Nur das Allerbeste

Ein frommer Wunsch, “Nur das Allerbeste” wird zum Anfangs- und Endpunkt dieses Romans direkt von der Bowery in New York in Ihr Wohnzimmer gehext. Denn die beschriebene Dinnerparty ist so authentisch und live beschrieben, dass sie auch genau da stattfinden könnte: in Ihrem Wohnzimmer.

Ein (Gedanken-)Fluß ohne Wiederkehr

Dass die Floskel “Nur das Allerbeste” sogar besser passt als die im Amerikanischen Original verwendete Grußformal “Happiness and Love” ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass “Holzfällen” (1984) von Thomas Bernhard zum Ausgangspunk ihres Debütromans wurde, wie die Autorin selbst in ihrer Anmerkung statt eines Nachworts schreibt. Zu danken ist natürlich auch der Übersetzerin, die wohl das Werk von Bernhard ebenso gut kennen dürfte wie das Debüt von Dubno, die schreibt: “Holzfällen ist zum Verständnis meines Buchs nicht notwendig, aber absolut empfehlenswert“. Und tatsächlich liest sich “Nur das Allerbeste” wie in einem Fluß, so beschwingt ist der Flow und der Stream dieses Gedankenreigens. Eine zufällige Begegnung auf einer Trauerfeier, ein geselliges, “künstlerisches” Abendessen wird zum Ausgangspunkt eines inneren Monologs, eines stream of consciousness, der einen schnell die mondäne Umgebung, ein Penthouse in New York, vergessen lässt. Denn der Gedankenstrudel von Zoe Dubno reißt einen mit in einen Fluß ohne Wiederkehr, bei dem nur Leichen überbleiben können. Bis am Schluss dann die Grußformel “Nur das Allerbeste” vielleicht doch alles wieder rettet?

Trauerfeier als Performance

Die beiden Wohltäter und Mäzene, Nicole und Eugene, die eine New Yorker Künstlerclique durch Parties über Wasser hält wird derartig genüsslich und appetitlich durch den Kakao gezogen, dass einem tatsächlich die Spucke wegbleibt. Die etwas jüngere Protagonistin, die “Neunzehnjährige”, die inzwischen auch schon bald in ihren Dreißigern angelangt sein dürfte, kommt von ihrem fünfjährigen Europaaufenthalt zurück und erfährt, dass Rebecca “zu viele Pillen” geschluckt hat und das Zeitliche segnete. Auf der Trauerfeier in dem Apartment der Mäzene Nicole und Eugene treffen sich alle ihre ehemaligen alten Bekannten und warten auf eine Schauspielerin. Diese soll für die ehemalige Schauspielerin Rebecca die Trauerrede halten, die dann allerdings etwas aus dem Ruder gerät. Obwohl die Erzählerin immerhin den Atlantische Ozean zwischen diesen Menschen und sich als Pufferzone errichtet hatte, stößt ihr sofort alles das, was sie damals so ihnen verabscheute, wieder auf. Denn die zur Schau getragene Großzügigkeit der beiden Vampire ist in Wirklichkeit nichts als ein gewinkelter Schachzug an neue Ideen von anderen ranzukommen. Aus einem Vierliter-Ziploc-Beutel, der weitergereicht wird, entnehmen die Anwesenden die Asche Rebeccas und streuen sie in den Wind während die Protagonistin sich in Erinnerungen verliert und ihre Abscheu immer größer wird. Doch dann trifft endlich die Schauspielerin ein und nimmt ihr quasi die Worte aus dem Mund…

Middle Brow, Content Farmen, Leverage Buyout, Corporate Governance und die “Performativität von Objekten”

Eine lesenswerte Abrechnung mit einer Kulturschickeria, bei der Performance den eigentlichen Wert von Kunst längst ausgehöhlt hat und der bloßen Profitmaximierung dient. Selbst die Filme die sie sich ansehen tun nur so als ob sie diese angeprangerte Kultur kritisieren würden, inszenierten sie jedoch gerade und legten die eigentliche Sehnsucht der Regisseure oder Drehbuchschreiber, selbst Kapitalist sein zu wollen, bloß. Zoe Dubno rockt in ihrem Debütroman richtig ab und reicht beim Schimpfen auf die Kulturelite ihres Landes selbst Bernhard das Wasser, sie spricht wohl vielen aus der Seele, wenn sie gesteht, dass auch sie schon einmal ihre Seele zum Dumpingpreis an die Kulturindustrie verkauft hat. But what can a poor girl do, but sing in a rock and roll band? Mit einem Wort: Großartig!

