Human Target 2

Tom King: Human Target 2

Human Target. “Man kann nicht seine ganze Zeit damit vergeuden, so zu tun, als wäre man ein anderer.” Christopher Chance hat noch drei Tage zu leben. Als Human Target schlüpfte er in die Rolle eines seiner Klienten und wurde so zur menschlichen Zielscheibe (engl.: Human Target). In dem zweiten Teil des zeichnerisch und erzählerisch aufsehenerregende Comics des Ex-CIA-lers Tom King wird Chance anstelle von Lex Luthor vergiftet. Die wenigen Tage, die ihm noch bleiben, verbringt er zwischen Fire und Ice.

Leben auf Knien, sterben im Stehen

Life’s a Beach“, steht auf einer Tasse aus der Christopher Chance den ihm von Rocket Red angebotenen Wodka trinkt. Zugegeben: der Erzählstrang des vorliegenden Comics setzt schon zwölf Tage vor Christopher Chances Ablaufdatum ein. Aber in seinem besten Moment, an Tag 3 vor dem Ende, entführen uns die Zeichner Greg Smallwood, Mikel Janín, Rafael Albuquerque in die kalifornische Wüste, wo sich eine Atmosphäre entwickelt, die man ohne Zweifel mit Antonioni (Zabriskie Point) vergleichen kann. Die beiden Charaktere Chance und Ice kommen sich darin so nahe, dass man die Spannung zwischen den beiden Körpern förmlich spüren kann und das Ableben Chances wird angesichts der Trauer von Ice geradezu erlebbar, so dicht schmiegen sich die beigefarbenen Liebenden in den Sand einer unendlichen Wüste.

Kalter Krieg und heiße Drinks

Natürlich steht diese Wüste auch für das Nirvana in das sich jeder von uns einmal begeben wird. Aber nicht jeder erhält vorher noch so eine Offenbarung wie Christopher Chance. “Life’s a Beach”, steht auf einer Tasse aus der Christopher Chance den ihm von Rocket Red angebotenen Wodka trinkt.Ice legt eine Pistole in seine Hand und kniet sich vor ihn hin. Ein Finale dessen Ausgang hier natürlich nicht verraten wird, dafür ein bißchen wie es dazu kam, dass es so kommen musste. “Ich sehe das so: jedermann hat die Pflicht sein wahres Gesicht zu zeigen. Sonst spielen wir doch alle nur ‘n dummes Spiel.

Der Sog der Welt

Man kann auch ohne Familie scheitern“, resümiert Christopher. Denn er will nicht wie sein Vater enden. Nicht auf den Knien und nicht auf Gnade hoffend. Christopher will sich seinem Schicksal stellen und die letzten Stunden mit Ice verbringen. Aber zuerst muss er noch seinen eigenen Mordfall lösen. Davon handelt dieser außergewöhnliche Comic, der durchaus auch als existentialistische Reflexion in erstaunlichen Bildern durchgeht. Zeichnerisch ist “Human Target” tatsächlich ein wahrer Genuss und zeigt während Christopher Chances letzten Tagen durchaus auch, wer als Verdächtiger in Frage kommt. Da wären etwa die Mitglieder der Justice League International, aber auch auch Fire, die beste Freundin von Ice. Oder vielleicht doch wer anderer? “Man tut, was man tut und nicht, was man denkt“, heißt es einer Stelle nicht umsonst. Mit dabei sind diverse Green Lanterns (Guy Gardner, G’nort), der russische Rocket Red, Blue Beetle sowie Booster Gold. “Ich spüre den Sog der Welt“, sagt Christopher als er von Rocket Red auf die Erde in den Ozean hinabgestossen wird. Ein wundervoller Satz voller Poesie und Dramatik, den man sich unbedingt aufschreiben sollte.

Tom King
Human Target 2
(Original Storys: Human Target 7–12, Tales of the Human Target 1)
2023, Softcover, 236 Seiten
ISBN: 9783741633195
Panini
29,00 €


Genre: Comic
Illustrated by Panini Comics

Lustiges Taschenbuch Sonderband Sommer 13

Urlaubsfeeling?

„Ferien mit Pipo“: Onkel Dagobert gibt Donald und Daisy den Stoffpinguin Pipo mit, ein Kuscheltier eines wichtigen Klienten, das auf Reisen gehen soll. Anfangs ist Donald nicht begeistert, aber er entwickelt sich schnell zu einem begeisterten Influencer. Aber dann wird der kleine Pinguin von einem Adler entführt!

„Am falschen Ende gespart …“: Donald hat wie immer kein Geld, will aber trotzdem in Urlaub fahren. Also gibt er seine wenigen Kröten dem günstigsten Unternehmen. Ob das wirklich eine gute Idee war?

„Heimliche Helden im Hotel“: Dussel und Donald sollen für Onkel Dagobert in einem seiner Luxushotels als „Bübchen für alles“ auf Probe arbeiten. Pleiten, Pech und Pannen begleiten seitdem die beiden Unglücksenten – aber als Glück im Unglück.

„Ein Meer an (Un-)Glücksfällen: Die Panzerknacker wollen Gustavs Glück ausnutzen. Also investieren sie viel Geld, damit Gustav am Strand bleibt und ihnen mit einem teuren Fund Reichtum beschert. Allerdings ist das Glück nicht so zuverlässig, wie die Panzerknacker es gern hätten.

„Verschwendete Ferien“: Steuerschulden bei gut gefüllten Konten veranlassen Onkel Dagobert zu drastischen Maßnahmen – Urlaub und dabei Geld verprassen. Mit beidem hat es der Geizhals aber ganz und gar nicht. So entwickelt sich der Urlaub anders als geplant.

Fragwürdiger Humor und wieder reine Manpower

8 Deutsche Erstveröffentlichungen von 16 Geschichten: 50% neue Geschichten sind eine ganz gute Ausbeute für den Band. Extras: Mit Reliefprägung auf dem Cover und Postkarte.

Das Thema Urlaub wird enger und weiter gefasst, sodass man Abwechslung beim Lesen hat. Spannung und Humor kommen gerade für jüngere Leser*innen nicht zu kurz. Allerdings beruht der Humor oft auf dem Prinzip der Schadenfreude: Donald und Dussel müssen mit dem nicht besonders sozialen Verhalten anderer Figuren und Pechsträhnen dafür herhalten, dass die Leser*innen etwas zu lachen haben. Mein Sohn (11) findet das „asozial“, Donald werde manipuliert und ausgenutzt, was ihn beim Lesen nicht froh stimmt. Ich finde, er hat Recht. Humor sollte eigentlich auf dem Prinzip beruhen, dass man freundschaftlich gemeinsam lacht und nicht darauf, dass andere über einen lachen. Da Geschichten bewusst wie unbewusst einen Lerneffekt erzeugen und Kinder aus Vorbildern lernen (auch bzgl. Medien, egal welcher Art) ist das m.E. der falsche Lerneffekt, der damit erzielt wird. Mein Sohn sieht das Ganze kritisch, weil er auch so erzogen worden ist, dass er Dinge hinterfragt. Aber es gibt genügend andere, die sich darüber keine Gedanken machen und unkritisch alles konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird. Ob das Geschäftemachern gefällt oder nicht: Nicht nur das Geld darf beim Verkauf eine Rolle spielen. Die soziale Verantwortung ist mindestens ebenso wichtig!

Das Gleiche lässt sich auch über Rollenklischees sagen: Darüber habe ich in anderen Rezensionen zu den LTBs schon einiges geschrieben. Es geht (nicht nur) heutzutage einfach nicht mehr, dass die LTBs Frauen und Männer klischeehaft darstellen und Frauen fast immer nur eine Randerscheinung in der Story sind…


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Lustiges Taschenbuch (LTB) Abenteuer 1: Die Hüter des Baums

Reichtum und Abenteuer

Die Hüter des Baums: Angeblich soll das Volk der Bucoli goldene Papayas gezüchtet haben. Das interessiert Onkel Dagobert natürlich sehr. Also macht er sich zusammen mit seinen Neffen zu einer Abenteuerreise auf, um die goldenen Samen der Papayas zu finden.

