Der Dritte Mann

Mehr als 70 Jahre ist der „Dritte Mann“ schon alt und gilt immer noch unbestritten als der Filmklassiker schlechthin, wenn es um das Wien der Nachkriegszeit geht. Alle Themen die darin angesprochen werden sind universell und natürlich immer noch aktuell: Grenzen, die Flüchtlinge, der Schwarzmarkt, das Verbrechen. Aber auch der Soundtrack des Films ist modern, führte er doch vom Strauß-dominierten Wien der Monarchie direkt zum modernen Sound der Republik.

Karas als Vorbote des Austropop

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nimmt der oberösterreichische Wahlberliner Rebhandl zum Anlass nochmals über den Dritten Mann zu reflektieren. Nach einer Nacherzählung des Inhalts lädt er zu einem Spaziergang durch Wien ein, der an die Schauplätze des Films führt und voller Referenzen an die Walzerstadt auch neue Sichtweisen und Perspektiven öffnet. Als Filmkritiker kennt sich der Autor auch mit ähnlichen Filmen jener Periode aus und zieht Parallelen. Etwa zu Ministry of Fear oder Odd Man Out, The Fall Idol. Aber auch der unverkennbaren Zitherklängen von Karas huldigt Rebhandl. Inzwischen (2017) wurde die Wiener Stimmung und Spielweise der Zither übrigens als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Rebhandl lobt am Dritten Mann auch, dass er auf das Strauss-Klischee verzichtete und sich als Vorbote an eine noch gänzlich unklare Popkultur wagte.

Besetzung, Besatzung, Befreiung

Aber auch die literarische Vorlage von Graham Greene hat sich Rebhandl genau angeschaut. Tatsächlich benutzten Sozialsten und Kommunisten die Wiener Kanalisation in der Zwischenkriegszeit als Fluchtweg und ironischerweise gehörte der Doppelagent Kim Philby zu einem Spionagering, der den Namen „The Cambridge Five“ bekam. David O. Selznick, der Produzent, wollte noch „Night in Vienna“ als Titel, aber „The Third Man“ setzte sich durch und trug wohl wesentlich zum Erfolg des Filmes bei. Denn wer ist eigentlich dieser „dritte“ Mann? Besonders hervorzuheben ist auch das Kapitel „Schlechte Staatsbürger“, das sich der Rolle der Österreicher im Dritten Mann widmet. Denn diese wirkten nur als Nebendarsteller in Nebenrollen mit. Unvergessen etwa die Hauswirtin, dargestellt von Hedwig Bleibtreu, die sich die Befreiung „ganz anders“ vorgestellt hatte…

Bert Rebhandl
Der dritte Mann. Die Neuentdeckung eines Filmklassikers
Hardcover, 128 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7076-0678-2
14,99.-

Czernin Verlag


Genre: Film Noir, Krimi, Nachkriegszeit, Unterwelt, Wien
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