Zoe Dubno
Nur das Allerbeste.
Roman
Originaltitel: Happiness and Love
Übersetzung aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
2026, Hardcover, 288 Seiten, Format : 11,8 x 19,5 cm
ISBN : 978-3-423-28521-6
dtv
EUR 24,00 [DE] – EUR 24,70 [AT]


Genre: Debüt, Gesellschaftskritik, Kunst, Musik und Literatur, Roman
Illustrated by dtv

Die Dreigroschenoper

Die Dreigroschenoper: Der Filmklassiker von Georg Wilhelm Pabst erscheint bei Atlas Film als Mediabook inkl. DVD und Blu-ray mit der restaurierten Fassung und einem spannenden Booklet mit historischen Dokumenten und Informationen zur Entstehungsgeschichte und Rezeption. Über diese Ausgabe hätte sich selbst Bertolt Brecht (Drehbuch) gefreut, der gegen den Film von Pabst prozessierte.

Und der Haifisch der hat Zähne…

Details zu den Gründen, warum sich Pabst und Brecht vor Gericht duellierten, befinden sich auch im beiliegenden Booklet der vorliegenden Luxusausgabe von Atlas Film. Zudem umfangreiche Extras wie die Dokumentation „Filmheld Mackie Messer“. Der Film- und Bühnenklassiker, der im Soho Londons Ende der 1920er Jahre spielt, avancierte schon früh zum Kult, geht es darin doch um nichts anderes als die Verstrickung von Ober- und Unterwelt, also ein Thema, das allzeit aktuell ist. Mackie Messer (Rudolf Forster), Boss der Londoner Unterwelt und unverbesserlicher Frauenheld, verliebt sich ausgerechnet in die schöne Polly Peachum (Carola Neher), die Tochter des Londoner Bettlerkönigs. Der Vater, Peachum (Fritz Rasp), ist absolut gegen die Heirat und spinnt zusammen mit Polizeichef Tiger-Brown (Reinhold Schünzel) daraufhin eine Intrige, um Mackie Messer endlich hinter Gitter zu bringen. Dabei spielt der Geburtstag der Königin eine wichtige Rolle, denn Peachums Bettlermassen werden als Druck- und Erpressungsmittel eingesetzt.

…und die trägt er im Gesicht…

Regisseur G.W. Pabst inszenierte 1931 Bertolt Brechts weltbekanntes Theaterstück, hatte sich aber auch in den 300 Jahre alten Urstoff, der wiederum Brecht als Vorlage gedient hatte, vertieft und dem Stück so seine ganz eigene Atmosphäre verpasst. Schon während der ersten öffentlichen Aufführungen kam es zu Tumulten, die von Nationalsozialisten verursacht wurden. Der Film wurde nach der Machtübernahme durch dieselben verboten, da er „eine gefährliche Glorifizierung des Verbrechertums“ enthalte und „lebenswichtige Interessen des neuen Staates gefährden“ würde. Der Film wurde 2006 restauriert und damit auch der Ton verbessert, der die unvergesslichen Melodien aus der Dreigroschenoper wieder schwungvoll erklingen lässt. Denn längst sind Titel wie „Moritat von Mackie Messer“, „Die Seeräuber Jenny“ oder „Siehst du den Mond über Soho“ in das allgemeine Kulturgut Europas und der Welt eingegangen. Ein Singspiel feiert seine Wiederentdeckung!

GEWINNSPIEL:

Wer folgende Frage beantwortet und eine Email an mich schreibt, gewinnt! Es gibt eine Ausgabe zu gewinnen, also schnell antworten! Warum haben sich Pabst (Regisseur) und Brecht (Drehbuchvorlage) zerstritten?

 

Regie: Georg Wilhelm Pabst

Originaltitel : Die 3-Groschen-Oper

Deutschland 1931

Laufzeit: 107 Minuten

Darsteller: Rudolf Forster, Carola Neher, Lotte Lenja, Reinhold Schünzel, Fritz Rasp

FSK: frei ohne Altersbeschränkung

Bildquelle: Stiftung Deutsche Kinemathek

Atlas Film


Genre: Film, Gesellschaftskritik, Theater
Illustrated by Atlas-Film