pasing“ ist eine entspannte Sommerlektüre, die einen auch in eigenen Erinnerungen schwelgen lässt. Denn diese erwachen ebenso wie die Hormone des Protagonisten.

Soundtrack der Achtziger

In der Münchner Vorstadt Pasing treibt die sog. Kajal-Clique ihr Anwesen. Kennzeichen: verschmierter Kajalstift um die Augen und ein Soundtrack aus The Cure, Fad Gadget u.a. Stars der Achtziger. Die vier halbwüchsigen Schüler, die durch die Straßen Pasings streunen sind hauptsächlich damit beschäftigt, sich mit alkoholischen Getränken abzuschießen und über Musik und Frauen fachzusimpeln. Aber weder das eine noch das andere haben die vier Pubertiere je erfahren oder erforscht. Deswegen sind sie rund um die Uhr auf der Suche nach Party, Party und dem ersten Sex. Doch es gibt auch Konkurrenten: die Schlägerbande rund um den Psychopathen Lothar macht den jungen Rebellen das Leben schwer. Partys, Petting, Punkrock gehören laut ihren Lehrern zu den größten Gefahren für die Heranwachsenden, wie Frau Endress, die „sexyste Lehrerin der Schule“ am Elternsprechtag freimütig verkündet. Aber zumindest was die Liebe betrifft gibt es Hoffnung: Baby Love aus dem benachbarten Mädchen-Gymnasium in Pasing.

Versuchung und Sühne in Pasing

Die bayrische Klammote aus Pasing schildert eine weitere vergeudete Jugend voller derber Späße und Mißverständnisse. Der erste Haschischversuch wird zum Horror-Trip und die Periode wird ebenso mißverstanden, wie die Avancen einer jungen Erwachsenen mit Sex Appeal, Bonny. Die Hoffnung des jungen Protagonisten wird zwar nicht enttäuscht, aber doch im Zuge der nächtlichen Samenergüsse erörtert. Die Milieuschilderung, das Lokalkolorit ist treffend gelungen, das Verhältnis der Erwachsenen zu den Jugendlichen authentisch dargestellt und sowohl bibelfest (Matthäus 4:23, Jesu Versuchung) als auch einem alten Lateiner gerecht werdend. Pasing hat sich heute bis zur Unkenntlichkeit verändert, in eine mir völlig fremde Welt, schreibt der Autor im Abgesang zu seinem Jugendroman, „Und dennoch vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese Zeit denke“. Damals war alles viel humaner und schöner, meint Wimmer und allzu gerne würde er „den Geruch des Sommers un der Freiheit wieder zu spüren“. Das gelingt ihm, durch seinen Roman über diese sorglose Zeit. Denn wer „Die 12 Leidensstationen nach Pasing“ liest findet, auch den Zugang zur eigenen verflossenen Jugend wieder. Oh, Sweet Bird of Youth!

Stefan Wimmer
Die 12 Leidensstationen nach Pasing. Roman.
2020, Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-453-27284-2
€ 18,00 [D] inkl. MwSt. € 18,50 [A] | CHF 25,90 * (* empf. VK-Preis)
Heyne Hardcore


Genre: Adoleszenz, Jugend, Pubertät, Werther
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