Lymph-Drainage: Hilfe bei Schwellungen und Ödemen. Selbst behandeln, einfach entschlacken

LymphdrainageLymphsystem – das unbekannte Wegenetz

… welches das Buch als erste „Amtshandlung“ den Leser/innen näher zu bringen versucht. Denn das Lymphsystem transportiert nicht nur die Fette, sondern leitet u.a. auch Schadstoffe, Eiweißmoleküle und abgestorbene Zellen ab, neutralisiert und entsorgt Abfallstoffe des Stoffwechsels, produziert Abwehrstoffe und verteilt sie weiter.  Damit hat es eine wesentliche Funktion zur Gesunderhaltung des Körpers inne, die oft nicht im Fokus steht.

Das Buch erklärt also eingangs einfach und verständlich, was das Lymphsystem überhaupt ist, wie es funktioniert, wie die Lymphwege verlaufen, welche Störungen auftreten können. Den nächsten Block bilden die Behandlungen, die man an sich selbst ausführen kann, um das Lymphsystem zu unterstützen. Dabei wird deutlich gemacht, dass diese wirklich nur eine Unterstützung darstellen und man bei Beschwerden die Ärztin/ den Arzt und/oder Physiotherpeut/innen aufsuchen muss. Ich persönlich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Behandlungsgriffe zur besseren Anschaulicheit wie in anderen Büchern schrittweise bebildert werden. So würde ich sie wohl eher nicht anwenden aus Angst, etwas falsch zu machen, bzw. zur Physio gehen, um sie mir zeigen zu lassen.

Gut hingegen sind die mit Farbe unterlegten Kästchen, die Wissenswertes hervorheben oder zusammenfassen. Die Grenze zwischen dem Machbaren und dem, was in fachmännische Hand gehört, wird immer wieder klar gezogen. Auch weitere Beispiele für die Unterstützung der Lymphe außerhalb der Griffe werden aufgezeigt, z.B. Mini-Trampolin mit Gummiringen (sowieso ein Allround-Talent für die Gesundheit), Faszientraining, Nordic Walking, Wassergymnastik und Schwimmen, Spaziergänge, gesunde Ernährung, richtige Hautpflege und spezielle Kräutertees, lymphfreundliche Lebensmittel, viel trinken.

Auffällig sind allerdings die Tippfehler, die auf ein paar Seiten gehäuft vorkommen. Auch ein unterstützender Bildtext taucht unter einem völlig anderen Bild erneut auf (S. 39 und 42). Es entsteht der Eindruck, dass das Buch überhastet korrigiert worden ist.

25 Rezepte, die entschlacken, entwässern und entgiften sollen

Die Rezepte sind meist einfach gehalten mit wenigen Zutaten und Angaben der Zubereitungszeit, die sich ebenfalls in Grenzen hält. Allerdings hat man nicht mal eben Thai-Basilikum zuhause oder Mangold, Granatapfel, Spirulina-Pulver oder Kokoswasser. Manche der angegebenen Zutaten findet man nicht in jedem Supermarkt. Selbst wenn, sind sie nicht immer im Sortiment. Man sollte sich also die Rezepte raussuchen, die supermarktkompatibel sind. Ansonsten sind die Rezepte Geschmackssache. Ich persönlich würde z.B. den reinen Tomatenreis etwas fade finden und mit Mozarella, Basilikum und gerösteten Nüssen aufpeppen.

Davon abgesehen habe ich generell bei der Lektüre von gesunden Rezepten des Öfteren den Eindruck, dass sie v.a. für die (wohlhabende) Mittelschicht geschrieben worden sind, denn die Menschen, die gesundes Essen besonders nötig hätten, können es sich aufgrund der mangelnden Finanzen oft gar nicht leisten – ich selbst habe das gemerkt in Zeiten, als ich mit 50 Euro für einen Wocheneinkauf auskommen musste. Ungesundes ist tatsächlich weitaus günstiger als gesundes Essen. Und ich spreche hier nicht von empfohlenem Bio, sondern schon von konventionell angebautem Gemüse, das deutlich teurer ist als die Tüten- oder Dosensuppe für ein paar Cent.

Ebenfalls nicht miteinbezogen sind die Menschen (ältere oder Menschen mit Handicap), die allein leben, aber nicht (mehr) selbstständig kochen können. Oder die, die aus Zeitdruck nicht selbst kochen (wovon es mehr als genug gibt). In einer halben oder 3/4 Stunde Mittagspause lässt sich nicht viel zubereiten, geschweige denn essen. Und abends vorkochen, v.a. bei Frauen/Alleinerziehenden mit Kindern, ist schlicht meist unmöglich. Eine Fertigmahlzeit in die Mikrowelle oder Pfanne geworfen ist in einer solchen Situation für die meisten das (zeitsparenste, günstigste) Mittel der Wahl.

Allgemein müsste die Lebensmittelindustrie viel mehr in die Verantwortung gezogen werden, gesunde Fertigmahlzeiten herzustellen! Auch die Lieferanten der Mensas der Unis, Kitas, Schulen, Firmen müssten mehr auf gesunde, unverarbeitete Lebensmittel achten und es müsste mehr Küchenpersonal geben. Die meisten Menschen essen aus Zeitgründen außerhalb, also sollte man v.a. dort mit der gesunden Ernährung ansetzen.

Fazit

Bis auf ein paar Mängel ein gutes, verständlich geschriebenes Buch über die Wichtigkeit unseres Lymphsystems und wie man es behandeln und gesund erhalten kann.


Genre: Gesundheit, Sachbuch
Illustrated by Lisa Mestars, Riva Verlag München

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Genre: Humor, Sprache
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Genre: Autobiografie, Dokumentation
Illustrated by Riva Verlag München

Das Leben ist ein Baumarkt

Wer hat nicht schon mal in einem Baumarkt nach der Lösung eines kleinen Problems im eigenen Heim gesucht, für das ein entsprechendes Utensil, eine Schraube, ein Verschluss, ein Werkzeug oder was auch immer fehlte. Den Nicht-Handwerker stellt bereits die Suche nach dem richtigen Regal auf eine harte Probe und just aus dem Grund begibt der Hilflose sich gern in die Hände eines fachkundigen Beraters. Dieser ist indes oft noch schwieriger zu finden als der gesuchte Gegenstand selbst, er befindet sich scheinbar ständig auf der Flucht oder wird bereits von anderen Ratsuchenden umlagert, die auf weise Worte warten wie die Gläubigen am Petersplatz in Rom.

Das vorliegende Buch verschafft nun der anderen Seite Gehör. Der Autor, nach eigenem Bekunden Abteilungsleiter eines Baumarktes, durchbricht das Klischee des Fachberaters. Er tritt sachkundig, intelligent und serviceorientiert auf, kennt die Schwächen seiner Kollegen ebenso gut wie die seiner Chefs. Vor allem kennt er aber seine wichtigsten Pappenheimer, die Kunden, denen der überwiegende Teil seiner oft sarkastischen Betrachtungen gewidmet ist. Dabei ärgert er sich besonders über die »Vollpfosten« in Internetforen, die irgendwelche Produkte empfehlen, »die es einfach nicht gibt« und damit den Kunden desinformieren.

Trompetter schildert seine Klientel in allen denkbaren Schattierungen. Er typisiert die Menschen, die sich in seinem Fachgebiet »Fliese« einfinden und teilweise zu bescheuert sind, die erforderliche Menge Steingut für eine vorgegebene Raumgröße zu berechnen. Er rächt sich dann damit, dem Kunden die teuerste Fliese zu empfehlen und freut sich diebisch, wenn dieser darauf hereinfällt. Schadenfreude ist dem Fachberater alles andere als fremd, es wäre für Psychologen ein interessantes Unterfangen, den Charakter des Autors anhand seines Buches eingehend zu analysieren.

Gleichwohl vermag sich der Leser mit dem Fachberater zu solidarisieren, wenn der erraten soll, was König Kunde meint, wenn er »Beton für untendrunter« (Fliesenkleber) oder »Was Rotes, wenn einem mal was raushängt« (rote Fahne zum Markieren überstehender Ladung) sucht. Clever und geschäftstüchtig geht er mit Leuten um, die reklamieren wollen. Kommt ein Kunde mit einer unbrauchbaren Silikonkartusche aus einem anderen Baumarkt, macht er ihn nicht etwa auf seinen Fehler aufmerksam, sondern lässt ihn geduldig Regalreihen durchstreifen und nach dem Produkt suchen, bis dieser selbst seinen Irrtum erkennt und entnervt Silikon samt Kartuschenpresse bei ihm kauft. Hätte er ihm gleich gesagt, wo die Kartuschen her sind, wäre er straks dorthin gegangen, um sich zu beschweren. So hat er wenigstens bei ihm gekauft.

Die Lektüre dieser Veröffentlichung schenkt Spaß, denn sie birgt die Gefahr, sich selbst zu erkennen.


Genre: Humor und Satire
Illustrated by Riva Verlag München