Atem – Die Lösung für dein Trauma

Entspann dich mal!” Wir kennen es alle: keiner will diesen Satz hören, wenn gerade die Amygdala die Kontrolle übernommen hat. Dabei kann der Atem einen einfachen Weg aus der Erregung heraus herbeiführen. Durch eine bewusste Steuerung der Atmung, kann man wieder runterkommen und der präfontale Kortex übernimmt wieder das Ruder.

Aktive Selbstregulation

Was sich vielleicht etwas medizinisch anhört ist in Wirklichkeit ganz einfach: Der Atem gibt uns die Kontrolle zurück. Wir alle können mit seiner Hilfe die Steuerung unserer Emotionen wieder übernehmen, den “limbischen Widerstand brechen“. Durch gezielte Atemtechniken kann sich das Nervensystem wieder beruhigen und wir können wieder Entscheidungen treffen, die unseren langfristigen Ziele und Wert entsprechen, so Alan. Sowohl durch die Hochregulation (Sympathikus) als auch die Herunterregulation (Parasympathikus) bestimmen wir unsere Haltung: Löwe oder Zebra. Jagd oder Flucht. Wer seine Gewohnheiten durchbrechen will, muss neue Habits etablieren. “What fies together, wires together“, also jede bewusste Handlung, die regelmäßig stattfindet, erzeugt ein neuroyales Muster, das mit der Zeit immer leichter reaktiviert werden kann. Je öfter also “Breathwork” im Tagesablauf etabliert wird, desto einfacher wird es, es wieder abzurufen. “Das In-Kontakt-Sein mit dem, was in mir lebendig ist” nennt Alan das. Der erst”e Teil wird durch drei Hinweise zu gezielten Atemübungen abgeschlossen und danach widmet sich der Autor noch der sog. Trauerarbeit.

Trigger, Traumaarbeit und Tiefenschärfe

Situationsbedingte und entwicklungsbedingte Traumata werden von ihm dabei unterschieden. Ersteres wäre etwa ein Autounfall, eine Schlägerei oder ähnliches, letzteres rührt von Schemata aus der Kindheit her. Neben den im ersten Teil bereits genannten Überlebensreaktionen (Kampf, Flucht, Erstarren) fügt Alan noch Fawn (Anpassung) und Collapse (Dissoziation, Zusammenbruch) an. Bei Fawn wird durch Bindung, Unterwerfung oder Harmonisierung versucht Sicherheit herzustellen. Dieses Bedürfnis nach Sicherheit schlummert schließlich in uns allen. Aber Traumata wirken oft im Stillen weiter und stören die angestrebte Sicherheit. Trigger können diese schlummernden Traumata wieder auslösen und eine Zyklusschleife auslösen, die schwer abzustellen ist. Aber durch Verstärkung der Einatmung kann man die Kontrolle über seinen Zustand eventuell wiedergewinnen, so Alan. Eine große Rolle spielt dabei auch das narrative Selbst, das die Identität immer wieder erneut bestätigt und Glaubenssätze über sich selbst zementiert. Meist ist das Bedürfnis nach Schutz die Ursache dafür. Aber die eigene emotionale Realität ist kein festes Faktum – sie ist ein Konstrukt, betont der Lehrer und Trainer. Maladaption etwa mit negativen Mustern kann überwunden werden. Co-Regulation und metakognitive Intelligenz können dabei helfen, alte Prinzipien zu überwinden und sich wieder lebendiger zu fühlen.

“Ruha d’Qudsh”: endlich ankommen

Das Default Mode Network (DMN) (“Ruhezustandsnetzwerk”, “Werkeinstellungsnetzwerk”) habe die zentrale Aufgabe, ein kohärentes Selbstbild aufrechtzuerhalten. Unser autobiographisches Selbstverständnis, die Ich-Geschichte, vermittle uns zwar Kontinuität und Identität, könne aber auch in gedanklichen Schleifen und selbstbezogenen Grübeleien (Ruminatisnen) gefangen halten. Ein überaktives DMN würde sogar die identitätsbasierte Selbstwahrnehmung verfestigen und den Zugang zur gegenwärtige Erfahrung, Offenheit und kognitiver Flexibilität erschweren, gibt Alan zu Bedenken. Meditation könne da langfristig helfen, Atmung dafür aber sofort, da es ein Erleben jenseits der gewohnten Konditionierungen ermögliche. “Was uns einst gebrochen hat, kann zu dem werden, was uns trägt. (…) Heilung ist wunderbar.” Der Atem sei eines der wenigen autonomen Körpersysteme, das willentlich beeinflusst werden könne, mit ihm können nicht nur das Nervensystem, sondern auch emotionale Zustände verändert und Muster aufgebrochen werden. Zudem ist der Atmem direkt an unser implizites Gedächtnis gekoppelt und könne so auch Erinnerungen, die kognitiv nicht zugänglich sind und in der Physiologie oder der Muskulatur verborgen liegen, öffnen. Nicht zuletzt spreche durch das Atmen ja auch der Planet selbst zu uns, wie Alan schreibt. “Ruha d’Qudsh”, aramäisch für heiliger Atem oder Geist, Hauch wirke, wenn wir uns in der Stille versenken. Der Atem könne uns die Tür zur Seele öffnen, helfe uns präsent und unabgelenkt zu sein und endlich anzukommen. Oder wie es schon Grace Slick in “White Rabbit” ausdrückte: “Just rembember what the dormouse said!

Daniel Alan
Atem – Die Lösung für dein Trauma
2026, Paperback, 222 Seiten
ISBN: 9783689690540
now Verlag
€20,00


Genre: Gesundheit, Lebenskunst, Ratgeber
Illustrated by now Verlag

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