Der Genuss des großen Khan: Onkel Dagobert ist hinter dem Rezept von Gianluca Gusto her, weil dieser dem Großen Khan einen außergewöhnlichen Gaumenschmaus beschert hatte. Das verspricht einiges an Talern – und an Schwierigkeiten.

„Die Geister von Gold City“ sind Lebenden nicht gut gesinnt. Donald soll sie im Auftrag von Onkel Dagobert dazu bringen, mit ihm zu kooperieren, denn er will die Stadt kaufen. Aber dann kommt es anders als geplant.

„Der Schatz der Steinmenschen“ lockt Onkel Dagobert in unbekannte Gefilde. Er will einen Schlüssel finden, der das Tor zum Schatz öffnet. Mit Gustavs Glück finden sie den Schatz problemlos. Dann aber tun sich andere Schwierigkeiten auf.

Kristall des Glücks: Goofinicus und Mickolomino geraten im antiken Arabien in eine Verschwörung.

Abenteuer für Milliardäre: Onkel Dagobert und Klaas Klever haben eine Wette laufen – Onkel Dagobert, der nichts von technischem Schnickschnack hält, wettet, dass Klever kein Abenteuer ohne technische Hilfsmittel bestehen kann. Ob das gutgeht?

Der Korallendrache: Mickeys Onkel Maximilian hat einen Korallenanhänger gestohlen. Mickey will wissen warum und macht sich mit Minnie auf dem Weg zu seinem Onkel, dem schwarzen Schaf der Familie. Dort erfährt er von einem Piraten-Geheimbund: Der Geheimbund des Roten Drachen.

„Die Glocke der McPennypinchers“ soll Onkel Dagobert das Leben erleichtern: Die Glocke warnt nämlich zuverlässig vor Kriminellen. Aber dazu muss Dagobert die Glocke erst einmal finden – und dem geizigen Besitzer abschwatzen.

Der Ring des Reichtums: Onkel Dagobert findet ein Buch mit dem Titel „Der Ring des Reichtums“. Das weckt sofort sein Interesse. Allerdings ahnt er nicht, dass er einer Falle von Gundel Gaukeley aufgesessen ist.

Die Eine-Million-Taler-Münze: Onkel Dagobert rühmt sich, in seiner Münzsammlung alle seltenen Münzen zu besitzen. Allerdings gibt es eine, die er nicht hat: die eine Tonne schwere „Eine-Million-Taler-Münze”. Und die gilt es zu beschaffen.

Aufgewärmtes und fast reine Manpower

Der erste Band der neuen Serie enthält zehn Abenteuer, davon zwei längere, die zweigeteilt sind. Für manche mag es schön sein, dass Abenteuer der verschiedenen Bände zusammengefasst werden, aber mir tun sich zwei Fragen auf. Zum einen: Warum eine Extra-Serie mit Abenteuern, wenn sowieso die meisten Geschichten rund um Dagobert und Donald Abenteuer sind? Zum zweiten: Warum nimmt man zumindest im ersten Band nur aufgewärmte Geschichten und keine (deutschen) Erstveröffentlichungen? Natürlich sind die Abenteuer für Fans und Kinder spannend, wenn man sie zum ersten Mal liest. Aber für Fans, die die LTBs sammeln, stellen sie keinen echten Mehrwert dar. Für weibliche Fans schon gar nicht, denn auch hier drehen sich die Abenteuer v.a. um die männlichen Figuren; die weiblichen, sofern überhaupt vorhanden, sind eher Randfiguren. Nur in den Micky-Maus-Geschichten dieses Buches wird Minnie eine größere Rolle zugestanden, die beweist, dass Frauen nicht nur schmückendes Beiwerk sind. So wenig Frauenpower ist ärgerlich und nicht mehr zeitgemäß!


Genre: Abenteuer, Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

Asterix: Im Reich der Mitte

Asterix in China

Eines Tages kommen eine chinesische Prinzessin, ihre Leibwächterin und der Neffe des phönizischen Händlers Epidemais, Genmais, in das kleine gallische Dorf. Sie suchen die Hilfe der unbesiegbaren Gallier, weil Prinzregent Deng Zin Qin einen Umsturz plant. Die chinesische Kaiserin und ihre Tochter Wun Da sollen gestürzt werden, weil Wun Da den Prinzregenten nicht heiraten will. Die Kaiserin selbst befindet sich in Gefangenschaft und ihre Tochter will sie retten. Aber Majestix stellt sich erst einmal quer, weil er es satt hat, jedem X-Beliebigen zu helfen – bis Gutemine ihm den Marsch bläst.

Auch Cäsar hat Schwierigkeiten mit seiner Kleopatra, weil er ihr nicht bekannt genug ist. Deshalb beschießt er, China zu erobern. Das gelingt ihm auch – bis auf die Eroberung eines Gebiest, das dem Eindringling immer noch Widertand leistet. Nach einer längeren Reise mit einigen Prügelleien erreicht die Gruppe um Asterix Shanghai und verhindert die Hinrichtung der Kaiserin. Auf der Flucht erreichen sie das widerständige Gebiet und helfen Prinz De Bi Li, sich gegen Deng Zin Qin und Cäsar zu wehren. Aber kann eine Armee von 10.004 gegen 80.000 Römer bestehen?

Halbgarer Text, gute Bebilderung

Der vorliegende Band ist kein Comic, sondern eher eine bebilderte Zusammenfassung des neuen gleichnamigen Asterix-Realfilmes, der am 18. Mai diesen Jahres in die Kinos kommen soll. Er mutet mit seiner sehr einfachen Sprache und der groben Zusammenfassung der Handlung wie ein Bilderbuch für Kinder an oder ein Büchlein in einfacher Sprache für Menschen mit geistigem Handicap. Für Erwachsene ist das Ganze definitiv zu simpel gestrickt. Auch die Witze funktionieren in so einem Umfeld nur bedingt, ebenso die Anspielungen. Eine solche ist z.B. am Anfang des Textes Asterix‘ plötzlicher Widerstand, Zaubertrank zu trinken, weil er nicht sicher ist, ob dieser dem Körper schadet. Und die einseitige Ernährung mit Wildschwein, die Asterix ebenfalls anprangert. Das erinnert natürlich an das, was aktuell als gesunde Ernährung gilt und die insgesamt kritische Einstellung zu dem, was andere (v.a. die Nahrungsindustrie) uns als Essen vorsetzen. Allerdings verkommt diese Anspielung hier zu einer eher uninspirierten Episode – es fehlt an Esprit und Tiefgang.

Insgesamt wirkt der Text also eher halbgar und langweilig auf Erwachsene; für Kinder ist er unter diesen Bedingungen eher geeignet. Dagegen sind die Zeichnungen so, wie man sie von den Comics gewohnt ist. Als Comic hätte das Ganze vielleicht besser funktioniert.

Frauen- und Männerbild

Das Männer- und Frauenbild ist gemischt. Dass Männer den schwachen Frauen zu Hilfe eilen und sie retten sollen, ist bis ins Mark patriarchalisch. Leider wird dieser Topos weiter und immer weiter verwendet, was der Frau, die in der Realität alles andere als schwach ist (man denke an die Mehrfachbelastung mit Mental Load, die sie – und nicht der Mann! – tagtäglich stemmen und insgesamt das Leben und das Fundament der Gesellschaft, nämlich alles Soziale, organisieren und meistern muss), immer noch das Genick bricht. Auch körperlich ist die Annahme einer schwachen Frau verfehlt, denn sie schleppt Einkäufe, Kinder und alles, was mit Familie, Kindern und Alltag zu tun hat, durch die Gegend, ganz abgesehen von den Schwangerschaften mit zusätzlichem Blut, Fruchtwasser, Kind und Pfunden – wo der Mann nach einer halben Stunde des Tragens eines Neugeborenen schon unter Rückenschmerzen leidet, ganz zu schweigen von der harten Versorgungs- und Erziehungsarbeit, vor der sich vielerorts die holde und da auf einmal zart besaitete Männlichkeit nur zu gern drückt.

