Asterix – Tempus fugit: Wahre Mythen und falsche Fakten

Dieser Sonderband widmet sich der Frage, welche Fakten in den Asterix-Bänden tatsächlich historisch belegt sind und welche nicht. Aßen die Gallier – wie Obelix – hauptsächlich Wildschwein? Galt das Rausstrecken der Zunge als gallische Provokation? Hätte Asterix Olympiasieger werden können? Traten Gallier in die römische Legion ein? Führten alle Wege nach Rom? Gab es „echte“ unbeugsame Gallier? Wurde aus gallischen Männerfreundschaften manchmal Liebe? Organisierten die Römer einen Teil ihres Lebens in den Thermen? Waren die gallischen Barden gefürchtet? Spielten die Briten damals schon Rugby? War das Essen der römischen Legionäre miserabel?

Diesen und insgesamt über 70 Fragen geht der Band nach und versucht möglichst unterhaltsam und verständlich Antworten zu liefern. Das gelingt auch meist, wobei aber die Kürze der Antworten – der Text beschränkt sich meist auf eine Seite – mitunter zu neuen Fragen führt. Der Autor gibt aber im Anhang den LeserInnen seine Quellen in die Hand, sodass sie bei Interesse auf diese zurückgreifen können, soweit sie der französischen Sprache mächtig sind. Wer aber dies nicht kann und tatsächlich tiefer in die Historie einsteigen will, dem wird nichts anderes übrigbleiben, als eine öffentliche oder wissenschaftliche Bibliothek aufzusuchen oder sich Sachbücher zum Thema zu kaufen. Der Humor, der in der Presseerklärung gepriesen wird, kommt mir persönlich allerdings etwas gezwungen vor. Er kann nicht mit dem der Asterix-Bände selbst mithalten.

Das farbenfrohe Buch ist übersichtlich gegliedert: Es enthält anfangs neben einer Einleitung einen Zeitstrahl mit den wichtigsten Ereignissen rund um Gallien und um Rom, eine Karte Galliens und eine Roms zur Zeit um 50 v. Chr., sowie jeweils eine kurze Zusammenfassung der gallischen und römischen Geschichte.

Der Hauptteil besteht aus den Fakten und Mythen, die als solche „entlarvt“ werden und immer mit Panels aus den Comics bebildert sind. Als Extra gibt es „Das Kleineplus“, ein Exkurs, der z.B. Fragen rund um die Bedeutung des Wildschweins oder des gallischen Hahns, sowie gallische Streitereien, Gallier auf See, antiker Sport, die Etrusker, Briefträger, Doping usw. behandelt.  Dabei werden zunächst die gallischen Fakten und dann die römischen beleuchtet. Den Abschluss des Hauptteils bilden kleine, recht informative Texte zu den gallischen und italienischen Städten sowie zu anderen Regionen, wobei ich mir als geschichtsinteressierte Leserin allerdings auch hier etwas mehr Infos gewünscht hätte.

Das in sich abgeschlossene Buch endet mit einem Glossar, einem kleinen Exkurs zur Archäologie und ein paar Infos zu den zitierten antiken Autoren. Mich persönlich haben ein paar Fakten wie z.B. die homosexuellle Liebe der männlichen Gallier, die anscheinend ähnlich wie bei den Griechen kein Anlass zur Diskiminierung gab, positiv überrascht. Dabei stellte sich mir aber automatisch die Frage, wie es bei den gallischen Frauen aussah. Überhaupt geht es v.a. um die Männer, wenig um die Frauen – da besteht definitiv Nachholbedarf. Auffällig sind auch einige Tippfehler, die den Lesefluss stören.

Insgesamt gesehen ein gut lesbares, verständliches, reich bebildertes und übersichtliches Büchlein, das aber nur an der Oberfläche des historischen Wissens kratzen kann.


Genre: Comic
Illustrated by Egmont Comic Collection
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