Die entzündete Seele – Ein radikal neuer Ansatz zur Heilung von Depressionen

Mit Mitte vierzig konnte ich nicht umhin festzustellen, dass trotz bahnbrechender weltweiter Fortschritte in den Neurowissenschaften noch keine merklichen Veränderungen im Alltagsgeschehen der Krankenhäuser und lokalen Kliniken des NHS, des National Health Service, also des staatlichen Gesundheitssystems in Großbritannien und Irland, zu spüren waren. Es erschien mir wenig erfolgversprechend, allein durch das Verfassen weiterer Forschungspapiere zum Thema Gehirnscan einen Unterschied in der psychiatrischen Praxis bewirken zu können, und das versetzte mich in Unruhe. Mir wurde bewusst, dass der wirksamste Hebel, um einen grundlegenden Wandel in der Geschichte der Medizin herbeizuführen, stets die Einführung einer neuen Behandlungsmethode gewesen war. Meine Neugierde war geweckt; ich wollte mehr darüber wissen, wie neue medikamentöse Therapien bei Depressionen, Psychosen und anderen psychischen Störungen entdeckt und entwickelt wurden.

Edward Bullmore ist Professor für Immunologie in Cambridge. Und hat sich auch mit Neuromedizin beschäftigt. Üblicherweise gibt es in der Medizin scharfe Trennlinien zwischen Psychiatrie (für die Seele zuständig) und »normaler« Medizin, die sich mit dem Körper beschäftigt.

Immunologie als Erklärung?

Doch in den letzten beiden Jahrzehnten haben sich sowohl die Immunologie wie das Wissen um das Gehirn weiterentwickelt. Und diese Trennung ist nicht nur obsolet geworden, sondern behindert das Verständnis von psychischen Krankheiten.

Viele früher unheilbare Krankheiten, die früher Rätsel aufgaben, sind mittlerweile entschlüsselt worden. Und die Autoimmunkrankheiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Rheumathoide Arthritis, oft einfach Rheuma genannt, kann mittlerweile geheilt werden.

Bullmore fiel dabei auf, dass viele mit dieser Krankheit Depressionen entwickeln. Die verschwinden, wenn das Rheuma verschwindet. Klar, so hieß es früher, wer würde nicht Depressionen bekommen, wenn er an einer unheilbaren Krankheit leidet, die seinen Körper immer weiter zerstören wird?

Autoimmunkrankheiten

Autoimmunkrankheiten sind »friendly fire«, »Kollateralschäden« des Immunsystems, das im Krieg gegen Bakterien, Viren etc. Entzündungen entwickelt und manchmal nicht mehr Freund und Feind unterscheiden kann.

Diabetes Typ I zum Beispiel entwickelt sich meist im Verlauf einer Entzündung, das ist schon lange bekannt. Bullmore bringt Argumente dafür, dass es bei Depressionen nicht anders ist. Und erzählt uns eine Menge über unser Immunsystem, über unser Gehirn und was Wissenschaftler über beides Neues herausgefunden haben.

Spannend und leicht verständlich geschrieben entwickelt er seine Theorie. Noch folgt daraus keine neue Heilmethode, geschweige denn eine neue Arznei. Aber er zeigt Wege auf, wie diese neuen Medikamente aussehen könnten, keine globalen Mittel, sondern auf den einzelnen Patienten angepasste.

Medizingeschichte

Mitunter macht er lange Ausflüge in die Medizingeschichte, schiebt Descartes die Schuld an der Trennung von Körper und Seele zu und damit die Schuld für die Zweiteilung der Medizin. Etwas übertrieben, finde ich. Denn diese Trennung gibt es bereits in den meisten Religionen, die von einer unsterblichen Seele und einem sterblichen Körper ausgehen.

Trotzdem auf jeden Fall lesenswert für alle, die sich für Depressionen, Immunologie und generell neue Entwicklungen in der Medizin interessieren.

Leseprobe


Genre: Sachbuch
Illustrated by Goldmann München
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2 Gedanken zu „Die entzündete Seele – Ein radikal neuer Ansatz zur Heilung von Depressionen

  1. Es wird höchste Zeit, dass die Empfehlung, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer einzusetzen, um Depressionen in Griff zu bekommen, wissenschaftlich hinterfragt wird. Wäre es vor der Anwendung nicht sinnvoll, erst einmal den Serotonin-Spiegel zu bestimmen? Wird aber nicht gemacht, denn der verhält sich angeblich höchst launisch. Ergo werden Psychopharmaka auf eine bloße Vermutung hin verordnet.

  2. Die Politik macht uns weis, dass alles zum Gemeinwohl geregelt ist und dass z.B. Zahnersatz bzw. Implantate mit Quecksilber, Kobalt, Titan usw. unschädlich sind. Petitionen zwecks Amalgamverbot werden abgewiesen. In der UdSSR war Amalgam bereits 1975 verboten.
    Dass implantierte Metalle Autoimmunkrankheiten auslösen, ist bekannt, vgl. z.B. http://toxcenter.org/artikel/Autoimmunfax.php. Das wird jedoch vertuscht. Patientenrechte interessieren nicht, auch nicht die Justiz. Habe seit Jahrzehnten rheumatische Beschwerden mit brennenden Augen, Müdigkeit etc. und gemerkt, dass die Medizin keine Ahnung hat. Der Mensch wird von der Schulmedizin als aus Einzelteilen bestehende Maschine betrachtet. Ich bekam z.B. Augentropfen, Nasenspray, Salben gegen Hautausschlag und Schmerztabletten.
    Man muss Ursachen, Blutteste, Allergieteste bzw. den Test auf Verträglichkeit von Titandioxid selbst erforschen. Titandioxid ist übrigens auch ein Lebensmittelzusatzstoff und wie Aspartam krebserregend. Beim Test auf Zahnersatzmetalle ist Kobalt nicht dabei, obwohl es in Zahnkronen ist. Habe eine Quecksilberallergie, eine starke Kobaltallergie und vertrage das Titanimplantat offenbar auch nicht. Nur durch einen nach Jahrzehnten zufällig gemachten Bluttest weiß ich, dass ich dsDNA-Antikörper habe, also autoimmunkrank bin. Die Evolution hat Giftstoffe bzw. Implantate nicht vorgesehen. Eine Ärztin gab zu, dass chronisch Kranke gewollt sind, weil damit Geld verdient wird.
    Meine Diagnose: Die ganzen Implantate müssen wieder raus.
    Allgemein gilt: Das Zulassungssystem wird von der Industrie manipuliert, deren Hauptsorge die Gewinnmaximierung ist.

    (Zahlreiche dieser Zuschrift anhängende Links wurden aus Anti-Spam-Gründen redaktionell entfernt. fri)

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