Wenigstens ist die Frau an der Seite der Prinzessin eine Leibwächterin, die sich so auch körperlich zu wehren weiß. Würde man Frauen mehr Selbstbewusstsein zusprechen und die Erziehung entsprechend ausrichten, sähe die Sache auch mit dem körperlichen Sich-zur-Wehr-Setzen ganz anders aus – was das patriarchale System aber überhaupt nicht will; man denke nur an Männer, die vor starken Frauen Angst haben (was wiederum für deren mangelndes echtes männliches Selbstbewusstsein spricht). Leider kann man der Asterix-Reihe auch nur sporadisch eine etwas modernere Weltsicht und v.a. eine gleichberechtigte zusprechen. Oft wird das emanzipatorische Bestreben der weiblichen Figuren eher ins Lächerliche gezogen, anstatt dass echte Gleichberechtigung eine wertvolle Rolle für beide Geschlechter spielt.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

LTB Crime 13: Die dritte Staffel

Allerlei Verbrechen

Das Wüten der Wächter: Donald und Dussel treten ihren Dienst als Nachtwächter eines Museums an. Dabei erschrecken sie vor ihrem eigenen Schatten, treiben aber nebenbei echte Diebe in den Wahnsinn.

Die Rache des Hannibal Haderlomp: Inspektor Hunter hat seit Jahrzehnten eine Rechnung mit dem einflussreichen Bürger Hannibal Haderlomp offen, denn der lässt sein Geld für sich sprechen und achtet das Gesetz nicht. Außerdem wird noch Micky Maus entführt. Ob das etwas mit der Fehde zwischen Hunter und Haverlomp zu tun hat?

Kampf dem Karriereknick: Momentan laufen die Geschäfte nicht so gut für Kater Karlo. Ob eine neue Bande ihn aus der Misere retten kann?

Das Wahlversprechen: Entenhausen hat nicht nur einen offiziellen Bürgermeister, sondern auch einen Bürgermeister der Unterwelt. Und der plant einen außergewöhnlichen Cup.

Das kulinarische Komplott: Privatdetektiv Hubert Bogart und Dussel haben einen neuen Fall zu lösen. Sie sollen das Rezept eines berühmten Gourmet-Kochs bewachen, während dieser an einem Wettbewerb teilnimmt. Dabei geht aber einiges schief.

Die Herausforderung: Trudi, Karlos Freundin, und Petunia, die Frau von Hunter, haben es beide satt, dass ihre Männer nie Zeit für sie haben – weil sie damit beschäftigt sind, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Also beschließen die beiden Frauen, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Humorvoll, aber bzgl. Frauen- und Männerbild veraltet

15 Geschichten rund um vielerlei Arten von Verbrechen bietet die Sonderserie, davon 7 als Erstveröffentlichungen, was eine gute Ausbeute an neuen Stories ist. Am 23.3. ist eine weiterer Band im Handel erhältlich. Die Geschichten sind kurzweilig und humorvoll. Allerdings spielen auch hier die Frauen wieder nur eine Nebenrolle; die meisten Geschichten drehen sich um die männlichen Protagonisten. Es wird also wieder missachtet, dass es auch Leserinnen gibt, die die LTBs mögen. Das LTB-Universum ist noch in veralteten Rollenklischees verhaftet und nimmt kaum neue Einflüsse der Gegenwart bzgl. Rollenfindung von Mann und Frau auf. Das ist schade und nicht mehr zeitgemäß.


Genre: Comic, Crime
Illustrated by Egmont Ehapa

Batman – Child of Dreams

Ein Batman aus Japan Kia Asamiya

Batman – Child of Dreams. Autor und Zeichner Kia Asamiya hat gemeinsam mit Texter Max Allan Collins ein erstes großes Manga über den Dunklen Ritter in Szene gesetzt. Der japanische Comic-Star Kia Asamiya, der moderne Manga-Klassiker wie Silent Möbius und Dark Angel schuf und sogar Star Wars: Episode I als Manga adaptierte, zeigt hier, dass Batman längst auch in Japan angekommen ist. Zumeist allerdings in Form der Filme, wie Kia Asamiya im ebenfalls in diesem Band abgedruckten Interview zu bedenken gibt. Der Comic, der zunächst für den japanischen Markt entstand, wurde später adaptiert und vom erfahrenen Batman-Comic-Autor und Krimi-Romancier Max Allan Collins mit den Dialogen für die westliche Ausgabe ergänzt. Dass der Band von hinten nach vorne gelesen wird, so wie in der japanischen Originalversion, wurde als besonderer Gag beibehalten.

Batman in Japan – Child of Dreams

Die denkwürdige Interpretation des Dunklen Ritters zeigt, wie Batman in Tokio gegen den Joker, Catwoman und den Riddler antritt. Jedoch sind nicht alle das, was sie zu sein scheinen. Manga-Legende Kia Asamiya fängt in seiner Vision für DCs Mitternachtsdetektiv die Ästhetik einer anderen Kultur sowie den Spirit der japanischen Comic-Welt ein. Ein einmaliges Leseerlebnis, das neue Perspektiven ermöglicht und zeigt, dass der Rahmen einer Vorgabe jederzeit auch innovativ gesprengt werden kann. Wie Kia Asamiya in einem Interview anmerkt wurde er von den amerikanischen Comickünstlern wie Frank Miller, Mike Mignola und Todd McFarlane beeinflusst. Er sei auch ein großer Batman-Memorabilien-Sammler, denn auch wenn er Superman bewundere, er würde lieber Batman sein, im wirklichen Leben!

Fanatic oder Fake Fur?

In seiner Batman-Interpretation bringt er eine neue Figur mit ein, die er Yuuko Yagi nennt und auf einer Person basiert, die er wirklich kennt. Aber es ist ein falscher Joker, der die Droge “Fanatic” im grossen Stil in Gotham verteilt und auch ein falscher Batman treibt sein Unwesen. Eine andere Droge, “Fake Fur” sorgt dafür, dass die DNA zerfällt und oft trifft es dann die, die andern eine Grube gruben. “Batman – Child of Dreams” warnt vor zu großem Fanatismus, denn allzu schnell kann aus Bewunderung und Fan-tum eine gefährliche Obsession werden, die schließlich auch dem Objekt der Begierde gefährlich wird. Gut, dass es den echten Batman auch noch gibt.

Die Arbeit an “Batman – Child of Dreams” dauerte über ein Jahr und erschien erstmals in dem Magazine Z, einem mehr als 700 Seiten starken Manga des Verlagshauses Kodansha, das monatlich erscheint. Der Ausgabe vom Panini-Verlag ist ein Interview und ein Making-Of beigefügt, das Zeugnis gibt von einem der gefragtesten japanischen Comickünstler der Gegenwart.

Kia Asamiya
Batman – Child of Dreams
(Original Storys: Batman: Child of Dreams)
Charaktere: Batman, Catwoman, Joker, Riddler
2022, 340 Seiten, Hardcover, Maße ca. 18,5 x 26,5 cm
ISBN: 9783741627705
Panini Verlag
39,00 €


Genre: Comic
Illustrated by Panini Comics

Black Panther Anthologie

Black Panther Anthologie Panini Verlag

Dem unaufhaltsamen Aufstieg des erstaunlichsten Superhelden Afrikas wird in vorliegender Anthologie Tribut gezollt.
Die besten Black Panther-Storys aus nahezu sechs Jahrzehnten sind in diesem Hardcover-Band versammelt, darunter mit Geschichten von Zeichnern wie Jack Kirby, John Byrne, Mark Texeira, Rich Buckler, Sal Buscema, u.a. sowie Autoren wie Chris Claremont, Chris Priest, Don McGregor, J. Torres, Jack Kirby, Jason Aaron, Reginald Hudlin, Roy Thomas, Stan Lee, Ta-Nehisi Coates.

Vom Coal Tiger zu Black Panther

1966, am Höhepunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, betrat T’Challa aus Wakanda erstmals die Bühne der Welt. Zuerst sollt er noch den Namen Coal Tiger tragen, um Verwechslungen mit den militanten schwarzen Black Panther, einer Bürgerrechtsorganisation, die ein Ende des Rassismus in den USA einforderte, zu verhindern. Es gab aber auch schon ein paar andere schwarze Helden, Vorläufer sozusagen, die aber immer nur Hilfsdienste für andere (weiße) Superhelden leisteten. Lothar etwa, der Koch von Mandrake, oder Ebony White, das Mündel von Will Eisners Spirit oder Captain Marvels Sidekick Steamboat. In den 50igern schuf Stan Lee schließlich den Bantu-Prinzen Waku. 1963 zog der Afroamerikaner Gabe Jones mit Marvels Sgt. Fury sogar gegen die Nazis in den Krieg. Das Eis brach aber eindeutig Black Panther, dem dann auch weitere schwarze Helden wie etwa Falcon, Luke Cage, Blade oder Storm folgten. Ins Kino schaffte es allerdings bisher nur Black Panther. Erstmals 2018 und dieses Jahr mit der Fortsetzung “Wakanda Forever”.

Wakanda für immer!

Stan Lee und Jack Kirby hatten Black Panther ins MCU eingeführt, eine Geschichte die die wahren Ursprünge des Helden aus Wakanda erzählt, wurde aber von Sal Buscema und Roy Thomas in einer Avengers Geschichte erstmals erzählt. Wir erfahren, was Wakanda unter allen Nationen der Welt so besonders macht und dass es seinen Reichtum einem Metall verdankt, das Schall schlucken kann. Aber auch einige interne Intrigen am Hofstaate Wakandas werden offengelegt, denn als der Widersacher Klaw den Vater T’Challas tötet, entsteht ein Machtvakuum, das nicht so schnell wieder gefüllt werden kann. In einer anderen Geschichte kämpft Black Panther gegen Killmonger und seinen Jaguar, “Panther’s Rage” heißt das Abenteuer von Stan Lee, das von Don McGregor 1973 umgesetzt wurde. Jack Kirby zeichnete und schrieb “Kind Solomon’s Frog”, in der ein gewisser Mr. Little dem Helden aus Wakanda assistiert. Storm und Black Panther treffen in “Cry Vengeance” aufeinander. Eine Übersicht über die Freunde und Feinde Wakandas sowie die Autoren des Panthers ergänzen den vorliegenden Sammelband, der einen guten Einstieg in eine Welt ermöglicht, die zwar nur am Papier besteht, seine Realisierung aber in Ihren Träumen findet!

Stan Lee
Black Panther Anthologie.
Wakandas grösster Held.
(Original Storys: A + X (2012) 3, Avengers (1963) 87, Black Panther (1977) 1, Black Panther (1998) 1, 57–58, Black Panther (2005) 18, 39–41, Black Panther (2016) 1, Fantastic Four (1961) 52–53, Jungle Action (1972) 6, Marvel Team-Up (1972) 100)
2022, Hardcover, 324 Seiten
ISBN: 9783741629198
Panini Verlag
35,00 €


Genre: Comic
Illustrated by Panini Comics

Corto Maltese – Nacht in Berlin

Corto Maltese – Nacht in Berlin

Corto Maltese, der Sohn eines britischen Seemannes und einer Zigeunerin aus Sevilla (nein, nicht Carmén!), wurde von Hugo Pratt in das Comicuniversum eingeführt. Die Serie wird in vorliegendem Band des Schreiber & Leser Verlages wieder von Ruben Pellejero (Zeichnungen) und Juan Diaz Canales (Szenario) fortgeführt. Sie gestalteten insgesamt schon vier Bände, zuletzt “Tarowean“, ebenfalls bei Schreiber & Leser. Band 16, Nacht in Berlin, führt nun an einen gänzlich neuen Schauplatz. Berlin und Prag, zwei Städte Mitteleuropas in der besorgniserregenden Zwischenkriegszeit, bilden den Hintergrund dieses außergewöhnlichen Abenteuers.

Mitteleuropa im Würgegriff der Bestie

Seine hervorrstechendste Eigenschaft und gleichzeitig sein grösster Fehler ist zweifellos seine Wissbegier und genau die begleitet uns in dieses Abenteuer im alten Mitteleuropa, das von einer menschlichen Bestie heimgesucht wird: dem Nazismus. Ob diese neue politische Gruppe auch hinter dem Mord an Cortos altem Freund steckt? Prof. Jeremiah Steiner, Cortos alter Freund, wird nämlich in Berlin tot aufgefunden und natürlich will Corto herausfinden, wer die Urheber dieser Schandtat waren. Eine Geheimorganisation, die in die höchsten Kreise führt und sich “Consul” nennt, könnte dahinterstecken. Diese Org Consul ist auch in das Verschwinden der Rathenau-Papiere verwickelt, die ihre Machenschaften aufgedeckt hätten. Bei seinen “Ermittlungen” hilft ihm kein Geringerer als der österreichischen Schriftsteller Joseph Roth, der auch das Vorwort zu vorliegender Ausgabe geschrieben hat.

Comic und Geschichte

Natürlich nicht wirklich, denn Roth ist schon seit 1939 tot, aber Juan Diaz Canales hat sich ihn eben als Begleiter und Assistenten für Corto in diesem Abenteuer ausgedacht. Tatsächlich lebte Roth aber in den Jahren 1920-23 in Berlin und arbeitete als Journalist für diverse Zeitungen. Auch die sehr positiv dargestellte Rolle von Friedrich Ebert, mag so manchen Leser:in überraschen. Aber schließlich ist ein Comic ein Comic und kein Geschichtsbuch. Ersteres ist den beiden jedenfalls gelungen: sie haben einen lesenswerten Comic über eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte verfasst und zudem noch den Prager Golem zur Mitwirkung eingeladen.

Champagner-Melancholie in der Weimarer Republik

Dass Corto Maltese im Berliner Untergrund der Weimarer Republik in einem berüchtigten Nachtclub die “Champagner-Melancholie” bekannt ist nur eine von vielen Überraschungen mit denen die beiden Autoren aufwarten. Auch eine Badeszene mit Liese im Berliner Nikolassee bestreitet Corto als alter Seewolf ohne Badehose, aber natürlich ist die Szene dennoch jugendfrei. Viel skandalöser als sein nackter Popo ist schließlich das Heraufdäuen der nazistischen Bestie, genau in der Zeit als in Babelsberg, dem Berliner Hollywood, ein genialer Regisseur einen düsteren, prophetischen Film mit dem Titel “Bestia Triumphans” dreht Aber auch Corto Maltese arbeitet kurz beim Film und springt als Teufel für eine Szene des vermissten Adolf Kraft ein. Dieser Adolf steht ideologisch allerdings auf der entgegengesetzten Seite wie der andere, leider berühmtere Adolf, der sein Unwesen in jenen Tagen in Mitteleuropa dreht. “Traurig, dass Glück nur um den Preis der Unwissenheit zu haben ist“, prophezeit Corto ein alter, es gutmeinender Freund. Was nicht bedeutet, dass nicht auch intelligente Menschen glücklich sein könnten…

Juan Diaz Canales/Ruben Pellejero
Corto Maltese
Nacht in Berlin. Band 16 der Reihe
2022, gebunden, Farbe, 88 Seiten
ISBN: 978-3-96582-088-3
€ 24,80
Schreiber & Leser Verlag


Genre: Comic, Graphic Novel
Illustrated by Schreiber & Leser

Lucky Luke Bd. 101: Rantanplans Arche

Lucky Luke Nr. 101 - Rantanplans Arche

Tierschutz und vegetarische/vegane Lebensweise

In Cattle Gulch, wo Lucky Luke seinen neuen Auftrag bekommen soll, muss er erst einmal die Menge vor einer Lynch-Aktion abbringen. Olive Byrde, der Gerettete, entpuppt sich als wahrer Tierfreund, der zuhause eine Ranch voller geretteter Tiere versorgt. Außerdem hat er aus Mitgefühl für Tiere dem Fleischgenuss abgeschworen und ernährt sich nur noch vegetarisch – was durchaus auch köstlich ist, wie Luke trotz seines Hungers auf ein ordentliches Steak feststellt. Luke ist beeindruckt von Byrdes Lebensweise und den glücklichen Tieren auf dessen Farm, aber leider steht er mit dieser Bewunderung ziemlich allein da, denn der tierliebe Mann wird von allen anderen als Spinner verschrien und sogar tätlich angegangen. Trotzdem gibt Byrde nicht auf und findet sogar hin und wieder Unterstützerinnen. Aber nachdem Luke den wieder einmal verirrten Rantanplan im Gefängnis abgesetzt und dort von Byrde erzählt hat, macht sich ein Gauner dessen Gutmütigkeit zunutze und bringt in Byrdes Namen Terror über Cattle Gulch, das sich jetzt Veggie Town nennt. Tacos Cornseed trommelt dazu die schlimmsten Verbrecher*innen des Westens zusammen, um mit striktem Vegetarismus Geld zu verdienen. Byrde ist zwar froh, dass die Bewohner von Veggie Town auf einmal dem Fleisch und der schlechten Tierhaltung abgeschworen zu haben scheinen, aber selbst ihm entgeht nicht, dass sich trotzdem alles zum Schlechteren wendet. Das bemerkt auch Lucky Luke, als er von seinem Auftrag zurück ist, und er muss um das Leben seines Pferdes Jolly Jumper fürchten.

