
Zehn Jahre ist er tot: Prince, unvergessen!
Prince. 100 Seiten. April 2016: Prince ist tot. Gerade einmal 57 Jahre alt geworden (*7. Juni 1958) ereilte ihn das Schicksal des “Club 27” dreißig Jahre später. Eine Überdosis von Schmerzmitteln, die Autorin spricht von Fentanyl, hatte dem begnadeten Visionär, Genie und Ikone der LGBTIQ+ wohl eher unabsichtlich dahingerafft.
Prince: Club 27 mit 57
Berühmt für seine rücksichtslosen Tanzeinlagen hatte sich der Spätberufene Zeuge Jehovas Hüft-, Knie- und Gelenksschmerzen eingehandelt, die ihm – je älter er wurde – derart zu schaffen machten, dass er es ohne Schmerzmittel nicht mehr aushielt. Als Zeuge Jehovas war ihm eine lebensrettende Operation – die Bluttransfusion zur Folge gehabt hätte – schlichtwegs nicht erlaubt. Am 16. April soll er bei einem letzten Konzert in seinem Paisley Park Anwesen noch die unheilvollen Worte “Wait a new days, before you waste any prayers” abgesetzt haben, 5 Tage später, am 21. April fand man ihn tot im Aufzug von Paisley Park.
Prince: Das bescheidene Genie
Der nur 157cm große Künstler war einer der letzten wirklich Großen der US-amerikanischen Unterhaltungsbranche. Sein zurückgelassenes Werk wird auf weitere 58 Alben geschätzt, so fleißig und ehrgeizig war der aus zerrütteten Verhältnissen in Minneapolis stammende Musiker, Performer und auch Tänzer gewesen. Aber auch bescheiden, wie ihm folgendes berühmtes Zitat bescheinigt: “If you seek somethin else but music in me, then it’s something inside of you that’s lackeng“. Pointiert, intelligent und sharp, ganz so wie sein Bühnen-Ich. “Fuckability” fällt in diesem Zusammenhang als Stichwort der Musikexpress-Journalistin.
Riesiges Vermächtnis eines Ausnahmekünstlers
Dabei hatte ihn selbst seine fatale Begegnung mit seinem Vorbild Graham (Sly & the Family Stone) das Leben gekostet. Graham war es nämlich der ihn zu den JW missioniert hatte und so wurde ihm die Beziehung schließlich zum Verhängnis, wie die Autorin anmerkt. Enttäuscht zeigt sich die – widerwillige – Biographin übrigens von seinem Verhältnis zur nur 16-jährigen Mayte Garcia, dabei hatte Prince doch stets Augenhöhe in Beziehungen propagiert. So auch zu seinen lesbischen Co-Künstlerinnen und Bandmitglieder:innen Wendy und Lisa, die er stets mit Respekt behandelte. Indirekt war Prince auch für die Gründung der von Tipper Gore propagierten PAEL-Stickers verantwortlich. Sein Song “Darling Nikki” war so sexy, dass Tipper Gore ihre Zensur-Organisation PMRC gründete.
Prince: Off Records und In Records
Ein Interview mit dem deutschen Tontechniker Hans-Martin Buff ergänzt die ansonsten doch sehr gut gelungene Lektüre über einen der größten Musiker unserer Tage. Natürlich wird auch nicht auf seine “Schauspieler”-Karriere vergessen, deswegen unter Anführungszeichen, weil er ja doch hauptsächlich sich selbst spielte. So etwa in dem unvergessenen “Purple Rain” (1984), “Under the Cherry Moon” (1986) und “Sign o’ the Times” (1987). Zwischen 1978 und 2015 erschienen 39 Studioalben, ein Vermanschen seines Nachlasses wurde bisher noch nicht registriert. Aber der bevorstehende Geburtstag am 7. Juni wird für die von Prince schon zu Lebzeiten verhasste Industrie sicherlich ein guter Anlass sein, seine Alben neu aufzulegen.
Die Autorin und Journalistin für taz, konkret, KaputMag und Musikexpress betreibt auch den Podcast “Rebecca räumt auf”. 2025 erschien ihr Buch Mega!, das Kolumnen, Essays und Kommentare zu popkulturellen Themen versammelt.
Rebecca Spilker
Prince. 100 Seiten
Mit 4-farbigen Abbildungen und Infografiken.
2026, 100 Seiten – 17 farbige Abbildungen, 1 Schaubilder
ISBN: 978-3-15-020797-0
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