Yakuza goes Hausmann 1-4

Yakuza goes Hausmann 1Yakuza goes Hausmann 2Yakuza goes Hausmann 3Yakuza goes Hausmann 4Vom Vollzeit-Yakuza zum Vollzeit-Hausmann!

„Immortal Tatsu“ galt in der Unterwelt als gefürchtete Legende. Seit seiner Heirat aber schlägt er einen völlig neuen Weg ein: der des Hausmanns. Und zwar des Vollzeithausmanns! Da man aber auch immer Kind seiner Vergangenheit ist, kann selbst Tatsu seine nicht ganz hinter sich lassen. Das führt oft zu skurrilen Situationen: Seine liebevoll gehegte Küchenkräutersammlung auf dem Balkon z.B. wird zu einem Hanf-Verdachtsfall bei der Polizei. Die hat den ehemaligen Kriminellen sowieso auf dem Kieker. Aber auch die Gratis-Fitnesswoche oder das Mütter-Yoga kann nostalgische Yakuza-Erinnerungen wecken: „Das ist doch die Mein-Boss-Hat-Mir-Mit-Nem-Holzschwert-Ordentlich-Eine-Geballert-Pose!… Die Astreiner-Kopfschuss-Pose!“ Der Kampf mit Kakerlaken, die Verkleidung als Weihnachtsmann für die Kids vom Kiez, das Volleyballspiel mit Müttern und der Gang, der Einkauf beim Fischhändler oder der Verkauf von niedlichem Selbstgestrickten auf dem Flohmarkt – die Verbindung zu seiner Vergangenheit, und sei sie noch so unwahrscheinlich, ist immer präsent.

Vergleich von Äpfeln und Birnen

Und gerade das macht einen Großteil der (Situations-)Komik dieser Reihe aus. Die Serie lebt von diesem ungewöhnlichen Vergleich von Äpfeln und Birnen, wobei man als Leser*in immer wieder staunt, dass dieser Vergleich tatsächlich gelingt. Richtig schräg wird es, wenn das astreine Kriminellen-Gesicht nicht nur beim Aerobictraining lächeln soll und die durchtrainierte Figur Tatsus in einer niedlichen, rüschenbewehrten und knallengen Hausfrauenschürze steckt. Aber gerade dies regt das im alltäglichen Trott verhaftete Hirn der Leser*innen zum Nach- und Umdenken an. Und zwar auf eine sehr amüsante Art und Weise, was auch die Cover schön verabschaulichen.

Rollentausch

Zum Umdenken regt aber auch der Rollentausch an, und dieser gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen natürlich der Tausch vom gefürchteten und gefährlichen Kriminellen zum Vollzeithausmann. Zum anderen aber auch (und nicht zuletzt) der Tausch der weiblichen und männlichen Rolle. Tatsus Frau ist die Alleinverdienerin der Familie und wird von ihrem Göttergatten auch so behandelt. Dafür schätzt sie ihn (im Gegensatz zum alleinverdienenden Mann, der seine Hausfrau eher wenig schätzt und alles, was sie für ihn und andere tut, als selbstverständlich nimmt). Er umsorgt seine Herzensdame, die schwer gestresst von der Arbeit kommt, aufs Sorgfältigste und Liebevollste und das bin hin zu ernährungstechnisch-medizinischen Details. Er macht sich immens viele Gedanken um ihr Wohlbefinden, sorgt sich auch um Nachbarskinder und um hilfesuchende Kumpels und geht voll in seiner neuen Rolle als Hausmann auf.

So einen liebevollen, empathischen und die Hausarbeit tatsächlich ernst nehmenden Mann findet frau in der Realität leider viel zu selten. Tatsu ist vom Inneren her komplett das Gegenteil seines Äußeren. An dieser Stelle seien auch die hervorragenden aktuellen Dokumentationen des SWR von „betrifft:“ empfohlen, die das Thema des Männerbildes und der (krank machenden) Superwoman-Rolle der Frau mit all ihren Konsequenzen zeigen:

https://www.swrfernsehen.de/betrifft/familie-heute-was-muetter-leisten-100.html

https://www.swrfernsehen.de/betrifft/familie-heute-wie-vaeter-sich-veraendern-100.html

Gerade letztgenannte Doku geht auf Väter ein, die tatsächlich Väter sein wollen – bis hin zum Hausmann, der in einer Gesellschaft, in der die traditionellen Geschlechterrollen immer noch in den Köpfen der Menschen (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik) herumspuken, sich erst noch seinen Status erkämpfen muss. Aber v.a. die Männer, die tatsächlich ihre 50% zur Kindererziehung und im Haushalt leisten oder selbst Hausmann werden wollen, sind von Frauen gewollt und auf kurz oder lang das Zukunftsmodell Mann. Die Doku über Mütter zeigt, was Alleinerziehende leisten, wie tradititionelle Rollen die Frauen immer noch (zusätzlich zu ihrem Job) belasten und dass Homeschooling und Homeoffice (v.a. in Verbindung) ein Geschlecht hat, und das ist nicht männlich… Mich packt die nackte Wut, wenn ich sehe und höre, wie sich viel zu viele Männer immer noch mit erstaunlich viel Energie und Fantasie aus allem, was nur geht, herausreden und der Frau alles, was nur geht, aufbürden!

Der Manga zeigt in humovoller Art, wie es anders gehen kann. Und allein dafür gebührt ihm das Bundesverdienstkreuz.

Fazit

Humorvoller Manga, der gekonnt Äpfel mit Birnen vergleicht und dabei Rollenklischees komplett über den Haufen schmeißt! MEEEEEEHHR davon!!!


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Manga!