 

Der Weg zu einer heileren Welt

Der in sich abgeschlossene Comic nutzt als Ausgangsbasis für seine Story die wahre Gründungsgeschichte von Tierschutzvereinen in den USA und bietet am Ende ein kurzes Portrait zu Henry Bergh, der den Grundstein für die Tierschutzbewegung in Amerika legte. Außerdem stellt der Band den Deutschen Tierschutzbund kurz vor.

In diesem Band vereint sich vieles. Man fühlt sich z.B. sofort an die 80er erinnert, in denen Vegetarier*innen aufgrund ihres Lebensstils verlacht und verspottet wurden, ohne dass sich die Fleischesser meist männlichen Geschlechts gefragt hätten, ob an diesem Lebensstil nicht doch etwas dran ist. Das wird im Comic deutlich, indem die Farm von Byrde eine eigene Welt darstellt, die zudem von Cattle Gulch abgelegen und somit auch räumlich getrennt ist. Es gibt eigentlich keine Berührungspunkte, bis Tacos den vegetarischen Lebensstil gewaltsam durchsetzt. Aber auch dann finden nur Tierliebhaber*innen den Weg zur Farm und nicht das „normale“ Volk.

Anders Luke. Er ist offen genug, sich den „Spinner“ und seine Lebensweise einmal anzusehen und erlebt eine glückliche und geradezu heilsame Art und Weise, wie Tiere und Menschen miteinander umgehen könnten. Diese heile Welt springt geradezu von den Panels auf die Leser*innen über und vermittelt Glücksgefühle. Luke wird zwar trotzdem wohl weiterhin Hunger auf sein Steak haben, aber er kennt jetzt auch einen anderen Ernährungsstil und geht insgesamt achtsamer mit anderen Lebewesen um. Verstärkt wird das noch durch den in Lebensgefahr geratenen Jolly Jumper.

Außerdem drücken in den Panels die Tiere ihre Gefühle sowohl im Positiven als auch im Negativen (Angst, Qual) sehr gut aus – so wird im wahrsten Sinn des Wortes bildlich dargestellt, dass alle Lebewesen Gefühle haben und damit Subjekte und keine Objekte sind, mit denen man machen kann, was man will. Das muss sich in letzter Konsequenz auch in der Gesetzgebung niederschlagen.

Auch Kinder sind schon empfänglich für Ethik, wenn es um Tiere geht. Im Comic wird das durch „Flinker Lauch“, das Kind eines der Stämme der Indigenen, gezeigt. Er weigert sich Fleisch zu essen, weil der Kleine den Vortrag eines Tierschützers gehört hat. Ich selbst erinnere mich an einen Jungen in der Kita, der, als er erfahren hatte, dass seine Mahlzeit aus dem Fleisch von Tieren gemacht ist und deswegen Tiere getötet werden mussten, kein Fleisch mehr essen wollte und das auch durchzog. Mit vier Jahren!

Nebenbei werden noch sehr realistisch die Eltern“freuden“ dargestellt, denn entgegen allem Mythos ist das Elterndasein alles andere als ein Zuckerschlecken. Allerdings geht in diesem Fall auch das Unverständnis der Eltern und überhaupt der Gesellschaft mit Menschen einher, die empathischer und mitfühlender sind als andere. Diese werden leider oft gemobbt, ausgelacht, beschimpft, abgewertet, lächerlich gemacht, anstatt das Potential zu sehen, das solche Menschen in sich tragen und mit dem sie die Welt ein Stück besser machen würden. Mittlerweile kommt es zum Glück immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an, dass zu viel Fleischkonsum ungesund, umfassend umweltschädlich, mitverantwortlich für den Hunger der Welt und aufgrund der Massentierzucht ethisch nicht vertretbar ist.

Allerdings zeigt der Comic auch, wohin Fanatismus führt. Byrde ist ein herzensguter Mensch, aber sein Idealismus und sein verzweifeltes Wollen einer besseren Welt führen dazu, dass er blind ist für seine Angestellten, die aus lauter Verbrechern bestehen. Dass sie Namen aus der pflanzlichen Nahrungswelt tragen, blendet Byrde ebenfalls. So erwächst aus einer eigentlich guten Sache etwas Ungutes, in diesem Fall der unter Todesstrafe gestellte Zwang, auf Fleisch zu verzichten und an der Lebensrealität vorbeizuleben. Mit Zwang erreicht man kein Verständnis. Übertragen auf unsere Welt hieße das, dass Aktionen von Umweltschützer*innen, die Dingen oder Menschen schaden (z.B. Gemälde beschädigen) eher das Gegenteil von dem auslösen, was sie eigentlich erreichen wollen. Ausgerechnet die Kunst zu wählen, die von jeher ein Mittel der kritischen Auseinandersetzung mit der Welt ist und diese intelligent spiegelt, geht völlig am Umweltschutzgedanken vorbei und spielt dazu noch denjenigen in die Hände, gegen die die Umweltschützer* eigentlich vorgehen wollen, wie z.B. Öllobbyisten.

Ansonsten ist der Humor wie üblich pfiffig, scharfsinnig und treffend. Allerdings geht er im Fall der Gemüsetotems völlig an der Kultur der Indigenen vorbei, denn Tiertotems spielen eine wichtige Rolle in der Spiritualität: Sie sind Beschützer und Vermittler zwischen Natur, Diesseits und Jenseits und stellen archetypische Tiere dar. Wohlwollend könnte man die Gemüsetotems im Comic vielleicht noch als Versuch werten, auch den Pflanzen ihre Bedeutung als Lebe- und spirituelle Wesen zuzugestehen. Humoristisch bekommen allerdings beide Seiten (die der Fleisch- und Pflanzenesser) ihr Fett weg, wobei der Blick auf Vegetarier wohlwollender ist.

Die Arche steht hier für die letzte Zufluchtsstätte der Tiere, wo sie noch so sein und leben dürfen, wie sie sind.

 

Fazit

Intelligent und humorvoll gestaltete Auseinandersetzung mit den Themen Tierschutz und Vegetarismus.


Genre: Comic, Tierschutz, vegetarische/vegane Lebensweise
Illustrated by Egmont Ehapa

Banksy – Die illustrierte Geschichte

Banksy – Die illustrierte Geschichte. Banksy ist kein Unbekannter. Und dennoch ist er immer noch unbekannt. Unerkannt? Die vorliegende illustrierte Geschichte macht sich auf die Suche nach einer Antworten auf das größte Rätsel der Street Art. Im Stile eines Edutainment-Comics (also education und entertainment) wird im Stile eines Lehrerin-Schüler Gesprächs die Geschichte von Banksy aufgerollt. Aber natürlich nicht ohne Pointe am Ende.

Banksy, Synoym einer Bewegung

Weltbekannt und dennoch anonym hat der aus Bristol stammende Banksy die Kunstwelt aufgerollt und deren Mechanismen ad absurdum geführt. Wohl am bekanntesten ist die Selbstshredderaktion bei einer Auktion in London. 25,4 Millionen erzielte das “Gemälde”. Aber von dem Geld hat Banksy selbst wohl nie etwas gesehen. Am meisten verdienen nämlich Galerien und Kunsthändler an seinen Streetart Werken. Denn eigentlich begann Banksy klein: auf der Straße. Denn wie für alle Graffiti oder Streetart Künstler ist dort sein Zuhause, die Straße ist die größte Kunstgalerie zur Welt und für jede/n frei zugänglich. Eine seiner ersten Arbeiten war die Reproduktion des Gesichts von Andre, the Giant mit dem Schriftzug “obey” auf der Stirn. “Gehorchen” (engl.: obey) war genau das, gegen das sich Banksy richtete. Ein anderes Banksy-Motiv aus den frühen Jahren stellte einen Teddybär dar, der einen Molotowcocktail auf Polizisten warf.

