Der Weltenexpress 2: Zwischen Licht und Schatten

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„Kohle, Dampf und Magie“

„Endlich ist Flinn Nachtigall offiziell Schülerin im Welten-Express, dem magischen Internatszug. Doch dass sie eines Tages die Welt verändern soll, mag sie kaum glauben. Auch ihre Freunde Pegs, Kasim und Fedor reagieren mit gemischten Gefühlen. Denn der gesamte Zug ist in Gefahr: Ein geheimnisvoller Schatten treibt sein Unwesen und Maskierte sorgen für Chaos und Angst. Was ist los an Bord des Welten-Expresses? Auf der Suche nach Antworten steht Flinn plötzlich ihrem vermissten Bruder Jonte gegenüber. Doch etwas stimmt nicht mit ihm…“ (Inhaltsangabe des Verlags)

Spannungsbogen, retardierendes Moment

Der 2. Band der Reihe wartet mit einer spannenden Fortsetzung auf. Ein paar der Geheimnisse des ersten Bandes (Was ist mit den verschwundenen Schülern, den Phantompfauen, passiert? Wo steckt Jonte? Bleibt Mme Florett weiterhin verschollen?) werden gelüftet, wobei die Spannung durch neue Fragen, die die Beantwortung dieser drängenden Fragen aufwerfen, erhalten bleibt. Ein retardierendes Moment trägt ebenfalls zur Spannung bei: Die zart erblühende Liebe zwischen Flinn und Fedor stagniert. Und sie stagniert wegen etwas Beziehungstypischem, nämlich einer Reihe von Missverständnissen. Ähnliches lässt sich bei Pegs und Kasim beobachten. Auch hier sind Missverständnisse die Hauptursache für ihre Beziehungsprobleme. Damit ist Identifikationspotential für jugendliche Leser*innen gegeben, die ebenfalls in dem Alter sind, in dem sie ihre erste Liebe erleben.

Diese im Buch anklingenden Missverständnisse zwischen den Geschlechtern setzen sich aber auch in der Realität und in den Beziehungen zwischen Erwachsenen fort. Hauptursache dessen sind systembedinge Abgrenzungen der Geschlechter voneinander, bedingt durch Rollenklischees, die zu (falschen) Mythen über das jeweils andere Geschlecht führen. Mehr echtes Interesse für das jeweils andere Geschlecht, vorurteilsfreie Haltung und viel, sehr viel ernst gemeinte Kommunikation würden das Gros dieser Probleme lösen. Genau das geschieht auch im Buch erst einmal nicht, sodass sich die Beziehungsprobleme zuspitzen. Natürlich trägt auch das zur Spannung bei, denn man fragt sich automatisch: Wie geht es mit Flinn und Fedor, Pegs und Kasim weiter?

Das Cover

Man könnte auf den ersten Blick meinen, dass das Cover wie das Cover des ersten Bandes aussieht. Tatsächlich ähnelt es diesem im Hauptaufbau des Bildes. Wieder stehen die Hauptpersonen an der Brücke, auf dem der Welten-Express fährt. Wieder sieht man die magischen Tiere, wieder die Hauptgegenstände, die im Buch eine Rolle spielen. Mit dieser Ähnlichkeit wird die Verbindung zum ersten Band auch über das Bild hergestellt.

Die Unterschiede sieht man auf den zweiten Blick. Der auffälligste ist der der Farbe. Das erste Cover hat die Farbe der Nacht, die runde Scheibe ist der Mond, die runden, glitzernden Sprengsel die Sterne. Das zweite Cover hat den gleichen Aufbau, aber durch den Farbunterschied ist die runde Scheibe die Sonne, die Sprengsel das Sonnenlicht. Die Gegenstände wechseln zum Bild von Mme Floretts Schwester, zu den Schulschals und zur Rabenmaske, die alle im Roman immer wieder vorkommen. Anstelle von Mme Florett sieht man in der Heldengruppe Jakub und seine Koffergeige, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Bezeichnend der Untertitel des zweiten Bandes: „Zwischen Licht und Schatten“. Das Cover unterstützt also optimal den Inhalt.

Diverses

Ansonsten sind natürlich auch hier wieder Anklänge an Harry Potter zu finden, da der Express Hogwards ähnelt. Steampunk-Fantasy wird durch die Verbindung von Technik, Magie und dem namengebenden Dampf angedeutet.

Die Hauptaussage des Buches scheint zu sein: „Glaube an dich selbst.“ Flinn zweifelt an ihrer Bestimmung als weltveränderndes Tigerkind, sie zweifelt an der Beziehung zu Fedor, sie zweifelt an ihren Freunden, sie zweifelt an ihrem Bruder. Die Überwindung dieser Zweifel gehört bei ihr zur Charakterentwicklung.

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf den dritten Band macht.


