Die Fleischmafia

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Folge der Fortsetzungsgeschichte »Fleischsucht: Wie wir unsere Fleischreste unters Volk bringen« veröffentlicht wird. Nur weil derzeit nicht bundesweit über neues Ekel- oder Gammelfleisch skandalisiert wird, heißt das nicht, dass derlei Schweinereien nicht stattfinden.

Wer nach all den Jahren öffentlich gewordener, wahrhaft ekeliger Machenschaften mit verdorbenem oder zumindest nicht besonders Appetit anregendem Fleisch immer noch der Ansicht sein könnte, es handele sich um eine unglückliche Verkettung, oder gar um eine absichtlich zum Zwecke von Auflagen- und Quotensteigerung herbei geschriebene Serie von bedauerlichen Einzelfällen, dem sei das Buch »Die Fleischmafia« von Adrian Peter empfohlen.

Der Autor, im Hauptberuf Journalist und stellvertretender Chef vom Dienst des ARD-Politmagazins »Report Mainz«, macht in seinem Buch deutlich, dass er mit der Verwendung des Wortes »Mafia« für das System, mit dem nicht erst seit gestern und auch wohl weiterhin mit dubiosen Fleischmassen Geschäfte gemacht werden, nicht zu hoch gegriffen hat. Peter deckt ein kriminelles System auf, das verschworen und nahezu klandestin arbeitet. Und wie in allen mafiotischen Systemen, benutzen auch hier nach außen hin honorige »Geschäftsleute« die Not von Menschen, die sich nicht wehren können, um ihre kriminellen Machenschaften umzusetzen und damit einen ordentlichen Reibach zu machen. Diese Geschäfte sind nicht nur kriminell, sondern zudem gesundheitsgefährdend.

Bevor allerdings Verbraucher, denen mit billigem Fleisch aus diesem System in jeder Hinsicht Mogelpackungen angeboten werden, gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt werden, hat es schon die Gesundheit der »illegalen« Arbeiter in den Schlachthöfen zerstört. Ohne Papiere, ohne Verträge und unter schlimmsten Arbeitsbedingungen sorgen diese Menschen dafür, dass jene ehrenwerte Herren unsereins Fleisch zu Dumpingpreisen anbieten können. Und wir greifen zu – täglich.

Denn das ist die andere Seite der Medaille. Ein solches mafiöses Fleischsystem gedeiht natürlich besonders gut, wenn auf der anderen Seite Verbraucher stehen, die offensichtlich täglichen Fleischkonsum zu Schleuderpreisen für ein Menschenrecht halten.

Adrian Peters Buch ist sauber recherchiert und ein parallel dazu gedrehter Dokumentarfilm (ausgestrahlt in WDR 3) sorgte zumindest in Nordrhein-Westfalen kurzzeitig für Aufregung. Ich empfehle dieses Buch zur Lektüre — nicht nur obwohl, sondern weil die Lektüre niemanden beruhigen wird.

»Es wird ja alles wieder gut« — wird man danach kaum sagen können. Anlass zum Handeln, sowohl für Verbraucher als auch für Politiker, bietet der Band in Hülle und Fülle.


Genre: Sachbuch
Illustrated by Econ Berlin
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5 Gedanken zu „Die Fleischmafia

  1. Pingback: Seuche im Schlachthof – Beueler Extradienst

  2. Ich kenne dieses Buch. Ich habe eine Ausbildung im Fleischerhandwerk. Ich hatte meine Ausbildung gerade abgeschlossen und Arbeite. Als dieses Buch erschien war es der Aufreger schlecht hin. Für mich stellte sich die Frage ja und warum handelt ihr nicht. Wieso behebt ihr diese Missstände nicht. Dieses Buch ist in dieser Zeit und rund um die Geschenisse in Gütersloh Aktueller den Je

  3. Erst durch ein kurzes Interview mit Herrn Adrian Peter in Phoenix am Freitagabend, natürlich nach 22:30 Uhr, bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Ich werde es jetzt bestellen. Allerdings sind die Zustände bekannt, seit langem, auch Günter Wallraff hat 2014 in „Die Lastenträger“ auf die Situation in verschiedenen Betrieben aufmerksam gemacht, auch bei Daimler Benz.
    In den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF gibt es allerdings nur einen Schuldigen, den deutschen Verbraucher. Vom Milliardär Tönnies, Platz Nr. 6 auf der Liste der reichsten Deutschen, ist nicht die Rede, auch nicht davon, mit welchen Machenschaften Herr Tönnies Milliardär geworden ist.
    Nach ARD und ZDF ist der Verbraucher schuld, die Fleischpreise werden steigen und die Schlangen an den Tafeln auch. So wie das Geschäft bisher gelaufen ist, wird kein Cent dieser Abgabe dem Tierwohl zugute kommen, sondern dieses Geld wird ganz allein in die Taschen von Tönnies und Co. wandern.
    Die Bürger kommen jetzt für die vermehrten Tests in Gütersloh und Umgebung auf, so wie für die Krankheitskosten und die Kosten für den erneuten Shut-down des Gebiets, Herr Tönnies bleibt unbehelligt. Die Bürger im Kreis Gütersloh sind empört, dass sie nicht in Bayern Urlaub machen können, sie fühlen sich stigmatisiert. Ich vermisse das Mitgefühl dieser Bürger für die Arbeiter, die jetzt eingezäunt und eingepfercht sind, denen die Lebensmittel in Tüten über die Zäune geworfen wird nach dem Motto: Hier friß! Wo bleibt das Mitgefühl der ach so stigmatisierten Bürger? Viele der Bürger in Gütersloh und Umgebung dürften von diesen Lohnsklaven profitiert haben, in dem sie sie in Unterkünften untergebracht haben, in denen ein Bett in einem 6 – 8 Bett Zimmer 300 Euro pro Nacht kostet.
    Frau Klöckner hat jahrelang verhindert, dass Fleisch eindeutig gekennzeichnet wird. Wenn ich einkaufen gehe, suche ich meistens vergebens nach einem Fleisch – Label grün der Güteklasse 4, ich finde nur Güteklasse 1 oder gar keine Kennzeichnung, ist ja auch freiwillig. Hier hilft die Politik seit Jahren, eine Kennzeichnung zu verhindern, in Übereinstimmung mit Schlachtbetrieben wie Tönnies. Die Lobbyvertreter sind ja auch in den Büros der Abgeordneten zuhause und schreiben teilweise die Gesetze, um den armen Volksvertretern die Arbeit zu erleichtern. Die neuen Krisengewinnler in Corona Zeiten sind Großkonzerne, wie Tönnies, wie Lufthansa. 9 Milliarden für eine Airline, die 3,85 Milliarden wert ist. Diese Summe verschwindet in den Taschen von Herrn Thiele, der dann auch schnell sein Aktienpaket auf 15 Milliarden erhöht hat, und in den Taschen der Aktionäre. Die Bundesregierung hat auf das Recht verzichtet, Veto bei Kündigungen einzulegen. Wir Bürger finanzieren die Lohnsklaverei bei den Großbetrieben wie bisher auch.

  4. Die Amtsträger haben jahrelang Tönnies den Arsch geleckt, er ist bekanntlich ein großzügiger CDU-Spendenzahler, und jetzt muss die Bevölkerung den Schlamassel eines profitgierigen Typen und ignoranter Politiker ausbaden und wird per Lockdown eingeschlossen.

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