Banksy – Die illustrierte Geschichte

Damals, 1999, waren Kapitalismuskritik, Antikriegsbewegung, Antiglobalisierung State of the Art einer neuen Generation von politisch organisierten Jugendlichen, die an die Sechziger erinnerte. Banksy muss auch als Teil dieser Bewegung verstanden werden, meint zumindest die sympathische Lehrerin im Comic. Kennst du zum Beispiel Kim Phúc? Sie war das Mädchen auf dem Bild aus den Sechzigern, deren Körper von Napalm verbrannt war. Jahrzehnte später verwendet Banksy das Foto von ihr und gibt ihr Micky Mouse und Ronald McDonald an die Hand. Für manche mag das Bild “niedlich” erscheinen, aber was Banksy meinte ist wohl klar: diese (amerikanischen) Konzerne haben Blut an ihren Fingern.

Banksy: Das Milleniums-Kunstphänomen

Die Macht der Konzerne zu brechen ist wohl Die Herausforderung des Milleniums. Vom ethischen Standpunkt werden die größten Verbrechen gegen die Menschheit nämlich genau von Konzernen begangen, die nur auf Profit schauen und Arbeiter:innen und Umwelt ohne Rücksicht ausbeuten. Sie sprechen von Nachhaltigkeit und entziehen der Mehrheit der Bevölkerung die Menschenwürde. Banksy war wohl einer der ersten (Ende der 90er Jahre) der mit viel Drama und Ironie genau diese Millenium-Herausforderung artikulierte. “Ich mag das…Dinge zu verdrehen, um tiefere Bedeutungen zu finden…Die Logik verschwinden zu lassen, um den Betrachter aus den gewohnten Denkmustern herauszulösen”, meint schließlich der Schüler im Comic und zeigt, dass schon so mancher Schüler seine Lehrer überflügeln kann. Denn letztlich ist es völlig egal, wer Banksy ist, weil jeder von uns es sein könnte, ebenso wie jeder von uns Lehrer und Schüler in einer Person ist. “Banksy – Die illustrierte Geschichte” von Francesco Matteuzzi und Marco Maraggi zeigen in sauber gearbeiteten Illustrationen nicht nur den Werdegang eines der grandiosesten Kunstphänomene des Milleniums, sondern auch deren eigentliche Agenda. Früher nannte man das Agitprop: Agitation und Propaganda. In diesem Falle ein klarer Denk-Mal!

Francesco Matteuzzi
Banksy – Die illustrierte Geschichte
Mit Illustrationen von Marco Maraggi
Banksy – Die illustrierte Geschichte
2022, Hardcover, 128 Seiten, 17,0 x 24,0 cm
ISBN: 978-3-7913-8882-3

Panini Comics
€ 18,00 [D] inkl. MwSt.
€ 18,50 [A] | CHF 25,90 * (* empf. VK-Preis)


Genre: Comic, Graphic Novel

Catwoman – Lonely City 1

Catwoman – Loneyl City 1 von Cliff Chiang

Catwoman – Lonely City 1. Das DC Black Label ermöglicht neue Perspektiven auf Geschichten, die einem bekannt erscheinen. Aber das sind sie nicht. Denn das Black Label improvisiert und überrascht immer wieder mit unvorhergesehen Situationen. So wird in vorliegendem Comic, geschrieben und gezeichnet von Cliff Chiang, auf die “Nacht der Narren” verwiesen, die alles im Batman-Comic-Universum veränderte: Batman starb in Catwomans Armen.

Batman tot, Catwoman im Knast

Danach war nichts mehr dasselbe. Catwoman musste für zehn Jahre in den Bau, weil man sie als erstes verdächtigte, an Batmans Tod schuld zu sein. Dabei waren sie Geliebte! Aber auch für die Bewohner:innen von Gotham änderte sich nach Batmans Tod einiges: Bürgermeister Harvey Dent (alias: Doppelgesicht) regiert die dystopische Stadt mit Hightech-Überwachung und Polizeipräsenz. Aber trotz zehn Jahren Gefängnis will Selina Kyle es noch einmal wissen. Denn die Erzählung des Comics legt genau nach ihrer Entlassung los. Als erstes braucht sie allerdings ein Dach über dem Kopf, Knie und Rücken sind schließlich auch nicht mehr das was sie mal waren.

Catwoman – Lonely City 1

Ihr altes Haus steht noch, die Mieter ausgebombt, das Penthouse unversehrt. Ihre Sicherheitscodes funktionieren auch nach zehn Jahren noch, wenigstens ein Vorteil der ansonsten deprimierenden Umgebung: niemand kam nachsehen. Selina Kyle ist inzwischen übrigens schon 55 Jahre alt, grauhaarig und vielleicht genauso sexy wie damals, nur etwas weniger beweglich. Kenner der Materie werden sich an Batmans Comeback in hohem Alter in “Die Rückkehr des Dunklen Ritters” erinnern. Frank Miller hatte eine dystopische Welt geschaffen, in der es auch Batman nochmals wissen will und ganz nebenbei eine Verschwörung aufdeckt.

Doppelgesicht wieder da!

Man verkleidet sich, um gesehen zu werden.” Die Zeichnungen von Cliff Chiang erinnern etwas an die frühen Batman-Abenteuer aus den Anfangstagen des Genres. Sie sind knallbunt und unkompliziert, reihen Panel an Panel in geradliniger Struktur. Die Story entwickelt sich gut und so kann man schon mit Spannung erwarten, was der zweite Band – übrigens im Großformat – wohl bringen wird. Denn Catwoman verbündet sich mit einigen ehemaligen Kriminellen, darunter auch Poison Ivy und es ist nicht sicher, ob sie die Geister die sie rief, unbeschadet wieder los wird. Der Aufritt von Doppelgesicht wurde jedenfalls schon sehnsüchtig erwartet und keinem ist eigentlich klar, warum dieser aus der Batman-Saga so schnell wieder verschwunden ist und Joker das Feld räumen musste. Erst die Batman-Verfilmungen von Christopher Nolan holten den ambivalenten Schurken/Helden wieder aus der Versenkung. Und jetzt endlich bekommt er von Cliff Chiang wieder ein Chance. Chiang schuf u.a. auch einige WONDER WOMAN-Serien der Moderne, den Comic GREENDALE von Musiker Neil Young sowie die Science-Fiction-Serie Paper Girls, die der nächste TV-Hit auf Augenhöhe von Stranger Things werden soll. Chiang ist auch Eisner Award-Gewinner, eine der höchsten Auszeichnungen in der Comic-Welt.

Cliff Chiang
Catwoman – Lonely City 1
Original Storys: Catwoman: Lonely City 1–2
2022, Hardcover, 108 Seiten
ISBN: 9783741627606
Panini
20,00 €


Genre: Comic, Graphic Novel
Illustrated by Panini Comics

Lustiges Taschenbuch Royal 7 (Best of Royal): Das Thronjubiläum und andere königliche Geschichten

news royal 7

Nicht ganz so adeliger Adel

„Adel, wie die Zeit vergeht“: Königin Elisabeth kann v.a. eins: königlich winken. Zumindest denken das ihre Untertanen. Wenn sie wüssten, wie es im Palast wirklich zugeht…

„Ein fahrender Ritter“: Entenburg um 1300 n. Chr. Verwalter Dagobertus hält seinen Herzog und dessen Land knapp bei Kasse, auf dass sich die Münzen in der Schatzkammer vermehren. Aber der Herzog ist der übertriebenen Sparsamkeit überdrüssig und ersinnt eine List: Ein fahrender Ritter, der zudem noch aus Dagobertus‘ Blutslinie stammt, soll dessen Amt als Verwalter übernehmen. Und Dagobertus‘ Neffe Donald freut sich nur zu sehr darauf, endlich den raffgierigen Klauen seines Onkels zu entkommen.