Genre: Fantasy, Jugendroman
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Der Welten-Express: Erster Teil der großen Trilogie

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Magisch, gefährlich, heimelig – der Welten-Express

„Nacht für Nacht sitzt Flinn Nachtigall an einem stillgelegten Bahnhof: dem Ort, wo zwei Jahre zuvor ihr Bruder verschwand. Bis eines Abends ein Zug einfährt, gezogen von einer gewaltigen, rauchspukenden Lokomotive. Und Flinn…

…stürzt als blinde Passagierin in das Abenteuer ihres Lebens! Denn der Zug ist der Welten-Express, ein fahrendes Internat voller außergewöhnlicher Jugendlicher, angetrieben mit magischer Technologie. Ein Ort, an dem Flinn Freunde findet – und Feinde. Ein Ort voller Geheimnisse. Doch das größte Geheimnis verbirgt Flinn in sich selbst…“ (Verlagstext der Inhaltsangabe)

Das Cover

… bildet eigentlich schon alles Wesentliche des Buches ab, ohne von der Geschichte zu viel zu verraten – gerade genug, um die potentiellen LeserInnen neugierig zu machen: Die meisten der Hauptfiguren, die relevanten magischen Tiere, den Welten-Express selbst, ein paar der vorherrschenden magischen Utensilien und den Sternenhimmel. Schön gestaltet in zentralen Farben und glänzendem Reliefdruck lädt das Hardcoverbuch zum Reinschmökern ein.

Der Prolog

… klärt, worum es dem Gründer des Welten-Expresses geht: armen Kindern und Jugendlichen die Chance geben, ihr Potential zu entfalten, um in der Welt eine außergewöhnliche Rolle zu spielen. Die rollende Schule mit eigenen, von den Schulen der Welt unabhängigen Regeln soll nicht nur Bildung vermitteln, sondern auch eine sichere Heimat werden für die sozial benachteiligten, vernachlässigten und/oder verwaisten Kinder. Diese schon im Prolog herausgestellte wichtige soziale Komponente der Ausbildung könnte durchaus eine kritische Anspielung auf das deutsche Schulsystem sein, in dem sozial schwächer gestellte Familien oft bildungsfern und deren Kinder in der Schule nicht die gleichen Chancen haben wie in sozial besser gestellten Familien.

Eine sichere Heimat

… ist allerdings ein angestrebtes Ideal, wie Flinn schon eine erste Ahnung nächtens im Zug überkommt und die sich im Laufe der Zeit zur Gewissheit verdichtet: Die Magietechnologie entpuppt sich als gefährlich. Die Verbindung von (Dampf-)Technologie und Magie spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle und erinnert an Steampunk Fantasy. Auch Kasims Frisur und Pegs‘ außergewöhnlicher Kleidungsstil passt zu diesem Fantasy-Genre, ebenso der „Kohlenjunge“ Fedor und die Schutzbrille von Mme Florett.

Ein Hauch von Harry Potter

… umweht die LeserInnen permanent beim Lesen. Nicht nur die Benutzung von Schuluniformen und ein Zug, der ein wenig an den Hogwarts-Express erinnert, sondern auch die Konstruktion einer  eigenen, magischen und gefährlichen (Schul-)Welt, die neben der realen existiert, sowie der vordergründig bösen Lehrperson und deren jungendlichen Gehilfen lässt einen vermuten, dass die Autorin „Harry Potter“ zumindest gekannt, daraus Anregungen geschöpft und mit eigenen Ideen vermischt hat. Diese Kombination ist definitiv gelungen, denn der Welten-Express liest sich spannend.

Weiblich und männlich

… eine Frage des Rollenklischees. Die Autorin lehnt sich an Gender-Theorien an, indem sie ihrer Hauptperson Flinn absichtlich nicht nur einen geschlechtsunabhängigen Namen gibt, sondern auch immer mal wieder einfließen lässt, dass sich Flinn so kleidet und benimmt, dass man sie auch für einen Jungen halten könnte bzw. sich ihres Geschlechts nicht sicher sein kann. Biologisch ist die 13-jährige Flinn noch nicht so weit, dass man ihr den weiblichen Aspekt ansieht. Flinn hat sich automatisch von Rollenklischees befreit, weil sie ihr ureigenes Wesen lebt. Und das hängt bei ihr nicht von einer gesellschaftlichen Rolle ab. Somit ist sie ein Vorbild, das zeigt, wie man sich von diskriminierenden Rollenklischees befreien könnte – einfach, indem man nichts auf sie gibt. Das gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.

Trotzdem bestreitet auch sie eine Queste, zu der immer die Charakterentwicklung gehört. Das passt zur Pubertät, in der die Kinder zu Erwachsenen heranreifen und sich selbst finden lernen. Flinn, die sich ihres Wertes nicht bewusst ist, soll lernen, diesen zu finden und zu schätzen. Deswegen ist sie anfangs ein sogenannter Pfog, der sich zum Pfau entwickelt und wie dieser in all ihren Facetten schillern darf.

Schillernd

… ist auch die Sprache, die im Buch verwendet wird. Die Autorin arbeitet gern z.B. mit Personifikationen, Vergleichen, schmückenden Adjektiven und abwechslungsreichen Verben, die schon in der Sprachgestaltung die magische Welt widerspiegeln, die sie Stück für Stück der Leserschaft preisgibt.

Fazit

Ein durch und durch gelungenes Buch, das Lust macht auf die Fortsetzungen.


Genre: Jugendbuch
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg