Hommage an eine Außenseiterin
Unter dem Titel «Pizza Girl» hat die junge amerikanische Schriftstellerin, deren Mutter aus Korea stammt, auf Anhieb einen Debütroman geschrieben, der in den USA in bestimmten Leserschichten sehr erfolgreich war. Es ist die in Los Angeles angesiedelte Coming-of-Age-Geschichte einer 18jährigen Pizza-Fahrerin aus der unteren Gesellschaftsschicht, die sich tapfer und unverdrossen durch ein wenig erfreuliches Leben schlägt, immer auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung.
Jane ist von Billy schwanger, ihrem liebevollen Freund, der sich, wie auch ihre Mutter, riesig freut auf das Baby und einen in Aussicht stehenden, für ihn interessanten und auch lukrativen Job weit entfernt ausschlagen will, weil er dann sein Kind nicht würde aufwachsen sehen. Ihr innig geliebter Vater hat sich in dem stets verschlossenen Schuppen neben dem Haus buchstäblich zu Tode gesoffen, er starb vor rund einem Jahr. Jane hat damals die Schule abgebrochen, den erstbesten Gelegenheits-Job angenommen und lebt seither ziellos in den Tag hinein. Mit dem alten Ford Festiva des Vaters fährt sie für eine Pizza-Bäckerei in einem Vorort von L.A. die telefonisch bestellten Pizzas aus. Eigentlich kann sie ganz gut davon leben, denn sie bekommt zusätzlich auch öfter Trinkgeld. Aber sie ist unglücklich mit diesem Job und sieht auch keine Perspektiven für sich, die Tage rauschen nur so an ihr vorbei, einer wie der andere. Allerdings ist diese Arbeit für sie aber auch eine willkommene Gelegenheit für eine Flucht von zuhause, weg von ihrer Mutter, die sie mit ihrer Liebe und Fürsorge geradezu erdrückt. Und auch Billy, der Erzeuger ihres ungeborenen Kindes, der mit ihr und der Mutter unter einem Dach lebt, freut sich über die Maßen, Vater zu werden, erschreckt sie damit aber sehr, denn sie freut sich gar nicht. Er und die Mutter haben leider nur noch ein Thema, das Baby. Jane kann diese überschwängliche Freude partout nicht nachvollziehen, sie hat keinerlei emotionale Bindung an das ungeborene Kind, das ihren Bauch nun immer mehr anschwellen lässt.
Die Eltern von Billy sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Jane hat ihn dann bei in einer Trauergruppe kennen gelernt, die in solchen Fällen über den erlittenen Verlust hinweg helfen soll. Aber sie beide konnten nicht weinen über den Verlust, eine Gemeinsamkeit, die sie letztendlich zusammen brachte, – sie verliebten sich ineinander. Durch ihre Tätigkeit kommt Jane mit vielen Menschen zusammen und kann einen kurzen Blick in deren Wohnungen werfen, wobei viele kurze Eindrücke zurückbleiben, die ihre Phantasie beflügeln. Aber sie sieht eben das, was sie sehen will dabei. Das sympathische Paar zum Beispiel, das ihr jedes Mal eng umschlugen wie Frischverliebte die Tür aufmacht und das sie darum sehr beneidet. Aber der Schein trügt, denn der Mann schlägt seine Frau, wie sich dann herausstellt, ihr liebevolles Gehabe an der Tür ist nur Fassade. Eine für den Plot maßgebliche Bekanntschaft macht Jane, als eine Kundin eine Salami-Pizza mit Gürkchen bestellt. Da diese Variante so nicht lieferbar ist, fährt Jane kurz entschlossen zum Supermarkt und kauft ein Glas saure Gürkchen. Und die zwanzig Jahre ältere Frau merkt sofort, dass Jane schwanger ist. Jenny ist denn auch die Erste, die ihr auf den Kopf zu sagt: «Du bist nicht gerade begeistert».
Die von nun ab wöchentliche Begegnung mit Jenny entwickelt sich für Jane zur Obsession, sie verliebt sich in die Kundin und denkt fortan sogar an sie, wenn sie Sex mit Bobby hat. Aber auch hier trügt der Schein, auch Jennys Leben ist nicht perfekt, – sie müsste ihren Mann verlassen, um glücklich zu sein, folgert Jane. Die amerikanisch locker erzählte, dialogreiche Geschichte ist mit einem fein dosierten Humor gewürzt, wobei der Fokus leider allzu einseitig auf die Protagonistin gerichtet ist, gegen die die anderen Figuren geradezu verblassen. Als gelungene Hommage an eine sympathische Außenseiterin lässt dieser banale Roman leider Motive wie beispielsweise die Trauer fast ungenutzt, es fehlt ihm doch allzu oft an psychologischer Tiefe.
Fazit: mäßig
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