„Die drei Mausketiere – Seiner Majestät neuer Hut“: Da die frisch gebackenen Mausketiere bisher nur langweilige Arbeiten im Palast erledigen, wollen sie endlich einmal beweisen, was in ihnen steckt. So kommt Micky d’Mausignan auf die Idee, dass die drei Mausketiere den berüchtigten Pariser Huträubern den Garaus machen könnten.

„Junker Donaldus‘ Narreteien“: Der vom Pech verfolgte Junker Donaldus will endlich hoch hinaus. Aber das läuft anders als geplant, denn er soll Dussulus‘ Posten als Hofnarr übernehmen. Der aber will seinen alten Posten wiederhaben und stellt Donaldus eine Falle nach der anderen.

„Herzog Habenichts und der Feuerschlüssel“: Herzog Donaldus Ducknichtgut ist chronisch knapp bei Kasse, weshalb er vom Volk nur „Herzog Habenichts“ genannt wird. Schon seit Jahren versucht er, an den Familienschatz zu kommen. Doktor Danilus soll ihm mit seiner neuesten Erfindung helfen.

„Im Dienste Ihrer Majestät“: Musketier Donaldamis soll für seine Königin einen gefährlichen Auftrag ausführen und ihr ihre Juwelen wiederbeschaffen. Aber aufgrund unglücklicher Verstrickungen endet diese Suche für alle Parteien in einer Überraschung.

„Die drei Mausketiere – Des Königs Maskenball“: Die drei Mausketiere leiden unter ihren schäbigen Uniformen. Eine saftige Belohnung zur Ergreifung von zwei Flüchtigen könnte die Rettung der Gardeuniformen sein.

„Donald und die Räuber“: Graf Karl, der Neffe von Graf Dago Duckmoor, wird mehr oder weniger aus Versehen Anführer einer Räuberbande. Während Karl denkt, dass er mit seiner Bande Gutes tut, plündern die Räuber alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Derweil ereignen sich schreckliche Dinge auf dem Schloss des Grafen Duckmoor.

Viel Wiedergekäutes

Wieder einmal fällt ein LTB dieser Kategorie durch Anspielungen auf, diesmal mit Anspielungen auf die Literatur und das englische Königshaus. Dabei bleibt es aber spannend, denn die Geschichten kopieren nicht 1:1 die Vorlagen, sondern wandeln sie nach Entenhausener Manier um. Ich persönlich finde es gut, dass Kultur in den LTBs aufgegriffen und verarbeitet wird – das birgt die Chance, dass die großen und kleinen Leser*innen auf das Original neugierig werden. Bei meinem Sohn hat das schon gefruchtet.

Nicht so gut finde ich allerdings, dass nur eine einzige Geschichte, dazu noch ein Einseiter, eine deutsche Erstveröffentlichung ist. Alle anderen sind aus den LTBs Royal 2,3 und 4 recycelt. V.a. die Geschichten rund um die Mausketiere kommen öfter in LTBs vor. Da fühlt man sich als Leser*in dann schon veräppelt.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa

LTB 558: Das Zeitportal

 

 

Kreuz und quer nicht nur durch die Zeitnews 558

„Das Zeitportal“: Beim Spielen finden Tick, Trick und Track eine seltsame Box, die sich nach mehreren Versuchen als Zeitportal herausstellt. Dieses will ein Spiel mit den Ducks spielen. Die Ducks machen gezwungenermaßen mit, denn es geht um nichts Geringeres als um die Rettung der Welt. Dafür erfindet Daniel Düsentrieb eine Zeitmaschine, damit Donald die von der Box geforderten Dinge einsammeln kann.

„Besondere Fundstücke“: Dussel hat eine auf den ersten Blick verrückte Geschäftsidee – aber sie funktioniert. Zumindest vorerst.

„Die Legende des ersten Phantomias (16) – Der Dieb und der Milliardär“:  Dankmar ist zwar genial, aber ein Lügner und Betrüger. Er hat sich bei Dagobert Duck eingeschmeichelt, um an dessen Rubin zu kommen. Deshalb hat er für ihn ein unüberwindbares Sicherheitssystem entwickelt. Aber Dankmars Bruder will auch ein Wörtchen mitreden. Er und Phantomias wollen dem Maulhelden eine Lektion erteilen.

„Zeitreisen ist relativ“: Auf einem bekannten Foto mit anderen Berühmtheiten ist Albert Einstein verschwunden. Micky vermutet, dass er gekidnappt wurde. Deshalb reist er mit Goofy in die Vergangenheit, um die Entführung zu vereiteln.

„Die Hexe aus dem All“: Gundel Gaukley will einen neuen Angriff auf Dagobert Ducks Geldspeicher starten. Dabei kommen ihr zwei Ufo-Forscher gelegen, die sie für ihre Pläne einspannt.

„Reale virtuelle Realität“: Die Drillinge Tick, Trick und Track geraten aus Versehen in ein virtuelles Spiel und müssen Aufgaben lösen, um wieder in die Realität zurückzufinden.

„Schweigen ist Gold“, gerade in einer Bibliothek. Aber selbst dort ist Daniel Düsentrieb nicht vor Störungen sicher.

„Das Verkaufstalent“: Dolly Duck soll für Dagobert Duck einen unrentablen Küchenroboter verkaufen. Mit viel Optimismus und unermüdlichen Einsatz gelingt ihr das Unmögliche: Sie bringt die Charge an die Käufer*innen. Aber damit tauchen neue Probleme auf.

„Die Heimwerkerprofis“: Eigentlich ist es nicht so schwer, einen Zaun zu reparieren. Es sei denn, man heißt Goofy. Da fällt sogar dem sonst so einfallsreichen Micky bald nichts Hilfreiches mehr ein.

„Klub gegen Klub“: Klaas Klever hat für den Milliardärsclub eine neue, extrem luxuriöse Bleibe gekauft und mit allen Schikanen renovieren lassen. Dabei gründet er auch gleich einen neuen Club und gräbt so dem alten die Mitglieder ab. Das will Dagobert Duck nicht auf sich sitzen lassen.

„Freund und Leid“: Daisy und Donald verbringen ihre Freizeit regelmäßig mit Freund*innen. Aber diese sind eher eine Last denn eine Bereicherung, v.a. für Donald. Eines Tages aber scheinen die beiden Glück zu haben: Die neuen Nachbarn erweisen sich als wahrer Traum – der allerdings schnell zum Alptraum wird.

Jubiläum für Daniel Düsentrieb

70 Jahre wird Daniel Düsentrieb dieses Jahr alt. Deshalb hat der Verlag zwei LTBs mit Daniel-Düsentrieb-Geschichten herausgegeben. Das vorliegende LTB ist eines davon, das andere habe ich hier schon rezensiert. 12 Geschichten bietet das vorliegende LTB rund um Daniel Düsentrieb. Aber nicht nur das Geburtstagskind hat hier seine Auftritte, sondern auch andere bekannte Protagonisten.

Da Düsentrieb v.a. für Technik steht, kommt in seinen Geschichten auch vorwiegend diese zum Tragen, aber auch die Naturwissenschaften und ihre Gesetze bzw. deren Aushebelung. Damit sind ein paar der Geschichten der Science-Fiction zuzuordnen, inklusive Themen wie Zeitreisen und virtuelle Realität – beliebte Sujets der SF. Auch die Probleme, die in der SF angesprochen werden, kommen hier zum Tragen: die Gefahr einer Veränderung der Zeit oder der Einbruch der virtuellen Realität in das normale Leben. Manche Geschichten warten auch mit weiteren hintersinnigen Gedanken auf, z.B. dass Geld nicht alles ist im Leben und andere Werte durchaus mehr zählen oder dass man sich seine Freund*innen sehr genau aussuchen und im Notfall auch Tacheles mit ihnen reden sollte.

Lustige, spannende Geschichten, oft mit mehr Tiefsinn, als der leichtfüßige Erzählstil es vermuten lassen würde. Aber: Es werden wieder einmal v.a. die männlichen Protagonisten in den Fokus gestellt, die weiblichen sind eher Beiwerk, das sich wenig zum Identifizieren für Leserinnen eignet. Einzig Dolly Duck bekommt neben Dussel eine Funktion als Protagonistin und einmal Daisy neben Donald. Das ist deutlich zu wenig.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa Media

The Scumbag – Kokainfinger

The Scumbag – ein Antiheld wie deadpool

The Scumbag. “Frische Helden braucht das Land!” Jedoch ist Ernie Ray Clementine weder noch ganz “frisch” noch ein Held. In den Siebzigern hängengeblieben, ist Ernie ein abgehalfterter Biker, der seine Jugend im im Nebel von Sex, Drugs and Rock’n’Roll verlebt hat. Doch dann erhält Ernie durch Zufall Superkräfte und plötzlich reißt sich die halbe Welt um ihn. Oder eher die Halbwelt?

Mit Formula Maxima vom Looser zum Winner

“Scumbag” könnte man sowohl mit Drecksack als auch Abschaum übersetzen. Fans von Deadpool und Wanted werden auch mit dem selbstsüchtigen Junkie mit Superkräften, der als Spion die Welt retten soll ihren Spaß haben. Im Auftakt zur neuen Historie von Bestsellerautor Rick Remender (DEADLY CLASS, UNCANNY AVENGERS) geht es um nicht weniger als die Rettung der Welt. Aber nicht vor Bösewichten, sondern vor solchen “Relikten einer anderen Zeit” wie Ernie. Sein Dealer Spanish Larry ist sein bester Freund, was nur beweist, dass er keine Freunde hat. Bei einem Zweikampf zwischen zwei Superschurken, greift sich ausgerechnet Ernie die Spritze mit der Formula Maxima und kommt so unverhofft zu Superkräften. Er wird nun von einer extraterrestrischen Polizistin für “Vater Zeit” gehalten, der allerdings längst das Zeitliche gesegnet hat. Erstere arbeitet dann doch für die hiesige Regierung und verspricht ihm einen vollen Drogenkoffer wenn er von nun an kooperiert. Was könnte Ernie mehr überzeugen? Schließlich lautet sein Codename nicht umsonst “Scumbag”. Da passt der General für der amerikanischen Flagge mit dem Skorpion-Emblem ganz gut, denn auch Scumbag trägt einen Scorpions-Schriftzug auf seiner Jeansjacke. Der General wettert bei seiner Ansprache gegen PC und Cancel-Culture und den Untergang der weißen Kultur in Amerika, während Scumbag auf den Auftritt einer seiner Lieblingsbands wartet. Aber die spielen nicht.

Scumbag: Kooperation für Korruption

Aber die Regierung scheut keine Mühen Ernie auf ihre Seite zu bringen: ein flugfähiger 1978er Thunderbird mit Mach4 Antrieb, eine Sexdoll als Pilotin sowie ein Handschuhfach vollgepackt mit Sachen zum Dröhnen überzeugen den abgehalfterten Biker dann doch sehr schnell. Die Zeichnungen sind der Zeit in der sie spielen angepasst, will heißen: ganz schön bunt und psychodelisch. Wenn sich Ernie Ray Clementine nicht schon als Jugendlicher das Hirn so zugedröhnt hätte, wäre er vielleicht doch ein Megaspion geworden. Aber so fehlt ihm doch etwas die Richtung, gut dass er bei seinem ersten Abenteuer eine attraktive Pilotin mit K.I. hat, so kann sie das Denken für ihn übernehmen. Sollte etwas schief gehen, gibt es immer noch das Handschuhfach…

Ein überraschendes Debüt eines Anti-Helden, wie ihn die Comic-Welt wohl noch nie gesehen hat. Sieht man von Deadpool und Wanted einmal ab. Die Biker-Klamotten Ernies sind auf jeden Fall ausstellungswürdig und gehören zu Recht ins Museum. Oder in einen Comicserien wie diese, die vermag, auch eine Looser wie Scumbag von seiner besten Seite zu zeigen!

Rick Remender
The Scumbag – Kokainfinger
Zeichner: Andrew Robinson, Darick Robertson, Lewis Larosa, u.a.
Original Storys: The Scumbag Vol. 1: Cocainefinger
2022, Softcover, Genre: Science-Fiction, 156 Seiten
ISBN: 9783741627828
18,00 €
Panini


Genre: Comic
Illustrated by Panini Comics

LTB 74 Enten-Edition: Ich erfinde alles!

news ente 74

Das Für und Wider von Erfindungen

„Aller Anfang macht erfinderisch“ zeigt die Anfänge Düsentriebs in der Erfinderschule, in der er auch aus dem großen Schatten eines berühmten Vorfahren heraustreten muss. „Ein wundersames Fluid“ ist letztlich nicht so wundersam wie Dagobert Duck es gerne hätte. „Frisch aus der Pfanne“ gestaltet sich für Daniel Düsentrieb gar nicht so einfach, denn an ihm ist kein Koch verloren gegangen. Also will er einen hypermodernen Grill erfinden, der todsicher leckere Sachen grillt. Aber manchmal ist mehr nicht besser. „Der Flug des Geldes“ zeigt, dass Geld manchmal auch ungewollt Flügel bekommt. Dagobert Duck muss das schmerzhaft erfahren und Daniel Düsentrieb ist an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig. „Das erschöpfte Ich“ demonstriert, dass auch Genies mal eine Pause brauchen. „Eine Idee schneller“ ist Klaas Klever, als er heimlich eine Erfindung Düsentriebs stiehlt.

10 Erstveröffentlichungen von insgesamt 17 Geschichten bietet der Band rund um Daniel Düsentrieb. Das ist eine gute Ausbeute an neuen Geschichten. Mein Sohn findet die Storys „gut und witzig gestaltet“. Zur Geschichte „Genie schläft nie“ meint er, dass deutlich gemacht wird, was passiert, wenn man die ganze Zeit nur am Arbeiten ist und keine Ruhe bekommt. Meine Ergänzung: Diese Story spiegelt sehr gut den Zustand der arbeitenden Bevölkerung wider, v.a. der Familien, die durch das Wirtschaftssystem, das keine Rücksicht auf Menschen nimmt, ständig am Limit sind. Zu „Flug des Geldes“, stellt mein Sohn eine Parallele zu den alten „Ducktales“ Folge 19 („Armstrong macht’s möglich“) und Folge 12 („Die Panzerknacker“) her und sagt, dass man mit manchen Sachen vorsichtig sein muss: Erfindungen können durchaus Schaden anrichten und sich gegen einen wenden. Meine Anmerkung: Moral und Gewissen sollten bei Neuerungen in der Wissenschaft und insgesamt im Leben immer treue Begleiter*innen sein, um vernünftige Entscheidungen zu fällen.

Dass Düsentrieb zwei eigene Bände gewidmet worden sind, findet mein Sohn „cool, denn Daniel Düsentrieb leistet ja schon so einiges“. „Aller Anfang macht erfinderisch“ zeigt den Erfolgsdruck, dem man in der Wissenschaft und im Ausbildungssystem ausgesetzt ist. Dieser ist aber durchaus Feind jeder Kreativität und des Selbstwertgefühls, wie an Düsentrieb und seiner Studienzeit dargestellt wird. „Ein wundersames Fluid“ zeigt anschaulich, was passiert, wenn man nicht ausreichend getestete Dinge freigibt. Wissenschaft und Wirtschaft müssen einhergehen mit moralisch-ethischer Verantwortung. „Der Ideenstau“ demonstriert eine Kreativitätsblockade, die Fortschritt verhindert. „Das erschöpfte Ich“ hält dem Wirtschaftssystem einen Spiegel vor: Es bringt nichts, Menschen in den Burnout zu treiben. Es zeigt aber auch, dass man sich achtsam um sich selbst kümmern muss und sich auch nicht selbst ausbeuten sollte. „Genialer Praktikant“ zeigt, wie zwei Genies miteinander arbeiten, deckt aber auch die Praktiken des skrupellosen Finanz- und Wirtschaftssystems auf – die sich durchaus auch gegen sich selbst wenden können und es auch tun. Man sieht an diesen Beispielen schon, dass die wie immer humorvollen und spannenden Geschichten auch hintergründig sein und zum Nachdenken anregen können.

Insgesamt also gelungen!


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Ehapa Media